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Neue jüdische Presse · 1904-03-04 · Heft 9 (4.3.1904) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 9 (4.3.1904)
Date
1904-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Jüdische Frühlingsgedanken. . I1L - . . . Dieses ist ein Grundgesetz der Tora, die Gott geboten." Kein, Problem hat also die Geister und-Gemüter aller Zeiten beschäftigt, kein Rätsel so die Menschenhirne gemartert, wie derDualismus in jedemMenschen Halb Tier, halb Engel, Leib und Seele, zur höchsten Himmelshöhe strebender Geist und an die niedrige Erdenscholle gebannter Körper, sind in jedem Menschen vereint — — ihre Vereinigung nennt man Leben, ihre Trennung H!od — und der Tod ist das größte Rätsel nicht, wohl aber das Leben. Es wähnten die Einen, die Lösung dieses Rätsels zu finden, indem sie den Geist zum Diener des Leibes machten,-bannt die Seele mit ihren himmlischen Händen das für uns zusammengrase, was dem Tiere , der Instinkt viel reichlicher vorschüttete. Wäre uns dann nicht Vesser, ganz Tier zu sein? Die anderen vermeinten, das Körperliche am Menschen sei . Sünde und seine Kasteiung höchste Pflicht, und man hat es versucht, dem Judentum diesen Wahn anzudichten-- und seine eigenen Kinder, denen das väterliche Erbe fremd geworden, glauben es wirklich, daß unser Gott, der sein: .Sucht mich und lebt" gesprochen, eine mönchische Asketik, eine trübe Entsagung gewollt. Nicht an Gräbern huldigt der Jude seinem Gott, und wenn eine andere Religion ihre reichsten Ernten bei Todesgrüften hält und ihre Priester gebrochene ' Herzen und geknickte Gemüter als den empfänglichsten Saatboden für ihre Lehre ansehen, und sie ihre Heiligtümer neben ihre Friedhöfe bauen läßt, so mußte dem jüdischen Heiligtume der Tod und was mit ihm in Berührung kam, fern bleiben. Jeder Tode war unrein, denn kein Gedanke ist so geeignet, das jüdische Leben zu lähmen, wie der Gedanke an den Tod. Und die Thatsache steht doch fest, und drängt sich doch jeden: Denkenden auf, daß alles Irdische der Vergänglichkeit geweiht und Staub der Mensch und Traum sein Streben,-vergänglich alles, von der stolzen Ceder auf dem Libanon bis zum Mop-Pflänzchen hinab-alles dem Tode geweiht. Alles? Nein-der göttliche Hauch in uns bleibt und lebt fort, was an uns Mensch ist, ist unsterblich; dies die hohe Lehre von Harsobat Poro .... .Ein rotes, lebenskräftiges, fehlerloses Tier, dessen Nacken sich noch keinem Joche gebeugt, wurde geschlachtet, ein Teil des Blutes nach dem Heiligtum gesprengt und das Ganze dann verbrannt. Die Asche würde mit lebendigen: Wasser gemischt und der Unreine mit dieser Mischung besprengt, wodurch er die Reinheit wieder erlangte." Die lebenstrotzende Kraft vergeht, aber diese Vergänglichkeit erstreckt sich nicht auf das dem Heiligtum zugewandte Blut, und mit freier Herrscherhand meisterte der jüdische Priester das sonst ungebändigte Tier. Unser Tempel ist verfallen, aber alljährlich vor Einzug des Frühlingsmonats wird diese Lehre aufs neue den Juden vor die Seele geführt, und wir wollen , ihr lauschen, wenn sie spricht: Körper und Seele, sie sind beide rein und beide gleichberechtigt, sobald sie beide nur im Dienste des freien Menschenwollens stehen, das keinen Tod und keine Verwesung kennt. Im freien, heiteren Leben wollen wir alle unsere Triebe und Kräfte Gott unterstellen und jeden Blutstropfen und jeden Nervensplitter den: Heiligtum unserer Tora zuwenden, jede Unreinheit von uns abschütteln, immer reiner, immer lichtiger als Herolde der sittlichen Menschen-Freiheit und Menschen-Reinheit dastehen. Dann wird auch unser hiniediges Leben ein unvergänglicher Frühling sein. - -s- Echt russisch. Wir berichteten in unserer vorigen Nummer, daß sich 140 jüdische Aerzte der russischen Regierung für den Sfrieg in Ostasien freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Heute bekommen wir nun aus zuverlässiger Quelle die Nachricht, daß dieser Patriotismus bereits mit Dank quittirt worden 'ist, denn vierzig Familien jüdischer Aerzte aus. Petersburg, Moskau, Charkow und Kiew sind ausgewiesen worden, weil sie durch Entsendung der Familienväter zur russischen Armee in der Mandschurei das Recht verloren haben, außerhalb des Ansiedelungsrayons zu wohnen. Aus -er Lehrerwett. _ Berlin. Die Petitionsko m m ission des Abgeordnetenhauses erledigte in ihrer Sitzung am Mittwoch Abend eine Anzahl Petitionen. Eine Petition jüdischer Lehrer und Vorsänger wünscht, daß der § 4 des Besoldungsgesetzes von 18aT. wonach das Gehalt, welches christliche Lehrer aus der Kirchenkasse beziehen und mit penstonsberechtigt ist, auch' auf sie Anwendung findet Die Petition wurde, soweit es sich um die den Wünschen der Petenten entsprechende Aenderung des Gesetzes handelt, der Regierung zur Erwägung überwiesen. Köln. Nachdem sich die Verhandlungen zwischen dem Kuratorium des jüd. Lehrerseminars und Herrn Distriktsrabbiner Dr. Cohn, Burgpreppach, betreffs Uebernahtue des Direktorats genannter Anstalt zerschlagen haben, soll — wie wir hören — :n Kürze die Wahl eines anderen^Herrn als Seminardirektor vorgenommen werden. Kattowitz. Der Verband der Rabbiner Oberschle)iens hielt am 2. Februar hier eine Versammlung ab. Anwesend waren die Kollegen: Cohn-Kattowitz, Münz-Gleiwitz, ' Kopsstein-Beuthen, Kaatz-Zabrze, Ran-Pleß, Norden-Myslowitz, Emmerich-Tarnowitz, Cllguther-Neisse, Braunschweiger-Kattowitz und Galliner-Beuthen. Ter Vorsitzende, Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, erstattete Bericht über die letzte Tagung des Verbandes der oberschlesischen Gemeinden und über das daselbst erstattete Referat des Vorstaudsvorsitzenden, Herrn Stadtrat Wiener aus Kattowitz, betr. Anstellung von Wanderpredigern. Tie Rabbinerversammlung erklärt ihr Einverständnis mit dem Inhalt dieses Referates und beschließt, die Kollegen Cohn und Kopfstein zu delegieren, um bei der nächsten Sitzung des Ausschusses des Gemeindeverbandes bei der Verhandlung über diesen Puilkt den Rabbinerverband zu vertreten. Ferner gedenkt der Vorsitzende des 23jährigen Amtsjubiläums des Kollegen Fried mann- Lublinitz und teilt mit, daß bei dieser Feier .namens des Verbandes die Kollegen Kopfstein, Norden, Emmerich und Kaatz anwesend waren. Ein Verzeichnis der Namen der in diesem Jahre aus dem jüdischen Waisen hause zu Rybnik zu entlassenden Zöglinge wird bekannt gegeben, damit dieselben in Stellungen untergebracht werden, an denen die Sabbatheiligung innegehalten wird. Im weiteren berichtet der Vorsitzende über die letzte Tagung des Zentral-Ausschusses des deutschen Rabbiner-Verbandes und über die Beschlüsse, die betr. der P e n s i o n s - und R e l i k t e n k a s s e gefaßt wurden. Tabei sind die Anträge des oberschlesischen Rabbinerverbands berücksichtigt worden und zwar: 1. daß derjenige, der einmal Mitglied des allgemeinen deutschen Rabbiner-Verbandes gewesen und der Pensions- und Reliktenkasse beigetreten, Mitglied dieser Kasse bleibe, wenn er auch aus dem allgemeinen deutschen Rabbiner-Verbande aus religiösen Bedenken ausscheide. 2. Daß die Karenzzeit von 5 Jahren, die nach Angabe der Versicherungstechniker als notwendig erachtet werde, dadurch gemildert werde, daß gewisse Gelder zu Subventionszwecken für diese Zeit flüssig gemacht werden. In Wiederaufnahme einer bereits in der letzten Versammlung erörterten Frage wird der Vorsitzende ermächtigt, die Bildung von Bezirksrabbi n a t e n in der Form eines formulierten Antrages dem geschäftsführenden Ausschuß des Teutschen Rabbiner-Verbandes zu übermitteln. Ter Herr Justizminister hat sich geneigt erklärt, vor der gerichtlichen Entscheidung in Ehcs'cheidungssächen jüdischer Parteien die Heranziehung der Rabbiner zu einem Sühneversuch, konform der Tätigkeit der christlichen Geistlichen, zu veranlassen. Jedoch verlangt der Herr Justizminister genaue Angabe, welche Rabbinate für die einzelnen Amtsgerichte zuständig feien. Als Kommission zur Bestimmung des Zuständigkeitsrebietes für Oberschlesien werden die Kollegen Cohn, Kopfstein und Münz ernannt. Es folgt nunmehr ein anregender Gedankenaustausch über die Erfahrungen bei der Revision des Religionsunterrichts mck» dann ein Referat des Kollegen Emmerich über „Methodik ünd Stoffverteilung beim Mbellesen im Religionsunterricht": ergänzt wird dasselbe durch ein Korreferat des Kollegen Norden. Hierauf hält Kollege Münz einen Bortrag: „Exegetische Nachlese zu Delitzsch' Babel und Bibel. (Hiob 24, '18, 19 und Jesaja 51, 9.) Mit einer Besprechung des Buches- „Die neueren Entdeckungen und die Bibel von Urquhart" durch Kollegen Kaatz schließt die Sitzung. Budapest. In der Synagoge der Landes-Rabbinenschule fand heute Vormittags die- Entlassungsfeier folgender Rabbinatskandidaten statt: Dr. Michael Guttmann, Dr. Emanuel Hirschfeld, Dr. Karl Schönwald, Dr. Bernhard Sik und Dr. Jakob Silberfeld. Die, Prüfungskommission bestand aus den von der leitenden Kommission entsendeten Herren: Oberrabbiner Dr. Moriz Klein aus Nagy-Becskerek und Oberrabbrner Dr. Adolf S i d o n aus Bersecz und den prüfenden Professoren Lacher, Blau, Bloch und Goldziher. Vorsitzender der Prüfungskommission war Herr Oberrabbrner Dr. Moriz Klein. Bei der Entlassungsfeier empfingen die Kandidaten in Begleitung einer hebräischen Ansprache vom Boifitzenten des Lehrkörpers das Rabbinerdiplom. Im Namen der Piüsungskommission hielt deren Vorsitzender eine Ansprache an die Kandidaten, in deren Namen sodann Dr. Michael Guttmann Worte des Dankes und des Abschiedes an das Professorenkollegium und die leitende Kommission richtete. _ Bunte Chronik. Die jüdischen Namen in Shakespeares Kaufmann von Venedig. Der Name Shylock, den Shakespeare dm: Feinde des Antonio gegeben hat, ist ein außergewöhnlich seltener. In der englischen philologischen Gesellschaft (5. Februar) suchte ihn Professor Gollancz zu erklären. Der Kaufmann von Venedig ist eine Wuchererkomödie; zahlreiche Literatur ist vorhanden, welche uns erkennen läßt, was ein richtiger Wucherer — es braüchte kein Jude zu sein — in der Elisabethischen Zeit war. Der Prozeß des jüdischen Arztes Rodrigo Lopez, der im Juni 1594 ohne genügenden Beweis wegen eines angeblichen Mordversuches gegen die Königin hingerichtet wurde, veranlaßt Shake>peare, abgeiehm von Marlowes »Juden von Malta", den Juden in den Vordergrund seines Stückes treten zu lassen; auch Lopez hatte einen Christen namens Antonio zun: Gegner (s. Sidney Lee, shakespeare-Biogr.) Shylock ist das hebräische Sholoch (Shalak), das den Sturzpelikan (englisch oormorant) bedeutet; das hebräische Stammwort ist »ziehen" «griechisch heißt auch der Vogel Kataraktes), weil der Vogel in das Wasser stürzt und die Beute herauszieht. Greene spncht 1592 von »Oormoraots or llsurors". srurzpelikanen oder Wucherern. Und Antonios Fleisch soll ja unter anderen: dazu dienen, »Fisch mit zu ködern". Jessica ist die Jscah aus Genesis 11, 29: die Bedeutung des Wones ist »die zum Fenster herausscham" (wie der König Abimelech. Genesis 26,8), und Jessica sah ja ausdrücklich zum Fenster hinaus (Kaufmann von Venedig II, 5). In Tubals Name soll die Erinnerung an Kain wachgerusm werden; Tubalkain war der Sohn Lamechs, und Shakespeares Tubal war ein Kain, ein teuflischer Geselle. Shakespeare muß gute Hebraisten zu Ratgebern für seine Namengebung gehabt haben. Jeska kommt auf jüdischen Grabsteinen vor der Vertreibung der Juden aus England (1290) vor. Aus dem Geschäftsleben. (Schluß.) Msdam: haben wir Ehret's ächt chinesische Tees; dieselben sind aus den hervorragendsten Sorten ausgewählt, in sich ergänzender Weise gemischt, sodaß dieselben, auch selbst die billigste Sorte scho::, ein äußerst liebliches, angenehmes Aroma besitzen! Ebenso wie die Kaffee's sind die Tees portionsweise in dazu präpariertes Filtriermaterial verpackt und ist zur Bereitung derselben kein Seiher mehr nötig: Dadurch nun, daß die Filtriersäckchen die Materialien vollständig znsammenhalten, ist es ermöglicht, ohne Rückstände zu erhalten, die Tee's und Kaffee's vollstäi:dig auSzulaugeir und äußerst ergiebig und bis auf 'den letzten Tropfen genießbar zu mache»! Von den 3 von der Firma hergestellten Sorten, die sich nach Qualität rangieren, sind Nr. 8, 9, lU und ll in je 10 Portionssäckche» von je 3—4 Tassen — 100 bis 125 Gramm verpackt, während die letzte Sorte Nr. 12 wieder ein Toirristentee mit feinster Blütenmischung und mit Milch und Zucker versehen ist, der in Päckchen von 5 Portionen Tee von je 3—4 Tassen, sowie 5 Portionen Milch und Zucker — 175 Gramm verpackt ist. Ehret's Kakao - Nährspetze „Blitz" ist ebenfalls ein Produkt von allergrößter Wichtigkeit. Er ist aus den besten, feinsten entölten Kakaobohnen unter Beimischung von Milch, Zucker und Nährbrot hergestellt und bildet einfach angebrüht eine vollständige Nahrung und ist seiner außerordentlichen leichten Verdaulichkeit wegen bei gleichzeitig hohen: Nährwert'für Gesunde, Kranke und Rekonvaleszente» besonders empfehlenswert. Sehr beliebt geworden sind Ehret's Familien- und Haushaltungskakaos. Dieselben sind wie Kakao-Nährspeise „Blitz" aus den edelsten Kakaobohnen hergestellt und es ist ersterer unter Beimischung von Pstanzew- oder Nährsalz besonders leicht verdaulich und sehr kräftigend, während letzterer ohne Beimischung nur garantiert reines Kakao- Pulver, leicht löslich und sehr bekömmlich ist. Sämt«

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