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Neue jüdische Presse · 1904-02-05 · Heft 5 (5.2.1904) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 5 (5.2.1904)
Date
1904-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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eifoge zu Nr. 5 des Frankfurter Israelitischen FaMMattes. Di? israelitische Präparandenschule „Talmud-Thora" zu Burgpreppach versendet soeben, ihren Rechenschaftsbericht über das Schuljahr 1802/03.. Wir entnehmen demselben, daß die Anstalt im Berichtsjahre von 50 Schülern besucht wurde, unter denen 7 Schüler nach Absolvierung der Präparandenschule in ein bayerisches oder preußisches Seminar eintraten. Die für in bayerische Seminare übertretenden Schüler alljährlich unter Leitung eines Regierungskommissärs abzühaltendc Schluß- Prüfung fand am 3. und 4., beztv. am 20. August statt und wurde in ihrem mündlichen Teile diesesmal, gleichwie in den königlichen Präpärandenschulen des Kreises, von Herrn Seminardirektor Königbauer vom königlichen Schullehrerseminar in Würzburg geleitet. Sämtliche Prüflinge bestanden dieselbe und fanden ßlsdann in der israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg Aufnahme, deren Borstand ebenfalls zu der erwähnten Schlnßprüfung persönlich erschienen war. Der. Bericht gedenkt im weiteren der mannigfochen Zuwendungen während des verflossenen Jahres, sowohl solcher von zahlreichen Privaten, als auch derer von Vereinen, Stiftungen und verschiedenen Kultusverwaltungen, deren Beiträge es ermöglichten, daß der Rechnungsabschluß trotz einer für die Erwerbung des Nachbargrundstücks notwendig gewordenen größeren Aufwendung, als befriedigend bezeichnet werden. konnte. Auch das königlich bayerische Staatsministeriuin hat wiederum eine Unterstützung gewährt. Mit besonderer Jreusie wird einstweilen mitgeteilt, daß der Schule auf Grund letztwilliger Verfügung eines während des Jahres dahingeschiedenen Gönners, eine größere. Zuwendung in Aussicht steht und es wird daran der Wunsch ängeknüpft, daß dieses Beispiel recht häufig löbliche Nachahmung finden möge, daß der bei Lebzeiten von den Freunden der Schule geleistete Beitrag entweder durch eine Kapitalzuwendung auch für spätere Zeit gesichert bleibe oder aber nach - dem Mieden des Betreffenden von den jeweilig Hinterbliebenen weiter gezahlt werde, ein Wunsch, der gewiß im Interesse der sicheren Fundierung der Schule, der an die bedürftigen Schüler zu zahlenden Unterstützungen und der Erhöhung des noch immer nicht lebenskräftigen Pensionsfonds vielseitige Beherzigung verdient. Nicht unerwähnt endlich darf die Klage bleiben, mit welcher der Bericht beginnt, daß die Schüler »ftinals, wenn sie die Volksschule absolviert haben, noch nicht einmal den größten Teil des Pentateuchs gdcr die wichtigeren Gebetstücke übersetzen können, was dann notwendig bei der weiteren Ausbildung »«II hemmendem Einflüsse sein müsse. Im Interesse der angestrebten niöglichst weiten Ausdehnung des Lehrpensunis der Präparandenschule in den ver« schiedenen Gebieten der Thorawissenschaft sei eine bessere Vorbildung, bei der das Haus die Schule wirksam zu. unterstützen habe, dringend notwendig. Jedenfalls aber zeige die beigefügte Uebersicht des behandelten Lehrpensums, wie weit ein Schüler es bringen kann, wenn er nach Absolvierung der Präparandenfchule, auf dem Seminare noch 3 Fahre mit Ernst und Eifer dein Studium der Thora obliegt und im Seminar dort eingesetzt wird, wo das Pensunf der Präparandenschule abschließt.'In der Tat'ist'es nicht recht begreiflich, wie noch incmer zuweilen der Besuch königlicher Schulen an Stelle der gleichwertigen bestehenden jüdischen empfohlen wird, selbst »yn. Seiten solcher, die gründliches jüdisches Wissen und strengste Religiosität als Erfordernis eines jüdischen Lehrers betrachten. Ein nebenher noch so intensiv betriebener jüdischer Unterricht kann nicht das leisten, was der .Besuch einer jüdische» Schule ermöglicht, wo, wie hier, ein ausreichender Unterricht im Jüdischen mit dem profanen Unterricht organisch verbunden ist, ganz abgesehen davon, daß dem Schüler esnex öffentlichen Schule, dem es in den meisten Füllen schwer halten wird, am Sabbat Dispens, vom Unterricht zu erhalten, ein.Teil der Weihe des heiligen Sabbat verloren gehen muß.. Aus der Lehrerwelt. Larmftadt, Jan. Israelitische Religionslehrer dürfen für die Folge nur Religionsunterricht erteilen, wenn sie die im Bolksschulgesetz von 1874 vorgeschriebene Seminarprüfung oder eine beondere Prüfung für israelitische Religionsehrer abgelegt haben. Die besondere Prüfung wird ährlich einmal unter Leitung der obersten Schulbehörde abgehalten. Die in eine theoretische und praktische zerfallende Prüfung erstreckt . sich auf die religionswissenschaftlichen Fächer und deutsche Sprache, Geschichte, Geographie und Pädagogik. Worms. Das Großherzogl. Ministerium plant die definitive Anstellung israelitischer Religionslehrer, welche ein den Bolksschullehrern gleiches Gehalt beziehen und dieselben Rechte genießen sollen, sobald sie wöchentlich 20 Stunden Religiosunterricht erteilen. Die nötigen Mittel sollen von den Gemeinden, die zu dem betreffenden Bezirk gehören, aufgebracht werden. An die Vorstände der israelitischen Gemeinden des Kreises Worms ist bereits der ausgearbeitete Plan gesandt worden. Nach ihm sind die Gemeinden in vier Unterrichtsbezirke »ingeteilt. und zwar: 1. Alsheim. Gimbsheim, Eich und Hamm; 2. Osthosen, Rhein-Dürkheim, Herrnsheim, Abenheim und Gündheim; 3. Hebjoch, Monzernheim. Eppelsheim, Gundersheim und Westhofen; 4. Monsheim, Hohen-Sülzen, Nieder-Flörsheim. Wachenheim, Mölsheim, Pfeddersheim und Pfissligheim. Die Gemeinden Heppenheim a. d. W. und Offstein sollen der Gemeinde Worms zugeteilt werden. Bis zum 1. Februar müssen die Gemeinden dem Kreisamte Worms Bericht, erstattet haben. Breslau. Das jüdisch . theologische Seminar veranstaltete am Mittwoch Vormittag in: Festsaale seiner Lehranstalt an der Wallstraße die Gedächtnisfeier für seinen . am 27. Januar 1346 am hiesigen Platze verstorbenen Begründer und hochherzigen Philanthropen, Kommerzienrat Jonas Frankel. Gleichzeitig wurde hiermit die Feier des Geburtstages des Kaisers verbunden. Eingeleitet wurde der Festaktus mit dem Gesänge des Psalm 16, vorgetragen vom Seminarchor. Hierauf hielt der gegenwärtige Vorsitzende des Lehrerkollegiums der Anstalt, Herr Dozent Dr. S. H o r - Witz, die Festrede. Alsdann wurden die Kandidaten Dr. Julius Guttmann und Dr. Julius Lewkowitz, nachdem sie die theologisch - wissenschaftliche und die talmud-rabbilfische Prüfung vorschriftsmäßig bestanden haben, durch den Seminar-Rabbiner Dr. Lewy unter den üblichen Segenswünschen als Rabbiner aus der Anstalt entlassen. Rabbiner Dr. Julius Guttnrann dankte hierauf im Namen der Scheidenden dem gesamten Lehrkörper. Mit dem Kaisergebet, vorgetragen vom Seminar-Chor unter Leitung des Oberkantors Rosenthal, endete die Feierlichkeit, welcher nächst verschiedenen Gemeindevertretungen zahlreiche Personen beiwohnten. Zur Bewerbung um den Joseph Lehmannschen Preis war für das lausende Jahr die Aufgabe gestellt: «Der Einfluß Al - Gazzali’a auf Cbasdai Kreskaa." Eine Bearbeitung dieses Themas ist jedoch nicht cingegangen. Friedrichftadt. Die israelitische Gemeinde, die seit dem 1886 erfolgten Tode, des Lehrers ihre Kinder in die lutherische Schule gegen Entgelt von 30 Mark für das Kind und das Jahr gehen ließ, hat den Beschluß gefaßt, zum 1. April d. I. wieder eine eigene Schule zu errichten und ist in dieser Angelegenheit bei der königlichen Regierung vorstellig geworden. Die Gemeinde zählt gegenwärtig 23 Familien. Die Seelenzahl betriig bei der letzten Volkszählung 1901 109, vor etwa 50 Jahren aber 422. Die Städte Friedrichsstadt. Rendsburg und Altona waren ftüher sogenannte Freistädte in den Herzogtümern, und zur Zeit der dänischen Regierung durften sich andere Religionsgemeinschaften nur in diesen Orten niederlassen. Bei dem Uebergang an Preußen trat die Freizügigkeit ein, weshalb zahlreiche Israeliten seit dieser Zeit die Stadt verlassen haben. Hieraus erklärt sich die Abnahme der Seelenzahl dieser Gemeinde. Aus Württemberg. Am 27. Januar ds. Js. hielt der Ausschuß des israelitischen Lehrervereins eine Sitzung in Heilbronn ab. Zur Verhandlung stand eine von Spatz-Äffaltrach verfaßte Eingabe an das Kgl. Ministerium des Kirchen- und Schulwesens und an den Landtag. Die Eingabe geht davon aus, daß durch den Eingang, resp. Rückgang der Landgemeinden israelit. Bolksschullehrer außer Dienst gestellt werden könnten, wenn nicht zur rechter Zeit Vorbeugungsmaßregeln getroffen werden. Alsvorzügliches Abhilfemittel wurde die Abänderung des Art. 13 und 14 des Schulgesetzes vom Jahre 1836 und des Art 53 des Juden-GesetzeS vom Jahre 1828 empfohlen. (Besetzung der Religiynslehrrrstellen.) Nach längerer Debatte wurde die Eingabe gutaeheißem Dieselbe wird durch Druck vervielfältigt und den Kollegen zugestellt werden mit der Aufforderung: Jeder Kollege ruöge. den. Landtagsabgeordneten seines. Bezirks: über die in dem Entwurf geschilderten Verhältnisse noch persönlich austlären. Die Herren Schmal - Ludwigsburg (Ersatzmann: Hühnlein - Hall). Preßburger - Creglingen und Spatz- Affaltrach erhielten den Auftrag, denr Minister deS Kirchen- und Schulwesens in einer zu erstrebenden Audienz persönlich die Wünsche des Vereins vorzutragen. Juugbuvzla«, 25. Januar. In der gestrigen Sitzung des erweiterten Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde wurde der Antrag, dem Rabbiner Herrn Phil. Dr. Max Hoch das Definitivum zu verleihen, debattelos und mit Stimmeneinhelligkeit angenommen. Bunte Chronik. Mathias Jakob Schleiden. Am 5. April werden es 100 Jahre, daß Mathias Jakob Schleiden, der große Reformator der Botanik, das Licht der Welt erblickt hat. In Schleiden verehren wir einen jener erleuchteten Geister des Christentums, welcher mit der Fackel der Wahrheit in die Dunkelkammern des Aberglaubens, des Neides und des Hasses geleuchtet haben. Seine botanischen Forschungen führten ihn auf das Gebiet der Geschichte der Naturwissenschaften. Hier fand er die großen Forscher des Judentums vor aus der Zeit der Araber in Spanien. Hier entdeckte er die Bedeutung der Juden für die Wissenschaften und ihre Renaißance im 15. und 16. Jahrhundert, dem Zeitalter des Humanismus und der beginnenden Reformation. Als ehrlicher Bekenner der Wahrheit hat er die Resultate seiner Forschungen zusammengetragen in einer Reihe von Aussätzen, welche er unter dem Titel «Die Bedeutung der Juden für die Wissenschaften" in den «Westermann'schen illustrierten Monatsheften'" erscheinen ließ. Ihnen folgten bald an derselben Stelle eine Reihe von Aussätzen über «die Romantik des Martyriums der Juden", in denen er die ergreifende Schicksalstragödie des Judentums darstellte. Beide Artikel-Serien sind dann später auch als besondere Schriften erschienen. So klein dieselben sind, so viel bedeuten sie als eine eigenartige Zusammenstellung aus der Feder eines wahrheitsliebenden Nichtjuden, eines wissenschaftlichen Forschers, dem nichts geht über die Wahrheit. Wir haben daher alle Ursache, diesem Manne ein fteundliches Andenken zu bewahren. In Jena, an der Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit soll ein Denkmal in Gestalt einer Büste seine Züge verewigen, und ist ein Auftuf. den Gelehrte aus der ganzen Welt unterzeichnet haben, zu diesem Zwecke erlassen worden. Die Juden in Jerusalem um das Jahr 1300. Chateaubriand, der berühmte Verfasser des luterair« de Paris ä Jerusalem» (Reiseführer von Paris nach Jerusalem) 1811 faßte seine Eindrücke von den Trümmern der alten Bauten zwischen dem Berg Zion und denr Tenrpel in Jerusalem und ihrer Neubelebung durch jüdische Gemeinden in folgenden staunenden Worten zusammen : «Man sehe sich nur dieses Völkchen an. wie es sich, losgelöst von den anderen Bewohnern der Stadt, behauptet. Allseitig verachtet, beugt es. ohne zu klagen, sein Haupt, läßt jede Ungerechtigkeit über sich, ergehen, ohne nach dem Richter zu schreien, setzt sich Mißhandlungen aus, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben, duckt seinen Kopf gutwillig unter den drohend geschwungenen Sarazenensäbel! Stirbt einer dieser armen Geächteten, so nimmt einer seiner Glaubensgenossen heimlich den Leichnam und verscharrt ihn unter dem Schutze der Nacht im Tal von Josaphat, im Schatten des Tempels Salomonis. Tritt man in ihre Hütten, so bleibt man. entsetzt von soviel Elend und Mangel, auf der Schwelle" stehen. Andächtig hört man sie tage-, Wochen- und jahrelang ihren Kindern jene geheimnißvolleu Psalmen flüsternd vorbeten, die sich seit Jahrhunderten vom Vater auf den Sohn überttagen. Was sie vor fünftausend Jahren taten, das tun sie heute noch. Siebzehnmal haben die Juden der Zerstörung ihres Jerusalem zusehen müssen, aber nichts konnte sie entnmttgen, nichts konnte verhindern, ihre sehnsüchtigen Blicke minier wieder gen Zion wandern zu lassen. Wenn man sieht, wie die Juden über die ganze Welt zerstteut find, so muß man ohne Zweifel ihre Zähigkeit bewundern; fast stumm vor Staunen wird aber der Reisende, wenn er die Juden in Jerusalem wiederfindet, wo sie. die legitimen Herren des Landes, als Sklaven fremder Völker schmachten und ttotzdem gläubig auf den großen Messias, den König, der sie erlösen soll, harren. Die alten, einst so mächtigen Völker, die Perser, Griechen und Römer, find vom Erdball verttlgt und verschwur^ den. Dies kleine Völkchen aber, das lange Zeit vor diesen großen Raffen schon lebte und sttebte, das hat sich ungemischt unter den Trümmern seines alten Vaterlandes zu erhalten gewußt!"

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