Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 49 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Beilage zu Nr. 49 des Frankfurter Israelitischen FamiliMattes. Nachdem wir in dem Bestreben, unser Blatt immer vielseitiger zu gestalten und immer mehr zu vervollkomnmen, deniselben seit kurzem eine pädagogische Beilage Schule und Haus, hinzugefügt haben, wollen wir demnächst in Fortsetzung der Ausstattung unseres Blattes mit einer weiteren Beilage: Jüdische Jugend sortfahren. Es liegt uns nun daran, ein Bild von der „jüdischen^ Gedankenwelt unserer Heranwachsenden Jugend zu erhalten, um aus Grund unseres Bildes unser Programm für die Jugendzeitung auszuarbeiten. Wir richten deshalb an die Kinder unserer Abonnenten das Ersuchen, uns eine Arbeit mit irgend einem „jüdischen" Stoffe zu liefern Es bleibt den Einsendern vollständig überlaffen, ob ihre Arbeit erzählenden oder belehrenden Inhaltes ist. Die Einsender dürfen das 18. Lebensjahr nicht überschritten haben. Jede Arbeit, die druckreif ist, wird mit einem der Eigenart ihres Schreibers und dem Werte der Arbeit entsprechenden Werke prämiiert. Für die besten Arbeiten gelangen sehr wertvolle Bücher zur Verteilung. Verlag des Frankfurter Israel. Familienblattes» zufällig mit Deinem Schatze identisch? Dann! Nun > schichte der Juden in Ungarn betrachtet werden. Eine dann, allseitig viel Glück!" I solche Vorarbeit ist auch das vorliegende Schristchen. Die beiden Freunde sahen sich stumm an. Es I Tie orthodoxen Rabbiner Ungarns verschmähen es in lag alles in diesem Blicke: Erklärung, Einverständnis I der Regel von ihrer den Schaaloth und Teschuboth, und gegenseitige Beglückwünschung. Langsamen I dem Pilpul, den übertriebenen haggadischen Spiele- Schrittes und bewegten Herzens näherten sie sich ' .. den Damen. „Und liebes Herz" — sprach jetzt Rosa — „hier mein Bruder, den ich auf dieser Reise wieder gefunden." Jetzt erst wurde Rahel die beiden Herren gewahr. Sprachlos und stieren Blickes sah sie Scholem, dessen Bild sie noch vor einer Stunde so sehnsuchtsvoll und hoffnungslos betrachtet. Es war derselbe, etwas fester, breitschulteriger war er geworden, die Züge sind etwas schärfer ausgeprägt, aber es war er, Scholem, dessen Bild sie drei Jahre lang im Herzen getragen. Unter Tausenden hätte sie ihn sofort herausfindcn. müssen. Er drückte ihr stumm die Hand und neigte sich zu ihr. Aber Rahel wandte hastig den Kopf und machte einen leisen Schritt zurück. Während drei Jahre hatten sie beide für das Glück dieses Wiedersehens geschwärmt und gehofft und als es jetzt eintraf, da standen sie alle beide in höchster Verlegenheit da und wußte» nicht, in welcher Form sich dieses Wiedersehen abspielen MUß. ..Dein Bruder?" — rief Rahel verwirrt. erwiderte Rosa, die rasch erfaßte, — „darüber noch Sein, oder unser Freund (Nachdruck verboten.) Cheiderkmder. Novelle aus dem Eniigrantenleben von S. Schachnowitz, Endingen (Schweiz). (Schluß.) Und . . . Fräulein, an Ihnen liegt es, mir dieses Anrecht zu verleihen. Ich sage es einfach und kurz heraus, da ich die Höflichkeiten im Umgänge mit Damen wie Ihr Bruder weiß, längst verlernt, reichen Sic mir Ihre Hand fürs Leben, nachdem eine gütige Vorsehung bereits eine Wahlverwandtschaft zwischen uns vollzogen." Die bittenden Blicke «scholems, die jetzt auf seiner Schwester ruhten, waren eine stumme Protege für die Worte des Freundes. Rosa hatte aber inzwischen ihren ruhigen Blick und klaren Sinn vollständig wieder gewonnen und ihre Worte klangen ruhig und entschieden: „Ich danke Ihnen herzlich Herr Marksen für Ihren ehrenden Antrag, den ich jedoch jetzt nicht annehmen kann, noch darf. Ich muß vor allem bemerken, daß ich 'einem gewissen Ziele zureise und daß ich zu diesem Zwecke im Hasen von einer lieben Freundin erwartet werde." „Ist dies alles, was unserem Glücke im Wege steht, Fräulein Rosa?" „Ja, vorläufig alles . .!" Das Schiff war bereits im Hafen fest geankert. Passagiere und Manschaft hatten sich ausgeschifft. Am Landungsplätze hielten sich die beiden , Freundinnen Rahel und Rosa eng umschlungen und bedeckten sich mit Küssen, ohne in dem Augenblicke den geringsten Sinn für das Gewühl in der Ilmgebung zu bekunden. Die beiden Freunde standen aber in einiger Entfernung und sahen sich bedeutungsvoll a». „Was ist dies? Ist dies die Freundin?" — meinte Scholem, mit immer steigender Aufmerksamkeit die fremde Dame musternd. „Unglaublich! Unbegreiflich!" — brummte auch Milton." „Was ist unglaublich, unbegreiflich?" „Wirklich unglaublich! wunderte sich Milton — je. öfters ich dem Mädchen ins Gesicht schaue, desto starker wird mein Glaube, es könnte keine andere als - Rahel sein, stärker, voller, schöner, aber die Züge! Tie Augen! Es giebt keine zweiten, solche So wahr daß ... es ist Rahel, keine andere!" „Welche Rahel? —» ereiferte sich Scholem — woher kennst Du meine Rahel?" „Deine Rahel? Na na, ich werde doch wohl meine Eousine wieder erkennen? Ist sie vielleicht gar reien und den Gemeindezwistigkeiten gewidmeten Zeit, auch noch etwas für die Bearbeitung der Geschichte ihres Volkes zu erübrigen. Um so verdienstlicher ist es, daß der gelehrte Verfasser es unternommen hat, wertvolle einzelne Züge aus der Geschichte der ungarländischen Jude», wenn auch nur mosaikartig und planlos, hier aufzubcioahren und so manche Vorgänge, von denen der Verfasser durch besonders günstige persönliche Bcrbiuduiigen Kenntnis hatte, hier zur weiteren Verwertung zum erstenmal auszuzeichnen. So ist beachtenswert die Darstellung des im Jahre 1808 in Pest stattgehabten Kongresses der Juden Ungarns, besonders einzelner, bis jent unbekannt gebliebenen Begebenheiten: der Bruch innerhalb der ungarischen Judeuhcit und die Spaltung in drei Parteien; das Verhältnis der verschiedenen Parteien zu einander, sowie die religionsgcsetzlichen Konsequenzen dieser Spaltung. Interessant sind auch die Mitteilungen über die Frage des Rabbinerseminars in Ungarn, die in den 70er Jahre» sehr brennend war und die von den Orthodoxen schließlich trotz Rabbiner Hildesheimers (damals in Eisenstadr) verneinend gelöst wurde, die aber — was nur wenigen bekannt sein dürfte — schon im Jahre 1830 von einem Rabbiner David Friesenhausen in seinem Werke Mosdoth Tebel, das von Rabbi Moscheh Sofcr und Rabbi Moscheh Teitelbaum begutachtet war, aufgeworfen und bejahend beantwortet wurde. Vielleicht werden auch die kleineren Familienregister und -Nachrichten über die weitverzweigte Familie Schick, die vom Verfasser niit sichtlicher Vorliebe mitgeteilt werden, einem künftigen Geschichtsschreiber von orientierendem Werte sein. Auf 'die eingeflochtenen haggadischen und halachischen Abhandlungen und Response», die mit dem Hauptgegenstand des WerkchenS nur lose zusammenhängen, ohne welche aber ein Buch von einem so großen Talmudgelehrten wie der Verfasser, nach ungarischen Begriffen garnicht denkbar ist, so auch auf die eingestreuten, heute schon veralteten im Stile der alten hebräischen „Mechatrim" gehaltenen profan-wissenschaftlichen Ausführungen wollen wir hier nicht eingehen. Es wird sicherlich keiner, der noch Sinn für jüdische Literatur hat, das Büchlein, das von der großen Gelehrsamkeit und immensen Belesenheit des Verfassers Zeugnis ablegt, ohne Interesse l^en. Kalender für Israeliten für dasJahr5664, herausgegeben von der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union. Kr. 1,60. 545 Seiten. . . .. . Der Kalender bringt ein sorgfältiges Verzeichnis Londons ein. Eine dichte Menschenmenge bewegte I der israel. Kultusgemeinden, ihrer Mitgliederzahl, Borsich im Scheine des elektrischen Lichtes dem Ausgange I steher und Institutionen und erweist sich ftrr Inter» zur Stadt zu. In einer Nachtdroschke erster Klasse I effenten als ein unentbehrliches Nachschlagebuch, dessen nahmen vier Personen Platz, die dann im raschen I gründliche Bearbeitung die wärmste Anerkennung Trabe durch die lautlosen Straßen der schlafenden I verdient. Der literarische Teil bringt interessante Stadt dahinrollte. Hurtig liefen die Pferde über I Reiseerinnerungen des Wiener Rabbiners Dr. D. das glatte Pflaster, munter knallte die Peitsche des I Feuchtwang unter dem Titel „Holländisches Juden- Kutschers durch die stille Luft. Drin aber, im I tum" und eine spannende Erzählung „Josua Dorn" Wagen war ein feierlich Flüstern und anmutiges I von dem Direktor des Wiener Blinden-Institutes, Lispeln, denn es waren zwei glücklich verliebte Braut-1S. Heller. paare, die ' . ' fuhren. „Ja, liebe Rahel" - den ganzen Sachbestand später. Aber jetzt hier. Milton Marksen!" „Motel!" „Rahel!" Motel ergriff die Hand seiner Eousine, sie aber umarmte ihn und bedeckte ihn mit zärtlichen Küssen. Mit feucht schimmernden Augen schaute sie dann zum anderen Freunde hinüber. Er sollte empfinden, daß dieser Ausfluß des von Liebe übervollen Herzens im Grunde ihm zugedacht sei. Der letztere ergriff noch 'einmal ihre Hand: „Wenn Sie so gefühlt haben sollten, wie ich in den letzten drei Jahren, dann brauchte es der weiteren Erklärung nicht." Kann es auf Ehre und Gewissen bezeugen" lachte Milton — „im Felde und am Strande des gelben Meeres!" „Und die Antwort für meine Freundin kann ich geben" — warf Rosa ernst ein — „ich war die erste, die damals das Schicksal der neu und unglücklich Verliebten zur Seite stellten. . ." „Ja, es bedarf der weiteren Erklärung nicht" lispelte Rahel, den Händedruck innig erwidernd. .,1lnd braucht es bei uns noch weiterer Erklärungen?" — bat Milton, die Hand Rosas ergreifend. Dieses Mal entzog auch Rosa ihre Hand nicht. Geräuschvoll fuhr der Nachtzug in den Ostbahnhof da in ihr neues, glückverheißendes Heim | Ende. Bücherscha«. Bunte Chronik. In Berlin giebt es einen stillen Winkel, der! nun auch bald verschwinden wird, nämlich der g r o ß e Juden Hof. Nur wenigen dürfte dieses beschau« Wimosche ad Moscheh. Der «Stammbaum derlliche Ueberbleibsel aus längst vergangenen Tagen be Familie Schick. Von Salomo» Schick, Rab-! kannt sein. Wer die enge Gasse zwischen den Hau biner zu Karczag. Munkäcs 1903. I fern Jüdenstraße 46 und 47 durchschritten hat, der Es ist ein interessantes und beachtenswertes I glaubt sich plötzlich auf den Marktplatz einer Keinen Büchlein des gelehrten Rabbiners Schick in Karczag I «tadt versetzt, der von alten, aber freundlichen Häu (Ungarn), das den Stammbaum der Familie des Ver-1 strn umrahmt wird. Links erhebt sich eine uralte fassers von dem berühmten Rabbi Moscheh Schicki mächtige Akazie, deren knorriger Stamm zur Seite bis hinauf zu Rabbi Moscheh Halevi, Rabbiner in I geneigt ist und die mit ihrer breiten Laubkrone einen Wallerstein in Bayern Und Rabbiner über ganz I großen Teil des Platzes überschattet. Hinter ihr Deutschland, dem Großvater des bekannten Rabbi l steht ein vom König Friedrich I. im Jahre 1801 Jomtob Lippmann Heller, Verfasser des Tosafoth > erbautes Jagdhaus, das im Innern ein kunstvolles schmiedeeisernes Treppengeländer und auf dem Flur des ersten Stockwerks ein wohlerhaltenes Medaillonbild des Königs aufzuweisen hat. Gegenüber liegt das Haus Nr. 2, eines der ältesten Berlins, daS Jomtob, hinaufführt. Aus verschlungenen Pfaden verfolgt der Verfasser die «spuren der Geschlechtsfolge und sich oft unterbrechend, führt er in anmutiger Zwanglosigkeit merk- , _ _ . . .... würdige Szenen aus dem Leben vieler Großen unter I wie die an der Fassade angebrachten Reliefs zeigen, seinen Ahnen und der Geschichte ihrer Zeit vor. I einst kaufmännischen Zwecken diente. Ter große Jü- Es ist ein Stück jüdische Geschichte der jungen und I denhof, _ der am Ende des 13. Jahrhunderts als jüngsten Vergangenheit, das hier episodenhaft geboten! verschließbarer Wohnsitz der Juden in Berlin einwird. Das Judentum Ungarns hat eine reiche, wech- > gerichtet wurde, aber bereits im Jahre 1350 diese selvolle und für die Gesamtgeschichte des jüdischen I Bestimmung verlor, wird nach Vollendung des neuen Volkes wichtige Geschichte, die aber von berufener I Rathauses gleich der Paddgengasse, dem Krögel und Seite leider noch keine einheitliche, großangelegte Be-1 so vielem anderen aus dem alten Berlin verschwinden. arbeitung und Darstellung gefunden hat. Wohl sind | schon Materialien zu einzelnen Wochen und Bearbeitungen der Geschichte von einigen Gemeinden geliefert worden; so von Leopold Löw, Dr. Resiel, I Ben Meah, Dr. Bernstein u. A. Auch ist schon ein | Versuch im Großen von Dr. S. Lohn gemacht worden. Doch all diese wertvollen Leistungen können j fürsten 1690 aus Oesterreich "einwanderte, hieß Danur als Vorarbeiten für eine noch zu schreibende Ge-j vid Michel. Am 7. August 1730 begründete Hirsch Eine Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Potsdam hat deren Rabbiner Dr. Robert ^Kaelter als Gedenkschrift zur Eröffnung der neuen «Synagoge geschrieben. Der erste Potsdamer Schutzjude, der mit Genehmigung des Großen Kur-