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Neue jüdische Presse · 1903-08-21 · Heft 42 (21.8.1903) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 42 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 42 des Frankfurter Israelitischen FamiliMattes. Jahresberichte. Dem Rechenschafts-Berichte des Vereins des jüdischen Lehrer-Seminars in Rheinland zu Köln für 1901/1902, die 35. und 36. Jahre seines Bestehens, entnehmen wir folgendes: Seit der letzten Berichterstattung im Juni 1902 sind 11 Zöglinge nach vollendeter Ausbildung entlassen worden und haben dieselben sofort Anstellung als Lehrer und Kultusbeamte gefunden. Sämtliche Zöglinge, die sich bei dem Königl. Provinzialschullollegium zur Mlegung der Elementarlehrerprüfung meldeten, haben dieselbe mit Erfolg abgelegt. Die Nachfrage der Gemeinden um Zuweisung der Zöglinge der Anstalt als Lehrer und Kultusbeamte ist stets größer, als die Anzahl der Schüler, die seitens der Anstalt zur Verfügung gestellt werden können. Es darf dies als Beweis dafür gelten, daß man Mit den im Cölner Seminar erreichten Resultaten zufrieden ist und daß die aus dem Cölner Seminar hervorgegangenen Lehrer und Kultusbeamte zur Zufriedenheit der Gemeindeverwaltungen wirken. Der Wunsch, eine Präparandenschule mit der Anstalt zu verbinden, hat sich aus Mangel der erforderlichen Mittel noch nicht verwirklichen lassen. Die Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1902 stellen sich: Einnahmen: JL •A JL A Kassabestand: Vortrag dom 1. Jan. 1902 . 11631 92 abzüglich des Bankierguthabens vom 1. Januar 1902 ..... 2174 55 9457 37 Stiftungen. 8410 — Unterhaltungs - Zuschüsse für die Seminaristen. 3137 75 Außergewöhnliche Einnahmen und Geschenke. 2494 73 Zinsen-Einnahme. 1406 44 Harffsche Stiftung, Zinsen - Einnähme. 2051 25 Gartengrundstück, Pacht-Einnahme. 550 — 18050 17 Jahres- und momentane Beittäge. 11967 15 Gesamt-Einnahme pro 1903 1 30017 32 Summa - - 39474 69 Ausgaben: JL A JL A Gehalt des Direktors und Lehrer . 10100 — Fachunterricht. 1351 70 Beköstigung. 6507 36 Beleuchtung. 611 52 Wasserleitung. 139 57 Heizung. 691 00 Hausdiener. 960 00 Bureaukosten und Drucksachen . . 2334 77 Bücher und Schulutensilien . . . 269 46 Kleine Ausgaben. 302 62 Wäsche.. 118 10 Inventar. 61 00 Reparaturen. 374 79 Versicherungen, Kosten undVorschasse 88 20 Kanalgebühren. 41 26 Inkassospesen und Porto .... 406 53 Zinsen. 63 50 Krankenpflege. 129 62 24551 Bau-Konto. 45 — Gesamt-Ausgabe pro 1902 . . . 24596 (JO Vortrag, Kassabestand vom 1. Jan. 1903 . 4210 29 zuzüglich Guthaben bei dem Bankier 10668 40 14878 69 Summa — — |39474|69 Das Kuratorium besteht aus den Herren Isidor Dülken, Gerson Rothschild, Hernmnn van Clecf, Salomon Hecht, M. L. Munk, vr. meä. A. Ochs, Rabbiner Dr. H. Plato. Abraham Auerbach, Samuel Bielefeld, Leonhard Emanuel, Max Harss, Albert Simon, sänitlich in Cöln; Provinzial-Rabbiner Dr. M. Cahn, §ulda; Rechtsanwalt Hugo Emanuel. Bonn; /Jacob renkel und Realschuldirektor Dr. G. Lange in Frankfurt; Bank-Direktor George Marx, Königsberg; Philipp Mendel, Mannheim; Jakob Simon und Samuel Strauß, Karlsruhe. * * * Aus Sem Bericht Ses Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina für das Jahr 1902. In dem Berichtsjahre hat sich die Zahl der Waisenzöglinge unverändert auf 32 gehalten. Bezüglich der Lämmel-Schule sandte Herr Direktor Cohn untern: 7. Juli 1902 folgenden Bericht. Das neue Schuljahr begann am 4. Mai 1902 mit 172 Zöglingen (21 Interne, 151 Externe). Unter den Zöglingen sind 50 Waisen; 46 Zöglinge erhalten Mittagessen und 34 zahlen Schulgeld. Der Bau des neuen Schulhauses schreitet rüstig vorwärts und wird voraussichtlich noch vor Beginn der Regenzeit wenigstens im Rohbau vollendet sein. Sämtliche Arbeiten werden von jüdischen Handwerkern ausgeführt, welche die Gönner der Anstalt für diese ihnen gebotene Arbeitsgelegenheit segnen. Bekanntlich hat Jerusalem m eh r als 2000 jüdische Arbeiter, welche infolge der hiesigen konfessionell streng geschiedenen Verhältnisse ausschließlich auf jüd. Arbeitgeber angewiesen sind, deren Zahl sehr gering ist. Mit dem Umzug in das neue Schulhaus, dessen Bau den gerechten hygienisch-pädagogischen Anforderungen entspricht, wird auch eine weitere Entwickelung des Lehrplans erhosst. Der Ruf nach einem kommerziellen Kursus im Anschluß an unsere Klassen wird immer größer, je trauriger die Lage der überzähligen jüdischen Handwerker sich hier gestaltet. Ein Bericht vom 2. April 1903 lautet: Infolge der Quarantäne-Maßregeln haben die Bauarbeiten am neuen Schulgebäude anfangs Winter einen Aufschub erlitten; indessen sind dieselben nunmehr soweit gediehen, daß das neue Schulhaus im Sommer bezogen werden dürfte. .... Im neuen Schuljahr zählt die Schule 183 Schüler. Der Lehrplan der Schule giebt den klarsten Beweis von ihrer segensreichen Wirksamkeit; er zeigt, daß die Leitung bestrebt ist, die Schüler für das Judentum und für das Leben zu erziehen. IV. Klasse: 12 Stunden Hebräisch, 8 Stunden Deutsch, 4 Stunden Rechnen, 1 Stunde Turnen. III. Klasse: 9 Stunden Hebräisch, 4 Stunden Deutsch, 1 Stunde Schönschreiben, je 4 Stunden Rechnen, Arabisch, 2 Stunden Heimatskunde, je 1 Stunde Zeichnen, Singen, Turnen. II. Klasse: II Stunden Hebräisch, 5 Stunden Deutsch, 1 Stunde Schönschreiben, 4 Stunden Rechnen, 5 Stunden Arabisch, je 2 Stunden Naturgeschichte, Zeichnen, Geographie, je 1 Stunde Geschichte, Turnen, Gesang. I. Klasse: 12 Stunden Hebräisch, je 5 Stunden Deutsch, Arabisch, je 2 Stunden Rechnen, Naturbeschreibung, Englisch, Französisch, Zeichnen, je 1 Stunde Geschichte, Geographie, Turnen. Gesang. Das Hebräische umfaßt in der 1. Klasse: 4 Stunden Pentateuch und Propheten. 4 Stunden Talmud, I Stunde Schulchan Aruch, 2 Stunden hebräische Sprache und 1 Stunde jüdische Geschichte. Der Vorstand des Vereins besteht gegenwärtig aus den Herren Rabbiner Dr. Horovitz, Konsul Adolf Baer- Goldschmidt, Henry Seligmann, Professor Dr. Werner, Professor Dr. Sulzbach, sämtlich in Frankfurt a.M. und Rabbiner Dr. Ungerleider und Julius Bodenstein in Berlin. Der Vorstand hat die Freude gehabt, seinem zweiten Vorsitzenden Herrn Konsul Adolph Baer- Goldschmidt zur Feier des 70. Geburtstages seine Glückwünsche allsdrücken zu können. Herr Konsul Baer hat sein Interesse für den Verein stets in ganz hervorragendem Masse betätigt. Es darf bei dieser Gelegenheit gesagt werden, daß seiner Fürsprache die Schenkung des Waisenhauses in Jerusalem und die Spende von Mk. 30.000 zu Gunsten einer Mädchen-Waisen-Anstalt zu verdanken sind. Die allseitige menschenfreundliche Wirksamkeit des Jubilars fand in den zahlreichen Aufmerksamkeiten, die ihm durch Deputationen, Adressen, Telegramme u. s. w. erwiesen wurden, wohlverdiente Anerkennung. Möge der Allgütige ihm einen sonnigen Lebensabend schenken und ihm die Kraft verleihen, dem Drang seines menschenfreundlichen Herzens noch recht lange Genüge zu leisten. Bunte Chronik. Das Kliina Palästinas. Eine genauere Kenntnis der klimatischen Verhältnisse Palästinas ist auch deshalb interessant, weil die in der Bibel gerühmte Fruchtbarkeit desselben mit den heutigen Zuständen in grellstem Gegensätze steht. Das wichtigste klimatische Element ist dort der Niederschlag, denn von seiner Menge und Verteilung hängt die Fruchtbarkeit des Landes in erster Linie ab. Eine von H. Hilderscheid unlängst veröffentlichte Untersuchung der bisher vorhandenen Regen-Beobachtungen in Palästina giebt darüber interessante Aufschlüsse. Hiernach hat der südliche Küstenbezirk und das tiefer als der Meeresspiegel liegende Gebiet am Toten Meer und im Jordantal eine durchschnittliche jährliche Regenhöhe von etwas unter 500, der höhere westliche Teil des Berglandes eine solche von 700 bis 750, das übrige Bergland 600 bis 700, die Ebene 500 bis 600 Millimeter. Der Monat Juli ist in Palästina so gut wie völlig regenlos; auch Juni, August und September find fast völlig trocken, dagegen sind März und November die eigentlichen Regenmonate, in denen fast 0,9 aller Niederschläge fallen. Die Monate Mai bis September haben durchschnittlich nur 1 Prozent der jährlichen Regenmenge. In Jerusalem beginnt die Regenzeit ungefähr im letzten Drittel des Oktober und schließt anfangs Mai; an etwa 192 Tagen wird daselbst Regen beobachtet, die Trockenzeit umfaßt dagegen 173 Tage. Der Frühregen der Bibel fällt im Oktober und November, der Spätregen inr April und Mai. Ersterer ist für die Saaten der wichtigste; ist er spärlich oder bleibt er einmal aus, so kann auch ein reichlicher Spätregen den Feldern nicht viel nützen. Fast alle Regen treten in Jerusalem mit westlichen Winden ein und bringen Abkühlung. Von 1860 bis 1882, also in 22 Jahren, brachten 14 Winter zu Jerusalem Schnee, der aber rasch schmolz: der bedeutendste Schneefall trat am 28. und 29. Dezember 1879 ein und verursachte eine Schneehöhe von 43 Zentimeter. Hildercheid hat auch untersucht, ob sich das Klima Paustinas in geschichtlicher Zeit verändert habe. Er findet, daß die Bewaldung des Landes im Altertum nicht wesentlich höher gewesen sein könne, als heutzutage; auch deuten die Angaben der Bibel wie des Talmuds nicht darauf, daß früher die Regenverhältnisse anders waren. Daraus schließt er, daß der heutige armselige Zustand und die dünne Bevölkerung des Landes nicht eine Folge klimatischer Veränderungen seien, sondern durch die geschichtliche Entwicklung bedingt würden, so daß bei einem gründlichen Wandel der durch die türkische Unkultur hervorgernfenen Verhältnisse das heute verödete Land wieder in einen Zustand der Blüte und des Wohltandes gebracht werden könnte. „Fräulein Thora!" Am Strasbezirksgerichte Leopoldstadt in Wien ereignete sich jüngst eine ergötzliche Szene. Im Lause einer Verhandlung vor dem Strafrichter Gerichtssekretär Dr. Drawe sollte ein Jude in Eid genommen werden. Da sich die Thora, auf welche der Eid der Israeliten abzulegen ist, auf dem Tische des Verhandlungsleiters nicht vorfand und der Richter vermutete, daß sich das Buch in einen: anderen Verhandlungssaale befinde, gab er dem bei der Tür des Saales postierten Justizwachmanne den Auftrag: „Ordonnanz! Holen Sie mir die „Thora". Diensteifrig stiirzte der Justizsoldat aus dem Verhandlungssaale auf den Korridor, wo er mit Stentorstinnne dreimal rief: „Fräulein Thora!" Nach wenige» Minuten trat er wieder in den Saal und erstattete die Meldung, daß Fräulein Thora nicht erschienen sei. Der arme Bursche konnte sich die große Heiterkeit, die im Saale entstand, lange nicht erklären. Bon den persischen Juden. In der schönsten Stadt der persischen Provinz Azerbeidschan, in Urmia, lebt unter den zirka 33 000 Einwohnern, meist Mohammedanern, auch eine stattliche Anzahl Juden von besonders kräftigem und gesundem Schlage. Ihre Zahl wird auf 2000 angegeben und in ihrer Tätigkeit und in ihrem Lebenserwerb unterscheiden sie sich wenig von den andersgläubigen Urmianern. Im Obstbau, der Landwirtschaft, Viehzucht findet man sie ebenso vertteten, wie im Handel. Ihre Wohnstätten sind, wie christliche Schilderer der dorttgen Verhältnisse betonen, von peinlicher Sauberkeit im Gegensatz zu denen der anderen Bevölkerung und in ihrem kräftigen Aeußern zeigen sie nichts von der Verkümmertheit und den Charakteristiken, die einem Teile unserer russischen und galizischen Stammesbrüder durch die Verhältnisse aufgedrückt sind. In einem Hause lebt gewöhnlich eine große Familie beisammen: Vater, Mutter, drei oder vier Söhne mit ihren Frauen und Kindern, Großettern und Verwandten. Reich geschmückt sind insbesondere die wohlhabenderen jüdischen Frauen Urmias. Sie tragen ganze Ketten von Goldstücken aneinandergereiht im Haar, um den Hals und den Arnien und in ihre meist scharlachroten, weiten Gewänder gehüllt, bewegen sie sich äußerst graziös. Einen Armband- oder Ringschmuck ttagen meist selbst die Aermsten. Bücherschau. vr. S. Meyer, K o n t r a D e l i tz s ch! Die Babel- Hypothesen widerlegt. 1. Heft mit einem Briese des Herrn Prof. Friedr. Delitzsch an den Verfasser. 2. Ailflage. Frankfilrt a. M. I. Kailffmann, 1903. 60 S. 8". 1 Mark. 2. Heft. 48 S. 8". 1 Mark. Pon der Mehrzahl der im Babel - Bibel - Streit erschieilenen Schriften unterscheidet sich die vorliegende durch die Popularität der Darstellung und durch die Betonung des religiösen Standpunktes, auf dem der Verfasser sich befindet. Die populäre Darstellung ist aber nicht etwa auf Kosten der Sachlichkeit und Gründlichkeit erreicht, sondern der Verfasser versteht es, das wissenschaftliche Material, das er aus den bezüglichen Streitschriften und anderen Quellen geschöpft, so zu gruppieren und zu verarbeiten, daß der Leser auch ohne große Borkenntnisse ei» Bild von dein Stand der Frage gewinnen und sich ein Urteil bilden kann. Die genaue Quellenangabe erleichtert zudem demjenigen, der die Einzelheiten genauer studieren will, die Nachprüfung der Beweisführung des Verfassers. Die Aufzählung der Kapitel möge die Reichhaltigkeit und Vollständigkeit der Widerlegungen erkennen lassen; dieselben behandeln: den hebräischen, vierbuchstabigen Gottesnamen, den Sabbat der Hebräer und den Schapatu der Babylonier, die Erschaffung der Welt in der Bibel und auf den Keilschrifttafcln, die Erzählung vom Sündenfall, die Sintflut. Das zweite Heft beschäftigt sich mit Telitzsch's Behauptungen über die Tafel mit dem Brief des Jehoel, „El"-Ziel, den Monotheismus und die Frau der Bibel; außerdem ist dem ersten Hefte der kaiserliche Brief an Hollmann mit einer kurzen Erörterung beigegeben und dem zweiten Heft eine Besprechung von Delitzsch's „Wort zur Klärung" vorausgeschickt. B.

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