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Neue jüdische Presse · 1903-08-21 · Heft 42 (21.8.1903) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 42 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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B= & a Abonnementspreis Mk. 1.— vierteljährlich, frei ins Haus. Durch die Post bezogen 90 Pfg. vierteljährlich (exklusive 12 Pfg. Bestellgebühr.) 'Uostzeiturrgsciste 2741. Einzelnummern kosten 10 Pfg., Bezug durch Streifband Mk. 1.50 vierteljährlich lAusland Mk. 2.—). =a Redaktion und Haupt-Expedition: Xranftfurf su Ml. Bergrrstraße 25, parterre. -pfrfra Herausgeber: Knty Geis. I Jnfertionspreis für die viergefpaltene Petitzeile 25 Pfg., für die Reklame-Zeile Mk. 1.—, km kleinen Anzeiger (Familien-Nachrichten, Stellen-Angebote und -Gesuche 2 Pfg. die Silbe). Beilagen je nach Gewicht, Mk. 5.— biS 8.— das Tausend. B- " .. ." No. 42. Freitag, den 28. Aw 5663 (21. August 1963) No. 42. (Nachdruck verboten.) Ein Festgrntz zum Basler Kongreß. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr .... Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen'". Willkommen, ihr Brüder und Schwestern, willkommen! Zu ernstem und reiflichem Rat. zu hoher und heiliger Tat habt ihr euch zusammengefunden. Schmetternd und mächtig ist überallhin, in die vier Ecken der Erde, der Ruf des großen Schofars erklungen: Ihr Brüder und Schwestern, auf! In das üppige Prunkgemach des Großen dröhnte er zitternd: Deine Brüder darben! In das finstere Gemach des Armen tönte er sieghaft: Deine Brüder Helsen! Dem feigen Fahnen flüchtling gellte er ins Ohr: Du bist ein Jude! Den unstät Schwankenden herrschte er an: Werde stark und fest! Dem weinenden Treuen hauchte er zu: Die Befreiung naht! In die Höhen drang der Ton und in den Tiefen weckte er ein Echo. Verzweifelnde belebte er, Verschmachtende tröstete er, Kalte durchglühte er, Eitle vertiefte er. Und der Große sprang auf und schluchzte: Ich sollte prassen und meine Brüder hungern? Und der Arme richtete sich empor und jubelte : Uud ich werde nicht mehr getreten werden? Und der Fahnenflüchtling ermannte sich und rief aus: Zu euch gehöre ich! Und der Schwankende umpanzerte sich und jauchzte: Hie Gotteswort und Judenheit! Und der Treue breitete die Arme aus und stammelte: Gesegnet, Der Du mich diese Zeit hast erleben lasten! Und aller Schreie klangen zusammen in dem einen sehnsüchtigen, brausenden, tausendstimmigen Ruf: Zion! — Zion! . . . . Zion! . . . Du reiner, Du geliebter Ort! Du Stätte hieniediger Himmelsherrlichkeit! Du Zeuge blühender Vergangenheit! Da wir uns sonnen durften im Strahle des himmlischen Lichtes! Da unser Leben war ein Lichtwandel auf Erden! Da wir frei heben dursten unser Haupt, frei von Menschenfurcht und frei von Menschenjoch, von Menschenfurcht und Menschenjoch frei und nur Einem untertan, Ihm aber auch voll und ganz, von der Wiege bis zum Grabe, mit jedem Tropfen unseres Blutes, mit jedem Sinnen unserer Seele untertan: Gott! Zion! Du reiner, Du geliebter Ort! Da wir nicht buhlten um Menschengunst und nicht strebten nach Menschenrang, da wir die Augen aufschlugen zum Himmel und flehten nur um eine Gunst und strebten nur nach einem Rang: um die Gunst unseres liebenden Vaters im Himmel, nach einem Rang vor dem Könige der Ehren! Zion! Du reiner, du geliebter Ort! Wo wir ein Volk waren, ein einiges, starkes, stolzes Volk,'wo wir Königskindern gleich wallten geehrt und erhaben vor allen Völkern, gekleidet in den Purpur des göttlichen Gesetzes, umhüllt mit dem Mantel der himmlischen Gnade, zu Gaste im ragenden Schloste bei dem Könige der Könige, dem Heiligen, gelobt sei Sein Name! Zion! Wo in Trümmer brach alles, alles, was uns Würde, was uns Freiheit, was uns Stolz, was uns Weihe verlieh! Wo in Flammen auflodern ließ, um unserer eigenen Sünden willen auflodern lasten mußte Sein hehres, prangendes Schloß, das Beis Hamikdosch, der heilige, gerechte Weltenkönig. Von wo Er uns hinausstieß in Wildnis und Wüstenei, darin es uns gebricht an Herzenslabe, wo wir uns nicht emporringen können aus dem Schlamm, der uns umgiebt, wo wir verachtet, gemieden, gebrandmarkt werden, wo wir lechzen und schmachten nach Brot, nach gemeinem irdischem Brot und nach köstlichem Himmelsmanna. Zion! Du reiner. Du geliebter Name! Der Du durch Jahrzehnte nur bloßer toter Klang warst auf vielen Lippen, der nur heimlich und scheu ausgesprochen wurde, der Du jetzt schwebst offen auf Millionen von Lippen, webst in Millionen von Herzen! Ihr Brüder und Schwestern! Ihr Ritter und Edeldamen der jüdischen Nation, Dank euch, Dank! Ein Funke ward in euch geworfen aus himmlischen Höhen, ihr habt ihn entfacht zu lohendem Brand. Ihr habt gehütet mit treuer Sorge, mit schwerer Mühsal, mit opfersrohem Sinn die Flamme Tags und Nachts, damit fie erleuchte und erwärme das tiefe, das grenzenlose Elend unseres Volkes. Was galt euch Gold, was Schlaf, was euer Leben, wo dieser Preis auf dem Spiet stand. Ihr Brüder und Schwestern, ihr Ritter und Edeldamen der jüdischen Nation, und vor allem Dir, Du erlauchter, tapferer Held, Dir. Theodor Herzl, Dank, taufend Dank!.. Aber bewacht und schürt nicht nur das Feuer, haltet es auch rein! Haltet es rein! Es ist kein irdisches Feuer, das künstlich strahlt und hitzt, es ist ein Gottesfeuer! Und in seinem Umkreis sollen sich bewegen nur sittlich reine und sittlich ganze Juden. Die nicht etwa umwandeln das Beugen vor Menschen in ein Beugen vor frevelm, niederm Tiertrieb. Die nicht wähnen mögen, wenn fie Menschenfesseln abgestreift, könnten, dürften fie auch fürderhin Himmelsfeffeln abstreifen. Nein, nicht so, ihr Brüder nnd Schwestern! Auch die Babylonier, die Römer, die Griechen waren Völker, aber Völker, von Menschenfaust geschaffen und gefügt. Ihr aber, wir aber find ein Volk von Gottesgnaden. Ein Volk vom Sinai her. Das den Urquell seiner Kraft nicht in sich birgt, das ihn von oben empfängt. Wir sind ein Volk um unserer Religion willen! Und sie zu leben, wahr zu leben, fürwahr, ihr Brüder und Schwestern das ist groß und köstlich! Ein Schofarruf hat euch geweckt. Und heute erschallt ein anderer Schofarruf zum erstenmal. Der da mahnt an ernste und heilige Zeit. In der wir abstreifen müffen, was uns kleidet.und ziert. In deü wir verkästen müffen, was 'uns lieb und teuer. In der wir schleierlos, selbstlos, kraftlos dastehen vor dem Höchsten. In der wir klagen und schluchzen, in der wir bitten und betteln vor Dem, in Testen Hand unser Sein. Brüder und Schwestern, seid auf der Hut! Seid alle aus der Hut? Daß ihr dann nicht erröten und vor Scham, vor Angst versinken müßt! Wenn Er euch fragt: Habt ihr nicht nur eurem Volk, habt ihr auch Mir zuliebe gelebt? Habt ihr getan, alles getan, was Ich gewollt? Dann mögt ihr frei hintreten können und sagen: Vater und König! Viel find der Leiden Deines Volkes! Viel sind der Abwege, viel der Jrrtümer, viel der Wirrniste für Dein Volk und für uns. Dein Volk wollen wir dem Sumpfe entrücken, damit es sich stark und rein entfalten kann. Und mit uns, Vater und König, mit uns übe Erbarmen, denn auch wir wollen uns zu Dir hinläutern. So gewappnet und gefestigt zieht einträchtig weiter in den Kampf, in den Sieg. Tndrußland und Südamerika. Bon S. Schachnowitz-Endingen. Die Zeitungen meldeten von der Anwesenheit eines Vertreters der I. li. A. in Kischinew, um Lage und Verhältnisse der dortigen Juden zu studieren und einen Teil nach dem Eldorado der I. E. A., nach Argentinien zu verpslanzen. Viele dieser Familien, die im Eindrücke des Erlebten noch ihre klaren Zinne bewahren konnten, wagten die I. E. A. bescheiden um ein Heim in Palästina zu bitten. Aber, soweit die jüdischen Zeitungen berichten, wurden diese Gesuche vorlänfigact acta gelegt. Die hebräische Zeitung „Hameliz" ließ durch, einen Mitarbeiter den Herrn der I. E. A. in Kischinew interviewen —* er zeigte für Palästina aus vielen und verschiedenen Gründen keine Neigung. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß viele, sehr viele Familien Südrußlands 'im Drange und Drucke der grauenhaften Ereignisse sich als solches Hilfsobjekt auch hergeben. Für die Bedrückten und unter dem Damoklesschwerte Eingeschüchterten giebt es kein Alternativ, kein „Wohin", sondern nur ein „Heraus". Südamerika'? Auch gut! Wenn man uns nur da leben läßt, unser Gut nicht plündert und unsere Weiber und Kinder nicht schändet und abschlachtet. Ist es auch ihrerseits.begreiflich und psychologisch natürlich, wenn sie, deren Vitalität in der Heimat eine völlig unhaltbare ist, sich von jedem Schein einer besseren Zukunft blenden lassen, so ist es umsomehr Pflicht, die wir deni blutigen Drama von einiger Entfernung zngeschaut, uns ein objektives Urteil zu bilden und dasselbe eventuell zum Nutzen und Frommen unserer betroffenen Brüder zu verwenden. Es ist vor allem heilige Pflicht der gesamten jüdischen Presse, ihre Stimme zu erheben und nach dem genügend vorliegenden Material darauf hinzuweisen, daß l a ir s n h a d e r e ch, daß dieser keineswegs der Weg der intensiven Rettung sein kann, da Argentinien nach den authentischen Aussagen der eingeweihten und interessierten Kreise selber für die Emigranten eine Flucht von der Schlinge in die Grube bedeutet. Aus dem offiziellen Bericht der „Jewish Kolonisation Association" geht deutlich hervor, wie die Kolonisation in Argentinien vollständig gescheitert. Es sind lauter lebende Zahlen, die Kar sprechen, wie verfehlt und völlig mißlungen das riesige Unter- Abonniert das Irankstrrtrr Israelitische xamitienbtattr ÜiM,

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