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Jüdische Rundschau · 1925-10-30 · Heft 85 (30.10.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 85 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHÄU Seite 717 Nr. 85 ECÜ, ZeilsdiriHenschau In der ״Weltbühnet Nr. 42, veröffentlicht der bclernte amerikanische Schriftsteller Ludwig Lew i so 11 n־ ,inen Aufsatz, ״Die Kunst Jude zu sein“, in welchem ff ״;it wenigen Strichen das Leben des jüdisch-assimilatorischen a״crikanischcn Spießbürgers mit plastischer Eindringlichkeit schildert Er kennzeichnet die innere Unsicherheit und Un-;Unrichtigkeit dieses Typus,^ gegenüber dem neuen Typus Zionisten, der die alte Scheu und die alten Täuschungen überwunden hat Der Aufsatz zeigt in vortrefflicher Weise die Einheit der Judenfrage in der ganzen Welt. Dieser feiniühligc Schriftsteller dringt, während er amerikanische Vorjjaltnissc schildert, auf den seelischen Grund auch des curopischen Judcnproblcms. In dem siebenten Hefte der von Karl Anton Roha herausgegebenen vorzüglichen und vornehmen Zeitschrift ^Europäische Revue“ (Verlag Der Neue Geist, Leipzig) iindet sich ein Bericht von Hans Kohn über den XIV. Zionistcn kon gre ß. Er bespricht insbesondere die zwei Proh’cmc, deren Lösung dem Kongreß nicht gelungen sind, die er aber offenbart hat: das politische Problem des Nationalitätenjtaates und das wirtschaftliche Problem der Siedlungsformcn. Im Oktoberheft der ״Neuen Rundschau“ (S. Fischer Verlag, Berlin) bespricht J u n i u s in seiner ״Kulturpolitischen Chronik“ auch den Zionistenkongreß. Leider mit einer ObernSclilichkcit, die bei diesem Schriftsteller überrascht und die Vermutung aufzwingt, daß er sich gerade diesem Thema gegenüber innerlich nicht frei und unabhängig genug fühlt, un! wirklich objektiv zu urteilen. So begnügt er sich damit, den Bericht der amerikanischen Crayne-Kommlssion aus dem Jahre 1919 zu zitieren, und auf die Bemerkungen Ruppins über die Bodenspekulation hinzuweisen. Aus dieser. Tatsachen müßten, ״die vielen grundsätzlichen Zweifler“ den Schluß /ichfii, daß der Zionismus, den sic ״von vornherein für ein verlorenes Experiment erklärt“ haben, eben dies auch wirklich ist. Im Oktoberheft der ״Preußischen Jahrbücher“ schreibt ein Geh. Obcrrcgicrungs-Rat Rodcrich von Kienitz einen 16 Seiten langen Aufsatz unter dein Titel ״Nationaldeutsch“, worin er den ״Verband nationaldcutschcr Juden“ mit wohlwollender Amerkennung würdigt. Da sein Material offenbar ganz und gar von Herrn Naumann stammt, so darf rs nicht verwundern, daß die ausführliche Polemik gegen den Zionismus, die den Hauptteil des Artikels bildet, zu den kuriosesten Resultaten kommt, s. z. B. zu der Vorstellung, England kultiviere den Zionismus, uin dadurch innerhalb der Volker ein Element zu schaffen, das, durch ein Phantom gereizt, Unzufriedenheit verbreite und dadurch den modernen Internationalismus fördere. Das Komischste aber ist der Schluß des Aufsatzes, wo das jüdische Volk als Muster dafür hingestellt wird, wie man über das Elend hinweg seinen eigenen r.ntionalcn Glauben bewahren kann. Der Verfasser sieht in übertriebenem Pessimismus die Auflösung Deutschlands kommen. die die Deutschen vor die Aufgabe stellen werde, ihr Schicksal ebenso zu überwinden, wie cs die Juden getan heben. Und dann heißt es: ״in dieser Idee treffen wir reit dem Verbände der nationnldcutschcn Juden zusammen.“ iaaerkt der Verfasser gnrnicht, daß der Verband nationaldeutscher Juden gerade das Gegenteil beweist? Denn nach seiner Analogie, müßte cs nach der von Herrn von Kienitz :orhcrgcschcncn Auflösung Deutschlands dann einen Verband rational-französischer oder national-polnischer Deutscher geben. ln einem Aufsatz ״Die Widerstände gegen die Psycho-;׳nalysc von Sigmund Freud (erschienen im A1 manach B'-ii Internationalen Psychoanalytischen Verläges, Wien) findet sich folgender Absatz: ״Endlich darf der Autor in aller Zurückhaltung die Frage; s'ufwerfen, ob nicht seine eigene Persönlichkeit als Jude,; der sein Judentum nie verbergen wollte, an der Antipathie der Umwelt gegen die Psychoanalyse Anteil gehabt hat. Ein ' Argument dieser Art ist uns selten laut geäußert worden; wir?ind leider so argwöhnisch geworden, daß wir nicht umhin 1 ׳^nen, zu vermuten, der Umstand sei nicht ganz ohne Wir- *-ung geblieben. Es ist vielleicht auch kein bloßer Zufall, daß; der erste Vertreter der Psychoanalyse ein Jude war. Um;k!1 zu ihr zu bekennen, brauchte cs ein ziemliches Maß von; ־׳״rcitwilligkcit, das Schicksal der Vereinsamung in der Oppo- 'i'ion auf sich zu nehmen, ein Schicksal, das dem Juden 'trtrautcr ist als einem andern.“ In der von Paul Rohrbach hcrausgogcbcncii Zeitschrift ״Der deutsche Gedanke“ (Verlag Hans Robert Engelmann Berlin) Nr. 26 vom 20. Oktober teilt die Redaktion mit, daß sic eine Reihe von Artikeln über das jüdische Problem veröffentlichen wird. Sie beginnt mit zwei Auf- Sätzen, einem von zionistischer und einem von nuslamlsdeutscher Seite. Ueber den XIV. Zionistenkongreß schreibt Ernst Riemann einen ausgezeichnet informierenden Artikel, der ausgehend von den Urundprobleincn des Zionismus, in gedrängter Form einen Ucbcrblick über die gesamte Ent- Wicklung bis 7.un1 Mandate und eine Darstellung des von den Juden in Palästina Geleisteten gibt, ln dem zweiten Artikel ״Ein Wort zur Juden frage“ tritt Emil Neu gebo r cn, Kronstadt-Siebenbürgen, dafür ein, daß die luden als eigene Nation Mindcrhcitsrechtc erhalten, jedoch auch alle anderen Folgen der Behandlung als nationale Minderheit auf sich nehmen. Die Juden sollen alle Rechte zur Pflege ihrer nationalen Eigenart ei hallen, jedoch soll keine Ilnmlliing, die von Juden ausgeht, den Anschein erwecken, als ob sie eine Aeußerung des Mehrhcitsvolkcs sei. Nicht Fremdenrecht und nicht Ghetto, sondern reinliche Scheidung sei im Interesse beider Teile notwendig. In Nr. 26 der Zeitschrift ״Petroleum“, Zeitschrift für die gesamten Interessen der Mincralölinduslric und des Mineralölliandcls, von! 10. 9. <1. I. ist ein Aufsatz von Prot. Walther Schmidt, CÖthen,‘ unter dem Titel ״Erdölanzcichcn in Anatolien, Syrien, Palästina und Arabien“ erschienen. Der Artikel behandelt auf etwa100 ־ Zeilen in einem besonderen Kapitel, unter Beifügung einer besonderen Karte, das Vorkommen von Erdöl, Asphalt und sonstigen Bitumen. Das jiddische wissenscMUicke Institut Vom ״Organisations-Komitee des jiddischen Wissenschaftliehen Instituts“ erhalten wir ein Esposce, dein wir nachstehende Angaben entnehmen: Der Plan eiuri jiddischen wissenschaftliche!» Instituts ist unter dem Zwange der Tatsache entstanden, daß in all den Zentren mit jiddisch sprechender Bevölkerung ein weit verzweigtes jiddisches Schulwesen bereits existiert. Die fortschreitende Entwicklung de; jiddischen Schulwesens zeigt das dringende Bedürfnis nach wissenschaftlicher Förderung und Führung. Die Frage der Lehrerausbildung, der Vervollkommnung der Erzlchungs- und Unterrichtsmethoden stellt das jiddische Schulwesen vor Aufgaben, die nur mit Hilfe einer jiddischen Wissenschaft erfolgreich gelöst werden können. Somit schafft die jiddische Schule Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Arbeit in jiddisch und sichert gleichzeitig den Bedarf nach jiddisch-wissenschaftlicher Literatur. Die wissenschaftliche Arbeit in jiddisch richtet ihr Augenmerk vornehmlich auf die realen Bedürfnisse der jüdischen Massen. Bedürfnisse des Schulwesens, Philologie, Pädagogik, Bedürfnisse der sozialen Arbeit, Soziologie, Oekonomie. Das jiddische wissenschaftliche Institut bezweckt, die wissenschaftliche Forschung in jiddisch, die bisher zersplittert vor sich ging, zu vereinheitlichen und zu organisieren. Das Institut soll dafür Sorge tragen, daß den jiddischen Wissenschaftlern, die bisher nur unter größten Opfern sich ihrer Arbeit widmen konnten, materielle Möglichkeiten zur Durchfühning der gestellten Aufgaben gewährt werden, und soll als die berufene Instanz gelten, die die wissenschaftliche Forschling zu leiten und zu kontrollieren hat. Die endgültige Entscheidung über die theoretischen und praktischen Grundlagen des Instituts kann nur die Instanz treffen, die bei uns die höchste autoritative Geltung hat. Es ist dies die für Frühjahr 1926 festgesetzte Konferenz der jiddischen Wissenschaftler u»»d Vertretcr der zentralen jiddischen Kulturverbände aller Länder. Die vom 7. bis 12. August in Berlin sfattgefundene Vorkonferen/, an de!• Vertreter verschiedener Länder (Polen, Ettauen, Frankreich, Deutschland) tcilnahmcn, hat inzwischen einen ausführlichen Plan für wissenschaftliche Vorarbeiten entworfen. a) Es werden vier wissenschaftliche Sektionen gegründet: 1. Sektion für jiddische Philologie (Zentralstelle in Wilna); 2. Sektion für Pädagogik (Warschau); 3. Sektion für jiddischc Geschichte (Berlin); 4. Sektion für Sozialökonomic (Berlin). Die Sektionen verfolgen den Zweck, unsere Wissensehaftler zur kollektiven Arbeit hcrnitzuzichcn t.iul Stoffe für wissenschaftliche Arbeiten zu sammeln. An der philologischen Sektion wird eine Zentrale für a) jiddische Bibliographie, b) jiddische Folklore, c) für Vereinheitlichung der jiddischen Orthographie errichtet. Die sozial-ökonomische Sektion wird eine Stelle für Statistik gründen, um du: Voraussetzung für wissenschaftliche Untersuchung zu schaffen. Die Sektion für Geschichte wird zur Gründung eines Archivcs schreiten. Vom 1. November 1926 an werden die Publikationen aller vier Sektionen nach dem Muster der ״jiddisdicn Philologie“ und der ״Blätter für jiddische Statistik, Demographie und Sozialökonomic“ als ״Schriften des jiddischen wissenschaftlichen Instituts“ erscheinen. Für das erste Jahr sind Arbeiten in einem Umfange von etwa 100 Druckbogen vorgesehen. Von 1926 an wird alle zwei Monate ein Bulletin über die jiddisch-wisscnschaft- Ijchc Arbeit, wie auch über die jiddische Kulturbewcgung überhaupt herausgegeben. Die Koloslsallon In Rußtead Berlin, 26 Oktober. (j.T.A.) Aus AnH« *•r Anw^*• limt der. Herrn I >r. Henry Moskowitz, Pra־.:de1.U־n des amerikanischen Ort Reconstruction Eur.d, in Berlin gab der Verband ״ORT“ am 25. Oktober im Hotel Kaiserhof einen 1 cc, zu welchem sich eine Anzahl führender Persönlichkeiten der deutschen Juden, sowie Vertreter der deutschen und der jüdischen Presse ״»»gefunden hatten. Den Vorsitz führte Herr Dr. Paul Nathan. Dr. Moskowitz erstattete Bericht über seine Reisen in Beßarabien, Polen und Rußland. Von dem, was er gesellen habe, sei er zugleich begeistert und erschüttert. Unter den Juden Osteuropas, die ’immer tüchtige Handwerker und Arbeiter waren, aber durch die herrschenden Mächte künstlich von der Produktion ferngehalten wurden, ist der unbezwingbare Drang erwacht, sieh aufbauender Arbeit zu widmen, allein ihre Wirtschaftslage ist so schwach, daß sic ohne Hilfe von außen dies nicht tun können. Die bestehenden Fachschulen der ״Ort“ sind nicht in der Lage, dem großen Andrauge zum Fachstudium, zu entsprechen. I>r. Moskowitz gab dann einen ausführlichen Bericht über seine Erlebnisse in Rußland, wo für ״ORT“ die Basis einer freien gesellschaftlichen Arbeit durch Vertrag mit der COMZET (Rcgicrtmgskommissiou für jüdische AtiMcdlmig) gemluffcu i־.t. Die judiw., die ♦.!eh auf dem ihnen von der Regierung geschenkten Boden angesicdelt hulxm, hängen schon jetzt mit Liehe an ihrem Boden und ertragen’ die größten Entbehrungen, um siel» eine Zukunft als bodenständige Bauern zu erkämpfen. I)!c Agronome der ״ORF“ sind der Ansicht, daß gerade die jüdischen Siedler, die von schlechter Tradition und Vorurteil nicht beschwert sind, sich am besten für die modernen Methoden der Agrokultur eignen. Dr. Paul Nathan versicherte, daß auch die deutschen Juden trotz der jetzigen schweren Wirtschaftslage ihr Pflichtteil leisten werden. jiislizrat Brodnitz, Vorsitzender des Ccutral-Vcrcins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, sagte, es sei für die deutschen Juden von Wichtigkeit, an der Lösung der großen Ostjudenfrage mitzuarbeiten, wodurch eine Unglückliehe Wanderbewegung vermieden wird. Rabbiner Dr. Maier - Hildesheimer drückte die Genugtuung darüber aus, daß das Joint Distribution Committee in Amerika seine Tätigkeit von neuem aufgenommen hat Prof. Otto War bürg sagte: Die Rede Dr. Moskowitz hat auf uns alle einen tiefen Eindruck gemacht. Meine engeren Freunde, die für den Palästina- Aufbau arbeiten, wissen es, daß sich unsere besten Pioniere aus den vorgchildcten jüdischen Siedlern und Handwerkern rekrutieren. Die zionislischc Bewegung hegt für diese Arbeit Sympathie. Zum Schluß dankte der Vorsitzende, Dr. Paul Nathan, den Teilnehmern ■und gab insbesondere der Genugtuung Ausdruck, daß er sich mit Herrn Prof. Warbnrg, wenn auch nicht in der Welt der Ideen, so doch auf dem Felde praktischer Aufbautätigkeit gefunden habe. Auf diesem Fehle des praktischen Aufbaues kann die langersehnte Einheitsfront hergestellt werden. Das I.andwirl'.elult'.komini'uiat der 111:1 .liui-.chcn Sowgtregieruug hielt eine Sitzung ab, der auch der Chefagronom des Agro-Joints, Herr Lubarsky als Vertreter der OZET, Herr Me re sc hin, u. a. nt. beiwohnten. Das Landwirtschaftskonunissariat teilte seinen Beschluß mit, für neue jüdische Siedler weitere 150 000 D c s j a t i n Boden b c re i t zu s t c 11 e n. Dieser Boden verteilt sich folgendermaßen: 1190 Desjatiu Weideland im Distrikt Cherson, 1914 Desjatiu Ackerland im Distrikt Bcrislawl, 2100 Desjatiu im Distrikt Zaraposchek, 19 000 Desjatin im Distrikt Marjupol, 16000 Desjatiu im Distrikt Mclitopol, 20 000 Desjatiu im Distrikt Krivojrog. Das Landwirtschaftskommissariat traf Anstaltcn. daß diese Landflächcn binnen zwei Wochen genau auf die Beschaffenheit untersucht und daß die Vorbereitung.;־ arbeiten im Verlaufe des kommenden Winters zu Ende geführt werden. Im Frühling 1920 wird mit der Ansiedlung der Juden und dem Anbau der Felder begonnen werden. H־hcn Volkes. Kein Engländer bezweifelt die Wahrheit dieser r j׳\tiomc, und cs ist einerlei, ob Baldwin oder Macdonald an; Spitze der englischen Regierung stehen. Beide sind sic 1:1 erster Linie Briten und in zweiter Linie Partcimär.ncr. T | *"dt wir Juden brauchen außer den bereits bei uns geltenden . , ׳'dornen, Primat des Palästina-Aufbaus, Primat der Organi- 1jt ^tior,, noch einige andere und dann wird cs leichter '־■ein, r s״ : finc Regierung zu bilden. -Vorläufig befindet siel־» die Ent- ■w ",icklung unserer Ideologie im Werden und darum die er- 11 ש ״'diten Schwierigkeiten. Wer aber diese Entwicklung aufmerkr, u 1הגל verfolgt, kann fcststcllcn, daß schon heute die Gegenir.I::; , viel stärker im Ideologischen als in der praktischen 1t kc: ״archführung sind. Gegenüber antizionistischen Kreisen t (׳.יי. u!‘d im Verhältnis zum Palästina-Aufbau besitzen wir be- Je C:- ^c‘!s die unbedingte Einheitlichkeit, die die Voraussetzung >!! :,!:״^1 ■־,einsamer Arbeit ist. 1111i. Moses Waldman n. ÖC<.:•־ ל ד! Jüdische Tftealerpremiere in Baharcst Von Josef Blumberg (z. Zt. Bukarest). Für mich war cs' eine Ucbcrraschung, daß die ״Wilnaer“ י j 2 Bukarest auftreten. Am Tage meiner Ankunft hat diese VuPpc gerade die Saison mit der Erstaufführung des ״Ger ucück“ (Ncophit) von Katzisne eröfinct. Um cs von Id;;: ,jäherem zu sagen, ein Erfolg war cs gerade nicht. Daran br::: aber die Schauspieler keine Schuld. Die verschwommene k c des Stückes, die schlechte Regie und die provinziellen icd : : orüti°nc11״ aufgemacht a la Tairoff, konnten nicht vercrn> daß das prächtige Talent eines Bulov, eines Stein, 1■ '״'.«״er ^r1׳z die Zuschauer in seinen Bann zwang. Das Stück Jl.‘landelt die Geschichte des polnischen Grafen Potoky, der in■ Judentum übcrgctrctcn war und deshalb verbrannt wurde. 1*‘ף' י.die alte Geschichte des Hundes, der eigentlich ein r.ü:r ,;‘!u ist, 0er junge Graf versteht es, durch die hündische ן v.. ‘-sKc hindurch den Prinzen zu erkennen und bekennt sich c׳ iili m< Prinz ist a^cr m,t sc‘ncr Maske so verwachsen, tVc f׳tafrusic nicht mehr ablcgen kann. Es ist der tragische 1 bi,: ^:1“Kt zwischen dein edlen Kern des Judentums und der ׳:J^tfhrigcn Sklaverei, die seine Seele zertrißt. Daher ücschluß des Neophiten (Stein), zu sterben wie ein Jude, w'cil er wie ein Jude nicht leben kann, daher der entgegengesetzte Drang der frommen jüdischen Tochter Ncchoinclc (Anna Braz) die, durch den jungen Grafen in eine lichtere Welt versetzt, cs nicht mehr in ihrem Eltrrnhause aushält, in *lic Grafenburg flüchtet und die Geliebte des alten Grafen wird. Am stärksten wirkt der Vater Nechomdes, der Pächter Reh Moischc (Bulov), obwohl sein Spiel sich manchmal ein wenig zu stark aufträgt. Zu feige, tim sich gegen den Grafen der ihn» seine Tochter genommen hat, aufzulchneu, setzt er auf Verlangen des Grafen seine Tochter in einer Schachpartic. Der Haß des Pächters gegen sich selbst, gegen seine feige, hündische Maske wird zu einem erschütternden Er- Icbnis. Der zum Judentum bekehrte Graf will in den Spuren Schlomo Molcho’s gehen, ein Befreier der Juden werden, bleibt aber einsam. Der hündische Prinz kam» seine Maske nicht abwerfen, und der ״Jarid“ ist ihm wichtiger als alles andere. Hier klingt dasselbe Motiv nach, das Max Brods ״Reubeni“ beherrscht. Ein Versuch, das Aiifkcimru der jüdischen Frei* hcitsbcweguiig künstlerisch z.u beleuchten. Leider ist dieses Motiv nicht klar hernusgearbeitet, das Ganze nicht einheitlich und zu langatmig. Man spürt, daß der Autor hier die Regie geführt hat. Trotz allem verläßt man das Theater mit dem Gefühl: hier wird wahrhaft große, echt jüdische Kunst geleistet. Ein paar Worte über diese Truppe: Es ist in Deutschland wenig bekannt, daß der größte Teil der Wiinacr schon seit zwei Jahren in Bukarest mit großem Erfolg wirken. Eigenartig ist das Schicksal dieser Truppe und charakteristisch für unseren Kultnrstaml. Nach dem beispiellosen -Erfolg des ״Dibtik“ in Warschau gingen einige Mitglieder der Wilnaer Truppe unter dem Namen ״Jüdisches Künstler-Theater“ nach dem Westen, spielten in Berlin, Amsterdam, London und befinden sich jetzt in' Amerika. Der größere Teil feierte in Warschau fünf Jahre lang ungeahnte Erfolge. Herrliche Pläne wurden geschmiedet, eine dramatische Schule sollte gegründet werden, die erste jüdische dramatische Schule, Shakespeare, sollte in das Repertoire aufgenommen werden. Da erreichte sic das Schicksal aller Hcimloscn. Die Truppe wurde auf die Straße gesetzt. Im größten jüdischen Zentrum konnte das einzige ernste jüdische Theater kein Heim finden und mußte auswandern. Die Truppe ging nach Wien, von dort nach Bukarest. Hier, an der Wiege des jüdischen Theaters, in der ersten Wirkungsstätte Goldfadens, machte sie nun den Versuch sich dauernd ntcdcrztilasscn. Zwei Jahre der Arbeit in Bukarest gehen der kleinen tapferen Künstlerschar den Mut und die Floffuuiig, daß cs ihnen endlich gelingen wird, sich cm Heim zu schaffen. Wieder werden große Piänc gemacht. Man will in dieser Saison mindestens fünf Ncuautiührungcu zu Stande bringen, darunter Eevik (״Der Golem“), Gogid, Aristophaucs, Toller, Georg Kaiser. Es ist sehr zweifelhaft, ob die Hoffnungen sielt erfüllen werden. Es wäre schade, wenn diese Künstler verurteilt wären, in dieser von den jüdischen Kulturzentren weit abgelegenen Ecke ohne Resonanz und ohne befruchtende Umgebung ihre schöpferische Energie zu verschwenden. .Bücherschau Hans Ahicii, Rings »un Jerusalem. Mit 21 Tafeln crieutaüscher Baukunst. ־ Br. 5,—, G.-L. 9,— M. Einhorn-Verlag, Dachau bei München. Hans-Much, Professor der Medizin in Hamburg und in weitesten Kreisen bekannt durch seine Bücher über Buddhismus, über norddeutsche Backsteingotik und seine Biographie über den indischen Kaiser Akbar, wurde 1913 und 191-5 vom hamburgischcn' Tuberkuloscforschungdnstitut nach Jerusalem, geschickt In den vorliegenden Reisebriefen spricht Much nur wenig von. seiner. ärztlichen Mission, mehr' von den Eindrücken, die Landschaft, Kultur, und vor allem die arabische Kunst auf ihn machten. ״Wcltkuhur, Wchkunsi, Weiiwisseu- Schaft“, das sind die Pole, um die sich seine Ausftii'.rungei» drehen. Much ist begeisterter Anhänger des Orients, vor allem der orientalischen Baukunst. So ist 00 erklärlich, daß er — bei aller Smpathie für den Zionismus -- sehr harte Worte findet über die zum Teil den ״elenden, stillosen Verputzbauten der Christen“ nachgchildcten Gebäuden der jüdischen Kolonien und •besonders Td-Auiws. ״Der sonst so fest am Lande seiner. Väter .hängende Jude sollte bedenken, daß die Prägung, die die bauende Menschenhand der Landschaft gibt, die Heimatliche' veredelt, und daß die alten schämen Formen die Sehnsucht wacher halten als die neuen Formlosigkeiten, ■die mit dem Landschaftsbilde nichts gemeinsam haben.“ —. Geschrieben Im Jahre 1913. Was wurde dieser edel denkc1)dg und fein empfindende Beobachter (der auch den Aiilisemisntus scharf verurteilt) heute sagen? Und is* nicht die’ Zeit gekommen, solche Worte zu beherzigen?

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