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Jüdische Rundschau · 1936-10-30 · Heft 87 (30.10.1936) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 87 (30.10.1936)
Date
1936-10-30
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Seile 4 *INDER-RUNDSCHAU zu ,־«וי, Ein Bericht aus USA. gjjf Camp Winnebago »fD. Yl mm Camp ist der Begriff, der in sehr vielen Herzen in USA. schönes Erleben zurückruft. Ein großer Teil der jetzigen Jugend — Mädel und Jungen — blickt dem Sommer und der Ferienzeit im Camp mit sehnsuchtsvollem Erwarten entgegen. Dorthin flüchtet sich die Schuljugend vor der Hitze und dem Trubel der Großstadt, um die Wunder und Schönheiten der Natur in sich aufzunehmen, um den Geist des Gemeinschaftslebens zu pflegen und um sich im Sport zu stählen. Die Season in unserem jüdischen Lager ״Camp Winnebago“ beginnt Ende des Monats Juni. Da eilen die Jungen in Massen von New York oder wideren Städten, im Sonderzug oder im Auto, herbei, um, nachdem die Stadtanzüge mottensicher verstaut sind, als echte ״Winnebagans“ möglichst viel der Zivilisation zu vergessen. Bis zum 4. Juli, der ja ein Nationalfeiertag־ ist, ist das ganze Treiben mehr ein Vorgeschmack des richtigen Camplebens, und so wird einem jeden die Möglichkeit gegeben, sich Freunde zu sichern, Namen zu merken und auf den Geschmack zu kommen: Wir haben alle einen Freibrief mit uns. Uns eint, uns verbindet unser Judesein. Wir sind uns mehr als gute Kämeraden, die «älteren jungen betreuen Jüngere und sind ihnen während dieser Zeit als ״Campbrothers“ beigegeben. Um das Leben spannender zu gestalten, wird das ganze Lager in zwei Abteilungen geteilt, von denen jede sich das Ziel steckt, am Ende des Jahres die höhere Punktzahl zu erhalten. Jede dieser Abteilungen ist darauf aus, die jeweilige Jahreszahl in der von ihnen gewählten Farbe in einem großen relsblock als Zeichen des Sieges eingemeißelt zu sehen. Der Tageslauf beginnt um 6.50 Uhr. Da saust, vom Ton des Waldhorns geweckt, alles zu den Freiübungen, die in Front des wundervollen Sees stattfinden. Um ganz munter zu werden, springt man in das gewöhnlich eiskalte Wasser, bevor man sich wäscht und anzieht. Drei Minuten nach dem Ruf des Horns tritt man in Linie zum Morgenappell und zur Flaggenparade an. Darauf folgt Frühstück, Bettenmachen und Bunkreinigen. (Bunks sind kleine Holzhäuschen, die gegen die massenhaft vorhandenen Schnaken schützen.) Dann kommt der Inspektor, um Punkte zu geben und verleiht dem reinlichsten Bunk für eine Woche die Ehrcnflaggc. ln der darauffolgenden Zusammenkunft werden neue Ver- Ordnungen bekanntgegeben und Lieder gesungen. Sonnabendmorgen jedoch wird im Freien an einem sehr stimmungsvollen Platz Gottesdienst abgehalten. Nach dieser Zusammenkunft verteilen sich die Alters- Massen auf die verschiedenen Sportplätze, um die Spiele und Kämpfe ״Braun oder Grün“ auszufechten. Ein andermal ist Training im Boxen oder Ringen. Dann folgt das Schwimmen in drei Gruppen: Nichtschwimmer, 200 Yard- und 400 Yard- Schwimmer. Nun Mittagessen und Ruhepause. Darauf Stunden in verschiedenen Unterrichtsfächern und Künsten, wie Naturkunde und andere wissenschaftliche Fächer, Photographieren, Schießen, Tennis, Segeln, erste Hilfe und Lebensrettung und Tischlerei. Für all diese Sachen sind Kursleiter da, meistenteils jüngere Leute. Darauf folgen Spiele zwischen den verschiedenen Gruppen, die sogenannten ״After-Supper-Leagues“. Wiederum folgt eine Zusammenkunft, die mit Gesängen, Schauspielen und anderen Unterhaltungen ausgefüllt ist. Dann erfolgt ״Tapp“, der letzte Ruf des Waldhorns, der allen. — mit Ausnahme der Seniors — sagt, daß nun Schlafenszeit gekommen ist. Während die Seniors in der Bibliothek noch Briefe schreiben oder Bücher lesen, sind die übrigen schon zu Bett gegangen. Wenn jedoch der Head-Counseilor seine Runde macht, müssen auch sie weichen, und bald liegt das Camp in Schweigen. Während der Ferien im Camp werden viele Ausflüge gemacht. Jeder hat freie Wahl, ob er sich einer Wanderung anschließen, oder sich lieber für eine Auto- oder Kanutour entscheiden will. Ich selbst war auf einem fünftägigen Kanuausflug, jedoch waren der Erlebnisse zu viele, als daß ich hier auf Einzelheiten eingehen könnte. Eine Szene möchte ich aber doch beschreiben. Unsere drei Kanus kämpften sich durch die Wellen des Massolonskee-Sees, auf dem vor etwa 100 Jahren noch Indianer in gleichen Fahrzeugen fuhren. Derweilen schwebte über uns ein Wasserflugzeug seinem Bestimmungsort zu, und ein am Ufer vorbeirasender Stromlinienexpreß übertönte das Geräusch des durch die uralten Bäume streichenden Windes. Auf einer Fahrt kamen wir nach dem Dead river, wo uns nach langer Fahrt ein Damm den Weg versperrte. Der Fluß mutet einen an, als ob man sich im Urwald in Afrika befände, so mannigfaltig sind seine Pflanzen- und Tierarten: Schildkröten, Fische, große Vögel usw. In der zweiten Nacht schlief ich kaum. Es herrschte eine beinahe unerträgliche feuchte Hitze. Gegen Moskitos hatte ich mir ein zwar feuchtes, doch nicht ganz einwandfrei sauberes Handtuch um den Kopf gebunden, als ein Gewitter uns in die Zelte kriechen ließ. Das Dröhnen und Grollen des Donners war nicht geeignet, uns in Schlummer zu wiegen. Dies war aber alles so grandios, daß es wohl keiner von uns je vergessen wird. Ist man nicht auf Fahrt, so werden häufig mit anderen jüdischen Camps — deren es viele in der dortigen Gegend gibt — Kämpfe in Tennis, Schwimmen und Baseball ausgetragen. Der letzte Lag im Camp mit der Preisverteilung, den Ansprachen, dem letzten Tapps und dem Verbrennen des Zeichens ״Winnebago“, dem jeder schweigend zusieht, macht das Ganze zu einem großen Erlebnis. Man scheidet mit dem Bewußtsein, ein Heim zu haben, zu dem man jederzeit zuTiickkehren kann. Otto Gerhard Schüler, Vayette (Maine-USA.) *fötucke* emen. 0 törizfoecksei £§•* Uü ייי 154=5 Ullt Mit einem Jungen oder Mädchen von 12 bis 15 Jahren aus Palästina in Englisch, Hebräisch oder Deutsch. Erste Anschrift mit Bild. Herbert Wellner, Duisburg-Hamborn, Gartenstr. 54. — Mit einem 14- bis 15jährigen Chawer oder Chawerah aus dem ״llabonim“. Erste Anschrift mit Bild. Berta Stern (14 Jahre), Magdebürg, Tischlerkrugstr. 21. — Mit gleichaltrigem Jungen aus Amerika in deutscher Sprache. Erste Zuschrift mit liild. Riwka und Mirjam Neisser (13 und 14 Jahre), Palästina, Kirjath-Chajim, Rechow 64. Bai«H&afaA KiiuUeJ'cn. Günther Bucki. Bonn. — Israel Peter Bialer, Berlin. —־ Werner Goldberg, Breslau, —- Wolf-Günther Lensehitzki, Hamburg. — Kurt (Kalman) Melinger, Berlin. — Harry Neumann, Märk.-Friedland (Grenzmark). — Manfred Trotino, Berlin-Charlottenburg. — Joseph Winter, Lübeck. — * ♦ X Hast du schon in den Jahren 1933 und 1934 die Kinder-Rundschau gelesen? — Nein — Dann laß dir unbedingt bald einmal schenken: LAND DER JUGEND Das Budi der Kinder-Rundschau das aus den ersten beiden Jahrgängen die schönsten Beiträge, die in der Kinder-Rundschau damals erschienen sind, enthalt und dazu noch vieles Neue, das früher noch nicht abgedruckt war. Das Buch umfaßt 112 Seiten mit 79 Textabbildungen und mehrfarbigem Titelbild und kostet RM 2.85 Es ist zu beziehen durch die Buchhändler oder direkt beim VERLAG DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Berlin W15, Meinckestr. 10 gegen Voreinsendung des Betrages zuzüglich RM 0,30 Porto auf das Postscheckkonto der Verlags-Abteilung Berlin 71567

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