Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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AUFRUF zur Rosch-Haschanah-Campagne Se»♦ den Tagen der Biluim ziehen die besten Söhne des jüdischen Volkes nach Palästina. Auf dem durch die Geschichte geweihten Boden haben sie die Grundlagen für die Heimstatte unseres Volkes gelegt. Begleitet von der Bewunderung der Welt haben selbstlose Arbeit in Erez Jisrael und materielle Opfer einer von der Idee der Erneuerung erfüllten Schar von Juden im Galuth sich zu einem Werke des Friedens vereint, das die moralische und rechtliche Anerkennung der Völker der Erde gefunden hat. Ungebrochene jüdische Lebenskraft und der Wille zum Neubeginn eines im Galuth sinnlos gewordenen Lebens waren die schöpferischen Kräfte, die schon in unseren Tagen das durch viele Jahrhunderte verödete und versumpfte Land zu einem blühenden Gemeinwesen gemacht haben. Mitten in diesem erstaunlichen Aufstieg wird das Werk des nationalen Aufbaus mit den Waffen der Unruhe und des Terrors, durch Mord und Brandstiftung, durch Anschläge auf Menschenleben und Überfälle auf friedliche Siedlungen, durch Vernichtung von Wäldern und Pflanzungen angegriffen. Diesem Angriff setzt der Jischuw seit Monaten seine Entschlossenheit zur unbeirrten Fortführung des Aufbaus entgegen. Den ihm aufgezwungenen Kampf hat der Jischuw bisher allein geführt. Die Unterhaltung von 4000 jüdischen Hilfspolizisten und Schomrim, der Bau des Hafens von Tel Aviv, die Vergrößerung der gemischt-wirtschaftlichen Anbaufläche, die Versorgung des jüdischen Marktes mit Lebensmitteln, die Bereitstellung von Mitteln für Notstandsarbeiten, die Unterbringung von Tausenden von jüdischen Flüchtlingen aus Jaffa und die Schaffung neuer Arbeitsplätze haben den Jischuw vor Aufgaben gestellt, die er mit seinen eigenen Reserven bisher allein bewältigt hat. Diese Opfer aber bringt der Jischuw nicht für sich. Täglich wäre ihm der Friede gesichert, wollte er seine Ruhe um den Preis der Einwanderung und des Verzichts auf eigenen Boden erkaufen. Wenn wir wollen, daß der Jischuw den Kampf fü r uns besteht, daß die Aufbauarbeit für uns fortgesetzt wird, daß Palästina seine Aufnahmefähigkeit erweitert für neue große Einwanderermassen, dann müssen auch wir Opfer bringen. Jetzt braucht der Jischuw unsere Solidarität! Diese Solidarität ist unsere Chance. Oft schon im Prozeß der nationalen Erneuerung hat die Geschichte den Juden die Chance gegeben, durch besondere Anstrengungen in Erez Jisrael auf jüdischem Boden den Bau der Heimstätte unseres Volkes der Vollendung entgegenzubringen, und oft haben wir diese Chance nutzlos vertan. Uns ist in dieser Stunde die Verantwortung dafür gegeben, daß wir diesen historischen Fehler mit unseren moralischen und materiellen Kräften wiedergutmachen. Nur eine gemeinsame Anstrengung der Juden selbst wird die Tore Erez Jisraels offenhalten. Den Schlüssel zum Land halfen wir in den Händen, wenn wir neuen jüdischen Boden erwerben. Neuer jüdischer Boden schafft neue Siedlungen, neue Arbeit und damit die Grundlagen für eine große neue Einwanderung, auch in der Zukunft. Neuer Boden heißt Foriiührung und Vollendung des Aufbauwerkes. Gesinnung offenbart sich in derSolidarität. Solidarität bewährt sich durch Opfer. DieJudenheif in Deutschland darfhinterdem heroischen Beispiel des Jischuw in ErezJisrael nicht zurückstehen. Der Jischuw steht im Kampf um die Nationale Heimstätte und um die Heimkehr des jüdischen Volkes. Dieser Kampf geht uns alle an. Das, was wir jetzt tun, wird entscheiden. Unsere Verantwortung fordert Solidarität mit Erez Jisrael. Spendet neuen Boden für Erweiterung der jüdischen Siedlung, für Seßhaftmachung des jüdischen Landarbeiters, für Erschließung neuer Siedlungsgebiete, für eine neue Alijah! Berlin. W 15, Meinekesira&e 10 j Pogtecheckkonto Berlin 28247 Die Landeskommission des Keren Kajemeth Lejisrael für Deutschland