Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 78-79 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653996--29602-2691137- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vor dem neuen Arkeitsjahr Resuliaie und Aussichten der Bodenpolitik T"\as schicksalhafte Jahr 5696 hat den Keren Kajemeth Lejisrael erheblieh gestärkt, das jüdisch« Volk beginnt seine Pflicht so ernst zu nehmen, wie die Zeitgeschichte es verlangt. Vierhunderttausend Pfund, die bisher grüßte Jahreseinnahme seit Bestehen des KKL, sind aus freiwilligen V olksspcnden aufgebracht worden. Nur die verspätete Realisierung eines großen Legats verhinderte die Aufbringung der vollen halben Million, die die Weltkonferenz und der Kongreß in Luzern im Vorjahre proklamierten. Auch «11 bezug auf die Vermehrung des Volksbodens wäre dieses Jahr das erfolgreichste geworden und hätte das Jahr 5676 — in dem die ersten ״roßen Lmekböden erworben wurden — übertroffen. Die im April ausgebrochenen Unruhen haben einen erzwungenen Stillstand in den großen Bodentransaktionen, die schon vor längerer Zeit begonnen hatten, gebracht. Ls ist gut, in dieser Atempause einen Rückblick auf das Erreichte und einen Ausblick auf das Künftige zu werfen, denn die Arbeit wird weitergehen, wie sie nach jedem Zwischenfall weiterging. Erwerbung großer, zusammenhängender Flächen, die für eine geschlossene indische Siedlung notwendig sind, ist ein fundamentales Prinzip der Bodenpolitik des Keren Kajemeth. Von den 22 000 Dunam Boden, die der KKL im Jahre 1920 insgesamt besaß, lagen im Emek Jesreel nur 4000. Seither hat sich der nationale Boden dort auf das ftinfzigfache erhöht und auf diesem Boden sind mit Mitteln des Keren Hajessod achtundzwanzig neue Sicdlungspunkte errichtet worden. Das jüdische Idealdorf — auf einer wirtschaftlich gesunden, menschlich und sozial gerechten Grundlage ist hier entstanden. Ein großer Teil des Emek Jesreel, aber bei weitem noch nicht aller Boden, der erworben werden kann, ist in unserem Besitz. Zehntausende von Dunam sind Objekte von Bodentransaktionen des KKL, wobei die Verbindung zu andern Ebenen (wie Emek Sebulon und Jordantal) ein Hauptziel der Bodenpolitik ist. Emek Sebulon ist die zweite große Ebene, in der seit 1924 die Bodenerwerbungen des KKL sich konzentrierten. Vorher war dort kein Quadratmeter Boden jüdisch, heute besitzt der KKL allein hier etwa 56 000 Dunam, darunter fast die Hälfte städtisches und vorstädtisches Baugelände, das vom finanziellen Standpunkt (Pachtrente) sein wertvollster Besitz ist. Der Erfolg dieser bodenpolitischen Leistung wird vielleicht in der kommenden politischen Auseinandersetzung eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Hier gibt es eine Parallelität weit wirtschaftlicher Aspekte zwischen uns und der Mandatarmacht. Auch der Emek Sebulon ist noch lange nicht ganz in jüdischem Besitz. Die Verwertung dieses kostbaren, nationalen Bodens durch Ansiedlung ist in den ersten Anfängen. Das Jordantal, lange unbeachtet geblieben, weil infolge der klimatischen Bedingungen eine größere Siedlungstätigkeit wenig Aussichten zu bieten schien, ist vor fünfzehn Jahren, als den Arabern kolossale Flächen Regierungsboden fast umsonst überlassen wurden, in den Vordergrund unserer Interessen gerückt. Ungefähr 40 000 Dunam sind in den letzten drei Jahren vom KKL dort erworben oder gesichert worden und etwa dreimal soviel kann noch erworben werden. Hier entsteht mit Hilfe des Keren Hajessod «in wichtiges, neues Zentrum jüdischer Kolonisation, wobei intensivste Besiedlung infolge genügenden Wasservorkommens möglich ist. Im ״Emek Hajarden“ stehen die alten Siedlungen Deganiah und Kinereth. In diesem Jahre kamen die ersten neuen Kibuzzim auf den ihnen vom KKL zugeteilten Boden. Die drei Ebenen sollen allmählich zu einem großen Siedlungszentrum vereinigt werden, das eine breite und feste Basis jüdischer Landwirtschaft und die tragende Kraft einer normalen Schichtung des ן jüdischen Volkes in Palästina bilden soll. 5 Vom Emek Jesreel und Jordantal führen Wege de; i Bodenpolitik über das untere nach dem oberen Galii, 1 wo durch die Erwerbung der Hule konzession ein großer Schritt in der Erschließung bedeutender Boden- J flächen im Norden Palästinas getan wurde. Die Hulej konzession, an der nunmehr die Beteiligung des KKL außer Zweifel und bei deren Erschließung eine Mit-! beteiligung der Pica in Aussicht genommen ist, hat weitere Bodentransaktionen des KKL in diesem so lange unberührt gebliebenen Teil Palästinas zur Folge gehabt, über die sich im einzelnen heute noch nichts sagen läßt, die aber eine Verdoppelung oder Verdreifachung des innerhalb des Konzessionsgebietes erworbenen Bodens zum Ziele haben. Außerhalb dieser Sphäre befindet sich der Boden, der vor acht Jahren im Emek Chef er erworben w׳urde und heute mit seinen achtzehn jungen Siedlungspunkten einen weentlichen Bestandteil unseres nationaien Bodenbesitzes darstellt. In der fruchtbaren Scharon-Eibene, wo sich dieser Boden befindet, gibt es nur geringe Möglichkeiten für Bodenerlösung durch den KKL, weil der größte Teil des Bodens bereits in jüdischem Privalbesitz ist. Der Boden von Emek Chefer wird bei voller Ausnutzung zu den dichtbesiedeltesten des KKL gehören. Nur von den Hauptgebieten der Bodenpolitik des KKL ist hier kurz belichtet. Selbstverständlich gibt es auch andere Gebiete, wie die Millionen Dunam unbesiedelten Boden im Gebirge und die Millionen im Süden. Das gehört jedoch zu jenen Problemen unserer Boden- Politik, die auf längere Sicht zu betrachten sind. Unmittelbar vor den Unruhen betrug die Fläche der Boden, die dem KKL zum Kauf angeboten wurden, ungefähr die Hälfte seines jetzigen, rund vierhunderttausend Dunam umfassenden Besitzes. Das ist ein Programm für mehrere Jahre. Die Frage, die lange Frage, die heute wahrscheinlich auf Hunderttausenden von Lippen schwebt, ob die jetzige Situation im Lande und ihre Folgen nicht zu einer weitgehenden Beschränkung der Bodenkäufe oder gar zu einem Bodenkaufsverbot für längere Zeit führen werden, beantworten alle wirkliehen Fachleute und Kenner: Noch immer haben sich in der ganzen Welt und auch in Palästina wirtschaftliche Lebensnotwendigkeiten stärker als alles andere erwiesen. Unsere Schwierigkeiten, auf dem Gebiet des Bodenerweibs sind von Jahr zu Jahr größer geworden, sie konnten aber unseren Fortschritt, der in den letzten zwei Jahren ein bedeutender war, nicht aufhalten. Was immer kommen mag, vor uns steht eine Forderung: das Instrument unserer Bodenpolitik stark zu machen, damit es nicht nur den Schwierigkeiten gewachsen, sondern auch imstande ist, Möglichkeiten, die plötzlich auftauchen können, auch wirklich auszunutzen. Adolf Poliak, Jerusalem. Diese Bildnemmer Ist ur.ter maßgeblicher Mitarbeit von Dt. Ernst Me ebner, Tel Aviv, entstanden. Bild- und Satzmontage: Olle W al I isch, Tel Aviv.