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Jüdische Rundschau · 1936-09-08 · Heft 72 (8.9.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 72 (8.9.1936)
Date
1936-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 72, 8. IX. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Wl© gestalte ich den Scliabbat? Für Schabbat, 12. September Wochenabschnitt: ״Nlzawim - Wajelech“ (V. B. M. Kap. 29, 9-31, 30.) I. Wir lernen dem Wochenabschnitt mit eien großen Abschiedsreden Mosches. Viele Partien haben Anlaß zu tiefen Deutungen gegeben, die wir zu einem großen Teil im Kommentar von Rasclii wiederfinden. Wir empfehlen daher, auch Raschi zum Woclienabschnitt zu lernen. II. Wir unterhalten uns über die tiefere Bedeutung von Rosch Haschanah und werden dabei ausgehen von zwei Auffassungen moderner Religionsphilosophen, von Hermann Cohen und Franz Rosenzweig. Die betreffenden Stellen sind abgedruckt in dem hier schon wiederholt erwähnten Arbeitsplan von B. S. Jacobson ״Jamim Noraim“, (zu beziehen durch die Bundesleitung des Brith Hanoar, Berlin-Charlottenburg 2, Joachimsthaler Str. 7). Hier findet sich auch viel Material zu den verschiedenen Bedeutungen, die Rosch Haschanah für uns hat: ״Jom Hadin, Jom Hasikaron, Jom Trua“. III. An Hand desselben Planes unterhalten wir uns über das Schafar-BIascn. Es sind dort Quellen aus Tatmud und Midrasch, den 111 ittelalterliehen Religionsphilosophen und Quellen neuerer Zeit zusammcngestellt. Wir werden den Oneg Schabbat schließen mit der Verlesung der schönen Ueber- Setzung des ״Alent!“ (Sendung und Schicksal; Schocken-Verlag, S. 341—313; Plan S. 77—79). Als Hafiarah ■wird Jesaja, Kap. 61 gelesen. J. E. Der Chassidismus im Drama Es dürfte für uns sehr aufschlußreich sein, uns über den Chassidismus im Zusammenhang mit der Berliner Kulturbund-Aufführung von Perez’ dramatischer Dichtung ״Die goldene Kette" zu unterhalten. In den Mittelpunkt unserer Aussprache stellen wir die chassidische Bewegung und ihren Schöpfer R. Israel Baal Sehe in (Der Beseht) und gehen auf die soziologischen und geistesgeschichtlichen Voraussetzungen ein, die diese Bewegung um die Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffen haben. Vor allem wollen wir uns die soziale Lage der jüdisehen Massen in dem polnisch-ukrainischen Siedlungsgebiet in der 2. Hälfte ■des 17. und zu Beginn des 18. Jahr- Hunderts vergegenwärtigen. Durch den Heidamaken-Einbruch unter Chmielnicki, durch den ein Großteil jüdischer Gemeinden der völligen Vernichtung anheimfiel, setzte ein beispielloser äußerer und innerer Niedergang ein. In der Folgezeit konnte sich die, Lage kaum wesentlich verbessern. Die Armut unter den breiten jüdichen Massen war nach wie vor sehr groß, Finsternis und geistige Ohnmacht waren ihre verständlichen Begleiterscheinungen. Der Rabbinismus, der kompromißlos seinen Weg ging und eine autoritative Herrschaft ausübte, kümmerte sich wenig um das Volksleben. Er ließ es fast verkümmern. Da trat der Chassidismus auf den Plan und mit ihm eine völlige Umwertung der bisherigen Werte. Er ging in das Volk, suchte den Einzelncn, den kleinen Menschen aus dem Volke und gab ihm seine Kraft wieder. Er vermittelte ihm eine schlichte und dabei tiefe und echte Glaubenslehre, die ihm Kraft und Trost im Elend des Tages gab. Der Chassidismus ging aus von der Vervollkommnung der Seele, von der Innigkeil des Gefühls, die höher steht als jede Werkheiligkejt!Er _gab dein Volke das ihm fast verloren gegangene ' Gern ein s c h a f t s g e t i! 111 wieder und vermittelte ihm den Glauben, dali die Verfolgten und Unterdrückten ihre Gegner innerlich überragen. Er verwarf jede Askese und Enthaltsgmkcit und pred igle Frohsinn und Zuversicht. Im Zaddik sah der Chassidismus den Mittelpunkt Israels, den Vollender und Erfiiller, der in jedem Augenblick Gott erlebt und die einfachsten Handlungen des Menschen zu ihrer Wurzel zu erheben versteht, in der Sehnsucht des Zaddik nach Gott ist ihm die Kraft gegeben, die Schranken zwisehen Gott und dem Krcatürlicncn zu durchbrechen und die große, befreiende Tat zu vollbringen. ln diesen Zusammenhang ist das Drama von Perez hineinzustellen. Wir empfehlen dabei, ,,Die goldene Kette" entweder im jiddischen Original oder in der deutschen Ueber- Setzung (erschienen hei R. Lövit Verlag, 1920) gemeinsam zu lesen und besonders die ergreifenden Steilen des I. Aktes (S. 14 ff.) eingehend zu besprechen. In den flammenden Worten R. Salomos hat Perez den Grundgedanken des Chassidismus, als der großen erlösenden Bewegung zu verkörpern versucht. Mail vergegenwärtige sich dabei die Stirnmung des kleinen ostjüdischen Städtchens am Schabbat' ausgang. Es herrscht angstvolle Erwartung, die Luft ist voller Unruhe, die Menschen voller Sehnsucht nach dem scheidenden Schabbat, da Alllag und graues Elend an seiner Schwelle bereits harren. R. Salomo sieht die Welt, wie sie in ein Meer voller Trauer versinkt, die Schecliina ist in ein schwarzes Gewand gehüllt und alles harrt der Erlösung. Er fühlt in sich die Kraft, das entscheidende Wort auszusprechen, er will die Welt von Pein und Qual erlösen und den ewigen Schabbat herbeiiühren, ja er will den scheidenden Schabbat mit eisernen Zangen zurückhalten. Ihm, dem Zaddik, dem Vollender der Welt, ist hierzu die Kraft gegehen. Aber die Welt scheint nicht reif und würdig für diese erlösende Tat zu sein. Er sieht um sich nur kleine Menschen, die händeringend um Almosen und Wunder betteln, die um ihr eigenes Leben bangen, aber keinen Sinn für den großen Zusammenhang, für den kosmischen Erlösungsprozeß, den die Menschheit erlebt, haben. Daher scheitert er auch in seiner Mission, sie war über seine Kraft. Der Alltag, der grauenvolle Wochentag kehrt wieder c 1. 1 e Welt konnte nicht erlöst werden, sie fällt in Finsternis zurück. Unter den folgenden Geschlechtern, die die goldene Kette fortzusetz.en die Aufgabe haben, wird die Kette loser und schwächer. Die dritte Generation unter R. Mosche hat bereits keine Kraft und keinen Glauben. Sie bettelt um Wunder und Zeichen, ist in sich ohnmächtig und voller Zweifei. Es fehlt ihr die tiefe Innerlichkeit, die Kraft des kühnen Anfluges und der Ausdauer. Es ist ein kleines und schwaches Geschlecht, der Chassidismus befindet sich hier in seinem Niedergang, er hat seine Aufgabe nicht erfüllt. Von hier aus ließe sich noch einiges über Perez im allgemeinen und über seine außerordentliche Bedeutung, als dem Entdecker der eigenartigen chassidischen Welt innerhalb der jüdischen Literatur anschließen. Es wäre angebracht, die Bedeutung Berdyezcwskis (Bin Gorions) und Bubers, als Erneuerer des chassidischen Gedankengutes, in diesem Rahmen zu erwähnen. J. M. Der Konstrukteur für automatische Repetierpistolen und Schöpfer der modernen ungarischen Waffenfab'rikation, Oberhausnritglied Rudolf Frommer von Fegyvernek ist im Alter von 68 Jahren plötzlich gestorben. Aus jüdischer Antike Die sozialen Verhältnisse der israelitischen Königszeit Von Elias Auerbach Wir entnehmen mit Erlaubnis des Verlages das nach• stehende Kapitel dem demnächst im Schorkcn-Verlag ersehet• nenden 2^ Bande von Elias Auerbach: ״Wüste und Gelabtes Land" (Geschichte Israels vom Tode Salomos bis Esra und Nehemia). — Red, Das Volk Israel, aus beduinischen Stammesgruppen zusammengewachsen, hat mit außerordentlicher Zähigkeit an der sozialen Ordnung des Nomadentums, der Geschlechter- Verfassung, festgehallen. Sie blieb die Grundlage des sozialen und staatlichen Lehens bis zur Zerstörung des Staates, ja darüber hinaus für das Exil und die Wiederherstellung. Ohne diese grundlegende Erkenntnis ist ein Verständnis seiner Entwirkhing nicht möglich. Zwar ist die Sippengliederung durch den Ucbergang zur seßhaften Lebensweise eingreifenden Veränderungen unterlegen, aber sie bleibt lebendig in den entscheidenden beduinisehen Institutionen der Blutrache, des Stammeseigentums am Boden, der Welirverfassung und des Erbrechts. Die Gcschlechter beherrschen die Rechtspflege und den Zugang zu den politischen Rechten. Jeder Voliircie muß einem ■der Geschlechter angehören, um seine bürgerlichen Rechte ausüben zu können. Der Grundzug dieser Geschlechterverfassung ist eine starke demokratische Gleichheit. Wie im Nomadenstamm der Schcch trotz, hohen Ansehens immer nur der erste unter gleichen ist, so hat auch der Sippenälteste nur ein Ehrenamt, keine ererbte und vererbbare Machtstellung. Es gab in Israel geb. RM durch die jüdisch. Buchh. oder die Buddmndlunjf Edmund Meyer, Berlin W50, BambcrjferSlr.61. Postscheck : 8J509 und Juda mächtige Sippen und angesehene Geschlechter; aber die Könige Gideon und Saul bezeugen ausdrücklich (Richter 6,15 und 1. Sam. 9,21), daß ihre Sippen keine besondere Machtposition besitzen, und David ist ein jüngerer Sohn. Einen Adel mit besonderen Vorrechten hat es in Israel niemals gegeben. Davon macht nicht einmal die Königsfamilic eine Ausnahme; in der Verfassungsurkunde des Nehemja unterschreibt nicht ihr Vertreter, sondern der Aelteste des Geschlechts, dem sie angehört (und wir wissen nicht einmal, welches das ist!). Ebensowenig aber wie zur Bildung eines Adels ist es überhaupt in Israel zu einer scharfen und gefährlichen Sonderung der Klassen und Stände gekommen. Die Grundlage des Volkslebens blieb die bäuerliche Landwirtschaft, der Bauer der Kern des Volkes. Gestützt auf die im ländlichen Leben wirksam bleibende Gesrlilcciiterverfassung, bewahrte sich der Bauer ein stolz.es Gefühl der Unabhängigkeit, wie es in den Worten Nabots (1. Kön. 21,3) bervoitritt. Als der Prophet Elischa der Bäuerin von Schunein eine Gefälligkeit erweisen will und sie fragt, ob er für sie irgend etwas beim König durchsetzen könnte, erhält er die stolze Antwort: ״Ich sitze inmitten meiner Sippe!“ Sie fühlt sich geschützt und gesichert lind braucht keine Fürsprache. Zwei Momente sind es, die in aller Welt diese gesunde bäuerliche Sicherheit am stärksten gefährden: die Entivicklung eines ländlichen Großgrundbesitzes und die Entwicklung einer starken städtischen Wirtschaft mit ihrer Anhäufung großer Vermögen an mobilem Kapital. Von beiden! ist das alte Israel bis in späte Zeit verschont geblieben. Daß sich kein Großgrundbesitz mit seinen schweren sozialen Schäden herausbildete, hatte mehrere Ursachen. Zunächst die geographische Tatsache, daß die große Küstenebene den Israeliten verschlossen blieb und im Gebirge, wie überall in der Welt unter ähnlichen Verhältnissen, die bäuerliehe Kleinwirtschaft die naturgegebene war. Noch wichtiger aber war, daß durch das Festhalten an der Sippenverfassung der Boden nur in beschränkten! Maße als Eigentum des einzelnen, weit mehr als das der Sippe, angesehen wurde. Geriet der Bauer, durch Mißwachs oder Verschuldung, in die Zwangslage, seinen Erbbesitz zu veräußern, so hatte der nächste erbberechtigte Verwandte das Recht und die Pflicht des Vorkaufs — beides liegt in dem eigentümlichen Begriff der ״Geulla“ ־= Erlösung des Hodens (Jer. 32,7; 8; Rut 3,12; 4,4) — und der Boden blich der Sippe erhalten, auch wenn der Bauer genötigt war, bei seinem Gläubiger in Schuldknechtschaft zu gellen. Zwar war hier die Möglichkeit egeben, daß reiche Gruridbesitzerfamiiieii ihre beherrschende tellung mehr und mehr verstärkten; aber dem ״Bauernlegen“ war doch durch den festen Zusammenhalt der Sippe und die ״Nachbarethik“ (wie Max Weber es genannt hat) ein starker Riegel vorgeschoben. Hier hat auch die Arbeit der Propheten frühzeitig und mit voller Wucht eingesetzt. Wenn Jeschaja donnert (5,8): ״Weh denen, die Haus an Haus reihen, Feld an Feld rücken, bis kein Platz ist und ihr allein im Lande festsitztl“, so heißt das niciit, daß die Propheten gegen eine vollendete, verhängnisvoile Entwicklung ohnmächtig Sturm laufen. Sie haben vielmehr die drohenden Folgen einer Ausrottung des freien Bauernstandes früh erkannt, die Anfänge bekämpft, und mit Erfolg bekämpft. Ein Jahrhundert später sehen wir, daß das alte Gesetz des Brachjahres (2. Mos. 23, 10—11) zu einem allgemeinen Schulderlaß im 7. Jahr erweitert ist (5. Mos. 15, 1—11), während die alte Vorschrift, daß kein Schuldknccht länger als sechs Jahre zu dienen braucht (2. Mos. 21,2—4), neu eingeschärft wird (5. Mos. 15, 12). Tatsache ist jedenfalls, daß wir aus den geschichtlichen Zeugnissen der Königszeit nirgends von einem drückenden Großgrundbesitz und seiner Gegenseite, einer ausgedehnten Sklaven- und Pächterwirtschatt, hören. Auch die zweite Gefahr für das freie Bauerntum, die Anhäufung großer städtischer Vermögen und die daraus erwachsende Macht des Leihkapitals, ist in der Königszeit nie von besonderer sozialer Bedeutung geworden (anders nach dem Exil). Die Israeliten waren kein Handelsvolk. Daran hinderte sie ihre Abtrennung vom Meer und seinem Groß- Handel, der die typischen Stadthcrrschatteri Phöniziens schuf. Wo Handelsstraßen durch das Land gingen (Ebene JLsreel, Ostjordanland, Edom), scheinen die Einnahmen aus Ausgaben und Transport Prärogativen des Königs, wie unter Salomo, gewesen zu sein, ebenso wie die Bazare in Nachbarländern. So bildete sich niemals ein breiterer Kaufmannsstand, der Kaufmann blieb der ״Knaani" (Phönizier; Spruch« 31,24; Neh. 13,16). Die ״Städte“ im Gebiete Israels waren deshalb Im Grunde bäuerliche Siedlungen von kleinstem Ausmaß. Die größeren unter ihnen zählten nach Ausweis ihrer heute zugänglichen Reste etwa tausend bis zweitausend Bewohner, Sanherib erwähnt, daß er in Juda ״sechsundvierzig feste ummauerte Städte, in ihrer Umgehung kleinere ohne Zahl“ erobert habe und gibt die Gesamtzahl ihrer Bewohner mit zweihunderttausend an, was etwa auf den gleichen Durch' schnitt führt. Die Hauptbeschäftigung dieser ״Städter“ war der Landbau, im Süden die Viehzucht. Da die Israeliten nur selten in Einzelgehöften (חצר) siedelten, ist ihr Zusammenwohnen in diesen ״Städten und ihren Töchtern“ als die normale Siedlungsform zum Zweck besseren Schutzes an- Zusehen. Die Stadtbewohner waren also gleichzeitig die Inhaber und Bearbeiter der umliegenden Aecker und Wein•, berge, und deshalb kann von einer Beherrschung des Landes durch die Stadt und von einem Vergleich mit den Verhält* nissen der griechischen Polis keine Rede sein. Es ist klar, daß es in diesen Städten ein eigentliches ״Proletariat“ nicht gegeben hat. Richtig ist, daß in dieser Zt-1t mit stärkerer Entwicklung der Gcklwirtschaft sich die Klassen etwas stärker abzugrenzen beginnen. Zumal im Nordrcicli ist, durch die enge Berührung mit Phöniziern und seinem Handel unter den Oniriden, ebenso durch Beteiligung am Karawancnhandcl von Damaskus (1. Kön. 20,34), eine neue Art von nicht erdgebundenem Reichtum aufgekommen, die den ungewohnten Zufluß von barem Geld zu nichts anderem zu verwenden wußte als zum Luxus und zur Zinsleihe. Die schwelgerischen Lehensfarmen, die sich bald in der Oberklasse Samarias breit machten1), haben nach kurzer Zeit die heftige Reaktion der Propheten hervorgerufen. Die klassische Prophetie hat d<as historische! Verdienst, diesen sozialen Verfallserscheinungen mit unerhört tcr Schärfe entgegongetrefm zu sein und erst die Gewissen» dann die Gesetzgebung gegen sie aufgeboten zu haben» Es ist fraglich, oh ihnen ein Erfolg bcschieden gewesen wäre, wenn nicht starke soziale und wirtschaftliche Momente auch sonst der Bildung eines Großgrundbesitzes und — auf der anderen Seite - eines landlosen Proletariats im Wege gestanden hätten. Sie sind zum Teil bereits erwähnt: die Gesundheit und Starke der kleinbäuerlichen Schicht, die offenbar auch noch unter Menachem (738) die breite Basis des Volkes bildete, und die Unmöglichkeit eines starken Großhandels und damit der Bildung volkreicher Städte. Dazu kommt aber noch, uaß auch die Könige dieser Zeit das einzige krallige Gegenmittel gegen die Anhäufung eines landlosen Proletariats zur Anwendung gebracht haben: die Kolonisation in Nahgebieten. Diese Kämpfe und Kolonisationen außerhalb des eigentliehen Palästina, die ja nur mit einem nicht landsässigen Element durchgeführt werden konnten, haben beiden Israelisehen Staaten die Möglichkeit gegeben, landlosen Bürgern zur Landsässigkeit zu verhelfen. Sie haben damit der Bildung und Anhäufung eines städtischen Proletariats entgegengewirkt und so dem sozialen Ausgleich gedient. Aus der besonnenen und vorurteilslosen Verwertung der in unseren Quellen gebotenen Tatsachen ergeben sieb wichtige allgemeine Schlußfolgerungen, die stark von dem Bilde abweichen, das von dieser Epoche gewöhnlich entworfen wird. Die Staaten Israel und Juda sind nicht durch ״innere Fäulnis“, durch ״soziale Zersetzung“ zugrunde gegangen, so daß die Mäher, Assyrer und Babylonier, nur noch verdorrfe Halme zu köpfen hatten. Vielmehr dürfte es unter den Völkern des Altertums wohl keines geben, das nach einer fünf- bis scchshundertjälirigen ununterbrochenen Geschichte einer wirklichen Kultur noch so gesund und wurzelstark war wie dieses. Israel ist im vollen Saft seines Lebens der brutalen Gewalt erlegen. Kur dadurch ist cs zu begreifen, daß das Volk zwar unterlag, aber nicht unterging. Es wich der Gewalt, aber es schuf aus »seiner inneren Kraft heraus die einzige Kultur, die der Gewalt gewachsen war, die Kul• tur der Gewaltlosigkeit. Wie aber war es möglich, daß ein so falsches Bild von dem inneren Zustand des Volkes entstehen und alle Bet rach» tungen über sein Schicksal verzerren konnte? Weil die Zeugnisse aus dieser Zeit des Königtums widerhalleu von bitteren Klagen über soziales Unrecht und Vergewaltigung des Schwa* eben durch den Starken. Hier erhellt sich ein tiefstes Problem der Geschichte Israels. Nicht die unrettbare Verderbnis der Zustände erweckt diese Klagen, sondern die besondere Realetionsweise seiner besten Geister. Der Schwellenwert der sozialethischen Empfindlichkeit liegt so niedrig, daß als unerträglich empfunden wird, was bei anderen Völkern als selbstverständlich gilt; als gottwidrig, was anderswo als gottgewollt erscheint. Wie beim musikalisch Feinnervigen schon leise Störung der Harmonie schmerzhaftes Unbehagen erzeugt. Es ist eine andere, höhere Ebene, auf der sich in Israel die Beurteilung der incnschlichen Gemeinschaft bcwogt, und die besondere religiöse, sittliche und soziale Genialität seiner tiefsten Geister ist letzten Endes die bewegende Kraft seines inneren und schließlich auch seines äußeren Schicksals geworden. Ein Komitee der ״Freunde der Hebräischen Universität“ In Bulgarien. In diesen Tagen empfing Sofia den Besuch eines Vertreters der Hebräischen Universität in der Person von Dr. Pinchas (Ernst) B 1 u nt e n t h a 1, der als Delegierter der palästinensischen Studentenschaft zu dem hier tagenden Kongreß der Confederation Internationale des Etudianfs entsandt ist. Die sich auf Verhandlungen mit allen wesentliehen jüdischen Organisationen Bulgariens erstreckende Arbeit fand ihren Höhepunkt in einer überfüllten Versammlung arn 29. August. Dr. Blumcnthal schilderte die gegenwärtige Lage Palästinas, um sodann die Bedeutung der Hebräischen Universität für das jüdische Geistesleben attfzuweisen. Im Anschluß an die Versammlung fand die erste Sitzung des neugegründeten Komitees der Freunde der Hebrätschen Universität »statt. Die eigentliche Arbeit des Komitees wird im September beginnet]. Die in der Zwischenzeit erforderliche Organisafions- und Werbearbeit wurde von der jüdischen Studentenvereinigung an der Universität Sofia übernommen. Ein Werbefond ist bereits geschaffen. —״Utro“, die größte bulgarische Tageszeitung, brachte ein eingehendes Interwiew mit Dr. Blumenthal über die Lage in Palästina. Joseph Adania *) Anm. 3,15; 4,1—3. Die ״Elfenbein-Häuser“, die hier und 1. Kön. 22,39 erwähnt sind, augenscheinlich Bauten, die mit Elfenbcinplatfen zu figürlichen Darstellungen als Schmuck der Wände und Möbel ausgestattet waren, sind jetz«. durch die neuen Grabungen in Schomron bestätigt worden. Heted-ßuefe i RADIO *SC MAL LP l ATT EN HAR HON IK AS * SPRECH MASCHIN El Platt« Kr. tUi 100ISCHtA«UmT1n^ Oberkantor Wolf Uwl-leonl M uiessefi« Lenor uiodor mit 8trolchorch*«t»r UM «.90 'dCPApO״ PA LAS TI NA-KUNDENDIENST II D . MfAUSW68jtüMüUjh.Ze8 1■ tf IV NM (Ktfthsh.)• Z4if AzjrC&m 4932 % 1 I

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