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Jüdische Rundschau · 1936-07-31 · Heft 61 (31.7.1936) · page 22

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 61 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 4 KINDER■ RUNDSCHAU Nr. 14 I« Etan dichtet ״Kinder, heule sollt ihr einen Aufsatz schreiben. Worüber ihr wollt!״ sagte die Lehrerin von Giwath-Brenner zu den Kindern in der Schule. Die Kinder sitzen an kleinen Tischen, jedes auf seinem Stuhl und gucken nach vorne, zur Tafel, wo Lisa, die Lehrerin, steht. Der kleine Etan kaut an seinem Bleistift und blickt in Gedanken zum Fenster hinaus, wo gerade Jossef, der Kuhhirt, mit zwei vollen Eimern Milch vorübergeht ״Was soll ich schreiben?״ denkt Etan und schaut auf den Hof. Aber er braucht nicht lange nachzudenken. Wovon sprachen doch die Großen jetzt so oft, abends, wenn sie nach der Arbeit zusammenkamen. Worüber tuschelte man so viel? Und weshalb waren jetzt so viele Männer Schomrim des Nachts? Warum sah Etan abends so viele Kwuzoth in der Ferne Blinkfeuer- Zeichen austauschen?..״. Etan beschloß ein Gedicht zu machen. Ein Gedicht, wie Bialik es tat, der große Bialik. Etan wollte über die Schomrim dichten, die jetzt doppelt auf der Hut sein mußten. Eine ganze Weile noch kaute Etan an seinem Bleistift, dann fing er an zu schreiben. Er begann mit einem schönen ״he״, dann folgte ein ״schin״, dann ein ״waw״ — und bald stand die erste Zeile da: העומרים עומרים.על הקזבר־יו * I Die Schomrim bewachen den Kibbuz in den Tagen und den Nächten von abends bis morgens, von morgens bis abends, so bewachen sie den Kibbuz ohne Aufhören. השומרים שומרים על ס?ןבףן וימים וגלילות, מערב עד ו*ןר־ מ3?ןר עד,ערב׳ נה ישמרו את ה?ןבוץ בלי הדף• Von oben winken die Sterne wie eine Herde Schafe, und der Mond ist der Hirt, er flötet auf einer Flöte, U — li — li — li — li: ומרום רומזים הנוקגים וע.ךר כושים׳ וה;רס הוא קרועה׳ ^חליל הוא מחלל ״Geht nach Hause, Menschen, ,הכנסו הויתה׳ 5;י־$דם - ihr werdet vom Regen naß werden!“!ו1ךמבו Dfp 1f Nein, nein, nein, nein, nein, ־־־ לא׳ לא׳ לא, לא, לא wir gehen nicht hinein! ל ויקנו לא£ Wir gehen nicht ins Haus, bis die Diebe Angst bekommen עד 0||גים und nichts mehr bei den Juden stehlen* ♦ןלא ל^נבו ך^ר מהלהוךים Etan Jarkoni, Qiwath-Brenner, 7 Jahre alt, >ןי|א ירק$1י| Sagt selbst, ist das Gedicht nicht schön?! Wirklich, Etan ist ein Dichter! Oder vielmehr, er wird es einmal werden. Heute ist er noch ein kleiner, siebenjähriger Junge, der die Schulbank von Giwath-Brenner drückt Etan macht nun nicht immer Gedichte, nein, jeden Morgen, wenn er früh mit allen anderen Kindern zusammen aufsteht, geht er nach dem Frühstück hinaus zu seinem Blumen- und Gemüsebeet und sieht nach dem Rechten. Er begießt und gräbt um, wo es nötig ist, und schaut überall hin, ob es auch allen Pflanzen gut geht. Dann versammeln sich alle Kinder im Schulzimmer und Lisa, die Lehrerin, fragt jedes Kind, was es mit 6einen Blumen gemacht hat, ob sie schon knospen, oder blühen, und jedes Kind hat andere wichtige Beobachtungen zu erzählen. Dann fängt eigentlich erst richtig die Schule an. Lisa erzählt von den Juden in der Golah, von den Juden, die noch nicht in Palästina leben. Und Etan kann es manchmal gar nicht recht begreifen, warum nicht alle Juden nach Palästina kommen. Aber auch das erzählt Lisa, das ist aber wieder eine andere Stunde. Am meisten freut Etan sich auf den Montag. Dann gehen alle Kinder mit Lisa hinaus in die Umgebung, und sie stellen fest, was sich in der letzten Woche in der Natur verändert hat. Dann sammeln sie Steine und seltene Käfer und nachher, in der Schule, sprechen sie darüber mit Lisa und lernen daraus. Die Klasse, in die Etan geht, hat schon viele dicke Bücher geschrieben. Jawohl, viele dicke Bücher mit bunten Bildern! Das geht so vor sich. Die Schule in Giwath-Brenner ist nämlich etwas anders als die Schule bei uns. Da gibt es z. B. keine Zensuren und kein ״Sitzenbleiben״. Da lernt diä ganze Klasse solange, bis jeder es kann. Und die dicken Bücher kommen so zustande, daß die Kinder über das schreiben, was sie mit Lisa besprochen und gelernt haben. Einmal erzählte ihnen Lisa von Josef Chajim Brenner, dem großen Dichter« Und nachher schrieb jedes Kind einen Aufsatz. Das eine über Brenners Jugend, das zweite über seine Schulzeit, das dritte über seine Dichtungen, das vierte über sein Aussehen, ein fünftes Kind malte Bilder dazu — so stellte die ganze Klasse ein dickes Buch zusammen: das ״Brenner-Buch״. Etans Klasse hat noch mehr solche Bücher. Ein ״Frühlings-Buch״, ein ״Bialik-Buch״, ein ״Tel-Awiw-Buch“, ein ״Kibbuz-Buch‘‘, ein ,.Giwath-Brenner-Buch“, ein ״Peßach-Buch“ und ein ״Unruhen- Buch“. Darin stehen Aufsätze, Bilder und Gedichte über die Unruhen, die jetzt im Lande herrschen. Warum ich das alles erzähle? Erstens, damit ihr ein bißchen von der Schule in Giwath-Brenner erfährt. Und zweitens, damit ihr, wenn ihr einmal nach Giwath-Brenner kommt, das Gedicht des kleinen Etan ebendort suchen könnt, wo ich es gefunden habe: im ״Unruhen־Buch“ von Giwath-Brenner.., Aus meinem Skizzenbuch Die Zeichnungen, die ihr auf Seite 3 seht, sind aus meinem Skizzenbuch. Es sind Skizzen. Sie sind nicht durch lange Ueberlegungen vorbereitet. Sie sind nicht lange vorgezeichnet. Dazu war nie Zeit. Wenn man ״Skizzen“ macht, kommt es darauf an, das Wesentliche mit wenigen Strichen schnell festzuhalten. Ein Araber mit besonders schönem Kopftuch geht vorüber. Schnell das Skizzenbuch hervor, und obwohl der Araber längst im Gewühl verschwunden ist, wird er gezeichnet, denn der Eindruck ist frisch, der Faltenwurf des Kopftuches haftet noch im Gedächtnis. Wie wenig Striche oft genügen, um eine Stellung genau zu bezeichnen, zeigt die Skizze ״Araber auf dem Markt“. Wenn man skizziert, versucht man, das festzuhalten, was einem am meisten auffällt, was reizt. So kommt es bei dem ״Chaluz mit der Turiah“ nur auf die Stellung, bei dem jemenitischen Juden auf das Gesicht an. Darauf müßt ihr achten, wenn ihr skizziert, oder wenn ihr auch nur die Bilder ״Aus meinem Skizzenbuch“ betrachtet.

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