Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-03-24 · Heft 24 (24.3.1936) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 24 (24.3.1936)
Date
1936-03-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653947--28503-2689988
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

10 entity mentions

JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 24, 24. MAERZ 1936 Semesterschlußfeier des Lehrhauses Der Kreis des Lehrhauses ist im Laufe der intensiven Arbeit so zusammengewachsen, daß die Idee, eine stimmun״svo!le Abschlußfeier für die Stammhörer zu veranstalten, durchaus organisch im Plan des Ganzen zu liegen scheint, obwohl sie nicht vorgesehen war, Wenn auch "bei einzelnen Darbietungen von strengeren Gesichtspunkten aus mancherlei Einwendungen zu erheben wären, so war doch die Feier als ganzes äußerst wirkungsvoll und der Stimmung der Hörerschaft entsprechend. Zwei Arbeitsgemein• schatten konnten an diesem Abend von ihrer Winterarbeit Zeugnis ablegen: der Instrumentalkreis trug eine Reihe alter Kompositionen fiir kleines Streichorchester vor und musizierte so sauber und hingehend, daß man nicht mehr den Eindruck hatte, Dilettanten zu hören, Auch der S i n g k r c i s unter der Leitung Erwin J o s p e s zeigte, was er in den letzten Monaten sich erarbeitet hat. Wenn wir auch freilich den Eindruck hatten, daß die beiden hebräischen Lieder, die er vortrug, eher wie deutsche Volkslieder klangen. Fritz Eisenberg trug Gedichte von Wolfskehl sehr cindrucksstark vor. Besonderer Beifall wurde Oberkantor Jacob so 11 n für seine jiddischen Volkslieder und Pcßach-Niggnnim zuteil, die er äußerst wirkungsvoll zu Gehör brachte. Es sei jedoch gestattet, gerade gegenüber dieser auf Wirkung zurechtgemachten Volksmusik darauf zu verweisen, daß sie viel stärker und stilechter wirken würde, wenn sie ohne Begleitung und ohne besondere musikalische Zurcditstutzung dargeboten würde. Dr. Eppstein gab einen gedrängten Ueberblick über die Arbeit des Lchrhauscs, das im Wintersemester rund 1700 Hörer gehabt hat, die zu 05 °/0 aus Frauen und 35 <0׳ aus Männern bestanden. Ein Drittel befand sich im Alter unter 30 Jahren, die Hälfte zwischen 3p und 60 und 0 ״״ waren über 60 Jahre alt. Die Donnerstag-Vortragsreihe wurde von 60(XJ Personen besucht. Die Arbeit des Lehrhauses war äußerst reichhaltig und anregend und hat zur Bereicherung des Berliner jüdischen Lebens einen wesentlichen Teil beigetragen. _ Dr. N. Eine Zunz-Feier der Gemeinde Eine Feier anläßlich des 50. Todestages von Leopold Zun z vor Kinder!!, die vor der Schulentlassung stehen und somit eine gewisse Reife besitzen, — welche Fülle der Möglichkeiten müßte sieh da bieten, diesen jungen Menschen eine Ahnung von den Beziehungen zwischen wissenschaftlicher Arbeit und dem geistigen Leben einer Gemeinschaft zu geben! Welche Möglichkeiten, eine Gestalt wie die von Leopold Zunz der Jugend nahezubringen. In der Feier, die die Schul- Verwaltung der Jüdischen Gemeinde in der Mittelschule in der Gr. Hamburger Straße am Sonnfagmittag verausfaltefe, wurde solche Möglichkeiten auszunützen leider versäumt. Die Feier trug einen etwas improvisierten Charakter. Dr. Alfred Klee gab in einer kurzen Ansprache ein abgewogenes Bild von Leopold Zunz, der in vielem uns heute noch sehr viel fl » sagen habe, der aber insofern nicht mehr nahe sei, ah er das Judentum als eine abgeschlossene Sache betrachtete, die er min sorgfältig ״beschrieb“. Heute stehe vor der lugend die Aufgabe, aktiv jüdisches Schicksal zu formen und nicht das Judentum als ein Museum anzusehen, in dem es nichts Lebendiges mehr gebe. Der Direktor der Mittelschule, Dr. Stern, wies auf die nur sehr lockere Beziehung von Zunz zur Mittelschule hin 11ml betonte die Bedeutung des Mannes für die Entstehung des Berliner jüdischen Schulwesens. Die eigentliche Würdigung der wissenschaftlichen Bedeutung von Zunz sollte die Rede von Dr. Van der Zvl bringen, die jedoch nur in sehr allgemeinen Wendungen gehalten war und bei den jugendliehen Zuhörer״ deshalb kein Echo zu erwecken vermochte. N. Am 28. Marz (5. N'i-san): Alfred Klee Zcnski, Selm von B. Klerzeuski, SW 68. Markgrafen63 .״־. Zersplitterung Ist unser Unglück. Nichts vermag der Einzelne zu tun. Das Schicksal geht über ihn hinweg. Die unvergänglicheTatHerzls war Gründung der Zionistischen Organisation; sie verkörpert den Lebenswillen des jüdischen Volkes. Gesammelte Kraft meistert auch das schwerste Geschick Darum zögere nicht und tritt noch heute ein In die Zionistische Organisation - Bittt au»!UII•", iut*ehn«ltl»n und abaandwi ■!—■—— - An dla Zionistische Vereinigung fOr Deutschland Berlin W18, Melnekestraße 10 Ich schließe mich durch meine Unterschrift der *uständigen Zionistischen Ortsgruppe und damit dar Zionistischen Vereinigung fOr Deutschland an Zunama Vornan!« Wohnort Anschrift Ausstellung der Schule Kaiserdamm Am letzten Sonntag veranstaltete die Jüdische Schule am K a i s c r d a 111 m eine Ausstellung, die einen Ueberblick über die Arbeitet! der Schule im jetzt abgelaufenen Schuljahr geben sollte. Die Ausstellung, die außerordentlich stark von seiten der Elternschaft wie auch aus anderen interessierten Kreisen besucht war, hat ihr Ziel in vortrefflicher Weise erreicht. Man konnte wirklich sehen, was in dieser Schule geleistet wird, mit welchen Met hoden und zu w eichen Zielen die Arbeit geführt wird. In allen Teilen der Ausstellung, sowohl bei den Arbeiten der Grundscluilklasscn wie auch der höheren Stufen, bei der Ausstellung aus dem Werk- und Zeichenunterricht wie bei den geistigen Fächern, in Hebräisch, Deutsch, Natur- Wissenschaften, Mathematik usw. — überall leuchtete als Charakteristikum der Arbeit zweierlei hervor: die Freude, mit der die Kinder in der Schule arbeiten, mid das große Maß an Selbständigkeit der geistigen und manuellen Arbeit, das liier erzielt wird. Die Freude der Kinder selbst kam schon in einem Spruch zutn Ausdruck, der den Be- Sucher an der Tür empfing, und wurde nicht weniger deutlich aus der Haltung der Kinder, die zum Teil die Funktionen der Ausstellungsführer übernommen hatten oder Unser Verlagshaus in der MeinekestraBe 10 und sämtliche zionistischen Büros sind jetzt nur noch unter der neuen Sammelnummer J1 9031 erreichbar aber an einem kleinen Büfett die in der Schulküche selbst zubereiteten Erfrischungen den Besuchern darboten. Das Maß der Selbständigkeit, das hier erreicht wird, nuifite sich naturgemäß besonders bei den Arbeiten der Oberstufe zeigen. Hier waren zum Teil ganz hervorragende Leistungen zu sehen, und wenn man auch sagen kann, daß hierbei besondere Begabungen hervortraten, so konnte man andererseits feststellcn, daß auch die durchschnittlichen Arbeiten, die man nicht weniger zahlreich ausgestellt fand, dieses Prinzip bestätigten. Doch nicht nur in dieses mehr pädagogisch-prinzipielle Gebiet bot die Ausstellung einen guten Einblick, sondern auch in den Stoff der Arbeit, die in dieser Schule geleistet wird, in allen Fächern dringt das J ii d i s e 11 c elementar durch, um das das Hauptinteresse der Kinder kreist. Besonders einprägsam wurde das bei all dem, was man aus dem hebräischen und aus dem < i e s c 11 i e 11 t s 11 n t erricht zu sehen bekam, obwohl es :״ich in anderen Fächern, etwa in der Geographie oder im Zeichenunterricht, keinesfalls vernachlässigt wird. Die Leistungen von Kindern, die in der Oberstufe sind und eine genügend lauge Zeit am hebräischen Unterricht der Schule leilgenoinmen haben, sind wirklich anerkennenswert und zeigen, daß es auch unter den hier gegebenen Umständen möglich ist, Erfolge zu erzielen, wenn nur ein ernster Wille der Schulleitung lind der Lehrerschaft dahinter steht. Es ist nicht möglich, an dieser Steile einzelne Arbeiten zu nennen, obwohl es verlockend wäre, dies zu tun, besonders aus den Proben der Werkarbeit und des Zeichenunterrichts, die in großer Zain gegeben wurden und naturgemäß bei einer Ausstellung stark in den Vordergiund treten. -So manche Begabung zeigt sich hier frühzeitig, die weitere Förderung verdient. Der Schule muß jedenfalls dafür gedankt sein, daß sie einer größeren Oeffcntlichkeit Gelegenheit bot, in ihre Arbeit Ein״ blick zu nehmen, und sie wird, wie wir amichmen und hoffen, durch diesen Kontakt mit weiteren Kreisen nicht nur selbst neue Anregungen gewinnen, sondern auch die Anerkennung und Beachtung finden, die sie verdient. Stellt sie doch einen der wenigen gelungenen Versuche dar, die vom national bewußten Judentum in Deutschland schon in einer Zeit gemacht wurden, die einer solchen Arbeit durchaus widerstrebte, und ist sie so zu einem wichtigen Faktor bei der Entwicklung unseres pädagogischen Werkes geworden, der als Vorbild und Beispiel stärkste Beachtung verdient. oe. Musikalische Veranstaltungen Dr. Anneliese Landau setzte ihre Vortragsreihe im Kulturbund fort, immer im Anschluß an den Opernspielplan. Es ergab sich so das Thema ״Biblisches Oratorium — Oper — musikalisches Drama“. Sie sprach vom Prinzip des Oratoriums und dem der Oper, versuchte das Wesen beider gegeneinander abzUgrenzen. Das Referat begann mit der Schilderung des Gegensatzes zwischen Liszt und Wagner, von denen der eine sich für das Oratorium, der andere für die Oper einsetzte, berührte die Frühgeschichte des Oratoriums, klärte die wesentliche Rolle des Erzählers, der das äußere Geschehen in knappe Berichte zusammenfaßt. Hierin zeige sich auch der Unterschied zur Oper, da deren Höhepunkte gerade von der H a 11 d 1 u n g gebildet würden. Dies Kriteritun scheint mir ebenso zu leicht gewogen und zu ״populär“ wie Formulierungen: die ״krischen Ergüsse“ seien die Höhepunkte des Oratoriums (als allgemeiner Ausdruck zu vage, als spezieller nur eine kleine Stufe der unendlichen Reihe seelischer Erregungen bezeichnend) und ״das Oratorium kennt die schematische Wiederkehr von musikalischen Stücken“. Es folgten einige aufheilende Bemerkungen über Behandlung des Samson-Stoffes durch Händel und durch Saint Saens. Im Laufe des 16. Jahrhunderts habe eine Annäherung von Oper und Oratorium stattgeflinden. Die ״biblischen Opern“ des russisehen Juden Anton Rubinstein seien doch nur schlechte Oratorien mit Ausnahme von Sulamith. Dr. Landau kam dann noch einmal auf die Geschichte der Oper von Saint Saens zu sprechen, streifte die Salome von Richard Strauß und schloß endlich mit einer Kennzeichnung der oratoriselien Oper der Neuzeit. — Mitwirkende waren: Ruth Wolf f reim, Hilde Lindt, Max Mansfeld; am Flügel: W. A 11 m a 11 n. * Der vokale Teil des Abends von Cilly Zukmann- Bizony und Boris Kroyt im Hause Dr. H. Meyers hatte ein abwechslungsreiches und zugleich einheitliches Programm: zuerst Schumann, dann zwei bezaubernde Lieder von Berlioz, Debussv, endlich Volksliedhaftes aus Spanien, dem jüdischen Rayon Osteuropas, Ungarn, Norwegen, Tschechoslowakei, Finnland, in Sätzen von de Palla, Nin, Joel Engel, Weinberger u. a. Cilly Zukmami-Bizoriv, die auch einige Bearbeitungeii lieferte, ist eine aparte und vornehme Interpretin. Sie liebt das Volkslied, aller sie faßt es als ״Aesthetin“ auf, d. h, sie singt es mit derselben ״Reizbarkeit“ wie etwa impressionisfiseiie Musik. Teel1״i-.eh ist sie seit dem letzten Winter wesentlich vorwäitsgekommeii. Der Ton hat jetzt Raum um sich, er klingt aus; man findet zu einem angenehmen Timbre Zugang. Die Stimme sitzt heute noch nicht fest, vor allem im Piano. Boris Krovt braucht nicht vorgestellt zu werden; er ist ein vollendeter Geiger und Musikant. Er!längt seiner Vorliebe für großen sei!wellenden Ton und für Virtuosität nach, die sieh bei Piigiiam-Kreisk-r besser bewährt als bei Händel. Dr. W. L i e 11 e n f 11 a I begleitete; sein Ton ist voller geworden, aber er muß noch darauf achten, elastischer mitzugeher!. Dr. Hans Nathan Vortragsabende Rezitationsabend Otto Bernstein. Der Dresdner Rezltationskünstler Otto Bernstein gab mit seiner gepflegten Vortragskunst dem Ktilturbimdabend im Schumannsaal den Charaktcr einer Feierstunde. Martin Bubers cliassidische Oeschichten, R e e r - H o f 111 a n n s Gedichte, dankenswerterweise auch das zum ersten Male gehörte Gedicht ״Altern“ und der letzte Abschnitt aus ״Jakobs Geschichten‘' von Thomas Mann bildeten den ersten Teil seines Programms. Ersehntternd gestaltete er den Tod Rahels in dem Kapitel Benoni der Jakobs-Gesrhichten. Otto Bernstein spricht frei, er erzählt, ist dabei aber so intensiv dem Rhythmus der Sprache, der inneren Spannung und dem Miterleben hingegeben, daß ein schwingendes Erheben der Stimme den Glockenklang kleiner Vogelstimmen, ja sogar das geschilderte Lächeln der Gestalten glaubhaft macht. Auch in den chassidischen Geschichten war er der Gotthingegebenheit des legendenartigen Gehalts ein guter Mittler. Im zweiten Teil brachte er die besinnliche Geschichte vom Punktianer Rabbi von Brandes. Dieser weltferne Rabbi in seinem abgelegenen Städtchen elender, armer Juden philosophiert über Reichtum und Armut gemäß der jüdischen Anschauung: Reichtum und Armut gib mir nicht! Aber besonders den Reichtum hält er für ein großes Unglück. Ergötzlich und rührend zugleich ist es geschildert, wie der Rabbi beginnen will, die Reichen zuin Bewußtsein ihrer in seinen Augen unglücklichen Lage zu bringen, und wie er bei dem Monatsvorsteher des reichen vornehmen Wilna damit anfängt. Mit ungemein einfühlsamer Art und diskreten Mitteln, mit einem Mehr an Geschwindigkeit der Sprache schildert Bernstein die Hilflosigkeit dieses armen kraftlosen, zarten Punktianer Rabbis, daß er fast zum Gleichnis wird für die Winzigkeit des Einzelmenschen. R. M. Hugo von Hofmannsthal und die neue Romantik. Im Kulturbund sprach Dr. Elocsscr über das Thema: ״Hugo von I lofmanustbal und die neue Romantik“. Die neue Romantik, fast genau 100 Jahre nach der ersten Romantik, kam als Reaktion der ersten, etwas heftigen Attacke des Naturalismus und gleichzeitig in Oesterreich und auch in Deutschland als dankbar begrüßte ernste Kunstrichtung. Hermann Bahr hatte als der ״Herr von Uebermorgen“ aus Paris die Anhängerschaft zum Symbolismus mitgebracht und postulierte, der Naturalismus sei bereits vorüber. Diese neue Romantik mit ihren Dichtern Jakob Julius David, Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Richard Reer-Hofmann, die dem Naturalismus abgesagt hatte und statt dessen ei in* Welt der Schönheit schildern wollte, hafte aller in sielt bereits den Keim ihres Endes. Sie war eine Z.wisehenepisode. Sie hatte die Resignation der Ein de Sieeie-Srinummg. Dr. Elocsscr schilderte, wie Hofmarinsthal durch sein Elternhaus m Wohlhabenheit und 01111c Konflikte aufgewnclisen, der Dichter dieser Uebcrreifc von Natur aus werden mußte und tatsächlich der Repräsentant der ganzen neuen Romantik wurde. Sein Debüt als Loris in dem wundervollen Yorsprmh zum Anatol von Schnitzler zeigt diese überbewußte Art, die er selbst in seinen Prosa- Schriften formulierte. Hofmannsthal war auch Anhänger von George. Ilm jedoch fühlte der Weg nicht zu einem!..’Art pour UArt, sondern — wie beste späte George-Dichtungen — gleichfalls zu einer neuen Klassizität. R. M. BILD-ARCIIIV DER ZVfD Die Zionistische Vereinigung für Deutschland wendet sich an alle Freunde unserer Bewegung mit der Bitte Bild- und Fi 1111 material von Palästina-Beigen, Ortsgruppen Veranstaltungen, Seminaren usw. zur Verfügung zu stellen. Die ZVfD bittet geeignetes Material (möglichst Negativ und einen Abzug) zu senden an die FILMSTELLE DER ZVfD Berlin W 15 — Meinckestraßc 10 Di« Rinnender erhallen die Unterlegen auf W u n * e h unbeschädigt zurück

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.