Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1936)
- Date
- 1936-03-20
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 K1NDER-RUND5CHAU Nr. 5 t Cr ׳-IrtL‘' r•' ן » י * Sr.:n> »■J- ־׳* * 1u<! I.' w 1 if ״־ * י * * / •1 לו^זזחז־חז! iff*' .' ■• : Bald werden sie wieder in ihrer zweiten, ihrer nordischen Heimat sein. Dann werden sie zwitschern und singen von dem, was sie in den langen Monaten sahen und erlebten, als übe! Europa der Wintersturm brauste und ihre Nester und Schlupfwinkel in Eis und Schnee vergraben waren. Vom fernen Süden werden sie erzählen, wie dort die warme Sonne vielgestaltiges Gewürm und Getier ausbrütete, das ihnen zur Speise wurde, von den dämmernden Wüstennächten, durch die das Gebrüll der Löwen grollte, und von ihrer Heimfahrt über Meer und Gebirge. Wer wird ihre Sprache verstehen? Schon sind sie auf der Heimfahrt, die wandernden Sänger. Ich sehe ihnen nach: ״Grüßt mir die Kinder im fernen Lande!“ Seit drei Tagen liegt glühende Sonne über der heiligen Stadt Jerusalem, weht ein sengender, trockener Wind von der Wüste her. Noch ist es ein trügerischer Sommer, noch werden kalte Stürme und Regenschauer über das nach Wasser lechzende Land dahinjagen — aber in diesen Tagen schei. es, als könne nie wieder Winter werden. Der unendliehe Himmel wölbt sich wie eine blaugläserne Glocke über den Kuppeln und Türmen der Stadt, und in weiter Ferne, jenseits des Toten Meeres, erheben sich lichtblau die Berge von Moab. Da erscheinen plötzlich hoch oben am Himmel einzelne Pünktchen, die sich vermehren und immer weiter vermehren, bis sie zu einem gewaltigen Vogelschwarm geworden sind. Und über ein Weilchen tauchen über den Bergen, hinter denen die Wüste lagert und ihren Glutatem aussendet, neue Vorboten auf lind ein riesiger Vogelschwarm. Die Glut der Wüste, darin in diesen Tagen alles Lebendige verbrennt, hat sie vertrieben. Der Sommer hat sie überrascht. Eilig haben sie ihre Beratungen gepflogen, ihre Führer gewählt, haben Heerschau gehalten und sind aufgebrochen ln die zweite Heimat. Nun kreisen sie über den Dächern und Kuppeln von Jerusalem und sehen aus ihrer Höhe herab zum ersten Male seit Monaten das Meer wieder. Da scheint es, als stockte ihr Flug. Sie kreisen um irgendeinen Punkt hoch in der Luft, fügen sich zu einem Ring, der sich langsam aufrollt und wieder schließt, verringern ein wenig ihre Flughöhe, steigen wiederum kerzengerade in die blendende Luft, bis sie dem Auge fast entschwinden. Es kann kein Zweifel über den Sinn ihres Tuns bestehen: im Angesicht des Mittelländischen Meeres, vor dem Beginn des gefahrvollsten Teiles ihrer Weltreise halten sie eine letzte Musterung, erproben sie zum letzten Male die Kraft und Ordnung ihrer Reihen. Nachdem sich noch einmal das Rund ihrer Schar zu einem langen Bande entrollt hat, entschwinden sie in drei, vier getrennten Schwärmen dem Meere zu. In wenigen Stunden werden sie dort angelangt sein und sich der Ungewißheit des tagelangen Alleinseins mit Wind und Wogen überlassen. Was aber, wenn sich schon morgen oder übermorgen der glühende Hauch, der sie aus der Wüste vertrieb, als trügerisch erweist? Wenn sie bei der Ankunft am jenseitigen Gestade das europäische Land in Schnee und Eis gehüllt finden? Wenn eisige Stürme das Meer peitschen und den Atem in ihrer kleinen Brust ersticken? Wird ihre natürliche Weisheit sie veranlassen, auf einer der griechischen Inseln den wahren Frühling zu erwarten? Ein unruhiger Ruf ertönt aus der Höhe. Einer der Vögel hat sich aus der großen Schar abgesondert, ist ein Stück zurückgeflogen in der Richtung der Berge von Moab und wieder gekehrt, nochmals und abermals. Da taucht ein zweites Pünktchen am Firmament auf, der Zurückgebliebene fliegt darauf zu — das ist der Vermißte, um dessentwillen der Gefährte die Sicherheit bietende Schar verließ. Der zuletzt gekommene Vogel fliegt langsam und tief — ist seine Kraft erschöpft, oder hat ihn beim Anblick des Meeres der Mut zur Weiterreise verlassen? Langsam flattert er nahe über den Häusern, und der Gefährte umkreist ihn, steigt empor und läßt sich wieder zu ihm nieder, unaufhörlich zwitschernd, als wollte er ihm Mut einflößen. Jener aber ist offenbar am Ende seiner Kraft angelangt, mit einigen matten Flügel- Schlägen landet er auf der vergoldeten Kuppel eines orientalisehen Gotteshauses. Eine Sekunde lang schwingt sich der zweite auf, als wollte er dem Zuge der Kameraden nacheilen, schwebt hoch oben in der klaren Luft, —־ dann aber läßt er sich niedergleiten und gesellt sich zu dem Gefährten auf dem strahlenden Dach. Hier werden sie bleiben, bis der Ermattete sich erholt oder bis er — schon tödlich getroffen von den vergifteten Pfeilen der trügerischen Wüstenglut — mit einem letzten Flügelschlag die kleine Vogelseele aushaucht. Und der zurückbleibende Gefährte? Wird er einsam im fremden Lande bleiben, ohne Nest und Gatten, träumend von den frischen grünen Blättchen und der Apfelblüte des nordischen Frühlings? Wird er immerfort der entschwundenen Gefährten gedenken, bis sie endlich im nächsten Herbst wiederkommen und er zu ihnen stößt? Oder wird er nach Eilflügen doch noch die Spur der Enteilten hoch oben m den Wolken finden und sich mitten auf dem Meere zu ihnen gesellen? Wenn ihr Kinder in Deutschland einen einsamen Vogel klagen hört, so wisset, daß er sich nach den verlassenen Gefährten in Frez Israel sehnt... Helene Hanna Thon, Jerusalem \ ~ r~\ rn r^. דייע_1 ~ Diagonal - Rätsel Jüdische Arbeiter in Palästina Siedlung in Palästina Junger jüdischer Geiger Sohn Jakobs Letzter König von Juda Stammvater Ein jüdischer Richter Diese Worte sind waagerecht in die Felder einzusetzen, so daß die Diagonale von links oben nach rechts unten ein jüdisches Fest ergibt (ch ein Buchstabe). Arno (Zahn (121/2 Jahre), Köln-Klette aber g Auflösung lies hebräischen Zahlenrätsels aus Nr. 4 כד עין בת לב ולד לחם דבר בורא בית כל עוד בלב.. . ‘ Wolfgang Fraenkel, Berlin. — Ludwig Goldmeier, Berlin. — Leopold Kaufherr, Fulda. — Josef Kösterieh, Frankfurt am Main. —־ Leo Neumann, Antwerpen. — Othniel Preis, Berlin. ■— Isidor Siegmann, Hamborn. — Wolfgang Simon, Berlin-Charlottenburg. — Wal ter Zlatnitzki, Zerbst. erscheint am Freitag, dem 3. April. Redaktionsschloß hierfür am Donnerstag, dem 26. März