Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1936)
- Date
- 1936-03-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 21, 13. MAERZ 1936 Kinder feiern Purim Das ist das Glück der Kindheit: daß die Zeit gleichsam nur in einem Ausschnitt existiert, daß alles wegfällt, was für die Erwachsenen ein Problem ist. Diese Unbekümmertheit konnte man recht anschaulich bei der Purimfeier der Volksschule Rykestraße erkennen, die fast drei Stunden benötigte, um all den Frohsinn ihrer Kinder bei dem Elternabend am 9. März austoben zu lassen. Dem inneren Feuer der kleinen Schauspieler entsprach die Temperatur in der Aula der Schule Kaiserstraße. Aber man nahm alle Unbequemlichkeiten gern hin, denn was sich auf der Bühne begab, war nett genug. Ob nun dort oben geturnt wurde oder Mädchen sehr graziös gymnastische Uebungen zeigten, ob die Kleinen piepsend und singend über die Bühne hüpften oder die Größeren sich in hebräischen Bibclszenen produzierten — immer spürte man, wie sehr sie alle bei der Sache waren und mit welchem Ernst sie sich ihrer Aufabe unterzogen. Hinzu kommt, daß der anonyme Regisseur, em für die Veranstaltung Anerkennung gebührt, für eine erstaunlich bunte Bühne gesorgt hatte: bei den biblischen ״Massenszenen“ herrschte geradezu ein Farbenrausch, der noch durch geschickte Beleuchtung gesteigert wurde; und die Theaterpracht der Kostüme läßt darauf schließen, daß die Phantasie der Beteiligten wochenlang vorher mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen sein muß. Jubel auf der Bühne. Jubel im Zuschauerraum. Die Augen der Mütter leuchteten und schienen jeden zu fragen: haben Sic nicht mein Kind spielen gesehen? Wir haben sie alle gesehen und waren für drei Stunden froh mit ihnen. Hoffen wir, daß die Stimmung nicht gar so bald verfliegt... N. * Zugunsten der Jüdischen Winterhilfe fand am 9. März im vollbesetzten Großen Saal des Brüdervereinshauses, Kurfürstenstraße, eine Schüler-Aufführung der Privaten Waldschule Qrunewald statt. Wie die Leiterin, Frau Toni L e s s 1 e r, in ihrer Begrüßungsansprache hervorhob, sollten cs einige frohe Stunden sein, welche die Schule den Anwesenden bereiten wollte. Wie sehr dies zutraf, bewies der sich immer wiederholende Beifall, mit dem man Lehrern und Kindern dankte. Sowohl der Schülerrhor, vortrefflich von Dr. Misch geleitet, als auch die einzelnen Veranstaltungen, nach den Ideen von Dr. Löwentha!. gelangen ausgezeichnet. Sämtliche Bühnenbilder und die Kostüme waren selbst hergestellt; Studienassessor Goldstaub hat bewiesen, wie er mit den einfachsten Mitteln ganz entzückende Bilder zu schaffen wußte. Und nun erst die Kinder! Es war eine restlose Freude, zu sehen, wie jede und jeder sein Bestes gab. Ganz hervorragend die Chorgesänge, gut geschulte Stimme״, besonders hervorzuheben sind hierbei die hebräischen Lieder und der Glöckchentanz det Schulerinnen der Sexta. Auch der chassidische Tanz und die iihrigen Tänze einzelner Schülerinnen riefen Beifallsstürme hervor. Eine Lehrerkonferenz der Schülerinnen und Schüler wurde ebenfalls begeistert aufgenommen, und als dann zum Schluß Szenen aus dem ״Sommernachtstraum“ aufgeführt wurden und die Großen und Kleinen zeigten, was sie leisten konnten, da war ein Jubel ohne Ende. 1 "־ ־'".' Monat der Zionistischen Organisation ■Mittwoch, den 18. März, 20.30 Uhr, Oranienstroße 170 (BZV-Saal) Dr. Joachim Prinz Der Gestaltwandel des modernen Judentums Dos ״Berliner Judentum" / Juden um ols Wissenschaft und der Kreis umZunz / Judentum a'sUnglück und der Weg Heinrich Heines / Neoorth d xie und Reform / Prophetischer Missionismus und Fortschritt / Der Weg des Ostens: Haskalah, Chibba'h Zion und Volkswerdung / Zionismus und das neue Judentum Berliner Zionistische Vereinigung Die Lehren der letzten 20 Jahre Ein Vortrag von S. Tschertok Innerhalb der Veranstaltungen zum ״Monat der Zionistisehen Organisation“ sprach am 11. März S. Tschertok im BZV.-Heim, Landsberger Straße, über das Thema ״Die Lehren einer nahen Vergangenheit“. Er schilderte die spezifisch-jüdischen Erlebnisse im Kriege, vor allem das schwere Schicksal der russischen Juden. Gerade au dem Schicksal der östlichen Judenheit konnte der Redner aufzeigen, wie die verbürgte Gleichberechtigung dennoch nicht zur l.ösimg der Judenfrage geführt hat. ln den Jahren 1918—1921 hatten die russischen Juden 75 000 Tote aus Pogromen zu beklagen. Durch die wirtschaftlichen Umschichtimgsprozesse und durch die neue Natioualstaateubiklung wurde die jüdische Gruppe an den Rand des Volkslebens geschoben, und wir sehen heute in Polen die nnmittelbaren Gefahren der wirtschaftlichcn Ausgliederung. Hinzu kommt, daß in Polen die Ausbildungsmöglichkeiten zum Handwerk so gering sind, daß für die Jugcna eine geradezu verzweifelte Situation besteht. Die Siedl ungs versuche, die von Juden nach dem Kriege unternommen wurden, sind mißglückt, so vor allem in Biro Bidjan. Den Grund sicht Tschertok darin, daß jene Siedler nicht an das Land ״glaubten“, wie etwa die Bilu an Palästina. Ebenso hat sich die jüdische MinderheHenpolitik als Fehlschlag_ erwiesen. Die Lösung aller dieser Probleme könne nur darin liegen, daß die Juden sich als Gruppe neu konstituieren und zu einer Ueberwindung der Galuth ge.- langen. N. Geschichtsphilosophischer Vortrag in der Lehranstalt Die Montags-Vorlesungen der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums fanden ihren Ab- Schluß in den! Vortrag von Dr. Arnold Metzger über ״Die Frage nach dem Sinn der Geschichte“, die eine der Grundfragen der Philosophie überhaupt ist. In einem historischen Ueberblick über die philosophische Diskussion über diese Frage während der letzten zweitausend Jahre zeigte Dr. Metzger, daß das antike Griechenland und Rom keine Vor- Stellung von einem sinnhaften Geschichtsgeschchen gehabt haben. Der antike Mensch distanzierte sich vom Geschehen und erklärte es zu einer minderen Wirklichkeit. Es war darum kein Zufall, daß Philosophie und Kunst in diesen Kulturen einen so hohen Rang einnaiimen. Im Gegensatz, hierzu hat das Judentum eine zielliafte Auffassung von der Geschichte entwickelt, deren Grundlagen in der religlasen Erfahrung liegen. Man sali in der Geschichte einen göttlichen Plan, der in der ,,End/eit׳‘ zur Verwirklichung kommt, lieber das Christentum ist diese Idee in das Denken der abendländischen Völker übergangen, wobei freilich, wie der Vortragende ausführlich auscinaiiderset/te, ein erlieblicher Unterschied zwischen der jüdischen und Christliehen Vorstellung von der ״Fiul/ut‘' besteht. Nach, der jüdischen Auffassung bedeutet sic die endgültige Befreiung der Menschheit als einer Ganzheit. Nach׳ der christlichen Auffassung wird der Kosmos in das Innere des Menschen verlegt; die geistige Welt wird das Ziel der Geschichte. Die Freiheit des Einzelmenschen ist das Ziel christlicher Geschichtsphilosophie. Bei der heutigen Betrachtung des Problems muß an die Tatsache angekniipft werden, daß die Gesellschaft zum Schicksal des Subjekts geworden ist und daß es ohne ihren Neuaufbau keine Verwirklichung der geschichtsphilosophisclien Idee gibt. N. Neue Wege jüdischer Gemcindearbeit. Bei einer Kundgebung des J ü d i s c h e n V o 1 k s b u 11 d e s in der Synagoge Friedenau sprachen Rechtsanwalt Ko/owe r und Dr, Hans Klee. R.-A. Kozower ging׳ nach einem geschichtlichen Rückblick über den Jüdischen Volksbund auf die heutige Arbeit ein. Die Jüdische Gemeinde ist eine Volksgeiminde und nicht nur Religionsgcmciiulc. Die wichtigste Aufgabe ist jetzt der Aufbau der jüdischen Schule. Die Lehrer dürfen keine ״Zwangsjuden'‘ sein, die sich ge/svungenermaßen auf die. jüdische Schule umstellen, sondern in national-jüdischem Geiste gut vorbereitete Kräfte. Dr. Hans Klee wies darauf hin, daß der Zionismus sieh nicht nur auf Palästina-Arbeit beschränkt; die Zionisten fühlen sich für alle Juden verantwörtlich. E. L. Bar Mirwali! Am 21. M.'iiz (27. Adat): Woli'gang 1• r a e n k e 1, Solm von Paal F'iacnkcl, W 30. Bambi-iger Sir. 44. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Sonnabend, den 14. März 20.30 Uhr BZV-Heim Kantstraße 54 Hebräischer Abend, Palästinamonataschau, M. Bialostocki, Dr. Ch. Borodianski Kulturabteilung Sonnabend, den 14. März 20.30 Uhr BZV-Heim Briiekenstr. 9 Oneg Schabbai Südost Sonnabend, den 14. März 15.30 Uhr BZV-Heim Oranicnstraße 170 Kinderaufführung, Chöre, Ausstelluog von Kinderarbeiten Unkostenbeitrag (stehe Anzeige) Südost Sonnabend, den 14. März 2030 Uhr BZV-Heim Jiigcrstr. 6 Oneg Schabbat Hermannplatz Sonnabend, den 14. Marz 2030 Uhr BZV-Hcirn Rosenthalcr Str. 44 Chug iwri Zentrum Sonnabend, den 14. März 20.30 Uhr Konditorei Hansa Flensburger Str. 19 Chug iwri Hansa Sonnabend, den 14. Marz 20.30 Uhr BZV-Heim Kantstr. 54 Oneg Schabbai. Dr. Ev« LObeckt ״Die jüdisch# arbeitende Frau in Palästina“ (mit Lichtbildern) Halensee Montag, den 16, März 20.30 Uhr Weißensee Worthstr. 20 Dr. Hans Birnbaum: Eindrücke von einer Paliatinareise (mit Lichtbildern) Weißensee Montag, den 16. März 20.30 Uhr Caf4 Wittelsbadh Bayerischer Pi. 2 Dr. Eva Lübeck: ״Die jüdische arbeitend« Frau in Palästina'' (mit Lichtbildern) Barbarosaaplatz Dienstag, den 17. März 2030 Uhr BZV-Heim Neukölln, Jägerstr. 6 N. Ungur 1 ״Vom Leben einer |fidl«d1en Siedlunj” Neukölln Dienstag, den 17. Marz 2030 Uhr Caf6 Wittelsbuch Bayerischer Ph 2 R.-A. Dr. Alfred Rabau: ״Die innerjüdlsche Position det Zionismus" Stadtpark Dienstag, den 17. März 2030 Uhr JoadiimathalerStr.13 (Jüdischer Club) siehe Anzeige Fehrbelliner Platz Mittwoch, den 18. März 2030 Uhr BZV-Heim Landsberger Str. 87 Recha Freier: ,Juj1-1׳cl-Alii״h" (mH Lichtbildern) Friedrichshain Makkabi im Monat der Zionistischen Organisation Donnerstag, 19. März, 20.30 Uhr BZV-Heim, Kantstraß• 84 BZV-Heim, Landsberger Str. 87 Dr. Alfred Rabau Siddy Goldschmidt S. Tschertok Erwin Pollak Del ZLonUmus m׳ purfkn £*d$cUeid4m%e4* Anschließend Vorführung der Palietina-Monsteechau BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Icht vergessen — oft vegetarisch und Fische essen Vegetarischen und Fisch-Restaurant am Zoo Eingang Kantatraße, Ecks Joaehimstha’er Straß#, hoehptr. warm# and kalte Küche Erttki Kaffe# a Gebec* Kurtarsteitdamin 8! Eck# Schiiltento / 1 3 Oliv» 3483 Ihr Cafähaus und Restaurant lat Caf6 Wittelsbach, Bayerischer Platz 2 Prinzeß-Caf6, Kurfürstendamm 214 Inhab er* Oscar Aberbach M. d. j. G. 1t S mg׳ und Mra Kurfürstendamm 2 2 (J 2 Bismark 3243) Ausdeutung von Ntiliehktlten Untat Aufsicht der Jüdischen Gemeinde Berlin *Sevilla<׳ Oranicnstrcsfie 68 am Mo,;!,pu,1 (F 7 55 60) 8Slb;.nd>8 ibii■ Bf - Sesellscnatttabend Bonntag 4.1 S der beliebte Nachmittagetee SY »HOLLAND« am Kurfürstendamm 61 llngeeg lelbnIxstreB• Orig. Volondamer Trachten 1 Tanz: Dl# beliebten 4 Castelfy’a Dienstag, 17. März, 20 2/י Uhr Joaehimsthaler Str. 13 (Jüd. Club) Palästina-Wirtschaft Gesprochene Zeitung Bodenpolitik u. Wirfschaftsaufbau / Mittelstands-Kolonisation Arbeitslosigkeit 192S und heute Entwicklung des Kapitalmarkt« Erziehungsfragen der Industrie Dr. Joset Weiss Walter Tempel Walter Sch warz Dr. Jadesohn Dr. Abramsohn Gruppe Fehrbelliner Platz Berliner Zionistische Vereinigung HABONIM Gdud Brenner Abend für Ellern and Freunde Donnerstag, 19. März, 20 Uhr Brüdervereinshaus, Kurfürstenstr, 115/116 Ch&re u. Theaterstücke / Baaernkaniaie Karten zu RM 1.— und 50 Rpf,, Jugendliche 30 Rpf, im Vorverkauf in der Anzeigen-Annahme der ״Jüdischen Rundschau“ und an der Abendkasse. (Geloste Karten haben Gültigkeit) kl NO-SPIELPLAN VON FBEITÄQ BIS MONTAJQ * . . .. ׳ * ׳ . *, '-i .M-'.׳ C5 *׳׳'5־׳ ׳» ׳ ״».י k ' ' >'t*. ׳.«*•* ׳ MARCHENBRUHHEH- Lichtspiele Am Friedrichshain 29 Beginn 5, 7, 9.10 Uhr Sonn'a^s ר י1יי Uhr nach BiiroscttiuB mit Clark Gable Constance Bcnnett IMPERIAL |י |*J# II1111*1 IIS Rosetithaler Str. 40 41 « 1■l,d«».4.n MorU "־*1י BIO Hackescher Markt 2 3 David Copperfield Kammer- Lichtspiek* :1 Lehnkier Fi. Wo. 4,45. 7, 9.15. Stj. *b 3 Uhr Reginai.1chhp..W1tmcrsd״rf[*r Str.95 Henker, Frauen u. Soldaten n:■1 Hiins Albcrs Die klugen Frauen Heue Programme am Dienstag Kretschmer’* Restaurant[!״״;, Bin, SW 19, Nierferwsllstr.?5, A 6 Merkur 1665 ladet Sie zu dem bei uns stattfindenden Seder-Abend ergebenst «*in. Menü inkt. H Flasche Wein . RM. 4.50 Mit Zwiscfiengans! inkt. Wein . RM. 5 Anmeldung rechtzeitig erbeten! Bohl’s Konditorei Lothringenstr. 31 Tel. E6 4140 Eine Minute vom Jüdischen Friedhof. M.d. Restaurant : g. 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