Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 19, 6. MAERZ 1936 42SS; =feäg* tütH igÄ•:::: :•:׳:::y:-::;;:::;::::-::::::: 1ÜP Was wird aus den Schulentlassenen? ״Zionistischer Volksbund“ Die aus den Mitgliedern der bisherigen Fraktion des Jfid ischcn Volksbundes und der zionistischen Fraktion wiedervereinigte Fraktion der zionistischen Gemeindevertreter In der Berliner Gemeinde■ wird den Namen ״Zionistischer Volksbund“ tragen. Die Fraktion hat ihre erste konstituierende Sitzung abgehalten. Zum Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee gewählt; stellvertretende Vorsitzende wurden Rechtsanwalt Dr. Siegfried Moses und Rechtsanwalt Philipp Kozower. Mit dieser Zusammenlegung der beiden Fraktionen in der Berliner Oemeiiiderepräscntanz ist ein Kapitel zum Ab- Schluß gekommen, das von allen an der zionistischer! Gemeindearbeit interessierten Kreisen aufs schmerzlichste einpfunden wurde. Wir begrüßen es außerordentlich, daß nunmehr der Weg zur gemeinsamen Arbeit in den Gremien der Jüdischen Gemeinde freigemacht worden ist, und hoffen, daß der Einfluß der wiedcrvercinigtcn zionistischen Fraktion sich aut den entscheidenden Gebieten der Gemeindearbeit schon bald zeigen wird. __ Der Monat der Zionistischen Organisation Die Eröffnungs-Versammlungen Mit drei großen Versammlungen eröffnete die Berliner Zionistische Vereinigung den ״Monat der Zionistisclicn Organisation“ in Berlin, In einem Saal des Ostens sprach am Dienstag vor einem dicht gedrängten und atemlos lauschendem Publikum Dr. Joachim Prinz über den ״Gcstaltwandcl des modernen Judentums“. Eindringlieh schilderte der Redner, wie die ganze Geschichte des Judentums ein einziger Oestal twandet ist, d. h. wie die verschiedensten Kräfte um die Gestaltung des Judentums rangen. An dem Gegensatz Priester —■ Prophet, zeigte er die Spannungen, die innerhalb der jüdischen Entwicklung wirkten; im Mittelalter ist es die Spannung Halacha-Kabbala, die die Auseinandersetzungen beherrscht. Nach 1800 war ein völliger Wandel insofern eingetreten, als das Judentum seine nationalen Bindungen abgestreift hatte und damit die Diskussion nicht mehr so sehr um das Judentum, als vielmehr um seine Haltung zur Welt ging. In die cmanzipatorischen Träume kam der Zionismus als der Warner vor dem falschen Gefühl der Sicherheit. Erst jetzt aber beginnt die westliehe Judenlieit langsam die Wahrheit des Zionismus zu bcgreifen. Wir stehen am Anfang unseres Weges, und müssen erst das jüdische Volk schaffen. Dazu aber ist es nötig, daß sich die Menschen in die Organisation einreihen und dadurch ihren Willen bekunden, am Aufbau und an der Neugeste.ituug jüdischen Lehens seihst initzuarbeiten. Lebhafter Beifall dankte dem Redner, und zahlreiche Beitlifte zur BZV., die an diesem Abend erfolgten, bewiesen, daß der Appell nicht wirkungslos verhallt war. Am Mittwoch sprach Dr. Max Nußbaum im überfüllten großen Saal des Logenhaiises über ,,Zionismus — der Aufstieg einer Utopie“. Bewegungen mit utopisehen Zielen seien nichts Neues in der jüdischen Geschichte. Solange die Juden auf eigenem Boden lebten, war es eine politische Erlösung, und diese Idee fand ihre Verkörperutig etwa in Juda Makkabi. In der Zerstreuung wurde sie zur r e I i g i ö s e 11 Erlösung, zum Messianismus. Das Volk erwartete von jedem!Messias praktische Tat und äußeren Erfolg. Deshalb waren Bar Koch ha, später Sabbatai Zwi, Salomon Mok-110 usw. falsche Messiasse. Monat der Zionistischen Organisation KUNDGEBUNGEN DER BZV. im Westen Dr, Michael Traub Auf der Suche nach Lebensraum Mittwoch, den 11. Mörz 1936, 20.30 Uhr, Logershaus, Kleiststraße 10 Dr. Joachim Prinz Der Gestaltwandel des modernen Judentums Donnerstag, d. 12. März 1936, 20.30 Uhr, Charlottenburqer Festsäle, Kaiser- Friedrich-Straße 24 Berliner Zionistische Vereinigung Ein Appell an die Verantwortlichen Die Lehrstätte C h a i 111 Nach man Bialik füh.r.c um vergangenen Dienstag im Logenhaus Kleiststrall'1 eine sehr gut besuchte Veranstaltung pädagogischer Art du G1, die sich mit dem Thema beschäftigte: ״Was wird aus der schulentlassenen jüdischen Jugend.“ I fit• Veranstaltung, die sowohl von zahlreichen Eltern 'wie auch von vielen Lehrern und Erziehern besucht war, wurde, von Hans Gärtner eröffnet. Das erste Referat hielt die Leiterin der Schule am KaiscrJamm, Frau Paula Fürst, .die sich mit den Fragen des d. Schuljahres beschäftigte. Sie wies darauf hin, daß die Mehrzahl der 1!jährigen Kinder für den Eintritt in den Beruf noch ungeeignet ist, und daß es nur wenige Ausnahmen von dieser Regel gibt. Aus diesem Grunde sei man sieh über die Forderung nach dem 9. Schuljahr eitrig, wenn auch die Frage der Durchführung noch nicht in allen Punkten geklärt sei. Frau Fürst berichtete sodann über die Praxis dieses Schuljahres in der von ihr geleiteten Schule und schilderte die Entstehung dieser Klasse und die allmähliche Durchführung eines konkreten Arbeitsplanes. Besonders günstig» habe sich der Wechsel zwischen geistiger Arbeit und physischer Tätigkeit ausgewirkt. Die praktische Arbeit bestehe aus Haus- und Gartenarbeit, Nadelarbeit und Werkunterricht. Die gcistigen Fächer umfassen täglich Hebräisch und eine Fremdspräche (Englisch), Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Rechnen und Naturwissenschaft. Zwei Tage der Woche sind der praktischen Arbeit gewidmet; an diesen werden nur in den Morgenstunden Sprachen gelehrt. Die Kiieliengruppe versorgte die Schulküche, in der täglich 40 bis 50 Kinder verpflegt werden. — Daneben bestellt noch eine Gruppe des 10. Schuljalircs. Fast alle Kinder, die das Schuljahr jetzt zu Ostern abschließen werden, haben in ihrer Berufswahl sich für die Mittleren-Hachscliarah oder für andere auf Palästina gerichtete Berufe entschlossen. Als zweiter Redner behandelte Dr. Franz Ollendorf die Arbeit der von ihm geleiteten V o r b e r c i 111 n g s schule für die J u g c 11 d - A 1 i j a h, die gegenwärtig von über 200 Kindern besucht wird. Fr wies auf die Zusammensetzung der Schülerschaft hin, die sich aus den verschicdensten Kreisen rekrutiert, betonte, daß ein Teil von ihnen in Wohnheimen lebt, und schilderte die Kontrollen, die über die Entwicklung der Kinder und ihre Eignung für die Jugend- Alijah dürchgefiihrt werde. Die Kinder werden Vor- und Nachmittags beschäftigt Der Lehrstoff beschränkt sich auf das absolut Unentbehrliche. Er zerfällt in hebräisch-jüdische Fächer, in die naturwissenschaftlichen Fächer, unter denen besonders Lnmlwirtsebaftskunile, Hygiene und erste Hilfe zu erwähnen sind, Sport und praktische Arbeit in verschicdenen Arbeitszweigen. Hebräisch durchzieht das ganze Leben der Schule, die in enger Zusammenarbeit mit dem Vorbereitungslager arbeitet, in das die Kinder für 4 Wochen Der Zionismus trat ebenfalls als Utopie ins Leben. Diejenigen, die selbst die Folgen der Gallith spürten, sahen ihn als irreal an. Aber Pinsker, Herzl, Nordau, die sämtlich nicht im Ghetto lobten und aus assimilierten Kreisen stammteil, dachten weiter und bemühte!! sich, das Volk auf ihren neuen Weg zu führen. Oftmals sahen wir in der Geschichte der Völker, daß die Befreiung gesellschaftlicher Schichten und dal! neue Gedanken nicht aus der Fuge, nicht aus der Verzweiflung kommen, sondern daß Menschen, die selbst frei sind, vom Schicksal der anderen beeindruckt werden mul sich an ihre Spitze stellen. In ihnen lebte die Erkenntnis, daß es nur e i n Jmlenschicksnl gibt. Verantwortung für das Volk beseelte sie. Unsere heutige Situation verlangt von uns gleich-, falls Verantwortung. Wir können nicht ruhig bleiben, wemf wir von der Situation der Juden in Polen hören, wenn wir daran denken, daß auch in vielen anderen Ländern das Judcnprobk'in offensichtlich geworden ist. Am Schluß zeigte Nußbaum die Verbundenheit von Volk und Land und die wechselnden Formen, die diese Verbundenheit in der jüdischen Geschichte angenommen hat. Das Ghetto erhielt dem Volke symbolisch einen eigenen Boden, eine eigene Wirtschaft und einen eigenen Himmel. So konnte es das .Mittelalter überleben. Die Emanzipation nahm ihm altes und desillusionicrte das Ghetto. In dieser Situation war das Volk in schwerster Gefahr — und im selben Moment trat die Bewegung auf, die dem Volke einen alten, neuen Weg zeigte — der Zionismus. Mit einem Aufruf zum Beitritt zur Zionistischen Organisation beendete der Redner seine Ausführungen, die vom Publikum mit außerordentlich starkem Beifall aufgenommen wurden. Am gleichen Tage sprach Dr. Michael Traub im überfüllten ״Hackcschcn Hof“ über das Thema .,Suche nacli neuem Lebensraum“. Wir werden über diese Ausfüllrangen, die stürmische Zustimmung fanden, in unserer nachsten Nummer berichten. vor ihrer Alijah kommen. Die Schularbeit wird teils klassenweise, teils in Kursen dürchgefiihrt. Die Lehrer sind zum großen Teil mit den Gruppenleitern der Jugend-Alijah identisch, und der Geist der Schule wird durchaus von dem der Jugcndhünde bestimmt. Dr. Georg Joseph sta! befaßte sich mit der Situation der Schulentlassenen, von denen im vergaltgenen Jahre 121)0 Kinder keine Unterbringung finden konnten, jetzt muß es sich entscheiden, ob dieser Ballast sieh weiter vergrößert oder überwunden wird. Er berichtete sodann von den Problemen der Jugend-Alijah in Palästina und schilderte die Entwicklung, die der junge Oleh im Laude nimmt, besonders in beruflicher Beziehung. Zur Vorbereitung sei in Deutschland für 14 ■46jährige die M i't t I c r e 11 - H a ch - scharah eingerichtet worden, die versucht, eine Landwirtschaftliche Ausbildung in gewissem Umfange zu vermitteln, die Berufscignung zu prüfen und die Kinder auf die Arbeit und das Leben in Palästina vorzubereiten, ln beruflicher Beziehung sei dieser Versuch voll geglückt, wenn auch noch manche Probleme zu überwinden seien. Fine neue Führer* generation hierfür und fiir die Jugend-Alijah werde in Kursen herangehildet, die in der Lehranstalt Isir die Wissenschaft des Judentums staitfimlen. I>r. Joseph-(,11 schloß mit einem Appell an die Junglehrer, auf diesem < iebii te initzuarbeiten. In der Diskussion wurden einige Anfragen gestellt, die von den Referenten am Schluß beantwortet wurden. * Der Abend, der diesen pädagogischen Fragen gewidmet war, weist eindringlich auf ein Problem hin, dadas ernsteste Interesse aller jüdischen Instanzen verdient. 111 der Tat ist nicht cinztisehen, wie sich die Zukunft des deutschen Judentums gestalten soll, wenn etwa auch in diesem Jahre und in Zukunft ein erheblicher Teil der Kinder, die die Schule verlassen, beruflich uincrsoigt h'eiht. Wem! im vergangenen Jahre etwa 20 ״'׳ aller »ehnVnthisscnoti jüdischen Kinder ohne Ausbildung geblieben sind, so ist die:, ein Warn 11 n g s s i g n a I, das von;)'Jan Instanzen beachtet werden sollte. So bedeutsam auch die Schaffung des (), Schuljahres und die* Einrichtung anderer U!1terriel1tsm;\g'ichkei en für die Kinder ist, so klar muß man erkennen, daß dies doch mir ein Notbehelf sein kann. Eine Lösung des־ B e r 11 f s p r o - b I e m s w i r U d a d u r e 11 11 i e 111 11 c 1׳ b e i g e f ü 11 r 1, soudern nur eine Verschiebung der Frage aut einen späteren Zeitpunkt. Gewiß ist es zu begrüßen, wenn die geistigen Werte, die die Schule vermitteln kann, in dem fraglichen Alter' den Kindern noch weiterhin zugänglich sind, und der Aushau der oben erwähnten Instituiionen sollte daher unser aller Interesse finden, aber wir dürfen darüber nicht vergessen, daß die berufliche Situation der Heranwachsenden dadurch noch nicht eindeutig geklärt ist. Hier einen Ausweg zu suchen, ist eine der vordringlichsten Sorgen, die aut der jüdischen Gemeinschaft lasten. Familien - Nachrichten Herr I.otiis Gerechte r. Ninlci.׳.chm:!•«ekle, Fcnnur. 13, begeht am 14. Marz den 70. Geburt-uig. Herr Julius Kocli maiui, t'lmrloltcnhurg 4, Wajlz.ur. 23. begeht am 7. März den 75. Gehn!!.,tag. l'ä.m llulda Kosenihal. geh. Mi,!>,!!:.« i'z. O 112, Frankfurter Allee 285, begeht 11m 24. Mäiz <h n 7a. 1 ir!״״-'■ tag. Bar Mizwah-Termine Am 14. M;uz (,ייב. A'.ut: (׳ ׳ I 11 ־)!!ו i <- 1. St.hn von Luit- סנן!(] GoKum ht, W' 30. K׳Mut r 33, 21. . Oihniul Preis, S« >!111 vu!1 Willy PivG, Huriin.!'uil/Ouk-ri Sn. 33. (S\u. iVv alnzzLtr.) Monat dar Zionistischen Organisation KUNDGEBUNGEN DER BZV. im Osten S. Tschertok Die Lehren einer nahen Vergangenheit Mittwoch, den 11. März 1936, 20.30 Uhr, Landsberger Straße 87 (BZV.-Heim) Dr. Max Nußbaum Zionismus — der Aufstieg einer Utopie Mittwoch, den II. März 1936, 20.30 Uhr» Hackescher Hof, Rosenthaler Straße 40-41 Berliner Zionistische Vereinigung Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Sonnabend, den 7. Marz 2030 Uhr örsntrnsfraSe 170 On«g Sditbbat Südost Sonnabend, den 7. März 2030 Uhr BZV-Heim KantstraBe 54 Hebräischer Abend. Dr. Borodianski: ״Purim in der jüdischen Folklore“ Dr. Hurwicz: »Die Esthcrrolle in ihrer historischen Bcdcutun^״ Kulturabteilurtg Sonnabend, dm 7. Marz 20.30 Uhr BZV-Heim Roscnlhaicr Sir. 14׳ Oxieg Schabbat im krinth hamegdlah Cnug1 iwri Zentrum Sonnabend, den 7. März 20.30 Uhr Konditorei Hansa Flensburger Sir.!0 Chug iwri. Es sgricht Dr. S. Kaleko I lansa »HOLLAND« «iSe am Kurfürstendamm 61 / Eingang i.lbntzsiraBe Orig. Volendamer Trachten Zum Tanz: Die beliebten 4 Casteliy’s FadtmSnnitcher Rat in allen einschlnciRen Fragen durch Ollvaer Medlzlnal-Drogerle Inh. Apoth. Fritz Beier M. H. ). G- Ollvaer Platz 2 J 2 Oliva 0309 Chang erwartet Sie! Inh. Alfred Scherlinski ciwmr.^W Motzstr. 34 0»ו W**“ 1 Min. von der Skala Da* kleine I *■■1 | originelle Lokal!UM RjRUCNERFISCH 1 JOC I n 11 a b r : ERNST N £ 1 M A N « Salate . Fisch - Konserven I Wllmarulsrftr Str.t20 » Kolo!m«f1str. #1 *Br.Tunkftirturltr.l«• Ihr Cafehaus und Restaurant ist M d Cafe Wittelsbach, Bayerischer Platz 2 j. G. 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Herbstmnnöver ® mit Hans SflHnker flackescher Markt 2/3 Nur Sonnt»*: Madam« Butterfly mit Sylvia Sidney I 3BF IlGit S mag- und MM ■ KorlürslentlaniRi 22.J1 B.smark 2245 B Ausrichtung von Festlichkeiten ■ Unter Auluclit der Jüdi.ch.n G.ra.ind« Berlin 1 Ärff:״״־״ p1. ״ 8־ Familie SciiimeH Wo, 4.45. 7. 9,15. Stil, »b 3 Uhr nur «m 8. 3. Hoho Stbnlo Rstlns•• .1,, 1 im weisen RSM'I Licht»p.,W11mcr#dorfer Sti.95 nur am H. 3. Peer Uynt