Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1936)
- Date
- 1936-02-14
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCH! RUNDSCHAU NR. 13,14. FEBRUAR 1936 mmrnmrn Der Stand der Jugend-Alijah Ein Bericht Dr. Landauers Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-AIijah hafte die Vertreter der jüdischen Organisationen zu einem Tee-Abend eingeladen, um gemeinsam mit Dr. Georg Lan* d a u c r die aktuellen Fragen der Jugend-AIijah zu bcsprechen. Der Abend stand unter der Leitung von Frau Rccha Freier. Fräulein Eva Stern berichtete von den Anfängen der Jugend-AIijah und ihrer Entwicklung sowie von der Bedcutung der Arbeit Landauers für diese Sache. Der ungeahnte Umfang dieses Werkes dokumentiert sich auch in der Tatsache, daß im nächsten Monat das 1000. Kind nach Palästina geschickt werden wird. Nach herzlichen Begrüßungsworten von Dr. Otto Hirsch und Dr. Georg Lubinski stellten die Anwesenden Fragen an Dr. Landauer, der dann am Schluß alle aufgeworfenen Probleme zusammenlassend behandelte. Nachdem Dr. Landauer noch einmal kurz auf die Vorgeschickte der Jugend-AIijah zu sprechen gekonimen war und darauf hingewiesen hafte, daß noch 1932 bei der Zionistischcn Organisation Bedenken gegen dieses Unternchmen bestanden, wandte er sich den Gegenwartsfragen zu. Er glaubt, daß die Juden Deutschlands für die Finanzicrung der Jugend-AIijah noch einen größeren Beitrag als bisher leisten müßten; man hofft überdies, daß Gelder aus Amerika für die Jugend-AIijah zu erhalten sein werden. I)ic Bedeutung der Jugend-AIijah in P a I ä s t i n a s c 1 b s t liegt aut kolonisatorischem Gebiete: sie erzieht nicht nur Kolonisten, sondern auch die aufgewandten Geldmittel werden kolonisatorisch fruchtbar verwandt (durch. Aushau der Siedlungen usw.). Selbstverständlich habe Palästina keine unbegrenzte Autnahmefnhigkeit; aber eine ständige Vcrgrößerung der [tigend-Alijah durch die Neugründung von Siedlungen sei durchaus denkbar, ln diesem Zusammenhange wurde die Mitteilung gemacht, daß die Reichs- Vertretung beschlossen habe, zum Andenken an Ludwig Tietz in der Nähe von Haifa eine handwerkliche Ausbildungsstätle für Jugendliche zu schaffen. Man kann damit rechnen, daß jeweils pro Jahr 1500 Jugendliche ausgchildet werden können; die Erhöhung der Zertifikatszahl ist abhängig von den zur Verfügung stehenden Ausbildungsstätten. Man hat bisher die Kinder in geschlossenen Wirtschaftsgebilden untergebracht.. Der normale Weg der Ausbildung sei aber die Ausbildung in deroffeneu Wirtschaft; wenn es gelinge, hier eine größere.Zahl von Aushildungsstellen freizumachen, würde eine erhebliche Aus- Weitung der Jugend-AIijah stattfinden können. Die drängende Frage, wie es um die Jugend-AIijah aus den ö s 11 i c 11 e n Ländern Europas steht, ist Gegenstand ernster Prüfung der verantwortlichen Stellen. Man fühlt die Verpflichtung gegenüber dieser Jugend und bemüht sich, ihr im Rahmen des' Möglichen zu helfen und den ausgearbeiteten Plänen eine konkrete Form zu geben. Dr. Landauer gab ein aufschlußreiches Beispiel für die Einordnung der Jugend-AIijah im Lande. Die Ausbildüng einer Gruppe in Ejn-Charod ist jetzt beendet. Drei oder vier bleiben als Siedler dort, ein kleinerer Teil verteilt sich aut andere Siedlungen. Der größte Teil der (truppe jedoch bildet eine neue Siedlergemeinschaft. So wird die Jugend-AIijah zum Ansatzpunkt für neue Kolonisation. Hierbet betonte der Vortragende, daß ohne die Mithilfe des Keren Majcssod und des Keren Kajcmcth das Werk der Jugend-AIijah nicht möglich sein würde. Neben diesen Fraget! behandelte Dr. Landauer noch die Probleme der religiösen Jugend-AIijah sowie der Ausbildüng der Jugendlichen und der Anforderung von Eltern, die die jungen Menschen häufig schon sehr frühzeitig nachkom- Oien lassen wollen. Familien - Nachrichten Herr Michael II i o rm s n 11. Wilmersdorf, Lnrulhausstr. 5, begeht am 21. Februar den 90. Geburtstag. Herr Jacob Stein b erg und Frau T.ina geh. Wermuth, Berlin, begehen am 14. Februar das Fest der Silbernen Hochzeit. JQdische Gemeinde: Repräsentantenversammlung (Offizielles Communiqu^) ln der Sitzung der Repräscntantenvcrsammlung am 28. Januar gedachte der Vorsitzende, Rechtsanwalt Heinrich Stern, der früheren Repräsentantin, Frau Lina Wagner-Tauber, die nach kurzem Aufenthalt in Palästina verstorben ist. Im Namen des Gcineindevorstandcs schließt sich Herr Dr. Klee den Ausführungen Rechtsanwalt Sterns an. Die Neuwahl des Präsidiums der Versammlung, die für das Jahr 1936 vorgenotnmen wird, ergibt einstimmig Wiederwahl der bisheriger! Präsidiumsmitglieder. ln einer längeren Debatte wird die Vorlage betr. Neuwähl zweier Vorstandsmitglieder erörtert. Während die Vertreter des Jüdischen Volksbundes und der zionistischen Fraktion fordern, die Ergänzung des Vorstandes durch Wahl zweier zionistischer Herren, zumindest die Nachwahl für Dr. Hirsch, die in keinerlei Zusammenhang mit dem Kompromiß stellt, noch in dieser Sitzung vorzunehmen, schlagen die Vertreter der Religiös- Liberalen Fraktion vor, da nicht eindeutig klar sei, ob auch alle Gruppen der Gemeinde noch zu dem Kompromiß stehen, einen Ausschuß einzusetzen, der die Wahl der beiden Vor- Standsmitgliedern vorberciten, und Fragen, die sieh bei der Erfüllung "des Kompromisses ergeben haben, klären soll, ln der Abstimmung wird beschlossen, diesen Ausschuß einzusetzen, die Fraktionsführer werden insgesamt fünf Herren benennen. Die Versammlung setzt ferner einen Ausschuß ein, der Richtlinien für die Bewilligung von Subventionen, insbesonderc für die Gewährung von Bauzuschüssen, aufstellen soll. * * * Nach einer Vereinbarung mit dem Gemcindcvorstand werden über die Sitzungen der Rcpräsentantcnversamnilung nur die offiziellen Communiqucs des Gemeindebüros vcröfientlicht. Es muß jedoch liinzugefügt werden, daß die Nichtbesetzung des Vorstandssitzes nach dem Abgang von Dr. Hirsch von der Oeffentlichkeit als Anomalie empfanden wird, die angesichts der Lage in der Gemeinde untragbar ist. Es muß bedauert werden, daß die liberale Fraktion ihre Mehrheit in dieser Weise handhabt. Ueber ״Neue und Jüdische Musik“ hielt Dr. Jakob Schönberg im Jüdischen Lehrhaus ein Referat, in dem er sich mit den Neginoth beschäftigte. Er versuchte, einen Abriß der jüdischen Musik an Hand der Entwicklung des Gottesdienstes zu geben, wobei er die Neginoth als ihr ältestes Denkmal bezeichnete. Nach historischen Darlegungen über die Akzente selbst und ihre Verschiedenheiten in den einzelnen ״Weisen“ stellte er Untersuchungen über die Pentatonik und Tonalität der Neginoth an und zog Vergleiche mit der Gregorianik, wobei für die Jahre 500—900 eine gewisse Parallelität in der Entwicklung festgestellt wurde. — An diese angebliche Gleichheit der Pentatonik in Kirche und Synagoge knüpfte auch Dr. Herbert Loewenstein in seinem sehr ergiebigen Korreferat an. Er befrachtet die gesamte Ncumentamilic als eine Schöpfung der Milfehncer- Länder der Antike. Man gibt der Sprache einen Klang und zeichnet später den, ursprünglich durch Cheironotnie (Hand- Bewegung) geführten, Gang der einzelnen Tonfofgen durch bestimmte Handzeichen aut (Neumen-Winket. Loewenstein bestreitet, daß in den Neginoth alte jüdische Musik vorhanden ist, da alle Riten voneinander abweichen. Nur in der Pentatonik stimmen sie bei den Aschkenasim überein. Es wäre aber durchaus möglich, daß sie erst in Mitteleuropa in die Synagoge gedrungen ist, da sie in sehr alter mitteleuropäischer musikalischer Dialekt sei. Wichtig war der Hinweis am Schluß, daß aus einer rein musikalischen Belebung der Neginoth m i t eine neue jüdische Musik entstehen könnte. Wir haben ja davon Beispiele an der neuen Sonnabend-Vormittag-Liturgie’Dymonts. Dr. Oskar Guttmann Der jüdische Königsgedanke Ein Vortrag in der Lehranstalt Unter den Montagsvorlesungcn der Berliner Lehr* anstalt für die Wissenschaft des Judentums hob sich der letzte Vortrag über die ״Königsidee der netteren Zeit“ bemerkenswert hervor. Der neue Dozent für allgemeine Geschichte, Dr. Arnold B eine y, hatte sich eine äußerst glückliche Fragestellung gewählt und sie mit Geschick bis zum Ende durchgeführt. Fr zeigte in fesselnder Weise, wie die biblische K ö n i g s i d e e in der mittelalterlichen und neueren Geschichte ständig fortgewirkt und die Auscinandcrsctzuugen zwischen den Mächten der Welt geprägt hat. Zum Verständnis hierfür legte Dr. ßerney zunäcTist die Entwicklung des biblischen Königsgedankens dar, der erst nach der Wiedereroberung Kanaans allmählich Gestalt annimmt. Aus dem Stammcsköiiigstuni, dessen erster Vertreter Gideon ist, schält sich nach und nach die jüdische Königsidee heraus, während die Königsidee im Reiche Israel stell unter fremden Einflüssen gestaltete. Fs entsteht das Wahlkönigtum, dem Militär, Priesterschaft, die Aeltcsten, die Propheten und nicht zuletzt die Volksversammlung als ausgleichende Machtfaktoren entgegenstehen, so daß das jüdischc Königtum nicht als Despotie bezeichnet werden kann. Es ist charakteristisch, daß diese Königsidee nicht nach Asien hinein, sondern nach Europa gewirkt hat. Die biblische Auffassung betrachtet den König als von Gott eingesetzt, aber nicht selbst als göttlich. Das Amt verpflichtet zur richterlichen und sozialen ü c r e c h t i g k c i t; gerade von diesem Ideal ist die prophetische Kritik an den Königen getragen. Weder im I•dam noch im l hrhi i ■tcntimi wird diese jüdische Staatsauffassung übernommen, first im l'rulikatholizismus suchte mau den Abstand zwischen Staat und Kirche zu verringern; in der Zeit der Schwäche des Papsttums, in! 11. und 12. Jahrhundert, griff man auf die biblischen Ansichten zurück, um die politischen Ansprüche des Papstes zu rechtfertigen. Insbesondere an die Figur Sauls knüpfen sich die Auseinandersetzungen der Staatstheoretiker. Bcrncv zeigte an vielen Beispielen, wie sich diese Erörterungen durch das ganze Mittelalter hindurchzogen und wie auch die englisclie Revolution im 17. Jahrhundert von alltestamentarischcn Ideen erfüllt war. Schließlich zeigte er auch, welch bestimmendes Element die jüdische Staatsidee für den trauzösischen Absolutismus wie auch für die Romantik besaß, wobei zu bemerken ist, daß der getaufte Jude Friedrich Julius Stalii der konservativen Staatsauffassung ihre Königsidee aus biblischen (Jnmdvorstelluiigeri schmiedete. Dr. N, Zum Mord in Davos. D.r Vorstand der Jüdischen Gemeiude Berlin teilt mit: ״Die Nummer 6 des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin enthält eine Er- Klärung, in der die schärfste Verurteilung des an dem Landcsgruppenleitcr der NSDAP, in der Schweiz, Wilhelm Gustlotf, verübten Mordes ausgesprochen wird. Auf Veranlassung des Gemeindevorstandes ist jn den Schabbat* ottesdiensten der vergangenen Woche auch von den anzeln herab der Abscheu vor der Tat nachdrücklich bekundet worden, die in unüberbrückbarem Gegensatz zu den Lehren der jüdischen Religion, wie zu der Ethik des Judentums steht.“ Die Entstehung des jüdischen Jischuw in Palästina behandelte S. Tschcrtok in einem umfassenden und fesselnden Referat in der Lehrstätte Bialik im Heim Roscnthalcr Straße. Er schilderte ausführlich die Geschichte der ersten und zweiten Alijah, die Ideen dieser Epochen und die vielen Versuche der Eroberung des Landes; und in einem ailgemeineren Ucbcrblick über die dritte und vierte Alijah zeigte der Redner, welche weiteren Etappen der Zionismus aut seinem Wege zur Verwirklichung zu durchschreiten hatte. Lebhafter Beifall dankte dein Vortragenden für seine Ausführungen. Wärmt and kalte Küche ErstkJ Kaffee u Gebäck ״־־׳-^ Kurtoretendamin 81 Edu Schlitterst! 1 ( ׳ Oliv• 2482 Ihr Cafehaus und Restaurant lat Cafe Wittelsbach, Bayerischer Platz 2 i. a Prinzeß-Cafe, Kurfürstendamm 214 Inhaber: Oscar Aberbach _Wilhelm Jahn_ Privatwäscherei und Feinplätterei im Hause des Frauenvereins der Bne-Bris Loge U.O-B.B. N31, BrunnenntrnOe 41 / Tel.: D4 Humb. 7615 Abholung und Lieferung frei Haus Referenz: Minna Schwarz-Helm Samen- Mäntel Maßanf., neue Modelle. 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