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Jüdische Rundschau · 1936-01-10 · Heft 3 (10.1.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 3 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr 3, 10.11936 Jüdische Rundschau Seife 3 Englisch-jüdisches Zusammenleben Englisch« Stimmen zum Tode Lord Readings J. K. London, den 5. 1. 1036 Die Betrachtung von Lord Readings Persönlichkeit gab einem Teil der eng.ischcn Presse Anlaß, die allgemeine Frage des englisch-jüdischen Zusammenlebens zu streifen. Das Geburtsjahr Lord Readings, 1S!>0, fällt, wie die bekannte liberale Zeitschrift „Spectator" hervorhebt, mit dem Datum der völligen Emanzipation der englischen Juden zusammen. Die jüdische „Rasse" hat aber seitdem nicht aufgehört, in England fortzuexistieren. Konservative, liberale und sozialistische Pressestiminen gehen von der Orumltatsnche aus, daß die Juden in England gleichberechtigt sind, ohne aber ihren selbständigen Charakter verloren zu haben oder verlieren zu sollen. Auch die erwähnte Zeitschrift stellt fest, dal! selbst Engländer, die durch intimste Freundschaft mit Juden verbunden seien, gelegentlich unbedingt genereile und nicht nur individuelle Unterscheidungsmerkmale beobachten könnten. Man würde auch nicht wünschen, heißt es dort weiter, daß England in der Welt ausschließlich oder vornehmlich durch Juden repräsentiert werde. Aber England fühle sich so selbstsicher, daß es fremde Einflüsse und Bereicherungen seiner Kultur dankbar und ohne Furcht aufnehme. Der Artikel kommt daher zu dem Ergebnis, daß das reiche Britische Empire, das überdies Treuhänder für die Entwicklung in Palästina ist, auch für andere Juden eine gewisse Verantwortung übernehmen sollte. — Die konservative „Sunday Times" schreibt, ein wichtiger Dienst, den Lord Rcading England geleistet bat, war, vor der Welt zu demonstrieren, daß in England keine Stellung oder Ehre einem jüdischen Bürger verweigert wird. Daß das hohe Ansehen Lord Readings zugunsten des englischen Judentums weiterwirkt, ist eine Erscheinung, die in der jüdischen Geschichte selten ist, in der oft die Gesamtheit nur für die Fehler ihrer Mitglieder verantwortlich gemacht wird, ohne daß ihr die entsprechenden Verdienste zugerechnet werden. Reading selber hat sich nicht nur sein Leben lang mit der jüdischen Gemeinschaft identifi'icrt, er hat sie würdevoll und mit Stolz verteidigt, wo es nötig war. Kein Wunder, daß solche Haltung ihm Respekt verschaffte. Eine Acußerung Lord Birkenheads, des berühmten Juristen ttnd Staatsmannes, wurde in diesen Tagen oft zitiert: „Er hatte immer den Mut, die Nachfeile auf sich zu nehmen, ohne die Vorzüge zu übersehen, die die Mitgliedschaft dieses alten und zähen Zweiges der Menschenfarnilie mit sich bringt." Es ist wohl desha'b keine rednerische Ucbertreihung, wenn Lord Rcading in Erwiderung auf eine Begrüßungsrede Sir Herbert Samuels vor einiger Zeit bemerkte, daß es ihn vor allen seinen Auszeichnungen, auf die Sir Herbert hingewiesen hatte, ehre, durch seine Laufbahn dem Ansehen der englischen Judenheit gedient zu haben. * Wird der Kredit, den das englische Judentum Lord Reading verdankt, auch nach seinem Tode erhalten bleiben? Dasselbe Jahr 1860 hat in der jüdischen Welt zwei politische Führergestalten hervorgebracht, von denen jeder eine Epoche in der jüdischen Geschichte charakterisiert: Lord Rcading und Theodor Herzl. Jüdische Staatsmänner von genialer Vielseitigkeit und bezauberndem Charme des Auftretens. Beide haben das Ghetto abgeworfen und überraschten die Umwelt durch die am Juden noch ungewohnte Kunst, sich frei zu bewegen. Beide wirken wie Adlige und praktizieren zum ersten Male eine Eigenschaft, die bei anderen Völkern in rreuerationenlanger Uebung und Unabhängigkeit erwachsen ist. Herzl, obwohl schon über dreißig Jahre tot, wä'hst zu immer größerer Bedeutung. Als Herzl starb, stand der Anwalt Rufus Isaacs vor Beginn seiner Laufbahn. Lord Readings Verdienste in der englischen Geschichte scheinen verbürgt. Wird seine Größe weiterhin für das englische Judentum zeugen? Gedenkfeier der Jew-sh Agfency Die Jcwish Agency und die Zionistische Organisation veranstalteten in London eine Gedenkfeier für Lord Reading. Professor Selig Brodets ky, Lord Melchett und Reverend M. L. Perlzweig hielten Ansprachen. Nahum S o k o 1 o w, der den Vorsitz führte, feierte die Lebensarbeit des Verstorbenen und erwähnte u. a. eine Unterredung, die er 1017 mit Lord Reading über den Zionismus geführt hat. Es war am Vorabend der historischen Mission Lord Readings in Amerika und bald nach der Baltour-Deklaration. „Ich habe", sagte Sokolow, „diese lange Unterredung gut im Gedächtnis, er hörte mein Expose an und gab mir das Versprechen — einem Versprechen blieb er stets dem Wortlaut und Geiste nach treu —, daß er während seines Aufenthaltes in Amerika unsere Sache unterstützen würde. Als ich später in Amerika war, erzählten mir dortige Freunde, und insbesondere Richter Brandeis, daß Lord Reading viel dazu beigetragen habe, den Weg zu einem besseren Verständnis für die zionistische Sache in den Vereinigten Staaten zu ebnen." — Auch Prof. Brodctskv sprach über Lord Readings Hilfe in dem sechsjährigen Kampf um das Mantiat. Die Ziorüsten seien ihm dankbar für die der Bewegung geleisteten Dienste und für seine Anteilnahme am Palästina- Aufbau. Lord Melchett sagte, Lord Reading sei die gewinnendste Persönlichkeit gewesen, die ihm jemals begegnete Der Redner erinnerte daran, daß es in der englischen Geschichte nur drei Männer gibt, die ihr Leben ohne Titel begonnen haben und es bis zum Marquis brachten: den Herzog von Marlborough, den Herzog von Wellington und Lord Reading. Es sei ein großer Ruhm Israels, daß ein bewußter Jude unter diesen drei Männern sei. Lord Melchett erinnerte an die Eidesleistung Lord Readings im Oberhaus, die er in jüdischer Art betleckten Hauptes vornahm. Sein Judentum habe er mit einer einfachen Würde getragen, die unangreifbar und von höherem Wert und Nutzen gewesen sei als alles, was er sonst halte tun können. — Reverend M. L. P e r i z. w e i g, der bei der Bestattung Lord Readings die religiösen Zeremonien vollzog, führte u. a. aus: Die ganze jüdische Welt sollte es wissen, daß Lord Reading, als er sein Ende herannahen fühlte, zwei Wünsche aussprach: daß seine Bestattung einfach und daß sie jüdisch sein solle. Bei der Eröffnung der letzten Sitzung des Council der Anglo Jewish Association hielt der Präsident Leonard G. Montefiore einen Nachruf auf Lord Rcading. Wiener Brief Von unserem Berichterstatter J. R. Wien, 7. Januar Das neue Jahr brachte mit der seit langem beschlossenen und jetzt zur Durchführung gelangten Zusammenlegung einer Reihe von Wiener Krankenkassen eine peinliche Ueberra-=chung für zahlreiche jüdische Angestellte dieser Kassen. In Wien bestanden bis Ende 1035 drei große Versicherungskrankenkassen für Angestellte und Beamte der verschiedenen Kategorien und eine kleinere, die „Collcgialität'', eine rein christliche Krankenkasse, die wohl auch jüdische Finnen zu ihren Versicherten zählte, aber in der Leitung sowie in der Geschäftsführung arischen Charakter trug. Im Zuge der Zusammenfassung und Zusammenlegung der anderen Wiener Krankenkassen wurde nun Ende 1035 die „Collcgialität" aufgelöst. Im Gegensatz zu dieser rein christlichen Kasse wiesen die anderen, insbesondere die Versicherungskrankenkassc für kaufmännische Angestellte, eine große Anzahl jüdischer Beamter auf. Nun wird mit der Nachricht von der Zusammenlegung dieser Krankenkassen auch bekannt, daß fast alle leitenden j u d i s c h e n B e a m t c n der Kasse entlassen, bzw. „beurlaubt" werden. Aber auch fast alle jüdischen Beamten in rüchtführender Stellung sind Opfer dieser Umgruppierungen geworden. Die betroffenen jüdischen Angestellten haben sich an den Präsidenten der Wiener Kultusgeincinde, Dr. F r i e d m a n n, um Intervention gewandt. Budapester Brief Von unserem Berichterstatter Budapest, 6. Januar Das Auftreten des 75jährigen Parlamentariers P a u 1 S A n d o r, der sich gegen die Tätigkeit des am Budapester Rathause tonangebenden Führers der Christliehsozialen, Karl v. W o 1 f f, wandte, hat in der rechtsstehenden Presse heftige Erregung hervorgerufen. Die Pfeilkreuzler scheinen die Forderungen, die kürzlich aufgestellt wurden, in die Tat umsetzen zu wollen, indem sie in Debrecen Passanten an dem Betreten jüdischer Geschäfte hinderten, auch dementsprechende Flugzettel verteilen: „Bruder, wir beobachten jeden deiner Schritte!" Die anläßlich des 40jährigen Jubiläums der Rezeption veranstaltete Generalversammlung der Pestcr Isr. Gemeinde gestaltete sich zu einem Bekenntnis der ungarischen Judenheit zu ihren in Emanzipation und Rezeption erworbenen Rechten und Pflichten. Vorsitzender Hofrat Samuel Stern, Ohcrhausmitglied L. Lang, Generaldirektor Exzellenz E. V i d a, sowie Dr. L. Ostern als Vertreter der Zionisten, betonten nicht bloß ihre Anhänglichkeit an das ungarische Vaterland, sondern auch den festen Willen, für das Judentum jederzeit mit allen Kräften einzustehen. Dr. A. F. Der Ministerpräsident von Finnland, Toivo Mikael Kivimäki, hat den Delegierten des Hauptbüros des Keren Hajessod, Dr. Ascher Bernstein, der zur Durchführung einer Keren Hajessod-Aktion in Finnland weilt, in längerer Audienz empfangen und erklärt, Finnland werde sich auch in Zukunft durch seine Genfer Vertreter vor dem Völkerbund für die Förderung der zionistischen Bestrebungen einsetzen. Gleichzeitig wies der Ministerpräsident darauf hin, daß es in Finnland keine antisemitische Bewegung gebe. ANTEIL »Und sie lagerten in der Wüste" [2. B. M. 19,2): die Thora ward allen zugänglich gegeben, öffentlich, auf herrenloser Statte; w8re sie nur in Israels Lande gegeben worden, dann hätte Israel zu den Völkern der Welt sagen können, sie hatten keinen Anteil an ihr; darum ward sie allen zugänglich gegeben, öffentlich, auf herrenloser Stätte: Jeder, der sie annehmen will, komme und nehme sie an. Mediilla zu 19,2 (Uebers. v. N. N. Glotzet) Cypern va%.\ Palästina Im „Pest er Lloyd", Budapest, veröffentlicht Adolf G r a b o w s k y, der ehemalige 1 lerausgeber der Berliner „Zeitschrift für Politik", einen Artikel über die Insel Cypern, wobei er auf die Probleme des östlichen Mittelmeers eingeht. Der Verfasser verzeichnet das Gerücht, daß Engkind die Absicht habe, dem König (ieorg II. von Griechenland, der hauptsächlich durch Englands Hilfe zur Macht gekommen ist, die Insel Cypern abzutreten und sich dafür drei Stützpunkte an der griechischen Küste einräumen zu Inssen. Nach einem Rückblick auf die Entwicklung und Geschichte Cyperns verweist Grabowsky darauf, daß die Insel ihre Bedeutung in der letzten Zeit verloren habe, insbesondere da England Haifa zu einem Kriegshafen ersten Ranges ausbaue. Der Verfasser fahrt dann fort: (>-.ti|,;r,!M:,..-r IV Ii-1,,:! \ . - Ii--, I' il . 'IUI Kllinllll gl \M I!, II <h I I | I | \\ 1 l\ Hl I! i g d i tl i /Iii \ I 1 i und i ii / h,e. M.i« •.Ii 11 lall Iii I I I 7\\ n ii ii n i v I doill II l 1 I i nr |i.r zd ii ( M«, Die Darstellung des Vei f.issers ist insofern zu berichtigen, als offizielle zionistische Stellen mit den Cyperil- Plänen nichts zu tun haben und auch bezüglich der privaten Pläne die von Grabowsky angegebenen Ziffern weit übertrieben erscheinen. Palästina-Vortrag in Bombay Aus Bombay wird uns geschrieben: Einen anregenden Abend verlebten die aus Deutschland nach Bombay (Brit.-Indien) ausgewanderten Juden am 3. Dezember. Herr O. Z. Klötzel sprach über „Die deutschen Juden in Palästina". Mehr als 70 Einladungen waren zu diesem Vortrag versandt worden, und über 50 Juden aus Deutschland trafen sich bei Herrn Schäfer, der seine Studioräume zur Verfügung gestellt hatte. Nach einleitenden Worten des Gastgebers entwarf Herr C. Z. Klötzel, der nach längerem Aufenthalt in Palästina gerade nach Bombay gekommen war, in ungefähr cinstimdiger Rede eine Uebersicht über die Einwaudeiung der Juden aus Deutschland nach Palästina. Er beschrankte sich nicht nur aut statistische Angaben, sondern gab eine lebendige Schilderung der wirtschaftlichen und allgemeinen Zustände. Die Lebensmöglichkeiten und Lebensweise in Palästina wurden von ihm anschaulich behandelt. Besonders warme W orte widmete er der geistigen I instcihtng der neuen Einwanderer zu Palästina als der Heimstatt und dem Ziele der Judenheit. In Palästina werde der Beweis für jüdisches Schaffen und Wirken erbraefit. Längere Austuhi ungeu g'alten dem segensreichen Wirken der Jugend-Alijah, »leren allgemeine Unterstützung der Redner jedem ans Her/ legte. Die lebhafte Diskussion bewies das allgemeine Interesse, das auch in diesem Kreise für Palästina besieh). Die dankenden Schlußworte des Hausherrn und der hei/Helte Beifall aller Anwesenden gaben hierfür beredten Ausdruck. ....... erg. Premiere in Köln Brods „Reubeni" als Drama (Reubeni, Fürst der Juden. Chronik in 4 Akten, nach dem Roman von Max Brod, dramatisiert von Gerhard Walter- Rosenbaum. Uraufführung des Jüdischen Kulturbundes in Wuppertal und Köln am 4. bzw. 7. Januar.) „Warum sitze ich nicht lieber im Thealer, da hat man was Sicheres, Abgegrenztes..." (Max Urod, in „Kolwendigkeit des Thealers"). Max Brod ist in der jüdischen Welt hauptsächlich als Romancier, als Verfasser von ,.Heidentum, Christentum, Judentum" und als Zionist bekannt. Weniger bekannt ist der Theaterschwärmer und Musikapostel. In seinem (1913 erschienenen) Vademeeum für Romantiker unserer Zeit „Ucbcr die Schönheit häßlicher Bilder", aus dem oben zitiert wird, finden sich reizvolle Zeugnisse für diese Seite des Brodschen Künstlertemperaments. Der Mangel an brauchbaren jüdischen Stücken gab dem Jüdischen Kulturbund Rhein-'Ruhr Anlaß, an Brod wegen Bearbeitung seines „Reubeni" für die Bühne heranzutreten. Der Leiter des Kulturbunds, Dr. H. Levinger, vor Jahren Theatermanii in Prag, hatte es, rebus sie stantibus, nicht gar zu schwer, den Dichter für den Kölner Plan, nicht aber als a'genen dramatischen Bearbeiter, zu gewinnen. Dem Dramaturgen der Kölner jüdischen Bühne, Gern. Walter-Rosenbaum, wurde der Auftrag, eine »dramatische Chronik" nach Brods Roman zu schaffen. In den „Mitteilungen" des Kulturbunds wird über den Briefwechsel zwischen Köln und Prag eingehend berichtet. Brod betont darin, daß er die Arbeit „als Ganzes bejaht" und der Aufführung „gern zustimmt". Der Bearbeiter ist also in dem Hauptpunkt gedeckt, er besitzt das placet der für ihn höchsten Instanz, des Dichters. In der Bearbeitung gliedert sich der Stoff in vier Abschnitte. Die Worte des Romans „Du sollst Gott dienen — mit dem guten und dem bösen Trieb" stehen als Leitmotiv über den Taten Reubenis. Aber trotz des Episch-Chronikhaften der Vorgänge hat der Bearbeiter das Werk zu einem stark und tiefgreifenden Drama gestaltet. Jeder Aktschiuli bringt sprühende Theaterwirkung ohne reißerische Knalleffekte. Voll innerer Spannung stehen die einzelnen Szenen. Reubeni findet in der Verbundenheit der Gottsuchenden Halt und Steigerung seines Selbst. Im schöpferischen Rausch auf die Höhe des Daseins getrieben, scheitert er schließlich an der abenteuerlichen Besessenheit seiner Idee und zerbricht an der fanatischen Treue seiner Anhänger, wie an den Intrigen der zähen Gegner aus eigenem Lager. Der Inhalt sei kurz wiedergegeben: Man schreibt das Jahr 1511. Im Ghetto Prags entsteht, angefacht durch Gerson, den Turmwächter, bei Dawid Lemel die leidenschaftliche Sehnsucht nach dem verheißenen Messias. 1524 steigt Dawid in Venedig an Land und gibt sich als Dawid Reubeni, den Gesandten des unabhängigen jüdischen Staates Chabor in Arabien, aus. Linter Ausnützung der politischen Wirrnisse versucht er den letzten Funken des Judentums der Länder Europas neu zu entfachen und die Befreiung seiner Brüder durchzusetzen zur Errichtung eines autonomen Judenstaates auf palästinensischem Boden. In Portugal, wohin er durch Vermittlung des Papstes gelangt, verspricht ihm der König Schiffe und Waffen für einen jüdischen Krieg. Doch die Verehrung, die Reubeni durch die Marannen genießt, dünkt dem portugiesischen Hof gefahrdrohend. Reubeni wird landesverwiesen. Sein treuer Anhänger Salomo Molcho findet den Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen und Reubeni endet im Kerker der Inquisition. In dem erwähnten Briefwechsel hat der Bearbeiter die Befürchtung ausgedrückt, Reubeni werde auf das Publikum zu sehr als „Hochstapler" wirken. Und fn der Tat, die „Chronik in 4 Akten" gestattet Reubeni nicht, rhetorisch die Bedenken gegen die Zulässigkeit seiner Manipulationen auszuräumen. (Wenn er auch im Vergleich zum anderen Pseudomessias Sabbatai Zwi ein Tugendheld bleibt.) Ein anderer Einwand darf nicht unterdrückt werden: die Mystik des Romans verfliegt. Wa« in seinem Helldunkel reizvoll-rätselhaft unter der Patina des historischen Schimmers verborgen bleibt, wirkt unter der Grelle des Bühnenlichfs mitunter bedenklich...« Der mutige jugendliehe Boa;heiter hat seiner Bühne ein wirkungsvolles Theaterstink geheiVil, und der unbestreitbare Erfolg hat sein Experiment gel cehti'erii gt. Der Regisseur Otto Bernstein siegte mit einer Aufführung, die mit prachtvollen Schauspielern, mit Bühnenbildern edler Harmonie (Egon Markus) zu einer Großtat lies Spielkörpers wurde. Die Schwierigkeiten, die sich ans der Kleinheit und Finge der Buhne ergeben, wurden von Bern- Stein so überwunden, daß die Zuschauer sich ihrer kaum bewußt wurden, das höchste Lob, das man einem Regisseur zollen kann! Bei notwendig summarischer Würdigung können aus dem Riesenaufgebot von Akteuren nur Karl Bruck, ein glaubhafter, von Szene zu Szene sich steigernder Reubeni, und der junge Heinz Friedeberg als wunderbar verklärter Salomo Molcho herausgegriffen werden. Zu Beginn des Stückes geistert Ben Spanier als urmystiseher Gerson, der in dem Jüngling die Glut entfacht, Reubeni als Befreier seines Volkes ausbrechen läßt: so furchtbar und grandios, wie einst Rudolf Schildkraut als Lear bei Reinhardt die Furien über seinem Haupte sichtbar werden ließ. Unheimlich gespenstisch in Farbe und Linie die charakteristische Figur des treuen taubstummen Tuwja von Max Koninski. Alle übrigen (Friede! M ü nzrr, W. Fränkel- Froon, Rolf F e 1 d h e i m, Alfr. L i c h t e n s t e i n, Alfons Fink) ti. a. m. müssen sich mit einem Gcsamtlob begnügen. Der Beifall des Publikums war außerordentlich und verdient. Tcrnova (Köln) Der 100. Geburtstag von M e n d e 1 e M o c Ii * r S f o r i in wird in Paris mit einer Festwoche vom 11. bis 19. Januar gefeiert. In Metz, Straßburg, Luneville und Nancy wird B. Winogura über Mendele sprechen. Außerdem haben bereits in Metz und Nancy Feiern stattgefunden. In L e m b c r g haben sich die jüdischen Theater-Vereine und Klubs zu einer großen Mcndele-Eeier zusammengetan. In Warschau hat ein eigens geschaffenes Komifee eine große Ahcndfeier, eine Matinee für Schulkinder arrangiert, die Herausgabe einer jubiläums-Broschüre mit Biographie und die Dramatisierung und Aufführung von Werken Mendeles veranlaßt

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