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Jüdische Rundschau · 1935-05-10 · Heft 38 (10.5.1935) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 38 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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jüdische Rundschau Berliner Rundschau NR. 38, 10. MA11935 Der Kampf um Die Liberalen antworten Zu den gemeinsamen Beschlüssen der Zionistischen Fraktion und des Jüdischen Volksbumles erhalten wir eine Zuschritt des Vorsitzenden der Gemeinde, Direktor Stahl, in der er uns die Stellungnahme der religiös-liberalen Fraktion der Berliner Gemeinde gegen die in den Beschlüssen erhöbeneu Forderungen ausspricht. In der Erklärung der liberalen Fraktion werden die gegen die Genteindeführung gerichteten Vor- Würfe zurückgewiesen, und es wird die Behauptung aufgestellt, dal) unter der liberalen Führung der Gemeinde in den letzten zwei Jahren das Schulwerk ausgebaut, das Wohlfahrtswerk und die Wirtschaftshilfe verstärkt und — gerade in letzter Zeit durch den Gemeindevorsit/eiiden — auch der Palästinagedanke unterstrichen worden ist. Die Gemeinde-Liberalen haben also zur Abwehr der zionistischen Forderungen jetzt eine andere Taktik gewählt als früher. Fs wird nicht mehr gesagt, daO das zionistische Programm falsch ist und dal) die programmatischen Forderungen der zioni-tischeii (ieiiieindefraktiori unbedingt zurück ge wiesen werden müssen (wie man früher unter rücksichtsloser Ausnutzung der eigenen Majorität zu sagen pflegte), sondern es wird jetzt behauptet, dali die Liberalen gcwissennalSeii das zionistische Programm besser durchgeführt haben, als die Zionisten zu tun in der Lage gewesen wären. Ls wäre leicht, dieses Argument zu ironisieren. Wir wollen uns dies aber versagen, denn es ist wahrhaftig erschlitternd, dali den Liberalen als einzige Verteidigung ihrer Position niehts anderes übrig gchliibcii ist als das Zugeständnis, dal) sie selbst ja ohnedies das Programm ihrer Gegner durchführen, daher diese gar nicht zur Mitarbeit zugelassen zu werden brauchen. Es ist natürlich auch unzulässig, dali die Liberalen die Verwaltungsarbeit, die der Beamtenapparat der Gemeinde unter jeder Leitung kontinuierlich leistet, sich als besonderes Verdienst zurechtum. Dagegen ist das mangelnde Verständnis der Liberalen für die geistigen Erfordernisse unserer Zeit bei vielen Gelegenheiten zutage getreten. Die Zionisten habe» zu den Verhältnissen in der Gemeinde bisher geschwiegen, in der Hoffnung, daß die Liberalen selbst zur Einsicht kommen werden und nicht auf die in den Wahlen vor fünf Jahren erzielte Mehrheit pochen werden. Die Forderungen der Zionisten, die keineswegs die alleinige Herrschaft für sich fordern, aber ihre beharrliche Au?!Schließung von der Mit-Führimg aller wichtigen Dezernate nicht länger hinnehmen können, werden überall als berechtigt anerkannt. Wenn die Liberalen sich hartnäckig dagegen sträuben, dann trifft s i c die ganze Verantwortung für die Entfesselung innerjudischer Kampfe in einer für das Judentum so überaus kritischen Stunde. lieber die Einzelheiten der sachlichen Arbeit wird noch zu sprechen sein. Fs wird dann auch dem Fernerstehenden, mit den Interna nicht Vertrauten klar werden, daß cs hier nicht um ,.Parteipolitik“ geht (mit diesem Schlagwort versucht man die Uninformierten zu schrecken), sondern um dringende sachliche Erfordernisse unseres Gemeinschaftslebens. Eine Pressepolemik Auf den in unserer letzten Nummer erwähnten Aufsatz des Gemeindevorsit/enden, Direktor Heinrich Stahl, der sich unter der Ucberschnft ״Line notwendige Zuriickweisung“ gegen einen Artikel des ״Israelitischen Familien- Mattes“ ausgesprochen hatte, antwortet das ״Familienblatt“ in seiner Ausgabe vom 9. Mai unter der Uebersclirift ״Krise in der Gemeinde?“ Darin wird der gemeinsame Beschluß der Zionistischen Fraktion und der Fraktion des Jüdischen Volks- Bundes zitiert und im Anschluß daran der Forderung Ausdruck gegeben, daß ״die Zusammensetzung des Vorstandes die Gemeinde und der Repräsentanz der Gemeinde schnellstens eine zeitgemäße Umgestaltung erfahre“. Das Blatt schreibt: ,,Schon vor Jahrcsfri־! zeigte sieh immer klarer, daß die Arbeiten der Berliner Jüdi-vhen (lomciodc, der grüßten im Reiche, statt von den nlthugibuH hten ,,deutM'li-jiidischci!" Autfassungen von der Not- Wendigkeit bcherrscht sein müßten, namhafte Sehatm der Gemeindenngehtirigen', zumal alter unserer Jugend innerlich und beruflich auf ein Da •ein in fernen 1.lindern, vor allem in Palästina, hinzuleiten.Ist dem alter so -— und wer wäre Illusionist genug, da!an zu zweifeln! —, so ist cs verständlich, daß in weiten Kreisen des Berliner Judentums gefordert wird, i!1 unserer Gemeinde möge die Richtung stärker als bisher, ja, ungleich stärker noch als selbst seit einem Jahre, vertreten sein, deren Programm und Bemühen diesrr Situation voll Rechnung trägt.Ks genügt wahrlich nicht, demgegenüber auf Erklärungen zu verweisen, in denen Persönlichkeilen, die ihr gauz.es Leben hindurch entgegengesetzte Lrkluiungen aligegilien hatten, jetzt bekunden, daß sie verbrennen, was sie früher anbeteten! Wer empfände nicht die Tragik, in die unsere /.< it diese Mcnselien gestellt hat? Wer!)rächte ihnen nicht, gleich un-, ein hohes Maß verehrungsvoller A ■lilung dafür entgegen, daß sie, mit den Worten des Gemeind׳, vor-ii/ciidcn umgelernt haben? .Aber gibt jene Tragik, gibt die Fähigkeit, umzulernen, ihnen das Mandat, die Berliner Jüdische Gemeinde maßgebend zu hecin- Russen? Ist es nicht begrub lieh, wenn wir, ohne die geringste jüdischjxrlitio he oder gemeinde-politische Nebenabsicht, erwarten, daß man die Giuppen und Klüfte zur Leitung tm-erer Gemeinde stärker als bisher heran/niie, die nicht erst um/.ulcrncn brauchen?“ Es ist interessant, solche Ausführungen in einem Blatte zu lesen, das noch vor nicht zu langer Zeit eine andere Meinung vertreten hat. Die Logik der Tatsachen ist eben so stark, dali ungeachtet der Parteisteilurig niemand sich ihren Konsequenzen entziehen dürfte. Daß die Berliner Gemeinde-Liberalen dies nicht rechtzeitig verstanden und nicht von sich aus die notwendigen Schritte unternommen haben, ist ein trauriges Zeichen dafür, wie sehr bei ihnen der Wunsch nach künstlicher Verlängerung einer unhaltbar gewordenen irmerjudischen Machtposition die sachlichen Forderungen übertönt. Wie uns initgeteilt wird, soll im Zusammenhang mit der von der Fraktion des Jüdisclien Volksbundes und der Zionistisehen Fraktion in der Berliner Jüdischen Gemeinde begonnenen Aktion auch die Fraktion der Jüdischen Volkspartei im Preußischen Landesverband baldigst einberufen werden, um über die in diesem Gremium zu treffenden Maßnahmen Beschluß zu fassen. _ Rose Liechtenstein rezitiert. Die Künstlerhilfe hatte zu dem Vortragsabend Rose Liechtenstein — Georg John eingeladen unter Mitwirkung von Oberkantor Hanns J o h n. Der Abend stand vollkommen im Zeichen der großen Kunst Rose Liechtensteins und der Freude an den stimmungsvollen italienischen Liedern von Hanns John, begleitet von dem vortrefflichen Pianisten Paul Lichtcnstern. Die Rezitation von Rose Liechtenstein, intuitiv gestaltend, mit einer machtvollen, gesättigten, warmen Stimme, zeigte sich in den Szenen aus Hebbel und im Hymnus von Verhaeren in der Verwandlung ohne Maske. Deborahs Siegeslied in der Bubcr-Ucberset/ung war machtvolle Bibclgröße. Georg Johns Bekanntschaft wäre günstiger in anderem Zusammenhang gewesen. Während er die Schnitzler-Novelle und Meyrink sehr gut brachte, war sein Shylok das Musterbeispiel, wie er nicht sein darf. R. M. ״Mai-Mosaik“. Unter diesem unverbindlichen Motto kamen am Dienstag im Cafe Leon Künstler des jüdischen Kabaretts zusammen, um dem ausverkauften Saal ein gutgelauntes Programm vorzuführen. Den Rahmen eines solchen Abends sprengte der Bariton von Siegbert Steinfcki, dessen ausgezeichnete italienische Schulung Karriere verspricht. Hanni Rosen, Lola Herrnfeld, Ferrv Gondosch, Heinz Rogland, Berger-Ballan demonstrierten ihr liebenswürdiges Können vor einem amüsierten Publikum. -t. -I. Bürovcrlegung. Die Büros folgender Organisationen befinden sich ab f. Mai Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 6: Unabhängige Misrachi-Landes-Ürganisation L>eutschla11ds, Brit Chaluzim Datiim, Berliner Misrachi-Gruppe, Keten Tora waawoda, Ortskommission Berlin. Die Frühjahrsausstellung Berliner jüdischer Künstler Die Frühjahrsausstellung der Berliner jüdischen Kiinsf. ler, die gleich am Eröffnungstage (über die Eröffnung selbst berichteten wir bereits) mehr als 300 Besucher zählte, ist von sehr hohem Niveau, um das sich innerhalb der Jury vor allem Dr. Osborn verdient gemacht hat. Die Aus- Stellung vermittelt den Eindruck von einer großen Zahl guter zeitgenössischer jüdischer Maler und Bildhauer, von denen ein sehr großer Teil sich in der Welt Erfolge urni Ehren geholt hat, nicht zuletzt bei den großen Berliner Ans■ Stellungen. Von der jungen jüdischen Kunst repräsentiert nächst den Parisern Chagall. Von Max Lieber mann sehen wir zwei Gemälde, zwischen denen nicht nur zwei Zeitalter liegen. Das kleine Gemälde des Rabbiners aus dem Jahre 1873 und das große Selbstbildnis aus den letzten zwei Jahren, eins der letzten Selbstbildnisse überhaupt. Der braune Holzton im Gemälde von 1873, das Gesieht klug und scelisch-fein, zugleich lebhaft, ein Höhepunkt auch dieser siebziger Jahre! Aber welch ein Weg zu dam großzügig freien Strich und der souveränen Farbgebung des Sclbstporträts! Neben ihm eine strahlende blaue Bucht von Eugen Spiro, eins der unlängst geschilderten Gemälde der Spanienreise, und Prof. Wolffsfelds farbige Blätter, die dennoch Zeichnung bleiben. Nicht weit davon noch einige gut bekannte: die Frauenbildnisse von Else Meidner in dem bekannten gedämpften Schleier, der von manchem Seihstnorträt von Arthur Segal her bekannt ist. Von dem Keramiker Pottner zwei farbenschöne Tierplastiken. Im Mittelpunkt der prachtvolle Siegesbote von Alexander O p p 1 e r, in vollern Lauf (Bronze). Von Elisabeth Wolff ein Mädchenköpf, und der Porträtkopf Prof. Landsbergers hier in Marmor. Die zwei schönsten jüdischen Gemälde stammen von Frauen. Von Paula Neu fei d eine geöffnete Thorarolle, die zwei Hände gegen einen blauen Himmel halten, in sehr׳■ nen, natürlichen Farben. Von Julie Wolffthorn das bereits genannte preisgekrönte Gemälde ״Besinnung“. Am Schabbat-Tisch bei Barchcs und silbernen Kerzen eine nachdenkliehe jüngere Frau, in schönen, hellen und gut abgestanden Farben, eins der schönsten Gemälde dieser Künstlerin, die als Malerin der modernen jungen Frau bereits einen sehr guten Namen hat. Auch Julius Rosen bäum Ist mit Werken nach Motiven aus der Bibel vertreten. Sehr gut seine ״Kundschafter“: Die ausgesandten Männer, die mit der riesiggroßen Weintraube an der Stange zuriiekkehren. Das Bild ist auch erwähnenswert wegen der Einfachheit der Dar- Stellung und der Komposition. Bato, bekannt durch seine Fresken, hat ein ebenso geeignetes Motiv unter seinen Aquarcllen: eine Kartoffelernte in schönen, hellen Larben, auch zeichnerisch vortrefflich. Am allerwichtigsten aber ist es, eine große Anzahl junger Maler und Malerinnen zu nennen, die unbekannter sind, als die eben genannten, aber mit zum Teil außerordentlich guten Arbeiten vertreten sind. Zunächst Anneliese Braun und Anneliese Ratkowski, beide zwar von der großen Derliner Kunstausstellung bekannt, aber damals wußten viele nicht, daß diese Malerinnen exakter, sehr guter Stilleben auch Jüdinnen sind. Von Anneliese Ratkowski sieht man diesmal die ״dunkle Jugend“, Negerkinder, farbig, sehr delikat; denn hier leuchten die Farben nicht durch pastose Technik, sondern die Farbe an sich. Georg Hausoorf mit einem ausgezeichneten Stillcben gehört in den Kreis dieser Kiinsfler, die in Frankreich Surrealisten heißen. Eben!'. Max Hei mann und Conrad Fließ. Auch Max Biel feld, der in der Art der Industriemaler sein Porträt grau vom dunklen Grund abhebt und Fred Ci 01 d b e rg mit seinem Don Quixote in Großformat. Frau Reiffenberg- Rosenbaum zeigt eine sehr gute Landschaft: Boote, ein kleines Bootshaus... und das Porträt ihrer Mutter. Henri Happ zeigt ebenfalls ein kleines Oelgemälde mit Booten, in den Farben delikat, rosa, hellblau. Horst Moratz und Grete Löbenstein sind mit bemerkenswert schönen und ausdrucksstarken Studienköpfen vertreten. Auch Anna Frank-Klein mit einem Kinderbildnis (Pastell) mit strahlenden blauen Augen (Dehmels Enkelkind). Michaelson und N unberg schildern in Aquarellen und Gemälden die Schönheit des Südens, H. Michaelson einen Holzbalkon, wie er auf den Fischerinseln im Lago Maggiore sein könnte oder a!n Mittelmeer. Nunbergs BERTHOLD NEUMANN PIANOS-RADIO Kurfürstendamm 205 J 1 Bismarck 371» fl I I l I II II Versteigerung Luxus-Villaneinrichtun g ArimomralH Hubertusbader Str, 18 urunüWaiiif nah״ Hub«*»•.ah•• B « #! ׳h 11 ß u n k Mf'ntsr 10-7 Uhr Versteigerung I ab H l Ihr vtl Mittwoch ah 1! I!hr Antik« Einzelmöbel, Sitzgarnituren, Bureauplat, Fran*. Uhr. Gobelin' seteel, Baroektekretür, Gobelin«, Perserteppieh, Brücken, Velour gemAlde: Fürst bismarck von lenbach Obw. Achenbach, Hannemann, Defregger, Crabeela — Pastellbild Lovi« Corlnth — Porzellankrone und Porzeilanapfegal, aehonewort Portallan*־. K.P.M., Meißen, Taaaenaammlung — Luxua• Tiaoh• und BattwÜtcha — Zahlreiche« Mobiliar u. v. a. m. Freiwillig mtiaibleland gebraucht bar wegen VII •naufgabe. 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Perelmann, Uhl8ndBtr.14.Cf,0861 BUcner Bibliotheken kaaft H«lbB»*k< Pot.d.m.r Str. 10״! Tel. B 2 UH!״״ 5906 Soeben erachlenenl Informationen für PALASTI NA-Auswanderer Preis 90 Rpf. Die Broschüre enthält alles Wissenswerte für den Palästina-Auswanderer und -Touristen. — Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder gegen Voreinsendung des Betrages zuzugl. 30 Rpf. Porto durch die Verlags-Abteilung des Palästina-Amts, Berlin W 15, Meinekestr. ALXJAH 7. Auflage — Sommer!935 — 120 Seiten Großformat stark Mit einer großen neuen Palästina-Karte in deutscher Sprache Palästina-Auswanderer und -Touristen. — Zu beziehen

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