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Jüdische Rundschau · 1935-05-03 · Heft 36 (3.5.1935) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 36 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 36, 3. MAI 1935 ״Taufjuden und Neuchristen“ (Eine Reminiszenz) Unter obigem Titel veröffentlichte Schreiber dieser Zeilen for ungefähr einem Vierteljahrhundert einen Artikel in der ״Allg. Ztg. d. Judentums“. Es war damals die Zeit der Massentaufen. Kurz vorher war das ״Berl. Jüdische Ciemeindeblatt“ gegründet worden. Durch seine Veröffentlichung der Konvertiten wollte es abschreckend wirken. Es schien aber beinahe, als ob das Gegenteil der Fall wäre. Auf einer der ersten I isten stand u. a. I)r. Otto Br ahm, der seine Karriere als Theaterkritiker hei der ״Voss. Ztg.“ begonnen hatte und damals Direktor des ״l.essin!;-Theaters“ war. Offenbar wollte er Direktor des Schauspielhauses werden; so hieß es wenigstens allgemein. Das Ueherraschende nämlich, weshalb diese Taufe allgemeines Aufsehen erregte, lag darin, daß Brahm einige Monate zuvor einen Aufruf der ״Jüdisch-Liberalen Partei“ zu den (iemeitidewahlcn unterschrieben hatte. Die Frucht seines Intellekt-Opfers sollte er nicht mehr erleben. Einige Atonale nach dein Taufakt starb er. Auf derselben 1 iste befanden sich von Intellektuellen die M usiker Prof. 1־ losch und Mayer-Mahr, ferner der Zahnarzt, spätere Stadtverordnete Prof. Dr. Paul Ritter, Sohn eines lieh. Sanif.ahrats und Neffe des gleichnamigen Predigers der Reform-( iemcimle, sowie Oscar Meyer, der Syndikus der Berl. Handelskammer und spätere Rcichstagsabgeordnete, usw. Da/u kamen noch die massenhaften Kindertaufen. Atari wollte den Kindern die spätere Karriere nicht ״versperren״, fnteressant und amüsant zugleich ist folgendes tatsächliche Vorkommnis aus die«vr Zeit, Ein Sjähriger Schuljunge wird hei der Einschulung in die Vorschulklasse einer hohiTcn 1 fhraii'ta't vom Klassenlehrer gefragt, welche Rcligion er habe. ״Evangelisch“, sagt der Kleine, ״aber Großpapa dart’s nicht \u>>cnII“ Als Kuriosum ist bemerkenswert, daß gleich,-tätig bekannte jüdische Reichstagsahgeorilnetc, die der so/cildcimikraiischcn Partei angchörteu und bisher im Parlamentsalamanacli als Juden verzeichnet waren, wie Singer, Stadthagen, Wurm, die Bruder Dr. Adolf und Heinrich Braun dem < ilaiiben ihrer Vater untreu und ״freireligiös“ wurden. Sie alle liegen aut dem Städtischen Friedhof in Eriedrichsfekie bestattet. (Ihre Eraktionskollegen üradnauer und Schoenlank waren langst lutherische Christen.) Wo/a diese ״ollen Kamellen?“ wird mancher Leser fragen. Die Antwort will ich mit einer Bemerkung des Rahbiners I >r. Emil Lew, jetzt in i re/ Jisroel, gehen, die er in einer ,seiner letzten Predigten hier in der Synagoge Pestalozzi• Straße machte: ,.Hafte die Taufe vor den Folgen der Ariergesetzgebung geschützt, 80 hätten sfeh unsere Berliner Glaubensgenossen massenhaft zum Taufbecken gedrängt.“ So aber sind nur verschwindend wenige Im Vergleich zu früher und dem Schauspiel, das jetzt immer noch Wien bietet, übergetreten, meist Frauen, die aus Heiratsgründen Jüdinnen geworden waren und nunmehr den Weg zu ihrem alten Glauben wiederfanden. Umgekehrt sind nicht wenige übergetretene Neu- Christen wieder und hoffentlich nicht bloß äußerlich, sondern auch innerlich und dauernd, zum Judentum zuriickgekchrt. Dr. C. P. Jenkwitz Die Juden Im Porträt. Den zweiten Kulturbund-Vortrag aus dem Gebiet der Malerei hielt Frau Hetta Bamberger; sie wählte das Thema: ״Juden im Porträt“. Unterstützt durch gut gewählte Lichtbilder hot dieser Vortrag ein Stück Zeit- und Weltgeschichte im Porträt, angefangen von Mumienbildern mit jüdischem Antlitz bis zu Israel s, Pissarro, Lesser Ury, Liebermann. Musikwissenschaftlicher Vortrag, fm Rahmen der Kulturbundvorträge sprach Dr. Hans Nathan über ״Rcvolutionen in der Musik“. Er stellte die drei letzten großen Stilwandlungen in der Geschichte der Musik nebeneinander, die von 1600 (Polyphonie in Monodie), 1750 (barocke Architektonik in — zuletzt — Wiener Klassik) und 1900 (Romantik in neue Musik) und versuchte durch Parallelsetzungen zur politischen und soziologischcn Entwicklung und Einreihung in die gesamte Gcistesgeschiclite, ähnlich wie es Marsmann in seiner eben erschienenen deutschen Musikgeschichte getan hat, den inneren Verlauf des Geschehens aufzuzeigen. Susanne Stein sang mit ihrer schönen Stimme, textlich oft schwer verständlich, einige prägnante Beispiele, der Vortragende zeigte in seinem Spiel mehr inneres Verhältnis zur neuen oder ganz alten Musik als zur Klarheit der Wiener Klassik. O. G. Religiös« Jugend-Alijah. Bei der Kundgebung am 21. 4. wurde folgende Resolution angenommen: ״Die am 21. April 1935 im Logenhaus, Kieiststr. 10, versammelten ca. 400 Personeu verlangen eine intensive Arbeit für eine Alijah der religiösen Jugend, insbesondere für die Errichtung des Kfar Noar Dati. Sie sind der Meinung, daß nur eine religiöse Erziehung eine geeignete Vorbereitung für eine Mitarbeit am Aufbau Erez Israels bildet und daß die Verantwortung für eine religiöse Erziehung nur übernommen werden kann, wenn die Jugend in Siedlungen untergebracht wird, die auf der Grundlage der Thora geführt werden. Sie fordert daher alle religiösen Juden zur eifrigen Beteiligung an der Durchfiihrung dieses Werkes auf.“ Die Lehrstätte Ch. N. Bialik derBZV. im Arbeitsjahr 1934/35 Das erste Semester der Lehrstätte Ch. N. Bialik hat deutlich gemacht, daß dieses Biidungsinstitut für Erwachsene im jüdischen Berlin eine eigene erzieherische Aufgabe zu lösen hat und dazu imstande ist. Im Winter 1934/35 wurden zwölf Kurse durchgeführt mit insgesamt 49 Abenden, drei Arbeitsgemeinschaften (davon zwei gan/semestrige) und vier Sonderveranstaitungen. Der Lehrplan war gekennzeichnet einerseits durch die Hervorhebung des Geschichtlichen (״Jß. dische Geschichte“ in 15 Abenden, Wirtschaftsgeschichte der luden in Deutschland, Kulturgeschichte der Juden in Deutsch״ land, Geschichte des Zionismus), andererseits durch die Betonung des Hebräischen (zwei hebräische Arbeitsgemeinschäften, eine hebräische Soiidervcranstaltung, Abende über neue hebräische Literatur). So war denn auch der Zyklus ״Jüdische Geschichte“ am stärksten besucht mit durchsebnittlich 150 Besuchern. Insgesamt weisen die Kurse eine Zahl von rund IHK), die Arbeitsgemeinschaften von 65, die Sonderveranstaitungen von 1400 Besuchern auf. 70 »> der Kursusteilnehmer waren Mitglieder der BZV. Im Sommer wird der Lehrbetrieb in den Kursen ruhen. Es sind lediglich‘ Sonderveranstaitungen geplant, darunter eine Reihe von Abenden anläßlich des 20. Todestages des Dichters J. L. Pcrcz. Der Lehrplan für das Wintersemester, der gegenüber dem Vorjahr noch erweitert werden soll, wird im September bekanntgegeben werden. - Teresa Gerson-Danziger als Abigail. Fn der Nabucco- Aufführung des Kulturbundes sang Frau Teresa Gerson- Danziger die Rolle der Abigail. Die Künstlerin bringt für diese Rolle, die das eigentliche vorwärtstreibende dmmatische Element der Handlung ist und auch im Musikalischen ein dynamisches Element (larstellt, die (iahe re!'eher Stimm• mittci und einer vielseitigen Ausdruckskraft im Stimmlichen und Schauspielerischen mit. Es ist erstaunlich, wie die schöne und volle Stimme dieser noch von ihrer Wirksamkeit als Altistin an der Berliner Städtischen Oper bekannten Kiin-t■ lerin sich einer so schwierigen hochdramatischcn Sopran- Partie gewachsen zeigt. Ihre Abigail weiß aber nicht nur schön zu singen, sondern auch verführerisch und herrisch zu sein, wobei die Linie der nach Macht trachtenden Frau ungebrochen zur Darstellung gelangt. Das Publikum kargte nicht mit Beifall für die in sich geschlossene Leistung. Dieser galt daneben nicht zuletzt auch der umsichtigen Stabführung Berthold Sanders, der für den erkrankten Josef Rosenstock die musikalische Leitung mit viel Temperament und Gestaltungsfähigkeit ausiührte. oe. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der B.Z.V. Sonnabend, 4. Ma! 20 30 Uhr Sonnabend. 4. Mai 11-15 Uhr Sonnabend. 4. Mai 15 Uhr Mont aß, 6 Mai 20.30 Uhr Montag, 6. Mai - 20.30 Uhr Dienstag, 7. Mai 20.30 Uhr Dienstag, 7 Mai 20.30 Uhr Dienstag. 7. Mai 20.30 Uhr Mittwoch, S Mai 20.30 Uhr Mittwoch, B, Mai 20.30 Uhr Sonntag, 12. Mas 20 Uhr BZV-Heim BrsickenatraQ« 9 HZV - Heim BiückenstraBt 9 KZV-Hcim Rosenlhslar Straß« 44 BZV• Heim Oranicnstraßs 170 BZV• Heim Kantstraik 54 F^estaurant SchuHhetsa LichtcrfgJder Str. 11 ÖZV-Heim Kantstraße 54 Cafe Wiftelsbach, Bayertacber Flau 2!.(!genhau». Kleiststr, 10 BZV-Heim Rosenthaler Straße 44 Rt־Siden2^'«st»alg, I.andsberger Straße Fr.Rabb.Dr. Recha Freier: ״Jöd. Jugendfragsn"; Rabb. Kand. Heina Meyer: ״Aufgaben *ioniitiicher Kindereraisbunß'‘. Oneg bchsbbat Ltjeladim, Rabb. Kand. H. Meyer Sabbath-Feier für Kinder. Leitung: Lehrer M Uwta Dr. Leo Scherek: *Der deuUcbs Zioniamui und der XIX. Kongreß.“ Dr. Edgar Rosen: ״Orientpolitik‘* Dr. Kurt Kanowita: ״Aufgaben des XIX Kongrssits'* Aufführung dee Reise-Schmalfilms ..Erez!•feel*• S. Goldschmidt: Zwischen X VHl. und XfX. Kongreß, S. Tscbertok: ״Aufbau oder Chaos? — die Aufgabe» de• X!X. Kongreß. Erwin Fnllak: ״Die rionistiiehe Organiiitioo ■— des Erbe Theodor Herzls“ Chefredakteur Dr. Alfred Kupferberg: ״Foriicbritte de» nationalen Aufbaus (zum XIX Kongreß)" Erwin Roilak: ,.Die riomstische Organisation ■*־ des Erbe Theodor Herzls." ,,Kleinkunst-Abend‘* Bezirk Südoit Gruppe Jennowitzbrlcke Bezirk Zentram-Nord Gruppe Kottbuaser Tor Gruppe Savignyp'aU Bezirk Kreuzberg« Teropelhof Gruppen Oper u. Wettend Gruppe Berberoisepietz Bezirk Witlcnbergpletz Gruppe Wedding Bezirk Fncdriehtbiin im kvv'.mer\ d-nr Art ׳:nr5~l r.iunq sprur,: d־t. , :•:m ׳- Kn: 1 oA .;0,;0Unr, L־;e:1h״us, KieP/fsfra^e IG KURT BLLMENFELD Uber ״Trauen am Werk.“ Frauen ׳ Arbeitsgemeinschaft für Palästina r Catö Restaurant umtelsuach -« : Oscar Aberbach, Rayriicher Ptati 2 יי—- Cafe Uhlandeck — KurtUratendamm 31 Beifalfstürme ergehen tAgl. Uber dt« K«p6M® Dr. Franz van K*bl*• In der Tanzdiele KAPELLE BÖRNER StörfreieAntennen I Radio י- Reparaturen I b« r d. Synagoge Walter Schott | Bismarck J1 50*2 W^t₪₪₪₪₪₪₪k Spielu. Verein^ale * üzifliUch. Best afii/t k . W... . __ Mimik. Mittagu. Abend ־ Gedeck v. RM 1,10 a!4 rrftpunKt best,!un. Kuchi• * Dezente PPlnzeR-cate am Kuntlrstendamm 211 Ans•!••(! und Ankündigungen in der ״Jüdischen wundacheu“ finden die grüBle Beechtunfl. KINO-SPIELPLAN VON FREITAG BIS MONTAG flelmfigkhyntlMr Li 1W«*. GRETA GARBO hSR)r Das «leib hei lernen uoihern KurfQrstendamm *17 Ecke Faaanenstraß«• Tfilefon: J1 Bismarck 1108 Beginn tätlich 3,5,7,9.15 Uhr IMPERIAL Hoaenthnler Str. 40 41 Artisten in ״DER BUNTE SCHLEIER״ Die Qarbo herrlich wie nur je - sie ist die geofie Dichterin unter den Himsch/m• Spielern der Welt. Berliner Lohaianieiget am Hadtesch.n Markt mlt Harry PLI b 1 o Frischer Wind HatkMchar Markt 3ß aus Kanada WALLACE BE ERY JACKIE COOPER in ״DIE SCHATZINSEL״ Bin ungewöhnlicher Erfolg , . Sach Monaten endlich wieder ein mH Spannung und Teilnahme bis turn Muten Range platz hinauf ungefüllter Raum. Berliner Tageblatt ROBERT MONTGOMERY ADMIRALS- Kino! briednehetreße SOI 11 Uhr vorm, bis 1 Uhr n»chU Sonntags ab?,30 Uhr mftRCHENBRUIMEII״ Lisbtipltl« Am Friedrichshain 29 Beginn 5, 7, 9.10 Uhr Sonntat!■ ab 3 Uhr ALHAMBRA- Lichtspiele» Koppenstr. 29 Beginn 5, 7, 9 Uhr Sonntags ab 3 Uhr ________ Lichtspiele, Cbausseestr. 16 11 Uhr vorm, bis llUbrnacht« Sonntags ab 3 Uhr Douglas Fiirbsaki in ״Das mnma des Don Juan“ mit Merl• Oberon• (Im Admirals.Kino >n Orig-malfasitfög־.) Für Milrdhenbmntten, Alhambra, Antra cur in deutscher spracne in ״GAUNER AUF URLAUB״ Das Parkett war v. Robert Monigome y und seinem Abstecher aufs Land begeistert, Großes Gel&dticr. Berliner Tageblatt Babylon Die Fahrt ln dis Jugend Horst «■Wessel-Platz mit Hermann Thimlg, Liane Haid* Wo. 5, 7. 9 So. 3, 5, 7, Hans Moser, Leo Slezek RIVOLI Straße 5-7 Wodhentgs. 5.30/Sonnt. 3.50 Olga Tschechow« Lockspitzel ״Auew" Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Pianos / Fiogal Kaut., ך) . ״ Jovi HERER&Co. BERLIN W82, KlelslstraBe 111S FrDhiahrs - •sssieliBM 1935 Berliner Jüdischer Künstler im Jüdischen Museum Oranienburger Straße 31, vom 6. Mal bl« 2. Juni 1935 Eintritt RM 0,10. Geöffnet täglich 10 ~ 2, 3 — 6 Uhr (außer Sonnabend■), Dienstags 3—8 Uhr. Futtirstofte Qualitäten. Haas SUKersteln, W 50, Augsburger Str., Ecke Würzburger Str. Nr. i BERTA RATZ KLEIDER UND BLUSEN BERLIN W 30 Bayerischer Pietz II PerMprschers B A Cornelius J155 3 FILME DIE SIE SEHEN MÜSSEN Kant- Oerscmatujagenhontroüeur UchUpielo, Charl., Kant.tr. 54 Wo. ab 5 Uhr. So. «b 3 Uhr. mit Geor, Alexander, Olly V. rilnt IE1_ «..Il.l-M Ollnar PI, 7. S, 7, >» Uhr Engllach, Th»o Llngen Ol ....... Brüningällnden die ideale, schöne und elegante Gaststätte Berlins ist seit einigen Tagen eröffnet Herrliche Parkanlagen, Terrassen u. Liegewiesen an der Havel H0 8403 Fährverbindung! Sonntags: Omnibus direkt ab Zoo Werktag»: Omnibus 34 bis Kladow Oliva er Medizinal-Drogerie OUvaar 1*1*3• Inh. Apoth. 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