Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 31-32 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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: f r 'J.iPVaR-1 *. ..JJHU'JHLJ. ■WW -r— Seite 8 40 JAHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32, 17. IV. 1953 > FÜRSORGE FÜR DAS VOLK Der Weg der Sozialarbeit / Von S. Adler-Rudel Das Geschehen der letzten zwanzig Jahre hat das Gefüge des deutschen Judentums auf das Schwerste erschüttert, seine wirtschaftlichen Positionen fast ganz vernichtet, seine soziale Struktur tiefgehend verändert. Aus dem in Wohlstand und Ruhe lebenden jüdischen Bürgertum der Vorkriegszeit ist eine um ihre Existenz schwer ringende pauperisierte Masse geworden. Sichtbarer Ausdruck der sich noch immer vollziehenden sozialen Veränderungen sind Schaffung und Aushau einer Fülle neuartiger sozialer Einrichtungen, ist die tiefgreifende Wandlung des Begriffes der jüdisch-sozialen Arbeit: von der „Armenpflege1' zur „S o z i a 1 p o 1 i t i k". Jüdische Sozialpolitik als ein System von Maßnahmen zur Um- und Neugestaltung der sozialen und beruflichen Struktur der Juden in Deutschland ist demnach nicht nur eine Folgeerscheinung der politischen Veränderungen der letzten zwei J a h r e, sondern das Ergebnis einer fast zwei Jahrzehnte dauernden planmäßigen Arbeit einer neuen jüdischen Generation. Wenn das Jubiläum der „Jüdischen Rundschau", die ihren erheblichen Anteil auch an der Wandlung des Begriffes der judischen Sozialarbeiter hat, zum Anlaß wird, um im folgenden aufzuzeigen, wie das Wollen einer zionistischen (ieneration in soziale Tat umgesetzt wurde, so kann dies nur eine ganz subjektive und skizzenhafte Darstellung dieser Entwicklung sein. Das jüdische Volksheim Die Anfänge einer neuen jüdischen Sozialarbeit fallen in die Kriegsjahre, als eine kleine Urtippe aus der zionistischen Jugendbewegung den Versuch machte, aus ihrer neugewonnenen Erkenntnis der Judenfrage den Weg zur jüdischen Wirklichkeit, zu den Massen zu finden. Unter der Führung Siegfried Lehmanns, der später der Schopfer 11 e< jüdischen Kmdcrhauscs in Kowno und des Kinderdorfes Ben-Schemen wurde, entstand, in Anlehnung an die englische Idee des „Settlement", im Norden Berlins das jüdische Volks heim. Es begann in wenigen engen Räumen und sollte bald zum großen judischen Vofkshaus werden. Hier sollten die armen ostjüdischen Kinder des Berliner Nordens ein wenig Freude und Eicht in der Trostlosigkeit ihres Daseins finden; hier sollte sich die Begegnung zwischen west- und ostjiidischcn Menschen aus Verschiedenen sozialen Schichten vollziehen. Vieles von dem, was das Y'olksheim werden sollte, ist nicht verwirklicht worden; das aber, was das Volksheim wirklich war, ist aus dem jüdischen Leben der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht wegzudenken. Die jungen „Helfer" des Volkshcims, Kinder des jüdischen Bürgertums, bei dem es zum guten Ton gehörte, „\v o h 11 ä t i g'' zu sein, erkannten hier sehr bald die Hohlheit der bürgerlichen Wohltätigkeit, die in dem Betreuten einen gesellschaftlich minderwertigen Menschen sah. Aus dieser Erkenntnis wie aus dem Erlebnis des Zusammenseins mit dem Volke erwuchs der Drang zu neuen Formen sozialer Arbeit, die über den Einzelnen und seine Not hinausgehend zur wirklichen Volksarbeit wurde. Das Volksheim leistete nicht nur materielle Hilfe, es versuchte vielmehr, die Kinder ganz zu erfassen und sie Teil einer neuen Gemeinschaft werden zu lassen. Neben der praktischen und pädagogischen Arbeit erhielten zahlreiche junge Menschen des jüdischen Bürgertums zum ersten Male Einblick in die jüdische Wirklichkeit. So sind aus den Reihen des Volksheims eine große Zahl von Menschen hervorgegangen, die für die spätere Entwicklung der jüdisch-sozialen Arbeit in Deutschland bestimmend waren. Das „Arbeiterfürsorgeamt" Während die Menschen des Volkshcims den Versuch machten, auch den von der Obersten Deutschen Heeresleitung aus Polen nach Deutschland angeworbenen ostjüdischen Arbeitern, die au Stelle der im Felde stehenden deutschen Arbeiterschaft in der Industrie eingesetzt wurden —, helfend beizustehen, erwuchsen aus dem Umstand, daß zehntausemie jüdischer Arbeiter aus dem Osten nach Deutschland kamen, der deutschen ludenheit eine Fülle schwieriger sozialer Aufgaben. In Warschau war es der „jüdischen Abteilung der deutschen Aibeiter/cntrnle", die die Vermittlung ost jüdischer Arbeiter nach Deutschland leitete, gelungen, allmählich System in diese so neuartige Arbeit zu bringen. Hier waren es Julius und Alfred Berger, bekannt aus ihrer viel).ihrigen zionistischen Tätigkeit, die sich mit der ihnen eigenen Energie für eine Besserung der Lage der nach Deutsehhnd vermittelten ostjüdischen Arbeiter einsetzten. In Ergänzung dieser Arbeit entstand in Berlin das „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands" als ein Zusammenschluß der jüdischen Organisationen aller Richtungen zu dem Zweck planmäßiger Fursorgemaßnahmen für die o-djudischen Arbeiter in Deutsehland. Zur Leitung wurde Fritz. Mordcchai Kaufmann berufen. Kaufmann, aus assimiliertem Milieu im Rheinland stammend, von starkem nationalen und sozialen Wollen erfüllt, stand den Kreisen des Volkshcims nahe. Von dorther, sowie aus den Reihen der ostjüdischen Arbeiter wählte er seine Mitarbeiter, u. a. Werner Senator (heute Mitglied der Exekutive der Jewish Agency). Sehr bald erkannten Kaufmann und seine Mitarbeiter in der ungeheuren Not der ostjüdischen Arbeiter und Flüchtlinge ein sozialpolitisches Problem. Das Präsidiuni des Arbeiterfürsorgeamtes, das sich aus Vertretern der jüdischen Organisationen und der jüdischen Gemeinde Berlin zusammensetzte, hatte Verständnis für diese neuartige Auffassung. Die Begegnung der jungen Menschen, die die Arbeit im Füreorgeamt leisteten, mit Minnern wie Paul Nathan, Bernhard Kann, Eugen Caspary und Siegfried Moses in der Erkenntnis d«r Notwendigkeit besonderer sozialer Maßnahmen War für beide Teile ungemein fruchtbar. Aus dem Zusammentreffen dieser beiden so verschieden gearteten Kreise erwuchs im Arbeiterfürsorgeamt eine der eigenartigsten sozialen Organisationen, die zum Ausgangspunkt einer völligen Umgestaltung werden sollte. Das Arbeiterfürsorgeamt leistete Beherbergung und Verpflegung, Rechtsschutz, und Legitimierung der ohne Personalpapiere umherirrenden Arbeiter, ordnete sie in Arbeitsstel- Jöditchel Lriikoa Ien ein: Zehntausende im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, hunderte als Landarbeiter in der Uckermark und ia Pommern, wo die ersten Hachschara-Oruppen ostjüdischer Arbeiter in Deutschland entstanden, förderte die Initiative und Selbsthilfe der Arbeiter durch Gründung von Arbeiterküchen, Arbeiterklubs, Lesehallen und Bibliotheken, organisierte die allmähliche Abwanderung nach Polen, sowie nach den westeuropäischen Ländern. F. M. Kaufmann war es nur ein kurzes Jahr vergönnt, an der Spitze dieser Arbeit zu stehen. Während dieser Zeit ging so viel Anregung und Initiative von ihm aus, daß seine Mitarbeiter nach seinem frühen Tode es als sein Vermächtnis empfanden, den Weg, den er ihnen gezeigt hatte, weiter zu gehen. Seine Nachfolger in der Leitung des Arbeiterfürsorgeamtes waren Werner Senator una Alfred Berg er. „Die Augnststrafle" Die unruhigen Jahre der Nachkriegszeit brachten zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus den osteuropäischen Ländern nach Deutschland und zwangen das Arbeiterfürsorgeamt, den Kreis der Tätigkeit immer mehr auszuweiten. Mit Hilfe der vom „American Joint Distribution Committee" (als dessen europäischer Vertreter Dr. Bernhard Kahn fungierte), zur Verfügung gestellten Geldmittel gelang es, zehntausende ostjüdischer Flüchtlinge zur Abwanderung zu bringen. Zur Bewältigung dieser Aufgaben bediente sich das Arbeiterfürsorgeamt einer Anzahl von Nebenorganisationen; allmählich konzentrierte sich in den der Jüdischen Gemeinde Berlin gehörenden Gebäuden in der Auguststraße ein großer sozialer Apparat, der mit den Methoden moderner sozialer Fürsorge die Nöte wandernder Menschen zu lindern versuchte. Mit Förderung des Arbeiterfürsorgeamies und lange von ihm gestützt entstand das Kinderheim „Ahawah" für die Kinder der Flüchtlinge, die bei ihren Eltern nicht bleiben konnten. Die Ahawah ist wohl das erste wirklich jüdische Kinderheim in Deutschland. In betontem Gegensatz zu den Assimilierungstcndenzen der anderen * jüdischen Waisenhäuser und Kinderheime wurden hier Kinder der ärmsten jüdischen Massen zu produktiven, bewußt jüdischen Mensehen erzogen, so daß es kein Zufall ist, daß die meisten Kinder der Ahawah den Weg zur Chaluziuth und nach Palästina fanden. Im gleichen Gebäudekoniplex begründeten die Zionisten Dr. Hermann Stahl und Siddy Wronski die jüdische Kind er hilf e als gesundheitliche Fürsorgemaßnahme für die eingewanderten ostjüdischen Kinder. Die Kinderhilfe, auch heute eine der wichtigsten Einrichtungen der jüdischen Wohlfahrtspflege, gehörte zwar nicht zum Arbeiterfürsorgeamt, war jedoch wesensmäßig mit ihm eng verbunden. Als seine wichtigste Aufgabe sah das Arbeiterfürsorgeamt die produktive Einordnung der von ihm betreuten Menschen an. Um dies systematisch durchzuführen, erfolgte zunächst die Ueberleitüng s des von der zionistischen Jugendbewegung gegründeten „judischen Arbeitsamtes" nach der Auguststraße, wodurch Menschen wie Walter P r e u ß, Grete T U r n o w s k y - P i n n e r, Trude Levy-Sehrciber, Walter Turnowski usw. an das Arbeiterfürsorgeamt enger gebunden wurden. Später wurde das Arbeitsamt mit dem „Arbeitsnachweis der Berliner Logen" zur „Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise" zusammengeschlossen, die ebenfalls in der Auguststraße untergebracht wurde. Das Ziel der produktiven Einordnung der Ostjuden erforderte den systematischen Ausbau der jüdischen Arbeitsvermittlung sowie die Schaffung einer Berufsberatung. Arbeitsnachweis und Berufsberatung betreuten zwar in den ersten Jahren fast ausschließlich ostjüdische Arbeitslose und ostjüdische Kinder; die wachsende Not des deutschen tudentums veränderte jedoch im Laufe der Jahre auch den 'reis der Menschen, die hier Rat und Hilfe suchten. Immer geringer wurde die Zahl der ostjüdischen Besucher, immer größer die Inanspruchnahme durch deutsche Juden. Arbeiterfürsorgeamt und Arbeitsnachweis hatten in zahlreichen Städten Deutschlands Zweigbüros errichtet, die sowohl den Zweck der Erleichterung der Wanderung und des Rechtsschutzes, wie auch den der Arbeitsvermittlung hatten. Ucberal! waren es Zionisten, die diese Einrichtungen stützten wie Jacobsohn, Breslau, Epstein, Duisburg, Stein, Königsberg, Ehrlich, Bcuthen, und viele andere. Die praktische Arbeit wurde fast ausschließlich von Menschen aus der zionistischen Jugendbewegung oder dem KJV. geleistet, Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise hatten eine verstärkte Binnenwanderung jüdischer Menschen in Deutschland zur Folge. Durch die Initiative des Arbeiterfürsorgeamtes wurde die Wanderfürsorge in Deutschland neu organisiert und 192a die „Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge" geschaffen, Die Schaffung der „Hauptstelle" wurde der Beginn einer systematischen sozialpolitischen Arbeit im deutschen Judentum. Mit der Organisierung der Wanderung wurde gleichzeitig das jüdische Arbeitsnachweiswesen in ganz Deutschland neu organisiert. Die Arbeitsnachweise der verschiedenen Städte wurden in der „Vereinigten Zentrale der jüdischen Arbeitsnachweise" zusammengeschlossen, deren Geschäftsführung mit der der Hauptstel'e für jüdische Wanderfürsorge identisch war. Die Arbeitsvermittlung jüdischer Arbeitsuchender wurde damit für ganz. Deutschland in einheitliche Bahnen geleitet. Von der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge ging die Initiative zur Schaffung von Jüdischen Arbeiterkolonien aus, in denen die Wandernden untergebracht werden sollten, bis sie wieder normal in den Arbeitsprozeß eingeordnet werden konnten. Der Kampf um die Errichtung einer Arbeiterkolonie währte fast fünf Jahre, mit dem Ergebnis, daß 1932 das „Landwerk Neuendorf" geschaffen wurde, das allerdings infolge der veränderten Zeitverhältnisse ganz anderen Zwecken dienstbar gemacht wurde und heute wohl als eine der wichtigsten Ausbildungssfättcn für landwirtschaftliche Berufe anzusehen ist, die der jüdischen Jugend Deutschlands zur Verfügung stehen. Jüdisch« Arbeite- und Wanderfürsorge Die fortschreitende Prolctarisicrung des deutschen Judentums, die wachsende Arbeitslosigkeit zwangen zum Ausbau der sozialpolitischen Einrichtungen. Noch stand das deutsche Judentum in Unkenntnis seiner Situation dieten drängenden Problemen teilnahmslos gegenüber. Es kam daher darauf an, ein Organ zu schaffen, in dem die Ideen jüdischer Sozialpolitik wirksam vertreten werden konnten. Am 1. Juli 1927 erschien die erste Nummer der. Monatsschrift „Jüdische Ar- J&diichM I,«xik<w beits- und Wanderfürsorge", die als die erste Fachzeitschrift für jüdische Sozialpolitik anzusehen ist. Als Herausgeber zeichneten: Dr. Georg Baum, Alfred Berg er, Eugen Caspary, Prof. Dr. Sobernheim. Die Redaktion hatten S. Ad ler-Rudel und Dr. Max Kreutzberg er. Eine Fülle von Anregungen ist von hier ausgegangen, die sozialen Probleme wurden eingehend behandelt, neue Wege der jü. dischen Sozialarbeit wurden angeregt. Das Arbeitsnachweis, wesen, insbesondere aber die jüdische Berufsberatung mit dem Ziele einer Umgestaltung der Berufs struk. tur der Juden in Deutschland wurden in der Zeitschrift wirksam vertreten. Eugen Caspary Diese Ausführungen, die im wesentlichen vom Kamp! einer zionistischen Generation berichten, wären unvollständig, wenn sie nicht einen Mann aus einer früheren Generation, in einem anderen jüdischen Lager stehend, erwähnen würden, der für die Entwicklung der Ideen jüdischer Sozial, politik von entscheidender Bedeutung war. Eugen Caspary, ein Jahrzehnt lang die zentrale Figur der jüdischen Wohlfahrtspflege Deutschlands, Vorsitzender des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde Berlin, ahnte das Neue und Zukunftsträchtige der sozialen Arbeit, das in den Menschen und Organisationen der „Auguststraße" lebte. Ein im Wesen künstlerischer Mensch, besessen von der Idee des Helfcnmüsscns, abhold jeder Bürokratie, war er. obwohl im liberalen Bürgertum durch Herkunft und soziale Lage fest verankert, erschüttert von dem Zusammenstoß mit der jüdischen Wirklichkeit, wie sie ihmaug der Arbeit der Auguststraße entgegentrat. Mit der ganzen Lei. denschaft seines Temperaments, mit ungeheurer Zähigkeit verfolgte er das Ziel, das er sich einmal gesteckt hatte. Zwi. sehen ihm und den um so vieles jüngeren und anders gearteten Menschen der Auguststraße entstand im Laufe der Jahre trotz aller Meinungsverschiedenheiten eine starke persönliche Be. Ziehung. Damit war die aufstrebende jüdische Sozialpolitik urn ein gutes Stück vorwärts gekommen. Das Eindringen in die Gemeinden und Landesverbände wurde durch ihn möglich. Eugen Caspary war ein unpolitischer Mensch, obwohl er in den Reihen der Liberalen stand. Er setzte seine gamt Persönlichkeit dort ein, wo er positives jüdisches Wirken sah. Die Abdrängung eines großen Teiles der überaltcr. ten jüdischen P I u t o k r a t i e aus Kuratorien und Gremien, die berufliche Verankerung der jungen Menschen in de sozialen Arbeit ist im wesentlichen ihm zu verdanken und wäre ohne sein Wirken kaum so bald erfolgt Einordnung Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands und die von ihm geschaffenen Organisationen und Einrichtungen waren freie und finanziell wenig fundierte Institutionen. Jahrelang wurde um die Aufrechterhaltung der Arbeit gekämpft; die finanzielle Unsicherheit hing als drohende Gefahr über der gesamten Arbeit. Nitf sehr allmählich gelang es, die Gemeinde Berlin, die Landesverbände, die anderen Gemeinden zur Subventionierung di» sex Arbeit zu gewinnen. Der verstärkte Einfluß der Zionisten im Gemelndeleben, die zeitweilige Mchrheitsstellung der von Zionisten beherrschten Koalition in der Berliner Gemeinde bewirkten endlich die Uebernahme der „Auguststraße" als Abteilung „Arbeits- und Berufsfürsorge" in das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde Berlin. Die zentralen Organisationen wurden von der Auguststraße losgelöst und mit der Zentralwohi« fahrtssteile der deutschen Juden vereinigt. Nach dem Tode von Eugen Caspary erfolgte die Räumung der Auguststraße und die Zusammenlegung mit dem Wohlfahrtsamt in der Rosenstraße. Damit war eine Periode abgeschlossen; die finanzielle Sicherung der Arbeit zunächst gewährleistet; die Bemühungen für die Reform der jüdischen Wohlfahrtspflege wurden nach innen verlegt. Das Tempo der Entwicklung, die Umwälzungen des Jahres 1933 machten neue Veränderungen notwendig; die sozialpolitischen Aufgaben rückten in den Mittelpunkt der 0emeindearbeit; die Abteilung Arbeits- und Berufsfürsorge der jüdischen Gemeinde wurde vom Wohlfahrtsamt losgelöst und als selbständige Abteilung, als „Wirtschaftshilfe der jüdischen Gemeinde" neu eingegliedert. Zentrale Organisationen Mit der Zusammenlegung Von „Hauptstelle" und Zeittralwohlfahrtsstelle beginnt auch für die Leitung der jüdischen Wohlfahrtspflege ein neuer Abschnitt. Die zionistische Initiative im Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes erwirkte manche Reform, und schließlich die Schaffung des Wirtschaftsausschusses beim Preußischen Landesverband, der lange vor dem 1. April 1933 eine große Anzahl vorbereitender Aufgaben erledigte. Auf dem Gebiete der sachlichen sozialen Arbeit hatten sich die Anschauungen des Zionismus durchgesetzt. Die Vorarbeiten wurden zu* Grundlage der Arbeit des „Zentralausschusses für Hilfe una Aufbau der deutschen Juden", zum entscheidenden Bestandteil der Versuche der Neugestaltung der beruflichen und sozialen Struktur der Juden in Deutschland. Es kam hier nicht darauf an zu zeigen, wie die zionistische Analyse der Situation der Juden durch die Entwicklung bestätigt worden ist, denn die zionistische Generation der sozialen Arbeit hat niemals den Versuch gemacht, die soziale Arbeit zum Kampffeld politischer Meinungen J° machen. Die Verantwortung, mit der wirklich jüdische )0>'"~ arbeit geleistet wurde, hat manchem inncriüflischcn (ief'er Achtung und Anerkennung abgerungen. Nur aus der w kenntnis von der Einheit des jüdischen Volkes und von den großen sozialen Aufgaben, die die jüdische Not der 1* uns stellt, kann wirkliche soziale Arbeit geleistet werden vn jüdische Sozialpolitik ihre Begründung finden. Die Mensen der zionistischen Bewegung in Deutschland, die aus dies Erkenntnis heraus zur sozialen Arbeit kamen, ^abm ° Beispiel des deutschen Judentums den Beweis für die k.w tigkeit ihrer Auffassung erbracht, ■