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Jüdische Rundschau · 1935-04-17 · Heft 31-32 (17.4.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 31-32 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 40 JAFfFE JÜDISCHE TIUNVSCHAU Nr. 31/32, 17. IV. 1935 fcn des Willens zu schöpferischer Gestaltung der jüdischen Dinge dringt der positive Kern der Protesthaltung durch die Schale des neutralen Programms hindurch, liegt der Bruch mit der balbattischcn Vergangenheit, der grundsätzliche Unterschied zu allem, was bis dahin in Deutschland war. Die deutsche Judenheit wird, manchmal etwas unsanft, aus dem Dämmerschlaf gerüttelt. Schulter an Schulter, meist in Personalunion mit den eigentlichen zionistischen Partcistcllcn, wird von den Führern des B. J.C. die Judentrage in ungezählten Versammlungen, Artikeln und Privatgesprächen in ihrer Totalitat aufgerollt, werden die Irrwege der Assimilation unbarmherzig beleuchtet, die natürliche nationale Lösung theoretisch begründet und gefühlsmäßig verwurzelt. Mit den deutschen Juden wird exerziert, innerhalb und außerhalb des Studentenbundes. Neben die Festigung des jüdischen Charakters der Bundesbrüder als innere Arbeit der Verbindungen und neben den zionistischen Aufklärungsfeldzug trat eine doppelte Abwehr auf dem äußeren akademischen Fechtboden: gegenüber den Anfeindungen der antisemitischen Korporationen und gegenüber dem politischen Wahn der paritätischen Verbindungen (F-'.W. V. und andere). Wir wollten als Juden nicht minder bewertet werden, wir wollten als Juden aber auch nicht unkenntlich werden; wir wollten als stolzbewußte Juden, ohne Anbiiederung und Versteckspiel, gleichgeachtet sein. Diese Kämpfe vollzogen sich in Berlin jahrelang im Rahmen der Wahlen zur Akademischen Lesehalle; und von iiineu wurde auch manche jüdische Akadcmikergruppe gestreift, die, ohne „assimilantisch" zu sein, doch der großen jüdischen Verantwortung sich nicht gewachsen zeigte. Indes die B. J.C.er, das zionistische Ideal im Herzen, an der allgemeinen nationaljüdischen und an der menschlichmännlichcn Erziehung ihrer Leute arbeiteten, der erste und erfolgreiche Stoßtrupp der neuen jüdischen Gedankenwelt in Deutschland, entstand ihnen seit 1*K)2 in der Hasmonaea und seit 1900 im „Kartell Zionistischer Verbindungen" (K/.V.) ein Bundesgenosse, der an den strafferen Formen der zionistischen Korporationen in Oesterreich (dort schon seit Anfang der 80er Jahre) geschult, sofort eindeutig das zionistische Ziel auf seine Fahnen schrieb. Manche Rivalitätskämpfe, damals aus dem natürlichen Partikularismus einer expansionsfreudigen Jugend verständlich, heute freilich teilweise komisch wirkend, verhinderten nicht, dal! die beiden Bruderbünde sich langsam entgegenwuchsen. Gefördert wurde diese zionistische Zeutralisationsbewegung durcli die geistigen Erschütterungen, die der BJC. seit 1900 ein Jahrfünft lang durchmachte. Als I ierzls immer« aches Führerherz 1904 gesprungen war, das erste schwere »>pfer auf dem Altar des Zionismus, empfanden seine Anhänger die Notwendigkeit verdoppelten Einsatzes für die Idee, härtester Anstrengungen für ihre Ausbreitung, verstärkter Aktivität und Intensivierung. I iner neuen Jugend, die den politischen Zionismus voll in sich aufgenommen hatte, gentigte das aite BJC.-Programm nicht mehr: es war ihr zu weit, indem es kein konkretes jüdisches Ziel formulierte, weder erzieherisch noch politisch; und es war ihr zu eng, da e» der Weite der zionistischen Losung nicht offiziellen Kaum gab. Die junge Maccabaea reißt das Erbe der Führung an sich. Nach jahrelangen Tendenzkämpfen, die, wie es Mcnschcnnatur ist, sich nicht nur um Ziele und Wege, sondern (leider) auch um Personen drehten, streife der BJC. das inniger noch getragene Gewand zionistischer Neutralität ab, zunächst nur intern, vor sich selbst, im inneren Umbruch, dann 1914 auch öffentlich, durch Verschmelzung mit dem KZV. zum „Kartell Jüdischer Verbindungen" (KJV.), das, von der nationalen Einheit der jüdischen Gemeinschaft aus, „eine der Vergangenheit des jüdischen Volkstums würdige Erneuerung in Erez Israel" erringen will. Wandlangen nach dem Kriege Als der Weltkrieg auch in das Leben der jüdischen Akademikerverbände in Deutschland seine tiefe Cäsur schnitt, waren die Lehrjahre des KJV. (worunter hier natürlich seine beiden Quellströme verstanden sind) so gut wie zu Ende. Ein menschlich geschlossener Kreis von über tausend Akademikern war sich — bei manchen Divergenzen im einzelnen -— einig über die Ursachen der seelischen und materiellen Judennot, einig über die Unmöglichkeit der Assimilation, und selbst, wenn sie möglich wäre, einig in ihrer Ablehnung aus Gründen nationaler Würde und Hoffnung; einig in dem Willen, jeder zu seinem Teil an der Erneuerung des jüdischen Volkes mitzuheilen; einig im Streben, als cliaraktcrliche und politische Vorbedingung in sich selbst alle jüdischen Kräfte zu mobilisieren, und einig in der Einordnung ihrer Person in die Arbeit der zionistischen Gesamtheit. Die veränderten Verhältnisse nach dem Kriege erzeugen in weiten leiten des KJV. eine Aufbruchstimmung. Positives judisches l eben war Hunderten von jungen KJV.ern auf den östlichen Kriegsschauplätzen wie eine Offenbarung aufgegangen. Wieder strömte, wie zwei Jahrzehnte zuvor, Segen aus der Berührung westlichen Nationaljudentums mit dem Vülhudischeu, /ion-uahen Lehen des Ostens. Eine vergessene Heimat hatte dort judische Inhalte erschlossen, eine neue Volksheimat, Palästina, rückt jetzt näher, wird, vor funt Jahren noch romantischer Traum, tagtäglich wachsende jüdische Wirklichkeit. Der Theorie der Fuxenstuitden, der Vortrage und Versammlungen winkt konkrete Gestalt. Ein VJSi.-Hechawer, eine Arbeitsgemeinschaft Maccabaea- Hapoei Mazair wollen, den ohnehin problematisch gewordenen akademischen Kähmen des KJV. sprengend, ihre Mitglieder im eigentlichen, letzten Sinne zionisieren. Der jüdische Wanderbund „Blau-Weiß", 1913 von den gleichen akademischen Kreisen zur Erfassung der nicht und noch nicht akademischen Jugend gegründet, und vorübergehend in Arbeitsgemeinschaft mit dem KJV., hatte versucht, den realen Chaluztvp zu entwickeln. Es wäre übertrieben zu sagen: das KJV. bricht auf. Aber Wanderjahre kommen. Die alten Formen des Kartells geraten in Fluß. Der studentische Betrieb, schon lange nur als notgedrungenes Beiwerk, bestenfalls als Erziehungsmittel mitgeschleppt, gleitet in die Rumpelkammer; die Alijah, die Uebersiedlung des Einzelnen als persönliche verpflichtende Tat, nicht mehr der Gesamtheit als politische Forderung für eine nebelhafte Ferne, beherrscht Diskussion und Betätigung; hebräische und werkliche Hachschara erfüllen die Menschen. Immer stürmt Jugend ungestümer, bedenken- und kompromißloser, als die ältere Generation verträgt und gutheißt; immer bewahrt diese durch den Hemmschuh, den sie dem rasenden Wagen anlegt, vor Absturz und Unfall. Aber Zion wird nicht durch Besessenheit und nicht durch Besinnlichkeit erlöst, sondern durch Besonnenheit. Daß große und wertvolle Teile der älteren KJV.er einer überstürzten, verkrampften, als unorganisch empfundenen Etitwickclung abhold waren, daß sie neben der Palästina-Arbeit die Arbeit jüdischer Erneuerung in Deutschland nicht zurücktreten lassen wollten, daß aus diesen Spannungen und einem tatsachlichen Abseitsstehen weiter, teils ermüdeter, teils verbitterter Altherrenkreise ein ernstes AHherrenproblera entstand — das alles ist zwar für die Geschichte des KJV. wichtig, kann aber in diesem Zusammenhang nur angedeutet werden, ebenso die organisatorischen Kampfe der Nachkriegszeit um die innere Gestaltung des Kartells. Genug, daß die Einheit der zionistischen Akademikerschaft, in den (ahren nach dem Krieg wiederholt bedroht und sogar jähreang durch Absplitterung eines auch in der Auffassung des Zionismus differenzierten „Bundes Zionistischer Korporationen" (BZK.) aufgehoben, schließlich doch erhalten geblieben ist Zionistisch* Aktivität Mit der politischen Umwälzung in Deutschland und dem weitgebenden Ausschluß der Juden von den Universitäten ist der bisherigen Werbe- und Erziehungsarbeit des KJV. ein gut Teil Boden entzogen. Die Fortexistenz eines Kartells jüdischer Verbindungen ohne jüdische Verbindungen im alten Sinn, ohne Nachwuchs erschien zweifelhaft. Aber über Auflösungstendcnzen siegte der zionistische üesamtblick: in Deutschland bleibt Aufgabe des Kartells die Erhaltung der traditionellen Verbundenheit und zionistische Willensstärkung, — in Palästina: Einsatz der zu zionistischer Aktivität erzogenen und bereiten Bundesbrüder ab „wirkende Faktoren nci der Bildung unserer Volksgemeinschaft in Erez Israel" (Salli Hirsch, derzeitiger Präsidc des KJV.). Dienst am Lande, nichts weiter, und Erziehung dazu. Wanderjalire: 1913 gibt es sieben KJV.er in Palästina, 1922 drei Dutzend, 1929 fast 100, 1935 über 700, etwa ein Drittel des ganzen Kartells; jeder dritte KJV.er bereits drüben____ In den Lehr- und in den Wanderjahren war die Befruchtung zwischen dem deutschen Zionismus und dem KJV. gegenseitig. So war es organisatorisch: das KJV. erzog und stellte der Bewegung zu sehr erheblichem Teil die Führerschicht und die Träger der Arbeit in der Zentrale und in den Ortsgruppen. Die Bewegung schuf den KJV.ern die Massen, an denen sie die jüdisch-erzieherische Arbeit jahrzehntelang geleistet haben. So war es ideologisch: politischer, praktischer, synthetischer Kulturzionismus, Revisionismus, Araberfrage, Hebraisierung, soziale Gestaltung, Galuth-, insbesondere Gemeindcarbeit usw. — alle zkv nistischen Probleme und Kämpfe bewegten gleichzeitig wie den deutschen Zionismus so das KJV. Una wie der Zionismus die Jugendbewegung des jüdischen Volkes, so war das KJV. in den Jahren um die Jahrhundertwende Vorläufer und Wegbereiter, ja, zunächst einziger Vertreter der Ji> gendbewegung im Zionismus und bis heute einer ihrer Grundpfeiler. Und das war so nicht nur aus den notwendigen sachlichen Gründen, sondern ergab skh aus den Personlichkeiten: vielfach dieselben Männer bestimmten in Jahrzehnten Weg und Ziel in der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und im KJV. Beide Orchester spielten dasselbe Arbeitslied, nur mit verschiedenen Instrumenten. — Von Meisterjahren des Kartells werden wir dann sprechen dürfen, wenn die KJV.er kl ihrer Gesamtheit sich in Palästina endgültig bewährt haben. Ehe das große Werk der nationalen Verschmelzung der verschiedenen Judenhciten, die ins Land kommen, gelungen ist, werden noch Jahrzehnte vergehen; bis dahin werden die einzelnen „Landsmannschaften" noch sehr differenzierte Aufgaben drüben zu erfüllen haben, je nach Herkunft, Vorbildung und nationalem Einfühlungswillen. Wird von den Eingesessenen nur allzu oft die Forderung ausgesprochen, die neuen Einwanderer haben sich, unter Verzicht auf noch so selbständige Vergangenheit, bescheiden den ohne sie gewordenen Verhältnissen des Landes ein- und unterzuordnen, so darf dem entgegengehalten werden, daß die deutschen Juden, und unter ihnen vielleicht gerade die KJV.er, Fähigkeiten zionistischen und organisatorischen Charakters mitbringen, mit denen sie, was ihnen Erez Israel an materieller Existenz, nationaler Freiheit und jüdischer Erfüllung bietet, zum Wohle des Volkes reichlich vergehen könnten. ZUR GESCHICHTE DES RELIGIÖSEN ZIONISMUS IN DEUTSCHLAND Der religiöse Zionismus in Deutschland läßt sich ebenso wenig wie andere Bewegungen als isolierte Erscheinung« begreifen. Aber es charakterisiert ihn besonders, daß er mit anderen Strömungen und Prozessen recht innig verknüpft ist und sich dieser Verbindung und Verbundenheit bewußt ist. Er ist zunächst ein Teil der über die ganze Welt ausgebreiteten Bewegung, die die Renaissance unseres Volkes in Palästina auf der festen Basis der Thora erstrebt und in der nationalen Gemeinschaft der Heimat den Konservatismus des religiösen Lebens in der Diaspora durch eine schöpferische Aera, die aus der Füll« der Ucberlieferung die reichen Potenzen einer Aktualisierung entgegenführt, ersetzen und überwinden will. Aber auch die besondere Vergangenheit der deutschen Judenheit und ihres gesetzestreuen Teiles bestimmt die Richtung des religiösen Zionismus mit. Endlich hat die Arbeits- und Schicksalsgcmeiiischaft mit dein allgemeinen Zionismus wesentlichen Anteil an der Physiognomie des deutschen Misrachi. Im Misrachi konzentrierten sich die Bemühungen um eine religiöse Fundierung und Realisierung des Zionismus. Mögen auch in anderen Lagern der Zionistischen Organisation gesetzestreue Menschen gewirkt und religiöse Antriebe, z. T. anderer als traditionsgebundener Art wirksam gewesen sein: der Ort des nationall eiigiösen Wirkens war und ist der Misrachi. Dem deutschen Misrachi fiel bis zum Weltkrieg eine große Funktion zu: einige seiner Männer bildeten die Weltzentrale, und auch die westeuropäische Zentrale hatte ihren Sitz in Deutsehland. War auch damals der Umfang der Arbeit bescheiden, so bedeutet doch die von hier aus betriebene Gründung der Tachkcmoni - Schule den Beginn des beute stark entwickelten misrachistischen Schulwerks. — Entscheidender aber war die Aktivität einiger Persönlichkeiten großen Formats, unter denen der heimgegang'ene Rabbiner Dr. N. A. Nobel ungeachtet seiner Jugend einen besonderen Rang einnahm. Für die Geschichte des deutschen Misrachi hat er eine doppelte Bedeutung: er war wohl der erste deutsche Rabbiner, der im ersten Stadium der Bewegung ihr seine Liebe und Arbeit gab; seine aus der Unmittelbarkeit und Selbstverständlichkeit eines reichen Herzens und Geistes kommende Bereitschaft ist uns bis heute wertvolles Symptom des Dascinsrechtes unserer Bewegung. Dann aber ist er uns gerade in seinem %'irken in der Nachkriegszeit, in seiner Haltung Vorbild geworden für unseren Weg, für unsere Beziehung zu den grundsätzlichen und aktuellen Fragen des Zionismus, für unsere Einstellung zu den anderen Gruppen. Ich kann nicht alle nennen, deren Verdienste um den deutschen Misrachi bleibend sind. Was Ephraim Adler, die Brüder Möller, was Franck und Pick geleistet haben, wissen noch viele. Struck und beide Barth haben neben anderen uin die Erneuerung und den großen Aufschwung außerordentliche Verdienste. In die ersten Jahre nach dem Weltkriege fällt der Versuch, die gesetzestreue Judenheit, die ja nun bereits mannigfach organisiert war und deshalb schon recht starken Widerstand entgegensetzte, für unseren religiösen Zionismus zu gewinnen. Der Erfolg war nicht überwältigend, aber doch beachtlich. Ich möchte als einer derer, die in den letzten I1'? Jahrzehnten an der Arbeit des deutsehen Misrachi beteiligt waren, und als der in den Jahren 1926—1933 teils allein teils mit A. Adler offiziell mit der Leitung der Geschäfte Betraute noch einmal die entscheidenden Punkte unserer Arbeit bezeichnen. 1. Wir haben versucht, über die doppelte Problematik der Judenheit und ihres traditionstreuen Teils aufzuklären, über den Zusammenhang zwischen Judenfrage und dem Problem des Juden t u m s, das uns besonders anseht, zu belehren. Wir waren Künder von Erez Israels historischer Rolle, seiner religiösen Weihe, seines Aufbaus Wert und Zukunft. Wir weckten Sinn und Liebe für die Gesamtheit unseres kulturellen Besitzes, für die hebräische Sprache und strebten eine echte Einheit des inneren Menschen an, die immer mehr verloren gegangen war. 2. Die Opfer Willigkeit suchten wir zu •wecken. Für die großen Fonds traten wir ein, und unsere eigenen Unternehmungen ließen wir nicht Not leiden. 3. Unsere Jugend erklärten wir für mündig. Sie ist hinfort nicht in Jugendgruppen organisiert, sondern stellt eine ebenbürtige Einheit dar: „Zeire Misrachi", die selbst wieder die Jüngsten als „Brith Hanoar" sammelt. Die klare Zielsetzung; „Thora wa - Awoda", die der „Brith Chaluzim datiim" am klarsten vertritt, findet unsere aktivste Unterstützung. Die früh begonnenen Hachschara-Versuche erstarkten allmählich, und die Reihe Betzenrod, Rodges, Gehringshof gehört zu dem Erfreulichsten, das sich an die Arbeit des deutschen Misrachi knüpft. Aber auch das ist gewiß nicht gering einzusdi ätzen, daS in den Reihen der Aelteren, teils unter dem unmittelbaren Einfluß der Leistungen unserer Jungen, teils weil die führenden Misrachisten der Gedankenwelt von „Thora wa-Awoda" sich näherten oder gar unterwarfen und sie dann mit ausbauten, die chaluzische und unbedingte Haltung, besonders der „Chaluzim dafiim" ständig an Sympathie gewann. Es gibt gewiß abweichende Meinungen innerhalb des Misrachi auch; über die Bewertung der Zeirim und Chaluzim. Aber es darf doch gesagt werden, daß in keinem anderen Lande der allgemeine Misrachi so sehr zum Verständnis des zur Verwirklichung strebenden Zair gelangt ist wie in Deutschland. 4. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland wäre nkM zu einer Gemeinschaft aller aktiven und konstruktiven Zionisten geworden ohne den Misrachi. Auch hier gab es Schwankungen. Es waren Zeiten,da die übrigen Gruppen uns ohne übermäßige Sympathie gegenüberstanden, und auch im misrachistischen Lager gab es zeitweilig nicht nur Opposition, sondern die Neigung, die Gemeinschaft in dieser Form nicht fortzusetzen, sondern den Dachverband zu bevorzugen. Es ist noch in der Erinnerung aller, wie in den letzten fünf Jahren das Wechselseitige Verständnis wuchs und eine beglückende Freundschaft die Gruppen einander näherte. Dieser Zustand hat sich bewährt und hat die Anerkennung auch derer gefunden, die meinen Freunden und mir 1929 ihre abweichende Meinung entgegenstellten. Nicht nur die Gesamtheit, auch die Partner haben Nutzen aus diesem Zustand gezogen. Auch unsere Hachscharah verdankt dem organisatorischen Bündnis viel, und auch in der Alijah sieht es in Deutschland besser aus als anderwärts. Nicht zuletzt darf der Misrachi sich dessen freuen, daß man in der Kulturarbeit seinen Menschen und Anschauungen bereitwilliger als anderswo das Ohr leiht. Es ist keine Frage, daß gerade diese Chance, die auf Wechselwirkung gegründet ist, für uns eine große Hoffnung bedeutet; denn es ist leider keine Selbstverständlichkeit, daß Vertreter von Gruppen, die sich religiös und kulturell so auseinandergelebt haben, geneigt sind, wieder geistige Probleme so kritischer Art miteinander zu erörtern. Der deutsche Misrachi, und damit der religiös« Zionismus, hat gerade in dieser Zeit folgenschwerster Entscheidungen in der jüdischen Welt die Aufgabe, den schweren Weg weiterzugehen, auf dem er bisher geschritten ist. In der Volksgesamtheit, an der Seite der Träger des Renaissancegedankens, der in Zions Aufrichtung gipfelt, unerschütterlich gewillt, diesem Willen eine klare religiöse Orientierung zu geben, entschlossen vor allem durch Tat und zähen Schaffenswillen diese Haltung auch vor Menschen anderer Auffassung zu legitimieren, ernst bemüht um die Gesetzestreuen jenseits der Zionistischen Organisation und um alles Wesentliche im Thorajudentum soll eine Ebene erreicht werden, der gegenüber alles bisher Getane nur als eine bescheidene Vorbereitung erscheinen wird. Oskar Wolfsberg, Jerusalem ZIONISTISCHE FRAUENARBEIT Die Zionistische Organisation hat von jeher Männer und Frauen die gleichen Rechte gewährt. Trotzdem sehen wir, daß von Anfang an, also kurz nach der Begründung des modernen Zionismus, auf dem I. Kongreß in Basel in Deutschland sieh um das Jahr 1900 Frauen zu einer besonderen Gruppe zusammenschlössen. Lina Wagner-Tauber gründete damals die „jüdisch-nationale Frauen-Vereinigung", die es sich zur Aufgabe machte, die Frauen enger mit der nationalen Auffassung vom Judentum zu verknüpfen und weitere Kreise dafür zu fewinnen. Außerdem richtete sie Ferienunterbringung für inder ein und versuchte, ihnen die jüdischen Feste durch schöne, gemeinsame Feiern lebendig werden zu lassen. Bei Ausbruch des Krieges nahm sie in erheblichem Maße an der Fürsorge für Flüchtlinge teil. Aus dieser Arbeit ist später das Kinder- und Jugendheim Ahawah entstanden. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palistina wurde im Jahre 1907 auf dem Kongreß im Haag auf Initiative von Frau Fanni Wolf söhn gegründet, die, wfe wenige Jahre später auch Frau Betti Leszyn sky, w" eine Reise nach Palästina als erste Frauen sahen, wie dringend notwendig die Hilfe der Frauen für Palästina war. Die Leitung dieses Verbandes lag in all den langen Jahren seines Bestehens in den Händen bewährter zionistischer Frauen. Die Leistungen von Frauen wie Frau Professor Warburg, Frau Dr. Leszynsky, Frau Sonja Grone« mann und vieler anderer sind im Kreise des deutschen Zionismus bekannt. Die Mitglieder suchte der Fr?',cn" verband in allen jüdisshen Lagern, um dadurch grö»'': Mittel für Palästina zu erhalten. Die Zentrale dieser una Deutschland, Belgien, Frankreich, England, Rußland, Oesterreich-Ungarn, Rumänien, Schweiz und U.S. A. verbreiteten Organisation war in Berlin. Beraterin und Vertreterin aw Arbeit m Palästina war in erster Zeit die früh verstorbene Sarah Thon, später Mariane Hoofien und Chat«" Maisel-Schochat. Ab der Verband seine Tätigkeit

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