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Jüdische Rundschau · 1935-01-15 · Heft 5 (15.1.1935) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 5 (15.1.1935)
Date
1935-01-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Berlin, den 1. II. 1935 Beilage der „Jüdischen Rundschau" 3. Jahrgang / Nr. 2 Reise ins Schul-Landheim Die Jüdische Schule in Stuttgart hat im vergangenen Jahr in Mühringen in der Nähe von Horb am Neckar schöne W'ochen im Schullandheim verbracht. Die Kinder des 2. und 3. Schuljahrs, insgesamt 26 Knaben und Mädchen, waren im Juli drei Wochen lang auf dem Lande, halten etwas Schule und führten im übrigen ein schönes Gemeinschaftsleben. Der Lehrer, der dabei war, hat aus den Tagebüchern, die die Kinder führten, ein Gesamt-ragebuch zusammengestellt, an dem also alle Kinder mitgearbeitet haben. Der Anfang dieses Tagebuches, der die ersten vier Tage beschreibt, wird auch euch gewiß Freude machen. (Red.) llJllggl IUI rinfn^tinflQ^iit &^LK&£) 9kViPAQ ipiViP 1. Tag Hurra! Heute geht es nach Mühringen! Um 10.30 Uhr haben wir uns im Schulhof aufstellen müssen. In geschlossenem Zuge ziehen wir von der jüdischen Schule zum Bahnhof. Dort stiegen wir in den Zug 3. Klasse. Die Reise war sehr lustig.- Ich aß ein Pfund Pfirsiche. Die Landschaft wrar herrlich. Wir sahen viel Wiesen im Zug. In Böblingen sahen wir den Flugplatz. Endlich sind wir nach Horb gekommen. Dann haben wir umsteigen müssen. Und in Eyach auch. Dann sind wir in Mühringen gelandet Ich bin sehr gut angekommen. Als wir dort in dem Bahnhof standen, empfingen uns Schwester E. und Fräulein A. Dann gingen wir ins Schwarzwaldheim. Dort wurde uns gezeigt, wo wir unsere Mäntel ablegen konnten. Nun wurden wir zum Kaffee gerufen. Wir tranken Kakao und aßen Streuselkuchen. Bei Tisch mußten wir ganz still sein. Nach zwei Stunden kam Dr. B. Nachher schrieben wir heim. Als wir fertig waren, spielten wir im Garten und sprangen noch eine Weile herum, bis wir zu Nacht aßen. Abends wurde eine Kasperle-Vorstellung gemacht. H. E. und ich machten die Aufführung. R. F. hat den Ansager gemacht. Ich habe der R. F. meinen Schlafanzug geliehen und meine Kneipp-Sandalen. Dann gingen wir ins Bett. Als wir im Bette lagen und die anderen alle schon schliefen, konnte ich noch nicht schlafen. Da bekam ich Heimweh und fing an zu weinen. Frl. A. mußte es wohl gehört haben, denn sie kam herein und holte mich in ihr Zimmer. Dort konnte ich dann endlich einschlafen. 2. Tag Ich wachte schon ganz früh auf. Ich mußte noch eine Weile im Bett liegen, bis wir aufstehen durften. Um 6.30 Uhr standen wir Buben auf. Die Mädchen erst um 7 Uhr. Wir bekamen einen Doppel-Weck und Kakao. Als wir gefrühstückt hatten, mußten wir uns aufstellen. Wir sind gleich in den Wald * gegangen. Mir gefällt die Natur am besten. Dort haben wir Naturkunde gehabt. Wir sprachen von Bäumen und allerlei Pflanzen. Herr B. sagte uns, wie die Bäume heißen. Auch fanden wir Galläpfel. Wir schnitten die Galläpfel auf, und da fanden wir ein Würmlein. Als wir gelernt hatten, gab es Vesper; es gab Birnen und Butterbrot. Dann gingen wir auf den Sportplatz, dort turnten wir. Wir machten Stafettenlauf. Gruppe II gewann. G. R. schmiß mich deshalb hin. Um 12 Uhr gingen wir heim. Nachher aßen wir zu Mittag und benschten. Dann mußten wir leider schlafen. Nachher gingen wir ins Bad, da war es sehr schön und gaudig. Abends gingen wir ins Bett und bekamen Betthupferle (Süßigkeiten). Diesen Abend konnte ich gut einschlafen. 3. Tag Als ich aufwachte, war es 7 Uhr. Da lag ich still im Bett. Auf einmal kam Frl. A. herein. Da legte sich G. F. hin, wie sie schlief. Heute gingen wir nach Höhen-Möhringen. Da lasen wir die Sprüche. Da war ein großer Spruch, ich weiß nicht, wie er heißt. Dann gingen wir in den Stall. Da sah ich, wie das Futter mit der elektrischen Futterschneidemaschine geschnitten wurde. Dies war sehr interessant. Dann gingen wir hinunter und der Herr, der dabei war, tat es in einen Korb einfüllen und trug es in den Stall. Dann gingen wir zu den Kühen, da waren so schöne Kälbchen. Dann gingen wir zu dem Gaul. Wir härten auch zwei Fohlen gesehen, aber die waren auf der Weide. Wir liefen direkt zu der Wiese, da ließ der Bauer zuerst die Kälber und die Ochsen heraus, dann ging er zu den Fohlen. Sie sprangen ganz allein in ihren Stall. Dann sahen wir das Schloß an, da sah man noch die Schießscharten. Nachher gingen wir in die Fallbrücke, die war schön. Davon erzählte uns Herr B. allerlei Geschichten. Dann lagerten wir und sangen „Anu olim arza". Dann hatten wir biblische Geschichte. Nachmittags, nachdem wir geschlafen hatten, gingen wir mit Schwester E. baden. Da wollte ich gar nicht ins Wasser gehen. Da zog mich die E. L. ins Wasser. Nachher konnte ich allein laufen. Gerade als wrir nach Hause wollten, begegneten uns die Buben, die mit Herrn B. ins Baden gingen. Als wir wieder heimkamen, mußten wir uns gründlich waschen. Dann mußte jeder sagen, welchen Schabbos-Anzug er braucht. Dann spielten und malten H. E. und ich ein Bild für G. M., weil sie am Samstag Geburtstag hatte. (Und zwar ^* i—' /ywvw^ •T. Sk.

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