Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 103-104 (29.12.1933)
- Date
- 1933-12-29
- Page
- Seite 1035 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 103/104, 29. XU 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 1025 Berliner Rundschau Palästina «Ausstellung in Berlin Die große Palästina-Ausstellung der BZV. findet, wie wir hören, in der Zeit vom 21. bis 28. Januar 1934 statt. Die BZV. hat sich für die Veranstaltung sämtliche Säle und Nebenräume des Logenhauses Kleiststraße 10 gesichert. Die künstlerische Leitung liegt in Händen eines bewährten zionistischen Werbegraphikers. Er arbeitet z. Zt. in dem eigens geschaffenen Ausstellungs-Atelier mit einem Stabe von Fachleuten — Graphikern, Dekorateuren, Photographen usw. — an den Vorbereitungen. Wie die B. Z. V. mitteilt, wird in Kürze Näheres Uber das Programm, den Aufbau und die Gliederung der Aus- Stellung mitgeteilt werden. Vorträge und Konzerte Neubesetzungen im ״Othello". Die Kulturhundaufführung des ״Othello‘‘ hat einige Neubesetzungen wichtiger Rollen erfahren. In erster Linie ist die Rolle des Jago zu nennen, die an Stelle von Fritz Wisten mit Max Koni ns ky besetzt worden ist. Dieser Jago sah nicht seine Stärke darin, das bewegende Element in dein tragischen Ablauf der ״Othello"- Tragödie zu betonen. Man empfand daher in jedem Augenblick seine starke innere Verbundenheit mit den übrigen Hauptpersonen des Dramas, die durch ihn gleichsam bewegt werden. Allerdings bleibt es etwas fraglich, ob Jago seinen Partnern immer glaubhaft erscheint. Ihm fehlte so sehr jeder Glaube an sich, den wir Heutigen auch bei dem dämonischen Schurken suchen. Es war daher kein ״moderner“ Schurke, den Koninsky auf die Bühne stellte. Die Des demona gab Ruth Reimer (an Stelle von Käthe Förder) mit starker Innigkeit, aber vielleicht etwas allzu betonter Passivität. Dem Rodrigo verlieh Heinz Schönfeld (an Stelle von Fred Alexander) eine betont tölpelhafte Maske, die aber im Wechselspiel mit Jago den Ablauf des Ganzen durch ihre Kontrastwirkung belebte. — Man mußte be) dieser Aufführung konstatieren, daß nicht nur flott, sondern auch innerlich verdichtet gespielt wurde. Das Bühnenbild ist besonders zu rühmen. Bleibt die Frage, ob gerade Othello utts etwas zu sagen hat. Der jüdische Zuschauer und Zuhörer ist oft genug geneigt, an Stelle des Wortes ״Mohr“ das Wort ״Jude" zu setzen und den Sinn der ״Othello“-Tragödie, jener übersteigerten Ehismpfindlichkeit des mit einem deufliehen Stigma versehenjn Außenseiters, auf sich seihst zu beziehen. Trotzdem: Shakespeare hat es ganz gewiß nicht so gemeint und wollte im Grunde nttr eine individuelle Tragödie geben. Es ist daher nit mit allergrößter Vorsicht möglich, hierbei aktuelle Paralleen zu ziehen. u. Sinfoniekonzert des Das Orchester des Ku ein halbes Jahr alt. In Taube und Josef Rose: der in den Streichern h hat, der in den Biäseiji, Bildung und Aufstieg Erziehungs- und Aufb; Orchester noch von an Dirigenten geleitet (ufturbundorcliesters am 2t. 12. 1033. urbundes deutscher Juden ist etwa äher Erziehungsarbeit haben Michael :stock einen Klangkörper geschaffen, ite schon eine seltene Kultur erreicht viel schwerer ist, noch in egriffen ist. Es geht nicht an, diese larbeit dadurch zu stören, daß das eren, und noch dazu nicht so guten Das kann man sich bei einem Ordas nichts (oder geschaffenes Kulturgut, meist er steht, der tmp und daß infolgedcss jahr/ehnte tnger Tradition leisten, den! schadet halben Takt auseinandc knapp zusammen finden, schwitzt. Es geht niclv B-Dur, die schon Führung an sich Striche das Orchester die Oberon-Ouvertüre Stücke der romantischen stellenweise gelacht, a klatscht. Und liier lieg nämlich in eine (ieniigs meicrci und Dilettantisi 1 geboten geht hier aber um e 's geht nicht an, daß oben ein Kapellzis, undeutlich, verwirrend dirigiert, bei der Begleitung eines Klavier- 'konzertes der Solist uid das Orchester streckenweise einen sind und sich notdürftig am Schluss daß der kritische Hörer vor Angst 1, daß bei einer Schubert-Sinfonie, Taube vor Monaten vortrefflich gespielt wurde, der (eher falls vortreffliche) Konzertmeister die und durch Blicke und sehr kräftige lsainineuliält. Und endlich, muß denn espielt werden, eines der schwersten Orchesterliteratur? Die Hörer haben Scli 111 ß aber begeistert. Beifall gedie Hanptgefahr: die Hörer werden mkeit hineirnjetrieben, die in Vereins- 1s enden muß, Es sollen doch Höchst- Ich; aber so yvird es nicht gehen. So geht die Kultur der H ör e r und d e r S p i e I e r zugrunde. Wenn durch die Zeitvtrlviltiiisse jüdische Dirigenten kein« Steilung mehr finden, $0 soll man sie anderweitig zu beschattigen suchen, als Begleiter, Chorrepetitoren, am Schlag• zeug־׳ usw. Aber das kostbare Gut des Orchesters steht viel zu hoch, als daß man es jetzt Experimenten ausliefern darf. Dr. Oscar 0 u 11 in a n n. Konzert des Roskinschen Chors.. Zum Besten der Vereinigten Jüdischen Wohlfahrts- und Jugendämter von Ciiar. lottenburg und Berlin-Nordwcst veranstaltete der Roskinsche Gemischte Chor unter Leitung von Janot S. Roskiu ein Konzert im Rniderveremshaus. Das Programm setzte sich überwiegend aus Vertonungen biblischer Texte zusammen, vor allem aus Händdschen, Mendelssohn sehen und Lewandowskisehen Kompositionen. Die Vorträge des gut disziplinierten Chors fanden reichen Beifall. Zum Gelingen des Abends trugen nicht minder die Darbietungen von Toni Türk, Toni Dascn, Charlotte Rosen u. a. bei. Bunter Abend. Im Logensaal, Kleiststraße, fand am 2b. Dezetnber ein Bunter Abend statt. Man wollte wohl diesem Abend eine jüdische Note geben und begann mit Bruchs Paraphrase über Kol nidrej für Violincello und Klavier. Aber man sollte diese minderwertige Verwendung einer Melodie, die zwar nicht ausgesprochen jüdisch, aber doch durch ihre Stellung im jüdischen Gottesdienste Unzähligen, heilig ist, endlich ruhen lassen. Auch den Jehtida Halevvsclien Hymnus ״Jo schimcho“ halte ich aus ähnlichen Gründen für fehl am Ort an einem Hunten Abend, abgesehen von seiner sehr schwachen musikalischen Fassung. Ueberhaupt war dieser Abend ein wenig z u bunt und in seiner Zusammensetzung nicht gerade stilvoll: Hufaay neben Brahms, Schubert neben Philipp Scharwenka. Die Künstler fanden aber bei dem Publikum, dem die Leistung näher liegt als eine gewisse Einheitlichkeit des Programms, Beifall: Rose Walter; Stella Hay, eine amüsante Rezitatorin; für den erkrankten Willi Prager ganz charmant Elli Bannas mit Chansons; Maurits van den Berg, der Violinist, und Gottfried Zeelander, der Violon- Cellist, beide seit langem bewährt, die sich mit der ausgezeichneten Pianistin Erna Klein auch zu einem Trio vereinigten; und, bei der Fidelitas, der sehr lustige und verbluffend musikalische Harry Hauptmann. Dr. Oskar Guttmann. Eine Piippensplel-Truppe. Sie heißt ״Tcwa“, wird geleitet von Arie Sborowitz, ihre Mitglieder sind größtenteils Chaluziin. Zu Chanukka!) hat sie sieh in mehreren Bezirken der BZV. bei den Feiern der Kinder (und einmal sogar auch bei den Erwachsenen) vorgcstellt, und hatte großen Ertolg. Aufgeklärt wurde ״Die Arche Noah“ von Albert Baer. Viele von uns kennen das Stück schon, und wir brauchen darüber deshalb nicht zu berichten. Wie das aufgeführt wurde, das ist der höchsten Anerkennung wert. Man sah wohl selten eine Puppenbühne von diesen Ausmaßen, mit Puppen, deren Köpfe lebensgroß sind und selten wohl ist von allen Mitarbeitern eines ״Kasperle" mit soviel künstlerischem Ernst und Enthusiasmus gearbeitet worden. Ausgezeichnet die Figurinen von Annic Sborowitz-Her/fekl. Ausgezeichnet auch Regie und Darstellung. Chanukkah-Abend der BZV. ,Meinhart Maur rezitierte ein neues jüdisches Programm. Maur verstand es, durch eine sehr gut gewählte Zusammenstellung seiner Vertrüge und durch sein Einflüßen in den Stoff, den er außerordentlich lebendig gestaltete, seine Hörer zu fesseln. Besonders erwähnenswert war die Rezitation von ״Birkath am“ von Bialik. Den Ucbcrgang aus dem ernsten ersten Teil zu dein ,,König der Schnorr er" bildete die Wiedergabe ״Wenn nicht noch höher“ von Perez. Starker Beifall dankte dein Künstler für diesen überaus gelungenen Abend. Chanukkahfeicrn der BZV. Erwartungsgemäß vereinten die von fast sämtlichen Bezirksgruppen der BZV. veranstalteten Chanukkahieiern Tausende von Zionisten und Palästinafreunden mit ihren Angehörigen. Die Feiern gaben ein anschauliches Bild von der Intensität des jüdischen Lebens in der BZV. Die Bezirksgruppe T e in p e 1 h o f bot ein erstklassiges künstlerisches Programm. Frau Lola Polajewer brachte mit ihrem schönen Sopran Lieder zu Gehör. Frau Ilse Intrator-Davidsohn rezitierte mit Wärme jüdische Dichtung. Herr Josef S. Lengyel, ein früheres Mitglied der Berliner Städtischen Oper, der schon am Anfang der Feier die Lichter zündete, erfreute die Zuhörer mit dem Vortrag hebräischer und chassidischer Lieder. Am Flügel wurde er von dem Pianisten Gustav Sabel begleitet, der dann noch mit einigen Klaviersoli reichen Beifall erntete. Oberkantor Karl Neumann vom Friedcnstempef sang u. a. ״Das jüdische Lied“. Zusaminen mit Hermann Kant brachte er Duette zu Gehör. Reicher Beifall dankte den Sängern, die von Boris Matusis am Flügel begleitet wurden. Weiterhin hörte man die Violinistin Lotte Deborah Fecker, die Niggunim aus ״Baal Sclieem“ zum Vortrag brachte. Jugendliche Mitglieder führten eine Satire mit dem Titel ״Vor einem Jahr“ auf. — Im Rahmen der Feier der Bezirksgruppe Hansaplatz sang Kantor Akiba Schreiher mit warmer schöner Stimme, Frl. Lotte Gutmann trug jiddische und hebräische Lieder mit großem Erfolge vor. Hans Baer brachte mit bew ährter pianistischer Meisterschaft eigene und fremde Kompositionen zu Gehör. In vorgerückter Stunde fanden verschiedene Mitglieder mit ihren Vorträgen reichen Beifall. — Die Bezirksgruppe Süd stellte in den Mittelpunkt ihrer Feier einö Festansprache von Dr. David Schloßberg über: ״Das Makkabäer-Ideal in unserer Zeit". Die Rede fand lebhaften Beifall bei den zahlreich erschienenen Zuhörern. Mascha ßenjakonski — dem Berliner jüdischen Publikum schon von dem ersten von der BZV. veranstalteten hebräischen Abend her bestens bekannt — brachte hebräische Lieder zu Gehör. Der starke Beifall zwang sie zu immer weiteren Zugaben. Rita Hirschberg war ihr eine verständnisvolle Begieiterin am Klavier. Leo Stein sang, von Rosi Klein sehr gut begleitet, mit schöner Stimme Roskinsche Lieder. Kurt Steinitz und Rita Hirschberg erfreuten mit dem Vortrag jüdischer Violin- und Klaviermusik. Glowinski brachte in ausausgezeichneter Weise jüdische Dichtungen zu Gehör. Am Schluß der Feier trug Arthur Sawad.v auf dem Klavier mit großem Erfolg eine Chamikkahphantasie vor. — Bei der Feier der Bezirksgruppe J a n n o w i t z b r ii c k e wirkte deren Jugendgruppc mit. Sie führte den Sketch ״Die Paradiesäpfel" von Groneinann mit großem Erfolg auf. Weiterhin sang der Chor der Jtinggruppc hebräische Lieder. Leo Stein und Glowinski wirkten auch hier mit großem Erfolge mit. — Die Feier der ßezirksgruppe Bayerischer Platz wurde von deren Juucgruppe vorbereitet und ausgcstaltef. Mitglieder der Junggrtippe sangen hebräische Lieder. Im Mittelpunkt der Feier stand eine programmatische Rede von R.-A. Benno Cohn, dem Vorsitzenden der ßezirksgruppe. Die Feier diente vornehmlich der Pflege des Konnexes unter den Mitgliedern. Deshalb wurde von einem besonders festgelegten umfangreichen Programm Abstand genommen. — Im Vordergrund der Clianiikkalifeier der Gruppe F r i cd r i c h s h a i n stand der Vortrag von hebräischci! Liedern und Niggunim durch einen ausgezeichnet geschulten Chor. ־- Die Bezirksgruppe Nord führte hei ihrer Clianiikkalifeier den Lichtbildstroifcn ״Feste in Erez Israel" vor, zu dem Norbert Reiclt einen sehr lebendigen Begleitvortrag hielt. Auch hier führten jugendliche Mitglieder die Satire ״Vor einem Jahre“ auf. Herr Glowinski wirkte auch bei dieser Feier mit dem gleichen großen Erfolg mit, den er mit seinem Vortrag jüdischer Dichtungen in den Bezirksyriippen Süd und Jannowitzhrücke hatte. Der Klaviervortrag von Herrn Sawady fand hier reichen Beifall. Vortrag von Dr. Schloßberg. In den Passage-Festsälen, Neukölln, sprach am 21. Dezember Dr. David Schloßberg in einer Veranstaltung der Rezirksgruppe Neukölln iiber das Thema ״U n t e r g a!1 g oderErneiieriin g". Der Referent kennzeiclmete den Weg der Assimilation und scliilderte die Rolle Ercr Israels für die Gesamtheit der Juden. Die Zuhörer folgten den Ausführungen des Redners bis zum Schluß mit gespannter Aufmerksamkeit. In der Jüdischen Volkshochschule hielt Dr. Oskar Guttmann einer! Vortragszyklus über das Thema: ״Gab es oder gibt es eine jüdische Musik?" Ausgehend von den Berichten der Bibel versuchte der Vortragende durch Analogie mit der griechischen Musik, dem gregorianischen Kirchengesang und heutiger orientalischer Musikausübung, gestützt namentlich aut die reichen Forschungen Idelsohns, ein Bild altliebräisclier Musik zu geben. Es folgte eine Darlegung der Akzente, der Musik der tatmudischen Zeit und des Mittelalters ihr! schließlich eine kritische Betrachtung der heutigen Synagogal- Musik. Ihre Erneuerung, teils durch ganz neue Kompositionen, teils durch Anlehnung an wirkliches orientalisches Erbgut wurde vom Vortragenden gefordert. Die sehr interessanten Ausführungen wurden durch Schallplatten unterstützt. Leo Kopf. Berichtigung. In dem Bericht über das Chanukkah- Kinderfest der Berliner Zionistischen Vereinigung ist irrtümlieh nicht vermerkt worden, daß dieses Kinderfest von der Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina und der Berliner Zionistischen Vereinigung gemeinsam veranstaltet wurde. Zionistische Veranstaltungen Zionistisches Seminar. ״Geschichte des Zionismus". 2. Januar! ״Po- 1 Mischer, praktischer und synthetischer Zionismus", Dr. Salti Hirsch. — Der Kursus VII iiber ,,Zionistische Politik“ findet am 3. Januar nicht statt, sondern wird erst am tO. Januar fortgesetzt. Die Vorträge finden im Logenhnu-., Klciststr. 10, um 20.30 Uhr statt. Bezirksgruppe Hansaplatz.: Bezirksgruppe Süd: 4. 1., 20.30 111! Arbeitsgemeinschalt ״Ivria“: 2. 1. Klub Junger Zionisten. Brith Chatuztm Dathiin Hebräischer Cbn Ankündigungen Kulturbund De der Jtidi« Die Freie Jüdische Volkshochschule Dr. X!!B״ miI: 19. Jah Adnss Jisroel Das Pa tenschaftsk וחס ite Aus den Vereinen ,Kulturbund De ahcmlen Neuer Synagogenvcrdn Rykestratä״ Dr. 11. Harmonium begleitet.