Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 86 (27.10.1933)
- Date
- 1933-10-27
- Page
- Seite 707 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653809--24272-2687213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1933 Nr. 86, 27. X. 1933 JÜDISCHE RUND SICH AU Seite 705 r Flüchtich Paris I age. Die Hingabe sorge 7.u| Organ itgcn und | Jmfanges icn, sollte |;stimmen, jngen zu| ation de ■asch und I zllte nicht I in Frage[ :ende von anderen :n werden! e Verant- 1CS״ tzung des!;rung der| a Us ge■ Ausdruck | usammen• jüdischen | ndstagung|!m Ubereirat, an. über diel ommissionf iir Flüchtein Verde, deutet /ölkerhumll ihre Tore[ lerern ans[ Ausdruck,[ hen Deleskonferenz jüdischen der deut-l ionen dar-j r, wie die[ hilfe funk-l werde mit! sollen, h diel . werdafür! 'lücht-| derern I e ת t• I e u ttee Neville| 1 kommenskonferenz, den Bcrais'd sprach[ gen werde, icn in ge• m!ssar?| :hster Kan■ gilt derzeit zender der Expräsi■ lerzeit zur ars vorn׳■• nicht mehr idatur vor! ander oder eteilt. Das ünden die a. ß dem aus tüngsbeirat den in Pa• stimme zu• «!(samt sie Arbeit?• icht zur noch vor nmlung ab• perschaften, beschlossen 1en־Amt iw gsfrage er- 5 der Ent•; der inter• rbeiterdele■ und der Ser Hinweis! zugunsten Governing eitsbüro zu Angelegenederung haft ver־ Pa■ 3 n vom der 5500 Palästina~Zertiflkale Jerusalem, 23. Oktober. (J.T.A.) Wb amtlich mitgeteilt wird, hat die Palästina-Regierung für <8• Eimranderungsperiod« Oktober 1933 bis Mir« 1934 (einchlieBUch der 2000 im voraus ausgegebenen Einwanderungszertifikate) nur 5500 Zertifikate bewilligt, von denen 500 zur nachträgliehen Legalisierung dea Aufenthalts von Touristen, die ihr« Aufenthaltsfristen überschritten haben. zurOckbehaiten werden. High Commisaioner Sir Artur Wauchopt bezifferte zwar die Aufnahmefähigkeit des Landes im nächsten Halbjahr mit 6500 Arbeitereinwanderern, ließ sich jedoch bei der Festsetzung der Zahl der Zertifikate von der Annahme leiten, daß In dieser Zeit rund 1000 Tourieten die Ihnen gewährte Aufenthaltstrist überschreiten und freie Stellen auf dem Arbeitsmarkt besetzen würden. Sofort nach Ankündigung der neu festgesetzten Zertlflkate-Zahl sprachen die Mitglieder der Palästina-Exekutive, Mosche Schertok und David Ben Gurion, beim High Commissioner vor und wiesen darauf hin, daß die offiziellen Schätzungen der Palästina-Regierung den wirtschaftlichen Bedürinlssen des Landes nicht Rechnung tragen. Die Drosselung der Arbeitereinwanderung müsse notwendigerweise wichtige wirtschaftliche Arbeiten beeinträchtigen. Die Vertreter der Palästina-Exekutive betonten, daß die Frage der Palästina- Einwanderung mit Rücksicht auf die Lage in Mitteleuropa im Zentrum der Aufmerksamkeit der jüdischen Welt stehe. Obwohl im Verlauf der Unterredung alle Anstrengungen gemacht wurden, eine Verständigung zu erzielen, blieb die Entscheidüng der Palästina-Regierung vorläufig aufrecht. Die Entscheidung der Palästina-Regierung über die Zahl der neu auszugebenden Palästina-Zertifikate erscheint in einem besonderen Licht, wenn man die Propaganda berücksichtigt, die die arabische Presse auch noch nach der mißlungenen Kundgebung am 13. Oktober gegen die jüdische Einwanderung entfaltet nat. Die in Jaffa erscheinende arabische Tageszeitung ״Falestin“ brachte in den letzten Tagen alarmierende Nachrichten über den Umfang der bevorstehenden jüdischen Einwanderung und erklärte, innerhalb der nächsten Monate würden 25000 Juden das Land überfluten. Die Zeitung *teilte mit Befriedigung feit, daß die Unzu- Iriedenheit der arabischen Bevölkerung mit den englischen Behörden zunehme und beglückwünschte die arabischen Führer zu der neuen politischen Richtung, die sie eingeschlagen haben, indem sie ihren Kampf gegen die englische Verwaltung selbst führen. Die Ziffer der für das nächste Halbjahr bewilligten Einwanderungs-Zertifikate wird gewiß die jüdische Oeffentüchkeit und besonders die zur Auswanderung bereitstehende Jugend in der ganzen Welt schwer enttäuschen, Hatte man doch vor kurzer Zeit gehört, daß die jüdisehen Stellen eine Zahl von Zertifikaten verlangt haben, die in die vielen Tausende geht (man sprach von 22 000 bis 25 000). Die ״Jüdische Rundschau“ hat diese Gerächte nicht veröffentlicht, weil sie nicht auf authentischen Mitteilungen beruhten und wir e« für unrichtig hielten, daß im Verhandlungsstadium überhaupt solche Veröffentlichungen, die zu übertriebenen Erwartungen Anlaß geben, stattfinden. Die Vermutung liegt sehr nahe, daß das Reden über diese hohen Ziffern die scharfe Reaktion der Araber veranlaßt hat. (Arabische Zeitungen schreiben von der bevorstehenden Ueberflutung des Landes durch 25 000 Einwanderer in den nachsten Monaten — Angaben, die dann von jüdischer Seite wieder als übertriebene Propaganda bezeichnet wurden.) Die Palästina-Regierung hat die Demonstration der Araher am 31. Oktober nicht gestattet. Sie ist aber offenbar der Meinung, daß sie eine gewisse Rücksicht auf die Stimmung der arabischen Kreise nehmen muß. Wenn nun die Ziffern der bevorstehenden Einwanderung und der geforderten Zertifikate in der Oeffentlichkeit — offenbar von beiden Seiten — so übertrieben werden, so scheint uns das kein richtiger Weg zu sein, um eine faktische Erleichterung durchzusetzen. Wie aus Palästina gemeldet wird, besteht an vielen Orten ein fühlbarer Mangel an Arbeitskräften, und es ist daher anzunehmen, daß die Einwanderer, die auf die neuen Zertifikate ins Land kommen, in kurzer Zeit Arbeitsplätze gefunden haben werden. Der Arbeitermangel wird aber dadurch noch nicht behoben sein. Die jüdische Welt erwartet, daß die Palästina- Regierung sich nicht schematisch an das unter ganz anderen Verhältnissen festgelegte System, Zertifikate für ein halbes Jahr im voraus zu bewilligen, klammern wird, sondern daß sie auf den tatsächlichen Bedarf sowohl des Landes, als auch der auswanderungsbedürftigen Massen Rücksicht nehmen wird. Während der letzicn Tagung in Genf ist von allen Seiten, auch von seiten des englischen Vertreters, anerkannt worden, daß die Judenfrage als Wanderungsaufgabe ein internationales Problem geworden ist, das gewaltige und außerordentliche Anstrengungen zu seiner Lösung erfordert. Es wurde auch in Genf von verschiedenen Seiten!darauf hingewiesen, daß eine zeitweilige Unterbringung von Emigranten in einzelnen Ländern, wo sie doch nicht endgültig bleiben und einen Lebensunterhalt finden können, nicht zweckentsprechend ist und nur eine neue Rase des jüdischen Wanderungsproblems schafft. Ein- % und allein durch die Leitung des Auswanderungs- Stromes in ein Land, wo die Wanderer dauernden ufenthalt für sich und ihre Nachkommen finden können, «0 sie demgemäß psychologisch und materiell in der age sind, sich eine neue Existenz durch Einsatz ihrer rbeitskraft und ihres Enthusiasmus aufzubauen, kann 'ic Wanderungsfrage ihre Lösung finden. Dieses Land ׳er jüdischen Zuflucht kann aus Gründen, die oft aus- :«führt worden sind, nur Palästina sein. Das Jüdische Nationalheim in Palästina soll unter foller Berücksichtigung der arabischen osition im Lande gebaut werden. Die ״Jüdische undschau“ ist stets dafür eingetreten, daß nicht nur ie ökonomischen Interessen der Araber voll berückfichtigt werden, sondern auch ihr politischer Stanicht durch di« Zunahm« der jüdischen Bevölkerung { beeinträchtigt wird. Wir sind auch heute der Meinung, daß ein Weg gefunden werden muß, um dieses komplizierte Problem in völkerrechtlich zulänglicher Weise zu lösen. Df* Juden brauchen niemanden zu verdrängen, weil sie durch die Modernisierung und Technisierung des Landes die Aufnahmefähigkeit für ein vielfaches der heutigen Bevölkerung teilweise bereits geschaffen haben und Im Laufe des Wirtschaftsprozesses immer weiter schaffen. Selbst wenn vielleicht wirtschaftliche Rück- Schläge kommen sollten, wird die Wirtschaftsbasis in Palästina noch immer bei einer starken Bevölkerung tragfähiger »ein, als wenn Palästina In dem rückständigen Wirtschaftszustand und mit der verarmten und verelendeten Bevölkerung geblieben wäre. Die jüdische Auswanderung ist, nachdem viele alte Positionen der Juden vernichtet sind und sie eine neue Lebensbasis suchen müssen, ein Punkt, der nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden kann. Je gründlicher das Problem angepackt wird, um so leichter wird die Behandlung der Sache für alle Beteiligten. Der Zionismus hat den Weg gewiesen, indem er schon vor Jahrzehnten Palästina als das Land erkannte, wohin die jüdische Auswanderung gelenkt werden muß. Wenn jetzt geplant ist, im Anschluß an die Ernennung eines Hochkommissars die Fragen der jüdischen Wanderung zu regeln, wird das Palästina- Problem sich von selbst in den Vordergrund drängen, schon weil die Möglichkeiten der Einwanderung in a n - dere Länder sich auch bei gutem Willen dieser Länder als beschränkte erweisen werden. Dann wird der Hochkommissar für Judenwanderung gezwungen sein, mit dem Hochkommissar für Palästina Verhandlungen einzuleiten. Die Frage der Zertifikate ist in ein neues Stadium gerückt und kann nicht nach alten Schablonen behandelt werden. Wenn jetzt 5500 Zertifikate gegeben wurden, so sollte zunächst die Verwendung dieser Zertifikate einsetzen. Das neue Anschneiden dieser Frage wird sicherlich vor April 1934 akut werden. Die Jewisb Agency hat, wie berichtet wird, bei der Mandatarmacht gegen die zu geringe Ziffer der Zertifikate protestiert; eine große ״Protestaktion“ dagegen einzuleiten, scheint uns aber unzweckmäßig. Die Einwanderungsfrage wird ohnedies in kurzer Zeit zu einer neuen Behandlung reif werden. Es wäre aber zu empfehlen, inzwischen einen Weg zur Klärung des politischen Problems zu suchen, das sich aus der Gegnerschaft der Araber zwangsläufig ergeben muß. Demonstration In Jaffa verboten Jaffa, 25. Oktober. (J. T. A.) Die arabische Exekutive beabsichtigt, In Jaffa am Freitag, den 27. Oktober, eine ähnliche arabische Demonstration gegen die jüdische Ein- Wanderung zu veranstalten, wie sie am 13. Oktober in Jerusaiem versucht wurde. Die arabischen Bootsleute des Jaffaer Hafens sind aufgefordert worden, in den Streik zu treten. Der Distriktskommissar Crosbie warnt die arablsehen Führer davor, die Weisungen der Exekutive auszuftihren. Auch an die Bootsleute ist eine entsprechende Warnung ergangen. Der Distriktskommissar kündigt an, daß der geplante Demonstrationszug, zu dem in der Umgebung von Jaffa angesammelte Gruppen stoßen sollen, verhindert werden wird. Die Poiizeikräfte ln Jaffa wurden verstärkt. Während die erwachsene arabische Bevölkerung keinerlei Neigung zeigt, verbotene Kundgebungen durchzuführen, tritt die Jugend begeistert für die Demonstration ein. In Jaffa ist Polizeikommandant S p i c e r eingetroifen, der dort bis über den Freitag bleiben wird. In Tei-Awiw herrscht keine Beunruhigung wegen der geplanten Kundgebung. Der Sekretär der arabischen Exekutive, Moghanan Ef f endi, erklärte dem J. T. A.-Vertreter nach einer Audienz der arabischen Exekutive beim High Commissioner, dieser habe den Mitgliedern der Exekutive seinen Entschluß, jede Demonstration zu verbieten, mitgeteilt und sie darauf aufmerksam gemacht, daß die Teilnahme an verbotenen Kundgebungen strengstens bestraft werden würde. Jüdischer Appell an die Araber Jerusalem, 24. Oktober. fj.T.A.) Der Waad l-eumi, der als Repräsentanz der palästinensischen Judenheit öffentlich-rechtlich anerkannte Jüdische Nationalrat, hat einen Aufruf an die arabische Bevölkerung erlassen, in dem die günstige Auswirkung der jüdischen Einwanderung als eines aufbauenden Faktors auf die Wirtschaft Palästinas hervorgehoben wird. Es wird auf den Gegensatz der Wirtschaftsläge Palästinas zu der der Nachbarländer hingewiesen, aus denen ein ständiger Zuzug von Arabern festzustcllen ist. Zahlreiche Araber seien in jüdischen landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt. Der allgemeine Fortschritt des Landes sei der arabischen Bevölkerung zugute ge ko m - men, die sich von 1922 bis 1931 um 225000 Seelen vermehrt habe. Jüdischer Unternehmertätigkeit sei es zu danken, daß die Regierung einen so hohen Verwaltungsüberschuß erzielen konnte, was ebenfalls der Gesamtbevölkerung zum Vorteile gereiche. Daher richte der Waad Leumi an die arabische Bevölkerung den Appell zu Frieden und Verständ i g u n g; das einträchtig durchgefühlte Aufbauwerk werde zur Wohlfahrt Aller führen. Die Judenheit der Diaspora wird aufgefordert, ihre Arbeit im Dienste der Palästina-Einwanderung und des Palästina-Aufbaus zu beschicunigen und zu verstärken. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinillllllllllllllllllllllllilillllllllllllllffl Sprechstunden der RedaMfon: Dienstag und Mittwoch 4—6 Uhr nachmittags, Freitags 10—12 Uhr vormittags. Wir bittan, diese Zeiten unbedingt einzuhalten. Redaktion der Jüdisdten Rundsdiau. Du ater, Jißrael, mein Knecht, Jaakob, den ich wählte, Same Abrahams, meines Liebenden! du, den ich erfaßte von den Rändern der Erde her, von ihren Achseln her habe dich ich gerufen und sprach zu dir: Mein Knecht bist du! Gewählt habe idi dich einst und habe dich nie verschmäht,— fürchte dich nimmer, denn ich bin bei dir, starre nimmer umher, denn ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich helfe dir auch, id\ halte dich auch mit der Rechten meiner Wahrhaftigkeit. (Jesaja 41, 8—10, übersetzt von Martin Buber) Aus der Haftara für Sonnabend, 28. Oktober Die Vorgänge des 13. Oktober Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 16. Oktober 1933. f. Etwas Vorgeschichte. Seit der Uebernahme des Mandates durch die Engländer lind der Proklamierung des Jüdischen Nationalheims als eines der zentralen Ziele der britischen Verwaltung ist eine a r a b i - sehe Nationalbewegung entstanden, die verschiedene Phasen durchgemacht hat. Die Araber, die sich unter dem Anreiz englischer Propaganda gegen die Türken empört und in ihrer Revolte den Feldzug in Arabien und Palästina beeinflußt hatten, waren nach Abschluß der Friedensverträge in ihren Hoffnungen enttäuscht. Sie hatten von einem unabhängigen arabischen Reich geträumt und fanden sich statt dessen unter europäischer Verwaltung, in Palästina unter den Engländern, in Syrien unter den Franzosen. Der Zionismus mit seinen An- Sprüchen auf die Schaffung eines Jüdischen Nationalheims schien den palästinensischen Arabern als das wichtigste Hemmnis auf dem Wege zur Unabhängigkeit. Sie erkannten daher von vornherein das Mandat nicht an, nahmen eine antiengiische und antizionistische Haltung an und kamen mit den Jahren unter den immer stärker wirkenden Einfluß der nationalen Ideologien Europas, im Laufe der letzten fünfzehn Jahre hat diese Opposition gegen das bestehende Regime zu verschiedenen gewalt- Samen Aktionen geführt, von denen die stärkste und grausamste die Unruhen des August 1929 waren. Seit damals ist es im Lande ruhig geblieben. Im Laufe des letzten Jahres jedoch war die arabische Propaganda gegen die Politik der Regierung und damit gegen die Juden wieder im Steigen begriffen. Sie konzentrierte sich in der Hauptsache auf zwei Punkte: die Bodenverkäufe an Juden und die Einwanderung. Diese beiden sollte die Regierung sperren. Nach einer gründlichen Vorbereitung durch die Presse in den letzten Monaten wurden Versammlungen abgehalten, Memoranden an die Regierung gerichtet und schließ,!ich beschlossen, am 13. Oktober einen allgemeinen Streik im Lande durriizuführen und eine Protestdemonstration in Jeriisalem zu veranstalten. Die Regierung gab dieses Mal eine sehr scharfe Antwort. Sie proklamierte ein V erbot sämtlicher Aufziige und Zusammenrottungen, erklärte, daß sie unter keinen Umständen eine Demonstration gestatten würde und ließ ganz unmißverständlich bekanntgeberi, daß jeder Versuch einer Störung der öffentlichen Ordnung schonungslos ־unterdrückt werden würde. Sie versuchte es auch auf andere Weise; sie ließ sich den Vorsitzenden der arabischen Exekutive kommen, teilte ihm noch einmal persönlich mit, daß eine Demonstration als illeg a 1 e Handlung angesehen würde und suchte auch Fühlung mit anderen Führern der arabischen Oeffentlichkeit. Denn der angesagte Aufzug sollte nach dem Programm einen besonderen Charakter tragen: nicht nur das Volk wurde auf gefordert, sich zu beteiligen, sondern die Führer selbst, die Mitglieder der arabischen Exekutive, der leitenden Instanz des palästinensisehen Arabertums, sollten sich beteiligen. II. Der Tag der Demonstration. Die Straße Tel-Axvjw—Jaffa—Jerusalem ist eine der am stärksten befahrenen Verkehrsadern des Landes. Ein Autobus folgt dem anderen, Privatwagen, Lastautos wechseln mit Transportkolonnen und Eseln. Heute, am Tag des Streiks, ist das Bild wie verwandelt. Man trifft kaum ein Fahrzeug, die Straße ist fast leer. Bei der Durchfahrt durch Ramie, eine der kleineren arabischen Städte, sieht man überall herabgeiasser.e Fensterläden. Die Geschäfte sind gesperrt, und nur in den Cafes des Ortes herrscht das übliche Leben. Hier sitzen die Leute, rauchen Nargileh und besprechen die Tagesfragen. An einer Polizeistation, zwanzig Minuten von Jerusalem, stoppt eine Patrouille unseren Wagen. Alles aussteigen, auch alles Gepäck ausladen. Es wird gründlich untersucht, natürlich nichts gefunden, was anstößig sein könnte, man verabschiedet sich höflich und kommt ohne weitere Schwierigkeit nach Jeru- Salem. Im Zentrum der Stadt, in der Jaffastraße, sicht das Bild einem Militärlager ähnlich. Ein starker Kordon reitender Polizisten ist über die Straße gezogen, kein Fußgänger und kein Fahrzeug kommt mehr durch. Es ist um die Mittagszeit und für ein Uhr ist der Auszug der Demonstranten vom Tempelplatz angesagt, der sich durch das Jaffator zum Regierungsgebäutle bewegen soll. Innerhalb des Kordons ist es still und leer. Man sieht die Autos der Polizeikommandanten vorbeifahren, hier und da taucht ein Tank auf. Neben den Uniformen der palästinensischen Polizei sieht man die Tracht der transjordanischen Miliz mit ihren weißen Kopftüchern. Am Jaffator stehen Lastautos, vollgcladen mit Militär, daneben reitende Polizisten. Die engen Bazarstraßen der Altstadt sind flankiert von englischer und Landespolizei. Die Regierung macht eine volle Ausstellung ihrer Streitkräfte. Wer diese Vorbereitungen sieht, weiß ganz genau: hier kann (nicht mehr viel passieren. Niehl ■w, daß aafcMft• Rcvettrifon« mH«■ «iattSudm, 4•