Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1933)
- Date
- 1933-03-28
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 124 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 25. 28. III. 1933 Naiion&lsozialistisdie Aktionen geplant Der ,,Angriff“ von Montag Abend schreibt unter der Ueherschiift: ״Schwerwiegende Entschlüsse der Parteilcifiing“: ״WD die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz soeben erfährt, wird nunmehr die Nationalsozialistische Deuts:i ־ Arbeiterpartei den Abwehrkampf gegen die internationale jüdische Greuel- und Boykott hetze gegen Deutschland in schärfster Form au.'nehmen. Es verlautet, daß bereits am Dienstag die An- Ordnungen für die Organisation einer gewaltigen Volksbewegung zur Bildung von Boykott k omitces gegen die jüdischen Geschäfte in Deutschland als Antwort aut die Boykottdrohung des internationalen Judentums ergehen. Gleichzeitig soll in einer ungeheueren Propagandawelie der Forderung nach sofortiger Einführung des num e r u s clausus für die Beteiligung des Judentums an bestimmten akademischen Berufen und öffentlichen Einrichlangen Ausdruck gegeben werden, lieber acht Millionen Mensehen sind in Deutschland arbeitslos und unser eigenes lntelügenzproietariat zählt nach vielen Hunderttausenden. Trotzdem hat das deutsche Volk Hunderttausenden von jüdischen Intellektuellen die Teilnahme an seinen akademischen Berufen gestattet. Diese selben jüdischen Akademiker sind es in erster Linie, die heute Deutschland als Dank dafür vor der Welt in einer wahrhaft schamlosen Lügenhetze herunters t e;1. Zur Abwehr dieses Treibens wird nunmehr die Forderung erhoben werden, dem Judentum in Deutschland an den Hochschulen, in den Berufen der Rechtsa n w ä 11 e und der Aerzte nur dieselbe Quote zuzubilligen, die sie in der Gesamtzahl der Einwohnerschaft Deutschlands ausmachen. Der Abwehrkampf soll durch Bildung besonderer Aktionskomitees und mittels einer riesenhaften Autkitirungspropaganda geführt werden. Damit w'rd vielleicht gerade dieser jüdisch internationale Haßfcldzrp gegen Deutschland anläßlich einer Revolution, in der den Juden kein Haar gekrümmt wurde, zum Anlaß werden einer schon längst erwünschten Klarstellung des Verhältnisses zwischen dem deutschen Staatsvolk und deneu, die für die gewährte Gastfreundschaft kein Verstandnis aufzubringen vermögen.“ Auch die anderen Berliner Abendblätter verzeichnen diese Mehlung. Gestörte Gerichtsverhandlnngen Die ,,Vossische Zeitung“ meldet aus Ci le i w it z: ״Im Gleiwitzer Amts- und Landgericht gab es am Freiing erhebliehe Tumulte. Fine grilliere Zahl junger Burschen drang iri das (ieriditsgcbäude ein und mißhandelte mehrere jüdische Rechts a 11 w ä 11 e. Der 70jährige Justizrat Koch mann wurde ins Gesicht geschlagen, andere Anwälte mit Faustschlägen traktiert. Eine jüdische Assessorin wurde von Justizbeamten in Schutzhaft genommen. Die Gerichtsvcrhandltmgeii mußten unterbrochen werden. Polizei besetzte schließlich das Gebäude, um weitere Störungen zu verhindem.“ Julius Berger wurde dieser Tage 50 Jahre alt. Diesem Manne gebührt ein Wort des herzlichen Glückwunsches der zionistischen Bewegung. Berger gehört zu den frühesten und erfahrensten Beamten der Zionistischen Organisation. Daß aus einer zunächst nur lose zusammengefügten, wenn auch von starker Begeisterung getragener! Bewegung später ein festgefügtes, organisatorisches Gebilde wurde, das sich die modernen Gesichtspunkte von Organisation und Propaganda zu eigen machte, ist zum großen Teil Bergers Werk. Schon unter David Wolffsohn war er in Köln Leiter des zionistisehen Zentralbüros. Als später (1011) die zionistische Leitung nach Berlin übersiedelte, wurde Berger bald eine leitende Kraft und ein belebender Geist. Man kann wohl behaupten, daß Berger den Begriff eines zionistischen Beamtentums eigentlich erst geschaffen hat. Nach dem Ausgang des Krieges und der Verlegung der zionistischen Zentrale nach London war Beiger in Mitteleuropa und später in Palästina in ven cl.iv'denen Propagandafunktioneii tätig. Ueberall setzte er seine ganze Person ein, und sein Temperament sprühte von Einfällen und Plänen, die freilich nicht immer reifen ■n. Heute ist Berger wieder an der Arbeit im Dienste einer überaus wichtigen palästinensischen Sache. Wer mit Berger Zusammenarbeiten konnte, weiß um seine Besessenheit von der Sache, der er diente, aber auch um seine kollegiale, hilfreiche und menschliche Haltung. Seine zahlreichen Freunde wünschen ihm, daß er auch in der zweiten Hälfte seines Lebens die Erfüllung seiner Hoffnungen erreichen möge. Die Palestine Officio! Gazette teilt mit, daß im Februar d. J. 1581 Juden nach Palästina kamen, um hier ihren ständigen Wohnsitz zu nehmen. Die Gesamtcinwamiererzahl während des Monats Februar war 1713. Die Lemberger Blutwoche Debatte im polnischen Sejm W a r s c h a u, 23. März. (J. .T A.) ln der Sitzung der Administrationskommission des polnischen Sejm wurden die auf die antijüdischen Unruhen in Lemberg in den Tagen vom 27. November bis 1. Dezember 1932 Bezug habenden Vorschlage einer Beratung unterzogen. Der Referent, Abg. Sanojzo (Regierungsblock), gab in einer zweistündigen Rede eine Charakteristik der antisemitischen Unruhen und erklärte, die akademische Jugend sei durch politische Faktoren fanatisiert worden, die Nationaldemokraten bedienen sich des Rassenhasses als eines Mittels, sich der Regierung zu bemächtigen. Aber das ist ein gefährliches Mittel. Im Jahre 1918 klangen die Ausschreitungen gegen die Juden in das Attentat auf den Staatspräsidenten vom Januar 1919 aus, und auch das Attentat auf den Staatspräsidenten Narutowicz im Jahre 1922 sei nichts anderes als das Ergebnis antisemitischer Hetze. Daraus ist die Lehre zu ziehen, daß jede Aufhetzung der Massen gegen eine andere Konfession der Bevölkcrungsklasscn die Grundlage des Staates untcrwühlt und Anarchie schafft. Zum Schluß behauptete der Referent, in Polen gäbe es jüdische kommunistische Agenten. Der jüdische Deputierte Som in erstein führte u. a. aus: Der Redner der Regierungspartei, Sanojzo, hat den vergifteten Pfeil vom ״jüdischen Kommunisten“ gegen die Juden gcschleudert. Weiß Sanojzo nicht, daß gerade das religiöse und nationale Judentum von der Gefahr des Kommunismus am meisten bedroht ist und dem Kommunismus am schärfsten entgegentritt? Aber unser Kampf gegen den Kommunismus wird gestört durch die maßgebenden Faktoren in Polen selber, die die wirtschaftliche Existenz der jüdischen Bcvölkcrung untergraben. ln dem von Sommerstein begründeten Vorschlag des jüdisehen Klubs werden die Namen von 3S2 im Verlaut der Lernberger Ausschreitungen schwer verletzten Juden aufgezählt, die Geschehnisse im Verlauf der 6 Unruhetage chronologisch geschildert und gefordert, daß die verantwortlichen Leiter der Lemberger Behörden, die die Angegriffenen nicht geschützt haben, zur Verantwortung gezogen werden. Es wird noch ausgeführt, daß vielfach Juden in Gegenwart der Polizei geschlagen worden sind._ Zionistische Konferenz in Lettland Alis Riga wird uns geschrieben: Am 18.—19. März fand in Riga eine sehr gut besuchte Landeskonferenz der Zionistischeu Organisation Lettlands statt. Die Konferenz war ein Zeichen des mächtigen Aufschwungs, den der allgemeine Zionismus in Lettland im letzten Jahr genommen hat. Die feierliche Eröffnung, bei der der Vorsitzende der Landes- Organisation Herr L. N. Ettingen, R.-A. J. Thron und R.-A. B. Gure witsch, sowie der Vertreter der litauischen Zionisten Herr M. K a h a n mit Reden auftraten, gestaltete sich zu einer begeisterten zionistischen Massenkundgebung. Die Plenarsitzungen der Konferenz wurden durch die Berichte des Landesvorstandes und der Ortsgruppen eingeleitet, wonach die Referate von Dr. P. Lipscliiitz über vvirt* schaftüclie Möglichkeiten in Palästina und von R.-A. B. Gurewitsch über die Aufgaben des 18. Zionistenkongresses folgten. Der von der Konferenz neugewählte Landesvorstand der Zionistischen Organisation Lettlands setzt sich wie folgt zusammen: L. N. Ettingen Präsident, R.-A. Thron und R.-A. B. Gurewitsch Vizepräsidenten, die Herren Ing. O. Himmelhoch, B. Rosengarten, G. Liebmann, N. Schmulowitz, Dr. A. Salkind, Dr. H. Srago u. a. Die Konferenz hat eine Reihe von Resolutionen angenommen, in welchen die lettländischen Zionisten ihre Stellung zu verschiedenen Palästinafragen genau festlegen. Besonders wäre die politische Resolution mit der Forderung nach Wcizmanns Rückkehr zur Führerschaft in der Zionistischen Organisation zu verzeichnen. Der Konferenz ging die erste Icttländische Tagting der allgemein-zionistischen Jugendbewegung ״Herziia“ voran, wo die ideologischen Grundlagen der sich intensiv entwickelnden Jugendbewegung des Allgemeinen Zionismus geklärt worden sind. Die ״Herzlia“ steht auf dem B )den des ,,reinen und ganzen Zionismus“ und will ihre Mitglieder zur persönlichen Paläsiinaverwirkhchung durch nationale Chaluziuth erziehen. Die ״Herzlia“ hat eine große landwirtschädliche Farm bei Riga gepachtet, auf welcher die Mitglieder der Organisation ihre landwirtschaftliche Ausbildung bekommen werden. Vermischtes Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Wir eröffnen in der Schule Gr. Hamburger Str. 27 und in der Schule Klopstockstr. 58 neue Anfängerklassen. Da das Interesse für diese Klassen sehr lebhaft ist, bitten wir um baldige Anmeldung. Fortgeschrittene Schüler können entsprechend ihren Kenntnissen in den übrigen Klassen der Lehranstalt Aufnahme finden. Das Schulgeld beträgt monatlich 2 RM, für Schiller, Studenten und Lehrlinge 1 RM., Unbemittelte werden auf Antrag von der Bezahlung des Schulgeldes befreit. Ausstellung von Schülerarbeiten. Die Jüdische Schule Klopstockstr. 08 (1 Min. vom Bahnh. Tiergarten) veranstaltet dieses Jahr wieder in ihren Räumen am 12 ״. und 3. April von 10—18 Uhr eine Ausstellung von Arbeiten, welche die Schüler und Schülerinnen im Laufe des vergangenen Jahres angefertigt haben: Zeichnungen, Werk- und Nadelarbeiten, freie Niederschriften, Statistiken, Unterrichisprotokolle usw. Alle Angehörigen und Freunde der Schule sind herzlichst eingeladen, die Ausstellung zu besichtigen. Eintritt frei. Eine Religionslehrerakademie in Berlin. Der Preußische Landesverbana jüdischer Gemeinden eröffnet mit Beginn des Sommersemcsters eine jüdische Reügionslehrerakadcmie in Berlin, die den Zweck hat, junge Menschen, die das Abiturium mit gutem Erfolg abgelegt und Vorkenntnisse im Hebräischen haben, für das Amt eines Rciigionslehrers (-lehrerin) an Religions-, Volks- Mittelschulen und an höheren Schulen (aut der Unter- und Mittelstufe) vorzubereiten. Stimmbegabte und musikalische junge Männer werden gleichzeitig Gelegenheit erhalten, sich für das Kantorat auszubilden. Anmeldungen sind beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158, bis zum 10. April 1933 einzureichen. — Von einer dein (orthodoxen) Jüdischen Lehrerseminar in Köln nahestehenden Seile wird!nitgeteilt, daß der Aufbau der an Stelle des bisherigen jiidischen Lehrerseminars in Köln errichteten Religionslehrer- Akademie sehr weit fortgeschritten ist und die Akademie mit Semesterbeginn ihre Tätigkeit aufnimmt. Stellenangebot. Für ein modernes Spielwarengeschäft in Palästina besteht die Möglichkeit, zwei Verkäuferinnen zu engagieren, die die hebräische Sprache beherrschen. Bewerbungen sind an das Palästina-Amt, Berlin W 15, Meinckestr. 10, zu richten. Der Arbeitsnachweis sucht dringend handwerkliche Lehrstellen für die zu Ostern zur Schulentlassung gelangenden Jugendlichen. Ferner sind eine Anzahl kaufmännischer Lehrstellen vorgemerkt, für die wir kaufmännische Lehrlinge suchen, ebenso suchen wir Lehrlinge für einige Zahntechniker- Stellen. Außerdem haben wir eine Stelle für eine perfekte Schiirzenzuschneidcrin vorgemerkt. Sprechstunden: Knaben: Roscnstr. 2/4, Tel. D 1, Norden 6711, Dienstag und Freitag von 10—1 Uhr; Mädchen: Roscnstr. 2/1, Montag und Donnerstag von 10—1 Uhr; für die Bewohner des Westens: Knaben und Mädchen: Fasanenstr. 79, Tel. 1 1, Bismarck 714, Donnerstag von 3—6 Uhr; für Schüler (Knaben und Mädeben): Roscnstr. 2/4, Montag, Dienstag, Mittwoch von 5—4״/ג Uhr nachm. Wcibl. gewerbliche Abteilung (Handwerkerinnen, ungel. Arbeiterinnen) täglich, außer Mittwoch, von 12-1 Uhr. Glogau (Schics.). Vor einiger! Wochen fand in Glogau die Gründungsversammlung einer zionistischen Arbeitsgemcinschaff statt, die jetzt etwa 18 Mitglieder umfaßt, durch ihr rasches Anwachsen jedoch bald der Umwandlung in eine Ortsgruppe entgegensehen darf. Am Oründungsabend begrüßte im Namen des vorbereitenden Ausschusses Herr Dr. Schmier die Erschienenen. Herr F)r. Cohn hielt einen Vortrag über den Roman ״Der jüdische Krieg“. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion an, an der sich auch eine Reihe Nichtzionisten lebhaft beteiligten. Um das Interesse der hiesigen liberalen Gemeinde für jüdische Art und jüdisches Leben zu wecken, wurde beschlossen, in regelmäßigen Abständen zu einem ״Jüdischen Abend“ zusammenzukommen. Ein solcher ״Jüdischer Abend“ fand am 25. März statt, an dem Herr Licht einen Vortrag über ״Jüdische Gegenwarts- Probleme“ hielt. In den Vorstand der zionistischen Arbeitsgemeinsehaft wurden Dr. Cohn, Herbert Licht und Walter Moses gewählt. Heidelberg. Hier wurde eine Zionistische Ortsgruppe mit zunächst etwa 25 Mitgliedern wieder ins Leben gerufen. Die regelmäßigen Zusammenkünfte finden jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat im Restaurant Odenheimer, Haupt- Straße 20, statt. Beschlossen wurde u. a. die Einrichtung eines hebräischen Sprachkursus (Leiter A. M. Kohn-Asulay) und ein Vortragszyklus ״Geschichte der Juden“ (Dr. Leibowitz und Prof. Täubler). Eine Veranstaltung in größerem Rahmen mit einem aktuellen Thema ist in Gemeinschaft mit der hiesigen zionistischen Studentenorganisation für die Zeit nach Semesterbeginn geplant. Als Vorstand wurden Dr. Großberger und Gustav Samuel gewählt. Köln. Die diesjährige Reifeprüfung am Reformrealgvmnasium Jawne hat am 23. März.unter Vorsitz von Oberschulrat Prof. Dr. Jungbluth und in Anwesenheit des Gemeinderabbiners Dr. Rosenthal stattgefunden. 13 Oberprimaner erhielten das Zeugnis der Unlversitätsreife, darunter einer ״Mit Auszeichnung“ und vier mit dem Gesamtprädikat ״Gut‘. Berliner Kalender Berliner Zionistische Vereinigung. G r u n e w a 1 d, 30. Mürz, 20.30 Uhr, bei Herrn. Hirsch, Ilumboldlstr. 6 b, Dr. Elias Auerbach: ״Bevölkerung!dichte im alten Palästina“. — Neukölln, 30. März, 20.30 Uhr, Brüdergemeinde, Isarstr. 8, Dr. Fritz Löwenstein: ״jüdische Kulturfragen“, Zu allen Veranstaltungen haben nur Mitglieder der B. Z. V. und cingcführtc Gaste Zutritt. r Waller Spiegel jetta Spiegel geb. Haraerow VermiM ie B«rUn, Levetxowstr. 12a Linotype• Maschinensetzer für Hebrilsch, Deatsdi und Rassisch, 10 jährige Praxis, guter Maschinen* pfte^er, sacht per sofort oder ipiter Stelle in Pat&stina Zuschriften unt. 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