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Jüdische Rundschau · 1933-02-17 · Heft 14 (17.2.1933) · p. Seite 66

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 14 (17.2.1933)
Date
1933-02-17
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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Seite 66 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 17, H. 1933 Absurder kann wohl ein« Situation gar nicht dargestellt werden. Es ist aber zu befürchten, daß sich I^ser finden, die auch solche Schauermärchen glauben. Hat man doch durch jahrelange Lektüre des ״Vßlkischcn Beobachters“ sich daran gewöhnt, den Juden alles Teuflische zuzutrauen. Es ist bedauerlich, daß in dieser Zeit auch jüdische Aeußerungen Vorkommen, die der nationalsozialistischen Presse Gelegenheit geben, die Miene der gekränkten Unschuld aufzusetzen. Ein solcher Fall ist die rätselhafte Affäre der Schriftstellerin Rose Meller in Wien, die ein nationalsozialistisches ״Attentat“ auf sich selbst fingiert hat und später den Schwindel zugab. Es handelt sich hier offenbar um eine Hysterikerin und der Vorfall gehört in die Pathologie. Schon die ersten Nachrichten über das Attentat wurden mit Mißtrauen aufgenommen und — obwohl Mystifikationen dieser Art möglich sind — hat doch die seriöse Presse fast keine Notiz davon genommen. Auch die jüdische Presse hat die ganze Angelegenheit überhaupt nicht erwähnt. Der ״Völkische Bcobachter“ aber verkündet seinen Lesern: ״Alle Judengazetten brachten ausführliche Berichte über dieses Attentat“. Man Will off eftbür damit sagen, daß alle Berichte über Mißhand• lungen an Juden eine Ausgeburt der ״orientalischen Phantasie“ sind. Eine jüdische Reidisvertrehmg Die Prrsseabteilung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden teilt mit: Mit Rücksicht auf die durch die politische Entwicklung der letzten Zeit geschaffene l äge trat die R c ic h s v c r t r e t u n g der jüdischen L a n d e s - verbände Deutschlands am 12. Februar 1933 in Berlin unter dem Vorsitz des Präsidenten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, Kammergerichtsrat Wolff, zu einer .ninerordctiilichen Sitzung zusammen. Die Reichsvertretung ist bekanntlich durch Beschluß vom 31. Jam!ar 1912 begründet worden mit der besonderen Aufgabe, die allgemeinen jüdischen Interessen bei den öffentlichen Stellen im Reiche wahrzunchmen. Sie setzt sich aus 13 Vcrfreiem der Landesverbände und den führenden Herren des Deutschen Rahbinerverbandes zusammen. In eingehenden Ausführungen wurde von den preußischen, hämischen, badischen, sächsischen, hessischen, mecklenburgischen lind hanseatischen Mitgliedern des (iremiums die politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation im Reiche und in den einzelnen Ländern besprochen. Ls wurden auch alle Schritte erwogen, die zweckmäßigerweise jetzt oder in nächster Zukunft nötig werden könnten. Um etwaige .Maßnahmen zu jeder Zeit und ohne irgendwelche Verzögerung ergreifen zu können, auch die dauernde Fühlungnahme zwischen den offiziellen Organisationen des deutschen Judentums zu gewährleisten, wurde ein aus fünf Herren bestehendes Präsidium der Reichs- Vertretung gewählt, das ermächtigt ist, alle ihm erforderlich scheinenden Schritte dauernd als Vertretung des gesamten deutschen Judentums eirmilciten und durchzuführen. Das fünfgliedrige Präsidium setzt sich aus drei preußischen und zwei süddeutschen Mitgliedern zusammen. Sein Sitz ist Berlin. Am Schluß der Verhandlung wurde von allen Seiten die Notwendigkeit betont, daß alle jüdische Arbeit int Geiste der Gemeinsamkeit geleistet werden möge, um in der jetzigen ernsten Zeit den deutschen Juden in Stadt Und Land das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Zusammensfehens zu stärken. * Die jüdische Oeffcntiichkeit wird mit Genugtuung davon Kenntnis nehmen, daß die legitimierten jüdischen Verbände sieh endlich dazu aufgerafft haben, eine Instanz, zu bilden, die sich mit den Sorgen und Noten der deutschen Jtulenhcit in dieser Zeit beschäftigen soll. Die deutschen Zionisten und die Jüdische Volkspartei sind stets dafür cingetreten, daß die Repräsentanz des deutschen Judentums in die Hände einer von allen Juden eingesetzten Steile gelegt wird. Leider haben diese Bemühungen niemals zu befriedigenden Ergebnissen geführt, da von liberaler Seite der Idee einer jüdischen Gesamtvertretiing, der auch die Wahrung der politischen und gesetzlichen Stellung der deutschen Juden obliegt, erbitterter Widerstand geleistet wurde. Es hegt auf der Hand, daß heute eine solche Vertretung notwendiger ist als jemals. Sonnige wir keinen demokratisch aufgebauten Reichs-verband haben, müssen wir uns mit dem jetzigen Provisorium, einem Zusammenwirken der l. a 11 <1 e s v e r h ä n d e, begnügen. Freilieh ist es nicht mit der F.insefzung eines Komitees getan, sondern u: ,־ Stelle muß nun auch die Aktivität entwickeln, die die deutsche Judenheit mit Recht von ihr verlangen kaut;. Wir erwarten, daß das neugeschaffene Komitee sofort mit aller Energie und im Einvernehmen mit allen interessierten jüdischen Faktoren an die Arbeiten herangeht und den Verteidigungskampf des bedrängten deutschen Judentums organisiert. 50 Jahre Bnc Briss-Orden in Deutschland. Die ,,Jüd. Rundschau" hat bereits vor einiger Zeit (Nr, 91/1932) dieses Jubiläums gedacht und auf die Geschichte des Ordens hingewiesen. Die Jubiläumstagung begann mit einer Festsitzung jm großen Logentetnpel am 11. Februar abends. Außer den mehreren hundert Teilnehmern der Tagung atis Berlin und dem Reiche waren fast alle bedeutenden jüdischen Organisationen, u. a. der Preußische Landesverband Jüdischer Ge״ mcinden und die Jüdische Gemeinde Berlin, die Präsidien der Jewish Agency for Palestine, der Z. V. f. 1)., des Misrachi vertreten. Die Weiherede hielt der Großpräsident Rabbiner Dr. Baeck. Den Zeitströmungen rücksichtsloser Eigensucht stellte er die Ziele und Arbeiten des Ordens entgegen: tim der Gemeinde willen eine Gemeinde in der Gemeinde zu sein. Die Festrede hielt Prof. Dr. Isinar El bogen. Er gab ein umfassendes Bild von der Ideen- und Arbeitsgeschichte des Ordens in Deutschland: Die ersten deutschen Logen bezeichnetc er als ״die ersten Zweige am Baum der jüdischen Renaissance“. Elbogen gab eine Uebersicht der von dem Orden im Laufe 4er Jahre geschaffenen oder unterstützten Institutionen und betonte, die logen seien die Sammelpunkte fast aller im jüdischen Leben aktiven Menschen geworden. Der Orden wurde der ausgleichende Faktor im Kampfe der Parteien: vor 50 Jahren zwischen Orthodoxie und Reform, später zwischen dem Zionismus und seinen Gegnern. Es war eine erzieherische Wirkung des neutralen Bodens, wenn hier die Kunst der Selbstbeherrschung, des Zuhörens und gegenseifiger Achtung im Menschlichen und in der Gesinnung gelernt wurde. Der Redner schloß mit einem warmen Appell zur jüdischen Selbstbehauptung. Die Feier war umrahmt von Geigensolt Alfred Wittenbergs und Rezitation von Edith Herrnstadt-Octtingcn. Deutsche Juden in Eres Israel Von Heinz Boß, Tel-Awiw (dzt. Berlin). Vielen Lesern der ״Jüdischen Rundschau" dürfte bekannt sein, daß man einen deutschen Juden in Palästina halb scherzend, halb verächtlich, einen ״Jacken“ nennt. Dieses Wort, das mehr oder weniger ernst gemeint, doch Geringschätzung ausdrückt, ist eine Anspielung auf die ganze Fülle von Schwierigkeiten, die das lebende Erez Israel und der Einwanderer aus Deutschland sich gegenseitig bereiten. Es ist notwendig, gegen diesen Begriff, oder vielmehr gegen die ihn erzeugende Mentalität vorzugehen; denn durch ihn werden außerordentlich große Chancen der Zusammenarbeit und gegenseitigen Anregung stark vermindert, zuweilen geradezu vernichtet. Eine rühmliehe Ausnahme — aber keine unbedingte — vom ״Jäckentum“ machen die Chaluzim, die bereits in ihrer Hachscharah mit Ostjuden zusammen gelebt haben, auch im Lande gemeinsam mit ihnen arbeiten und sich verhältnismäßig leicht den! Kibbuz eingliedern oder, wie z. B. in Giwath Brenner, nach wenigen Jahren einen -— vom Lande aus gesehen — durchaus akzeptablen gemeinsamen Typus schaffen, der ganz bestimmte, außerordentlich wichtige Qualitäten in gut palästinensischer Form verkörpert. Die deutschen Juden, und auch Zionisten, können sich häufig nicht ■ entschließen, ihr persönliches Schicksal entschlossen für die Gesamtheit einzusetzen. Selbst bereits dicht am Abgrund der Existenzlosigkeit,. begnügen sie sich oft damit, sich langsam zu erkundigen, oh es nicht doch vielleicht eine Möglichkeit gäbe, sieh von hier aus eine feste Anstellung, möglichst mit Pensionsberechtigung, in Palästina verschreiben zu lassen. Erez Israel wartet indessen auf die deutschen Juden! Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, wieviel renfable Unternehmungen und wieviel Arbeitsplätze in Palästina mit einem kleinen Bruchteil der Gelder hätten geschaffen werden können, die Juden im Laufe der letzten fünf Jahre anderswo verloren haben, so beginnt man etwas zu verstehen von dem Mißtrauen und der Enttäuschung, mit der in Erez Israel auch die deutschen Juden betrachtet werden. Um diese Einstellung ganz zu verstehen, muß man sich noch zwei Dinge klarmachen. Da ist erstens die Tatsache, — über deren psychologische Gründe ich mich hier im einzelnen nicht auslasscn kann —, daß die Juden aller Länder, hesonders die Ostjuden, eine große Hochachtung vor dem Deutschen in sich tragen. Deutschland ist für sic das Land der Tüchtigkeit, der Pünktlichkeit, der Organisation. Diese Einschätzung überträgt sich automatisch, und zwar in Form einer Fordcrurig, auf den deutschen Juden, Wir brauchen uns also nicht zu wundern über die bei den palästinensischen Juden vorhandene Enttäuschung über Aussehen und Gestalt der deutselten Alijah. Während der Jahre 1931/32, als die Entwicklung in Deutschland zumindest dem Außenstehenden und besonders dem in Judengeschichte bewanderten ziemlich klar war, wartete das Land auf die 5000 10 000 Juden aus Deutschland, auf die es als Mindestzahl unter den gegebenen Verhältnissen glaubte rechnen zu dürfen, auf ihre Initiative, auf ihre Fabriken, wartete darauf, sie aufatmen zu sehen, entronnen dem Druck und dem unaufhörlichen und unausbleiblichen weiteren Verlust, wartete darauf, sie schaffen zu sehen, von ihnen zti lernen und mit ihnen zu hauen, — wartete vergehlieh. An ihrer Statt kamen einige hundert stellungslose Kauflctite, Ingenieure, aber keine Bau-Ingenieure, Kindcrgärtnerinnen, aber ohne Hebräisch, kurzum Arbeitslose, jedoch mit allen Prätentionen des deutschen Kulturmenschen und des ״klassischen" Zionisten, ohne jede praktische Vorbereitung auf Erez Israel, das Land des Hebräischen, der schweren Arbeit und der Primitivität in allen äußeren Formen. Man muß fürchten, daß viele von denen, die heute noch mit genügend Mitteln zu einer gesunden Existenzgründung kommen können, eines Tages kommen werden, werden kommen müssen, vielleicht bereits gänzlich verarmt, und dann sich und uns zur Last. Groß ist die Enttäuschung der palästinensischen Juden, gerade wegen der auf deutsche Juden gesetzten Erwartungeil. Erez Israel braucht auch westeuropäische Juden. Der Jischtnv besteht zum großen Teil aus kleinstädtischen Menschen. Das Stadtbild von Tel-Awiw, seine Läden und seine Häuser, ihre Einrichtungen, das Aussehen seiner Bewohner am Schabbath, sind zum großen Teil provinziell und kleinbürgerlich. Diese Dinge sind nicht gering, sie sind Symptom für viel tiefer liegendes: Enge des Horizonts im voiks- und privat-wirtseliaftliehen Denken, eine gewisse Spießigkeit des jetzt so häufig zitierten ״Mittelstandes“, gleichzeitig aber auch eine gewisse Sorglosigkeit und Unzuverlässigkeit in wirtschaftlichen Angclegenhciten. Wir alle kennen diese Tatsache und wissen, daß «las Land dafiir schon mit vielen Verlusten, mit verpaßten großen Chancen, mit Fehlinvestitionen, mit Gründungsfieber und darauffolgender Panik hat bezahlen müssen. Diese Erfordernisse stellen gleichzeitig wirtschaftliche Chancen dar: Zwei Deutsche — lange im Land und vertraut mit seiner Mentalität — haben in Tel-Awiw ein Unternehmen zur Reorganisation kaufmännischer Unternehmungen und ihrer Buchhaitung gegründet und reüssieren; einige junge Deutsche haben die ersten Schaufenster in Tel-Awiw anständig dekoriert, und das äußere Bild der Hauptgeschäftsstraßen hat sich im Laufe eines Jahres verändert zum fast Nichtwicdcrcrkcnncn; deutsche Reklame- und Plakat-Fachleute beginnen steh allmählich durclizusetzcn, erweitern den Markt für ihre Produkte und tragen bei zur Hebung von Geschmack und Niveau; die ersten Damenkonfektionshäuser sind nach deutschen Vorbildern in erstklassiger Aufmachung entstanden und reüssieren; ־ deutsche Innenarchitekten und Möbeltischler beginnen sich durehzusetzen und beeinflussen und erweitern nicht nur den Markt für gute Möbel auf Bestellung, sondern haben auch, getragen von der Konjunktur, erreich♦, daß der fertig 7.u kaufende Schrank sein Aussehen so weitgehend bereits verändert hat, daß man beinahe schon von Stil reden kann; die Entwicklung auf dem Gebiet der Architektur ist wohl hinreichend bekannt, es bleibt jedoch zu bemerken, daß die Schöpfung dieses neuen, recht befriedigenden Stils sowohl für das Mietsals auch für das Einfamilienhaus zum größten Teil eine Leistung deutscher oder in Deutschland ausgebikletcr Architekten ist. Und dabei ist etwas Wichtiges zu sagen: die meisten dieser Architekten sind wahre Pioniere; sie haben Jahre und Jahre mit ihrer Forderung ästhetischer Kultur gekämpft in diesem Land und nur so, von innen her, kann und muß man in Palästina arbeiten und sich durchsetzen. Der jüdische Arbeiter, der von selbst den Weg zur hohen Arbeitsleistung gefunden hat, ist ein natürlicher Bundesgenosse im Kampf gegen den Dilettantismus auf allen Gebieten. Außer den gezeigten Ansätzen gibt es noch eine Fülle von Möglichkeiten, die geradezu auf die Initiative und das Organisationstalent des deutschen Juden warten: die große, planmäßig, rentabel und zuverlässig arbeitende Bau gesell sch aft ist immer noch nicht geschaffen; die Stadt Haifa schläft ihrem großen Aufbau eetgegen und das Schlagwort ״Haifa, Stadt der Zukunft“ ist einstweilen am Tatort selbst nichts als ein Witz. Die Bedcutung des Meeres mit all seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten ist bisher nicht im entferntesten erfaßt; wo bleibt die jüdische Reparatur-Werft in Haifa, wo bleibt das planmäßige Erfassen und Durchdenken der großen Chancen dieser Stadt? Deutsche Juden, wo seid ihr? Große Sicdlungs-, Bewasscrungs-, Pflänzlings-, Handels- Projekte aller Art, die wahrscheinlich alle zum mindesten eine ernsthafte Prüfung ihrer Rentabilität rechtfertigen, warten auf den Kopf, das Geschick, die Beziehungen und das Geld der deutschen Juden. Nicht, als wenn es ohne sie nicht ginge, aber cs kann besser und schneller mit ihnen gehen. Der deutsche Jude, der herkommt, muß sich aber vorbereiten auf dieses Land: Er muß, wenn auch kein Hebräisch können, die Erlernung des Hebräischen hier oder im Lande als conditio sine qua non erfaßt haben. Schwer ist es für ihn, diesen Willen aiifrcchfzucrhaltcn, denn solange er hebräisch nicht sicher kann, wird der ״deutschsüchtige“ Ostjude im Lande ihm immer gern seine Art Deutsch als Verständigungssprnehe anbieten. Hebräisch ist zum wenigsten Umgangssprache, es ist für der! Deutschen der Weg zum Vcrständnis dieses merkwürdigen Landes schlechthin, zu seinem öffentlichen Leben, und — last not least — zu seiner Arbeiter- Schaft, deren Vormachtstellung zumindest auf kulturellem lind gesellschaftlichem Gebiet noch auf lange Zeit hinaus eine Tat- Sache ist. Und das ist das Entscheidende. Nicht als ״gottgesandt“, nicht von oben her, kann der Deutsche sich durchsetzen, sondem er muß sich organisch hineinsctz.cn in dieses Land, es erst sehr vorsichtig und vor allem bescheiden erleben und erlernen und dann anfangen, anspruchslos und bescheiden zu leisten. Die Typen des Diskutierers, des Besserwissers, des Reformators, des Nicht-Hebräisch-Sprcchcrs, dessen, der seine Kenntnissc über die Ereignisse des Landes selbst nach Jahren Palästina-Aufenthalts nur aus der Lektüre der ״Jüdischen Rundschau“ schöpft, müssen verschwinden. Es gibt keinen anderen Weg nach Erez Israel! Die Revisionisten am Scheidewege Eine Konferenz in Kattowitz Der Parteirat des Weltcerbandes der Zionisten-Rcvisbnisten ist für den 5. und C. März nach Kattowitz einberufen worden. Zwei Hauptfragen werden die Konferenz beschäftigen: 1. Uebertragtuig des Sitzes der revisionistische״ Exekutive von London und Paris nach Genf, 2. Teilnahme oder Nichtteilnahme der Revisionisten an dem 18. Zionistenkongreß. Von der Beantwortung dieser beiden Fragen hängt die Entscheidung ab, ob in der Zu• kunft eine unabhängige revisionistische Tätigkeit auf pohtscliern, wirtschaftlichem und sozialem Gebiete stattfinden soll, ferner, ob, falls die revisionistischen Schekelzahler von der zionistischen Exekutive zur Disziplin aufgerufen werden, die Priorität der Zionistischen Organisation oder die der Revisionistischen Union zu gelten habe. Diese Fragen — so wird in revisionistischen Kreisen betont — sind nicht etwa durch den jüngsten Spruch des zionistischen Kongreßgerichts aktuell geworden, sondern sie entstanden als Folge der Meinung*■ Differenzen, die unter den revisionistischen Führern selbst über die Bedeutung des Zionistenkongresses bestehen. Die Kattowitzer Konferenz wird das Kräfteverhältnis zwischeu der mit J a b o t i n s k v gehenden Gruppe und der Gruppe um Großmnnn, Stricker und Lichtheim abzeichnen. Jabotinskv vertritt die Meinung, der kommende Zionistenkongreß habe kein Interesse für die Revision! s t i - sehe Union, die auf ihrer Wiener Weltknnferenz ״sich als die eigentliche Nachfolgerin der von Theodor Herzl ge■ schaffenen Zionistischen Organisation proklamiert hat“. In revisionistischen Kreisen spricht man von in Kattowitz bevorstehenden Aendcrungen in der Zusammensetzung der Revisionistischen Exekuti ve. Es bestehe der Plan, außer Jabotinsky, der jetzt der einzige Nichtschekelzahler in der Exekutive ist, auch andere N i c h t s c h e k c 1 z a h 1 e r aufzimehmen. Diese Frage kann Anlaß zu heftigen Konfhkten geben. Die Tatsachen der Errichtung eines politische« Büros in Palästina durch Großman und der Gründung einer neuen revisionistischen Wochenschrift als Opposition zu der maximalistischen revisionistischen Wochenschrift ״Ghasish Ha’am“ sind nicht weniger dazu angetan, die Spannung 111 Kattowitz zu erhöhen. Die P a 1 ä s t i n a - D e I e g a t i o n f«r die Kattowitzer Konferenz wird sich ausschließlich ans Nichtschekelzahlern zur.atnmensetzen. Die _Mehrheit der palästinensischen Revisionisten bereitet sich zu einem entschlossenen Kampfe gegen die Richtung Großman-Stricker Lichtheim vor. Auch die Pariser Revisionisten, die ebenfalls Maximalsten sind, wollen es in Kattowitz nötigenfalls angeh lieh zu einer Spaltung der Bewegung kommen lassen. Alle anderen revisionistischen Ländergruppen aber betrachten die erwähnten Differenzen nur als taktischer und nie 111 prinzipieller Natur und wollen alles aufwenden, um die endgültigen Entschließungen auf ein späteres Datum zu verschieben, damit die Organisation intakt bleibe. Die ErSfbuiftg des Halens Haifa Jerusalem, 14. Februar. (J.T. A.) Das Haifa-Hafen- Komitee hat dem High Cotnmissioner empfohlen, die Er- Öffnung des Hafens zwischen 15. Oktober und 15. November vorzunehmen. Demnächst wird in der ״Palestine Gazette“ eine offizielle Mitteilung der Regiert!״!: erscheinen, in der ein großer Teil des dem Meere a h ■ gewonnenen Bodens parzelliert in Pacht Ur 49 jahre mit Optionsrecht für weitere 49 Jahre vergeben wird. Britische Staatsangehörige sollen bei der Pacht bevor■ zugt werden. Auch Juden anderer Länder haben Gelegenheit erhalten, Boden für Industrieanlagen zu pachten. Auf einem anderen Teil des Bodens werden Zollamt und Speicher erbaut.

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