Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1933)
- Date
- 1933-02-17
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21Z1333 Deutsche Juden in Erez Israel Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u, Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. Auslandsabonncments werden in der "Währung der einzelnen Länder berechnet. An/cipcnpreis: 8 gesp. Nonpareilh'sreile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b. H., Berlin WlS.Meinekestr. 10. Telefon: J I Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: DicnsiaR 11 n d B rei1«c 11 a c ii m i 11 a k 5 4 t J h r P o j? t s c h <7-t• K o n tun: Per! in 173 92, Basel V 9355. Belgrad 680 32, Brübsol 394 33, Budapest 596 93, Dtm/if;!973, Haas 140 470, Praq 59410, Hiira 4155, Siraßluirp 184 30, Warschau 190 708, Wien 156 030. Bunl-Konit'ii: Drosdenor Bank. I )pposiron - Kassr Berlin, Kurf üfstendamm 52; Rumänische Kredithank, Gern,•um (Rumänien); AhrIo Baiostine Co. in Haifa, Jorusiiiont, Tel - Aviv. Nummer \4j | Berlin, 17. II. 1933 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ א שבט תרצ״ג | xxxvm. jahrg. Der Zionismus erstrebt för das JQdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.*• Jüdischer Parlamentsklub gegen Budget (Von unserem Korrespondenten) g. Warschau, 13. Februar. Sicherheit Achtung, Arhett Die Forderungen der Stunde Die verzweifelte Stimmung der jüdischen Bevölkerung fand heute einen wirkungsvollen politischen Ausdruck wahrend der Abstimmung über das Staatsbudget im polni-ckcn Sejm. Z u rn ersten M a I e seit vielen J ah r e 11 stimmt e d e r g a 11 / e j ii d i s c he P a r I a m e n t s k 111 b solidarisch gegen das Budget. Die Deklaration, die vor der Abstimmung der Vorsitzende der jüdischen parlanicntaiischen Repräsentanz, Abg. l)r, Thon, abgab, war würdig, und schart und fand starken Widerhall bei Juden und Nichtjuden. Es unterlieg! gar keinem Zweifel, daß dieser Protest den Gefühlen und Anschauungen der erd- 1■ 'י Mehrheit der polnischen Judeiilieit entspricht. Dr. Thon erklärte: ״Die Sprecher des Jüdischen Klubs haben im Verlauf der Budgetnussprache den Klagen und Anklagen der jüdischen Bevölkerung gegenüber der Regierung Ausdruck gegeben. Seit Jahren weisen wir auf die ungeheure Verarmung der jüdischen Bevölkerung aller Schichten hin. Heute ist es soweit, daß sich der Judenheit Polens Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung bemächtigt, da sie keine Möglichkeit einer menschlichen Existenz, in der Zukunft vor sich sieht. Juden werden systematisch aus allen wirtschaftlichen Positionen hinausgestoßen, Juden werden alle Verdicnstmüglichkeiten abgeschnitten, der jungen jüdischen Intelligenz werden hei Eintritt in die Hochschulen größte Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Der Teil der Jugend, der es erreicht, in die Hochschulen hineingelassen zu werden, ist brutalen Ueber fällen seitens der nationaldeinokratischen Jugend ausgesetzt und genießt in einem nur allzu geringen Maße den Schutz der IJniversitütshehörden und Regierungsorgane. Das haben die letzten Geschehnisse ki Lemberg klar erwiesen. Die jüdischen Postulate sind nicht nur nicht erfüllt worden, sie begegnen auch noch einer merkwürdig anmutenden stumpfen Gleichgültigkeit, die am besten dadurch charakterisiert wird, daß die Regierung im Verlauf der Parlamentsdebatte nicht mit einem Worte auf unsere Forderungen und Klagen reagiert hat. Jahrelang gab sich der Jüdische Klub der Hoffnung hin,. daß es ihm mit der Zeit gelingen wird, die Mauer der Gleichgültigkeit zu durchbrechen und die Regierung dazu zu bringen, über die Lage der jüdischen Bevölkerung nachzudenken und nach dieser Richtung hin eine Aktivität zu entfalten. Wir stimmten in früheren Jahren n 1 c n t für das Budget, weil es eine Ueberbelastung der jüdischen Bevölkerung bei gleichzeitiger Ignorierung ihrer Bcdürfnisse seitens der Regierung bedeutete, aber wir zogen auch nicht die letzte Konsequenz, sondern enthielten uns nur der Abstimmung. Heute aber, wo die jüdische Bevölkerung einer grenzenlosen Verzweiflung entgegengetrieben wird, muß ihre Vertretung im Sejm sich des stärksten parlamentarischen Mittels bedienen und gegen das Budget stimmen.“ In den Debatten über das Budget, sowohl im Plenum als auch in der Kommission, haben■ die jüdischen Vertreter an Hand zahlreicher konkreter Tatsachen und Beispiele die tragische jüdische Lage geschildert. Die Abgeordneten Rosmarin, R o 11 e n s t r e i c h, Sommerstein taten ihr Möglichstes, um die Parlamentsmehrheit von der gegenüber den Juden geübten lIngerechtigkeit zu überzeugen, aber ohne Erfolg. Auch die Opposition, die polnische Sozialdemokratie mit eingerechnet, zeigt Unverständnis. Oie jüdische Repräsentanz stieß aut eine eiserne Wand. Wenn also die jüdischen Abgeordneten gegen die Regierung stimmten, so heißt das nicht, daß sie sich der bestellenden Opposition eingliedern können. Die Oppositionsparteien sind genau so sntisemitisch wie die gegenwärtige Mehrheit. Manche von ihnen — die Nationaldemokratie — noch aggressiver, die Sozialdemokraten de facto, wenn sie auch liier und da schöne Reden ztim Besten geben. Manche ihrer Führer treten sogar unverhohlen gegen die jüdischen Forderungen auf, ihre Anhängerschaft, die polnische Arbeiterinasse, unterscheidet sich in der Judenfrage selten von den übrigen Teilen der Bevölkerung. ie aus der jüdischen Anslaiulspresse hervorgellt, iiiiimen die Juden in der ganzen Welt nicht nur durch ein fieberhaftes Interesse für alle Nachrichten, die die jüdische (iemeiuscliafi in I )eutsäiiand betreffen, Anteil an der Lage ihrer Volksgenossen unter dem neuen deutschen Regime, sondern sie fühlen sieh bemüßigt, durch den Mmnl ihrer Organisationen mul Führer der deutschen jtidenhcit die Gefühle (1er Solidarität zum Ausdruck zu bringen. 111 diesen Ent- Schließungen wird, wie es seitens ries American Jevei-h (.011grell geschah, erklärt, daß die Sorgen und Nöte der deutsch( 11 Juden mich von den amerikanischen Juden 1m;׳׳!npf1!1ule11 werden mul daß die deutschen Juden auf die Hilfe ihrer Volksgenossen in den Vereinigten Staaten rechnen können. Es 11;;t dieser in der amerikanischen Ihv.-se veröffentlichten Ec--!;- lution nicht bedurft, um uns in I )! 11 ז sei 11 ai ui zur Kenntnis 711 bringen, daß wir in der crnsicn Lage, in der wir uns beimden, auf das tätige Interesse der Jtidenheilcn außerhalb Deutschlands rechnen können. 1)0(11 bedeutet die ame: i ,;111 i-ehjüdisch«.׳ Kundgebung der Sympathie mul Solidarität für uns eine moralische Stütze in unserem Kample der S< lh-,Ibchaun- Jung. Es ist kein Wunder, daß angesichts der lorkiaiicriiden J 11 d e n hetz e d e r v ö II׳: i s c 11 c n Press e, über die ja die Ausländskorrespondenten berichten, die ausEindisein 11 Juden die jüdische• Situation in Deutschland als h«.dn>!1iicl1 empfinden und sich spontan zu Wort melden. Man erinnere sich an die schweren Kämpfe der 1iirkiscI1en und 1111 g,•!riechen Juden 11m ihre Steilung in ihren I ieimatlämlerii. Damals hat die ausländische Judenheit zu den brennenden Problemen der türkischen mul ungarischen Juden Stellung, genommen■, die Reaktion auf türkisch-jüdischer und ungarisch-jüdischer Seile waren damals sogar feierliche Erklärungen, die sieh eine Einmischimg ausländischer Juden in innere türkische und tiugarische Angelegenheiten verbeten haben. Es war, wenn man die gefährliche und heikle Situation der Juden in der Türkei und in Ungarn zu jener Zeit in Betracht zieht, begrciilich, daß das offizielle türkische und ungarische Judentum so gchandelt hat. Aller ebenso verständlich mußte cs erscheinen, daß die ausländischen Juden spontan, sogar gegen den Willen der betroffenen judenlieiten, ihre Verbundenheit mit ihren Volksgenossen in den 1.ändern zum Ausdruck brachten, 111 welchen sieh die jüdische Lage besonders /.ugespit/t hatte־. Die historische Schieksalsglciel1ht.it des jüdischen Volkes in der!ganzen Welt fügte es, daß miiimelir die deutsche Judenheit sicli in einer ähnlichen Lage befindet wie die ungarischen Juden vor El Jahren, und die Juden in der ganzen Welt reagieren auf die Vorkommnisse in Deutschland, insoieni diese• :׳ich auf die deutsch-jüdische Gemeinschaft beziehen, aus eigenem Antriebe in der gleichen Weise wie vor I I Jahren, als das damalige ungarische Regime den Versuch uiadite, die ungarischen Juden aus allen Gebieten des staatlichen, gescilschaftlichcn und wirtschaftlichen Lebens zu verdrängen. Akt der Tatsache, daß sieh die Juden in der ganzen Welt über das Schicksal der deutschen Juden besorgt zeigen mul dieser Sorge Ausdruck geben, muß man als mit einer selbstverständlichen Konsequenz der zumindest bei der Abwehr drohender Gefahren vorhandenen Verbundenheit des Wehjiidcntiirns rechnen. Es Dt durchaus verständlich, dal! die judisehen Gemeinschaften im Auslande die Situation der Juden in Deutschland nicht als eine innere Angelegenheit des I)entsehen Reiches betrachten. Das jüdische (iefühl kann sich nicht mit der Auflassung zufrieden geben, daß jedes Land das Recht habe, mit ״seinen" Juden zu tun, was dem betreffenden Lande beliebt und daß die Juden in den t1brig״u I.;indem der Welt mit Reserve die Entwicklung der jüdischen Geschicke in dem Lande verfolgen müssen, in welchem die Lage der Juden prekär und akut l!׳\ln>ut geworden ist. Eine unterschiedlich«־ Bcliandliiiig und R«'..l11--1ell11!1g einer bestimmten Grupp«' auf < 1 11 11 ־! «I d e r e 11 A!> s 1: ן m m 11 n g wäre mit allen Ec7;t1:.׳t1E'a««!;n:.;en der gc-illcten Misi-clihiät und auch mi! dem Staat-.inter«■'■'(■ ■-0!!1- י unvereinbar. Die I )iirelifiilirung' der Entlad .mg und Vn lir.ingun g d«T Juden in Deutschland aus allen < j־׳hiet«׳n de- I i'bcii. wurde Widerst.1ml«• nicht nur bei den denlsi'heii Juden und bei einem großen Teile des deutsch(׳.■'. Volkes, Mindern w«il darüber hinan■- in der ganzen Welt finden.! hei I kuipftcil d«'s Kampfes ״!•gen die Entrechtung unsT rcstlo-e Y(!11. angimg iiiuo-cn aber •di«, deutschen J ud c 1! 0-1!1 -t luiireii, mul sh sind -ich «1«1!׳»־■.-׳ bewußt, daß sie diesen Alm ein!.,impf mit unbemg-amer 7. ihigkeit zu fuhren gi'/w imnen sind. In dieser I lin-ieht wird die Macht der Tat- ■ aebe, die;«■rmhiebeni 11 Richtungen der «!rutschen Juden- 11« il. iiiibe-eiiadi 1 deri'i! differenter Auffassung des jü* (lischen Pnibb'iiis und der Beurteilung «ler allgemeinen En!v. erklungen des :.;c-viE7!:[ftli;ne1> leben* und des btanEsgcdankeiis, als ein(׳ Schi e k s a I s - u 1! d N o t g Cm eins e 11 a f t z 11 s a in!!: e 11 s 1' 11 1 i e II e 11. 111 der gegenw aldigen Stunde g e 11 t e s u in d i e p r i m i t i v s t e ü G r 11!1 d I a g e;1 d e r E \ i s t e!1 z. I ragen «ler Sicherheit, der Ehre der jüdischen <jcincinsclwift und der Arbeite- und Bet.itigimgsmögiiclikeit des jüdischen Menschen stehen im Vor- «!ergrmidi׳. Einerlei, wie man sieh zur gegenwärtigen Regient,•1g stellt und sic beurteilt, einerlei, wie diese Regierung in ihrer Struktur sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate ändern kam! allen Regierungen gegenüber muß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland geschlossen die Forderimgen zum Ausdruck bringen, daß die Juden das Recht auf Sicherheit, den Respekt vor der Tatsache ihrer Existenz und die Erfüllung ihres Anspruches auf Arbeits- und Betätigungs-Möglichkeiten verlangen. Die Juden in Deutschland werden sich nicht widerstandslos zu Parias «les Rechtes mul ztt Aimge.-goßenen des gesellschaftliehen und wirtschaftlichen Lebens machen lassen. Die Partei, «lie dies«־ Drohung erhöhen hat, ist!et/! an der .Macht. Eine Regiening aller ist k«äne agitiennide Partei. Lin« Regierung muß mit Tatsach«;1 r« ehiieit und sieh dessi׳;! bew ußt sein, daß .si«• Ihr das Schicksal a 11 v 1־ Einwohner iin Staate verant* wörtlich ist. Iä>• indische ( 1«‘--chi1,!1l1' lehrt, daß die Juden zu Ycro'llio denen 7« ileii und in \ eimdiiedcncn!.andern Schick -׳־de 711 erfrag ni hauen, 11 ie in vii-lia« lur 111:17711 der I 11t Wicklung ähnlich sind, welch«׳ gi-gei! w.irlig in I )«׳uf sdihiml die jüdische Situation beeinflußt. Noch iininer hat sich die jüdische Genn ins«liaft als w ider.taiHl'fnhig genug erwiesen, um trotz all(־r Schild«-vtlsschlage zu bestehen und die aut sie niedersturiiu'inien Ereignis «׳ zu überdauern. Von «licM'r hohen Warfe der jüdischen (icsi-hi.״![׳• aus ist auch all das, w as wir Juden in I )i'UtschkiiHl letzt erleben, nur eine Episode. Die judische (1 e s «■ h i e 11 t «׳ lehr! aber ferner, daß die Juden nur dann imstande waren, s-is.fi zu behaupt«׳!!, wenn sic den Schwerpunkt ihres Seins in ihrem | 1! 11 c 11 t 11 in und in ihrer historisehen Verbundenheit mit ilircr (icmciiiscliaft gehabt haben, Voraussetzung für alle!11111-7,0.׳ Arbeit, sieh der Gefahren zu erwehren und sieh z.u bch.'uijili 11, ist «las. was wir innere Sich e r heit nennen. Diese in konsequenter Erziehung allen Juden, «len Llrwaehsenen Und besonders der Jugend einzupflanzen, ist neben allen Aufgaben größerer und kleinerer Art, wie sie der Tag mit sich ')ringt, die I latiptsorge der jüdischen Gemeinschaft zu allen Zeiten gewesen. Bis vor kurzem hatten die jüdischen Parlamentarier die Hoffnung, daß die Pilsudski-Regieriing doch gewisse Lebensfor■derungen der Juden erfüllen wird. Die Regierung hat aber die spärlichen Illusionen zerstört und so hat die jüdische öffentliche Meinung diesmal, insbesondere Ostgalizien, auch unter dem starken Druck der jüdischen Jugend, die jüdische Parlamcntsvertretung gezwungen, offen gegen das Budget ztt stimmen, um damit alle maßgebende Faktoren im Lande aut die katastrophale Situation der Juden aufmerksam zu machen. Die vierte Histadruth ־ Konferenz Tel-Awiw, 13. Februar. (J.T. A.) Am Sonntag, dem 12. Februar, wurde in Tel-Awiw die vierte Konferenz der Allgemeinen Jüdischen Arbeiter-Föderation Palästinas (Histadruth) eröffnet. Die Verhandlungen der aus allen Teilen Pakistinas sehr zahlreich beschickten Konferenz, werden über eine Woche in Anspruch nehmen. Den Hauptbericht erstattete der Vorsitzende der Histadruth, Ben Gurion. Fr gab einen Ucberblick über die von der Histadruth in den letzten sechs Jahren, seit der 3. Konferenz im Jahre!927, geleistete Arbeit und teilte mit, daß die Histadruth heute 35 000 Mitglieder umfaßt, die ganze 17 (>/״ der gesamten jüdischen Bevölkerung Palästinas repräsentieren, während im Jahre 1027 die Histadruth-Mitglieder nur 6 der jüdischen Bevölkerung■ ausmachten. Drohungen des Judentums? Unter der Devise ״Drohungen des Judentums“ bringt de:• ״V ii 1 k i s c h c Be o 1) a e 11 t e r“ in seiner Ausgabe vom 15. Febrtiar einen Artikel, der die Ucbers.'lirifl trägt: ״Reichskanzler JI11 m a n 11 n d d i c A u s r o t t 11 ng tl c r 7 5 <1 0 0 l’ersc r“. Darunter heißt es in der L'ebersc hritt: ״S i c \v ii n - s c It c n d e m Kanzler Hitler das g leie 11 e S e h icks a 1 v i e d e m p e 1־ s i s c 11 e n a 11 t i s e m i t i s e 11 c n Reichskanzler lltiman“. Der Aufsatz, der sieh unter dieser l.'oberschrifl auf drei Spalten erstreckt, ist zunächst eine .Auseinandersetzung mit der ,,C.-V.-Zeitung“. ־ An der Hand einer Reihe von Zitaten aus der ״C.-V.-Zeitung“ soll nachgewiesen werden, daß die .luden Gegner de!‘ ,,herrschenden Gewalten“ sind. Zur Stauung dieser These wird auch ein angebliches Zitat aus einer Rede Blumenfelds angeführt, das lauten soll: ״ln der nicht jüdischen Well gilt es eine starke organisch-unertriigliehc Lebensform zu zerstören . . •Abgesehen davon, daß dieser Satz überhaupt!«einen Sinn ergibt, ist feslzusteilen, daß B 1 u m 0 n fei (I einen s o I c 14 e n Satz sei 11 stversl ä n d I i e 11 n i e m als ges p r o c h c n <> der g e schrie b e n h a t. Aus dem Artikel des (,.-V., der Befürchtungen über Abcntcucrhisl der jetzigen Regierung oder iibc-1׳ ein inöplit lies ״Vcrlassen der Reehtsbasis“ äußerte, liest der ״Völkische Beobach* tcr“ eine Beschuldigung heraus, die er mit Entrüstung z u r il c k \v e i •s t. Es werde der Regierung unterstellt״ daß sie die Itechisbasis zu verlassen oder zu verändern gedenke. ,,Deutlich — so schreibt der ,,Völkische Beobachter“ — blickt die Bezichtigung mit einer Pogrom-Politik zwisehen den Zeilen iien or“. Man könnte hier mit Befriedigung darauf Hinweisen, daß der ״Völkische Beobachter“ sich zum Protest veranlaßt siebt, wenn die Mögli« hheit eines E ntrcehtungsversu» c 1« e s der ■Inden erwähnt wird. M enu aber in manchen ,jücli* sehen Kreisen solche Befürchtungen bestehen, so ist doch die Haltung des ״Yülhisvhen Beohaditers“ die Ilauptursaehe und Grundlage dieser Befürchtungen. Den Clou des Artikels bildet, aber der Schlußteil. Hier wird aus einer belanglosen, wenn auch nicht sehr gcschmaek* vollen Notiz des ״Ilamluirger Israelitischen Familicnblnltes“, in der unter Anspielung auf den 5. März, auf das Purimfe.st und den ״Reichskanzler liaman" hingewiesen wird, der Schluß gezogen, daß d i e J «den ei n c Art Pogrom gegen die d e u t s <׳ h c lU'v ö 1 L e mag beabsichtige n. Der ״Yöl־ kisclie Beobachter“ schreibt: ״Fs bleibt ernsthaft zu untersuchen, ob darin nicht nur eine Aufforderung zu einer persönlichen Gewaltanwcndüng gegen dem Kanzler liegt, sondern auch eine Verhetzung zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gegenüber weiten Bevölkcrungskrciscn, in diesem Falle dem deutsch.- gesinnten Teil seines Wirtsvolkes,‘'