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Jüdische Rundschau · 1937-10-15 · Heft 82 (15.10.1937) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 82 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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u jnmsrHF RUNDRrHAti Nr. 82. 15. X 1937 Hebräisch — graphologisch, befrachtet Die Frage, ob die hebräische Schrift (ebenso wie andere!außereuropäische Schriftarten) mit den Mitteln der europäischen Graphologie zu bewältigen ist, wird schon seit langem in ider Wissenschaft von der llamlschriftenkiiiide diskutiert, ln dem in Brünn erscheinenden graphologischen Fachblatt ״Die Schrift“ (3. Jahr״., Heft 1) findet sich nunmehr ein sehr aufschlußreicher Aufsatz von Martha Gold her g (Amsterdam) über ״Die Dculbarkeit der hebräischen Schrift“. Die Verfasserin hatte im Jahre 1033 in der ״jüdischen Rundschau“ aufgefordert, Schriftproben einzusenden und auf diese Weise ein sehr reichhaltiges Material erhalten. Der Aufsatz, der nur einen Teil des eingegangenen Materials auswertet, gelangt zu dem brgebnis, dal) die Charaktereigenschaften jedes Ein- Benders, wie sie sich in seiner deutschen Schrift offenbaren. Such in der hebräischen Schrift zu erkennen sind, wobei charakteristische Bö (gen, Längen, Einrolhingeu, Betonungen usw. in beiden Schriftarten wiederkebren. Die Verfasserin kündigt eine größere Veröffentlichung an, der man mit Spantwng entgegensehen kann. In dem gleichen Heft befaßt sich ,Willy Schönfeld (I’rag-Komotau) mit der Frage: ״Warum schreiben die Semiten von rechts nach links?“ Es wird in dieser Arbeit versucht, die Schreibrichtung auf weltanschauliche Grundauschauungcn zur itck zu führen. Vom österreichischen Gewerbebund. Unser Wiener JR,- ,Berichterstatter schreibt uns: Der ״Oesterreichischc _ Ge- Werbebund“ ist die l’fliehtorganisation aller ()esterreicher,!die dem Berufsstand ״Gewerbe“ angchören. Der Gewerbe- 1bund in Wien, dessen Obmann der Vizebiirgermeister Dr, Kresse ist, hat des öfteren Anlaß zu Beschwerden der ji'idischeu Gewerbetreibenden darüber gegeben, daß sie in ihrer Gleichberechtigung als Mitglieder schwer beeinträchtigt, ins• besondere bei der Vergebung von Aufträgen durch die Gerneinde Wien übergangen werden. Nun hat dieser Tage die Ortsgruppe Alsergrund (der von Juden stark bewohnte J\ Bezirk) ein Zirkular versandt, das au! der einen Seite Zum Beitritt zur Vaterländischen Front auffordert, während aut der Rückseite zur Kenntnis geltracht wird, daß die Ortsgruppe Anfang Dezember im IX. Bezirk eine Werbeschau '(Aus.sul'luitg gewerblicher Erzeugnisse) ihrer Mitglieder unter Wem Motto ״Christen, kauft nur bei Christen“ zu veranstalten heafi-idiligt. Dieses Schreiben wurde auch an die jüdischen Mitglieder des Gewerbebundes versandt. Dieses Vorkommnis stellt eine Rechtsverletzung War, die vom Präsidium des Gewerbebundes nicht gedeckt werden kann und deren .Abstellung durch die ubergeordnete Behörde allgemein erwartet wird. Zum Tode von Jacques RosenthaL fn München starb 83jährig Jacques Rosenthal. Seine Leidenschaft für das Buch, insbesondere für mittelalterliche Handschriften und frühe Druckwerke erwachte frühzeitig. Der erste größere Aufenthalt in Paris fiel in das Jahr 1878. Von da an verbrachte Jaques Rosenthal viele Jahrzehnte hindurch einen großen Teil des Jahres, mit Studien, Einkauf und Verkauf beschäftigt, im Auslande. Für das schwierige Gebiet der mittelalterlichen Handschriftenkunde, das er als Autodidakt erlernen mußte, erstand ihm in Leopold Delislc, dem berühmten Leiter der Bibliotbeque Nationale, ein stets bereiter Lehrer. Während er auf diese Weise nun besonderen Kenner der Miniatur-Handschriften sich ausbildete, gestattete ihm seine unermüdliche Beschäftigung mit den Frühdrucken eine Ansammlung solcher Bücher, wie sie niemals vorher in der Hand eines Antiquars sich vereinigt hatte. Zur Gutenberg-Feier des Jahres 1000 vermochte er in einem Katalog auf 1500 Frühdrucke seines Besitzes hinzuweisen. Waren die Anfänge in gemeinsamer Arbeit mit dem älteren Bruder Ludwig Rosenthal geleistet worden, so drängte es den sich so stark und eigenartig Entfaltenden zu vollkommener Selbsfändigkeit. 1805 gründete er seine eigene Firma und 1011 wurde das Haus an der Brienncr Straße bezogen, ein wahrhaft museales Antiquariat. Keine große Bibliothek der Weit, zu welcher nicht Beziehungen erhalten worden wären. Kein großer Sammler, welcher nicht in den Kreis dieses Hauses gezogen worden wäre. Für die Preußische Staatsbibliothek erwarb Jacques Rosenthal das berühmte Karolingische Evangcliarium Prumcnse, für Kaiser Wilhelm II. eine umfangreiche Korrespondenz. Voltaires mit Friedrich dem Großen. Ein Gutenberg-Donat, heute ebenfalls der Berliner Bibliothek gehörig, geht in der Literatur unter seinem Namen. Nicht minder wichtige Handschriften konnte Jacques Rosenthal der Bayrischen Staatsbibliothek vermitteln, so ein Evangeliar aus Tegernsee und die Vcrshandschrift eines mittelalterlichen bayrischen Dichters. Den inländischen und ausländischen Bibliotheken gegenüber trat Rosenthal vielfach auch als Spender von kostbaren Werken auf. Seine reichen Verdienst« wurden durch Verleihung von Medaillen und Ehrenurkunden (Universität Berlin, Universität München) gewiirdigt; durch den preußischen wie den bayrischen Hof erfuhr er besondere Auszeichnungen und Ordensverleihungen; von ausländischen Ehrungen sei auf eine solche des Papstes verwiesen, sowie aut eine Ernennung zum Officier d'Academie durch die französische Regierung, welche ihm für wertvolle Spenden an die Bibliotbeque Nationale besonderen Dank schuldete. Ankündigungen aus dem Reich Bochum! ZOG. Am 16, Oktober,' 20.30 Uhr, spricht Erich Frank, Dortmund, über: ״Was bringt uns der jüdische Staat?“ — Breslau! V'izo. Am 18. Oktober, 20.30 Uhr, bri G10״orski, Schweidnitzcr Ftadtgrahcn fl, Klubabend. Reh: Tiudi Colin. — Frankfurt am Main: Gesellschaft ltir jüdische Volksbildung. Fiilmmg durch die Ausstellung der von Sicgnxmd Nauheim gesammelten Kultgerlin* am 24. Oktober, 10.30 Uhr, Fahrgasse 148. Erläuterung: Dr. II. Gtmdcrsheimer. —• Herne: ZOG. Am 18. Oktober, 20.30 Uhr, itrt Sitzungssaal der Synagoge, Vortrag Dr. Xeubcrgcr, Düsseldorf, über: ״An einem Wendefunkt jüdischer Geschichte‘'. —• Köln! Zion. Vereinigung. Am 16. Ok-!ober, Oncg Schabbat. Ansprache: Ernst Lucas: ״Praktischer und politischer Zionismus“: Lieder, Rezitationen. —- Am 21. Oktober, Arbeitskreis. Beide Veranstaltungen um 20.45 Uhr, Cäcilienstr. 18-22. ,—MAGISTER KIRSCH- Der gute Likör Maglftter-Likörfabrik, München VII. In Berltnzu bezieh, durch dis Waingroöhandlur.g Bernhard Brauer, BurgstraSe 3 / Ruf: 5143 40 Lernzeit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung in Danzig. Auch in diesem Jahr veranstaltete die Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung eine Lernzeit für Jugendlülirer und Lehrer. Neben Arbeitsgemeinschaften über ״Geseilschaftskunde“, die Prof. K a n to r o vv i c z abhielt, stand das Singen unter Leitung von Karl Adler (Stuttgart) im Mittelpunkt. Hier wurde deutlich, welche pädagogischen Möglichkeiten in einem derart gestalteten Singen liegen. Großen Eindruck macjite der zusammen erlernte Sprechchor ״Al hanissim“. Welche Stärke und Zielbewußtheit wurde hierbei gestaltet! Adler ließ uns ein herrlichen ״Maoth Zur“ der Sephardim hören, das uns das ganze Pathos der Spaniolen erstehen ließ, andererseits ein kleines Chanukkah-Lied aus Erez Israel. Adler zeigte in seiner mitreißenden Art, welche Lebensfreude aus dem Singen kommen kann, so wies er uns ein Bildungsideal: wiederlebend die Ueberlieferungen jüdischer Vergangenheit und mitlebend jüdische Gegenwart, jedoch einbeziehend die ewigen Werte der Menschheitskultur. Dr. M. Litten Persönliches. Am 11. Oktober ist Justin Lichtcnauer &0 Jahre alt geworden. Er ist Mitglied des Vorstandes) der Münchener Gemeinde, seit langer Zeit Vorsitzender der Zionistischen Fraktion in der Münchener Gemeindevertretung und Vertrauensmann der Keren Hajessod-Arbcit in Bayern. H. 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