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Jüdische Rundschau · 1937-08-24 · Heft 67 (24.8.1937) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 67 (24.8.1937)
Date
1937-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 25 Rpl, I£17 / JÜDISCHE RDNDSCHAD Sfhrlftleltang.Varlag a. 4.ntte!g«nvcrwaltung! BtrllmW 15, M«ln*k«atr.lO Fernrufs 919031, Telegramm ״Adr•••* ז Orghip. - Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2־*״, je Vierteljahr RM 5,75, bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs * Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 173 92 (für das übrige Reich), ln Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Diene tag nnÄ Freitag• BERLIN י״ז אלול תר צ "ז DIENSTAG, 24. AUGUST 1937 Gültig! Anzeigenpreitliete Nr, S, Die 12 gespaltene mm Zeile 20 Rpf., für Familien « Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder «9 bestimmten Plätzen wird keim Gewähr geleistet Gelegenheit»• anzetgen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bi* Freitag 9—18 Uhr. AnrwihrneschJuS für die Dienstag •Ausgabe Montag 10 Uhr, für die F reitng - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien •Anzeigen am Tay vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt IBr das (Odische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Einigung in Zürich Ende der Agency-Tagung Weizmann: ״Das positive Ergebnis ist, daß die Zionistische Organisation und Jewish Agency ungespalten aus dieser ersten Prüfung hervorgehen“ Das Fazit RW, Zürich, 22. August 1937 Mit dem Abschluß der Jewish Agency-Tagung in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag haben die historischen Beratungen von Zürich 1937 ihr Ende erreicht. Als nach dem Warten der letzten Tage, nach all der Ungeduld, Nervenspannung, Verwicklung und Entwirrung die Einigung auch in dieser letzten Phase der Beratungen zustände gekommen war, hatten viele Teilnehmer das Oefühl, daß man vielleicht — das hangt von der weiteren Entwicklung und nicht allein von den Juden ab — einmal dieser Tage als der Geburtsstunde einer neuen jüdischen Epoche gedenken wird. Theodor H e r z. 1 schrieb nach dem Ersten Kongreß 1897 in sein Tagebuch: ״In Basel habe ich den Judenstaat gegründet.“ Mag sein, daß Zürich einmal als eine zweite Etappe auf diesem Wege betrachtet wird. Denn noch auf keinem Zionistenkongreß war so viel vom Juden Staat die Rede und in einer so realen Weise wie diesmal. Das Ergebnis von Zürich ist sehr schwer und langsam zustande gekommen. Die Widersfitncie sind gewaltig. Dennoch ist heute eine neue Situation geschaffen. Denn vor den Züricher Beratungen waren die öffentliehen Aeußerungen der Juden ausschließlich auf unbedingte Ablehnung der englischen Vorschläge abgestimmt. Niemand wagte, ihnen eine positive Seite abzugewinnen; in Zürich wurde zum ersten Male erklärt, daß die Zionistische Organisation mit England über diese Vorschläge i n V e r Handlungen e i n t r e t e 11 solle, und der Füllrer der Jewish Agency, Dr. W eizm a n n, hat keine Zweifei darüber gelassen, daß er das Angebot im Prinzip, wenn auch nicht in allen seinen heutigen Einzelbediiigungen, als einen, ja heute als d e!1 e i 11 z i g e n W e g z u in W e i t e r ־ kommen betrachtet. Große Gruppen des Kongresses und der Jewish Agency waren nicht dieser Meinung. Ihnen schien das Megative zu überwiegen; aber beide Körperschaften konnten sich dem Ernst der Situation nicht entziehen, und so haben sie schließlich die Vollmacht zu Verhandlungen erteilt. Dr. Weizmann, der in Zürich mit großer Geduld und Ueberlegenhcit die Sache durch alle Phasen der Beratungen persönlich hindurchsteuerte, hat dieses Resultat als genügend empfunden. Es gibt eine Möglichkeit zum Weiterarbeiten. Die endgültige Entscheidung wird erst im Laufe des nachsteil Jahres fallen. Es wird wohl in jüdischen Kreisen noch heftige Kämpfe geben, aber nicht gering werden auch die Kämpfe nach außen sein, denn, wie die Dinge liegen, wird es gar nicht leicht sein, das Resultat zu erreichen, das von Vielen heute als ungenügend bagatellisiert wird, in Wahrheit aber zweifellos einen großen Fortschritt der jüdischen Sache gegenüber dem gegenwärtigen als Sackgasse zu bezeichnenden Zustand bedeuten würde. In der Jewish Agency haben sich Widerstände anderer Art geltend gemacht als im Kongreß. Sie kamen, wie die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ wissen, nicht unerwartet. Dennoch hat es überrascht, dafS die Council- Tagung am Freitag nicht zu Ende ging und sich immer neue Schwierigkeiten aufhäuften. Diese Art der Ver- Schleppung galt bisher als zionistische Spezialität, die Nichtzionisten waren davon frei, die Agency-Tagungen haben sich bisher immer programmgemäß abgewickelt. Zwei Tage aber schien es ernstlich, als ob die Einigungs- Verhandlungen scheitern könnten, denn es standen sich zwei s c h a r f entgegengesetzte Haltungen gegenüber. Die Nichtzionistcn stellten zwei Forderungen: 1. Eine Politische Resolution, die auf ein! Round Table-Konferenz mit den Araber׳ abzielt und sich zu einem binationalen Palästi׳ zur Vermeidung der Teilung bekennt. 2. Die Zusammensetzung der Exekutive nach dem Prinzip f if ty-fifty, wie es die Konstitution der Jewish Agency bestimmt, bisher aber noch nie verwirklicht wurde. Die amerikanischen Nichtzionisten unter Führung von Felix War bürg sind entrüstet darüber, daß die Zionistische Organisation in allen politischen Fragen allein bestimmt, daß der Kongreß durch seinen Beschluß jede Stellungnah ine der Agency präjudiziert und auch die Exekutive im wesentlichen vorn Kongreß gewählt wird. Sie verlangen den ihnen zugesagten Anteil am Einfluß und in der Leitung. Bei objektiver Betrachtung muß man die Forderung als formell berechtigt anerkennen, denn tatsächlich haben die Nichtzionisten verfassungsmäßig diese Rechte, worin sie sie auch bisher nicht ausgeübt haben; aber bei näherem Zusehen ist auch das Widerstreben eines großen Teils der Zionisten begreiflich, denn erstens haben die Nichtzionisten nicht das für Palästina geleistet, was von ihnen seit 1929 erwartet worden war. Ja, in manchen Ländern, wie in Amerika empfindet man die Nicht- Zionisten immer noch als Gegner, die auch organisatorisch für ihre eigenen Sammlungen den Weg über das Joint Distribution Committee wählen, die den Palästina-Aktionen in den Weg treten. Zweitens aber hat sich herausgestellt, daß die Nichtzionisten keine Kandidaten für die Exekutive haben. Ihre Führer treten nicht in die Exekutive ein, sondern sie entsenden ihre Vertrauensleute, und sie suchen solche auch unter den Zionisten, so daß zwei Kategorien von zionistischen Exekutiv-Mitgliedern entstehen: solche, die vom Kongreß gewählt sind, und solche, die das Vertrauen der Nichtzionisten genießen (und dadurch der Zionistischen Organisation gegenüber unter Umständen in eine schwierige t age kommen wiirden). Am letzten Tage in Zürich nahm diese Situation etwas seltsame Formen an. Die Nichtzionisten suchten Repräsentanten für die Exekutive, und verschiedene Zionisten und zionistische Gruppen betrachteten dies als eine Möglichkeit, sieh anzubieten und dadurch für sich Sitze in der Exekutive ni erlangen. Im Laufe des Tages wurden die verschiedensten Namen aus den zionistischen Reihen als Kandidaten genannt. Die zionistischen Mehrheitsgruppen jedoch wandten sich dagegen und wollten den Nichtzionisten gar keine Erweiterung ihrer Vertretung ztigestehen. Wie verwickelt diese Dinge sind, läßt sich schon daraus ersehen, daß man doch ainichmen sollte, den Zionisten wäre es vom Parteistandpimkt willkommen, wenn die Nichtzionisten erprobte Zionisten in die Exekutive entsenden, sc» daß doch zum mindesten keine anti/ionistischen Einflüsse zu befürchten sind. Die Nichtzionisten unterscheiden in dieser Hinsicht nicht zwischen Zionisten und Nichtzionisten,sondern zwischen Personen, die von zionisti sehen Parteien abhängig sind, und Zio- Der Schluß Sonnabend abend um 9 Uhr wurde die Schluß- Sitzung von Lord Me lebe tt eröffnet, und die Kommissionen der Council-Tagung erstatteten ihre Berichte, zuerst Mr. Lamport den Bericht der P i n a n z k o m 111 i s s i o n, wobei er das vom Kongreß angenommene Budget auch der jewish Agency vorschlug und in einer zündenden Anspräche zur finanziellen Unterstützung der Palästina-Arbeit aufforderte. Das Budget wurde einstimmig angenommen. Rabbi Goldstein erstattete den Bericht der Org a 11 i s a t ions*K«mmissio n, in dem er ausfiilirte, daß in manchen Ländern eine neue IJeberpriifung der Struktur der Jewish Agency notwendig sei, und daß auch der lnformationsdienst verbessert werden müßte. Demgemäß wurde folgende Resolution angenommen: Der Council beauftragt die Exekutive, innerhalb drei Monaten eine Kommission elnzuselzen, bestehend zu gleichen Teilen aus Zionisten und Nichtzionisten. mit der Aufgabe, die bestehende Struktur der Jewish Agency und ihre Wirksamkeit in den verschiedenen Lindern zu untersuchen unter dem Gesichtspunkte einer Stärkung des Unterbaus der Agency und einer Anpassung ihrer Struktur an die bestehenden Bedingungen. nisten, die in dieser Hinsicht unabhängig sind. Gemäß dem Mechanismus des Organisatiunslebens ist ja in der Tat leider die Situation entstanden, daß unabhängige Zionisten, die keine Parteivertreter sind, aber für die Sache wichtig sein könnten, kein Amt in der Exekutive erhalten können. Hier ist also eine Korrektur so oder so wi'tnsehenswert. Es wurde der Finger auf ein Problem gelegt, das wirklich existiert. Die t rage wurde diesmal noch nicht gelöst, aber es wäre unklug, sie zu ignorieren. Ein besonders entschiedener Gegner der trweiterung der Exekutive war Ben Gurion, der sogar mit seiner Demission drohte. Es ist zu hoffen, daß nach Schluß der Konferenz dieser Konflikt beigelegt wird, denn ein sachlieber Anlaß dazu bestellt nicht. Die Nichtzionisten haben Dr. Ruppin als ihren Vertrauensmann in die Exekutive entsandt, tvas von allen Zionisten mir freudig begrüßt werden kann, und ferner Mrs. Jacobs, die Führerin der zionistischen Frauen-Organisation ״Hadassah“, eine Frau von ganz besonderer persönlicher und zionistischer Qualität, die auch in Europa nicht unbekannt ist (zuletzt durch ihre Arbeit für die Jugend-Alijah). Die Peinlichkeit liegt darin, daß die amerikanischen Nichtzionisten durch diese Wahl gewissermaßen in die delikaten inneren Probleme der Zionistischen Organisation Amerikas eingreifen und in Amerika einen Teil der Zionisten gegen den anderen Teil ausspielen. Man muß nur hoffen, daß auch dieser Punkt noch geklärt wird. Wenn dies geschieht, dann kann die Lösung, die nach schwerer Mühe zustande kam, als glücklich bezeichnet werden. Was schließlich die andere Forderung der Nichtzionisteil betrifft, die sich auf die Politik g e g e n 1! b e r den Arabern bezieht, so wurde der Politischen Resolution des Kongresses ein Abs.it/ hin/ugefugt, der sich auf diesen Punkt bezieht. Die realen Chancen solcher Resolutionen betrachtet inan freilich als recht gering, so daß als einziger praktischer Ausweg doch die Teilung des Landes übrigbleibt. Die Züricher Tagungen sind zu Ende. Sie standen vor schweren Problemen. Fast konnte man sagen, daß auch die Antwort vorausgeseheii werden konnte. Man hätte mit einer erheblich kürzeren Zeit Auskommen können, aber solche Bewegungen und Tagungen haben ihre eigenen inneren Gesetze, und wahrscheinlich konnte es nicht anders sein, als es war. Nun aber tritt die physische Er- Schöpfung in ihre Rechte, Viele Teilnehmer, besonders auch aus Palästina, suchen Erholung in den Bergen der Schweiz und Oesterreichs. Es ist ein Atemholen in reiner Luft, aber mit dem Bewußtsein, daß nach einer kurzen Pause die Arbeit wieder beginnt, und daß es keine leichte Arbeit sein wird. Die Kommission soll unter Kooperation mit dem Ehren- .inwalt der Jewish Agency arbeiten und ihre Empfehlung einschließlich von Vorschlägen über etwaige Aenderungen der Verfassung in gehöriger Form der nächsten Tagung des Council vorlegen. Nächster Punkt der Tagesordnung ist die Politische Resolution, die schon viele Tage umkämpft war. Die Politisch« Resolution wurde zunächst verlesen. Sie hat folgenden Wortlaut: 1. Die fünfte Tagung des Council der Jewish Agency for Palestine nimmt die vom XX. Zionistenkongreß angenommene Politische Resolution zur Kenntnis und drückt ihre Zustimmung zu deren wesentlichen Schlußfolgerungen aus. 2. Der Council weist die Behauptung der Palestine Royal Commission, daß das Palästinamandat sich als undurchführbar erwiesen habe, zurück. Der Council beauftragt die Exekutive, sich jeder Beeinträchtigung der durch die Balfour-Deklaration und das Mandat international garantierten Rechte des jüdischen Volkes zu widersetzen. der Council-Sitzung

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