Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 48 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 48, 18. VI 1937 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Vom Orlsgruppenvorsilzenden zum Siedler Ein Rückblick auf vierzig Jahre Zionismus in Deutschland wäre unvollständig, wenn nicht auch die zu Worte kämen, die nach jahrelanger führender zionistischer Arbeit in Deutschland den Weg der Umschichtung und Verwirklichung des Zionismus durch landwirtschaftliche Siedlung in Palästina gefunden haben. Wir haben einen dieser Männer, Dr. Max Jacobsohn, früher langjähriger Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe Breslau, ersucht, aus seinem jetzigen Leben zu erzählen. Niemand wird verkennen, daß die Kritik, die er nach mehrjähriger Erfahrung bei der Darstellung der Probleme eines Mittelstandssiedlers übt, aus echter zionistischer Veranlwortung stammt. Wenn wir heute der vierzig Jahre zionistischer Arbeit gedenken, so ist unser Blick nicht nur rückwärts, sondern auch vorwärts gerichtet, und wir begrüßen es, wenn bei dieser Gelegenheit Anregungen 'gegeben werden, die in dem schweren Ringen um Verwirklichung eines echten Zionismus in Erez Israel nützlieh sein können. (Red.) Geburt im Rheinland Von Harry Epstein (jetzt Jerusalem) In Bonn wurde 1S12 Moses Heß geboren, in Köin wurde er 1875 begraben. 1888 kam David Wolffsohn nach Köln, bald darauf M, J. Bodenheitner, die 1S(>3 den Kölner Verein zur Förderung von Ackerbau und Handwerk in Palästina, 1894 die nationaljüdische Vereinigung in Köln gründeten und 18% dort eine Palästina-Ausstellung vcranstalteten. 1897 wurde in Bingen die nationaljüdische Vereinigung für Deutschland mit dem Sitz in Köln gegründet. Im Frühjahr 1898 zog David Wolffsohns Lehrer und Erzieher Isaak Külf, siebcnundsechzigjiihrig, von Memel nach Bonn. Dort, in Elberfeld und Duisburg wurden die ersten zionistischen Ortsgruppen ins Leben gerufen. Der dritte Delegicrtentag fand 1899 in Köln statt. Die ZVfD. ist im westlichsten Teile Deutschlands entstanden, am weitesten vom östlichen Judentum entfernt, geschaffen von einer kleinen Zahl von Menschen im Kampfe gegen die erbittert sich wehrende Assimilation. Diese Gegnerschaft der Anfangsjahre hat sich den Juden des Rheinlands eingeprägt und so wurde der dortige Zionismus der kämpferischste in ganz Deutschland. Herzls Wort von der Eroberung der Gemeinden wurde hier zuerst zur Tat gemacht. Nach siebenjähriger Arbeit verhalfen die Zionisten des Rheinlands im Jahre 1914 dem Grundsatz der Gleichberechtigung aller Juden in der jiidisehen Gemeinde zur Anerkennung, vereitelten die Bemüliungen der Assimilation, durch Ausschaltung ihrer Gegner sich die Herrschaft in der Gemeinde zu sichern und ebneten dadurch dem nationalen Judentum den Weg. Die Zionisten des Rheinlands erstritten als erste Abgaben jüdischer Gemeinden an die jüdischnationalen Fonds und die Schaffung hebräischer Lehrkurse durch die Gemeinden. Sie widmeten sich mit Erfolg gegen den heftigen Widerstand der übrigen Juden der Gründung jüdischer Schulen. Sie errichteten im Dllllfl I OlfllfflH fL v®pb0ssert8 Auflag• erschienen. ■ IIIIU LCfllflUli Zu beziehen durch den Buchhandel und Philo Verlag u. Buchhandlung 8. m. b. H. Berlin W 15, Pariser Straße 44 Jahre 1919 die große jüdische Arbeiterfürsorgestelle für!heinland und Westfalen in Duisburg, die, von den jiidisehen Gemeinden unterhalten, viele Jahre hindurch eine wichtige jüdiscfinationale Position darstellte und vielen jungen Arbeitern den Weg nach Erez Israel freimachte. Die Eigenart der Zionisten des Rheinlands lag schon früh darin, daß sie immer bestrebt waren, den Zionismus zu jeder Zeit und an jeder Stelle zu betätigen und zu praktischer Wirksamkeit zu bringen. Das geschah notwendig 1m Kampf gegen diejenigen, die vom Zionismus Gefahren befürchteten und sich ihm entgcgenstellten. Die ersten Führer der Zionisten des Rheinlands waren der ritterliche und treue David Wolffsohn, M. J. Bodcnheimer, Herzls Mitarbeiter, und der in seinen weißen Locken jugendliche Feuerkopf Isaak Riilf, schon seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts tätiger Mittler zwischen Ost und West, der erste und zu seiner Zeit einzige zionistische Rabbiner in Deutschland. Die ״Opposition“ 1897 — 1914 Von Hille! Hugo Schachtel, Haifa Schon Im Moment des Entstehens der modernen Zionistisehen Organisation gab es eine Opposition innerhalb ihrer Reihen, gab es in ihr Strömungen, die sich gegen gewisse *Einstellungen der offiziellen Vertretung der Gesamtorganisation richteten. Opposition gegen die Zentrale in Wien und gegen die ihr absolut ergebene Leitung der ״deutschen Landsmannschaft“ in Köln. Sie kam vor allem aus jenen Kreisen, die nicht erst durch den Fanfarenruf Theodor Herzls zur zionistischen Idee gekommen waren, sondern schon vor dem Erscheinen des ,,Judenstaates“ Zionisten waren, die Anhänger der Chibat-Zion, die Chowcwe-Zion. Unter ihnen gah es eine Richtung, die rein philanthropischen Charakter hatte, der es nur um die menschliehe Abhilfe akuter Notstände unter Juden zu tun war und die sich eine Hilfe von der Transferierung und Kolonisierung notleidender Juden nach Palästina versprach. Darüber hinaus gab es unter den Chowewe-Zion eine weiterblickende, jüdisch-nationale Richtung, die diese Siedlung als Basis für eine Restaurierung der Juden als Volk ansah, eine Rückkehr der Juden nach ihrer Heimat erstrebt, ohne allerdings das Endziel laut zu proklamieren und die sich meist schon entsprechend der Wortprägung des jüngst heimgegangenen Nathan Birnbaum als ״Zionisten“ bezcichnete. Beide Riehhingen waren vor allem in Rußland vertreten, dann in Galizien und Rumänien, nicht sehr zahlreich auch in Deutschland. Aber gerade ihren führenden Männern in Deutschland, Hirsch Hildesheimer, Willy Bambus und Isaak Turoff war vor allem die Schaffung des Zentralkomitees der Cliowewe-Zion in Paris zu danken. Auch von den national und politisch eingestellten Chowewe-Zion schlossen sich nicht alle der neuen politischen Organisation an, da sie fürchteten, daß deren Arbeit im vollen Lichte der ()Öffentlichkeit ihrer Arbeit in Palästina schädlich sein könnte. Auch Willy Bambus, der zwar zunächst der Organisation beitrat, gab in seinem Organ ״Zion“ dieser Befürchtung Ausdruck. Hirsch Hildesheimer, innerlich durchaus Zionist, lehnte die neue Bewegung ab, da es verkehrt sei, am Dache zu arbeiten, ehe das Fundament gebaut sei. Dagegen hielt die Wiener Leitung — und Köln stimmte mit ihr durchaus überein — jede Weiterarbeit in Palästina für falsch und den politischen Bestrebungen abträglich. Mari dürfe nicht ein Objekt, das man erwerben wolle, zuvor durch seine Leistung wertvoller und somit kostspieliger machen; die Infiltration sei zudem illoyal, da sie eine Nichtbeachtung und Umgehung des von der türkischen Regierung erlassenen Eimvanaerungs-Verbotes sei, — sie sei auch unserer unwürdig. Als scheinbares Entgegenkommen für die Anhänger der Fortsetzung der Kolonisationsarbeit setzte dann der erste Kongreß im ״Baseler Programm“ als eines der Mittel zur Erreichung des Hauptzieles fest: die zweckdienliche Förderung der Besiedlung Palästinas. Offen blieb bloß die Frage: was ist ״zweckdienlieh“? Darüber gingen eben die Meinungen weit auseinander. Wien blieb bei seiner Auffassung, die den weitesten Kreisen als Parole, als strikteste Weisung galt. Bis zur Erlangung der öffentlich-rechtlichen Sicherheiten sei alle kolonisatorische Arbeit zu sistieren. Besonders in Rußland war wohl die große Mehrzahl der Zionisten durchaus gegenteiliger Auffassung, während man in Deutschland schon aus Gründen der Disziplin mehr der Wiener Auffassung zugeneigt war. Doch setzte sich die oppositionelle Auffassung immer mehr auch hier durch, besonders nachdem ihr schärfster Vertreter, Willv Barnbus, sein nicht gerade angenehm zu lesendes Organ hatte eingehen lassen. Später wurde in erster Reihe Verfechter praktischer Aufbauarbeit in Pa! üna Davis Trietsch, der besonderen Widerhall und Unterstützung• in Breslau fand. Es kam aber noch etwas hinzu, was die Opposition einte, die, nota bene, trotz aller sachlichen Differenzen durchaus nicht Probleme der mittelständischen Siedlung Von Max Jacobsohn, Meged bei Pardess-Hannah In Europa ist die soziale Schichtung der Landwirtschaft ekcnnzeichnet durch den Unterschied zwischen dem Gutscsitzer und dem Bauern; das unterscheidende Merkmal ist, ob die Mitarbeit des Eigentümers für den Betrieb wesentlieh ist. In Palästina ist die Gliederung viel mannigfacher. Man unterscheidet hier: die Kollektiv-Wirtschaften der Kibbuzim und die Individual-Wirtschaften, die ״nationale“ Kolonisation (d. h. die Ansiedlung aus öffentlicher! Mitteln, insbes. der Fonds) und die ״privatc“ Kolonisation, den Gutsbesitzer (hier ״Ikar“ genannt), der nicht mitzuarbeiten braucht, und den selbstarbeitenden Siedler, den Betrieb mit rein jüdischer Arbeit und den mit arabischer oder gemischter Arbeit, den Bauern, der aus dem Landarbeiterstande hervorgegangen ist, und denjenigen, der aus einem anderen Berufe unmittelbar auf die Scholle ging (also sich umgcschichtet hat). In der Unterscheidung aber zwischen Gutsbesitzer und Bauer bat sich die Grenzziehung hier verschoben. Als wesentlich nämlich wird es in Palästina nicht angesehen, ob der Eigentiimer mitarbeitet, sondern ob die Wirtschaft ganz und gar aut ״Sclbstarbeit“ gestellt ist oder Lohnarbeiter beschäftigt werden. Der Typ, von dem hier die Rede sein soll, ist die Individualwirtschaft, aufgebaut aus privaten Mitteln des Siedlers, auf reine ״Selbstarbeit“ gestellt, die nur aushilfsweise in besonderen Fidlen auf (rein jüdische) Lohnarbeit zurückgreift, und deren Eigentümer durch Umschichtung zur Landwirtschaft kam. Es gibt heute im Lande sehr viele Wirtschaften, die alle hier aufgezählten Begriffsmcrkmale an sich tragen. Die Alijah aus Deutschland hat diesen Typ eigentlich erst geschaffen, mindestens ihm sein Gepräge gegeben. Seine besonderen Probleme fließen aus den Merkmalen, die ihn kennzeichnen: Wir haben bereits erwähnt, daß die Kolonisation mit privaten Mitteln ״private“ Kolonisation, die mit öffentlichen Mitteln ״nationale“ Kolonisation genannt wird. Der mittelständische Siedler zahlt eine hohe Strafe für das Unrecht, das er beging, indem er eigene, nicht öffentliche Mittel investierte (und sich damit uni das Prädikat ״national“ brachte): Die Jewish Agency überläßt ihn völlig seinem eigenen Wege. Es gibt private Siedlungen, die drei und vier Jahre bestehen und noch nie von einem Mitgliede der Agency besucht worden sind (in Parenthese: der High Commissioncr hat sie inzwischen mehrere Male besucht). Die Instruktoren der Versuchsstation der Exekutive besuchen regelmäßig in Abständen von 6~S Wochen jede Siedlung der ״nationalen“ Kolonisation. Zu den ״privaten“ Siedhingen kommen sie nicht. Um die Tragweite dieser Tat- Sache zu ermessen, muß man erwägen, daß die moderne Landwirtschaft in Palästina sehr jung ist, und daß alljährlich etwa die große Bedeutung der persönlichen Arbeit Theodor Herzls verkannte oder unterschätzte. Das war ihre Unzufriedenheit mit der Tatsache, daß den einzelnen Zionisten durch die Art des Wiener Regimes, in Deutschland vielleicht noch mehr durch das Kölner Regime oder Nichiregime, keine Arbeits- und Betätigutigsniögiiclikeifen gegeben war, außer Ideen- Propaganda und allenfalls Schekelsammlung und später Werbung für die Kolonialhank, während jeder Gegner einem entgegenhielt, daß man nichts Ernstliches tue. Es war ein Ausfluß dieser oppositionellen Stimmung, daß man bei dem Berliner Delegiertentag 1901 Berlin stark bedrängte, endlich ein eigenes Partei-Organ zu schaffen und später die allmähliche Ueberfiilmmg der Landeszentrale nach Berlin durchsetzte, woran sich auch die beteiligten, die genau wußten, daß auch Berlin nicht ganz ihren Wünschen entsprechen würde. Als 1904 Herzl starb, waren es vor allem diese oppositioneüen Kreise in Deutschland und anderwärts, die schärfste Opposition dem Gedanken machten, daß die Wiener ״Koliegen“ Herzls, wie diese wollten, etwa die Leitung der Bewegung übernähmen. Die Leitung der Bewegung kam nach Köln und enttäuschte bald alle, die gehofft hatten, der Kaufmann und alte Chowew-Zion David Wolffsohn würde, wenn man ihn auch als ״politischen“ Zionisten kannte, mehr Sinn und Verständnis für eine praktische Palästina-Arbeit haben, als die Wiener Leitung. Statt dessen gerieten die Bewegung und ihre Institutionen, besonders die finanziellen, unter ihm immer mehr in die Hände einer sich selbst ״politisch“ nennenden Richtung, die aber durchaus nicht etwa besondere politische Befähigung zu beweisen in der Lage war. Die Opposition, die durchaus nicht etwa gegen eine politische Arbeit war, wie die reinen ״Politiker“ es immer hinstellen, hatte am VI. Kongreß die Einsetzung einer Palistina-Kom- «nission Warburg-Soskin-Oppenheimer durchgesetzt, die im Gegensatz zu den auf früheren Kongressen gewählten Palästina-Kommissionen wirklich arbeitsfähig und arbeitswillig war und damit die erste reale Grundlage für eine offizielle zionistische Palästina-Arbeit geschaffen, ln ihrem Namen und damit zugleich im Sinne der Opposition erklärte Warbtirg beim VII. Kongreß: ״Nur eine schon geleistete Arbeit kann uns den nötigen Kredit bei den verschiedenen Mächten verschaffen. Solange wir nur unseren guten Willen beteuern, werden wir weder Glauben bei der Türkei, noch Vertrauen seitens der Großmächte finden.“ Also praktische Arbeit in Palästina als reale Basis für diplomatische Verhandlungen. Daß Arthur Ruppin sie beginnen konnte. neue Kulturen, neue Methoden, neue Geräte auftauchen. Der private Siedler lernt die Neuerungen aus dritter Hand kennen, d. h. er hinkt nach. — Braucht der ״private“ Siedler einen Kredit, so kann er ihn nicht unter 71!״',״׳ Zinsen erhalten; die ״nationale“ Kolonisation arbeitet mit Krediten von 4 <’/0 und noch darunter. Die zweite Gruppe der Probleme dieses Siedlertyps ergibt sich aus der Kleinheit der Wirtschaftseinheit. Durch das Prinzip der Selbstarbeit sind dem Umfange des Betriebes gewisse Grenzen gezogen. Seine Produkte sind an Menge ein bescheidener Bruchteil dessen, was die große Kollektiv- Wirtschaft produziert. Aber die Erzeugnisse beider Betriebsarten werden durch eine und dieselbe Organisation, nämlieh die Tnuwah, auf den Markt gebracht. Der Kibbuz schickt an einem Tage 100 Kisten Tomaten, der Einzel- Siedler 2 oder 3 Kisten. Es ist begreiflich, daß die 100 Kisten des Kibbuz bei dem Verkaufsbeamten der Tnuwah das größere Interesse erregen. Kein Wunder auch, daß der Händler, der bei der Tnuwah einkauft (an Verbraucher direkt liefert die Tnuwah nicht), aus der Sericulieterung eines großen Kibbuz lieber kauft als aus den vielen Einzel- Sendungen der kleinen Wirtschaften. Der Einzelsiedlcr ist darum auf dem Markt immer im Nachteil, Die dritte Problemreihe der Mitteistandssiedler ergibt sich aus ihrer Vereinzelung. Sie!iahen keinen Interessen- Vertreter. Die großen ikariin haben ihren Bcrufsverband mit regelrechtem Geschäftsbetrieb; ihre gewählten Repräsentanten haben Zeit und Geld, nach den Städten zu fahren, um dort mit den zionistischen Gremien zu verhandeln. Auch die Kibbuzim sind imstande, einen ihrer Chawerim zu allen Tagungen, Verhandlungen usw. zu delegieren. Der Mittel- Ständler ist höchst selten an den Stellen, an denen sein Schicksal entschieden wird, persönlich an/utreffen. Er geht in der Arbeit in seiner Wirtschaft völlig unter. Er hat auch nicht das Geld für die nötigen Rehen. Mit den Problemen, die hier nur skizzenhaft angedcutet sind, steht und fällt der gesamte Stand des Siedlers dieser Kategorie. Die Exekutive wird sich die Frage vorlegen müssen, ob sie an dem Fortbestände dieses Typs interessiert ist, oder ob sie ihn untergehen lassen will. Mir scheint es, _ daß er national und wirtschaftlich von hohem Werte ist. Die Fonds haben in den Moschawim des Einek LP 1500 für jede Familie investiert. Mit einer einmaligen Ausgabe von £P 1500 könnte man das Problem von einigen hundert Familien der mittelständischen Landwirtschaft lösen. Man könnte davon zwei Jahre lang einen Organisator besolden, der die Wirtschaften dieser Kategorie ständig bereist, ihre Nöte und ihre Interessen studiert und Vorschläge für a) Kredithilfe zu angemessenem Zins, b) Einbeziehung in das Netz der regelmäßigen Instruktion, c) ständige Verbindung mit öffentlichen Einrichtungen, besonders der Exekutive, d) Absatzeinrichtungen, die den Bedürfnissen der Klein- Siedler angemessen sind, ausarbeitet. Ein kleiner Teil des genannten Etats wäre abzuzweigen, uni den Mittelstaudssiedlern Reisen zu Verbandlungen und Tagungen zu ermöglichen. Mit diesen besehe!• denen Hilfsmitteln wird der Stand dieser Siedlerkategorie den Weg zu seiner Erhaltung finden. Ohne sie wird er von den Großbetrieben — Kibbuzim einerseits. Großfarnien andererseits — an die Wand gedrückt und aufgericbcii werden. war ein bei den Offiziellen nur schwer zu erringendes Zugesfändnis. Fest ruhte die Hand der Offiziellen auf den infolge der Untätigkeit noch sehr geringen Mitteln der Organisation, für die das Prinzip der ״Miindelsiciierlicit" au!- gestellt wurde, weshalb sie zu einem Teil lieber zu (später sehr verlustbringenden!) russischen Geschäften als für Palästina-Arbciten verwandt wurden. Beim IX., dem Hamburger Winter-Kongreß (1007), hoffte die Opposition sich endlich durchsetzen zu können. Wolffsohn gelang cs aber, dies zu verhindern. Es war nur ein I’yrrhus - Sieg. Zwisehen dem X. mul XI. Kongreß sammelte mul organisiede sich die Opposition. Im Februar 1910 wurde von Berlin aus ein großer Aufruf versandt, der 19 Unterschriften trug: Ascher-Dessau, Eli Auerbach, Israel Auerbach, Julius Becker, Herbert Bentwich, Martin Buber, Bertliold Feiwei, Georg Halpern, Richard Lichtheim, Ed. Pool, Aron Sandler, Wladimir Jabotinski, Hugo Schachtel, Julius Simon, Selig Soskin, Isaak Straus, Davis Trietsch, Chajim Weizmann, Arnold Wiener. Der Aufruf wandte sich an alle Zionisten außerhalb Rußlands und Oesterreichs (das damals noch Galizien mitumfaßte), in denen gleichgerichtete Sonderaktionen eingeleitet wurden. Der Berliner Aufruf forderte Zusammenarbeit von Ost und West, eine damals sehr dringliche, sehr aktuelle Forderung, reale Palästina-Arbeit als Grundlage der Politik mit Hergabe der finanziellen Mittel der Bewegung für sie, eine reale moderne Politik, Loyalität gegenüber der Idee, nicht gegenüber Personen. Dieser Aufruf und die gleichzeitige, gleichgerichtete Arbeit insbesondere in Rußland schufen die beim X. Kongreß (August 1911) erforderliche!Majorität für die Auffassung der bisherigen Opposition und machten die Bahn für eine Leitung in ihrem Sinne frei. 1912 faßte der Delegiertentag der deutschen Zionisten in Posen eine Resoliition, in der es in Konsequenz der überragenden Bedeutung der Palästina-Arbeit für die Befreiung der Einzelpersonliclikeit sowie als Mittel zur Erreichung des zionistischen Endziels für die Pflicht jedes Zionisten, insbesondere der wirtschaftlich Unabhängigen, erklärt wurde, die IJebersiedlung nach Palästina in ihr Lebensprogramm anfzunehmen. Der Wiener Kongreß (1913) zollte Arthur Ruppin für seine bisherige Tätigkeit in Palästina alle Anerkennung, aber er vermochte nicht, die Leitung der Bank und des Keren Kajemeth den sie ״schützenden“ Händen der Wolffsohn, Kahn und ihrer Freunde zu entwinden. ... Dann kam der Krieg, kam die Balfour-Dcklaration, kam San Rcmo, kain die neue Epoche und damit der strikte Beweis, wie richtig die Ein- Stellung der einstigen Opposition im Zionismus gewesen war, wie notwendig das war, was sie immer gefordert hatte. Ulllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllll!lllll!l!!lllllll:!lllllMMIIIIIIIIlllllllllllllllllllll1n11lllllllllllll!llil1n1lllllllllllll!llllllllll|)|||IUIIIIIIIIIIIIIIII!llll!l!lllll!lllllllllllllllllllllllHI!!!llll!lllllllllll!ll!lllill!lllllll!ll!llll!lll!lll!lllllil!llilllm1!ll!!!ll!1mll Auch zur Reise für den Herrn das Popeline-Hemd für die Dame die reinseidene Bluse Kaufhaus am Savignyplatz Berlin Charlottenburg, Grolmanstraße 37