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Jüdische Rundschau · 1937-06-04 · Heft 44 (4.6.1937) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 44 (4.6.1937)
Date
1937-06-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44, 4. JUNI 1937 ALÄSTI Das neue Siedlungswerk Bericht und Ausblick # von Arthur RUpPin Dr. Ruppin hielt in der letzten Sitzung des Zionistischen Aklions-Comitcs in Jerusalem eine Rede, in der er vor allem die jüngsten Fortschritte des landwirtschaftlichen Siedlungswerkcs darstellte. Die Entwicklung des letzten Jahres bedeutet eine gewaltige Ausdehnung dieses Werkes. Zu Beginn seiner Rede bemerkte Dr. Ruppin, daß seit dem letzten Zionistenkongreß durch die Kolonisations-Abteilung der Jewish Agency eine Siedlungstätigkeit von großem Wert und mit wichtigen Erfolgen durchgeführt wurde. Er begnügte sich mit einer kurzen Uebersicht und zeigte dann die allgemeinen Linien dieser Tätigkeit auf. Diesen Teil seiner Rede geben wir hier wieder. (Red.) Drei charakteristische Züge zeichnen die Siedlungstätigfceit der Jewish Agency bzw. des Keren Hajessod seit dem letzten Zionistenkongreß aus. Unmittelbar nach dem Kongreß in Luzern begann der italienisch-abessinisehe Konflikt, und kaum war der Krieg in Abessinien zu Ende, kamen die blutigen Unruhen im Lande. Diese Unsicherheit und diese Erschütterungen beeinflußten auch die Siediungstätigkeit. Wir mußten ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der neuen Siedlungspunkte haben. Zur Zeit der Türkenherrschaft im Lande wußten wir, daß wir unsere Wirtschaften verteidigen müssen und pflegten deshalb um jeden Siedlungspunkt eine Verteidigungsmauer zu errichten. Als die Engländer ins Land kamen, hörten wir auf, solche Mauern zu bauen, da wir dachten, daß unter der Herrschaft der Engländer Sicherheit und Frieden im Lande herrschen werden. Wenn man aber jetzt unsere neuen Siedlungspunkte besucht, so sieht man wieder eine Verteidigung«mauer rings um den Ort, und ein Wachtturm befindet sich in der Mitte einer jeden Wirtschaft. Auch die Ausgaben für Sicherheitszwecke nehmen zur Zeit einen wichtigen Platz in den allgemeinen Ausgaben der Ansiedlung ein. Dies ist der eine charakteristische Zug. Der zweite Punkt ist: Die Unruhen haben uns gezeigt, daß wir in sehr hohem Maße von der ausländischen Produktion abhängig sind, und daß es zu einer Katastrophe in der jüdischen Stadt kommen kann, wenn wir nicht auf genügende Selbstversorgung bedacht sind, d. h. wenn wir nicht selber in unseren landwirtschaftlichen Siedlungen in immer größerem Maße die lebenswichtigen Bedarfsartikel der städtischen Bevölkerung produzieren können. Wir begannen also dafür zu sorgen, daß unsere Wirtschaften diejenigen Wirtschaftszweige entwickelten und erweiterten, die uns bisher gefehlt hatten und in denen wir von dem nichtjüdischen Markt im Lande und vom Import aus dem Auslande abhängig waren. Wir erweiterten den Zweig der Hühnerwirtschaft, vergrößerten die Anzahl des Geflügels ebenso wie die Anbaufläche für Gemüse. Der dritte Punkt ist: Alijah aus Deutschland. Zuerst möchte ich einige Zahlen über die Summen, die zu unserer Verfügung stehen, geben. Wir erhielten oder werden noch erhalten vom Keren Hajessod aus den Geldern des allgemeinen Budgets £P 82 000. Außerdem erhielten wir eine besondere Zuwendung für die Ansiedlung im Beth Schan-Gebiet von unseren Freunden in Südafrika in Höhe von £P 17 000; natürlich sind auch dies Gelder des Keren Hajessod. Für besondere Zwecke bekamen wir noch Spenden in Höhe von £P 3000. Von der Siedlungsgesellschaft (PASA), die wir nach den Beschlüssen des Kongresses gründeten, erhielten wir £P 85 000 aus dem Verkauf ihrer Schuldscheine und aus ihrem Gründungskapital. Auch von den Bewässerungsgesellschaften ״Emek“ und ״Gilboa“ wurden uns £P 1000 zugeführt. So werden uns insgesamt £P 197 000 zur Verfügung stehen. Wie verwendeten wir diese Gelder? Seit dem letzten Kongreß haben wir in dreizehn Moschawim 840 und in vierzehn Kwuzoth 720 Familien angesiedelt. Dies ist ein Teil des Siedhmgsprogramms von 2300 Familien, das vom letzten Kongreß bestätigt wurde. Für diese An- Siedlung gaben wir ungefähr £P 176 000 aus. Den Löwenanteil dieser Summe investierten wir in der Ansiedlung im Etnek Chefer. Die Summe unserer Investitionen dort belief sich auf CP 120 000, fast zwei Drittel der Gesamtsumme. Außerdem errichteten wir fünf Kwuzoth auf den Böden des Beth Schan und auf den Böden von Zemach. Wir erneuerten unsere Siediungstätigkeit an einigen Punkten, die bis jetzt aus Wassermangel nicht existieren konnten. Wir begannen von neuem an diesen Orten nach Wasser zu bohren. Vor allem erneuerten wir die Siediungstätigkeit in Kfar Chitin, in Chulda und in Kfar Gideon. Wir hoffen, daß wir durch die neuen Anstrengungen, die wir machen, in dieser Sache Erfolg haben werden und die Schande von uns abwälzen können, daß es im Lande Siedlungspunkte gibt, die wir nicht halten können. Wir gründeten auch zwei Wassergesellschaften; eine von ihnen wurde unter Beteiligung der Gesellschaft für chemische Industrie und eine von unserem eigenen Oelde zusammen mit der Gesellschaft ״Nir“ gegründet, und ich hoffe auch, daß der KKL sich daran beteiligen wird (die Verhandlungen mit ihm sind noch nicht beendet). Mit Hilfe dieser Gesellschaft gelang es uns, neues Wasser im Nuris-Block im östlichen Eniek Jesreel zu finden, das uns die Bewässerung von etwa 10 000 Dunam ermöglichte. Auch die zweite neue Gesellschaft begann schon mit der Suche von Wasserquellen an verschiedenen Orten bei Kfar Chassidim. Nach dem Ergebnis der Untersuchungen hoffen wir, daß wir auch dort neue Quellen finden, die uns die Bewässerung von weiteren 10 000 Dunam ermöglichen. Dadurch würde uns die Möglichkeit gegeben sein, die Zahl der Siedler um etwa fünfhundert Familien zu vermehren. Aus den Zahlen der letzten Volkszählung, die wir vor sechs Monaten veranstalteten, ging; hervor, daß sich in den letzten sechs Jahren die Zahl der Siedler in unseren Wirtschaften verdoppelt hat. Ich möchte einige Ziffern ingeben und sie mit denen der Zählung 1m Jahre 1930 vergleichen: Anzahl der landwirtschaftlichen Sied- 1930 1936 lungen des Keren Hajessod Zahl der Menschen in diesen Sied- 35 53 lungen 5 200 14 000 Die bearbeitete Fläche in Dunam Wlanzungsfläche (hauptsächlich Par- 120 000 204 000 dessim) 5300 12400 Bewässerter Boden ohne Pflanzungen 2 600 9200 Jnbewässerter Boden 93 030 154 000 ^k'dvieh (Stück) 3 400 6 900 Kleinvieh (Stück) 2703 3 200 Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, daß das Wachstum mehr als 103 ס/י beträgt. Ich möchte noch hinzufügen, daß in der gesamten jüdischen Landwirtschaft in Erez Israel heute 55 000 Menschen arbeiten oder besser, sich von ihr ernähren. Insgesamt wohnen außerhalb der Städte 95 030 Juden, von denen sich 40 000 nicht von der Landwirtschaft, sondern von anderen Wirtschaftszweigen erhalten. Wenn man die Ausmaße des Ansteigens der Produktion unserer Meschakim kennenlerncn will, braucht man nur die Zahlen der ״T’n 11 w a“ anzuschauen. Diese Zahlen zeigen uns die Schnelligkeit im Wachstum unserer Wirtschaften. Die ״T'nuwa“ verkauft die Produkte fast aller Wirtschaften, die von der Jewish Agency abhängig sind. Die Mil chm enge, die die ״T’nuwa‘‘ als reine Milch oder als Milchprodukte verkaufte, belief sich im Jahre 1936 auf 18 Millionen Liter gegenüber 12 Millionen im Jahre 1935, eine Steigerung also um 50 °'n in einem Jahr! Im selben Jahre 1936 verkaufte die ״T’nuwa“ 12 Millionen Eier gegenüber 6 Millionen im vorhergehenden Jahr. Die Anbaufläche für Gemüse, deren Erzeugnisse die ״T’nuwa“ verkaufte, umfaßte in diesem Jahr 6030 Dunam gegenüber 3500 Dunam im Vorjahre. Der Gesamtumsatz der ״T’nuwa'* betrug in diesem Jahre £P 550 000 gegenüber £P 410 000 im vorigen Jahr. Weiter kann ich berichten, daß die Bilanz unserer landwirtschaftlichen Siedlungen im Jahre 5695 einen Reingewinn von £P 20 000 aus der Landwirtschaft und weitere £P 5000 aus Nebenarbeiten aufzuwe'sen hat. Im Jahre 5696 stieg der Gewinn aus des־ Landwirtschaft schon auf £P 26 000. Sicherlich ist es schon bekannt, daß unsere Wirtschaften mit der Zurückzahlung der in Form von Anleihen investierten Gelder begonnen haben. Der Termin, an dem sie laut den Verträgen die erste Rückzahlung zu leisten hatten, war im Oktober 1936. Damals wurden uns £P 5600 gezahlt, das sind ungefähr 80 <0/י der Gesamtsumme, die zu diesem Zeitpunkt hätte gezahlt werden müssen. Die fchlenden 20 °;0 erhalten wir von denjenigen Wirtschaften, mit denen wir noch in Verhandlung stehen. Sie beklagen sich, daß sie bis jetzt noch nicht den gesamten Zuschuß, den wir ihnen versprochen hatten, erhalten hätten. Der Zahlung«- termin für die zweite Zahlungsrate fällt auf den Monat April 1937, d. h. die Rate ist jetzt fällig. Wir haben von der Gesamtsumme von £P 6000, die wir in diesem Monat zu bekommen haben, schon £P 4000 erhalten, und wir sind sicher, daß auch die restlichen £P 2000 gezahlt werden. Vor einigen Tagen besuchte ich einige unserer Wirtschatten. Was auf mich den größten Eindruck machte und mich am meisten überraschte, war die Stimmung der Siedler nach einem so schweren Jahre. Ich kann zu meiner Freude sagen, daß ich bei den Siedlern — Menschen aus der zweiten und dritten Aiijah —, die alle Schwierigkeiten unserer Kolonisation tragen, Mut und Entschlossenheit vorfand. Sie fühlen sich so stark, so gefestigt, daß sie nifht einmal über den wirtschaftlichen Zustand sprechen. Die einzige Sache, die sie interessiert, ist: was sie zur Erweiterung unseres Siedlungswerkes tun können. Sie selbst müßten unsere Siedlungspunkte in Beth Schan und in Zemach sehen, müßten das Leben der Menschen an diesen Punkten erleben. Ich muß Ihnen sagen, daß diese Menschen wirklich wie in einer Festung leben, sie leben das Leben von Soldaten. Ich bin sicher, daß sie jedem Angriff standhalten können. Sie wissen, daß die Hauptsache für mich die Zahlen sind und daß ich Zahlen richtig einzuschäfzen verstehe. Aber es scheint mir, daß in unserem Siedlungswerk bis zum heutigen Tage der Geist der Siedler die Hauptsache ist. Dieser Geist änderte sich vom ersten Tage unseres Kolonisationswerkes bis heute nicht. Entscheidend ist für mich die Tatsache, daß wir uns heute in einer Situation des natürlichen Wachstums befinden. Ich spreche hier nicht von der natürlichen Vermehrung durch Kinder. Auch diese haben wir Gott sei Dank. Ich spreche hier von einem anderen Wachstum. Früher, wenn wir die Zahl unserer Siedler zu erhöhen trachteten, stand vor uns immer die Frage, woher wir das Geld hierfür nehmen sollten. Jetzt haben wir ein natürliches Wachstum, denn die Siedlungen sorgen selber für die Zunahme der Zahl ihrer Chawerim. Siedlungen, die von uns eine Unterstützung nur für zwanzig Familien erhielten, umfassen heute sechzig bis achtzig Familien. Dies ist wirlieh der Zustand, den ich die ganze Zeit hindurch angestrebt habe, daß unsere Ansiedlung sich von selbst vergrößern und erweitern möge. Hier muß ich bemerken, daß dieses natürliche Wachstum nicht wie ein Wunder vom Himmel kommt, sondern daß es die Folge einer natürlichen Entwicklung ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich einige andere Institutionen erwähnen, die sich ebenfalls mit unserer Kolonisationstätigkeit befassen und sie unterstützen. Vor allem ist hier die Bank Hapoalim (Arbeiterbank) anzuführen, die seit dem Tage ihrer Gründung alle unsere Wirtschaften unterstützte. Ebenso möchte ich die Bank Hamerkasi (Zentralbank) nicht unerwähnt lassen, die sehr viel zur Entwicklung der verschiedenen Wirtschaftszweige in unseren Siedlungen beietragen hat. Ein besonderes Lob möchte ich der Angloalestine Bank aussprechen, die in der letzten Zeit Anleihen für landwirtschaftliche Siedlungen zu geben begann. Sie gab für die Erweiterung der Geflügelzucht £P 40 000 und für Gemüsebau £P 20 000. Ich glaube, daß die Anglo-Palesfine Bank durch diese Summen viel für die Erweiterung dieser Wirtschaftszweige und für die Vergrößerung unserer Unabhängigkeit von ausländischen Produkten getan hat. Außer den Banken haben ,wir jetzt noch eine Anzahl von Gesellschaften, die mit uns Hand in Hand arbeiten, so die Gesellschaft ״N i r“ mit einem Kapital von £P 380000, von denen schon mehr als £P 250 000 als landwirtschaftliche Anleihen gegeben wurden, obwohl diese Gesellschaft erst zwei Jahre besteht. Außer ihr arbeitet auch die Gesellschaft ״Ja ch in“, die ebenfalls unter der Leitung der Histadruth steht. Es gelang ihr, 6000 Dunam Pardess aut die Rechnung von verschiedenen Kapitalgcbern im Auslände zu pflanzen, Dadurch konnte sie neuen Ansiedlern und aucli landwirtschaft« liehen Arbeitern Arbeit geben. * Noch eine wichtige Sache: Die Abteilung für die An' Siedlung von Juden aus Deutschland bei der Jewish Agency gab während der letzten drei Jahre nicht weniger als £P 400 000 für die landwirtschaftliche Ansied• Iung für Juden aus Deutschland in Ercz Israel aus. Außerdem gab sie ihnen auch Boden, der durch den KKL aus verschie« denen Sonderspenden zugunsten der deutschen Olim erworbat wurde. Ich ergreife diese Gelegenheit, um rnitzutcilen, daß von; den 36000 Olim aus Deutschland seit 1933 nicht weniger als 8000 in die Landwirtschaft gegangen sind, das ist eine sehr beträchtliche Zahl, zu der noch 1500 Menschen defi Jugendalijah hinzukommen. Weiter möchte ich auch den Verband der Wizo erwähnen! der — wie bekannt ist — die landwirtschaftlichen Schulen für Mädchen iri Nahalal und an noch fünf anderen Orten unter• stützt. Das ist für die Entwicklung unserer Kolonisation sein wichtig. Man kann heute an fast allen Siedlungspunktcn Mädchen finden, die in der Schule in Nahalal gelernt haben und die einen großen Einfluß auf die Wirtschaften haben. . Ferner möchte ich erzählen, daß in unserer Versuchs« Station in Rcchowoth ein Projekt durc'h:geführt «vor* den ist, das bisher ohne Beispiel ist. Wir haben auf einer Fläche von 15 Dunam einen landwirtschaftlichen Muster« betrieb gegründet, der für alle unsere Siedler auf be* wässertem Boden ein Vorbild sein soll. Eine große Unterstützung erhielt die Landwirtschaft durch die Reklame für To/crct lianrez. Es ist bekannt, daß eine ,,Vereinigung für To/eret Haare/.“ unter der Leitung des Waad Halcumi besteht. Innerhalb dieses Verbandes besteht eins besondere Abteilung für landwirtschaftliche I’rodukie. Es gclang uns, in einem gewissen Maße diejenigen Teile der (/)Öffentlichkeit, die bis jetzt nicht in genügendem Maße unsera eigenen Produkte gekauft haben, davon zu überzeugen, daß, solange wir so gute Orangen im Lande haben, es nicht nötig ist, vom Ausland Früchte einzuführen. Wir beabsichtigen mit Hilfe der Aerzte eine den Bedingungen des Landes und des Klimas besser angepaßte Diät einzufiihren, die nicht nur den Konsumenten in der Stadt, sondern auch: den Produzenten auf dem Dorfe zugute kommen soll. 111 der Hauptsache machen wir Reklame für die Verwendung derjenigen Früchte, die man nicht ins Ausland schicken kann. Noch eine Sache möchte ich erwähnen: Ich bearbeitete in letzter Zeit eine Erhebung über die Sterblichkeit der Kinder. Ich legte unsere Siedlungen, die noch vor 192C* d. h. vor zehn Jahren entstanden, zugrunde. Die Ergebnissa dieser Untersuchung sind wirklich überraschend: Die Säug-• lingsstcrblichkcit in unseren Wirtschaften im Emek ist d i o niedrigste auf der ganzen Welt. Von 100 Säuglingen starben im ersten Lebensjahr 2 25. Dabei hören wir doch immer Neuseeland und Australien als diejenigen Länder rühmen, in denen die Säuglingssterblichkeit am niedrigsten ist. Jedoch auch dort beträgt sie 3 0'״. In anderen Ländern beträgt die Säuglingssterblichkeit im allgemeinen etwa 10 0/״, in Aegypten steigt sie sogar auf 20 °;0. Dies ist ein Erfolg, auf den wir wirklich stolz sein können. Noch einige Worte zur künftigen Entwicklung. Durch das Kommen der Königlichen Kommission waren wir gczwungen, weit mehr als in normalen Zeiten über das, was vorhanden ist und was es nqch 7u tim gibt, Untcrsuchungen aiizustellen. Noch auf'dem letzten Kongreß sprach ich über die Errichtung einer besonderen Institution für die Erforschtmg von W a s s e r q u e 11 e 11 im Lande und der Konreß beschloß auch, eine solche Institution zu errichten, ie wurde eingerichtet, und ich muß sagen, daß seihst ich, der Optimist, mir nicht hätte träumen lassen, daß die Ergebnisse der Untersuchungen so günstig ausfallen würden. Die Untersuchungen ergaben, daß es im Lande Wasserquellen gibt, die für die Bewässerung von wenigstens 2 200 000 Dunam ausreichen. Und dies ohne den Bezirk von B'er Scheba, wo wir die Untersuchungen noch nicht durcbgcfiihrt haben. Wenn wir dort Wasser finden, so eröffnet sich uns ein riesiges Gebiet für Kolonisation. Einige unserer Sachverständigen meinen, daß wir unter besonderen Bedingungen Wasser für die Bewässerung von ungefähr 3 Millionen Dunam haben werden. Bis jetzt gibt es im Lande 350 000 Dunam bewässerten Boden, davon etwa 300 000 Dunam Pardessim, die sich zur Hälfte in Händen von Juden, zur Hälfte in Händen von Nichtjuden befinden. Wenn wir noch 2 Millionen Dunam durch Bewässerung erschließen können, wenn auch nicht auf einmal, sondern im Laufe der Zeit, so werden wir Platz, für weitere 100 000 Siedlerfamilien gewinnen, und 100 000 landwirtschaftliche Siedler bedeuten noch 2 Millionen Mensehen im Lande. Wir haben auch Untersuchungen über die Marktlage veranstaltet, d. h. über die Verkaufsmöglichkeiten der Landwirtschaftlichen Produkte. Es ergab sich, daß die Juden im Jahre 1935 für £P 2','2 Millionen landwirtschaftliche Pro■ dukte kauften. Von diesen wurden von Juden ungefähr 20 °0 produziert, von Arabern ebenfalls 20 °;0 und 60 <0,׳ kamen aus dem Auslande. Obwohl wir nur die Produkte in Rechnung gezogen haben, die im Lande ohne besondere Schwierigkeiten hergestellt werden können, und obgleich wir nur den jüdischen Jischuw, der schon im Lande ist, und nicht die künftigen Einwanderer mitrechneten, so kamen wir zu dem Ergebnis, daß wir im Jahre 1946 eine landwirtschaftliche Produktion im Werte von 4 Millionen Pfund haben müssen, während wir durch die natürliche Entwicklung unserer Kolonisation davon nur für CP 800 000 produzieren werden können (-46 ־ ";). Daraus geht hervor, daß wir noch für die Produkte von 8000 neuen Wirtschaften einen Markt finden k <3 n n en. Ich betone noch einmal, daß wir die Alijali hierbei nicht mit in Rechnung gezogen haben. Ich glaube, daß wir Zionisten uns vielleicht in einer Sache geirrt haben. Wir glaubten an eine Verwirklichung des Zionismus, die das Werk einer Generation sein würde. Aber das ist nicht der Fall. Es tut mir gewiß leid, daß ich imd meine Freunde, die schon bejahrt sind, nicht mehr die Verwirklichung unseres Zieles erleben werden. Aber viele Nationen arbeiteten an der Verwirklichung ihrer Ziele mehr als ein Geschlecht. Jede Generation muß ihre Pflicht erfüllen, muß ihre Arbeit tun, deren Ergebnisse den kommenden Geschlechtern übergeben, die sic fortsetzen und vollenden werden.

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