Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 28 (9.4.1937)
- Date
- 1937-04-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE RUNDSCHAU RUN Nr. 28, 9. APRIL 193? Scholem Alejchems „Amcha" im Kulturbund-Theater Der kürzlich verstorbene Regisseur Alexis Granowski hat diese Komödie seinerzeit dem Moskauer jüdischen Theater zugebracht; sie erwies sich als ein Treffer und ihr Dichter Scholem Alcjchcm als der erste und dauerhafteste ti-tde (Lur.>'a sr/rull). — Hti-Mmi (Lilly Kann). — Schimeie üsoroker (Mira! Ikrliner). — Heb Oscher Fein (Willy Prägtrj, — Solomon Fein (Martin Brandt) unserer literarischen Wohltäter, die immer noch nicht recht zahlreich geworden sind. Granowski hat die Aufführung damals sehr russisch gemacht mit viel Tanz und Musik, mit der Pflege cir.es sehr exakten Marioiiettenspiels, wie es die russische Buhne liebte, mit einem Aufwand von dekorativem Zauber, den ein geborenes Yolksstuck eigentlich nicht verlangen mochte. Das im Original jiddisch geschriebene Stück sah ich vor einigen Jahren in Tel-Awiw wieder. Auch diese hebräische Atiftetnimg "hatte noch etwas Rtissiscb.es, wenn auch nicht so Viel wie unter Granowski. Nun ist das vielgereiste Stück in einer deutschen Uebertraguug von Meir Bros er zu uns gekommen, in einer allzu hochdeutschen, wie niir scheint. Die Satze sind klar und spiegelblank, die Sprache ist wohl zu sehr von der jüdischen Wurzel gelost; aber ein gutes Stück hält manchen Gestaltwandel aus, und britz VV i s t e n, der sich in entschlossener Weise an keine Tradition hielt, hat ihm vor allem den so braven, warmen Volkscharakter erhalten. Es ging auch ohne Gesangs- und Taiizcinlagen, ohne jene Versteifung ins Marionettenhafte. Nur die Dekoration von Heinz C o n d e 11 durfte lebhaft mitspielen, und schon einige Verwandlungen bei offener Szene wurden mit Beifall begrüßt. Der Beifall fuhr überhaupt oft in das Spiel hinein, und dennoch blieb nach diesem, gelegentlichen Prasseln noch zum Schluß eine Explosion übrig; es war einer der besten Abende, vielleicht der beste, tlcn die reine Sprechbühne des Kulturbunds bisher gehabt bat. Wir sehen in eine Schneiderwerkstatt in einem ostjüdischen Nest oder nur das Allernötigste, was zur Arbeit gehört, mit dem Hockertisehe und der Nähmaschine. Ades andere, was die Handlung oder die Hantierung der Werkstatt nicht braucht, ist auf eine runde Wand gemalt, die sich dann mit mehreren Flügeln dreht, um immer ein anderes Interieur hervorzuzaubern. Dann die neue Kultur- und Prachtwohnung des armen Schneiders, der, bis zur Berichtigung des Irrtums um eine kleine Null, das große Los gewonnen zu haben glaubt und der bis dahin von bereitwilligen Kreditoren in ein märchenhaftes Wohlleben gestürzt wird: jeden Tag gebratene Gans. Diese Verwandlung durch mehrseitig bemalte „Prismen", wie die Theatertechnik sagt, ist ein sehr glücklicher Einfall von Herrn Wistcn, und man sollte sich 'eigentlich wundern, daß diese Erfindung nicht schon früher gemacht worden ist. In Wahrheit ist sie nur vergessen worden. Die intelligenten Athener haben auf ihrer einfachen Orchcstra schon vor 2500 Jahren mit solchen Prismen gespielt. Beim Theater ist das wesentliche der Mut zur Einfachheit. Wer ihn hat und wer ihn dann zu nutzen versteht, gewinnt das große Los. Daß ein armer Teufel einen Lotteriegewinn macht, der sich nachher in Rauch auflöst, und daß er nach einem kurzen Traum von Reichtum und Verschwendung, von Dienerschah bis zur Gemäldegalerie, zu dem alten bescheidenen Dasein zurückkehrt, das konnte ein anderer auch erfinden. Aber was aus diesem Einfall zu machen war, was besonders aus liebenswürdig jüdischem Kleinlcbcn da herauszuholen war, das konnte nur Scholem Alcjchem; er hatte mehr als Witz, er hatte als Dichter, wenn es nicht dasselbe sein sollte, ebensoviel Güte wie Humor. Man könnte ihn einen jüdischen Nestroy nennen, wenn er auch die Angriffslust, wenn er auch die reichliche Ladung von Salz und Pfeffer wie der große Wiener Volksdicliter gehabt hätte. Wie liebenswürdig schon von Anfang an sind die beiden Schneidcrgescllen, die sich gehörig puffen, je besser sie sich vertragen, die beide des Meisters Töcnterlein lieben, und die sich gegenseitig den Vortritt lassen wollen, um dem Bruder nicht weh zu tun! Walter Herz gab mit verhaltener Innerlichkeit den sanfteren, der schließlich die ihm durch den E ist und bleibt eine gutwillige Voraussetzung des Volksstücks, daß es Leute gibt, die eben die Armut lieben. Schunele Ssoroker, dem vermeintlichen Gewinner des großen Loses, wird das erst im letzten Akt bewußt, wenn der Rausch des Reichtums mit all den unbequemen Anforderungen, mit den feinen Manieren, mit den Mitgiftsspekulanten, mit den betedten Heiratsvermittlern vorüber ist. Der Darsteller hat zwei Aufgaben; er muß unter dem Goldregen — deutlich gesprochen — halb meschugge werden, aber seine Gutherzigkeit und Bravheit darf ihm nicht verloren gehen. Nennt er sich doch selbst einen „Amcha", der die Leiden des armen Volkes nicht vergißt, und wenn er erst die fünf Häuser hat, die ihm sein wucherischer Hauswirt andrehen will, wird er den armen Teufeln, die wie er einst die Miete schuldig bleiben, noch etwas zuzahlen. Und in Gedanken hat er schon mehr als die 200 000 an Notleidende verteilt. Die Rolle ist also trotz aller Possierlichkeit letztens auf das „jüdische Herz" zu spielen. Alfred Berliner hatte sieh dazu mit einem blonden Bärtchen ausstaffiert und sich eine Brille aufgesetzt, womit er mehr wie ein Gelehrter als wie ein Schneider aussah. Die richtige Maske ist hier nicht leicht zu finden. Berliner ist ein einfallsreicher, Laune verbreitender Komiker, ein wahrer Hauptgewinn für den Kulturbund, und «r hat sich in seinem reichen Spiel, wie deutlich erkennbar, von seinem Regisseur gut leiten lassen. Aber es fragt sich, ob die Rolle eben von einem Komiker bis ins innerste Herz gel; offen werden kann, ob dazu nicht auch eine tragische Veranlagung gehört. Wenn an dieser respektablen Leistung etwas fehlte, so war es eine Art Einfalt, eine Aura von Simplizität. Der Geist darf hier nichts, das Herz muß alles ausrichten. Es wurde auch sonst vorzüglich gespielt, und in der Atisprägung aller einzelnen Figuren war die bland des Regisseurs fühlbar und wiederum nicht zu sichtbar. Jenny Bernstein brachte aus ihrer Zartheit eine so feine und besonders jüdisch empfundene Nachbarin und Mehlhändlcrin heraus, wie man sie ihr nach ihren bisherigen feinen Damen kaum zugetraut hätte. Die derbe Frau Meisterin rundete sich an dem vollen Humor von Lilly Kann. Sigmund Nunberg «rwies seine drastische Sicherheit an dem Schadehen, der so neuzeitlich ist, daß er in seine Offerten sogar schon das Wort „extraordinär" aufgenommen hat, und mit dem tückisch feigen Hausverwalter gelang es dem sehr begabten Alfred L i c h t e n s t e i n, noch eine Figur von feinem komischen Schnitt und Schliff abzusondern. Nennen wir aus der sehr trlückliehen Besetzung noch Martin Brandt, Willi Prager, Berthold Segall, Fritz Lion, Carola Sega II, die zum Schluß alle Hand in Hand mit Wisten und Heinz Condeil «lern Beifallssturm standhalten mußten. Im übrigtn hoffen wir, «laß Scholem Alcjchem nicht zum letzten Male beschworen worden ist; es gibt aus seiner Hinterlassenschaft noch mehr Schütze zu heben. . ... c, „ Arthur Eloesser Persönliches. Am 13. April begeht der Chirurg Dr. Ostrowski seinen 50. Geburtstag. Er ist der Chefarzt der chirurgischen Abteilung der „Krankenhilfe" der jüdischen Gemeinde und war früher der langjährige Oberarzt an der III. chirurgischen Universitätsklinik unter Geheimrat Borchardt und zugleich dessen Stellvertreter. Motel (Walter Herz). — Bejlhe (tlfriede Dorodkin). — Kopel (Herbert Grünbaum) Fotos: J. Abraham Reichtum entführte, durch die Armut wieder zugebrachte Braut heimführt. Der andere struppige, cholerische, bei aller Gewalttätigkeit auch gutmütige Geselle fiel, wie es sich gehört, an Herbert Grünbaums Naturtalent und wurde sogleich zum Vergnügen des Publikums eine gewonnene Sache. Familien - Nachrichten Herr Ferdinand Kaulfmann und Frau Malvine, geb. Roswitha!, U" 30, Barbarossastr. 40, begehen am 11. April die diamenteno Hochzeit. Bar Mäzwah-Termine Am 10. April (29. Nissan): Jacob Kolin, Sohn von David Kohn, X 54, Liniensir. 217. — Peter L e w i n, Sohn von Max Lewin, ~\Y, Sächsische Str. 71. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV Hansa Sonnabend, 10. April, 20/iO Uhr Konditorei Ilansa, ffmihtirger Straße 19 Dr. S. Kalekoi Au« der jüdischen Folklore! Sagen, Sprüche, Lieder umi ^'iixe. Zentrum-Nord Sonnabend, 10, April, lll.'W t'he BZVHettn, Rofen.lhaler Shnlie 44 r->xir-n „'tssw no-n wj ft-wn nn'-nn rfiwr •' Hermannplatz Sonenh>•„,!, II). April, W/10 Uhr H/Y Heim, Neukölln, Innerer. 6 NcBthcf. Anspracht': t>r. Martha Werthelmer. Mitwirkende: Kahcl Ermoinikoff (Cies.-m^), Hilde Salinger (Klavier), Paul Blumenfeld (Cell«). Südost Sonnabemi, 10. April, VJ.'IO Uhr H/Y-Urim, II,•ucken-.tr, ■') Netchef. Dr. j. Fischer spricht Sur Siddrah, Max Kor.irsskt (ReriSfi^cn). (hiUüv Lieblings Bericht von einer PallUtina-Rciie. Weißensee Sonmtbrnd,!(>. Aniii, 20/I0 Uhr W'etlleniee, Worttntr. 'III (Üanerheim) Dr. David SchloBberf : Jüduche Not — Jüdische Wanderung. Nordring Diemtag, Ii. April, 20.30 Uhr llrrolina-Fen.vile, Schönhauser Allee 28 Palastina im Lichtbild, die aktuelle Bilderachau. KinlriU-iKicr Vortrag: Georg Joel. Hermannplatz IHrmtae, Vi. April, 20.30 Uhr PZ.Y-fieirti, Neukölln, Jergerstr, 6 Lurie Levy-Zobeli Zionistische Gemeindearbeit. Mittwoch, den U. April, 20.30 Uhr BZV-Heim, Landsbarger StraOe 87 Dr. Franz Meyer: Die Reichsvertretung d. Juden in Deutschland, ihre Aufgaben und ihre Leistungen BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG, Bezirk Friedrichshain Auswanderer Achtung Ich zeige Ihnen dl« Woge, sich mit geringen Mitteln überall eine Existenz zu gründen, durch Erwerb von Patenten und Vertriebsrechten. Ich habe derzeit wirklich auigeielchnete, bereit! erprobte Sachen für alle Länder zu vergeben. Es handelt sich teils um patentierte, teils nach Geheimverfahren herzustellende Artikel, die überall gebraucht werden, keine Vorkenntnisse erfordern oder bei welchen hier noch Einarbeitung erfolgen kann. NEUEM |M Patentverwertung, Neuheiten-Vertrieb i|iihwhbi und Export München 2 M, Maffeistr, 41,2.Aufg. Teuiun ttilltl»I(ltlMttMltttllilB»Mlll*lt»IIMItMIMIHMII>ltMI)ltll«*!M«tl*liMti«#llttl«t<l(i.lllll#MM#lllll(Mli:lltl. | Tennis-Club Bar Kodiba 5 | i Eigene geschlossene Anläge (14 Plätze) \ j Bln.-Charlotienburg, Lcibnizstr. 49/53 \ \ am Kurjärstendomm, nicht weit vom Olivaer Platz \ f Auskunft und Prospekt im Sekretariat < Ruf 32 IT 47 j ttlllllMll.lltltll.....itllttl.MIMIIltOltltllllMtHllltllltllftrillllltllMlIllltttttlllltf IlftlllflllimlMrttlMIII W1ZO - VERANSTALTUNGEN im Heim Berlin W, Wiitenbersplatz 3a» Dienstag, 13. April, 16,30 Uhr: WALTER TEMPEL Siedlungsformen In Palästina Donnerstag, 15. April, 20,30 Uhr: GERTRUD ELLERT Zur Berufsarbelt der jadischen Frau FRAUEN - ARBEITSGEMEINSCHAFT F0R PALÄSTINA (W1ZO) Der verzauberte Schneider Ein Spiel In tt Bildarn von David Feit nach der Erzählung von Scholem Ale|chem Regia: NICOLAI ELJASCHOFF / Bühnenbild: OSIO KOFFLER Mitwirkende: Studio d, Bezirke Friedrichehain (Leitung J. Haubenetock) Techn. Leitung dei Abende: F. Finder Sonnabend, den 10. April 1t37, 10.30 Uhr, M u ■ I k e r. Feeteile, Kalaer-Wllhelm-StraBe 31 Karten zu RM 0,90 bia 1,50 im Vorvarkauf: Salles. GrenadlarstraBe 30! Dobrlr,, Spandauer Bröcke 7; Adlarsteln. Alte Schönhauser Str. 58; Kimeifald. Roienthaler Str. 30; SaHngar, Naua Königstr. 74; und an der Ahertdka&se BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Schon bei Aufgabe von drei Anzeigen in einheitlicher Größe erhalten Sie einen Rabatt von 3% bei ÄAnz. 5% .. 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