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Jüdische Rundschau · 1937-03-05 · Heft 18 (5.3.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 18 (5.3.1937)
Date
1937-03-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 18, 5. III. 1937 Zionistische Tagungen in Polen Von unserem Berichterstatter Verfahren einzugreifen. Man braucht kein großer Prophet und kein genauer Kenner der sachlichen Gegebenheiten zu sein, um vorauszusehen, daß die politische Wirkung Jabotmskvs eine negative sein wird. Es entsteht der Argwohn, daß es ihm auch nicht auf diese Wirkung ankommt, sondern auf Propaganda in den eigenen Reihen eines meist kritiklosen Publikums, Gegen solche Versuche muß Einspruch erhoben werden. Was war der (iipfel von Jabofinskvs politischer Weisheit? Er hat den Engländern den Rat gegeben, sie mögen doch den Arabern mit Entschiedenheit sagen, daß in Palästina zu beiden Seiten des Jordan ein Judenstaat errichtet wird und Englands ganze Kraft dafür einsetzen, dann wäre nach seiner Meinung das politische Problem gelost, l'nd wenn England das nicht kann oder will, so möge es das M a n d a t abgeben, — an wen, wird nicht gesagt, und l.ord Peel meinte auch mit Recht, es sei!>. —m. andere Länder nicht mit Namensnennung b'.J) ustelleu. Manche I eute bewundern den „Mut" Jabotinskys wegen dieser Bemerkung. Es gehört aber kein Mut dazu, vor einer englischen Kommission so etwas zu sagen, höchstens der Mut zur Lächerlichkeit; die Engländer lassen wegen einer solchen ActiRcruug niemanden einsperren. Wie aber stehen die (auch den Engländern bekannten) Tatsachen"-' Eine ein fache l'ebci legim'; zeigt, daß unter allen Mächten, die einer so'c'ien Aufgabe der Aus dm g des Mandates in Palastina überhaupt gewachsen wate», keine zu finden ist, die für die von Jabotinsky gesetzten Ziele gunstiger wäre als England (die I 'SA. kommen ja nicht in Frage). Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß die im Orient iiitercsMcneu Kolonialmächte heute alles tun, um die Sympathien der Araber und des Islam 'zu gewinnen, und gerade diese Rivalität i>.t es, die auch England zu einer erhöhten Rücksichtnahme auf die Aiabcr vrr.ml.ilSt. I )ies>e überaus komplizierten Piobleme mit ein paar für die jüdische (lasse bestimmten Redewendungen nb/utuu, ist kein „Mut", sondern ein Mangel an politischer Verantwortung, den sich — wofür wir durchaus \ erstandnis haben - ein Oppusitioii-Jührer leisten kann. Aber das indische Volk sollte wissen, daß die E n t s c: Ii e i d u n g s s c h 1 a c h t nicht auf diesen rhetorischen Nebengeleisen geschlagen wird, sondern dort, wo in zähem Ringen um die uiik'ichen Piobleme auf dem Hoden der Tatsachen die Kräfte gegeneinander abgemessen werden. * Und die Kräfte m sammeln, ist in der Tat das Gebot der Stunde. Nicht nur in Palästina und für Palästina, sondern fiir alle Aufgaben des tagtäglichen I ebens. Juden sehen mit wachen Augen, was um uns her vorgelit. Wir haben große Sorgen, aber auch andere Völker sind nicht sorgenfrei, es ist überhaupt eine bewegte Zeit. Da gilt es, mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen, sich nicht durch jeden Wind umblasen zu lassen, Selbstvertrauen und Charakter zu beweisen. Unser Leben mag nicht vollkommen sein, aber jeder Einzelne steht im Lebenskampf, arbeitet an seinem Platze und empfindet auch die guten Seiten des Lebens, seine Fülle und seinen Reichtum, und ahnt auch die Befriedigung, die im Bewußtsein seelischer Kraft liegt. Die Juden sind heute zerstreut und zersplittert, und es gibt kein einheitliches Rezept, das für jeden Einzelnen gelten wurde. Nur das Eine läßt sich sagen: daß jeder einzelne auf seinem Wege nie das Bewußtsein verlieren darf, daß er auch an dem 0 e m e i n - s a m e n teilhat. Agudah und Zionismus Erklärungen Isaac Breuers Von unserem Berichterstatter J. ii., Wien, 3. Marz. Der Agiidisfcnfuhrer Dr. Isaac Breuer aas Jerusalem weilt seit ttirzuü in W i e n Iii i inem Gespräch mit Ihrem K>irrt.»pondent. n imiierie -ich Dr. Breuer über die Be/ichting«-n der Agni! i h / u r Z i o n i s t i s c h e n O r g a n i s a tion Leid nber die praktisclt-pu'itisch« Zusamim-narbe.t beider Körpt rsrhaften. insbesondere' iri den letzten Monaten. Die agutfisf:.NCiie Be\t igäüg, in einte Di'. Iii euer, habe In nie gieße Möglichkeit. Ii, w ite Kru^e di s oi thodoxen Judentums, die nus welchen GnnnEm immer den Weg zur Zionistischen ( ggains.iteiii nicht linden wollen oder Können, für die Palästina-Arbeit zu gewinnen und sie so -- freilich nicht in ideologisui-organisa!'): i^lieiu, suiiilirn in viel weiter gespanntem Sinne U'in ,.Zionismus'1 zuzuführen. Wenn man itavon jnsgrhe, daß das Judentum gegenwärtig von zwei Haupt-?trorr,ungcn, dem politischen Zionismus und der I h o r a t r e u c n Orthodoxie, beherrscht werde, so könne man gnind.sät/lieh bei aller scharfen Trennung beider Ideologien eine geis.igfreie Atmosphäre der Z u s .1 m in e n - arbeit schaffen. Das sei keineswegs paradox. Der Zionismus geht von der Erkenntnis der anormalen Lage des jüdischen Volkes aus und sehe die Lösung der Jndenfrage in der Aufgabe dieser Sonderstellung, in der Rückführung des Volkes /u einem normalisierten Dasein. Ls seien dies, meint Dr. Breuer, die „Kräfte des Diesseits". Die agujistische Orthodoxie gehe von den „Kräften des Jensei t s'1 aus und sei der Meinung, daß die Mission des indischen Volkes eben in der Sonderstellung begründet liege. Man mag diese Auffassung M e t a p h y s i k nennen, Jer gegenüber die zionistische Ideologie die P h y s i k darstellen solle, allein eben die klare Abgrenzung beider Ideologien und Auffassungen biete auch die (iew, hr, eine reine Atmosphäre /wischen diu beiden jüdischen Gruppen zu Schäften, nämlich die gegenseitige Respektierung und Rücksichtnahme. Jedwede Angst vor Mißverständnissen, die bei einer etwas herzlicher sieh gestaltenden . Beziehung zwischen Agudah und Zionistischer Organisation aufkommen könnten, werde durch solche Klarheit der Begriffe ausgeschieden. In praktischer Beziehung bestelle eine Zusammenarbeit zwischen der Agudah und der Exekutive der Jewish Agcncy, Es gebe keinerlei Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Verteidigung der jüdischen Rechte auf Palästina. Es herrsche vielmehr eine wirkliche Einmütigkeit in der Auffassung, daß die Juden auf die Rechte, wie sie in der Baltotir-Dekiaration und dem Palästinamandat verankert sind, nie mehr verzichten werden. Warschau, 1. März Allgemeine Ziotiisten zur Lage in Palästina Ungeachtet der äußerst schwierigen Bedingungen materieller, moralischer und politischer Natur, in welchen die polnische Jud nheit seit Monaten sich befindet, pulsiert in ganz Bolen stark des zionistische Leben, und sämtliche palästinensische Aktionen werden normal durchgeführt. Nach wie vor stellt die jüdische Volksmasse in Polen treu zu der zieuistisehen Bewegung und die Palästina-Idee beherrscht das gesamte jüdische Volksieben. Beredtes Zeugnis hierfür liefern die Landeskonferenzen der Allgemeinen Z i o - nisten in I emb rg, Krakau und Warschau. leider ist die .big."ncin-/iottistische Bewegung in Polen noch immer ohne einheitliche Organisation und Führung. Sogar die neueste Entwicklung der anderen Verhältnisse, unter denen die Zioinsleu Polens ihre Arbeit leisten müssen, hat nicht bewirkt, dal! veraltete Differenzen und Ressentiments beiseite ge teilt werden und neuen einheitlichen Organisationsformell und Arbeitsmethoden Platz gemacht wird. An erster Stelle beschäftigten sich die Konferenzen mit der Lage in Palästina. Die Zionistische Exekutive hatte durch ihre Vertreter: B r o d e t z k i, ü o 1 d m a n n und (irünbauiti mehrmals Gelegenheit, die polnischen Zionistcn über den Gang der Ereignisse' in Palästina zu informieren. In den auf' den Konferenzen gefaßten Beschlüssen kam der starke Wille zum Ausdruck, d is Höchstmögliche für Erez Israel zu leisten, sowie die Anerkennung für die Politik der Exekutive und ihre Haltung vor der Königlichen Kommission. Die I >ebatteri über Probleme d er Hachschara h u n d Ali j a h, cler Jugendorganisationen und zionistischen Lac Ii verbände gaben ein Bild der verzweigten und intensiven Tätigkeit auf allen diesen Gebieten und bewiesen die ernste und sachliche Vorbereitung, insbesondere der Jugend, für die Au'gabeu in Palästina. Die begrenzten Ali j ahm o g I i c h k e i t c n, die jetzt in Polen besonders stark empfunden werden, gaben iiaturgeinäli auf den Tagungen Anlaß zu Besorgnissen und Unzufriedenheit. Probleme der Landespolitik Es ist verständlich, daß alle drei Tagungen sieh sehr ausführlich mit dem Problem der zionistischen Landespolitik beschäftigt haben. Die Diskussion über diese äußerst komplizierten Tragen wird in der zionistischen Presse schon seit langem geführt. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der polnischen Parteiverhältnisse und der Evolution, die im Regierungslager vorgeht, haben sich die Erörterungen in den zionistischen Reihen auf folgende Frage konzentriert: Weichen Weg hat die zionistische Politik einzuschlagen, um am besten die jüdischen Rechte zu schützen und den Interessen der jüdischen Be\öfk'Tung am wirksamste:! zu dienen. Wie bekannt, haben die Zionistcn immer den Grundsatz der Selbständigkeit der jüdischen Politik vertreten. Es herrschten zw ar immer Nuancen in der Auffassung der M e - t Ii o cl c n innerhalb des allgetneinzionistischen Lagers, aber im großen und ganzen wurde jahrelang eine einheitliche Stellung bewahrt.'Dies änderte sich seit den letzten Parlamentswählen in Polen. Damals — vor zwei Jahren —, als es klar .wurde, daß die neuciugeführte Wahlordnung nur solche Abgeordnete in den Sejm zulassen wird, die der Regierung genehm sind, hat die Gruppe der ..Radikalen Zionistcn" hl Kongreßpolen ähnlich wie die jüdische Arbeiter- und die polnische demokra- IN ALLER KURZE Frau James Roosevelt, die Mutter des Präsidentim der Vereinigten Staaten, Franklin I). Roosevelt, und seine Gattin M 1 I i n o r haben neben anderen hervorragenden Persönlichkeiten das Protektorat über eine Fcstvorstellung übernommen, die am 20. Marz im Maddison Square Garden zugunsten des Jüdischen Waisenhauses in New York stattfindet. Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der Zionistischen Ernucnorganisafion Amerikas „H a d a s s a h''sind auch in Palästina mehrere große Kundgebungen veranstaltet worden. Die Gründerin und langjährige Vorsitzende der Hadassah, Miß üenrietta S z o I d, die jetzt die Abteilung für soziale Fürsorge beim Waad Leumi leitet, der Kanzler der Hebräischen Universität, Dr. I. L. Magties, und andere führende Persönlichkeiten des Jischuw würdigten im Hundfunk die Bedeutung der Hadassah und ihrer Arbeit. Nach einem Bericht der Zeitung „New York Telegram" haben fünf der größten Hotels der ß c r m u d a -1 n s c I, (inem sehr beliebten Badeort fiir Amerikaner und Kanadier, 1 u d e n den Zutritt und den Aufenthalt verboten. Der New-Yorker Agent der Hotels erklärte, diese Maßnahme sei auf Verlangen der Gäste erfolgt. Drei große Hotels haben sich dem Vorgehen nicht angeschlossen. Der Verband der jüdischen Kriegsteilnehmer Amerikas hat einen Oesetzesvorschlag ausgearbeitet, der Geldstrafen von 100 bis 5000 Dollar und Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis zu einem Jahr für die Verbreitung von Verleumdungen gegen Rassen und Bekenntnisse durch Versendung von Schriftstücken und Druckwerken vorsieht. Der Gesetzesvorsehlag soll noch in der ersten Hälfte März, in den beiden Häusern des Parlaments von nichtjüdischen Senatoren und Abgeordneten eingebracht werden. Bundeskanzler S c h u s c h n i g g und andere Mitglieder der österreichischen Regierung nahmen an einer in Wien veranstalteten K u n d g c b u n g f ü r A ii s g I e i c h d e r R a s s e nge gensätze und kulturellen Minderheitenschutz, teil. Der Hauptredner des Abends sprach über die Mcnschhcitsidcalc der christlichen, jüdischen und hellenistischen Kultur, wobei er den Ewigkeitswert der ethischen Lehren des Judentums betonte. Wie die „Swinemünder Zeitung" meldet, ist die Firma H. R o s e n t h a 1 in Zach an (Pommern) in arische Hände verkauft worden. Die dortige Synagoge wurde auf Abbruch verkauft. Die Gebr. Simon Tcxtif A.G., Berlin, ist in die Finita Deutsche Textil A.ü. umgewandelt worden. Wie die Verwaltung mitteilt, bestand die Kundschaft in früheren Jahren zu 41"'.. aus Niehtariern. Dieser Kundenkreis sei inzwischen erheblich zusammengeschmolzen, so daß man sagen kann, daß heute eine vollkommene Gleichschaltung vorgenommen worden sei. Die „Frankfurter Zeitung" meldet: In Nürnberg wurde in einer Feierstunde ein neuerbautes „Gattnaus Franken" durch Gauleiter Streicher seiner Bestimmung übergeben. Gauleiter Streicher teilte dabei mit, daß er beabsichtige, in Franken ein „flaus des Kampfes" zu schaffen, in dem einmal der Kampf dargestellt werden solle, der von Nürnberg aus gegen das w e! t ] u d e n t u m geführt worden sei. Bei der Beratung des Bürgermeisters mit den Ratsherren in Kirchheim u. T. ist festgelegt worden, Nichtarier zum tische Partei den Boykott dieser Wahlen proklamiert, während die Allgemeinen Zionistcn in Galizien und die B-Gruppe der Allgemeinen Zionistcn Kongreßpolens an den Wahlen teilgenommen und drei Abgeordnete und ein Senatsmitglied durchgebracht haben. Nachdem der Sejm und die ihn beherrschende Regierungspartei eine immer stärkere judenfeindliche Stellung einzunehmen begann und seitens der oppositionellen polnischen Parteien der Ruf nach neuen demokratischen Parlamentswahlen immer stärker wurde, machte sich in der ajlgemeinzionistischen Bewegung das Streben geltend, eine Ncu-Orieiiticrung auf dem Gebiete der Landcspoütik zu proklamieren. Die Auffassung, daß das Schicksal der polnischen Juden vom Siege derjenigen Parteien abhänge, die grundsätzlich den Antisemitismus bekämpfen und jede rechtliche Diskriminierung der Juden verurteilen, gewinnt immer mehr Anhänger. Es werden allerdings Zweifel geändert, ob diese Taktik richtig sei, ob dies nicht die Selbständigkeit der jüdischen Politik wesentlich beeinträchtige, ob dadurch die vorhandenen Gefahren nicht verschärft werden und ob die in Betracht kommenden polnischen Verbündeten es ernst mit der Unterstützung der jüdischen Postulate meinen. Es scheint aber, daß die Mehrheit der Zionistcn und der polnischen Juden überhaupt trotz vorhandenem Zweifel den Weg der Kooperation mit den demokratischen Elementen im Staate \orziehcn. Diese Stimmungen kamen bei der Tagung in Lemberg zum Ausdruck, teilweise auch in Krakau. Diese beiden Tagungen traten aber noch zusammen, bevor Oberst Koc das neue Regierungsprogramm bekanntgemacht hatte. Die Landeskonferenz, der Allgemeinen Zionistcn Kongreßpolens (Gruppe A, die hier eine erdruckende Mehrheit bildet), die jetzt in Warschau tagt, kann schon zur Erklärung des Obersten Koc Stellung nehmen. Die nene Regierungspartei und die Juden Entgegen anders lautenden Meldungen muß festgestellt werden, daß das neue Regierungsprogramm und die seit seiner Veröffentlichung erschienenen Kommentare und die ersten organisatorischen Schritte deutlich eine negative Stellung zu den Juden zeigen. Oberst Koc hat sich nur ausdrücklich gegen physische Terrorakte gegen Juden ausgesprochen. Gleichzeitig hat er betont: 1. die Juden können nicht gleichmäßig mit anderen Minderheiten Polens behandelt werden. Sic wurden in der Deklaration als besondere Bevölkerungsgruppe erwähnt, der tieferes Staatsgefühl, Opferwilligkeit unel kompromißlose Bereitschaft, dem Staate Blut und Besitz zu widmen, abgesprochen wird. 2. Der polnische Staat sei identisch mit der polnischen Nation, 3. Das polnische Volk sei berechtigt zur Verteidigung auf kulturellem Gebiet. 4. Das Streben zur wirtschaftlichen Selbständigkeit, die Förderung des rein polnischen Handels und Gewerbes in den Städten bilden einen der Elauptprogrammpunkte der zu schaffenden Organisation. Dies zeigt, daß die auf solcher Grundlage neu entstehende Regierungspartei, obwohl ihr Judenprogramm den Nationaldemokraten noch nicht ausreicht, da sie die Behandlung der Judenfrage als Verfassungsproblem verlangen, dennoch gegen die Juden gerichtet ist. Bemerkenswert ist auch, daß im Gegensatz zu der bisher existierenden Regierungspartei die jetzt im Werden begriffene allem Anschein nach keine Juden in ihre Reihen aufnehmen wird. nächsten Viehmarkt nicht mehr zuzulassen und mit Wirkung vom 1. April 1937 ab diese auch von den übrigen Märkten auszuschließen. Auch in Weilheim a. d. Teck sind auf Grund einer Verfügung des dortigen Bürgermeisters Juden von den Märkten ausgeschlossen. Außerdem haben die Viehversicherungsvereine der meisten Gemeinden des Kreises Kirchheim beschlossen, daß vom Juden gekauftes Vieh nicht mehr versichert wird. Dem Beispiel ihrer Kollegen in Wiina folgend, haben tausend jüdische Studenten der Universität Lemberg von Sonntagabend bis Montagabend einen viertindzwanzigstündigen Hungerstreik zum Protest gegen den Versuch, inoffiziell eine Ghetto-Sitzordnung in den Hörsälen und die Absonderung der jüdischen Studenten in den Laboratorien einzuführen, veranstaltet. In Bacau (Provinz Moldau, Rumänien) ist es anläßlich der Neuwahl des Stadtrats zu schweren j u d e n f e i n d - liehen Ausschreitungen gekommen. Sturmtrupncn der National-Christlichen Partei terrorisierten die Bevölkerung. 35 jüdische Geschäfte in den Hauptstraßen der Stadt wurden verwüstet. 30 Personen, unter ihnen mehrere Frauen, wurden schwer mißhandelt. Die Wiener Medizinische Gesellschaft veranstaltet anläßlich ihres 100jährigen Bestehens Vorträge medizinischer Kapazitäten aus dem In- und Ausland. Unter den angekündigten österreichischen Vortragenden befinden sich auch mehrere jüdische Gelehrte, wie Prof. Schnitzler, Prof. Franke I, Prof. H a j e k, Prof. N c u in a n n usw. Etwa 300 alteingesessene Juden in Bulgarien, die Inhaber türkischer Pässe sind, aber von der jetzigen Türkei nicht als Bürger anerkannt werden, stehen vor der Gefahr der Ausweisung. Die betroffenen Familien haben an den Völkerbund eine Petition gerichtet, in der sie bitten, ihnen einen legalen Status zu verleihen. , Stockholmer Studenten veranstalteten unter der Leitung der schwedischen Nationalsozialisten und der Teilnahme von Studenten aus der Universität Upsala einen Demonstrationszug durch Stockholm gegen die Ernennung des früheren Rostocker Professors K a t z, der auf den Lehrstuhl für Kinderpsychologie berufen worden ist. Im Alter von 60 Jahren ist der Professor der Botanik an der Universität Padua, Dr. Achille Forti, ein bekannter Forscher auf dem Gehict der Meercspflanzen, gestorben. Der französisch-jüdische Dichter Edmond F1 e g, der seit langem die Ideen des Zionismus und der jüdischen Erneuerung vertritt, ist von der französischen Regierung zum Offizier der Ehrenlegion ernannt worden. Frau LoKc Schlesinger, Lehrerin für Englisch an den von der Kölner Synagogengemeinde eingerichteten Sprachkursen an der Volksschule Lützowstraße, promovierte au der Kölner Universität zum Doktor der Philosophie in dem Fache Zeitungswissenschaft mit einer Dissertation über „Die jüdischen Zeitungen in Deutschland von November 1918 bis Januar 1933". Itauptsrhriftlcilert Dr. Robert W e 11 s e h, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verant wart lieh fiir Hie Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewensiein, Berlin W 15. Anjetgenleiier und verantwortlich für den Inhalt der Aiincigen; Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen Preislist« 5 vom 1. April 1939. Verlag und Antrigenverwakung! Jüdische Rundsch»u, Berlin W16, Meineketfr. 10. D.A. Februar 34 012. — Druck: Siegfried Scholen, Bln.-Schömberg,

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