Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1938)
- Date
- 1938-06-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44/45, 3. JUNI 1938 Aus Rawnitzkis Erinnerungen Ein Talmud-Lexikon R. Jizchak ben Samuel Lampronti: ספי פחד יצחק השלם, Neu herausgegeben von Jakob Freimann und Abraham Chajim Freimann. — Verlag Zwi Kanel, Tel Aviv 1936. Es gibt wenige lexikographische Werke in der hebräisehen Literatur, die den Talmud und die rabbinische Literatur behandeln. Eines der bedeutendsten Wörterbücher, und zwar ein ״Reallexikon“ der talmud»sehen Literatur ist der ״Paehad Jizchak“ des Rabbiners und Arztes Jizchak ben Samuel Lampronti aus Ferrara (1679—1756). Der Druck dieses Werkes wurde 1750 in Venedig begonnen, mit Stockungen in Reggio und Livorno fortgesetzt, dann von der Gesellschaft Mckizc Nirdamim aufgenomnien und erst 1SS8 abgeschlossen. Seitdem ist es zu einem sehr wichtigen, aber auch sehr seltenen Nachschlagewerk geworden, dessen Neuausgabe als nötig empfunden wurde; denn auch heute noch kann diesem Werk kein entsprechendes modernes Werk an die Seite gestellt werden. Zur Charakteristik des Werks sei bemerkt, daß es kein Wörterlexikon, sondern eine ״Realkonkordanz“ darstellt. Nicht der Wortschatz wird geordnet und erklärt, sondern die ganze Begriffswelt der Halachah und Agadah, ihre Themen, Rechtssätze und Aussprüche, die sogenannten סוגיות lexikalisch cordnct und ihre Stelle im Schrifttum nachgewiesen. Einige eispieie: 1. Erez Jisrael wird unter folgenden Themen behandelt: Warum E. J. zugrunde ging, unter welchen Bedinguugen man E. J. verlassen darf, die Pflicht, nach E. J. zu ziehen und das Verbot, es zu verlassen. Boden in E. J. darf man nicht für immer verkaufen, Qrenzen, Verteilung unter die Stämme, Reinheit, Vorzüge des Landes. Jeder Artikel bringt die Haladioth, weist ihre Stellen im Talmud und der rabbinischen Literatur, insbesondere in Responsen nach und gibt oft Verweise auf andere Artikel. Zum Thema E. J. im allgemeinen wird ferner auf über 101) andere Stichworte verwiesen. — 2.*Unter den sehr zahlreichen Artikeln, die mit Stichworten wie אבלים ,אבלות ,אבל beginnen, wird die Fülle der Trauervorschriften rubriziert, diese Artikel allein umfassen über 20 Seiten und sind reich an zeitgenössischen Responsen. — 3. Es gibt in der agadischcn Literatur verstreut Aussprüche über den Gegensatz von Gott und Mensch, die alle mit der Forme! beginnen ...בוא וראה. komm und sieh, nicht wie die Weise des Heiligen, gelobt sei er, ist die Weise von Fleisch und Blut... Hier finden wir sie alle unter diesen Anfangsworten mit Quellenangaben zusammengcstcllt. Diese Beispiele mögen andeuten, welche Bedeutung der פחד יצחק für die Behandlung der rabbinischen Literatur hat, die nicht zuletzt darum so schwierig ist, weil Zusammengehöriges oft weit in ihr zerstreut und schwer auffindbar ist. Von der auf 6 Teile berechneten Neuausgabe liegt nun der erste Teil in anastatischem Nachdruck vor. Einer der Hauptvorzüge der Neuausgabe ist der Nachtrag. Er enthält all die Zusätze, die Lampronti selbst schon für eine zweite Auflage gesammelt hatte und die handschriftlich in der Bibliothek von Ferrara erhalten geblieben sind. Sie um• fassen im Druck 90 Blatt. Den folgenden Teilen versprechen die Herausgeber eine umfassende Einleitung beizugeben, die in Lamprontis Persönlichkeit, sein Werk und die benutzten Quellen einführen soll. Auch Verzeichnisse der Abkürzungen, der aufgenornmenen Responsen, ihrer Autoren und Empfänger sollen folgen. Möge die Neuausgabe vom Schicksal der ersten verschont bleiben und die Arbeit im Sinne Jakob Freimanns und zu seinem Andenken fortgesetzt werden, so daß dem ersten Teil bald die weiteren folgen. Dr. Gustav O r m a n n Jüdische Wissenschaft in Amerika Hebrew Union College Annual» Vol. XII—XIII. — Verlag Jewish Publication Society, Philadelphia 1937—38. Das Jahrbuch der Jüdischen Hochschule in Cincinnati wird von der jüdischen Wissenschaft stets mit Spannung erwartet, nicht nur weil es von Bedeutung ist zu sehen, welches der Stand der jüdischen Wissenschaft in Amerika ist, sondern auch weil in diesen umfangreichen Bänden sehr viel und wichtiges Material zusammengetragen wird. Gegenüber den letzten Jahrbüchern unterscheidet sich der neue Band dadurch, daß er einen überwiegend philologischen Charakter trägt. Israel Eitams Studie über Jesaia-Excgcse, Joseph R e i d e r s etymologische Betrachtung über das Wort ,.mul“, Julius Lewys lexikographische Notizen, Alexander Sperbers umfangreiche Arbeit zu einer Fundierung des Hcbrä- Ischen auf Grund der griechischen und lateinischen Transkriptionen, Henry Engländers Untersuchung über grammansche Fragen hei Raschi: dies ist nur eine Auswahl aus der Zahl der philologischen Beiträge, die zeigen, wieviel Arbeit bis zur restlosen Lösung aller Probleme in der hcbräischen Sprachwissenschaft noch zu leisten ist. Aus den zahlreichen Beiträgen auf anderen Gebieten greifen wir heraus: Julian Morgensterns Fortsetzung seiner Arnos-Studien» eine folkloristische Arbeit von Sol Finesinger über das Betrachten der Fingernägel heim Ausgang des Schab bat, eine Abhandlung von Zwi Diesendruck über die Vollendungszeit des ״More Nebuchitn“, die Ausgrabung eines noch unbekannten Midraschfragments zu Deuteronomium durch Louis Finkeistein sowie schließlich Israel Bettans Analyse des Inhalts der Predigten des spanischen Rabbiners fsaac Arama, dessen Gedanken noch bis in die heutige Prcdigtlitcratur fortwirken. Die große Zahl der Arbeiten macht es unmöglich, jede besonders zu erwähnen, geschweige denn eingehend zu erörtern, wie es notwendig wäre. N. Die Werke Philos von Alexandria. Sechster Teil. Herausgegeben von Prof. Dr. I. Heine mann und Prof. Dr. M. Adler. — Jüdischer Buchverlag, Stefan Münz, Breslau 1938. Nach längerer Panse ist jetzt der sechste Teil des großen Uehcrsetzungswerkes erschienen, das beabsichtigt, die Werke Philos von Alexandria in deutscher Sprache und mit kritischen Anmerkungen versehen, heraus/.ugeben. An diesem Band haben außer den Herausgebern Dr. Hans Lew y, Jerusalem, und Dr. Willy T h e i 1 e r, Königsberg, mitgearbeitet. Der sechste Band enthält die Schriften Philos über das Zusammenleben um der Allgemeinbildung willen, über die Flucht und das Finden, über die Namensänderung sowie die beiden Teile der Schrift über die Träume. Die Herausgabe dieses Werkes ist für alle an jüdischer Geschichte und jüdischer Philosophie Interessierte von außerordentlicher Bedeutung und wird für das Studium Philos auch im Rahmen der allgemeinen philosophisehen Betrachtung von großem Wert sein. J. Ch. Rawnitzki, dessen Name besonders aus seiner Verbindung mit B i a 1 i k geläufig ist, veröffentlicht den zweiten Band seiner Lcbenserimierungen (״Dor w’sofraw", Sefer scheni, Dwir, Tel Aviv, תרצ״ח ). Rawnitzki, geboren in Odessa, Zögling des dortigen Beth-Hamidrasch ״Magide Tehillim“, später Lehrer, Schriftsteller und Herausgeber, hatte das Glück, in dieser Stadt aufzuwachsen und seine geistig entscheidenden Jahre zu verbringen, die wie kaum eine andere in der jüdischen Zerstreuung der jüngsten Vergangenheit zu einem geistigen Zentrum von außerordentlichem Einfluß geworden ist. ״Zentrum“ bedeutet hier aber keineswegs Uniformität. Im Gegenteil: eine Verbindung in ihrer Eigenart scharf ausgeprägter, unnachgiebiger Persönlichkeiten, die oft genug auch einander bekämpften, die aber alle einig waren in der Verwurzelung in der jüdischen Tradition, der Liebe zu ihrem Volke und der Sorge um seine Zukunft, Zu all diesen Männern trat Rawnitzki nicht nur etwa in literarische, sondern auch in nahe menschliche Beziehungen; und vor allem die Schlichte Schilderung dieses Menschlichen ist es, was seinen Erinnerungen einen besonderen Reiz verleiht. An uns ziehen bei der Lektüre dieses Buches vorbei: aus dem Odessa er Kreise Acliad Haam und M. L. Lilienblum, Mendele, Dubner und Ben-Ami, Sch. Ben-Zion und Bialik, und von den Nicht-״Odessiten“ J. L. Perez und Schalom Alcchcm. Sie alle sind in dem Buche nicht gleichmäßig bedacht; namentlich die beiden zuletzt Genannten treten in ehr im Vorübergehen auf. Im allgemeinen konnte Rawnitzki auf den 191 Seiten seiner Erinnerungen den von ihm geschilderten Menschen keinen allzu weiten Raum widmen. Trotz dieser Kürze erscheint aber z. B. die Charakteristik der Personlichkcit M. L. Lilienblums, eines Mannes, der auf die Entwicklung des Zionismus in Rußland außerordentlichen Einfluß hatte, abgerundet und einprägsam. Leo Pinsker hat sich, so erzählt u. a. Rawnitzki, eben unter dem Einflüsse Lilicnblums, auf das Heilige Land als Kolonisationsland für Juden konzentriert. Und als nach langwierigen Bemühungen die Erlaubnis der russischen Regierung zur Gründung einer ״Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer in Palästina und Syrien“ mit der Zentrale in Odessa erlangt wurde, widmeten sich beide, Pinsker und Liiienbluni, mit großem Eifer der praktisch-zionistischen Arbeit. Lilieublum war durch und durch ein Manu der Praxis. Kennzeichnend hierfür ist sein Verhältnis zu Achad Haam oder genauer zu der von Achad Haam geleiteten Organisation ״Bne- Mosche“: Lilienhlum war ihr ursprünglich beigetreten, schied aber nach kurzer Zeit wieder aus. Die ״Bne-Moschc“ schien ihm zu geistig, zu abstrakt und vom ״einfachen (,pascliut‘) Verstand“ zu sehr entfernt. Charakteristisch ist für Lilienhlum, der schon damals für eine geregelte Alijah einfrat, auch der folgende Vorfall. Einer der nach Palästina Auswandernden besuchte, wie üblich, auf dem Wege nach dem Heiligen Lande Lilienhlum in Odessa. Als dieser sich nach den Mitteln des Emigranten erkundigte, antwortete letzterer begeistert, er besitze zwar keine Mittel, sei aber bereit, wenn es nötig ist, die palästinensische Erde selbst mit der Nahe zu furchen. — ״Sagen Sie, bitte“ erwiderte Liiienbluni hierauf schlicht — ״wieviel Dunam kann denn der Mensch mit seiner Nase beackern?“ . . . Lilienhlum« ruhmvollen Namen hörte Rawnitzki schon, als er ein eifriger Teilnehmer des oben erwähnten Odcssacr Beth-Midrasch war. Bald fand sich auch Gelegenheit zu persönlicher Bekanntschaff. Wie groß war aber das Erstaunen des jungen Talmudschülers, als er vor sich einen ״gewöhnlichen Juden“ sah, in ärmlicher Kleidung, um ״eben von lärmenden Kindern! Nach mancher Mühsal fand Lilienhlum schließlich ein gesichertes, wenn auch bescheidenes Auskommen als Sekretär derOdcssaer Chcwra Kadischa. Die Abende und Nächte aber widmete er seiner zionistischen Arbeit: schrieb Artikel, verfaßte Aufrufe u. dgl. Nach einer Reihe von Jahren entschloß sich der Paläsfinensisdie Bodenkunde Dr. A. Reifenberg: Jedioth Hakarka. — Rubin Maß, Jerusalem 1937 ■38. Dieses Werk, die erste Bodenkunde in hcbrä isolier Sprache, zerfällt in zwei Bände: 1. Grundlagen der Bodenkünde in Theorie und Praxis, '2. Die Böden Pakästinas. Der erste Band erfordert einen wissenschaftlich einigermaßen geschulten Leser, jedoch ist die Darstellung stets klar und populär. Es werden Bodenbildung, d. 11. die physikalisehen, chemischen und biologischen Vorgänge im Boden behandelt. Dabei legt der Verfasser besonderen Wert auf die Kolloid-Eigenschaften des Bodens, die ja für die moderne Bodenkunde grundlegend sind. Es folgt die Klassifikation der verschiedenen Bodenarten, wobei die Wichtigkeit des Bodenprofils und die Zusammensetzung der Tonfraktion besonders hcrvorgchobcn wird. Der letzte Teil des Buches beschäftigt sich mit der Nutzanwendung in der Landwirtschatt, z. B. beim Düngen und bei der Sauberkeit der Böden. Der zweite Band beschäftigt sich mit Palästina. Zuerst werden Geologie und Klima beschrieben, dann der Ver- Witterungsprozeß. Es folgt eine Beschreibung der Bodengruppen, größtenteils mit Analysen. Besonders gründlich wird die ״terra rossa“, die Roterde’ des Mittelmeergebiets, hehandelt, für die Dr. Reifenberg eine erste Autorität ist. Von den durch Bodenverhältnisse bedingten Problemen der paiästinensischen Landwirtschaft, welche für den praktischen Landwirt besonders wichtig sind, werden Bodenauswahl, die Be- Wässerung und ihre Gefahren und Düngung behandelt, Daß die dauernde Bewässerung stark salzhaltige Böden ungeheuer schädigen kann, hat die Erfahrung in Californien bewiesen. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der iiidisehen Ansiedlung in Beziehung zu den landwirtschaftlich nutzbaren Böden. Eine ausgezeichnete Bibliographie sowie ein hebräisch-deutsch-englisches Vokabular der Fachausdrücke beschließen den zweiten Band. S. Ellern Reuben Grossman (in Zusammenarbeit mit H. Sachs): Milon iwri-angli schalem. Durchgesellen und heraiisgegebcn von M. H. Segal. — Dvir Publishing Co., Tel Aviv 1938. Die Herausgabe dieses hebräisch-englischen Lexikons wird sowohl in Palästina wie in den englisch sprechenden Ländern sehr begrüßt werden. Das Lexikon ist zwar frei von einem wissenschaftlichen Apparat und stellt eine Zusammenfassung des Wichtigsten dar, ist aber durch seinen Umfang und durch die sorgfältige Bearbeitung außerordentlich zu empfehlen. Besonders erfreulich ist, daß in einem Anhang die wich* tigsten Abbreviationen und Kontraktionen die es ja im Hebräischen In so großer Zahl gibt, angegeben sind. Vorstand der Chowcwe Zion, dem Mann, der sich so aufopferte, die Möglichkeit zu geben, Palästina selbst zu sehen. Die Chewra Kadischa erklärte sich bereit, das Gehalt während der Abwesenheit Lilicnblums seiner Familie »uszuznhlen, ferner einen Stellvertreter zu engagieren, der eine Entlohnung erhalten sollte, die einem Viertel des Lilienh!umscli011 Gehalts entsprach. Alles war schon zur Abreise fertig. Aber im letzten Moment nahm Lilienblum selbst von ihr Abstand. Der Grund dieses sonderbaren Entschlusses war die Erwägung, daß das Engagement des so billigen Stellvertreters die Chewra Kadiseha auf den Gedanken bringen könnte, auch ihm selbst nach seiner Rückkehr das Gehalt empfindlich zu kürzen. ״Der Mann, der viele Jahre seines Lebens hindurch oft buchstäblich dein Hungertode gegeniiberstand, wich im letzten Augenblick zurück und beschloß, sein Verlangen nach einer Palästinareise zu unterdrücken, aus Angst vor jenem Gespenst, das wieder auftauchcn und ihm zusetzen könnte.“ Angesichts der jahrzehntelangen Freundschaft und Mitarbtif, die den Schreiber der Memoiren mit B i a I i k verband, erscheint cs nur natürlich, daß die Gestalt des Dichters in diesen Lebenserinnerungen am häufigsten begegnet. Jene Mit* arbeit gründete sich vor allem auf die gemeinsame Bearbeitung und Herausgabe der hebräischen Legenden im ״Sefer haagada“. Aus Rawnitzkis Darstellung ersehen wir, wie sehr dieser Stoff Bialik anzog und, dank des poetischen und geistigen Gehalts, auch anzielien mußte, wie sehr Bialik sich über jeden gelungenen Ausdruck, über jedes treffliche Bild in einer Legende freuen konnte. Die Arbeit an der Sammlung.der Legenden, sowie an der Poesie des Mittelalters (Gahirol) setzte Bialik gemeinsam mit Rawnitzki auch in Palästina fort. Atif dem Wege von seinem Hause in Tel Aviv nach der Wohnung Rawnitzkis wurde er freilich immer wieder von verschiedenen Leuten angesprochen und verspätete sich /.umeist. Dafür aber war er dann nicht von! Schreibtisch los- /!!reißen. Für die Konzentrationsfähigkeit Biaiiks legt ein beredtes Zeugnis die folgende von Rawnitzki mitgetcilto Episode ab: Im Jahre 1905 revoltierte die Besatzung eines russischen Kreuzers auf dem Schwarzen Meer und drohte, Odessa zu bombardieren. Die ganze Stadt befand sich Tage hindurch in Todesangst, aber Bialik lenkte seine Gedanken von der Gefahr ab und vertiefte sich in das Schreiben. Danach entstand ״Die flammende Rolle". Eine heitere Episode spielte sich um den Dichter und seinen Freund in Tel Aviv ab. Beide kamen vom Bernch eines todkranken gemeinsamen Bekannten und, noch beeindruckt von dem Erlebten, unterhielten sie sieh jiddisch. Dies belauschte ein eifriger junger Mann und stellte die beiden zur Rede, warum sic nicht miteinander hebräisch sprächen. Bialik erzürnte sich über diese ״Intervention“ mul rief nach kurzem Wortwechsel dem drei :.len Jüngling zu: ,,Geh zum Asasel!“. Hierauf Forderung vor ein Gericht wegen Beleidigung. Bialik erschien nicht, sandte aber den Richtern ein Schreiben, in dem er den Vorfall darlegte und fugte zum Schluß über die inkriminierte Aettßerung hinzu: ״Vielleicht ist der Ausdruck nach üblicher Auffassung etwas scharf, aber nach seinem enauen und wahren Sinn bezeichnet er den Namen eines erges unweit von Jerusalem, und der Ort ist, meiner Meinung nach, ehrenvoll genug für einen Spaziergang des Klägers.“ Im übrigen wies Bialik auf die Reklame- und Sensationslust des letzteren hin, der sich beeilte, über den ganzen Vorfall einer Zeitung telegraphisch zu berichten. Auch Rawnitzki, der vor Gericht erschien,!egte das ungehörige Verhalten des jungen Mannes dar. Die Sache nahm aber ein völlig tinerwartetes Ende. Als Rawnitzki den Zuruf Biaiiks erwähnte, wandte sich der Kläger plötzlich zu ihm mit der Frage: ״Wie sagte er: ,Geh zum Asasel!‘: Hebräisch oder jiddisch?“ — ״Hehräisch“, bezeugte Rawnitzki. ״Dann“, wandte sich der Kläger an die Richter, ״bin ich bereit, die Beleidigungsklage zurückzuziehen.“ Dr. Elias Hurwicz Die Anfänge der Rothschilds Ein ״best sellcr“ aus USA.: ״A n 111 o n v A d v e ז s c“ von Hcrvcy Allen enthält die Geschichte eines Findlings aus Livorno, vielmehr ein Bild der napoleonisehen Zeit in‘ Frankreich, Italien, England und Amerika. Anthony trifft an einem denkwürdigem Tage in Paris einen jungen Juden, der aH“ein in verhängnisvoller Stunde, da die Ouvrardseheu Börsciimanöver Millionen kosteten, den Kopf oben behalf. Durch einen Zufall begegnet er dann diesem Juden in einem versteckten Winkel 1 ondons wieder, in HammerMiuth. Scharf beobachtet ist das Wesen des Juden, ,,stolz und empfindlich Jüdischer Rliaailcnand Bachvertrieh JEN NY MICHEL . KASSEL. Lutherstr. 9 Geschenke tu allen Gelegenheiten InUnH / Wr**n־׳i / Ausland wie nur hochentwickelte Juden sein können.“ Als Anthony seinem Freunde in einem Briefe dieses Erlebnis erzählt, fügt er hinzu: ״Du würdest kaum glauben, da IS er und seine Familie bereits eine Macht in der europäischen Finanzwirtschaft darstellen.“ Und er findet den Schlüssel dieser Macht in dem engen Zusammenhalt der Familie. Mit Nathan, dem Londoner Rothschild, verbindet den Holden in Zukunft ein enges Freundschaftsbündnis, bs. Zur •TiulcnfraRC Anarole Leroy-Beaulieu: Israel chez les Nations. — Verlag Calmann-Lcvy, Paris 1937. Der französische Historiker Anatole Leroy-Beaulieu ver״ öffentlichte im Jahre 1893 ein Buch, in dem er — nicht zuletzt veranlaßt durch die Lage der Juden in Rußland — das Verhältnis der Juden zur Umwelt untersuchte. Fs ist zu begrüßen, daß der Verlag jetzt einen Neudruck dieser Arbeit herausgegeben hat, mit der sich seinerzeit Theodor Herzl ausemandersetzte. Leroy-Beaulieu analysiert eingehend die Judenfrage vom religiösen, nationalen und Rassen- Standpunkt, Ebenso interessant sind auch die Seiten, die die Frage der Assimilation und der Neubildung eines jüdischen Palästina behandeln. R, L. Pierre Crdange, ״Fpitrcs aux Juifs“. —■ Verlag Albert Messein, Paris 1937. Selten vielleicht hat man aus Frankreich eine so bewußt jüdische Stimme gehört, wie sie aus diesen ״Episteln an die Juden“ von dem französischen Zionisten Creangc widerbalit. Es ist eine Sammlung von Aufsätzen und Reden, die den ganzen Umkreis der jüdischen Problematik abschreiten. Der Verfasser eiflelt die Fehler der Juden in Frankreich; mit derselben ückhaltlosigkeit, mit der er für die Sache des Zionismus wirbt, rechnet er mit dessen innerjüdischeri Gegnern ab. —nn. וווווווווווו!ווווווווווו!ווווווו!ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו!וווווווו:זוווווווווווווווווווחוווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווחוווווו!זוווווווווחווווווווחוו11וווו»*ו:וו1ווו1וות*וווווחו1וזוו»ווו1)ו(1ווווווווו1ו1ח1(ח!!״ווווווויווו VT V JüdisäiBT BUGiiUBrlriBh Min Sßlamon Hebrafca ■ Judaica Schöne Literatur ■ Ritualien ■ Sdtaiipialfen JEnfjnnk Berlin-Charlottenburg, Dahlmiunitraßl 8 / Ruf; 86114t Verkaufiatelle und Anzeigenannahme lür jüdische Zeitungen Versand In* und Ausland