Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1938)
- Date
- 1938-06-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44/45, 3. JUNI 1938 SPORT-RUNDSCHAU Jüdische Sportler in aller Welt Woher sie kamen und wohin sie gingen ,-עסיי*׳ Franz Urgler t Mittelstreckler); früher Wuppertal, jetzt Löboröd (Schweden) *1״!< Als nach dem Jahre 1033 der jüdische Sport in Deutschland auf sich selbst gestellt war, nahm er zunächst einen großen Aufschwung. Es hatte schon eine Reihe jüdischer Vereine gegeben (Bar Kochba Berlin, Box-Club Maccabi), die achtunggebietende Erfolge errungen hatten. Jetzt aber erst organisierten sich sämtliche jüdischen Sportler in den jüdischen Sportvereinen, die wiederum zu zwei großen Verbänden, dem M a k k a b i und dem Schild zusanunengeschlossen waren. Schon zuvor hatte es zwischen den zionistischen Sportvereingungen des Makkabi einen Zusammenhang gegeben, der jedoch im praktischen sportleben nur in den ein-, ma'igcn jährlichen Mcisierschatten zum Ausdruck kam. Jetzt schuf sich der jüdische Sport einen re11״- lären W e 11 k a in p f h c - trieb in fast sämtlichen Disziplinen. Diese Zeit stellt organisatorisch die höchste Lntwicklnngsstule dar, die bisher der jüdische Sport erreicht hatte. Eine ganze Reihe ausgezeichneter Sportler nahmen an den ständigen Wettkämpfen teil. Ihre Namen sind bekannt geworden, und sie haben dazu geholfen, daß der Gedanke der sportlichen Erziehung wenigstens in der jüdischen Jugend um sich gegriffen hat, wenn auch die Anteilnahme des jüdischen Publikums stets 711 wünschen übrig ließ. Jetzt, nach wenigen Jahren, haben die meisten von ihnen Deutschland veilassen, aber fast alle sind mit dem Gedanken des jüdischen Sports, zu dem sie ln diesen Jahren erzogen worden sind, in Verbindung gebüchen. Fast alle arbeiten weiter für die Sache, die die ihre geworden war, und so scheint es uns interessant, einen lieberblick über ihre Wege zu geben. Von den Sportlern, die bereits vor 1933 «inen Namen im jüdischen Sport hatten, sind fast alle, die zur Aus- Wanderung gekommen sind, nach Palästina gegangen. Der bedeutendste von ihnen, der den Namen des Bar Kochba Berlin zuerst in weite Kreise getragen hat, der finnische Olympia-Sieger Eli Katz, lebt in Tel Awiw. Er war zuerst Arbeiter und ist jetzt in der Verwaltung des Stadions tätig. Zu der! erfolgreichsten und einsatzhereitesten Athleten des Bar Kochba gehörten auch die Brüder Kurz, von denen der eine Sportlehrer des Makkabi und verschiedener Schulen in Haifa, der andere bei Brunnenbohrungen beschäftigt ist. Der Makkabimcister 1932 im 100-m-Lauf, Theo Lew ‘■M •*»״w. Lore Meyer (Sprinterin); früher Frankfurt a. M., jetzt Swanlcy (England) in Haifa und ist nun auf Weil (Sprinter); früher Saarbrücken, jetzt Haifa war mehrere Jahre Hilfspolizist der Offiziersschule der palästinensischen Polizei. Dr. Ernst J o k 1 schließlich, besonders als Hürdenläufer und hervorragender Sportmediziner bekannt geworden, lebt zur Zeit in Südafrika als Dozent für Medizin an einer kleineren Universität und arbeitet zugleich an führender Stelle an der Sportlchrerausbildung Südafrikas mit. Er wird einer der Berufensten sein, den Gedanken einer palästincnsischen Sporthochschule, mit der er sich viel befaßt hat, in die Wirklichkeit umzusetzen. Die hisher Genannten waren Bar Kochbaner. Von den bekanntesten Bo.xeru des Makkabi sind als erste Stadtlaender und W e i ß k i n d nach Palästina gegangen. Weißkind ist in der Kvvuza, in der er lebte, sehr jung an einer Fußverletzung gestorben. Stadtlaender ging als Weltergewicht-Amateurmcistcr von Palästina nach Amerika und hat dort gerade seine ersten Erfolge als Berufsboxer errungen. Branntwein lebt in einer der jungen Siedlungen des Makkabi, der Kvvuza Maajan bei Rechowoth, und hat bereits mit Erfolg für den Atid Tel Awiw geboxt. Auch der meisterliche Ringer B e c k a lebt in Palästina und arbeitet bei den Ruthenberg-Werken. Der begabte N 0 s c h k i s ist in Puszta Golenic (SHS) auf Hachschara und bereitet sich auf seine Alija vor. Franke lebt in London und boxt für den Makkabi. Battist ist in Holland einer der besten Boxer des Makkabi Amsterdam. Fuchs, der Meister war, betreibt in Brüssel eine Sportschule. Von den Athleten, die nach 1933 noch in Deutschland starteten, sind gleichfalls eine Reihe bereits in Palästina sehr aktiv tätig. So ist der junge Saarbrückener Weil palästinensischer lfK)-m-,Meister mit großer Zukunft. In der Länaermannschaft, die Palästina Theo I.eey (Sprinter); früher Hamburg, fetzt Haifa gegen Aegypten vertrat, startete außer ihm auch Leo Sork i n über 400 m, der, wie Branntwein, in der Kwuza Maajan lebt, ln Alaajan ist schließlich auch noch der Diskusmeister des Deutschen Makkabikreiscs, Hans Jacob. Der Mittelstreckler Dobriner lebt in einer anderen Makkabi-Siedlung in Raananab. Die repräsentativen Handballspieler Guttmann und Okmiansui, die begabten Springerinnen Hilde Meyer und Tanja Spiwak sind mit der Jugend-Alija ins Land gegangen. Die Speerwerferin Licscl tzempin lebt gleichfalls schon in Haifa, studiert aber zur Zeit noch Medizin in Genua, wo sie im Frauensport manche Erfolge hatte. Die Makkabia - Siegerin im Turnen Anna Men die lebt als Gymnastiklehrerin in Haifa. Die ausgezeichnete Sprinterin Lore Meyer bereitet sich in der Nähe von London auf einer landwirtschädlichen Schule, der beste Mittelstreckler des Makkabi Franz O r g I e r gemeinsam mit dem Nachwuchsläufer Walter Cohn auf Hachschara in Schweden für Palästina vor.. Heinz Aufrichtig, ein sehr erfolgreicher Sprinter und Speerwerfer, lebt in Kapstadt als Assistent an der Universität. Er gehört dem Makkabi an. Ebenfalls in Südafrika lebt die f iihere Meisterin Majthcl Jacoc, die als aktive Sportle.in und Trainerin große Erfolge in Johannesburg hat. Aenne Cohn studiert in England Chemie. Der Jiu- Jitsu-Sicgcr der Makkabia, Paul S c h wa r z s c h i 1 d, der zugleich einer der besten Skiläufer des Malekabi war, lebt als Kunsthändler und Skilehrcr in USA. Nach USA. ist auch Herbert Brück gegangen, der früher oft international im Eishockey gespielt hat und gleichfalls versuchen wird, als Sportlehrer drüben Fuß zu fassen. In New York lebt ferner der Makkabimcister im Kugelstoßen Heinz Herr mann, der sich gemeinsam mit dem Sportlehrer van der Walde um die Schaffung eines Alakkabivereins bemüht. In Südamerika leben in Montevideo die schnell bekannt gewordenen Nachwuchssprinter Kurt Sternlieb und Falkenberg. Die beiden besten Tennis- Spieler des Makkabi, Buchwalter, Breslau, und Strauß, Wuppertal, sind nach Australien bzw. nach Los Angeles (USA.) gegangen. Von den Sportlern des Schild hat die weitaus meisten Erfolge auch nach der Auswanderung Gretel Bergmann gehabt, die im Vorjahre nordamerikanische Meisterin im Hochsprung (1,52 m) > und im Kugelstoßen mit 1. 11,50 m wurde. Die frühere s׳_ Schild-Meisterin Ruth Caro, die_ 1933 englische Speerwurf• mcisterin war, ist inzwischen Marthel Jacob (Werferin früher Berlin, jetzt Johanne bürg (Südafrika) Eli Katz (Langstreck■ ler); früher Berlin, jetzt Tel Awiw K1 (JschiKurz(Sprinter), früher Berlin, jetzt Haifa nach Buenos Aires übergesiedelt und dort mit 30,10 tri argentinische Meisterin geworden. Gleichfalls in Buenos Aires lebt der Werfer und Handballer des Schild Klaus Pfärtner, Es würde zu weit führen, wenn man diese Liste der bekanntesten Namen um alle die ergänzte, die weiterhin für den jüdischen Sport arbeiten werden. Ueber- Grelel Bergmann (Springerin); all haben sie Makkabifrüher Stuttgart, fetzt New York vereine geschaffen oder verstärkt. Der Atid in Tel Awiw der Bar Kochba Haifa ׳«■׳ sind von ihnen geschaffen worden. In fast jeder größeren südamerikanisehen Stadt ist ein jüdischer Sportvereinentstanden, von jüdischen Sportlern au* Deutschland gegründet und fast ausnahmslos dem Makkabi - Wcltverband angeschlossen. Besonderen Erfolg Anna Mendle (Turnerin); früher München, jetzt Haifa, Rechts: Strauß(Tennismeister); früher Wuppertal, jetzt Los Angeles ,i. *.«!•# «I ״־• 1V|E . •Bf ' hatte in diesen Vereinen im Fußball in Buenos Aires ein Zusammenschluß hauptsächlich Leipziger Bar Kochbaner. In der New Yorker Fußball-Liga spielt eine Cif, die ausschließlich aus früheren Schild-Spielern aus Deutschland besteht In New York gibt es ferner neuerdings einen Bar Kochba. Rundblick auf die Sportplätze Makkablpokal In Stlddeutschland Die süddeutschen Makkabivercine tragen zur Zeit unter Beteiligung des Jtus München Rundcnspicle um den Makkabi-Pokal aus. Am 26. Mai verlor Jtus München im Fußball in Stuttgart gegen Hakoah Stuttgart 3:1. Am 29. Mai gelang es den Münchenern in Frankfurt, gegen den Bar Kochba ein Unentschieden 2:2 herauszuholen. Rahmenspiele: Jtus München gegen Schild Stuttgart Damen-Handball 3:5, Herren-Handball 9:6. Jtus München gegen Bar Kochba Frankfurt Damen-Efandball 3:2. Weitere süddeutsche Ergebnisse: Handball: Bar Kochba Frankfurt gegen Schild Wiesbaden 10:3; Jugend Bar Kochba Frankfurt gegen Schild Wiesbaden 12:6! Hamen Schild Wiesbaden gegen Bar Kochba Frankfurt 2:0. — Fußball: Bar Kochba Frankfurt I gegen JJB. Hanau 8:2; Bar Kochba Frankfurt Schüler gegen Bar Kochba Oflcnbach Schüler 9:0; Bar Kochba Frankfurt Ia gegen JTB, Frankfurt I 7:2; Hakoah Frankfurt Jgd. B gegen Bar Kochba Frankfurt Sch. II 8:0; Jtus Aschaffenburg Sch. gegen Hakoah Fiankfurt Sch. II 8:0; JTB. Frankfurt I gegen Bar Kochba Offenbach I 1:7. — Handball: Hakoah Frankfurt Damen gegen JJB. Hanau Damen 1:1. In Leipzig: Klubkampf Bar Kochba gegen Schild In Leipzig fand zum ersten Male ein Klubkampf dieser Vereine mit Spielen der verschiedensten Klassen statt. Bis auf das Spiel der Mädchen und der Alten Herren waren di« Bar Kochbaner in allen Spielen siegreich. Ergebnisse: Handball: Mädchen 2:1 für Schild; Damen 3:2 für Bar Kochba; Jugend 7:4 für Bar Kochba; II. Herren 18 :2 für Bar Kochba; I. Herren 9 :8 für Bar Kochba. — Fußball: II. Herren 4:1 fiir Schild; Alte Herren 8:1 für Bar Kochba! I. Herren 3 : 0 fiir Bar Kochba. Spiele in Chemnitz Makkabi Chemnitz gegen Bar Kochba Dresden: Handball, Damen: 1:0 (1:0). Fußball, Herren II: 1:6 (0:0)ן Herren I: 2:2 (1:2). Tischtennis: 5:0. Oberschlesischer Makkablfurntag In Glelwltz Aut dem Platz der Gemeinde fand in Anwesenheit de• Turnwarts des Makkabi, Dr. Hans Kuhn, der zweit« Turntag des oberschlesischen Bezirks statt. Die Veranstaltung, die ungewöhnlich gut besucht war, stand im Zeichen de• Makkabi-Leistungsabzeichens. Es wurden Massenprüfungen vorgenommen, die die Leistungsfähigkeit der Makkabi-Jugend m Oberschlesien zeigten. Der Turntag wurde in der Turnhalle in Bcuthen beendet. Bezirkstagung in Mannheim Vor kurzem fand in Mannheim die 6. Bezirkstagung des Bezirks Südwest im Deutschen MakkabikreLs statt. Außer den Arbeitsberichten wurde ein ausführliches Referat vom Geschäftsführer des Deutschen Makkabikreises, Goldschmidt- Berlin, erstattet. Aus dem Bericht verdient erwähnt zu v׳erden, daß z. Zt. 60—70 Mannschaften allsonntäglich in ständigern Spielverkehr stehen. Im Rahmen dieser Tagung wurden interessante Auswahlspiele abgehalten, die von allen Vereinen des Bezirk• bestritten wurden. Im Fußball erwies sich die aus Makkabim der Vereine iri Frankfurt, Hanau und Offenbach zusammengesfellte Elf als nicht durchschlagskräftig genug, um den viel schnelleren Stürmern aus Baden und Württemberg standzuhalten. Nachdem die Makkabim aus dem Mainkreis bis Seitenwechsel gar einen 4:1-Sieg erzielt hatten, brachte ein« Umstellung in der Rhein-Neckar-Elf die Entscheidung. Walter Herrsch (Stuttgart) führte als Mittelläufer seine Mannschaft zu einem verdienten Siege, nachdem die gegnerische Elf das Tempo nicht mehr durchhalten konnte und die Verteidigung meistens auch viel zu weit aufgerückt war. Die Makkabimann- Schaft des Rhein-Neckar-Bezirks gewann mit 6:4 (1:4) Toren. — Der Jugendkampf der entsprechenden Mannschaften zeigte die jungen Makkabim aus dem Mainkreis technisch und spielerisch stark überlegen; sie brachten schließlich auch einen 2:1- (2:1)-Sicg nach Hause. Im Handball wurde'das Auswahlspiel in Mannheim eine gute Kampf- und Trainingsprobe für den Deutschen Makkabimeister Bar Kochba Frankfurt. Obwohl einige Ersatzeinstellungen notwendig waren, war die Mannschaft den Makkabi-Handballern des süddeutschen Bezirks stark überlegen. Das Spiel hatte ununterbrochen ein großes Tempo; der aus Mannheimer Spielern bestehende Sturm der württembergisch-badischen Elf, allen voran der ganz ausgezeichnete Gelbart (BK. Mannheim), konnte wiederholt gefährlich werden. Die Frankfurter waren zeitweise nicht auf ihrer sonstigen Höhe. Trotzdem gewannen sie sehr sicher mit 10:5 (6:3) Toren. Am Tag der Süd westdeutschen Makkabi-Bezirkstagung konnte der Bar Kochba Mannheim seinen Werbeabend ״Makkabi-Sport und -Film“ im Saal des Schloß-Restaurants zu einem großen Erfolg gestalten. Vor der Aufführung des Makkabifilms hielt Siddy Goldschmidt (Berlin) eine Ansprach«. Dann rollte der Bildstreifen mit einer mustergültigen musikalischen Untermalung von Theo Eger (Frankfurt) ab. Großen Beifall fand die Musterschule des Bar Kochba/Hakoah Frankfurt, die den Abend mit rhythmisch-gymnastischen Vorfiihrungen und turnerischen Darbietungen am Pferd und Barren unter der Leitung von Tum- und Sportlehrer Stelz« beschloß.