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Jüdische Rundschau · 1938-06-03 · Heft 44-45 (3.6.1938) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 44-45 (3.6.1938)
Date
1938-06-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44/45, 3. VI. 1938 Gesetz und Dichtung Mine Betraditung zu Sdiawuoth Dr. Heinrich Brody zum 70. Geburtstag gewidmet Von Dr. Oskar Wolfs borg, Jerusalem Die Wurzel der einzelnen Gebote, ihr historischer Ur- Sprung und Hintergrund ist Gegenstand der Forschung. Manches ist aufgehellt worden, vieles harrt noch der Er- Schließung und mag noch geklart werden. Mannigfach sind die Wege der Erforschung: die vergleichende Betrachtung verschiedener Literaturen und Kulturen, der Wandel der Gcbrauche lehren uns viel; anderes versucht die Methode der Psychoanalyse zu klaren. Obgleich der Talmud die Trage auf rollt: למה לא נתגלו מעמי המצוות — warum wurde״ die Motive der Mizwoth nicht offenbart? und damit zum Ausdruck bringt, dal! nicht das die Aufgabe des Juden sei, diesen Untergrund zu enthüllen, sind, in fesselnder inkonscqueiiz. immer wieder von Lehrern und Erklärer!! Versuche gemacht worden, durch Grübeln und Konstruieren dem Sinn und der Absicht der Gebote niiher/ukommen. Den Sinn des G e s e t / es als Totalität zu ergründen, ist die Aufgabe der Religioiispliilosophic. Diese Bemühungen beginnen früh, längst bevor es eine Religimisphilosopnie als Disziplin gibt. Es verstellt sich, daß schon in biblischer Zeit Betrachtungen, wenn auch sehr allgemeiner Art angestellt wurden, wie wir sie 1. B. 1m Deuteronomium finden. Die talrnudische Weisheit hat uns viele Aussprüche überliefert, die den Charakter des Nomos betreffen. Aber seinen systcmatischcn Ort hat diese Würdigung eist bei den Philosophen des Wttiialtefs gefunden. Oft kehlt der Charakter der Strenge wieder in den Kt tinzeichiiungen de' < icset/es. ״ -י- מצוות לא ליהנות ניתנוdie Gebote u urilen nicht zuin Genuß gegeben“ (Rasch ha- Sch,-!™ 2s.1t, mul Raschi fugt hinzu: לישראל להיות קיומם להם ״ ־ להנאה אלא לעול על צואריהם ניתנוsie wurden Israel nicht genehm, damit 111 re Erfüllung ihnen Genugtuung bereite, sonst als Jach auf ihren Nacken wurden sie gegeben1‘. -״ ■ Aber nicht alle I)mlimgeii klingen so streng. Ich will hier nie bt d e I 11 l!e dm Aut öi-Mingen u iedergeben. Interessant aber bleibt die ungeheure Spannung.-«eite. \on der strengen Konzepiioti ״,;itf ein■׳ gewaltige Linie bis zu der Auffassung: ״Gesänge sind nur Deine Gesetze." I )all das (ies.-iz, das ein Joch ist. objektiv und nach dem Willen des Gc-et/gcbers ■■■ wie oft spricht die miindliehe 1 ehre vom עול מלכות שמים und vom ־ — עול מציותzugleich als 1:0(1, ah Gesang empfunden wind, das erweist die Fülle der Motive und den Reichtum seines Gehalts und seiner Wirkungen. Es ist von Bedeutung, gerade diesem Gedank engang eh! wenig ח ach 711 gellen. Im .Winde des Psahneiidiehters bedeutet dieses Wort: •זמרות היו לי תקין zunächst nicht mehr, als die religiöse Gc11>nlitat des Saugers. Der Reichtum seiner Seele erhebt die Strenge der Satzungen in das Reich der Rhythmen. Die Schwere Dt aufgehoben, überwunden, die Gebote schweben wie die Klange der Musik in den Aethcr. Die Innigkeit des Glaubens nimmt dem Gern.•!/ alles Bedrückende. Es spricht sich hier die LQbcrzeugung aus, daß es vom Menschen abhängt, wie die Forderung der Lehre wiegt. Aller diese Verwandlung des Belastenden in das Beglückende könnte nimmermehr zustande kommen, wäre nicht im Wesen des Gesetzes die Möglichkeit der Metamorphose, die Note des Gesanges angelegt. Die künstlerische, dichterische Note muß im tiefsten im Religionsgesctz verankert sein, und sie harrt nur der Erweckung, der Erlösting. Vieles ist darüber gesagt worden, manches wird noch zu ergänzen sein. Auch Denker unserer Tage haben die Vervvandtscliaft geahnt, die hier waltet. Der verstorbene Rabbi A. j. ku k hat einmal geschrieben: ,כמו שיש חוקים לשירה ״ כך יש שירה בחוקים (כתר הורד.)Wie es Gesetze in der Dichtung gibt, so gibt es ein dichterisches Element in den Gesetzen." ln diesen Satz Dt viel zusammengedrängt. Die Präzision des Künstlerischen, vornehmlich der Musik und des Dichterischen, hat von Pvthagoras bis heute viele denkende Menschen bewegt um! erregt: die Rolle der Exaktheit in der Reproduktion ist bekannt genug. Wie sehr muß der Ivun-Err (leiiauigkeit mit Inspiration zu verbinden wissen! Und noch In deut-amer i-t die Herrschaft der (i1׳st׳t/111al’igk1’it, des Leg:g;m׳n im S c 11!! p f e r 1 - e '1 e n, in dun sich die wahren Gesetze der Welt des Geistes — zuweilen erstmalig — cutll lilleii! Wir D-cn als Nacheinphmlende, als Kritiker und Deuter die t ic-et/e aus den Werkten ab, die die Meister scliufi :1, ohne der Normen •-ich stets bewußt zu sein, Hermann G o 11 e;1 geilt dem Anteil des Künstlerischen am Lh'hg'o'.en nach, besonders im Monotheismus unseres Volkes, und erkennt die Rollt• des Dichterischen, das allein Geltung!;11׳, wahrem! dm Elastik keinen Raunt beanspruchen kann. (Sie i.-t die AtiMlrurl.Storni des Polytheismus.) Epik und I.vrik tragen den ktinstlerbchen Anteil, während an die Steile des I): aniat sehen die Redekunst getreten 'ist. ,.Das Kunstwerk der Menseln n als der Bekenner des einzigen Gottes, ist!11111 (d. h. Moses) gegluckt, durch das Mittel des Gesetzes. Die Ge-et/c selbst können daher nicht ohne allen kmistleri'iheu Wert -cm." (Rehgion der Vernunft aus den Quellen des J!.nie!1!1m1>, 127׳ f.) Dieser letztere Satz steht der. zweiten Ted des oben zitierten Wortes von Kuk Italic: es gibt ein dichterisches Moment in den Gesetzen. Kunst und Religionsgesetz haben eine Tendenz gemeinsam: die Gestaltung und Eormung des noch nicht geinigcnd Geformten. Es geht dabei entweder um die Gestaltung von Ideen, Gedanken usw. oder von Menschen und Mcnschengrunpcn. Irgendwelchem Material wird eine Form aulßepragt. Dabei wird dem Material ein Wertzuwachs zuteil, mag er nun ästhetisch oder religiös-ethisch geartet sein. Die Bewältigung des Stoffes hat in jedem f all oinen kirnstlerischen Zug. Das Religionsgesetz setzt sich zum Ziel die Formung des ganzen jüdischen Menschen. Der Großartigkeit seines Anspruch•, entspricht der innere Reichtum seiner Mittel. Keineswegs wird das Aesthetisch-Künstlerische vernachlässigt. Die Normen דרכיה דרכי נעם, התנאה לפניו במצוות, הדור מציה zeigen die Funktion des Schönen im Geist und nach dem Willen der Meister der Haiachah an. Die unerhörte sprachliehe Gewalt in den Büchern der Propheten, der Anteil des Dichterischen in vielen Büchern der Bibel haben mit Recht den Eindruck erweckt, daß das Buch der Bücher nicht ohne diese Züge gedacht werden könnte. Es ist eine großartige Konsequenz, die an das Ende des Deuteronomium das große Lied האזינו und den dichterischen Segen des scheidenden Moses stellt. Gesetz und Dichtung greifen ebenso meinander, wie Geschichte und Gesang, wie Prophetie und Poesie. Sie alle: Gesetz, Prophetie und Geschichte sind Di cli tung, nicht etwa weil sie ein Spiel der Phantasie, weil sie Erfindung wären, sondern weil die Wirklichkeit — Gcschichte und ihre religiös-sittliche Formung Gesetz und ihre Wegweisung . Prophetie in ihrer Struktur Kunst- Das Rätsel des Bar Kappara Der Patriarch R. Juda hielt Hof in Sepphoris und führte sein Haus großzügig und gastfrei, wie es einem Sproß von davidiscliem Geschlecht zukam. Um seinen Tisch versamtnelten sich die berühmten Gcsetz.eslehrcr, die Größen des Sv 11hedriums. Nicht immer führten sie gelehrte Gespräche. Geistreiche Sentenzen und Wit/.worte flogen umher, und der Patriarcli selber blieb nicht uugeneekt. Der größte Schalk war Bar Kappara. So scharfsinnig er im Lehrhaus war, so munter war er bei der Tafelrunde. Er hatte Geist, Phantasie und poetische Gaben. R. Juda hatte sich einen ungebildeten jungen Mann als Schwiegersohn gewählt. Er hieß Bar EI e a s a und war reich und eingebildet. Bei einer fröhlichen Plauderei stellten die Gäste einer nach dem anderen au den Patriarchen Scherzfragen, und dem Schwiegersohn, dem nichts cinficl, flüsterte Bar Kappara ein Rätsel zu, das er dem Schwiegervater aufgeben sollte. Der Talmud Jcruschalmi hat es uns aufbewahrt, aber ohne die Lösung. Und da der Erfinder des Rätsels nicht mehr da war, so daß man ihn fragen konnte, haben sich in den letzten 18iM> Jahren viele daran gemacht, die harte Null zu knacken. Das Rätsel lautet: E Die Hölle schaut herab vom Himmel her. 2. Es kracht in den Vesten des Hauses. 3. Es bringt in Schrecken das Federvieh. 4. Es sahen mich die Burschen und kamen ins Versteck. 5. Die Aeltcsten standen auf und hielten stand. 6. Der Flüchtling schreit: Ach und Weh. 7. Der in die Falle ging, wird gefaßt in seiner Schuld. Grätz. der im 4. Band seiner Geschichte •die Sache ausführlich behandelt, bringi verschiedene Lösungsversuche alter Autoritäten, die aber wenig be/.ielumgsvoll sind. Der eine rät: ״Der Tod“, der andere: ״Die Venus“. Nachman Krochmal meint: ״R. Judas Strenge". Grätz. wagt selbst eine Lösung und kommt auf ״Die Hausmagd des Patriarchen“, die ja bekanntlich die Schüler nicht schlecht tyrannisiert hat. Rabbiner Dr. Kaatz (Hindenburg) hat über den Gegenstand vor mehreren Jahren einen .Artikel geschrieben. Fr läßt sich dahin aus, daß der Name Bar Eleasa wahrscheinlich dem Griechischen entstamme, da das Wort ״Eleas" in der Bedentung von ״Eule“ nachweisbar sei. Dr. Kaatz kommt zu dem Ergebnis, daß dieses Nachttier und in der weiteren Folge der Schwiegersohn des Patriarchen als des Rätsels Lösung zu gelten habe. Ich möchte nun eine neue Lösung vorschlagen, und zwar ״Barak“, in den ersten drei Zeilen als Naturerscheinung ״der Blitz“, in den letzten vier Zeilen als Barak, der Sohn Ahinoams, der israelitische Heerführer im Dcborahliede. Dazu folgendes als Begründung: 1. ״Die Hölle schaut herab von! Himmel her.“ — Hier wird der Peuerstrahl des Himmels verglichen mit dem höllisehen Feuer. Und daß im Scheol Feuer ist, das läßt sich vielmals beweisen, am klarsten jedoch aus dem Traktat Pellachim ״Das Feuer im Gehinnom wurde am 6. Tage der Schöpfungswoche erschaffen.“ 2. ״Es kracht in den Vesten des Hauses.“ — Nämlich der Blitz, wenn er einschlägt. 3. ״Es bringt in Schrecken das Federvieh.“ — Der Blitz scheucht bekanntlich fliegende Adler, Störche und Singvögel aus der Region der Lüfte in die Niederungen der Menschen. 4. ״Es sahen mich (also Barak) die Burschen und kamen ins Versteck.“ — Zum Beispiel Sisra unter dem Teppich der Jacl. 5. ״Die Aeltesten standen auf und hielten stand.“ — Das sind die Gesetzgeber von Machir, die Schriftgelehrten von Sebulon und Isachars Fürsten, die als Gefolgsleute von Barak im Dcborahliede besungen werden. 6. ״Der Flüchtling schreit: Ach und Weh!“ — Das ist auf der Flucht vor Barak wieder Sisra. Zwar war er matt und schlaftrunken, aber als er den Zeltnagel des kenitisehen Weibes in seiner Schläfe spürte, wird er nicht ohne Wehgcschrci das Dasein verlassen haben. 7. ״Der in die Falle ging, wird gefaßt in seiner Schuld.“ — Mithin ist Jacl, des Kenitcn Weib, nicht eine tückische Mörderin, sondern Werkzeug in der Hand eines Höheren. Manche Wendungen im hebräischen Text scheinen auf den ersten Blick etwas gesucht. Doch ist das kleine Gedicht kunstreich von Zitaten aus Tchillim, Kobeleth, Arnos, Jeremias durchvvohcn. Die Zeilen 4 und 5 sind ein vollständiges Zitat aus Hiob. Die alten Spruchdichter haben diese Filigranarbeit geliebt. Manchmal ist es auf Kosten der Deutlichkeit gegangen. Mir scheint aber, die Lösung des Rätsels geht noch weiter. Bar Kappara hat sich seihst darin gespiegelt. Dann wird er seinen Namen in Barak und para abgeteilt haben. Man muß sich das hebräische Wortbild vor Augen halten, um meine Vermutung bestätigt zu finden. In der ersten Zeile des Deborahliedes wird Barak ״der para" genannt. Das Wort wird nach Mandelkern ״para", nach Gesenius ״pera“ gelesen lind bedeutet Fürst. Und Bar Kappara wird sich gern da wicdcrgcfimdcn haben. Die Alten liebten es, ihren Namen, auch wenn er kein biblischer war. aus dein T'nach zu belegen. Unser Rabbi hatte noch dazu eine durchaus begründete Veranlassung. Sein Name konnte eine Ursprungsvcredeliuig vertragen. Es ist leicht möglich, daß man Bar Kappara nach dem Worte ״Kapran“ als einen Spitznamen deutete, der mit Dickwanst zu übersetzen ist. Bei der fröhlichen Gesell- Schaft in R. Judas Hause werden lustige Brüder auch auf diesen Einfall gekommen sein. Zum Worte ״para“ ist noch zu bemerken, daß cs ägyptischer Herkunft ist und wahrscheinlich mit ״Pharao“ die gleiche Sprachwurzel hat. Bei dieser Ueberlegung wird noch eine Richtigstellung der allgemein üblichen Uebersetzung des ersten Satzes im Dcborahliede gewonnen. ״Bepraö praoth bcjisrael“ wird von allen Uebcrset/ern verdeutscht ״als Un- Ordnung einrili in Israel“. Das stimmt schlecht zu der nächsten Zeile ״behith-nadew haani“ — ״als sich das Volk dem Kampfe weihte“. Richtig übersetzt bedeutet es jedoch: ״Als Führer- Schaft sich an die Spitze stellte in Israel"; dann kommt es mit dem nächsten Verse zu einer sinnvollen Verbindung. Wenn man meiner Lösung beipflichtet, versteht man das Weitere auch besser. Während Juda Bar Kappara lachen sah, als Bar Eleasa als sein Sprachrohr das Rätsel vortrug, muß er gemerkt haben, daß jener sich selbst gemeint habe. Ueberdics lag in dem Kopfe vor! R. Juda der T’nach offen wie ein abgeschlagenes Buch, und er war sich über die Bedcutung von ״para“ keineswegs im unklaren. Der Nassi wird nicht davon entzückt gewesen sein, daß der Rätseldichter sich als Fürsten ansah. Und er parierte mit der Bemerkung: ״Ich erkenne dich nicht als Führer an״. (Mithin schwebte seine Lösung in der Luft.) R. Juda gebrauchte nicht das Wort Briefmarken * Fritz Lewin Ssl*?* ״para“, denn es ist sehr selten und kommt nur noch ci׳n zweites Mal im T’nach vor, und zwar in der Sidra Haasinu, aber er gebraucht das Wort ״Saken“. Man muß sich vor Augen halten, daß dieses Wort in seiner sprachlichen Geltung weit über die Bedeutung ״Gesetzesichrer“ hinausreicht. Es bezeichnet schlechthin jede vornehme Amtsperson, und vielf Male wird es in der Bibel für Würdenträger in der Justiz., in der Staatsverwaltung, in der Hofhaltung des Königs und auch im Heerwesen angewandt, so daß es sich vollkommen mit dem Worte ״para“ deckt. Möglicherweise hat der Berichterstatter im Talmud Jcruschalmi das Wort ״para" auch mit Absicht durch ״Sakcn“ ersetzt, weil sonst das Rätsel bei den bibelfesten Hörern, mul das waren sie im Lehrhause ja alle, sofort erraten war. Fs bleibt noch übrig nachzutragen, daß para in Kappara mit alef, im Dcborahliede und im Hassinu aber mit ajin geschrieben wird. Doch das sind Zwirnsfäden, über die Bar Kappara nie gestolpert ist, wenn ihm ein ״Wörtchen“ gelungen war. Arnold Wiener, Bcuthen (O.-S.) IIMIIIunllllllllllllHMIIIimilllllllllimilNIIIlnilllllnMIlHlimilllHIIIMIIIIimilllHIIIIIIIIIIIIIIIIimilllllllMIIIIIIHIMHimillllllllllinillMIIIIIIIIIIIIIMIlllllllllllMllilUllnWWNIIIIIIIUIIIimitlllHMMIIIIIUIIIIIlllllllllllllllllllllllllllllllllMIIIIIIIIIIIIUminilUIMIIIIIIIIII lerisihes bergen. Und gewiß ist Geschichtsschreibung, prophetischer Spruch als sprachlicher Ausdruck der sprachfreien Vision und das Gesetz als System der Gebote und praktischer Ausdruck der Idee der Verpflichtung nicht denkbar ohne das Hinzutreten des künstlerischen Elements. Wichtiger aber als die sekundäre Funktion des Dichterischen als eines Mittels der Darstellung ist uns seine primäre Rolle in der ursprünglichen Konzeption. Die besondere Stellung der Psalmen in der Gesamtheit der biblischen Bücher ist oft hervorgehoben worden. וזו ♦ Ihrer Werbung rm In guter Auiführung, . VE? >rFr*'W'!m7‘ pÖ"!o 19.- Auch H. Cohen akzentuiert sie und sicht in der Wahrhaftigkeit des Monotheismus den Grund für dieses großartige Gelingen im Lyrischen. Sicherlich hat der Goltesglaubc niemals dichterisch innigeren und unverwüstlicheren Ausdruck als hier. Daß die ücsetzcsrcligion -- und gerade sie — solcher Ausdrucksfähigkeit sich gewachsen erwies, beweist, wie groß ihr künstlerischer Gehalt ist, wie gerade s i c künstlerische Kräfte weckt und freimacht. Die gemeinsame Wurzel des Religiösen und Künstlerischen als wiikeiulcr, schöpferischer Kräfte ist ח0ד עליון die Begnadtmg, die in allem Genialen sich offenbart. So nimmt es nicht wunder, daß es bestimmte benachbarte, ja gemeinschaftliehe Bezirke für beide gibt, und daß sie sich zuweilen in herrlicher Zeugtmgskraft untereinander verbinden. Alles hier Gesagte ist nicht zu dem Ende vorgetragen, das Religionsgcsetz seiner eigentlichen Bestimmung zu entfremden, seiner Eigenait zu entkleiden und alles Strenge, Heischende zu iisthetisicrcn. Nur darauf kam es mir an zu zeigen, wie weit die Universalität dieses großen Erzichtmgs- Programms ist, wie groß die Reichweite seiner Wirkungen. Es hat die anderen großen Motive nicht ertötet, sondern in sich atifgcnoinmcn, in seiner Mitte wirksam werden lassen und aus sieh künstlerische Kräfte entlassen. Besonders im Mittelalter hat die Dichtung dem Gesetz, das sie nie verdrängt und verbannt hat, den Dank erstattet. Wie zahlreich sind doch die Versuche,!in Rahmen der religiösen Dichtung die Würde des Gesetzes zu feiern! Ob es über die 613 Gebote geht, die in den Askaroth dichtorisch behandelt werden, oder um andere Themen: immer wird viel Begabung im Künstlerischen und Geistigen in den Dienst des Gottesdienstes gestellt, der selbst wiederum — und vor allem am Schawuoth — die Tora als das Buch des Gesetzes zentriert. Unter den Dichtern sind nicht wenige gleichzeitig große Talmudcrklärcr und Dezisoren, sowie Philosophen und Philologen. Die Personalunion, der wir hier oft begegnen, zeigt die innere Einheit der Persönlichkeiten, die Einheit aber auch der geistigen Gebiete innerhalb des Thorajudentums an. Derselbe Denker, der den minutiösesten Bestimmungen und der Kasuistik der Gebote und Minliagitn nachgeht, verherrlicht gleichzeitig das Gesetz und seinen Sinn, der Philosoph, der ein Weltbild formt, verschmäht nicht den Hymnus, der dem Gesetz gilt. Manche Dichtung hat philosophische Präzision; dafür steigert sich Philosophischcs zuweilen zu Dichterischem. Nicht fehlt im Halachischen an wichtigen Stellen eine gehobene Sprechweise, etwas, das man Enthusiasmus nennen könnte. 111 unseren Tagen haben sich der Erforschung der hebräisehen Dichtung im Mittelalter nicht wenige gewidmet. Einer ist unter ihnen, der die Einheit zwischen Judentum des Gesetzes und der Dichtung dartut: Heinrich Brody, Von Hause aus ist er Rabbiner, seiner Ueherzeugung nach streng der Tradition ergeben. Aber seine Liebe gehört de״ Dichtern und der Dichtung. In seiner Lebensarbeit manitestiert sich erneut eine Verbindung von Judentum der lialacha und der Dichtung. So ist auch die Gestalt ein Beweis für den Reichtum des Gesetzes, das wir am Schawuoth empfangen haben. Kunst in Holland. Unser Haager Berichterstatter schreibt 11ns: Der Jüdische Nationalfonds veranstaltete im Haag einen Kunstahcnd, an dem der Amsterdamer Jüdische Chor unter Leitung von S. H. Engländer und mit seinen Solisten Jo Rabbie und Michel Gobets sowie der Konzertmeister des Residenzorchesters, Sam Swaap, mitwirkten. Für die Seheveniiiger Sommer-Saison ist wieder ein reiches Musikprograinm vorgesehen, bei dem auch jüdische Künstler mitwirken, so der Dirigent Ignaz Neup1ark, die Pianisten Stefan Askcnase, Myra Heß, Franz Osborn, Arthur Rubinstein, Arthur Schnabel, imre Ungar und die Violinisten Mischa Elman, Ca ' Flesch, Simon Goldberg, Ida Händel, Nathan Milstein, Theo Olof und Sam Swaap. Aeußerste Preise für Teppiche - Gardinen - Läufer TEPPICHHAUS ZENTRUM Berlin C2, Spandauer Straße 28 an der Königstra״e 4

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