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Jüdische Rundschau · 1934-06-19 · Heft 49 (19.6.1934) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 49 (19.6.1934)
Date
1934-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ÜPISCHE RUNDSCHAU;ilfl für Autorität, Mehr als 2000 Menschen faßt die Synagoge Fasanenstraßc, auf den letzten Platz war am 14. Juni der Raum ge- Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Berliticr Jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, nahm ,IS erster Redner das Mitglied der Reichsvertretung Dr. Julius Auktion Auto Ma-Reparatur-Ufsrft für inu• auilandierhe Fabrik•!• E. SCHUSTER Abschleppdienst / llchUlenst Mn SW 32, U1admr.tr. 92, F 6 Beerw. 5331 2 Allo Wider. SKmtl. Krcinkenkciaseii Buchdrucker «uchdruckorol BcrnH. Frcncko ״f #ck» nr h e ר f, Hnnilel u. G * w r b ß©flin Öl?, Koppcnatr»?0 » Tiltfoni E9 l’rirdridiihiin 0719!•r t•6 u eh unverbindlich ntr jüiitudipo G«m»»nda ״ M. WEINBERG JUCHDRUCKERE. •rktlolt (ür moderno Druckarbalton J1 Bismarck 2109 Bln.-Charlattenburg 2 Uhlandstr.187, xwi.di•״ Kurfürstondaram u. Konfstr. rBuchführung l 1 pUHrung-Bilanz-sieuep LH.״.'* WEIL. Barlln-Haltniea ״w|ä״t«nd.mm 103, M.d. I.O. J2 5»« Bürobedarf JlUjen-papiopuandiuiiflU. 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Die Uneinigkeit unter den deutschen Juden bedroht unsere Existenz aufs schwerste, jede Partei begnüge sieh mit Schlagwortcn. Die Parlaments- Spielerei in unseren Gemeinden und Organisationen sei grotesk (׳Worden und bedeute Zeitvergeudung. Dabei sei jüdisches Leben s׳׳it altershcr auf Autorität aufgebaut: auf der Kraft des göttlichen Worts und auf dem Einfluß des Rabbiners. Auch die Formen, die das Erwerbsleben bei uns teilweise angenommen hat, sind als EnOriangserscheinungen anzu- , jprcchen, die cs zu überwinden gilt. Die Reiclisvertretimg, so führte Dr. Scllgsahn aus, ist ein Sinnbild kommender j ü d I s c h e r E i!1 i ß k c i t. In ihr gäbe es keine parteiischen Debatten. Well die Rcichsvcrtfctunß In sich die jüdische Einigkeit verwirklicht habe, erhebe sic vor der jüdischen Ocffcntlichkclt den vollen An* Spruch aus Autorität. Dr. Olto Hirsch gesellöftsfi'iliremJcs Vorstandsmitglied der Reichsvertrctung, sprach sodann über die konkreten Aufgabenge• biete dieser Spitzenorganisation des deutschen Judentums. Er bczeiclmctc als die Aufgabe der Reichsvertrctung nach innen: die Erhaltung des deutschen Judentums und als die zweite wichtige Aufgabe: die Vertretung der jüdischen Gesamtheit nach außen. Die inucrjüdische Arbeit kann nur unter dem Motto ״G c 111 c i 11 s c 11 a f t“ stehen, nach der heute die ßestrebun• gen der ganzen Welt zielen. Am ehesten zu verwirklichen ist tliescs Ziel von unserer Jugend. Jüdische Schulen, noch I vor kurzem stark umstritten, sind heute kein Problem mehr; sie sind nur eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Die Reiclisvertretimg hat cs sich angelegen sein lassen, die [jüdischen Schulen zu fördern und insbesondere die bekannten vR i c 1111 i 11 i e 11 lieratiszugcbcn, die, wie die Praxis erwiesen at, eine gute Grundlage für eine Erziehung in jüdischem I üeistc darstelien. Daneben hat sich die Notwendigkeit heraus* gestellt, auch den Erwachsenen, die bisher dem jüdischen Lehen feriistamlcii, einen Zugang zu ihm zu eröffnen; hierfür ist die M i 11 c I s t c 11 e für jüdische Erwachsenenbi!du 11g gegründet worden. In den gleichen Problcmkreis gehört auch die Frage der Lehrerbildung; cs sei dankenswert, daß die Lehrerschaft von sich aus in dieser Richtung bereits die Initiative ergriffen habe. Eine der wichtigsten Abteilungen der Reichsvertrctung ist der Z c 111 r a 1 a ti s s c!111 ß für Hilfe und Aufbau, dem die Aufgabe obliegt, die 1] c r u f 8 u 111 s c 11 i c 111 u n g in die rechten Wege zu leiten und die Berufe licrauszufinden, in denen sieh heute noch gewisse Aussichten bieten. Der Wille unserer Jugend zur Umschichtung ist ein Aktivum, auf das wir stolz sein können, und das uns Garantien für unseren Fortbestand gibt. — F.in weiteres wichtiges Aufgabengebiet des Zontralniisscliiisscs sind die Wanderung*• fragen. E1;׳ großer Teil der deutschen luden Insbesondere unter der Jugend ist gezwungen, Deutschland zu verlassen und anderswo sich eine Existenz aufzubaucn, Dr. Hirsch betonte in diesem Zusammenhänge, daß Palästina in dieser Zelt eine ganz besondere Bedeutung für das deutsche Judentum erhalten habe, und daß es heute nicht nur das einzige Land sei, das für eine jüdische Masseneinwanderung aulnahmewillig sek sondern daß dort auch ein neues geistiges Zentrum sich hcrauszublldcn beginne. Wir haben außerordentlich große Wohlfahrt*• etats. Es ist darum eins der dringendsten Probleme der Gegenwart, die Senkung unseres Lcbcnsstan• dards durch/uführeti. Wir müssen an uns selbst ver• wirklichen, was wir der Jugend predigen. Die Reichs- Vertretung verlange von jedem einzelnen Juden heute Ein• fach licit und Sparsamkeit und wirkliche O p f c r, die die Gemeinschaft erhalten sollen. Die Vertretung der deutschen. Jiuleiihcit nach außen kann nur unter dem Motlo ״Würde“ stehen. Die Rcichsvcrtretung ist der seelischen Diffamierung der deutschen Juden entgcgciigdrctcii; sie bemüht sich ferner um die Sicherung der wirtschaftlichen Grundlagen, nachdem mehrfach von führender Seite betont worden ist, daß der Arierparagraph in der Wirtschaft nicht gelten solle. Zum Schluß erwähnte Dr. Hirsch noch die Einrichtung der S c 111 i c h 11111 gs s t e 11 c, die nicht nur Mißständen in unserem jüdischen Leben cntgcgentrctcn, sondern sie schon durch ihre bloße Existenz verhüten soll. Die mit großem Interesse aufgenommenen Reden wurden musikalisch umrahmt durch Darbietungen von Josef Rosen• stock, Hermann Schey und Fritzi jokl. Kleine Nachrichten Musikwissenschaftliche Vorträge Im Kulturbund. Ein größeres Publikum für miisikwisscnsihalUichr Dinge zu interessicrcn, wird außer Dr. Anneliese Landau nur wenigen gelingen. Die Extensität ihrer pädagogischen Arbeit ist deswegen nicht zu unterschätzen, wenn man auch mit dem, was sie vorztibringcn hat, nicht immer einverstanden sein kann. Die Art ihrer allgemein-verständlichen ,,menschlichen״ Dentung kann vom eigentlich Gesctzmaldg-Musikalisclien weglüliren, ist aber bei tcxtgcbunilcncr MuGk und bei dem literarisch eingestellten 10. Jahrhundert berechtigt. Der letzte Vor• trag über Balladen 11ml Lieder ohne Worte, eine gesclimackvolle Besprechung von Werken Felix Mendelssohns, Fanny Mendelssohns, Schumanns, Chopins war eine lichte VC'UHlcrung durch dir Romantik selbst mul eine schöne Stütze für das Verständnis der nachfolgenden Musik. — Artur Holde behandelte die östcrrck'liUch-juilisclicii Koni* nonisten: Arnold S c 11 ö über g, Ernst f'ocli, Egon W e I• I cs /und Erich Wolfgang Korn go Id. Er meinte, daß die gemeinsamen Merkmale nicht genügten, um alle auf einen Generalnenner zu bringen. Das mag richtig sein; um so lieber hätte man Genaueres von den Unterschieden des Stils, Temperaments und Charakters erfahren. Ucker die Ent- Wicklung Schönbcrgs mußte auf jeden Fall gesprochen werden, aber der Kernpunkt ist doch der jetzige stilistische Status, der einmal prinzipiell erörtert werden muß. Denn wenn wir ehrlich sind, so müssen wir zugehen, daß heute seihst mir ein Bruchteil aller Musiker mit Sehöubcrg etwas anfangen kann. Den Gegensatz von ihm zu Toeli hatte Holde stärker herausarheiten müssen; der eine kommt von Wagner her mul bewahrt sein ganzes Leben ein schweres, fülliges Melos, der andere von westlicher Diktion und Form, überwindet sie aber und stößt in eigene Spielbczirkc vor. Egon Wellesz kam ein wenig kurz weg; seine kultischen Opern, seine Pantomimen sind doch wesentliche Beiträge zum Problem: ״Juden und modernes Theater“. — Paula Guttman sang Lieder von Schönberg und Konigold; vieles traf sie im Ausdruck richtig, ihrer Stimme fehlt aber der Umfang und die nicht zu missende Resonanz. Bei den Vorträgen von Dr. Landau und Holde wirkte der Pianist Wolfgang Rost als Solist und Begleiter mit. Er spielt sehr durchsichtig und fcinlinig, mit luftigem Anschlag. f)ic zartgezcichnctcn, espritvollen Etüden von Toch könnte man nicht besser gestalten. Zu dem ungeregelten Gcfiihlsstrom und der Passivität romantischcr Musik hat er heute noch kein rechtes Verhältnis. Dr. Hans Nathan. Ein SchUlcrabcnd. Die Musikpädagogin Lilly Mach• scheves, früher Lehrerin am Klmdworth-Sdiarwenkaschcn Konservatorium, führte in einem Schülcrabcnd eine Anzahl ihrer Klavier- und Gcigcnschülcr vor. Es wurden Leistungen von der Unterstufe bis zu den Ausbildungsklasscn gezeigt, die Schüler hatten alle eine lebhafte musikalische Auffassungsgäbe, eine gute Technik, die aber niemals Selbstzweck wird, sondern immer im Dienste des Werkes steht, und beherrschten das Vorgeführtc vor allem auch geistig. Enscmblcspicl, das ebenfalls hier sehr gepflegt wird, befördert die Liebe zur Kammermusik. Der ganze Abend war überaus erfreulich. Dr. Oskar G u 11 tn a n n. Da* Wohnheim de» JUd. Frauenbünde* (Sludcntinnenheim) bietet jungen Marirhen bei äußerst geringem Preise ein gemütliche* Heim und gute Verpflegung. Anfragen erbeten an die Leiterin, Frau Jenny Abrahamsohn, Berlin N 24, Auguslstr, 14/15! D 2 Weidendamm 9171. Familien - Nachrichten Herr Paul Eckstein aus Mmsterberg i. Schi., jetzt Jud. Allersheim NO 43, Lietimannstr. 21, begeht am 30. Juni den 75. Geburtstag. eawdii. .J't JuKtionar K. 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