Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1934-04-13 · Heft 30 (13.4.1934) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 30 (13.4.1934)
Date
1934-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2651273-2653452-2653479--25076-2682191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 JO DIS CHE RUNDSCHAU / \ J / t /: I / I | I 1 \ \ ו üuiliella — Vera Molena, Uojjmann — Paul /1711׳V ״Hoffmanns Erzählungen" Oper im Kulturbund Es war kein Zufall, tlall in der stärksten Entwicklung«* Periode der modernen Musik in Deutschland eine Offenn a c 11 - R e 11 ,ו i s s a n c e cingrselzt halle. Die jungen Musiker, die das Unpathetische und Unbeschwerte liebten, spürten bei Offenhaeh das ihnen Verwandle; bei iltni fanden sie, was sie suehlen: Esprit, I leiterkeil, Wilz, der nie lappisch, die Oeiasseuheit und die feine, nur andeutende Zeichnung in der Musik. Sie gewannen Verstiimlnis für Offenbaehs musikaliselie Apercus, für seine schlagenden Pointen, die pikante Rhythmik, die sieh so seihstverstäiullieh gehende Melodik, hinter eieren scheinbarer Trivialität sieh oft ein ungeahnter Tiefsimi verharz, für die simple licgli'itinig; hier glaubten sie (wie auch hei Verdi) eine I hrliehkeil und Unschuld gefunden zu haben, eine Art Primitivität, wie sie sie — mit anderen Mitteln — in eigenen Werken /u gestalten vcrsiicliten. Offenbaeb wurde durch den Sieg Richard Wagners lange im Hintergrund gehalten. Erst unserer Zeit war cs vergönnt, ihm den Makel des seichten Unterhaltungskomponistcn und Spallmachers zu nehmen. Wagner war Offenbaehs erbittertster Feind und inulilc es sein. Fr entschied von seiner Lebenshaltung aus (als l’soteriker denjenigen verachtend, der hewidlt für die Masse schuf), ebenso wie F'riedrich N i c t/ s c h e, der in Offeubaeli das Dionysisebe fand, und verkümlefe: ״Die Juden alter baben im modernen Europa an die supremste Form der (ieistigkeit gestreift: diese ist die geniale Buflonerie. Mit Offen hach, mit Heinrich Heine ist die Potenz der euiop.iisclien Kultur wirklich iiberboten... Trotz allen französischen Einflüssen ist die Abstammung Offenbaehs gut zu erkennen. Anton I lenseier glaubt das Juden- 111111 des Komponisten in seiner Fälligkeit zur ,,Nachahmung fremder Formen“, ״zu Stiliniit,ilion und Stilkarikatnr, zur l’arodie und Groteske" und in der Fähigkeit zur Kindlichkeit und Volkstümlichkeit zu entdecken, die er bei dem Kantor- und Miisikaiitensolm -- die jüdischen Spielleute, die ״l.czim“ übten ihr Handwerk bei Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten aus -- ans seiner Verbundenheit mit jüdischer Volksmusik und deren Ausführung herleitete. Als jr gor Cellist hat Ottenbach in Paris den Wal/er ״Rebecca“ ״nir des Motifs Israelites du XVine siede“ geschrieben; I lenseier behauptet, auch in anderen Werken Ankläiigc an synagogale Melodien zu hören, selbst in der Ihircamle von ״I loffmanns Erzählungen“. Dieses Werk nun stellt außerhalb der übrigen Produktion Offenbaehs, Mit ihm hoffte er die Welt zu überzeugen, daß er auch tragische und jenseitige Klänge zu geben verstehe. Es ist ihm gelungen. Er banule den (ieist E. T. A. 1 loffmanns (das Textbuch ist nach Novellen dieses romantischen Dichters verfertigt, der allerdings, nach seinen Tendenzen als Mus iker zu schließen, diese Vertonung wahrscheinlich nicht gebilligt hätte), ebenso wie Verdi den Shakespeares im Falstaff und Othello, Alban Berg den Büchners im Wo/./ck. Nicht nur einzelne Stücke wie die Barearole mit ihrer raffiniert einfachen Harmonik und der tiefen Lage der Sopranstimme, das diimoliiseh 11ml exzentrische I ied vom Kleinzack, die verklärte B-dur- Arie I loffmanns im II. Akt, sondern überhaupt die dramatische Schärfe (ier einzelnen Charaktere und der Situationen lieben das Werk in eine zeitlose Sphäre. Fine Inszenierung dieser Oper ist von den versehiidensleil Seifen aus unternommen worden; am intercssantesten war die konHruklivislische Lösung der Krollopcr vor fünf Jahren. Her Regisseur l>r, Kurt׳ S i 11 g e r vermeidet es, dem Kiiltiirhiimipubükum Experimente vorzusetzen; er heb,alt einen gemäßigt modernen Stil bei und bleibt im Vergleich zu möglichen Ucbersteigcningen ins Abstrakt-Ueberiiaturliche im wesentlichen naturalistisch. Einige Neuerungen sind bemerkenswert. Im I. Akt erscheinen alle Oäste als Puppen; die Atnm- Sphäre um Spalanzani und sein Kabinett wird so mit Erfolg akzentuiert, Olympia vciliert aber auch an Bedeutung, da sic sich weniger als sonst von ihrer Umgehung nbliebt; ihr ״Tod“ wird wirkungsvoll ins Bizarre gezogen dadurch, daß Coppelins ihren zerstörten Automatenkörper mitten zwischen die Ciiiste schleudert. Die Atmosphäre des II. Aktes erreicht Singer nicht nur durch Beleuchtung und Posen Liebender, sondern Nr. 30. 13. IV. 1934 Nr. 30׳ // in der dmUneA, üapertnlto — llajjmunn Waller Olitzki, Olempia — Paul l'chrr, Nikolaus — — Uli lleinemann Susanne Stein mehr noch durch gleitend-lässige Körperwemhiiigeii schöner Frauen. Die Bühnenbilder von Heinz Condcll sind nicht gleichwertig; am besten das vom Antonia- und t!inliettaakt. Das Aiitomatcnkabindt ähnelt verzweifelt einem barocken Kirchenraum; die solide Symmetrie von Lutters Weinkeller (dazu die drei int gleichen Abstand hängenden drei Langten) paßt nicht recht zu der romantischen, labilen Kneipslimmiing der Studenten und des Erzählers lfoffmann. 1111 I. Akt manch gute Masken und Kostüme, die ebenfalls von Condcll .stammen. Das Orchester klang, wie immer unter Rosenstock, elastisch und einheitlich. Die gesanglichen Lcistung e n waren nicht erstklassig, — dafür entschädigten alter einige schauspielerische, Zuallererst ist hier Walter Olit/ki als höchst eindringlicher Vampyr in Gestalt von I imlorf, Ooppelius, Dapertullo, Mirakel liervorzuheben. Ferner Julius Kut ha 11, grotesk als Andreas, Cochenille, Piticliinaccio, mehr idyllisch als Franz. Noch recht einheitlich war die zarte und seelenlose Olympia Liili llcincmanns. Der Hoffmann des Paul Feiler war mehr lyrischer Liebhaber als ro-!nautischer Dichter. Die beiden anderen wesentlichen Frauenrollen: Hanna Brand darstellerisch besser als gesanglich, Vera M o I c 11 a als Kurtisane Oiiilictta gesanglich besser als darstellerisch. Die übrigen: Susanne Stein (Nikolaus), Walter Spiro (Spalanzani), Gerhard Pec 1111er (Crespel) u.a. hielten Niveau. Dr. Hans Nathan. Köln- , (1t;,nrt H 011 f- ' gerlia-1 K*11« y׳' I* 's.- 1 r B״llr.WI! V__ U«rlin»W1 j {11 h «ff י I olll hcu|1Uti| C tot«« S lUrlln IR Crespel — Gerhard Pcchncr Foto! //. S, Sonnmfii{ Verhandlungen Ober Elnnandcrungsfragen Jerusalem, 0. April. (J.T. A.) Im Sinne der vom Zio* iiislisclion Akfions-Comite gclaßlcn politischen Beschlüsse hat die Palästina-! xekutive der Jcwisli Agency Verhandlungen mit der Paläslina-Regierimg mit dein Ziele aufgcnoiunten, Frleichtern 11 g e n für die Ei 11 w a 11 d e r ti 11 g best! in mter Ei n w a 11 d e r e r k n < c g 0 r I c n d 11 r c h z 11 s c t z. c n. Die l:\ckulive ist ferner bemüht, eine Verständigung mit der Paläslina-Regierung bezüglich der Zahl der für das nächste Halbjahr aiiszugebenden Arlicitcreinwnndcrungs- Zertifikate zu erzielen. Vorläufig gehen die Verhandln!!• gen hauptsächlich darum, daß Frauen und Eltern bereits in Palästina ansässiger luden die Einwanderung erleichtert werden soll. Nach Abschluß dieser Verhandlungen soll die weitere Forderung der Jewish Agency behandelt werden, auch die Einwanderung von Handwerkern mit einem Eigen* kapital von 250 Pfund, sowie diejenige von Per so* neu über 35 Jahre zu erleichtern, 22% Juden in Palästina Jerusalem, 0, April. (J.T. A.) Wie aus soeben ver״ öffeiitlichten amtlichen Statistiken hervorgeht, ist der An* teil der jüdischen Bevölkerung Palästinas an d er Oes a m t b c v ö I k c r u n g i m Laufe des Jahres 1<H3 auf volle 22 ׳״« gestiegen, Die jüdische fkvölkcrung Palästinas zählt jetzt 215 000 Seelen. 1500 Erntcliiifsarbeiicr in den Orangenplantagen T e I - A w i w, 8. April, (j.T.A.) Etwa 1500 Erntehilfsnrbeiter wurden bisher in den Städten und Kolonien zur Bergung der Ernte in den jüdischen Ornii^cnplantngcu und zur Ausluhrimg anderer dringender landwirtschaftlicher Arheilen, die bisher wegen des Arbeitermangels vernachlässigt bleiben mußten, angeworben. Diese Hilfsarbeiter halten zum größten Teil besser bezahlte Stellungen im Baugewerbe aufgegeben, um die Pflanzer vor dein drohenden Verlust eines Teils der diesjährigen Ernte zu bewahren. Viele Schüler sind freiwillige Erntehelfer geworden und haben Zeltlager bei den Orangciipflanzuiigeii errichtet. In den Arbeitsgruppen sind Mädchen in erheblicher Zahl vertreten. Das Abströmen der Arbeiter zu den Erntearlieltcn hat andererseits die Bautätigkeit in Tcl-Awiw fast völlig zum Stillstand gebracht, obwohl die dringende Nachfrage nach Wohnungen und Gcschaftslokalcn fortbcstcht. «E*. 3 E WIEN AÖEMCY POft P ALESTINE W 15; Mcinckestr. 10. Telephon: J 1, Bismarck 7165/10. Postscheckkonto: Berlin Nr. 16708. Sprechstunden: Täglich, mit Ausnahme von Sonnabend und Sonntag, von <).0!־ bis 12 Uhr. Auswärtige Besuchet, die in Berlin beim Palästina-Amt persönlich Auskmitt ein' holen wollen, werden gebeten, der betreffenden Abteilung vorher schriftlich davon Mitteilung zu machen. Schriftlichen Anfragen Ist unbedingt ein Unkosten!«!• trag von RM. I,-- In Briefmarken beizulcgen. Das Palästina• Amt ist nicht in der Lage, Anfragen ohne Gebühr zu bcant■ Worten. Beschaffung von Kapitalistcn-Viscn für Kategorie A k Im Einverständnis mit dem British Passport Control Office ist das Palästina-Amt bereit, die Besorgung von Kapitalisten• Visa der Kategorie A I (Ff’ 11100) gegen mäßige Besnrgunes. gebühr zu vermitteln. Interessenten erhalten auf Anforilermv* eine Aufstellung der hei/uhringenden Unterlagen. Anfragen sind an das Palästina-Amt, Berlin W 15, Mcinckestr. Kl, zu richten. ״Alijah“, die vom Palästina-Amt hcraiisgcgebcnc In• formations-Brosehiirc für Palästina-Auswanderer informiert über alle den Palästina-Reisenden interessierenden Fragen. Sie berichtet über Finrcischcstimnmiigcn, Siciicrvomhiiftcn, Transfermögliclikciten, Lebens- und Arbeitsinöglichkeiien, landwirtschaftliche und industrielle Ansiedlimgs- und Nieder• lassungsniöglielikvitcn und vieles andere mehr. Da ein großer Teil der vorkomuicnden 1׳ ragen in der ,,Alijah‘1 beantworte! sind, empfiehlt cs sielt, sie zu lesen, bevor man sich mit einer mündlichen oder schriftlichen Anfrage an das Palästina- Amt wendet. Antil E« Wir Fr.« Ein Bilderbuch von Ölte Wallisch, erschienen In der Schriftenreihe der ,,Jud. Rundschau“. ״I.rez Israel“ liciilt es und verspricht schon im '1 itcl, statistische Daten zu bc־ fern. Das ist gewiß sehr wichtig. Daß es aber außcrilem un■ tcrhaltond und in Form eines künstlerischen Erlebnisses vor sich geht, erscheint uns als das besondere Verdienst des bf• gabten Graphikers. Themen wie ״St,ult und Land•‘, ״Bcvoi• kcrungs/iinahmc“, ״Soziale Gliederung der Einwanderer“ wer• den vorgeführt; doch nicht in kalten Diagrainmen, sondern im neuartigen Verfahren von Mengenhildern. IN bedeut‘'1 beispielsweise eine Eigur je HM)0 Arbeiter oder je!nun Schul■ kimlcr. Nun marschieren lange Reihen auf, und man kann mit einem einzigen Blick übersehen, wie das Valuta15 von Kolonisten und Bauarbeitern sich im I atife der Jahre verschiebt, in welchem Tempo der jüdische Bodenbesitz ota> der Orangenexport oder die Motorisierung des Landes Sielt entwickelt. Ein fröhliches Studium. Es tut wohl, auf _ anschauliche, unmittelbar überzeugende Art von jener einzigen Seite jüdischen Lehens Kunde zu erhalten, die heute einer, erfreulichen Anblick gewährt. Wieviel dabei noch zu 11'1י ist, wieviel vielleicht schon für immer ver-amnt wurde, ך auch das liest man aus den anmutigen Bildern heraus und das gibt zu aller Freude über die Erfolge doch auch mahnende ernste Begleitmclodiel Ein Stachel senkt sich ta ins Herz — es ist immer noch viel zu wenig geschehen ך die nächste Auflage der Publikation möge ein noch storkere» Bild des palästinensischen Aufbaus gehen. Dieser Wu»5;l1׳ dieser starke Wille, den die Zeichnungen gerade durch!« anschauliche Kraft erregen, macht sie zu einem unscli.it/M“. pädagogischen Behelf für jung und alt. Aus der kurzen s״“' lieben Einleitung sei ein Satz, vermerkt: ״Das jüdisch■1•״׳' bische Problem kann nicht durch Kampf, sondern nur ״un״ Kooperation der beiden Völker gelöst werden.“ Max Brod. ונבדק ■|י *; l.i kur ond B t I 11 י• { iwäa I; ובצח 1 * 1 '11■ ׳1 I :1 ü\K 1־1 1; SBriBLiMi bis zu Q0 *140 cm bis zu 80 *130 cm?5 ף r• •\a s'Ü y \j *ea ■ "‘dj. p* ־p J wiy!■vi , j»״׳- .Mkr&mmmi ^erkauf ni/£ ך־־*״׳ Spandauer / . W0S&9 32 Li Unser Lager echten PJRS£b-Teppiche aller Provenienzen enthält Stöcke in ollen Größen von seltener Schönheit. M . JTA^/ 1' ,!ן n p t Möbdsioffa,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.