Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1934)
- Date
- 1934-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 ,jüdische Rundschau Nr. 7, 23,1.1934 Heiteres rund ums AIcf-Bcih , .. kann einem in unseren Tagen passieren, da fl mau eine lebhaft überfüllte Stadtbahn besteigt, schüchtern nach seiner ״Kundsciiaii greift, um die letzte hebräische Ferukldicm ״duretinmchmc״“. Schließlich ist es hcutnitnge nichts Ile- »otulcres, wenn sich dttrdwus erwachsene OesäiäftsH'ttle Oder Keclitsainvrilte oder andere ehrbare Väter mit rinn Stuaiiim von Werken befassen, in denen die fesselnden Sätze stehen: ,,Hast du meine Tante gesehen? — Nein, ich habe deine Taute nicht gesehen, aber ich habe ihren kleinen Bruder gesehen.“ Das ist nichts Neues mehr. — Was aber doch noch überraschend wirken kann, ist, wenn ein unfmindff»« Cicgeiüiber mit steifem Hu» plötzlich nach langem Herübcrscliirlcn ci'< ebensolches Blatt hervorholt, um nun mich seinerseits an den eckigen Buchstaben von rechts nach links hcruinzubuchstabieren.... Es kann einem schon passieren, daß ein nichtsahnender Passant |)löt/Iirh stehen bleibt lind den Kopf schüttelt, wenn er aus einer Gruppe von sonst ganz vernünftig aussehenden Mitbürgern die Feststellung vernimmt: ״Ich kann jetzt sogar schon ,unpiinkticrt‘ lesen..,I“ Ts kann einem schon mal passieren, daß man einen vielbeschäftigten Lehrer der hebräischen Sprachkurse zu fassen kriegt und ihn 711 einem ״Interview“ preßt: ״Natürlich gibt cs genug heitere Zvvkchentälle in den hebräischen Stunden“, sagt er. ״Besonders die verschiedenen Dialekte einiger Sclniler, die sich in ihr Hcbr.vsch einschlcichcn, machen cs einem schon manchmal schwer, ernst zu bleiben. Hebräische Sätze wie: בחדר יש תמונה גדולה׳ על חשלחן יש ססו* ועפרון״ kommen aus dein Munde eines Sächselnden etwa so zurück: ״Bach,11 r jäsch diimnah kcdolah, alhasclmlchon jäsch siifr vveiharon“, während ein wach echter Neuköllner frisch drauflosberlinert: . ״Bachebda jehscli temunah gädolah, al haschullcharin jehseh srhfa we-ipparronn...!“ Sehr heiter geht es zu, wenn die ganz Eifrigen ihre mit Hilfe des Lexikons fabrizierten hebräischen Aufsätze vorlesen, oder Berliner Redensarten wörtlich ins Hebräische übertragen. Ein Spezialist unter meinen Schülern ist sehr schöpferisch und Vater 101gender Blüten: "״לך הנהלה ארוכה für: ״du hast eine lange Leitung“ und עגן)״ ,p״ für ״ja, Kuchen!“ usw. Man kommt als Hehräischlchrer in die schwierigsten Situationen. Nie in meinem Leben habe ich mich mit dem Studium von Facliausdrückcn so intensiv beschäftigen müssen wie ietzt. Einer meiner Schüler geht als Fabrikant einer neuen Saft-Art hinüber und will von mir nicht nur einen gut hebräischen Namen für seine Erfindung, sondern auch die Bezeichnungen für alle Arten des Gärprozesscs usw. wissen. — Aber das ist natürlich nichts gegen jene tüchfige Medizin- Studentin, die sich der Vertilgung von Ungeziefer widmen will und als Fräulein Kammeriäger in spe die raffiniertesten Bezeichnungen für alles, was da kreucht und fleucht, kennen muß. Sie hat bereits in der Flaggadah unter den ״zehn Piagen“ nacligcschlagcn, aber das hat ihrem Wissensdurst nicht genügt,.,,, Mem-Kof. Material über Auswanderungsmögllchkclten nach Oberscclsdicn Ländern. Der Hilfsverein der Deutschen luden hat im Jahre 1933 zwei Korrcspondcnzbläftcr über Auswatidcrungs- und Sicdlungswescn herausgcbracht, die außerordentlieh viel Material über die Einreisebcstimmungen nach zahlreichen kontinentalen und überseeischen Ländern, ferner über die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Situation auf den Arbeitsmärkfen, Berufsaussichten, klimatische Verhältnisse und die Zahl der Juden in den betreffenden Ländern bringen. Das Oktoberheft ist in dieser Beziehung besonders reichhaltig und aktuell. Die noch vorhandenen Nummern des Oktoberheftes sind zum Preise von 1 RM., des Februarhcftes zum Preise von 0,50 RM.. beide zusammen zum Preise von 1,50 RM. ausschließlich Porto, beim Büro des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Berlin W 30, Martin-Luther-Str. 91, und bei der Beratungsstelle, Oranienburger Str. 31, Hof 3 Tr., erhältlich. Der pal.’lsllncnslscl.e Cllruscxport Jaffa, 21. Januar, (J. T. A.) Der Citrnscxnort aus Palästina hat in dieser Saison bis zum 7, Januar die Höhe von 1 003 372 Kisten erreicht. Der 1!:iiipttcif des Exports betraf Apfelsinen. Außerdem wurden m MX) Kisten Orape Fruits und 13 '200 Kisli'ii Zitronen verladen. Wie ״Industrie und Handel“, Berlin, vom 17. Januar meldet, hat der palästinensische Oherkommlssar auf Grund der Verordnung über die Frucht; iiisftihr von 1927 1 unter der Be/cielmung ״Control of Export of Citrus Fruit Regtilafions 1933“ Vorschriften erlassen, worin 11. a. die Unter* surliuiig der aus Palästina aiisziiführenden Zitrusfrüchte, die verschiedenen Verpackungsarten für solche Früchte und die Bezeichnung der Fruclitkisten geregelt wird. Die Vorschriften verbieten auch die Ausfuhr von Orangen vor dem 31.10. und von Pampelmusen vor dein 1. 10. aus Palästina, sofern nicht gewisse Vorschriften dabei erfüllt werden. ,,Palästina", Zeitschrift für den Aufbau Palästinas, Re* daktion (i. E.): Adolf Böhm, Wien. Die eben erschienene Nr. 12 bringt eine״ sehr ausführlichen und instruktiven Artikel von Michael Assaf über ״Die arabische Bewegung im Jahre 1933“. Der Autor schildert die verschiedenen miteinander rivalisierenden Strömungen im arabischen Lager, den wachsenden Einfluß der Jugend und die Politik Eng* lauds. Der Artikel gibt ein klares Bild der Sachlage. Es schließt sich daraii ein Artikel von David Horowitz über ״Die Cjonossoiischaftsbewcgung und die Fellachen Wirtschaft“, in dem der Autor die Wichtigkeit des Kooperntivsystcms, das jetzt inauguriert wird, für die schwer verschuldeten Fellachen ziffernmäßig klarlcgt, und die Bedeutung der Hebung der Kaufkraft für die Wirtschaft des Landes und die Ermög- Heining einer stärkeren Einwanderung erörtert, lieber das Buch ״Finwamlerungsstriiktur und Kapitalimport 1926—1932“ von David Citircvich und Dr. Ci. Cydorewitsch handelt ein ausführlicher Artikel, der die Eingliederung der verschiedenen F.inwamlenmgskatcgorien in die Wirtschaft des Landes nach* weist. Sehr reichhaltige ״Nachrichten und Daten“ mit einem ungemein großen Ziffernmaterial sowie Bücherbesprechungcti schließen das lieft. Volkspoliklinik in Tcl-Awlw. 111 der allernächsten Zeit wird in '1 el-Awiw von teils alteingesessenen, teils neu zugewänderten deutschen Aerztcn die erste öffentliche Volkspoliklinik eröffnet, die auf kooperativer Basis aufgebaut ist und die allen Minderbemittelten und Hilfsbedürftigen für geringe Preise ärztlichen Beistand gewähren wird. In dieser Aerztekoopcr ative sind ca. 12 Aerzte (Fachärzte der verschiedensten Spezialitäten) vereinigt, von denen mehr als die Hälfte jüdische Aerzte aus Deutschland sind. Diese Aerztckooperative soll unter anderem einen ■neuen Weg zur Erschließung von Arbeitsmöglichkeiten für neu ips Land gekommene Aerzte darstellen. Die Adresse der auf kooperativer Basis arbeitenden Poliklinik lautet: Tel-Awiw, Rcchow Bezalel, gegenüber dem Beth Hamakkabi. ״Theatron Intimi" heißt die neueste hebräische Theatergriindung Frez Israels unter Führung von M. Sakaschansky und Ruth Klingcr. Die ersten Vorstellungen, die eine Reihe von Skctchs und aktuellen Chansons braenten, fanden großen Anklang bei Presse und Publikum. Das tschechoslowakische Schulmtnisterlum' hat für das hebräische Schulwesen folgende Subventionen für das Jahr 1931 bewilligt: Hebräisches Volksschulwesen 50000 Kronen (1933: 30900 Kronen): hebräisches Gymnasium Mukaccvo 10000 Kronen (1933: keine Subvention): Organisation Tarbuth 10000 Kronen (1933: 10000 Kronen). Das vom ״Hechaluz“ herausgegebene Buch ״Jiaraet, Volk und Land“ ist zum Preise von 3,95 RM. zu erhalten. Die Auslieferung des Buches hat die Buchhandlung Kedem, Berlin •Charlotten burg, übernommen. Industrieller Aufschwung Tel-Awiws .! Tel-Awiw, 21. Januar. (J. T. A.) Die industrielle ־ ' .-לן Wicklung der Stadt Tel-Awiw hat im Jahre 10j) einen ' temlen Aufschwung griininmeii. Fs wurden im Gebiet <fe» 1! Stadt und ihrer Nachbarschaft in diesem Jahre 61 neue Fahr!; kaljonsbetriebc mit einem Grundkapital von über 190 00!) ’ errichtet. Davon entfallen nuf die Textilindustrie 13 Betrieb»? ■ und?war 11 in Tel-Awiw selbst und 2 in Haiti,at Gart mit ׳ einem Kapital von über 25 0:«) Pfund. 20 000 Pfund wurde״ ‘ In 17 Metallverarheitungsbetrieben investiert, der ungefähr ' gleiche Betrag in chemischen Betrieben. Neugegründrt wurden ■, ferner neun Fabriken für Baumaterial mit einem Kapital!״» * über 12 000 Pfund, 1׳W0 Pfund wurden in Papier-!!mi 1; Druckereiwerkstätten investiert, 4000 Pfund in drei Holz. : verarbeitungswerkstätten. Fenier wurden neun Fabriken fj j; verschiedene Arten von Bauimvolt- und Sclinittwaren ״״. I ’ einem Kapital von FI 000 Pfund eröffnet, Von den 63 ״«א, { erüntlungen haben 31 Betriebe ihre Produkte bereits auf dm 1; Markt gebracht. , . {; * Brief aus Stockholm Unser Stockholmer H, R.-Berichterstatter sclireibt uns! Der Beobachter muß mit Genugtuung die Entwicklung des hiesigen jüdisch •zionistischen l.chens feststen^[ Wenn sich auch noch gewisse schwedisch-jüdische Kreise fernhalten, ist doch zu hoffen, daß auch sie — dem Beiwiel anderer I.ander folgern! — bald cinsehen werden, daß'die Assimilation für sie kein Weg ist. Die Keren Kajeineth- Arbeit, unter der vortrefflichen Leitung von Dr, Josef Zacharias, wird weiter ausgebaut In einiger Zeit wird man einen Aufruf erlassen zur Grün, düng einer Kvar Svcdin in Ercz Israel. Aus Norwegen wird berichtet, daß dort anläßlich des Besuches von Mrs, Pevsner 30 000 Kr. gesammelt worden sind. Auch die Jugend arbeitet fleißig. Bei einer überfüllten Zusammenkunft im Jüdischen Klub sprach Simon Brick I über das Thema ״Warum bin ich Zionist?“ Ein Makkabi. 1 Sportverein ist gegründet worden und hat schon erfreu• I liehe Resultate aufzuweisen. Die hier lebenden Chaluzim 1 setzen ihre Arbeit fort; eine Kommission wird in nächster Zeit von hier nach Palästina reisen, um über Aufkauf von Holzhäusern dort zu verhandeln. Kleine Nadirichien Die Ccmbalistin Gertrud Werthefm ist als Solistin für mehrere Konzerte des holländischen Bach-Zyklus in Am st er• dam engagiert worden, Sic wird u. a, die'Cembalosoli der ״Kunst der Fuge“ spielen. Die Pianistin Gaby Gros, Freiburg i. Br., spielte Ende Dezember mit großem Erfolg in Paris in einem deutsch-frannk sischen Klavier- und Rezitationsabend im Konzertsaal des Hotel Majestic. Nach elfjähriger Tätigkeit als Komiker an den ״Vtr• einigten Theatern“ in Breslau wurde Alfons F i n k vom jüdischen Kulturbundtheater in Köln für eine tragende Rolle verpflichtet. Der Graphiker Shafcatay Rubin, Berlin, übersiedelt nach Palästina. Haiiptschriftlcitcr! Dr. Robert W e 11 j c h, Berlin.Charlottenburg!, 5 Stellvertreter: Kurt Loewemtein, Berlin W 15. Verantwortlich« \ Schriftleiter für den gesamten redaktionellen Teil: Kurt Loewen•! ftein, Berlin W15. Anzeigr-nleiterin und verantwortlich für den t Anreigenteil: Helene Chartciner, Berlin N 54, Verlag und Abxeigenverwahung: Jüdische Rundschau. Berlin VV 15. Meinokcstr. 10. D..A. Der. 38 403 Erp!. Druck: Siegfried Schotrm, Berlin-Sehöneher{. \C Soeben erschienen» Hentteiss . von Rabbiner Dr. Fmil Cohn I. Teil, 4. Auflage mit neuer ausführlicher Le•«* und Schfeihfibel. Der beH«nnte erfofgrctcli• SftriehlQhrtf für den Piläitlnawindefir. 2,83 ^ן\ן nTdt leseniifl |]1וס1נו§סנ11ונ Die Greene der SptachbiMung. Zeilungelektür•« Hebreiech-deufeche* Lexikon. Da• neu• L«*ebuch für Vorgaaehrtttecie. HM 1,00 Emil €0121. Aufruf zam Indenfam Neuauegabe 1934 Ein Beitrag *um religioien und moralischen Wiederaufbau des deutscher» Judentums. Au•־ einander•«(zun• mit der 2>1f, wie aie wer und ist. Ein aulrUttelnde• Buch für tfca iianttgea RM 3,~ Stelen Zweig urteilt: ״Ein außerordentliches Ruch, du mir mehr gab, als dte nur anekdotischen Legendenhücher Ruber*". Der |Udl*eh• LegandetiMhat« tu nctur dicMcrIacbcr Schönheit• rm % SO VERLAG SIEGFRIED 8CHOLEM Barllo-Sehönab.rg Zuschnelden, Ncihen lehrt Meisterin. Sdinellkar•«■« Snlon Sfrelffz. Berlin, Kurfilretendainm 140, Telefon: J 7 HodimeUter 726** eriflii י tintcrrteh? erteilt B«rlln«r, Rochumer Strafe 10. C 9 Tiergarten 8668 deutsche u. englische, Masch., Btichl.. Engl., erteil! Diplom» Handelalahrarixi B 5 Barbarossa 3327 Englisch, spanisch Engl. EHur88-l1r1te1 R. SCHREIBER Prinz-Regentenstr. 84 H 7 Wilmersdorf 65J2 hat •uf eigenem über 500 ha großen Siedlungsgut LA GRANDE CANAU b. Saint Vivien-Medec, Dip. 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Enjjlnrul. deretsi Indien. Ceylon, Perüa. G 9 Albrorht 34S5 M ui dipl<\moe und Dr. fl lettrcs tmierrichicn »clmrlllorilcrnd HreritraAe 3311. Bfüstiianor S־ ehoreiier, nk n. lein i sch ilildun?. unterrichtet J1 nbrtmrrk 3634 Unterricht, a. Zirkel, Uchcrscirungcn Dr• Hirsch Charlottenburg, KumvEischersir. 13 13 Wcsfcnd 1839 Erät«, auch *panisch• Empfehlung«!!. ümgongsongl. Sfhneüunterrleht 11 6 Fruser Pi. 61R0, mn/ose!ומסזיסי nfohlon, Qörartf,RByrom1 1er . 18. Bavaria 846? pnn., I'rnnrhs. I_A11»w.,Kanfl., Sind., Sclttiler. Kmcnafher Strafl« 10.1 H 5. 1403. Lpzlord d'ltallano wcisscarBnzo.itojc- ־ Str. Z.Slüptt 4121 PriuatscnuiamotteK Vnr.clmic u, So.U C 9 Tl.riUrl.n 1913 12- 5) Alton,er Str 12 naßsn moderne Art, lehrt H 7, 6312 auch fremdsprachlich, Maschinenschreiben, Buchf.. Sprachen i landelslehrerin FR1EOLAHD Joachimsthftler S1r. 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