Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1932)
- Date
- 1932-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Staatspartei und Judenfrage Einzelnummer 0^5 Goldnwtk JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freiug. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auaiandsabrrnnernents werden in dar! Währung dar einzelnen Linder berechnet An*etK*nprei8 * teep. NonpareÜJeaefle 0,50 G- ML Steüengeauche 0,25 G, M. 1 Pomcheck - Konten: Berlin 17392, Beeel V 9355, Belgrad 68032. Redaktion* Verlag und Anzeigen ״Verwaltung: I Bni«•! 39433, Budap««! 59693, Dan*!*1973 ׳. LUe« 140470, Pn»* 59410, *״ TT ץ . , ■ R1*a 4155, Stras&hurR 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Jüdische Rundschau G.m.b. HL, Berlin W15* Memekestr .10. I Bank Körnen: Därajsrtddter und NauonalbaaJk, Depositen-Kss*• Befhn, Telefon* I 1 Bismarck 7165-70 I 52. Rumänische Kreditbank, Cemaud (Rumänien); AztgLo Aee° * * 1 J' i > I Pale*tin* C>». tn Haifa, Teruaalem, Tel -Aviv Nummer 37 | Berlin, 10. V. 1932 Redaktionaschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. 1 1 ל' אייר תרצ״ב XXXVII. Jatirg. Der Zionismus •rsirtbi für das Ittdlscl»• Volk die Schaffuna einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstitte In Palistlna. ״Baseler Programm.** Dem French -Bericht entgegen Was hat die Regierung für Palästinas Fellachen getan? Zum Bodenproblem Palästinas Von Adolf Böhm, Wien. ln kurzem wird der Bericht des Landentwicklungsdirektors French erscheinen. Alles, was bisher darüber verlautete, läßt erwarten, daß dieser Bericht, ähnlich wie die vorhergegangenen Reports englischer Sachverständiger, irgendwelche Beschränkungen des Boden- Verkaufs vorschlagen wird. Die Lage der arabischen Fellachen hat sich durch die anhaltende Dürre in dieser Saison arg verschlechtert und angesichts dieser Lage kann man nach allen Erfahrungen mit englischen Sachverständigen schon heute erwarten, daß der Bericht eine Spitze gegen die jüdische Kolonisation haben wird. Die ausführlichen Darstellungen, welche die Jewish Agency anläßlich der Berichte der Shaw-Kommission und Simpsons an die Mandatskommission gerichtet hat, in denen der Nachweis geführt worden ist, daß die jüdische Kolonisation den arabischen Fellachen zum Nutzen ge* reichte und noch genügend Land für ihre Fortsetzung vorhanden ist, haben bei der Mandatarmacht keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sobald man die Probleme rein sachlich und ohne vorgefaßte politische Meinungen betrachtet, so tritt klar zutage, daß an der schlechten Lage der Fellachen die Juden ebenso unschuldig sind wie an dem ausgebliebenen Regen und den fallenden Agrarpreisen. Es scheint fast, als ob die Anwesenheit der Juden für die Regierung und die arabischen Führer willkommen •sti« müßte, da sfe an ihnen einen ״PrtgÄnaVel*f'"läB'eC’ Man kann demgegenüber nur fragen: Was haben die Araber bisher aus Trans Jordanien gemacht, wo sie von jüdischer Kolonisation verschont geblieben sind, eine eigene Regierung besitzen und englische Beratung, sowie englische Hilfsgelder erhalten? Dieses Land hat in den 14 Jahren der Nachkriegszeit fast gar keine Fortschritte gemacht. Obzwar seine bebaubare Fläche mindestens doppelt so groß ist wie die Palästinas (genaue Dat^n liegen nicht vor), wird die Bevölkerungszahl im englischen amtliehen Bericht auf rund 300000 Seelen geschätzt, ״wovon 30 000 ansässig, 12t)000 halbnomadisch und 50000 nomadisch sind'‘. Die Steuerleistung per Kopf ist in Palästina dreimal so groß wie in Transjordanien. Das Wachstum der Einnahmen der Regierung betrug von 1023—1929 in Palästina 72 »0, in Transjordanien 25 «;!> (siehe: Die öffentliehen Finanzen Palästinas, Transjordaniens, (Syriens und des Irak, von H. Frumkin, Tel-Awiw, in ״Palästina“ 1931), Wir wollen nicht behaupten, daß die Regierung den Aufschwung Palästinas, den es durch die jüdische Aufbauarbeit erfuhr, leugnete. Aber in der aktuellen Frage, jener der Wirkung der jüdischen Kolonisation auf die arabische Landbevölkerung, läßt sie immer wieder ihre Sachverständigen so tun, als ob diese eine ungünstige wäre. Demgegenüber wollen wir einige wichtigere Gesichtspunkte hervorheben, die bisher nicht eine so allgemein? Beachtung gefunden haben wie die in den Memoranden der Jewish Agency vorgebrachten. 1. Zunächst wäre zu fragen: Was hat die Regierung, die ein so warmes Herz für die Fellachen zu besitzen vorgibf, für sie getan? Die sichtlich der jüdischen Kolonisation abgeneigte Haltung der Regierung könnte zu dem Schluß a contrario verleiten, daß sie für die arabischen Fellachen eine unermüdliche Tätigkeit entfaltet. Es muß einmal klar gesagt werden, daß dies durchaus nicht derFall ist, was an einigen wichtigen Beispielen gezeigt werden soll. Eines der Haupthindernisse, die der Entwicklung des arabischen Dorfes entgegenstehen, ist dasMeschasystem, das Gemeineigentum an dem Dorfland, das in Palästina noch in rückständigster Form besteht. Simpson selbst nannte es das vielleicht größte Hindernis für den landwirtschaftlichen Fortschritt des Landes (Report S. 33). Die Regierung hatte schon 1923 eine Kommission eingesetzt, um das arabische Dorfland individuell aufzuteilen, zu ״mafruzieren“. Die Kommission machte Vorschläge, aber, so sagte Simpson sieben Jahre später: ״Nichts scheint als Folge der Untersuchung der Kommission getan worden zu sein“, und er bemerkt, daß der Umfang des Meschalandes von 1923—1930 nur von 56 00־ auf 54 0/0 des gesamten.Dorflandes zurückgegangen ist. Seither sind zwei Jahre vergangen, es ist weiter nichts geschehen. Und dies, obzwar die ״Mafruzierung“ keine nennenswerten Kosten verur- Sachen würde. Weiter: Stricklands Vorschlag, 22000 Pfund, die noch von den Beständen der früheren türkischen Agrarbank vorhanden sind, als Beihilfe für die Bildungarabischer Kooperativen zu widmen, blieb unausgeführt. Als sich w der Sitzung der Mandatskommission vom .17. 6. 31 (Miautes S. 101) M. Merlin für die Frage der Kooperativen interessierte, sagte Mr Young: Die Regierung hätte die Absicht, nach dem Rat Stricklands die Dorf kooperativen zu entwickeln. Der bctreffende Beamte sei noch nicht ernannt. Seither ist fast ein Jahr vergangen und Stricklands Rat ist noch immer nicht befolgt worden. Wenn auch seine weitergehenden Pläne wegen Mangel von Geld derzeit nicht ausgeführt werden können, so wäre es leicht gewesen, einen Beratungsbeamten zu ernennen und einen Anfang init jenen 22OCX) Pfund zu machen. Aber es geschah nichts. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Entschuldung der Fellachen. Wie bekannt, leiden diese furchtbar unter der Bewucherung seitens ihrer eigenen Volksgenossen. Die von der Regierung eingesetzte Johnson-Crosbie-Kommission war der Ansicht, daß mit 200 000 Pfund die ganze Entschuldungsaktion durchgeführt werden könnte, einen Betrag, der im Rahmen des heutigen Budgets der Regierung, wenn auf ein paar Jahre yerteilt, Platz finden könnte. Aber nichts, gar nichts, ist geschehen, nicht einmal eine Untersuchung ist geführt worden. Es soll hier nicht behauptet werden, daß dies etwa aus Rücksicht auf die kreditgebenden Effendis geschieht. Es ist vielmehr wieder nur ein Zeichen, daß die Regierung kein Interesse und keine Initiative zeigt, den arabischen Landwirten aus ihren ärgsten Nöten zu helfen, denn in all den erwähnten Bereichen ist Geldknappheit keine Entschuldigung. Uebrigens zeigte auch für die Frage der Bewucherung der Fellachen M. Merlin in obenerwähnter Sitzung Interesse, aber M. Young sagte, er habe darüber ״keine Informationen“. Die Steuerreform, welche die Regierung durchgeführt hatte, indem sie den Oscher pauschalisierte, war gänzlich u n ־ genügend. Daß sie den Fellachen bei Mißernte 50 ״,ö erließ, ist nicht als ״Entgegenkommen“ anzusehen, denn die Steuer wäre gar nicht einbringlich gewesen. Auch in dieser Materie verschließt sich die Regierung hartnäckig einer wirklich durch- .%form, die, wie wiederholt oargelegt wurde, nur in einer Besteuerung des Bodens selbst gelegen sein kann. Dies hat jüngst auch ein Mann, der kein Theoretiker, sondern ein eminenter Praktiker ist, Mosche Smilanskv, verlangt (Boustn’ai, No. 42). Stattdessen will die Regierung eine Besteuerung des ״Reinertrags“ einführen, was natürlich bedeutete, daß fast allein die Zitrus- Pflanzungen Steuern zu tragen hätten. Bei der Bodensteuer müßte natürlich auch der unbebaute Boden besteuert werden (eine Forderung, die Schreiber dieses schon vor zehn Jahren verfocht). Dadurch würde das Angebot an Boden vermehrt und würden die Preise für ihn gesenkt werden. Der Direktor der syrischen Versuchsstation in Lattaquieh sagte in einem von David Horowitz zitierten Bericht 1928, ״wahrscheinlich würde die Einführung einer dem Bodenwert angemessenen in gleicher Weise von bebautem und unbebautem Boden eingezogenen Steuer die Bearbeitung einer zusätzlichen Fläche zur Folge haben.“ Da die Steuer auf unbebaute Terrains aber hauptsächlieh die Effendis treffen •würde, ist von ihr natürlich nicht die Rede. Bleibt das Landwirtschaftsdepartement der Regierung, das sich unter der Direktion von Col. S a w e r redliehe Mühe gegeben hat. Aber leider hat die Regierung dieses Amt stets aufs stiefmütterlichste •bedacht. Im Jahre 1921 betrugen die Ausgaben des Institutes £ 45 280, wovon £ 4 600 aus eigenen Abgaben gedeckt wurden, Zuschuß £ 40.500. Die Ausgaben sanken darauf sukzessive bis auf £ 35 600 im Jahre 1925, wovon £ 14 400 aus eigenen Einnahmen und bloß £ 21 200 aus dem Budget gedeckt wurden. Dann stiegen die Ausgaben wieder und betrugen 1930: £ 103 800, davon £ 20 800 eigene Einnahmen und £ 83 000 Zuschuß (Report of the Department etc 1927-30, S. 75). Von jenen £ 103 800 sind aber für die Heuschrecken-Abwehr allein £ 27 100 ausgegeben worden, so daß für die übrigen Dienste nur £ 76 700 verblieben. Im selben Jahre betrug das Ausgabenbudget der Regierung 2>4 Millionen Pfund! Sie hat davon nicht mehr als 3(4 °.ö dem Landwirtschaftsamt gewidmet! Infolge der geringen Dotierung konnte natürlich das Department trotz guter Führung nur relativ wenig leisten. Sehr gut abgeschnitten hat es in der Bekämpfung der F e 1 d m ä u s e und der Heuschrecken (hier wie überall mit Unterstützung der jüdischen Institute), neuerdings in der Einführung einer Kontrolle über die Citrusfrüchte, die zum Export gelangen, sowie im Forstschutz- und im Veterinärwesen. Für die Jetzigenannten zwei Dienste allein sind 1930 über 30 000 Pfund ausgegeben worden, so daß für alle anderen Zweige sehr wenig übrigblieb. Simpson war über diese Tatsachen so entsetzt, daß er sich zu folgender Aeußerung hinreißen ließ: ״Gegenwärtig (1930) sind die Dienste der Regierung behindert (hampered) durch den Mangel an Geld und einzelne sind so gering dotiert, daß es zweifelhaft erscheint, ob ihre Fortführung wü'nschcnswert ist“ (Report S. 76). Die Dienste, die er meinte, waren Fischerei, Seidenkultur und Viehaufzucht. Wie die Tätigkeit der Regierung gegenüber den Fellachen von offizieller Seite beurteilt wird, mag — neben den angefütirten Stellen aus Simpsons Bericht — eine solche aus dem Bericht von Johnson-Crosbie (beide Beamte der Regierung) belegen. Es heißt darin (S. 30), daß eine radikale Aenderung der ,Lage der Fellachen nur möglich ist im Laufe der Zeit und unter sorgfältiger Führung. ...Die Hauptschwierigkeit hier wie in anderen Ländern ist der allgemeine Mangel von Organisation der Bebauung und des Verkaufes und das Widerstreben (reinetance) der Kreditinstitute, die Bauern zu finanzieren. Es ist sehr notwendig, die Bauern in einfachen und wirtschafilichen Methoden der Landbebauung zu unterweisen. Gel eg entliehe Bemühungen in geringem Umfang (Intermittant efrorts in a small way) sind von der Regierung in dieser Richtung gemacht worden durch die Errichtung von Versuchsstationen und Feldern in den Dörfern, and die jüdischen Ausbildungsinstitute haben viel getan: aber Ihr Einfluß auf das ganze Land ist nicht fühlbar. Wenig ist geschehen trotz des Beispiels der jüdischen Gesellschaften, um Märkte für lokale Produkte auszubauen oder zu schaffen. Der Bauer genießt keine Krediterleichterungen, die ihn davor bewahren könnten, zum Geldverleiher;׳;eine Zuflucht z 1.1 nehmen. Daher ist tr unfähig, den besten Zeitpunkt für Verkauf za wählen, weil der Hauptteil seiner Ernte vomileldverleiher schon auf der Dreschtenne weggenommen wird zur Bezahlung des Darlehens plus wucherischer Zinsen.“ Man fragt sich: Was hat mit diesen Nöten der jüdische Kolonist zu tun? Ist e r schuld an diesen Mängeln und an den Unterlassung»• Sünden der Regierung? Bessert er nicht durch sein Beispiel, seine Kaufkraft usw. die Lage der Fellachen? Doch diese Seite der Frage ist genügsam abgehandelt worden. Es sei in diesem Zusammenhang nur noch auf einige andere Punkte verwiesen, die in der Oeffentlichkeit bisher weniger Aufmerksamkeit gefunden haben. Wie bekannt, hat die Regierung rund 300 Elementarschulen im Lande errichtet. Aber es ist wenig hekannt, daß nur ein kleiner Teil der arabischen Dorfkinder Elementarunterrieht erhält. Simpson (Report S. 79) schätzt ihn auf 13,2 B/o» also auf noch nicht einmal ein Siebentel der Kinder. Er meint, daß kein Fortschritt in der Landwirtschaft möglich ist, ohne diesen Zustand zu bessern. Für den landwirtSchaftliehen Unterricht der arabischen Kinder hatte die Regierung fast nichts getan, bis ihr ein Legat des Juden Kadoorre durch ungenaue Textierung die Möglichkeit gab, in Tu!-Keram eine landwirtschaftliche Schule für 40 arabische Schüler zu eröffnen. An dieser sollen auch alle Volksschullehrer einen einjährigen Kurs absolvieren. Man fragt sich, was die Regierung in diesem wichtigsten Zweig der Vorsorge für den Fortschritt der Fellachen getan hätte, wenn ihr nicht die jüdische Stiftung in den Schoß gefallen wäre? Sie hat bis dahin bei einigen,Dorf•' schulen Versuchsfelder angelegt, deren Erfolg nach Simpsons Ansicht infolge der Unwissenheit der Lehrer bisher gering war. Doch in bezug auf den agrarischen Unterricht ist Col. Sawer anderer Meinung als Simpson. Während dieser forderte, daß nicht 40, sondern 120 bis 150 Schüler in Tul-Keram lernen sollten (Report S. 87), sagt Col. Sawer in dem eben erschienenen Bericht seines Departments für 1927—1930 wörtlich folgendes: ״Unterweisung in besseren und rentableren Methoden der Landwirtschaft schafft ein unmittelbares Bedürfnis nach Ausrüsturig und Hilfsmitteln, welche der Bauer sich nicht auf wirtschaftlichem Wege verschaffen kann, sondern nur durch Hilfe des Dorfwucherers. Agrarische Erziehung kann unter soldien Umständen bloß dazu dienen, die wachsende Unzufriedenheit mit einem Lose zu steigern, das sich so sehr abhebt von der Organisation und dem Lebensstandard, die in den jüdischen Siedlungen erreicht werden.“ Also erstens der vormärzliche Standpunkt, man solle das Volk nicht unterrichten, damit seine Bedürfnisse nicht steigen, und andererseits der Hinweis, daß die Araber Neid haben könnten auf die blühenden jüdischen Siedlungen. Mr. Sawer meint weiter, daß erst die Probleme des landwirtschaftlichen Kredits und der Schuldenabbürdung gelöst werden müßten. Ja, aber wer soll diese Probleme lösen, die nicht von heute sind, wenn nicht seine Vorgesetzte Regierung? Die arabischen Führer? Diese machen zwar große Polltik, und das sehr geschickt, aber man hat noch nichts davon gehört, daß sie etwas Positives dafür getan hätten, den Fellachen wirtschaftlich zu helfen. Unter die Rubrik der sch׳.', eren Unterlassungen der Regierung gehört auch die völlige Vernachlässigung der für die Land- Wirtschaft Palästinas wichtigsten Frage, der Bewässerung. Der erwähnte Bericht des Landwirtschaftlichen Departments umfaßt ein und eine halbe Seite aus der Feder des Bewässerung»- beamten, welcher seine Darlegungen mit dem Satze beginnt: ״Da nicht, wie vorgesehen, der Kern eines Stabes geschaffen wurde, war es unmöglich, eine systematische Untersuchung der Wasserressourcen und ihrer Entwicklung einzuleiten“. Der Bewässerungsbeamte beschränkte sich daher auf einzelne Untersurhungen und die Behandlung einiger spezieller Fragen. Abgesehen davon, hat er nur mit Hilfe jüdischer Fachleute (Ing. Goldsmith und Dr. Oppenheimer) einige wichtigere Untersuchungcn anstellen können. Also heute, nach 12 Jahren der britischen Zivilverwaltung, hat diese noch kein Amt für Bewässerung. keine Wassergesetzgebung geschaffen, keine größeren Untersuchungen gemacht, keine Bcwässeningsdistrikte organisiert (siehe über diese Fragen Ing. Riftin, Tel-Awiw: Die grundlegenden allgemeinen Fragen bezüglich der Bewässerungsprobleme in Palästina, in ,,Palästina“ Jahrg. 1931) usw. Die Empfehlungen ihres eigenen Geologen, Mr. G. S. Blake, wegen Schaffung großer Bewässerungsanlagen ließ die Regierung bisher unbeachtet, obzwar sie schon aus dem Jahre 1928 stammen. Das mehrfach erwähnte Mitglied der Mandatskommission, M. Merlin, hatte schon 1930 (Sitzung vom 10. Juni, Minutes S. 103) Mr. Luke einen leisen Vorwurf wegen des Ungenügens des Irrigationsdienstes gemacht und gesagt: ״Ein Bewässerungsdienst, wenn er richtig funktioniert, ist für ein Land wie Palästina von größter Bedeutung־.“ Es soll hier nicht behauptet werden, daß die Regierung für die Fellachen und die Entwicklung der Landwirtschaft Pa-־ lästinas gar nichts getan habe. Aber soviel erhellt aus. obigen Bemerkungen, daß sie keinerlei Initiative gezeigt hat, die wirklich vitalen Fragen in Angriff zu nehmen. Hierfür gibt es gar keine Entschuldigung. Fühlbarer Geldmangel war im Laufe der ersten 12 Jahre der Verwaltung mc whandea, im Gegenteil, die Regierung hatte jahrelang;