Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 65 (21.8.1931)
- Date
- 1931-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'׳'k Tagung der fewhh Agency •* Exekutive Einzelnummer 0ß,s Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,-— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslatidsabonjaercenl» werden ü3 d«r Währung der einzeln«« Linder berechnet Anrelgenpreie: 8 ge»p. Nosparefllezeile 0,50 G.-M. Stell«og«8udhe 0,25 G.-M* Nummer 65 | Berlin, 21« VHL 1931 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m. b.H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J1 Bismarck 7165-70. AazeigeswdbluB׳: Dles«t«g und Freitag nachmittags 4Ohr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten: Berlin 173 92, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 3^433. Budapest 59693. Danzig 1973, Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155, Straa*.burg 16430, Warschau 190708, Wien 156030. Bank •Konten: Darmstadterand Nadonalbank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfiirstemdaznm 52: Rumänische Kreditbank, CernauH (Ramiaien): Anglo Palestine Co. in Haifa, }erusaleca, Tel •Aviv. ח, אלול תרצ״א | xxxvi. jahrg. Dar Zionismus •rslrabt fOr da• JOdlMho Volk dlo Schaffung oinor öffentlich * rochtllch gosichorton Halmstatto In Palästina. ״Basaler Programm.4' Arabische Obstruktion *Die arabische Exekutive lehnt den Landentwicklungsplan ab Jerusalem, 17. August. (J.T. A.) Am 17. August, drei Tage vor dem Eintreffen des Landentwicklungsdirektors French, hat die arabische Exekutive eine Sitzung abgehalten, um ihre Stellung zur Frage des Landentwicklungsplans zu präzisieren. In der Sitzung, an der 31 Mitglieder der Exekutive teilnahmen, wurde nach einer äußerst stürmisch verlaufenen Aussprache mit Stimmenmehrheit beschlossen, we der den Inhalt der informativen Vorbesprechungen mit der Regierung zur Kenntnis zu nehmen, noch einen arabischen Berater des Landentwicklungsdirektors zu nominieren• Es wird eine Erklärung vorbereitet, in der die Ablehnung der Mitarbeit bei der Durchführung des Landentwicklungsplans begründet werden soll. * Die Nachricht beweist, daß in der Arabischen Exekutive die extremistischen Elemente die Oberhand behalfen haben. Die Aufgabe der Entwicklungs-Kommission ist Landreform, Intensivierung der Wirtschaft, Rationalisierung und Produktivierung der natürlichen Hilfsquellen des Landes, und vor allem Feststellung der durch jüdische Bodenkäufe landlos gewordenen Araber und deren Wiederansiedlung. Bei dieser für das ganze Land so enorm wichtigen, einen Fortschritt zu konstruktiver Politik und zur Befriedung bildenden Aktion lehnen die Araber die Mitarbeit ab! Damit haben diese Führer bewiesen, daß nicht die Besserung der Lage der Bevölkerung, nicht das Los des Fellachen, aus dem man eine Waffe im politischen Kampf gemacht hat, ihnen wirklich am Herzen liegt, sondern daß es ihnen vor allem um politische Konflikte zu tun ist. Die Not der Fellachen und des landlosen Arabers ist den arabischen Extremisten willkommen, da sie den Fellachen für politische Verhetzung besonders empfänglich macht. Es gibt freilich im arabJsCjien Lager auch andere, besonnenere Elemente, die die gfofie Bedeutung dieses Landentwicklungsplanes für ihr Land und ihr Volk verstehen und. die sich daraus für die Araber ergebenden Vorteile zu schätzen wissen. Aber sie blieben in der Minderheit. Die Araber sind von ihren Führern dazu erzogen worden, jede Maßnahme der Regierung mißtrauisch zu betrachten; man stellt auch den Landentwicklungsplan als ein Werk der zionistischen Politik hin, das nur Boden für die Juden freimachen soll. So hat die nationalistische Propaganda, wie es oft der Fall ist, Geister beschworen, die ihre Initiatoren nicht mehr bändigen können, selbst wenn sie erkennen müssen, daß sie sinnlos sind und das eigene Volk schädigen. Von jüdischer Seite sind bekanntlich gewichtige Einwände gegen den Landentwicklungsplan erhoben worden. Die Regierung hat es abgelehnt, Zusicherungen bezüglich eines festen Anteils der Juden an den für Siedlungszwecke aufzuwendenden Geldern zu geben. Man befürchtete auf jüdischer Seite, daß der Plan ausschließlich oder doch in überwiegendem Maße den Arabern zugute kommen und der Weiterführung der jüdischen Siedlung Schwierigkeiten machen wird. Um so unbegreiflicher ist es, dafi die Araber von der Sache nichts wissen wollen. Jedenfalls glauben wir nicht, daß in diesem Falle die Regierung die Kooperation der Araber durch neue Geschenke erkaufen und so die Obstruktionspolitik belohnen darf. Vielmehr muß klar sein, daß die Regierung Rosch Haschanalt 5092 « Eine Kundgebung des Nationalfonds ״Der XVII. Zionistenkongreß erklärt, daß in dieser Stunde, da die Erlösung des Bodens als Grundlage des Nationalhelms in den Mitteipunkt unseres Aufbauwerkes gerückt ist, jedes Mitglied der Zionistischen Organisation — unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit — die doppelte Verpflichtung hat, sich dem Keren Kajemeth Lejisrael zur Verfügung zu stellen und bei allen Sammlungen und Aktionen aktiv mitzuarbeiten. Nur dann wird der Keren Kajemeth imstande sein, seine zentrale Aufgabe in Palästina zu erfüllen.“ Dieser Beschluß ist vom XVU. Kongreß in Basel, der in einem für unsere Bewegung und für Palästina ungeheuer schwierigen Augenblick seine Beratungen abhielt, einstimmig angenommen worden. Was immer die Streitpunkte in den Melnungskämpfen der Parteien, Gruppen und Fraktionen waren, Einmütigkeit herrschte in der Erkenntnis von der Bedeutung und Heiligkeit der Aufgabe, die vom Bodenfonds durchgeführt werden muß, wenn das Jüdische Nationalhebn ln Palästina auf einer festen und für ewige Zeiten begründeten Basis ruhen soll: ״Nur dann wird der Keren Kafemeth Lejisrael Imstande sein, seine zentrale Aufgabe zu erfüllen 1“ Dies ist ein Aufruf und ein Alarmsignal zugleich, die jeden wahren Zionisten und jeden aufrichtigen Palästina-Freund zu einer Verdoppelung Ihrer Anstrengungen für den KKL veranlatsen müßten. Unser Aufbauwerk macht nach zwei Jahren politischer Schwierigkeiten da« fast unerträgliche Ftaanzkrise mit aller Festigkeit ihren Plan durchführt und daß auch die jüdischen Interessen volle Berücksichtigung finden, worüber die Jewish Agency zu wachen hat. Der Schritt der Araber wird diesmal in der englischen öffentlichen Meinung gewiß keine Sympathie finden. Man darf gespannt sein, ob sie bei ihrem Widerstand beharren werden. * Wie verlautet, wurde mit Rücksicht auf die Opposition der Jewish Agency gegenüber der angekündigten neuen Grundstückverkehrs-Verordnung die Veröffentlichung dieser Verordnung bis zum 7. September verschoben. Die Exekutive der Jewish Agency hat in ihrer Sitzung in Zürich am 17. d. M. die Frage behandelt. (Näheres über diese Sitzung auf Seite 2 der heutigen Nummer.) Arabischer Generalstreik am 23. August? Jerusalem, 18. August. (J.T.A.) Die arabische Exek'utive hat beschlossen, zum Protest gegen die angebliche Bewaffnung der jüdischen Kolonisten durch die Regierung am 23. August einen arabischen Generalstreik zu proklamier^!. Die Exekutive beabsichtigt, an diesem Tage korporativ unter Führung Ihres Präsidenten Muza Kazhn Pascha vor dem High Commissioner Sir John Chancellor zu erscheinen und Ihm eine Protestresolution gegen die Bewaffnung der jüdischen Kolonisten, sowie eine Resolution zu überreichen, in der gegen die Erteilung der Auf enthaftsbewilligung für die illegal nach Palästina eingewanderten Juden, deren Zahl fälschlich mit 25 000 angegeben wird, Einspruch erhoben wird. Der Streik ist gleichzeitig als Demonstration zur Erinnerung an die Unruhen vor zwei Jahren gedacht. Vor dem Streik soll am 20. August in Nablus eine allgemeine Versammlung der arabischen Führer unter den Auspizien der arabischen Exekutiv• stattfinden. ״AI Dschamea el Arabla“, die am Montag, dem 17. August, abends, als erste arabische Zeitung nach dem einwöchigen Proteststreik der arabischen Presse Palästinas wieder erschienen ist, veröffentlicht die Resolutionen, die die arabbehe Exekutive in ihren Sltzungen am 16. und 17. August gefaßt hat. * Es bleibt abzuwarten, ob die Palästina-Regierung, die in der letzten Zeit ihre Entschlossenheit zur unbedingten Aufrechterhaltung der Ordnung hat erkennen lassen, den Demonstrationsstreik gestatten wird, nachdem sie bereits die Demonstrationen am 15. August verboten hat. Nach dem Communiquö, das die Erteilung von versiegelten Waffenkästen an exponierte jüdische Siedlungen aufklärt und der arabischen Behauptung, die Regierung ״bewaffne die Juden", entgegentritt, ist der neue Schritt der arabischen Exekutive wohl nur als Pressions-Versuch zu werten. Gerade die Erinnerung an den 23. August, den die Araber auf diese Weise ״feiern“, ist ein zwingendes Argument für die Notwendigkeit von Maßnahmen, die den jüdischen Siedlungen im Fall der Not bei plötzlichen Ueberfällen eine vorläufige Selbstverteidigung möglieh machen. Es ist zu hoffen, daß die Regierung auch der arabischen Delegation gegenüber in diesem Punkt keine Unklarheit lassen wird. durch. Der Kongreß hat beschlossen, den Zionisten «ln Not- Opfer aufzuerlegen, um unser Kolonisatlonswerk, unser Sanitlts- und Erziehungswesen vor einer schweren Erschütterung zu bewahren. Aber die Zionisten müssen sich bewußt sein, daß über der Forderung des Tages nicht die Forderung der Ewigkeit vergessen werden darf. Deshalb bestätigte der Kongreß die Richtlinien der Bodenpolitik des Keren Kajemeth Lejisrael ״im Sinne des Erwerbes von Ländereien in allen Gebieten, die der Siedlungsarbeit in der nächsten Zukunft neue Möglichkeiten eröffnen“, und forderte ״eine unermüdliche Fortsetzung jffeses Werkes“. Die traditionelle Neujahrs-Aktion des KKL trifft die Juden Deutschlands in einer schweren Stunde wirtschaftlicher Not. In dieser Zeit der jüdischen Verarmung muß die Forderung des Nationalfonds, ewigen Besitz für das jüdische Volk zu schaffen, ernster und nachdrücklicher erneuert werden. Der Boden, der vom Volke für das Volk erlöst werden soll, verlangt nicht große Opfer weniger, sondern kleine Beiträge aller Juden. Von den Zionisten aber verlangt er außer ihren traditionellen Spenden eine große organisatorische Anstrengung und aktivste Arbeit, zu der jeder Einzelne von uns heute aufgerufen wird, die ganze Arbeitsarmee der zionistischen Jugend, der Frauen und Männer, die dem 30. Jahre des Bestehens unserer populärsten Institutianen einen würdigen, großen Auftakt geben sollen — durch ver doppelte Arbeit! Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Landeslcommi ssion des Keren Kajemeth Lejisrael. ״Der Lehrstuhl dcrBeriinerGemcinde“ Von Dr. Allred Klee. Die letzte Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde am 17. August hat, wie in der ״J. R.״ bereits mitgeteilt wurde, mit 20 liberalen Stimmen gegen 12 volksparteiliche Stimmen bei Stimmenthaltung des Ueberparteilers und Mittelparteilers beschlossen: ״Für die Hebräische Universität in Jerusalem soll für das laufende Geschäftsjahr keine Auszahlung eiries Gemeindebetrages erfolgen.“ 4t«s dieser Fassung des Beschlusses könnte man zunächft folgern, daß es sich um eine einmalige durch die finanzielle Not der Gemeinde diktierte Maßnahme handelt, eine Verpflichtung, die sie durch die Begründung des Lehrstuhles zumindest moralisch — aber wie wir nachweisen werden auch tatsächlich — für die Dauer übernommen hat, zeitweilig zu vernachlässigen. Die Debatte und die Erklärungen der Liberalen in der Sitzung ließen aber erkennen, daß es sich um eine prinzipielle Ent- Scheidung der liberalen Mehrheit handelt. Darum ist auch für uns diese Sache von prinzipieller Bedeutung. Zunächst sei der Tatbestand festgestellt: Im Jahre 1928 fanden zwischen der Jüdischen Volkspartei, der Führerin des damaligen Mehrheitsblockes in der Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde, mit Wissen der verbündeten mittelparteilichen Gruppe, Verhandlungen mit den Liberalen statt, die damals von dem verstorbenen Professor Dr. Moritz Türk geführt wurden. Ziel der Verhandlungen war, eine Befriedung in der Repräsentantenversammlung und ein reibungsloses Zusammenarbeiten auf bestimmten Arbeitsgebieten zu erzielen. Zur Erreichung dieses Zieles machten sowohl der Mehrheit»־ block wie auch die Liberalen bestimmte Zusagen. Die Volkspartei erklärte sich u. a. mit einer Verkürzung der Legislaturperiode um zwei Jahre, d. J1. mit Neuwahlen im Jahre 1930, einverstanden. Die Liberalen verpflichteten sich u. a., der Uebernahme der Schule des Jüdischen Schulvereins in der Rykestraße durch die Gemeinde zu»• stimmen und sich mit der Begründung eines Lehrstuhles an der Universität Jerusalem durch die Jüdische Gemeinde einverstanden zu erklären. Es bestand bei den Liberalen damals zweifellos der Wunsch, auch ihrerseits für Palästina irgendeine Einrichtung zu schaffen, die zeigen sollte, daß sie keine grundsätzlichen Gegner der kulturellen Arbeit in Palästina sind. Ueber den Lehrstuhl und das, was dort gelehrt werden sollte, wurde lange verhandelt. Es tauchte zunächst z. B. der Gedanke auf, ihn als Lehrstuhl für deutsche Literatur zu errichten und analog in Frankreich, England, Italien Propaganda zu machen, um die dortigen Gemeinden zu veranlassen, Lehrstähle für die Geschichte und Literatur ihrer Länder zu errichten. Es wurde eine spezielle Kommission eingesetzt, die alle Modalitäten im einzelnen durchprüfen sollte. Sie bestand aus maßgebenden Mitgliedern der Gemeindekörperschaften unter Zuziehung hervorragender jüdischer Gelehrter. Für wie bedeutsam die Verhandlungen angesehen wurden, mag aus der Tatsache erhellen, daß hierbei auch auswärtige Gelehrte zugezogen wurden und daß durch etwa anderthalb Jahre — die lange Zeit erklärt sich aus der immer wieder erfolgenden Fühlungnahme mit Jerusalem — die Verhandlungen sich hinzogen. Einstimmig, selbstverständlich unter tätiger Mitberatung und restloser Zustimmung der liberalen Mitglied er der Kommission, wurde, nachdem verschiedene Vorschläge durchgesprochen waren, an einen Lehrstuhl für Soziologie, ein Gedanke, der dem verstorbenen Professor Türk besonders gefiel, an allgemeine Nationalökonomie, an Völkerrecht gedacht war, eine naturwissenschaftliche Disziplin gewählt, wobei besonders von einer noch jetzt führenden liberalen Seite darauf hingewiesen wurde, daß diese Materie als absolut neu trat allen Beteiligten sicherlich am sympathischsten sein würde. Gewählt wurde ein Lehrstuhl für angewandte Botanik. Man war sich klar, daß hier nicht nur wissenschaftlich Wertvolles, sondern zugleich für die landwirtschaftliche Entwicklung des Landes Wichtiges geleistet werden konnte. Man war glücklich, für diesen Lehrstuhl als Inhaber eine allseitig in Deutschland verehrte Persönlichkeit zu finden, die jahrelang an der Berliner Universität gelehrt hatte und besonders durch botanische Forschungen auf dem Gebiete der Tropenpflanzen und große Erfahrungen in Palästina selbst eine Bereicherung der wissenschaftlichen Arbeit in Palästina darstellt. Es kam hinzu, daß als ei'ster Assistent hierfür der Sohn desselben bekannten deutschen Nationalökonomen in Frage kam, an dessen Berufung Professor Türk in erster Linie gedacht hatte. Diese Verhandlungen zogen sich bis in die Mitte des Jahres 1929 hin. Der Lehrstuhl sollte den Namen tragen; ״Lehrstuhl der Berliner Jüdischen Gemeinde“. Es er- Acheint geradezu grotesk aazunehmea, daß man. nach