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Jüdische Rundschau · 1931-01-13 · Heft 3 (13.1.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 3 (13.1.1931)
Date
1931-01-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sdfet 18 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 13.1. 1631 werden, die Wahlen zur Jewish Agency auf einer demokratischeren Basis zu regeln. Bei eventueller Auflösung der Arab oder Jewish Agency treten die arabischen und jüdischen Bevölkerung«- gruppen, bzw. ihre offiziellen Vertreter (Waad Leumi) an ihre Stellen. Nachwort. Längere Nachbetrachtungen dürften sich erübrigen. Der Grandgedanke ist, daß nicht ein Kompromiß, sondern die Vereinigung der jüdischen und arabisehen Interessen für ein friedliches Zusammenleben, geschweige denn für ein fruchtbares Zusammenarbeiten, unbedingt erforderlich ist. Die Richtlinien halten Rechnung mit den nationalen Aspirationen beider Völker, geben ihnen, sowie den Mächten optimale Sicherheit bei möglichst gerechter Verteilung der Lasten. W«nn sich auch der Vorschlag In vielen Punkten als unvollkommen erweisen wird, so glaube ich dennoch, daß er aus den oben erwähnten Gründen geeignet ist, als Diskussionsbasis von beiden Völkern angenommen zu werden. Judenstaat und!»!nationaler Staat Von Dr. Elias Auerbach. In der Arbeit für den Palästina-Aufbau gibt es mehrere Veränderliche Faktoren. Die wichtigsten von ihnen sind die Haltung der Mandatsregierung und die von der Judenheit für den Aufbau bereifgestellten Kräfte. Diese Faktoren können wir, weil sie veränderlich sind, ln weitem Maße beeinflqssen. Es gibt aber auch unveränderliche Faktoren, und dje>e haben die böse Eigenschaft, sich nicht einmal den Wünschen und Theorien der Zionisten an zu passen. Der wichtigste unveränderliche Faktor für die jüdische Aufbauarbeit in Palästina ist die Existenz einer starken arabischen Mehrheit von 650000 Seelen im Lande. »Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffu!1g einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Pa- Hstina.“ (Baseler Programm, 1897.) Dieses Programm ist die_ Richtschnur unserer Arbeit und nicht irgendeine zufällige politische oder innerjüdische Konstellation. Wir haben gewagt, es aufrechtzuerhalten, als die Herrschaft der Türkei seine Durchführung unmöglich zu machen schien, und wir haben es nicht verändert, als die Balfour-Deklaration es zu erfüllen schien; wir werden es auch nicht ummodeln, wenn nichtzionistische Juden unter anderen Zielsetzungen mit uns in Palästina zusammenzuarbeiten wünschen. Als das Baseler Programm aufgestellt wurde, und noch mindestens ein Jahrzehnt nachher, wurde das Vorhandensein der Araber in Palästina kaum beachtet; genauer gesagt: es wurde als unerheblich für die Durchführung des zionistischen Programms angesehen. Heute wissen wir, daß dies wohl der folgenschwerste Fehler der zionistischen Politik war, und, um dies gleich vorwegzunehmen: es wäre der Verhängnisvollste Fehler, wenn wir nicht wenigstens für die Zukunft diesen unveränderlichen Faktor mit seinem vollen Gewicht in unsere Rechnung einstellen würden. Die Araber sind da und erzwingen siel! Beachtung. Sie werden immer da sein, gleichgültig, wie unsere Theorie und ihre Durchführung sich gestaltet. Sie sind unserem Werke feindlich, und sie werden es immer sein, auch wenn wir unsere Bescheidung und Selbstentäußerung noch weiter treiben, als der Brith Schalom es verlangt, ln Palästina leben heute zwei Nationen, und sie werden, so weit Menschenaugen sehen können, hier immer nebeneinander leben und gezwungen sein, eine erträgliche Form dieses Nebeneinanderlebens zu finden. Diese harten Tatsachen zu verschweigen, zur Seite zu schieben oder zu verkleinern, hat nicht den geringsten Sinti; es ist mehr als ein Fehler, es ist eine Hum mheit Fragen wir uns lieber ganz nüchtern, welche Möglichkeiten Im Verhältnis der beiden Nationen jn Palästina gegeben sind. Es war eines der unglückseligsten Worte, die Weizmann je ausgesprochen hat, als er sagte: Palästina soll so jüdisch werden, wie England englisch sei Dergleichen mögen wir wünschen, aber es ist Politik im luftleeren, oder vielmehr im araber-leeren Raum, und den gibt es nur in der Phantasie. Der Judenstaat in Palästina, der nur vom jüdischen Interesse aus geleitet wird,in dem die Araber ein wohlwollend behandeltes kieines Anhängsel sind, ist eine Chimäre. Er ist ein fefährliches Wahngebiide wegen der narkotischen Wirkung, ie er mit Hilfe der nationalen Phrase auf den gesunden Menschenverstand der Zionisten ausübt. Zu einem solchen Ziele führt aus der Gegenwart kein Weg. Wenn man in revisionistischen Kreisen hier und da mit dem Gedanken spielt, die arabische Bevölkerung irgendwohin (Irak? Arabien? Nordafrika?) zu verpflanzen, so ist das niehts als Wortgeklingel. Siebzigtausend arabische Bauernfamilien und 20000 , städtische Araber zu verpflanzen, ist eine weit größere Aufgabe als die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims. Und sie lassen sich nicht verfrachten, wie man Negersklaven nach Amerika brachte. Solchen törichten Träumen gegenüber sind die Araber völlig im Recht, wenn sie sieh bis aufs Blut für ihre Scholle wehren. Palästina ist ihre Heimat wie unsere, ob uns das recht ist oder nicht. Ejtien anderen Weg aber, die Araber aus Judenstaatsplänen auszuschalten, gibt es nicht. Es bleibt also dabei: diebeiden Nationen müssen in Palästina nebeneinander leben. Ein Staats* wiesen, an dem zwei Nationen teilhaben, nennt man einen binationalen Staat. Dieses schreckliche Wort, das auf viele noch immer wie ein rotes Tuch wirkt, zu dem sie den Stier bilden, ist also nichts weiter als der Ausdruck einer gegebenen Tatsächlichkeit. Für dieses Nebeneinander-Leben der beiden Völker gibt es nun verschiedene Möglichkeiten. Die erste entspricht unserer heutigen Lage und ist für uns sehr unbefriedigend: die Juden als kleine Minderheit in Palästina in Abwehrstellung fegen eine starke arabische Mehrheit. Diese arabische Mehreit ist durchaus ״revisionistisch“ gesinnt. Sie will keinen binatonalen, sondern einen arabischen Staat in Palästina, mit Arabisch allein als offizieller Sprache, maßgebendem arabischen Einfluß in der Verwaltung und einer geduldeten jüdischen Minderheit, die keinerlei autonome Rechte, sondern höchstens eine gewisse Freiheit der religiösen und kulturellen Organisation genießen und durch Beschränkung der Einwan• derung dauernd in der Rolle der Minderheit festgehalten werden soll. Daß wir mit derartigen Plänen keinen Frieden schließen können, ist klar. Sie sind auch undurchführbar, solange die (deswegen von den Arabern bekämpfte) Baitour• Deklaration in Geltung ist, selbst wenn sie in so böswilliger Weise wie von der jetzigen englischen Regierung gegen unser Interesse interpretiert wird. Um aus dieser gefährlichen Lage herauszukommen, gibt es für uns nur ein Mittel: wir müssen stärker werden. Wenn wir nicht mehr ein Viertel, sondern die Hälfte der arabischen Bevölkerung sein werden, sind alle Pläne zur künstliehen Beschränkung der jüdischen Entwicklung durchbrochen, weil wir dann infolge unserer kulturellen und Wirtschaftliqhen Ueberlegenhqit dem arabischen Element trotz seiner zahlenmäßigen Mehrheit an Kraft mindestens gleichkoaunen. Dieses erste Ziel aber werden wir, wie in früheren Aufsätzen gezeigt worden ist, trotz der starken natürlichen Vermehrung der Araber in einer kurzen Reihe von Jahren auch dann erreichen können, wenn uns in dieser Zeit, wie das neue Weißbuch der Regierung es androht, der Erwerb neuer Böden aufs äußerste erschwert werden sollte. Lassen wir also vorläufig das Gerede vom Judenstaat. Wir haben dringendere Sorgen: Wir haben um den binationalen Staat zu kämpfen, der uns noch nicht sicher ist. Wenn dieses erste und nächste Ziel unserer nationalen Sicherung erreicht ist, können wir in Ruhe weiter diskutieren. Kampf um den binationalen Staat heißt in unserer heutigen Lage, außer der selbstverständlichen Anpassung aller unserer Kräfte zur Verstärkung unserer Siedlungsarbeit: schärfste Gegenwehr gegen alle Versuche, uns mit Hilfe der arabischen Mehrheit in der freien Entfaltung unserer Kräfte zu behindern. Wir werden keine ״parlamentarische“ Vertretung mitmachen, in der wir majorisiert werden können, wir werden jede politisch begründete Drosselung der Einwanderung mit Boykott arabischer Waren und Arbeitskräfte, Boykott der Eisenbahnen und Ablehnung jeder nicht ausschließlich in unserem Interesse liegenden Zusammenarbeit beantworten. Wir haben auch noch schärfere Pfeile im Köcher, wenn das nicht genügt. Ein solches Kampfprogramm kann alle Richtungen in Palästina und in der zionistischen Bewegung draußen aut weite Strecken Weges hin einigen. Die revisionistische Theorie sagt nun: Unser ganzes Werk in Palästina ist solange nicht gesichert, als wir nicht die Majorität im Lande bilden. Ich halte dies für eine mechanische und unrichtige Ueberschätzung des Zahlbegriffs. Aber angenommen — nicht zugegeben! — es sei so: Wo ist der Zionist, der gegen eine jüdische Majorität in Palästina wäre? Es ist nur unsagbar töricht, dauernd nach der Majorität zu schreien. Dieses Oeschrei erweckt erst bei der Gegenseite die (schon heute und gewiß morgen) falsche Hoffnung, daß man uns jetzt noch erdrosseln könnte, solange wir noch Minderheit sind. Der Ruf nach der Mehrheit bringt nicht einen luden nach Palästina hinein, nicht einen Araber aus Palästina heraus. Die Mehrheit ist etwas, was wir erreichen können, vielleicht erreichen müssen: sie zu fordern hat etwa soviel Sinn, wie zu fordern, daß Palästina nicht drei, sondern sechs oder acht Millionen Einwohner fassen kann. Beides ist Sache der Arbeit und des Erfolges, nicht Sache der Forderung. Ich bin fest überzeugt, daß wir einmal die Mehrheit in Palästina sein werden, wenn auch nicht in zehn oder zwanzig Jahren. Aber, und das ist das Entscheidende: auch dann werden wir den binationalen Staat haben. Wer sich darüber nicht klar ist, ist ein Utopist und gefährdet außerdem die Moral unserer Bewegung. Selbst wenn wir in einigen Jahrzehnten die Majorität in Palästina erreichen, werden die Araber, mindestens für viele Jahrzehnte und vielleicht für immer, eine starke nationale Minderheit in Palästina sein. Was soll mit ihnen geschehen? Heute ist die Zeit, wo wir deutlich und bindend erklären müssen, wozu wir unsere Majorität in Palästina zu gebrauchen gedenken. Viel unnützes Wortgefecht würde zu vermeiden sein, wenn vor allem die Revisionisten klar heraussagen wollten, wie sie hierüber denken. Um diese Frage läßt sich nicht herumreden, etwa damit, daß wir ״die Rechte der Araber selbstverständlich achten werden“. Welche Rechte? Darauf kommt es an. Die staatsbürgerlichen — selbstverständlieh. Aber die Araber werden eine nationale Minderheit sein und die Rechte einer solchen in Anspruch nehmen — wie wir es heute tun. Dies ist das Schibbolet unseres Nationalismus: ob er ein Gewaltnationalismus sein will wie der der Polen, Rumänen und Türken, oder ein moderner, sittlicher, das heißt jüdischer. Die Araber haben vollen Anspruch darauf, ihre nationalen Rechte zu erhalten, das Recht auf ihre Sprache, auf ihre Schule, ihre Selbstverwaltung in rein arabischen Bezirken, ihren Anteil an der Gesamtverwaitung Palästinas. Sind wir bereit, ihnen diese Rechte zu garantieren — so haben wir den binationalen Staat. Sind wir nicht dazu bereit — so rechtfertigen wir einen verzweifelten Widerstand der Araber gegen das Erstarken des jüdischen Palästina, rechtfertigen auch die Teilnahme der Mandatsmacht an diesem Widerstand. Wir haben zu wählen. Ein kindlicher Einfall gegen diese Alternative ist es, wenn Jabotinskv sagt: Wir Juden haben das Recht, Palästina zum reinen Judenstaat zu machen, weil wir nur Palästina auf der ganzen Erde haben; die Araber aber haben ein arabisches Gebiet, das 300mal so groß ist als dieses kleine Palästina. Wem kann das einleuchten? Was geht den Araber Palästinas Marokko, Yemen oder Indien an, nur weil dort Arabisch ^esprachen wird? Genügt das, um dem Araber Palästinas nationale Rechte abzusprechen? Mit diesem Argument kann man über alle nationalen Minderheitsrechte hinweggehen, die Deutschen in Südtirol, Siebenbürgen, Polen und den Rand- Staaten auf Deutschland verweisen. Es ist ein zynisches Argument, das die Sterilität dieser politischen Konzeption in der Araberfrage deutlich aufzeigt, und das deswegen nicht ernst zu nehmen ist, weil es, wirklich vorgebracht, bei Arabern wie bei Engländern nur mit einem Hohnlachen beantwortet werden kann. Welche wirkliche Form der binationale Staat in Palästina, der kommen wird und muß, einmal haben wird, das wissen wir nicht. Die Geschichte wiederholt sich selten. Aber im Altertum hatten wir in Palästina den binationalen Staat von der Zeit der Einwanderung bis auf David, 250 Jahre lang. Damals war er regional gegliedert: jüdisch war das Gebirge Juda, das Gebirge Ephraim und das Gebirge Galiläas; kanaanäisch war die Küstenebene, ein breiter Streifen von Ekron bis Jerusalem und das Emelc. Dieser Zustand fand ein Ende dadurch, daß die Kanaanäer schließlich aufgesogen wurden. So entstand das Volk Israel, dessen Nachkommen wir sind, Nachkommen der Israeliten und der Kanaanäer. Was in Zukunft einmal die Lösung sein wird, ob Regionaiismus (wozu Ansätze da sind), ob Aufsaugung׳ des schwächeren Volkes, das kümmert uns heute nicht. Die Aufgabe des nächsten Menschenalters heißt: der binationale Staat in Palästina. Alles übrige überlassen wir getrost unseren Enkeln. Von der Universität Jerusalem. Am 23. Dezember fand in der großen Halle der Hebräischen Universitäts-Bibliothek die Immatrikulation von 100 neuen Studenten statt. Der Kanzler der Universität, Dr. J. L. Magnes, berichtete über die zur Verteilung gelangenden Stipendien und teilte die Resultate der ersten Teuprüfungen mit, die im November abgchalten worden waren. Die ersten akademischen Grade werden nach Ablauf eines weiteren Studienjahres verliehen werden. An den Universitäts-Vorlesungen nehmen jetzt 204 Studenten teil, von denen 85 ihre Mittelschulbildung an palästinensischen Schulen genossen haben. Die übrigen Studenten entstammen 17 verschiedenen Herkunftsländern. Von den Studenten haben 46 bereits anderwärts akademische Grade errangen oder waren in andern Universitäten immatrikuliert gewesen. Das Lord Plumer-Stipendium für das Studium der Probleme der Volksgesundneit ist Herrn Dr. Mark Lipschütz aus Deutschland zuerkannt worden. Er wird sich mit Fragen der Blut- und Atemdynamik bei den verschiedenen Bevölberungsgruppen in Palästina beschäftigen. (Ziko) ״Schule der Jüdischen Jugend“ In der dritten Dezemberwoche beendete die ״Schule der Jüdischen Jugend“ — eine aus freiem Antrieb der Jugend zur Förderung ihrer jüdischen Bildung geschaffene Institution — die Arbeit des Herbsttrimesters 1930 und damit das zweite Jahr ihrer Tätigkeit. Erfreulicherweise war dieses Trimester durch einen großen zahlenmäßigen Aufschwung der Schule gekennzeichnet. Der Arbeitsplan enthielt im ganzen 24 Kurse und Arbeitsgemeinschaften, von denen 11 Hebräisch-Kurse und 13 allgemeine Kurse waren. Zu diesen Kursen waren 396 Teilnehmer und Teilnehmerinnen angemeldet und zwar 126 zu den 11 Hebräisch-Kursen und 270 zu den 14 allgemeinen Kursen. Nach ihrer Gruppenzugehörigkeit verteilen sich diese 396 Teilnehmer wie folgt: Kameraden 90, Kadima 61, J. J. W. B. Brith Haolim 27, Arbeitskreis jüdischer Jugendgruppen 17, Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft 10, Bar Kochba 7, Ju- Hechaluz, Haschomer Hazair, K. C. ״Veas“, Hagibor, Jüdischer Schülerbund, Wizogruppe je 1. Bei den übrigen 156 Teilnehmern ist die Gruppenzugehörigkeit entweder nicht bekannt geworden, oder, beim weitaus größeren Teil, die Nicht- Zugehörigkeit zu irgendeiner Gruppe ausdrücklich testgestellt. Neben den fortlaufenden Kursen haben während des Trimesters mehrere Sonderveranstaltungen stattgefunden, die zum Teil nur für Angehörige der Schule, zum andern Teil für eine breitere Oeiientlichkeit bestimmt waren. In der allgemein zugänglichen Eröffnungsveranstaltung am 18. Oktober sprach Dr. Gustav Kroianker vor mehr als 303 Zuhörern über seine ״Reise nach Polen“. Ferner erörterte in einer nur für Schulangehörige zugänglichen Freitagabend-Veranstaltung am 24. Oktober Martin Buber ״Wege zur Bibel“. In einer Versammlung der Schulgemeinde verabschiedete sich am 13, November der zeitweilige Leiter der Schule, Dr. Max Mayer, vor seiner Uebersiedlung nach Palästina mit einer Darstellung seines jüdischen Entwicklungsganges als eines für seine Generation typischen. Schließlich gab am 17. November Dr. Georg Landauer eine analytische Darstellung der durch Veröffentlichung des englischen Weißbuches erzeugten neuen Situa* tiou in der Palästinapolitik. Als Leiter von Kursen und Arbeitsgemeinschaften waren*' Int Laufe des Herbsttrimesters tätig: Hermann Bones, Josef Braslavvski, Jizchak Efrati, Dr. Carl Frankenstein, Hermann Gerson, Dr. Georg Landauer, Dr. Hans Lewy, Erwin Loewenson, Dr. Walter Mecklenburg, Rabb. Dr. Prinz, Annie Sborowitz-Herzfeld, Dr. Ernst Heinrich Seligsohn, Dr. Moritz Spitzer, Dr. J. N. Steinberg, Chemia Winawer. Einzelreferate im Rahmen des Zyklus ״Die Jüdische Jugendbewegung in Selbstdarstellungen“ wurden gehalten von Hans Jakob (Arbeitskreis jüdischer Jugendgruppen), Alfred Korn (Bar Kochba hazair), wolfgang Orbach (Brith Haolim), Wolfgang Lewy (Zophim). Das erste Trimester 1931 wird in der dritten Januarwoche eröffnet. Ein ausführlicher Arbeitsplan ist im Druck und wird von der zweiten Januarwoche ab in allen jüdischen Buchhand־ lungen, an den Theaterkassen Hermann Tietz, Alexanderplatz, Leipziger Straße, Frankfurter Allee, Kaufhaus des Westens und in der Geschäftsstelle unentgeltlich zu haben sein. Auskünfte erteilt und Anmeldungen nimmt entgegen die Geschaftsstelle der ״Schule der Jüdischen Jugend“, N. 24, Oranienburger Straße 29, Tel. Sammelnummer Weidendamm D2 5921, 9—4 Uhr. Moazah des deutschen Hechalnz Vom 20.—22. Dezember 1930 fand in Berlin die Moazah des deutschen Hechältiz statt Es nahmen an ihr Chawerim aus den Hachscharahgruppen in Bärenklau, Wolzig und Spreenhagen b. Berlin, Ludwigshorst und Georgsthai/Westpreußen, Hennigsdorf und Groß-Breesen b. Breslau, Nürnberg, Mädchensiedlung Trittau b. Hamburg, Vertreter der Chaluzheime Pankow und Leipzig und Vertreter der zionisti* sehen Jugendbünde teil. Der erste Tag der Moazah war der Besprechung der Hachscharah- Fragen gewidmet Fast sämtliche Chawerim betonten die Wichtigkeit der Ausbildung in Bauern- Zentren und bedauerten, daß durch die objektive Lage sich alle landwirtschaftlichen Hachscharahgruppen auf Gütern befinden. Es wurde vor allem eine Bessere Ausbildung der Chaweroth (Hauswirtschaft, Geflügelzucht, Milchwirtschaft) gefordert. Es kam die Besorgnis zum Ausdruck, daß der Hechaluz nicht genügend Ausbildungsstätten für die jetzt in größerer Zahl zur Hachscharah kommenden Menschen finden wird. Alle Chawerim einigten sich auf die besondere Bedeutung des Kibbuz in der Hachscharah, kritisierten aber verschiedene Seiten der Kibbuzim. Es wurde vielfach die Meinung betont, daß ein zu kleiner Kibbuz das innere Leben der Gruppe erschwert und eine produktive Kulturarbeit nicht ermöglicht. Bei der Besprechung der T a r b u t h - Fragen wurde der große Fortschritt der Chawerim in der hebräischen Arbeit testgestellt Eine Anzahl von Chawerim sprechen hebräisch und alle in der Hachscharah befindlichen Chawerim erlernen die Sprache. Der Inhalt des kulturellen Lebens in den Chaluz- .. ' " “ " ' ’ ‘ zionistische Probleme besprochen. Die Chawerim stellten fest, daß in der Tarbutharbeit eine Systematisierung eingetreten ist, beklagten sich aber über die Beschränkung dieser Arbeit durch die finanziellen Schwierigkeiten des Hechaluz. Der letzte Teil der Tagung wurde den Problemen der chaluzischen Jugendbewegung gewidmet. Man zeigte die vergrößerten Möglichkeiten der Chaluziuth in den Kreisen der westjüdischen Jugend auf. Die Chawerim äußerten die Meinung, daß es für die weitere Entwicklung der deutschen Chaiuzim in Palästina wichtig ist, daß sich die westjüdischen Elemente von den ostjüdischen nicht absondern. Es wurde schließlich auf die Fragen der Propaganda des Haschomer Hazair in Deutschland eingegangen. Die Moazah vertrat die Ansicht, daß eine Gründung eines von außen kommenden neuen zionistisch-sozialistischen Jugendbundes der erzieherischen Arbeit des Hechaluz abträgig ist. Die durch den Haschomer Hazair betonten politischen Unterschiede zwischen ihm und der überwiegenden Mehrheit der Arbeiterbewegung in Palästina, die nach seiner Meinung ״reformistisch“ und ״klassenversöhnlich“ ist, ruft ein Mißtrauen gegenüber der Histadruth hervor. Die Moa* zah war der Meinung, daß eine Gründung des Haschomer Hazair in Deutschland die chaluzische Jugendbewegung zu unnützen inneren Kämpfen führen wird. EMe Chawerim bedauerten überhaupt die Spaltung in der zionistisch-sozialistischen Jjugendbewegung in osteuropäischen Ländern, die keine objektive Berechtigung hat. Sie betonten, daß die Uebertragung der Spaltung nach Deutschland mit allen Kräften vermieden werden soll. Anschließend an die Moazah des Hechaluz fand ein siebentägiges Seminar des Hechaluz in Lehnitz b. Berlin statt, an dem 80—100 Chawerim teilnahmen. Am 30. Dezember ist in Leningrad der Oberrab&iner Rabbi David Tewel Katzeneilenbogen im Alter von 81 Jahren gestorben. Er war einer der bedeutendsten Talmuaisten und angesehensten Rabbiner unserer Zeit.

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