Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 582 J U ED! SCH E RUNDSCHAU Nr. 88, 7. XI. 1930 unseres Tuns zu gelten haben. Ich weiß, die Judenheit ist im Innern von der Entwicklung der Dinge getroffen. Es ist verständlich, daß wir unser Herz sprechen lassen; aber das, was wir jetzt tun müssen, ist, uns zu überlegen, welche Politik wir einzuschlagen haben, und wenn auch alle großen Gedanken aus dem Herzen kommen, so muß für ihre Ausfiih rangen der Verstand maßgebend sein. Und beginnen sollten wir damit, Einkehr bei uns selbst zu halten und uns zu fragen: was haben wir falsch gemacht, was können wir besser machen und zu geloben, wir wollen es besser machen! (Lebhafter Beifall.) ' Dr. Adolf Friedemanns Nach meiner Ueberzeugung sind es zwei Gründe, die diese ernste Situation auf uns herabbeschworen haben, der eine Grund war das Beamtentum in Palästina und der zweite Punkt die allgemeine Weltlage, die seit dem Kriege immer schwieriger ist. Die britische Regierung hat seinerzeit die Verpflichtung der Balfour-Deklaration übernommen, weil sie uns brauchte und um die amerrkanisthen Juden für sich zu gewinnen. Situationen ändern sich aber, und wenn man klug ist, paßt man sich an. Ob wir das immer getan haben, ist eine Frage, die hier nicht erörtert werden soll. Nach meinem Gefühl haben wir ziemlich viel politisch gesündigt. Jedenfalls steht fest: das Beamtentum in Palästina, das heute durchschnittlich für die Araber cintritt, ist leider wenig glücklich von uns behandelt worden. Aber das allein erklärt nicht, warum die britische Regierung in diesem Moment einen Weg geht, der sie nicht nur mit den Juden, sondern auch mit den Arabern in Konflikt bringen muß, und daß sie ihn in einer Form geht, die man bei ihr nicht gewohnt war. Dafür habe ich noch keine Erklärung, und es ist die Sache der Jewish Agency, nachzuforschen, was bewirkt hat, daß man in dieser Form vorgeht, die die Juden verbittert, die Araber nicht befriedigt, wie Lloyd George mit Recht gesagt hat. Und doch haben wir auch in diesem tragischen Augenblick und man soll die Bedeutung der Regierungserklärung nicht unterschätzen — etwas gewonnen: Wir sehen, daß sich in der englischen Nation ein kolossaler Widersprach regt und auch sonst in der unabhängigen anständigen christlichen Meinung. Baldwin, Smuts, Churchill haben in der energischsten Form an das Gewissen der Nation appelliert und sie sprechen von Ehrenwortbruch. Sie haben sich damit auf eine andere Politik festgelegt, und ich bin überzeugt, daß, wenn dieses Ministerium fällt — es lebt ja heute davon, daß die beiden anderen Parteien die Regierung nicht übernehmen wollen, sie sagen, die Labour Party soll mit den Arbeitslosen fertig werden — die nächste Regierung uns günstiger sein wird. Freilich soll man sich nicht einbilden, daß sie einfach abschaffen werden, was die Labour Party geschaffen hat, aber sie werden wesentliche Erleichterungen geben und das Prinzip, das für uns ist, stärker unterstreichen. Zwei Dinge sind erforderlich: wir müssen alle Wege ausfindig machen, die uns politisch nützen können, und wir müssen uns fragen, was wir selbst in diesem Augenblick zu tun haben und was unsere Verpflichtung ist. Ich habe in diesen Tagen schon drei- oder viermal gehört: ist es nicht klüger, jetzt abzuwarten usw.? Eine Argumentation, die nach meinem Gefühl höchst absonderlich ist. Ich bir. kein Freund von Katastrophentheorien, ich glaube auch nicht, daß wir den Engländern damit imponieren würden, wenn wir jetzt sozusagen in den Streik treten; dagegen weiß ich, daß wir alles riskieren würden, wenn wir jetzt aufhören würden, denn die erste Folge könnte und müßte große Arbeitslosigkeit in Palästina sein. Dazu käme die Erbitterung der Menschen, die sich auf unser Ehrenwort hin in Palästina niedergelassen haben, es Wäre ein Ruin für die Siedlungen, ein Abschneiden aller Zukunftshoffnungen. ־ ־ Wir haben auch heute noch in Palästina große Möglichkeiten, nicht nur die 5009 Familien, die noch auf unseren Böden anzusiedeln sind, sondern der ganze Ausbau der Pflanzungen, Konsolidierung in landwirtschaftlicher und industrieller Kolonisation; auch sonst ist im Land noch eine Menge zu schaffen, und bei der Endentscheidung werden wir genau so viel Erfolge haben, wie wir selber Leistungen aufzuweisen haben. Auf der politischen Wagschale wird heute nach der Zahl der Menschen gewogen, die wir heute im Lande haben, nach dem gegenwärtigen Stande. Das muß uns eine Lehre sein. Es gibt nur eine Antwort, und das ist die äußerste Kräfteanspannung. Jeder, der aus unseren Reihen weggeht, ist ein Deserteur. Er verläßt uns in einem Augenblick, wo die Fahne gefährdet ist. Neue Kräfte müssen geworben werden, wir müssen zeigen: ein Volk, das nicht sterben will, stirbt nicht; nur wer sich selber aufgibt, geht unter. (Lebhafter Beifall.) Rechtsanwalt Dr. Horovitz: Ich glaube nicht, daß die Konservativen und Liberalen um Palästinas willen der Arbeiter- Partei entscheidende Schwierigkeiten machen werden. Liegt nicht vielleicht ein Verschulden bei uns in der Art der Führung der Geschäfte, wie sie bisher gezeigt worden ist? Vielleicht müssen ganz veränderte Methoden eingeschlagen werden, die freilich nicht darin bestehen können, englischen Waren den Boykott zu erklären usw., wohl aber in der Herstellung direkter Beziehungen zu den Arabern. Es ist schon vor zehn Jahren von einem Sachkenner gesagt worden: Verlassen Sie sich nicht auf die Balfour-Deklaration! Damals hat man darüber gelichelt. Aber es ist leider nichts geschehen, um ein selbständiges Verhältnis zu den Arabern zu finden, Und als man nach den Unruhen von Frankfurt aus die Anregung nach Berlin gab, ein Verhältnis zu den Arabern zu finden, lautete die Antwort, wir wollen erst einmal abwarten, wie der Bericht der englischen Regierung ausfällt. Man kann aber nun einmal nicht über die Tatsache hinwegsehen, daß eine vierfache Zahl von Arabern den Juden gegenübersteht. Können wir, wenn wir allgemeine Menschheitsrechte für uns fordern, unsererseits sie mißachten? Es ist auch heute noch .1: zu spät. Abgesehen davon, daß man solche Wege ausfindig machen muß, um zu sehen, was in gemeinsamer Gestaltung erreicht werden kann, sollen wir wieder einmal lernen: wir können nur auf uns selbst vertrauen, und in einem solchen Augenblick ist cs notwendig, daß alle, auch mit der Tat, sich dem Palas ergeben. Dr. Franz Wolf: Die bisherigen Redner haben die gegenwärtige Palästina-Politik besprochen und gewiß war die heutige Diskussion notwendig, wir dürfen aber auch den ursprünglichen Zweck dieser Zusammenkunft nicht gänzlich in den Hintergrund treten lassen. Die praktische unmittelbare Arbeit für die Aufgaben der Agency in unserem Bezirk soll nicht hinter der Diskussion über die grundsätzliche Politik zurückstehen, und ich glaube, es ist notwendig, daß wir uns heute darüber klar werden, daß in den nächsten Monaten die praktische Arbeit für die Mittel, die das Palästina-Werk benötigt, einsetzen muß. Die Jewish Agency und der durch die Gründung der Jewish Agency auf eine neue Basis gestellte Keren Hajessod haben bisher erst ungefähr 15 Monate hinter sich, gewiß eine kurze Zeit für die Entwicklung einer neuen Tätigkeit, besonders, da diese Zeit von besonderen Schwierigkeiten erfüllt war, aber trotzdem müssen wir mit der Schaffung angemessener Methoden rascher vorankommen. Eine Aufgabe, wie die Aufbringung der Mittel für Palästina, kann nur dann durchgefiihrt werden, wenn die Reichweite und die intensive Arbeit der beamteten Organe verstärkt und vervielfacht wird durch freiwillige Helfer. Ich glaube nicht, irgend jemand zu nahe zu treten: bisher ist in unserem Bezirk davon wenig zu spüren. Es gibt einige wenige Menschen. die hier tun, soviel wie man ihnen zumuten kann. Aber ich glaube, es gibt viele, die sich mehr zumuten können. In dieser täglichen Kleinarbeit ist viel zu erreichen durch Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit der Mitarbeiter. Daher möaite ich Vorschlägen, auch diese freiwillige Mitarbeit etwas fester zu organisieren, und zwar 80, daß sich an den einzelnen Orten unseres Bezirkes Persönlichkeiten finden, die sich verpflichten, für die Arbeit der Agency und des Keren Hajessod mit aller Kraft zur Verfügung zu stehen, so daß die Organisation in Frankfurt und in Berlin jederzeit weiß, daß sie ganz bestimmt mit diesen Vertrauensleuten rechnen kann: eine Anfrage wird prompt erledigt, es wird von diesen Menschen aus dafür gesorgt, daß in jedem Jahr ein Arbeitsplan festgesetzt und verwirklicht wird und daß die aufzubringenden Gelder tatsächlich gezahlt werden. Es wird nicht alles der Organisation allein überlassen. Wir könnten vielleicht diese Organisation so schaffen, daß wir einen Bezirksausschuß einsetzen, einen Ausschuß der Mitarbeiter der Jewish Agency und des Keren Haiessod in dem Bezirk, der von Frankfurt aus betreut werden kann, einen Ausschuß, der vielleicht schon im Laufe des heuti- DIE ANTWORT DES KEREN HAJESSOD FORTFÜHRUNG OES AUFBAUWERKES! DAHER VERSTÄRKTE WERBEARBEIT! GESTEIGERTE OPFERBEREITSCHAFT! ERFORDERLICH SIND ÜBERWEISUNG DER BEITRÄGE FÜR 1930 « NEUZEICHNUNG 5691 (1930/31) »SONDERSPENDEN gen Tages in Form eines Rumpfausschusses zusammentreten könnte und beschließen könnte, in welcher Weise wir m den nächsten fdonafen Arbeit z# lösten habstsa׳. Ich möchte glauben, daß in den nächsten 4 Wochen an jedem Orte unseres Bezirks eine Aussprache über die gegenwärtige Lage der Palästin aarbeit, die die Menschen auf klären soll, über die Situation und ihre Konsequenzen, stattfinden sollte. Es wird von den örtlichen Verhältnissen abhängen, ob sich an eine solche Veranstaltung eine offizielle Werbetätigkeit anschließen kann oder nicht. Ist das im Augenblick nicht zweckmäßig, so muß eben nach ein paar Wochen eine neue Veranstaltung stattfinden, die die Basis liefert für die Aufbringung der Mittel. Man darf sich nicht darauf beschränken, einmalige Beträge entgegenzunehmen, sondern das System der regelmäßigen Zeichnung muß aufrechterhalten bleiben. Es muß Aufgabe der Vertrauensleute der Jewish Agency sein, darauf zu achten, daß diese Zeichnungen erfolgen, und daß die Gelder auch eingehen. Damit hätten wir ein praktisches Programm für 4—5 Monate aufgestellt, und es müßte der Ehrgeiz der Damen und Herren sein, die sich dieser Arbeit annehmen wollen, sie auch in dieser Zeit zu leisten. Soweit das Frankfurter Sekretariat bei dieser Arbeit Unters'ützung leisten kann, wird es helfen, in der Hoffnung, von draußen ein Echo zu finden. Kurt Blumenfeld: Es hängt vieles von dem ab, was in Deutschland geschieht. Die deutschen Juden haben manchmal das Gefühl, sie haben keinen entscheidenden Einfluß, ihre Bedeutung im Weltjudentum sei gesunken. In Wahrheit liegt es anders. Es ist noch immer von Wichtigkeit, wie wir uns verhalten, und im Moment, wo wir eine Antwort geben, geht eine starke Wirkung davon aus. Ist es eine richtige Antwort, so hat sie eine Wirkung auf alle Länder, genau wie es auf uns wirkt, wie die Jewish Agency in allen Teilen reagiert. Politische Proteste haben nur einen Sinn verbunden mit einer wirkliehen Entfaltung neuer jüdischer Wirtschaft. In Palästina vielleicht noch mehr als in irgendeinem anderen Land ist die Wirtschaft stärker als die Politik. Wir haben schon viele Krisen gehabt, die wir alle vergessen haben, weil es immer wieder bergauf ging. Die Arbeit, wie sie Dr, Wolf vorgeschiagen hat, wird Anteil haben an der Vorbereitung der Judenheit für neue Fortschritte, sie ist der richtige Weg, um eine Stimmung für den Palästinaaufbau zu erzeugen. Wir haben Anlaß genug, in voller Wahrheit sagen zu können, daß das, was da ist, groß ist, und eine Verstärkung dieses Lebens in Palästina ist der einzige echte Weg, um eine wirkliche Verbesserung herbem!- führen. Direktor Behrend (Aschaffenburg): Es war für uns wohltuend, gerade aus dem Munde von Herrn Direktor Wassermann zu hören, daß die Jewish Agency nicht daran denkt, irgendwie in ihrer Arbeit nachzulassen. Es war gerade in diesen Tagen, wo die Erklärung der englischen Regierung so schmerzlich auf uns gewirkt hat, erfreulich zu sehen, was solche Kreise empfinden wie die, denen unser Rabbiner Dr. Breuer angehört, der zum Ausdruck brachte, wie ungeheuerlich diese Erklärung für das Judentum sei, ein Mann, der der zionistischen Bewegung sonst wenig sympathisch gegenüberstand. Ich möchte bitten, daß die Herren aus Frankfurt und Berlin sich nicht scheuen sollen, auch in die kleinen Städte zu gehen, auch wenn es nur 20 Menschen sind, die sich dort um sie scharen; dafür werden diese mehr Zeit zur Mitarbeit haben und nicht so abgelenkt sein wie die Menschen in der Großstadt. Direktor Oscar Wassermann: Herr R.-A. Horovitz hat von der Beeinflussung der Araber gesprochen, dies ist aber an der Klagemauersache vorläufig gescheitert Dennoch handelt es sich in der Tat darum, das Araberproblem, wo gewiß manches versäumt ist, mehr in den Kreis unserer Politik zu ziehen. Aber heute ist das wichtigste zu zeigen, daß wir nicht nur gewillt, sondern auch befähigt sind, über Schwierigkeiten Herr zu werden, und dazu müssen wir die materiellen Mittel haben. Wir müssen der Welt, der englischen Regierung und dem Judentum zeigen, was wir wollen und was wir können. Es geht uns in Deutschland schlecht und ich muß offen gestehen, ich habe Bedenken gehabt, ob man eine größere Aktion vertreten kann in dieser wirtschaftlich schlechten Zeit, wo die Nöte der eigenen Gemeinden an uns herantreten, ob man es verantworten kann, sich in verstärktem Maße an der Palästinaarbeit zu beteiligen. Wir müssen es uns heute selbst zumuten, daher begrüße ich die Anregung des Herrn Dr. Wolf mit großer Freude. Wir können nur vorankommen, wenn die Zeichnungen des Keren Hajessod nicht abnehmen, sondern zunehmen und damit die Opferwilligkeit der Juden, und wenn das ge- Schicht, können wir auch in aller Zuversicht in die Zukunft sehen. Ich habe zu Beginn gesagt, wir sind ein altes Volk. Wir sind auch immer ein geistiges Volk gewesen. Leider Ist von all der geistigen Arbeit der Vorzeit uns nur die Bibel übriggeblieben, wenn wir sie zu lesen verstehen, so erkennen wir, daß alle Probleme auch schon früher von uns überwunden sind. Ich brauche Sie nur zu erinnern an die Zeit, als der zweite Tempel errichtet wurde. Als Gott die Geschicke Zions zum Guten wandte, da 1 ahmen wir es wie einen Traum hin. Endlich werden wir jubilieren können, dachten wir im Traum, endlich können wir Siegeshymnen singen. Endlich wird man in der Welt sagen: Seht, wie Großes Gott diesem Volk, wie Augenfälliges er diesem Volk erwiesen hat. Ja, Großes hat uns Gott erwiesen, und wir haben uns gefreut. Es war ein Traum. Gott hat die Wendung Zions nicht so gebracht, wie wir geträumt haben. Die Ernte ist uns nicht in den Schoß gefallen. Nur wer in Tränen gesät, nur wer in Kummer und Sorge die Aussaat besorgt hat, der hat in Jubel ernten können. In Trinen, Sorge und Kummer müssen wir an die Arbeit gehen, dann werden wir den Erfolg haben. Wenn wir glauben, wir brauchen nur eine Balfour-Deklaration oder eine günstige Einstellung der englischen Regierung und w i r brauchen nichts zu tun, dann wird es immer wieder Rückschläge geben. Palästina müssen w i r aufbauen, wir allein. (Stürmischer Beifall.) Justizrat Blau: Ich schlage Ihnen vor, daß die Konferenz folgendes Telegramm an den Waad Leumi in Jerusalem richtet: ״Die am 26. Oktober in Frankfurt abgehaltene Bezirkstagung der Jewish Agency und des Keren Hajessod grüßt ln brüderlicher Verbundenheit den ganzen Jischuw und gelobt im festen Vertrauen auf den unaufhaltsamen Fortschritt unserer gemeinsamen Sache trotz aller Schwierigkeiten, die ihr in den Weg gelegt werden, hingebungsvolle Mitarbeit.“ (Lebhafter Beifall) Mein zweiter Antrag lautet: ״Die am 26. Oktober abgehaltene Bezirkskonferenz der Jewish Agency gibt einmütig ihrer festen Entschlossenheit Ausdruck, trotz der tiefen Enttäuschung, die die englische Regierungserklärung für alle Freunde des Palästinawerks bedeutet, die Arbeit unbeirrt und mit verstärkter Energie fortzusetzen. Die Bezirkskonferenz appelliert an alle Freunde des Palästinawerks, durch erhöhte Werbearbeit und gesteigerte persönliche Opferwilligkeit für den Keren Hajessod die Antwort zu geben, die der Augenblick von uns erwartet. Die Bezirkskonferenz beschließt, einen ,Arbeitsausschuß der Jewish Agency für den Bezirk Südwestdeutschland‘ ins Leben zu rufen und beauftragt die Leitung der Konferenz, die nötigen Schritte zu tun, damit dieser Ausschuß schnellstens konstituiert wird.“ Es erhebt sich kein Widerspruch, der Antrag ist angenommen. — Wir sind nun am Ende unserer Tagung. Ich will mir nicht erlauben, zu mahnen, aber eines möchte ich doch sagen: nach den Protesten und nach den Beweisen tiefer brüderlicher Verbundenheit mit der Judenheit Palästinas ist es Zelt, daß man aufhört zu reden. Taten müssen folgen, aber die Taten werden um so größer sein, wenn sie schweigend getan werden. Es hat wenig Sinn, über Vergangenes zu reden. Es hat nur Sinn, für die Zukunft zu arbeiten! (Lebhafter Beifall.) Im Anschluß an die Bezirkskonferenz fand nachmittags eine Teeveranstal tung statt,יzu der die Keren Hajessod-Zahler des Bezirkes eingeladen waren. Kurt Bluinenfeld berichtete anschaulich und eindrucksvoll über seine letzte Palästinareise. Abends sprachen DirU..jr Oscar Wassermann und Dr. Adolf Friedemann in einer Zirkelveranstaltung des Keren Hajessod, zu der Herr und Frau Dr. Arthur Kauftmann Einladungen haften ergehen lassen. Keren Haiessod-Veranstaltong in Kassel Sonntag, den 2. November, hatte der K. H. eine große Anzahl seiner Freunde und derer, die er als Freunde zu gewinnen hofft, zu einem Tceobend eingeladen. Herr Polizei- Präsident Hohenstein, Mitglied des Komitees Pro Palästina, begrüßte die Versammlung. Zwei Ereignisse, so führte er aus, haben uns in diesen Wochen aufs Tiefst« betroffen: die Reichstagswahlen, mit ihrem Ausfall zugunsten der antisemitischen Front, und auf der anderen Seite, Palästina betreffend, und damit zugleich unser jüdisches Dasein, die Erklärung der englischen Regierung über ihre Palästinapolitik. Auf dieses Doppelthema ging dann der Referent des Abends, Herr Ministerialdirektor Badt, in einem großangelegten Vortrag ein,- der die Zuhörer von Anfang bis Ende ungemein fesselte. Die Reichstagswahlen hätten das Gute gehabt, daß sie die Juden in ihrer großen Mehrheit endlich einmal aufgerüttelt, ihnen die Existenz der Judenfrage mit aller Schärfe und die Unhaltbarkeit der bisherigen Methoden verdeutlicht hätten. Diese Methoden kennzeichneten sich als unzulängliche Versuche, sich anzugleichen, seine Loyalität, seine gute Gesinnung zu beweisen. Nicht auf die Gesinnung oder gar ihre Beteuerung komme es an, sondern auf die Tat, auf die Leistung, und zwar für uns auf jüdische Leistung. Solche aber ist in der Galuth zu unvollkommen, wenn nicht unmöglich, sie geht in der Galuth für uns verloren, wir brauchen Möglichkeit zur Leistung, zur Entfaltung unserer natürlichen Anlagen und schöpferischen Kräfte, und wo ist diese Möglichkeit gegeben, wenn nicht in Palästina und der Anteilnahme eines jeden von uns an dem dort erblühenden Werk der Tchiah des Judentums. Es ist hier nicht der Raum, auf alle Einzelheiten des von echter Ergriffenheit und tiefem jüdischen Wissen zeugenden Vortrags einzugehen, auf geistvolle Parallelen zur jüdischen Situation zur Dreyfuß-Zeit, zum revolutionären Erleben Herzls, u. a. Die Wirkung des Vortrags erhellt am besten daraus, daß er zu einer in freundschaftlichem Geiste gehaltenen, lebhaften Aussprache führte, die sich bis nach Mitternacht hinzog. An ihr beteiligten sich die Herren Dr. B a u m a n n vom Initiativkomitee der Agency, Dr. Oppenheim und Mosbacher von liberaler, Dr. Kugelmann, Dr. Pey se r, Dr. R o - senzweig von zionistischer, und Rabb. Dr. Baßfreund von orthodoxer Seite. Mit Worten des Dankes schloß Präsident Hohenstein die Veranstaltung, von der wir nun, im An- Schluß an eine Besuchsarbeit, zu der sich eine Anzahl auch älterer Zionisten verpflichtet haben, gute finanzielle Erfolge für den Keren Hajessod erhoffen. Und dies ist das Notwendigste^ gerade jetzt! Dr. W. K.