Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-12-13 · Heft 98 (13.12.1929) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

10 hits for “Palästina” · 15 entity mentions

Mte 660 JOEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 08, 13. XU. 1920 Ein zionistischer Abend in Schückings Institut für internationales Recht. (Von unserem BcriJücrstatter.) Kiel, 11. Dezember. Am ID. Dezember sprach Kurt Blumenfeld hier in einem Vortrage des Instituts für internationales Recht unter Leitung von Professor Schücking, Mitglied des Deut• sehen Komitees Pro Palästina, im großen Saal des Welt• wirtschaftlichen Instituts über ״Probleme des Palästinamandats“. Die Zuhörer waren in der Mehrheit Nichtjuden: Professoren, Assistenten und Studenten der Universität, ferner der Präsident des Oberlandesgerichts und eine Reihe Richter und höherer Verwaltungsbeamten. Dazu waren ferner aus der hiesigen Oemeinde die wichtigsten Personen eingeladen und erschienen. In einer einleitenden Ansprache wies Schücking auf die Eigenart des Palästinamandats hin: Hier handelt es sich nicht nur um ein Mandat im üblichen Sinne, sondern in dies Palästinamandat ist ein ganz eigenartiger kolonisatorischer Versuch verwoben; einem Volke des überfüllten Europa wird das Recht zur Erschließung eines bisher unentwickelten Gebiets gegeben und dabei die Möglichkeit der Erhaltung nationaler Eigenart für die Dauer garantiert. Dazu kommt ferner die Besonderheit des Kolonisationsfaktors, nämlich die über die Welt zerstreute Judenheit, deren Vertretung als Jewish Agency Völkerrechtlich anerkannt ist; sie ist ein ganz eigenartiges Völkerrechtliches Rechtsubjekt. Blumenfeld ging aus von der Judenfrage. Außer der subjektiven Judenfrage des einzelnen Individmms besteht, besonders in den Ländern jüdischer Massensiedlung, die objektive Judenfrage in der besonderen wirtschaftlichen und soziologisehen Situation der Juden und ihrer allmählichen Freisetzung durch das Wirtsvolk. Das jüdische Volk braucht eine Aendertrng seiner einseitigen Berufsstruktur und ein Gebiet, in dem es eine auf der Basis breiter jüdischer Bauernschaft aufgebaute eigene Wirtschaft errichten kann. Dazu kommt das schon aus der Bibel fühlbare uralte und nie erloschene Streben nach Rückkehr in die alte Heimat. Des weiteren besprach Blumenfeld die englische Palästina- Politik und ihre irrationale Wurzel in Bibel und Christentum, und skizzierte die chronologische Entwicklung, die schließlich zu ßalfour-Deklaration und Mandat führte; er erläuterte dann die wichtigsten Mandatsbestimmungen. Zum Schluß besprach er die letzten Ereignisse, das Klagemauerproblem und die Frage eines jüdisch-arabischen Zusammenlebens. Dafür muß und wird eine Lösung gefunden werden: Kdns der Völker will das andere vertreiben oder steh assimilieren; es kommt aber darauf an, die akute Gefahrenquelle zu beseitigen und für die religiöse Streitfrage, die sich an Tempelmauer und Omar-Moschee knüpft, durch endliche Verwirklichung der einschlägigen Mandats- Bestimmungen eine angemessene Lösung zu finden. Wir — ein heimatloses Volk — wollen wie alle anderen Völker eine Heimat, und zwar in unserem Lande, finden; das ist unserer Rechtstitel, der nicht erschüttert werden kann und mit dem wir unsere bisherigen Erfolge, vor allem die Wiederbelebung unserer Sprache, erzielt haben. Der Eindruck des Vortrages war außerordentlich. Es war das erstemal, daß hier in dieser würdigen Offenheit vor Nicht- Juden die objektive Judenfrage erörtert wurde. Das kam be• sonders auch nachher in einem Beisammensein von etwa zwanzig geladenen Gästen (größtenteils Professoren der Universttit) zum Ausdruck, bei dem Schücking Blumenfeld und unsere Sfche in besonders warmen Worten feierte. Der beste Dank Matten dber itie vielen und interessanten Anfragen, Zu deren Beantwortung man mit Blumenfeld bis 1 Uhr nachts in an» geregtester Geselligkeit beisammen saß. wir danken Blumenfeld, daß er mitten in der Zeit des Wahlkampfs zum Delegiertentag und der innerzionistischen Polemik die Zeit gefunden hat, uns diesen Abend jüdischer Ehre zu schenken. _ Tannenwald. Weitere vier Todesorfeiie bestätigt Von der Tätigkeit der Gerichte. Jerusalem, 9. Dezember. (J. T. A.) Das Jerusalemer Berufungsgericht bestätigte die gegen zwei Araber wegen Ermordung von Rabbi Kastei in Hebron ausgesprochenen Todesurteile. Das Berufungsgericht bestätigte ferner die Todesurteile gegen die zwei Brüder Raneim, die der Ermordüng von Isaac Mamaan in Safed schuldig befunden wurden. Das Gericht verurteilte einen Araber aus Hebron, der am Tage des H eb r on-M assa kers die beiden Brüder Dov und Ariah Chaikel ermordet hat, zu 18 Jahren Zuchthaus. Das gleiche Gericht verurteilte einen Araber, der während des Massakers sich der Plünderung schuldig gemacht hat, zu 18 Monaten Gefängnis. Ein dritter Araber wurde wegen Aufreizung zu Gewalttaten zu 9 Monaten Gefängnis, ein vierter, der am Tage des Massakers bewaffnet aufgegriffen wurde, zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Sämtliche vier Araber haben auf Anraten ihrer Anwälte ein Geständnis abgelegt und kamen aut diese Weise mit milderen Strafen davon. Zwei Juden, die auf Grund der Aussagen eines Arabers aus Lifta und seiner Tochter der Brandstiftung und der Pliinderung angeklagt waren, wurden freigesprochen, nachdem sich vor Gericht ihre vollständige Unschuld herausgestellt hat. Der Araber und seine Tochter wurden von den Freigesprochenen wegen falscher Zeugenaussage und Meineids verklagt. Gegen den arabischen Polizeiboten Abdul Ghadi Tab e k , der das Attentat auf den Oberstaatsanwalt Norman Bentwich verübte, wurde ein Verfahren gemäß Artikel 170 des Strafgesetzes, der eine lebenslängliche Gefängnisstrafe vorsieht, eingeleitet. Gegen den Jaffaer Ciiajim Be rach ja wurde gemäß Artikel 170 des Strafgesetzes Klage erhöhender wird beschultilgt, einem im Zusammenhang mit den Augustunruhen des Mordes angeklagten Juden zur Flucht verholten zu haben. — In Haifa wurden neun Juden, von denen einer über 65 Jalire alt ist, unter der Beschuldigung verhaftet, während der Unruhen auf Araber geschossen zu haben. Sie wurden alle gegen eine Geldbürgschaft aus der Haft entlassen. Wichtige Neuerscheinung über die rechtliche Gestaltung Palästinas. In den nächsten Tagen erscheint in der Schriftenreihe der ״Frankfurter Abhandlungen zum modernen Völkerrecht“ (Herausgeber Professor Dr. Karl Strupp und Professor Dr. Friedrich uiese, Frankfurt/M., Verlag: Universitätsverlag von Noske, Leipzig) ein Buch von Ernst Marcus, das den Titel ״Palästina — Ein werdender Staat“ trägt. Das Buch, das eine Völker- und staatsrechtliche Untersuchung über die rechtliche Gestaltung des Mandatslandes Palästina unter besonderer Berücksichtigung der Nationalen Heimstätte für das jüdische Volk darstellt, nimmt in umfassender Weise zu den rechtlichen Fundamenten der Sonderexistenz Palästinas Steljung und gibt außerdem eine umfassende systematische Erörterung des gesamten Staats- und Verwaltungsrechtes. Vor allem ist auch Wert auf die Behandlung der für unsere Bewegung in Gegenwart und Zukunft aktuellen Rechtsprobleme gelegt, z. B. auf die Fragen der Eingliederung der jüdischen Heimstätte in den palästinensischen Staat der Gegenwart und Zukunft Wir werden auf das Buch nach seinem Erscheinen noch zurückkkommeQ. Knllnsgemcindewalilco in Prag aonlJtert (Von unserem Berichterstatter.) hl. Prag, 8. Dezember 1929. Wir haben bereits seinerzeit in unserem Berichte über den Ausfall der Wahlen in die Kultusgemeinde in Prag der Wahl- Schwindeleien Erwähnung getan, die von gewissen Seiten in Ausnützung der Schwächen der Wahlordnung — die Aus- Übung der Wahl durch Uebertragung ermöglicht — ausgeübt worden waren. 27 Beschwerden liefen gegen die Durchfiihrung der Wahlen ein, darunter ganz ungeheuerliche Anschuldigungen. U. a. wurde von einer Seite der Beweis erbracht, daß 864 Wahliegitimalionen von einem der Austräger nicht ausgetragen und unter der Hand an eine Partei verkauft worden waren. Zur Klärung aller Anschuldigungen wurde durch die Kultusgeraeinderepräsentanz eine von allen Parteien gleichmäßig beschickte Untersuchungskommissi on eingesetzt, die am 7. & M. Bericht erstattete. Die Untersuchung ergab, daß bei den Wahlen an 1000 Stirnmen unrechtsmäßig abgegeben worden waren und aus diesem Grunde schlug die Kommission vor, die Wahlen zu annullieren. Die Sitzung, in der der Bericht der Untersuchungskommissloit zur Behandlung gelangte, verlief äußerst stürmisch, da die tschechischen Assimilanten, die sich durch alle Anschuldigungen hauptsächlich betroffen fühlten, eine Beschlußfassung über die Annullierung unbedingt zu vertundem trachteten. Der Sprecher der Zionisten Dr. Goldstein wies in einer eindringlichen Rede darauf hin, daß es nicht allein um die Schwindeleien gehe, sondern man ähnlichen Vorkommnissen nur durch Einführung eines ordentlichen demokratiseben Wahlsystemes ein für allemal begegnen könne. Die Annullierung der Wahlen wurde daraufhin mit den Stimmen aller Parteien gegen die der Tschechojuden beschlossen. * Unter den Mitgliedern der neuen tschechoslowakischen Regierung befinden sich zwei jüdische Minister: Dr. Meißner (tschechischer Sozialdemokrat) hat das Justizministerium, Dr. Czech (deutscher Sozialdemokrat) das Fürsorgeministerium inne. Im Hinblick auf die Demonstrationen an den Prager Hochschulen für die Einführung eines Numerus clausus für Ausländer nahm in dieser Woche PräsidentMasaryk in entschiedener Weise gegen diese Kundgebungen Stellung. Masaryk wies darauf hin, aaß an einen Ausschluß von Studienenden vom Studium nur in einem Falle überhaupt gedacht werden könne: wenn es sich um unfähige Studenten handle. In allen anderen Fällen ist er gegen jede Art von Beschränkung der Lehr- und Lemfreiheit an den Universitäten. Kleine Nachrichten Am 9. & M. ist Jabotiaskyin Palästina eingetroffen. Vergangenen Montag hat die Stadtverwaltung von Jaffa den Kontrakt bezüglich der Straßenbeleuchtung durch Lux-Lampen abgeschlossen. Damit ist der beschlossene Boykott der Rut enbergschen Elektrizität in Jaffa Tatsache geworden. Senator Justin Godard, ehemaliger Minister im K*־ binett Herriot und Vorsitzender des Komitees ״France-Palestine״ in Paris, der vor einigen Wochen Palästina besucht hat, wird am 16. Dezember in Z ü r i c h und am 18. Dezember in B־a8el l1tt Rahmen #0®^Ker*n MajmotbVeransialtungew über seine Eindrücke aus Palästina sprechen. ״E1 V a r m u k“, das Haifaer Organ des Obersten Moslemischen Rates, wurde wegen Veröffentlichung aufreizender Artikel verboten. Die hebräischen Tageszeitungen ״Haarez“ in Tel-Awiw und ״Doar Hayom“ in Jerusalem erscheinen von jetzt ab zweimal täglich. Vom 1. Dezember ab wurde zufolge einer Mitteilung der Regierung an den Waad Leutni die von der Regierung bisher gewährte Ernährungsbeihilfe an die Flüchtlinge ein gestellt. Die Zahl der Unterstützten war schon seit mehreren Wochen eingeschränkt und zuletzt auf 600 reduziert worden. (Ziko.) Nach einer Mitteilung des Waad Leunxi wird die gesamte Hilfsarbeit für die von den Unruhen Oeschädigten vom 8. Dezember an bei der Exekutive der Jewish Agency konzentriert sein. Auch die von der Hilfskommission des Waad Leumi bisher behandelten Angelegenheiten der dringenden Nothilfe werden künftig von der Exekutive erledigt werden. (Ziko.) Nach einer Mitteilung des ״Felestin“ hat die Arabische Exekutive auf Grund der Zeugenaussage des Chief Secretary Mr. Luke an das Colonial Office telegraphiert, daß die T ot e Meer-Konzession dem Artikel 11 der Mandatsbestimmungen widerspricht und die Regierung die Bestätigung bis nach Beendigung der Arbeit der Untersuchungskommission verschieben möge, (Ziko.) Auf Initiative des zionistischen Büros beim Völkerbund führte die Genfer ״Geographische Gesellschaft“ einer Zuschauerschaft von führenden Persönlichkeiten den neuesten Palästina-Film vor. Der Vorführung wohnten bei der Vorsitzende der Mandatskommission des Völkerbundes Marquis T e o d o 1 i, der Vizeversitzende van Rees, der Direktor der Mandatssektion Catastini u. a. m, ln Haifa wurde vor einigen Tagen ein größerer Bodenkomplex in der Jaffa-Straße in der Nähe des bereits bestehenden Commerciai Centre erworben. Auf den Grundstücken soll für jüdische Kaufleute, die ihre bisherigen Räume im Basar von Haifa verlassen haben, ein Block von Oeschäftshäusern errichtet werden. (Ziko.) Auf den Sonderkorrespondenten der palästinensisdi-hebrä-!'sehen Tageszeitung ״Dawar“, Organ der Arbeiterparteien, Tobios A s chk e n a s i, der einige Tage in Transjordaniens Hauptstadt Aman geweilt und zuerst vom transjordanischen Minister- Präsidenten und dann vom Emir Abdulla empfangen wurde, die sich mit ihm über die arabisch-jüdische Frage unterhielten, wurden, als er den Palast des Emirs verließ, mehrere Schüsse aus dem Hinterhalt abgegeben. Der Korrespondent blieb unverletzt, verließ aber sofort Transjordanien. Julius Rosenwald hat einen Preis von 10000 Dollar und einen Preis von 15000 Dollar für die besten Essays über die Zukunft der amerikanischen Judenheit gestiftet. ״Schakale in Jerusalem“ von M. Y. Ben-Gavriel, der erste moderne Beduinenroman, zugleich ein palästinensischer aktuell politischer Abenteurerroman, dessen Hintergrund einerseits Ibn Saud, der König der Wahhabi, andererseits die ara׳• bisch-jüdischen Gegensätze sind, erscheint soeben in hebräischer Ausgabe jm Abendblatt des ״Haare 7“. Die Vereinigung der Arbeiterparteien Nach einer Mitteilung des gemeinsamen Sekretariats der Parteien ״Achduth Haawodah“ und HapoSl-HazaTr“ findet die Einigungskonferenz der beiden Parteien am 28. Dezember In Tel-Awiw statt. Cbalm Eitingon 70 Jalire alt Am 17. Dezember wird Chaiin Eitingon, der Senior der weit über Leipzig hinaus bekannten Eitingon A.-G., 70 Jahre alt. Vor 40 Jahren kam Chaim Eitingon von Moskau nach Leipzig. Seine damals gegründete Firma gewann in der Rauch- Warenbranche immer steigende Bedeutung. Heute besitzt sie mit ihren zahlreichen internationalen Niederlassungen Weltgeltung. Aber ebenso erfolgreich und ebenso großzügig wie in seinen geschäftlichen Angelegenheiten ist das wirken Chaim Eitingons in jüdischen Dingen gewesen. Aus eigenen Mitteln baute er in Leipzig die größte und schönste Synagoge, mit einem Millionenaufwand stiftete er das Israelitische Krankenhaus, das wohl als das modernste und best eingerichtete der Leipziger Krankenhäuser gilt. Schließlich gründete er eine Gemeinnützige Mittelstandsbank, die kleineren Leuten und Handwerkern Kredite gewährt. — Der Rat der Stadt Leipzig hat in Anerkennung der hier bisher unbekannten Großzügigkeit, mit der Herr Eitingon seine Mittel in aen Dienst der Allgemeinheit stellt, die dem Krankenhaus anliegende Straße ״Eitingon-Straße“ genannt, Herr Eitingon ist Verordneter der Jüdischen Volks- Partei in der Leipziger Jüdischen Gemeinde. Er ist Zionist und ein eifriger Förderer des Palästinawerkes, Gemein• sam mit seinem Schwager Paenson gründete er in Palästina die große Oelfabrik ״Schemen“, welche mehreren hundert jüdischen Arbeitern Beschäftigung gibt. An den günstigen Ergebnissen der Leipziger Keren Haiessod- und Keren Kajemeth- Aktionen hat er durch seine reichen Spenden großen Anteil. Die großen Sympathien, die sich Herr Eitingon erworben hat, kamen erst vor wenigen Tagen beim Heimgang seiner Ehefrau spontan zum Ausdruck, wenn angesichts dieses noch schmerzlichen Verlustes die Jubelfeier Chaim Eitingons nur gedämpfte Formen annehmen kann, so möchten wir doch im Namen zahlreicher in- und ausländischer Gesinnungsgenossen dem Jubilar unsere Gratulationen darbringen und dem Wunsche Ausdruck geben, daß diesem gesegnetem Leben noch viele glückliche Jahre beschieden sein mögen! Eine zweite UnferhaUnng ttber ״Habimah“ In der letzten Woche fand die vom Kreis der ״Freunde der Habimah“ veranstaltete Besprechung über die Probleme des hebräischen Theaters, von der hier ausführlich berichtet worden ist, ihre Fortsetzung im schönen Rahmen des gastlichen Hauses Berthold Israel. Wieder folgte eine große Zahl der jüdischen geistigen Menschen und Künstler Berlins der Einladung, wieder bewährte .,Habimah“ ihre sammelnde Kraft. Arnold Zweig leitete die Aussprache. War bei der ersten Besprechung von der Funktion eines hebräischen Theaters In dieser Zeit ausgegangen worden, in einem allgemeinen Sinne und mit dem Blick auf dk geistige Situation des Judentums, so waren die Erwägungen diesmal überwiegend vom Gesichtspunkt des Theaters selbst und seinen Bedingungen bestimmt. Es wurde der Versuch gemacht, konkrete Vorstellungen über ein wünschenswertes Repertoire zu gewinnen. Die Regiefrage und ferner die Frage, ob eine filmische Produktion der ״Habimah“ wünschenswert sei, kamen nicht mehr 3ur Besprechung, obwohl auch ihre Erörterung beabsichtigt war. Eine einheitliche Meinung konnte auch an diesem Abend nicht herausgebildet werden, aer von neuem die Notwendigkeit und — trotz allem — die Fruchtbarkeit solcher Aussprachen bewies. Der Umfang des Problems ist zu weit, als daß eine oder zwei Diskussionen unter noch so klugen, wohlgesonnenen und berufenen Menschen zu einem abschließenden Ergebnis führen könnten. Denn neben dem ganzen großen Problem der Funktion und angemessene» Form des Theaters in Unserer Zeit des kulturellen Neuwerdens und soziologischen Bruchs enthält das Problem ״Habimah“ noch die besonderen Schwierigkeiten der geistigen und kulturpolitischen Lage des heutigen Judentums und seiner Zersplitterung. Daß alle diese Probleme sich in der Debatte über ״Habimah“ notwendig verflechten, daß etwa die Frage: ״aktuelles“ Theater und Kunst-Theater, ebenso in die Erörterung gezogen werden muß, wie die speziellen Fragen: jüdisches Repertoire oder allgemeines?, Repertoire für die Galuth oder für Palästina?, das gibt den ״Habimah“-Abe11den ihre über den Anlaß hinauswachsende Bedeutung und ihre Fruchtbarkeit. Es wäre also schade, wenn durch den begrüßenswerten und notwendigen Beschluß, einen kleinen Arbeitsausschuß zu bilden, der in Zusammenarbeit mit dem Kollektiv ״Habimah“ ihm konkret mitberatend helfen soll, für die Zukunft die Veranstaltung ähnlicher Abende ausfallen würde. Ueber den Inhalt der oft ins Spezielle und Spezialistische gehenden Aussprache kann in kurzem Rahmen im einzelnen nicht berichtet werden. Es sprachen neben Arnold Zweig;: Rudolf Kayser, Otto Zarek, Ossip Dymow, Karl Adler, Emil Cohn, Sammy Gronemann, Moritz Spitzer, Felix Stössinger, Konrad Mari), Leo Lania und zum Schluß für ״Habimah“ besonders eindrucksvoll Frau Margot Rosner. m—r. Theater Cottbus. Von Emil Bernhard (Dr. E. B. Cohn, früher In Bonn) wurden am 6. Dezember vier Akte ״Der Sprung über das Herz“ im Cottbusser Stadttheater uraufgeführt. Dem Stück liegt der in bürgerlichen Familien unserer Zeit öfter vorhandene weltanschauliche Unterschied zwischen Eltern und Kindern zugrunde, der hier mit aller Schärfe zwischen einer Mutter und ihrer achtzehnjährigen Tochter zum Ausdruck kommt. Während bei dem Vater Owens ein gewisses Verstehen des Jungseins zu bemerken ist, steigert sich bei seiner Frau die Erregung über das Leben ihrer jugendbewegten Tochter, die sich für die Freiheit und gegen das moralische Unterdrücktsein ihrer Altersgenossen einsetzt. Durch eine gelegentliche körperliche Züchtigung bringt sie ihre Mutter vors Gericht ,.Die Sache der Jugend“ ist damit in der breitesten Oeffentlichkeit und die Mutter erhält eine 100-Dollarstrafe, die sie noch dazu aus Erbitterung ״absitzt". Eine Freundin Owens, eine vollkommen unterdrückte Mädchennatur, geht zugrunde. Gwen aber söhnt sich mit ihrem moralischen Siege mit ihrer Mutter, die bis hierher hart blieb, wieder aus. Beide haben ihren ״Sprung über ihr eigenes Herz“ bereut. — Der Dialog weist viele Stellen starker Lebenswahrheit auf; einige szenische Schwächen tun dem guten Gesamtrindruck kaum Abbruch, und so durfte der Verfasser mit seinen Hauptdarstellern wohlverdienten Beifall mit nach Hause nehmen. Hafco. Renaissance - Theater. Offenbachs ״Pariser Leben‘ bietet In der Neu-Einstudierung Dir. Gustav Hartungs einen Abend voll Charme und Grade. Ke prickelnde Mauik Offenbach», die so oft als ״jüdisch״ bezeichnet worden ist, verfehlt aucii heute, vielleicht gerade heute, ihre mitreißende Wirkung nicht. Die treffliehe Aufführung des Renaissance-Theaters verhilft einem lango vergessenen Stack des großen Satirikers zu verdienter Auferstehung und durchschlagendem Erfolg. Von der Universitätsbibliothek Jerusalem. Die Universitätsbibliothek hat die Ueberführung ihres Bücherbestandes, der zurzeit über 220(KM) Bände zählt, nach dem neuen Gebäude auf dem Scopus vollendet. Der neue Bibliotheksbau, der weithin über der Stadt sichtbar ist, enthält moderne Bihliotliekseinrichtungen, geräumige Lesesäle und besondere Manuskript- und Ausstellungsräume sowie eine eigene Buchbinderei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.