Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 06 Becker schläft m diesem Zweck ein Wirtschafts-Parlament vor, das er sich au# 1Ö0 bis 120 Delegierten zusammengesetzt denkt, von denen die Hälfte gewählt, die andere Hälfte von deri zionistischen Institotioiren ernannt werden soll. Dieses Wirtschaft«• Parlament soll in kongreßlosen Jahren zusammen treten und der Kongreß soll seine Entscheidungen ratifizieren. Wenn man diesen Versuch einer Lösung durchdenkt, wird man inne, daß mit organisatorischen Maß• nahmen allein nichts erreicht werden kann. Wenn es nicht gelingt, die öffentliche Meinung in der Bewegung in ihrer Einstellung zum Kongreß von Orund auf zu Indern, wird jede organisatorische Aenderung wenig helfen. Denn die Wahlen zum Wirtschafts-Parlament würden sich in den gleichen Formen abspielen wie die Kongreßwahlen und diese selbst wieder wären — da der Kongreß ja ratifizieren soll — der Oefahr ausgesetzt, daß sie unter dem gleichen Gesichtspunkte wie vordem vor sich gehen würden. Der Vorschlag Beckers gibt auch keinerlei Gewähr dafür, daß nicht die Kongreß- Verhandlungen von den gleichen Themen beherrscht würden, die sie jetzt ausfüllen, denn schließlich müßten alle Fragen, die dem Wirtschaftsparlament obliegen, noch einmal auf dem Kongreß durchgekämpft und zur Abstimmung gebracht werden. Es gilt also vor allem, den Geist der Bewegung zu erneuern. Es gilt, die Einheit im Zionismus wiederherzustcllen, die über alle notwendigen Sonderanschauungen hinweg wieder mehr das gemeinsame große Ziel einer Bewegung sieht, die sich in allen ihren Teilen wirklich solidarisch fühlt Es gilt, die Erkenntnis der inneren Situation des Zionismus wieder den zionistischen Massen nahezubringen. Stets werden die Fragen der Palästina-Kolonisation im Vordergründe unseres Interesses und unserer Anteilnahme stehen, und diese Fragen werden zu Meinungsverschiedenheiten führen müssen, die ln ernster und würdiger innerzionistischer Auseinandersetzung auszutragen sind. Aber das Bewußtsein muß wieder wach werden, daß Zionismus mehr bedeutet als die Kolonisation Palästinas, daß ihm noch immer die Umgestaltung des Judentums obliegt, daß׳ es gilt, immer wieder neue Generationen für die Idee zu gewinnen. Daraus folgt eine stärkere Anteilnahme an den Fragen der Propaganda und der Auseinandersetzung mit anderen Gruppen und ein geschlossenes, solidarisches Auftreten in der Arbeit nach außen hin. Diese Erkenntnis und die daraus folgende Arbeit wird das Bewußtsein der Einheit in der zionistischen Bewegung stärken, wird von innen heraus das Bedürfnis wecken, auf unseren repräsentativen Tagungen die geistige Grundlage des Zionismus offenzulegen und der Welt zu verkünden. Und so kann dann der Kongreß — in welchem organisatorischen Rahken auch immer — wieder Tribüne der Bewegung'werden.;; $e8j$tverständBch kann man nicht auf organisaforischc Rtformmaßnahmen verzichten. Mir scheint aber, daß ein alter Gedanke, den sich die Exekutive vor dem letzten Kongreß zu eigen gemacht hat, der aber auf dem Kongreß selbst noch keinerlei Verständnis fand, leichter durchzuführen ist als der radikale Vorschlag Beckers. Den breitesten Rahmen in den Kongreßberatungen, in den Besprechungen der Fraktionen und Gruppen, nimmt die Verteilung des Budgets ein. Würde das Budgetrecht dem A.-C. übertragen, dann würde der Kon־ grell allerdings in weitem Maße entlastet Das A.-C., nach den Ergebnissen der Kongreßwahlcn zusammen־ gesetzt, mit den besten Vertretern der Gruppen beschickt, ergänzt durch die Vertreter der wichtigsten zionistischen Institutionen, ist weit eher in der Lage, eine sachgemäße Budgetberatung durchzuführen als der Kongreß selbst. Der Einwand, daß man damit dem Kongreß seine eigentliche Jules Verne in der Judengasse Zu seinem 100. Oeburtstag. Von S. Meiseis. Am 8. Februar 1823, also genau vor hundert Jahren, hat Jujps Verne zu Nantes das Licht der Welt erblickt Seit bald einem Vierteljahrhundert ist Jules Verne tot, aber er Ist noch heute reeht lebendig. Wohl kein zweiter Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts macht es so überflüssig, über Art und Gattung seiner Werke Näheres zu berichten, wie Jules Verne; sein Name ist einer der volkstümlichsten, und die Jugend von heute verschlingt seine Bücher womöglich mit eben solchem Heißhunger, wie sie einst die heute Erwachsenen In ihrer Jugend verschlangen. Jules Verne begann seine schriftstellerische Tätigkeit mit mehreren ״Cottedies“ und einigen Opern texten, aber schon seine erste Schilderung einer Phantasiereise, die er 1863 veröffentlichte, hatte einen solchen Riesenerfolg, daß er sich entschloß, von nun an ausschließlich den problematisch naturwissenschaftlichen und dabei wunderreich•phantastischen Roman zu kultivieren. Allgemein ist die Ansicht verbreitet, Jules Verne sei der Urheber dieser ganzen Literaturgattung gewesen, er habe als erster den naturwissenschaftlich begründ#fen abenteuerlichen Reiseroman geschaffen. Es mag aber daran erinnert sein, daß bereits zweihundert Jahre vor ihm Cyrano de Bergerac eine Reise nach dem Mond beschrieben hat. Von Cyrano de Bergerac sind uns zwei Phantasiestücke erbaten: Voyage ä 1a Lune und Histolre coralque des ätats et empires du Soleil. ״Die Art‘, schreibt Eduard Engel ln seiner Geschichte der französischen Literatur, ״wie Cyrano zu den fernen Himmelskörnern gelangt, ist weit einfacher als die mit allen Hilfsmitteln einer hoch gesteigerten modernen Kunstfertigkeit bewerkstelligte Jules Vernes: er befestigt sieh eine Men« kleiner Fläschchen Morgentau um den Leib, die Sonnenstrahlen erwärmen die Flüssigkeit, und die verdampfenden €k*e tragen ihn pfeilgeschwind nach oben. Was er auf dem Monde und der Sonne sieht, ist mit glänzender Erfindungskraft ausgedacht und reich an satirischen Seitenblicken auf irdische Verhältnlsse.“ Aber der Rtihm Jules Vernes als eines phantatiebegabten genalen Schriftstellers bleibt durch dieses Vorgängertum unberührt Jules Verne war ein naturwissen־chältlicher Romantiker von erstaunlicher Büduerkraft, Er könnt« seine \ INDISCHE RUNDSCHAU Nr. 10. 3. n.!928 Brifriitang nehme, beweist die Ver*tähdnislosigkelt weiter Kreise fttr «eine eigentliche Aufgebe. Das umgekehrte ist der Pall*. Heute tagt während des Kongresses die Budget-Kommission, wie das A.-C von den Gruppen nach ihrer Stärke beschickt, und was sie beschließt, muß (praktisch) der Kongreß an nehmen; er tut es meist in letzter Stunde in überhasteter Abstimmung und niemand wird leugnen, daß die meisten Delegierten, die nicht Mitgtleder der Budget-Kommission sind, kein Urteil haben, wie sie zu dem oder jenem Posten sich verhalten sollen. Das Budgetrecht des Kongresses ist heute ein S c h e I n recht, das A.-C. aber, das indirekt aus den Kongreßwählen hervorgegangen ist, leitet das Recht von dem Kongreß her. Es soll dem Kongreß verantwortlich bleiben, d. h. bei der Neuwahl des A.-C. wird sich ebenso wie bei der Wahl der Exekutive erweisen, ob man die bisherige Budgetpolitik billigt oder nicht. Durch diese Entlastung des Kongresses wird, ohne die Grundstruktur der Organisation tun zu gestalten, Platz geschaffen für die Erörterung aller Fragen der Bewegung. Am Anfang der Beratungen müßten neben Referaten über die Palästina-Arbeit solche über den Stand der Bewegung und auch wie früher über die Lage der Judenheit in der Welt erstattet werden. Die Generaldebatte müßte in zwei Teile zerfallen, In einen, der sich mit den Palästinafragen und den Fragen der Politik und einen zweiten, der sich mit den inneren Fragen des Zionismus beschäftigt Eine solche Umgestaltung des Kongresses wird leider — nicht von heute auf morgen vor sich gehen können. Aber rechtzeitig vor dem nächsten Kongreß sollte die öffentliche Meinung im Zionismus sich mit diesen Gedanken beschäftigen und dadurch eine Auseinandersetzung auf dem Kongreß selbst darüber vorbereiten. Schon diese Aussprache wird nicht ohne Wirkung auf die innerzionlstlsclic Arbeit bleiben. III. Schließlich werden noch eine Reihe von Organisator!• sehen Maßnahmen bei gutem Willen aller Teile unschwer durchgeführt werden können und der Stärkung der Organisation dienen. Es ist, wie auch Becker erkennt, eine Reform des Schekels notwendig. Es ist ein unwürdiger Zustand, daß die Schekelpropaganda in kongreßlosen Jahren stockt und kurz vor dem Kongreß eine rege Agitation einsetzt, die hauptsächlich kongreßtaktischen Zwecken dient Dem könnte abgeholfen werden, wenn der Schekel, wie von mir in der Organisations-Kommission des letzten Kongresses vorgeschlagen wurde, als Organisation!• betrag für die gesamte Kongreßperiode, also für zwei Jahre, festgesetzt würde. Der Schekel würde also dadurch in Zukunft statt für ein Jahr für zwei Jahre gelten; die Schekelpröpaganda im kongreßlosen Jahr wäre also damit von der gleichen Bedeutung wie die in dem Kongreßjahre. Zudem würde ,sich;׳'Ile.:/Af-feM vereinfachen und die dadareh entstandenenlösten ge* ringer werden. Es würde der Schekel nur einmal er• worben und In der Regel auch sogleich der ganze, d. h. der doppelte Betrag für zwei Jahre eingezogen. Da, wo sich dies als unmöglich erweist, — es werden bei dem geringen Schekelprds wenige Ausnahmen sein, — könnte er in zwei Raten gezahlt werden. Wer den Schekel im Kongreßjahr erwirbt, hat den ganzen Preis, der für zwei Jahre gilt, zu zahlen. Aber das führt schon in die Einzelheiten. Die Be• ratungen der Organisations-Kommission der vergangenen Kongresse enthalten noch viel Material, das gesichtet und auf seine Brauchbarkeit für eine Reform geprüft werden müßte. Es ist ein beachtenswerter Gedanke, daß Becker zur Durchführung der organisatorischen Reform einen außerordentlichen Kongreß anregt Denn es besteht angesichts der Interesselosigkeit diesen Fragen gegen* spannenden Abenteuerromane schreibe«, weil er nicht die Er■ febnlsse der Naturwissenschaft, sondern ihre ungelösten Pro* lerne zu allerhand Phantasiestücken verwandte. Er verstand es, durch eine geschickte naturwissenschaftliche Motivierung selbst das Unmögliche als möglich darzustellen. Hierin lag sein Können und seine Größe. Jules Verne war, um das treffliche Wort eines Literaturhistorikers zu gebrauchen, ein genialer Münchhausen und das Entzücken aller Knaben. Das Entzücken aller Knaben! Ja, das eben ist es, was den Jules Verne im Ghetto von dem Jules Verne in der ganzen übrigen Welt unterscheidet Im Ghetto war Jules Verne nicht das Entzücken der Knaben, sondern ein fesselnder Lesestoff für die Erwachsenen. Es könnte einem befremdlich erscheinen, daß während der ganzen Haskalah-Epoche (wie man die Zeit der ״Aufklärung“ im Ghetto zu nennen pflegt), einer Epoche, die nahezu ein Jahrhundert umfaßte, kein hebräischer Schriftsteiler daran ging, Bücher für die Jugend zu verfassen oder solche aus anderen Sprachen ins Hebräische zu übersetzen. Aber das war nur eine natürliche Folgeerscheinung der Haskalah selbst. Haskalah wurde nämlich nicht gelehrt, nicht einmal recht propagiert, sie kam einem im Ghetto wie von selbst angeflogen. In der Regel ergoß sich das Himmelslieht der ״Aufklärung״ auf den Geist eines Achtzehn- oder Zwanzigjährigen: früher kam es selten. Das achtzehnte und zwanzigste Lebensjahr war für den GhettoiüngUng das gefährliche Alter, wo er Gefahr lief, auf die Ltehtpfade der ״Aufklärung“ m geraten, Jene Pfade, die damals von den Frommen im Ghetto ״Abwege“ genannt wurden. Auch zu Jules Verne konnte man erst gelangen, nachdem man eine gewisse Strecke auf diesen ״Abwegen“ gelaufen war. Deshalb lasen ihn auch nur Er» wachsene. Die Knaben dagegen saßen im Cheder und lernten die Bibel; die Phantasiereisen Ju'es Vernes b'lebtn Ihnen ebenso unbekannt wie Grlmus Märchen oder wie ״Robinson Crusoe“. Wohl erschien von Zeit zu Zeit ein Bich, das den Untertitel trug: Sipour Ifbne Jisraef, ״Erzählung für die Kinder Israels“; aber die Kinder Israels haben ein so'ches Buch nie in die Hand, selten zu Gesicht bekommen. Defoea ״Robinson Crusoe“ ist bereits 1849 in einer hebräischen* Bearbeitung von Lizar Bloch erschienen: auch Campes ״Roblnsohn“ liegt in einer hebräischen Bearbeitung vor. Von Qunpes Jugendschriften sind mehrere ins Hebräische übersetzt worden; allein sein Buch »Die Entdeckung Amerikas“ ist w Riebt weniger als drei bebräüber die Gefahr, daß ein regulärer ]Kongreß diese Aufgabe nicht erfüllen kann. Dennoch möchte ich von der Einberufung eines besonderen Kongresses abraten. Die dadurch entstehende Arbeit und die damit verbundenen Kosten könnten vermieden werden, wenn man sich in allen Kreisen der Bewegung ernstlich mit den hier erörterten Fragen beschäftigt und dadurch die Exekutive (n die Lage versetzt wird, auf Grund des so gesammelten Materials einen erheblichen Teil des künftigen Kongresses für die Beratung dieser Frage zu reservieren. Becker bat mit seinem Appell an das zionistische Gewissen recht Schlimmer als die Krisis in Palästina kann sich die vorhandene Krisis in der Organisation auswirken. Die Organisation läuft Gefahr, in ihre Teile zu zerfallen oder sich doch immer weiter zu lockern, wenn es nicht endlich gelingt, die lebendigen Kräfte der zionistischen Bewegung, an die wir glauben und derentwegen wir Zionisten sind, in die Organisation hineinzuleiten. Die neue lettische Beglernng und die loden In Lettland ist bekanntlich gegenwärtig eine Rechtsregterung mit reaktionär-antisemitischen Tendenzen am Ruder. Ministerpräsident ist Herr Juraschewski. der den Antrag auf Aufhebung des Einbürgerungsgesetzes für die Juden gestellt batte, ßa der Debatte über die Regierungserklärung hat, wie uns aus Riga berichtet wird, der agud ist «sehe Abgeordnete Herr Dubia sich für diese antiserai* tische Regierung erklärt und heftige Angriffe gegen den Führer des demokratischen Minoritätenblockes, Abg, Rabbiner Dr. Nurock, gerichtet, der die vorhergehende demokratische Regierung unterstützt hatte. Die jüdische Presse Rigas nimmt scharf gegen Abg. Dubio Stellung. Dr. Nurock ergriff im Parlament selbst das Wort, um Dübln zu antworten. Er erklärte, nach seiner Meinung könne es für einen Ver* treter der jüdischen Minderheit Keine zwei ־Meinungen be» züglich der Stellung zu dieser Regierung geben. -Ich kann mich nicht an einen Tisch setzen mit Leuten, die unsere nationale und menschliche Würde mit Füßen treten, die sogar von dieser hohen Stelle judenfeindliche Hetzereien ins Volk schleudern, ja sogar die Bibel dazu ausnützen, um gegen die Bibel und das Volk der Bibel zu kämpfen.“ Aus diesem Grunde könne Redner mit den Rechtsparteien nicht verhandeln, denn er wolle ״keirfe Wohltaten von Leuten, die dem jüdischen Volk ins Gesteht spucken“. Er wolle nicht dl« nationale Ehre als Objekt eines Handels betrachten. Im weiteres Verlauf ssiner Rede wandte sich Dr. Nurock gegen terroristische Drohungen, die von seiten der Rechts* Parteien angewandt werden seien, indem man Ihm sagte, er müsse bei der Volksabstimmung die Linke stürzen, sonst werde die jüdische Bevölkerung mit Boykott und Pogrom bestraft werden und ihn nicht wiederwlhlen. Demgegenüber erklärte der Redner, er werde immer auf der »eite der Demokratie stehen, denn nur sie verbürge eine wür* dige Ordnung und auch die Voliberechtigung der Minoritäten, In der ״Rigaischen Rundschau" nimmt der Führer der deutsehen Minorität, der bekannte Abg. Paul Schiemanp, zu Nurocks Rede Stellung und betont, daß sich dieser durch seine HnltMg rin .groß®;Verdienst um seteurigefes V4Bp ifr worben habe.3• *; *־ •: v; : ■■:; י•*;;' , : .... K. .■ , ־: Für das arbeitende Palästina Antwerpen, 26, Januar. (J.T.A) Auf Initiative der Paale Zion wurde hier ein Komitee zur Stützung des Palästina* Arbeiterfonds gebildet, 4cm eine Reihe hervorragender •ozia’lstl* scher Persönlichkeiten Be.giens, unter ihnen die früheren Minlster Vanderveide und Wattier* Auxele und der Prorektor der Brüsseler Universität Brechet und die Senatoren De Brouqutre und Lafontaine angehören, in der konstituierende# Sitzung des Komitees hielt der vor kurzem von einer Palästina* Reise zurückgekehrte Deputierte Louis Richard eine Anspräche, in der er die Pionierarbeit der Juden in Palästina sch'-l* derte und an alle Sozialisten appellierte, die jüdischen Arbeiter in Palästina in ihrem Kampf um eine große Sache zu unter* stützen. Von arabischer Seite wird mitgeteilt, König A m n t» 111 h von Afghanistan habe die Abricht «andgetan, auf seiner Ritekreise von Europa Palästina und Syrien zu besuchen, ischen Bearbeitungen vorhanden, die erste stammt von einen Moses Mendelsohn aus Hamburg (nicht zu verwechseln mit dem Philosophen Moses Mendelssohn) und Ist in Altona 180? erschienen; der ״Theophron“ wurde zweimal ins Hebräische übersetzt: dazu noch eine Anzahl von Reiseschilderungon und einige Moralbüchlein für die Jugend. Aber die wirk *!ehe lugend im Ghetto las alle diese schonen, für sie bestimmten Bächlein nicht: es lasen sie nur diejenigen, die auch schon Schiller und Goethe in hebräischen Uebersetzungen zu lesen pflegten. Wer die hebräischen Lesebücher las, die in der Aufklärungszeit er* schienen sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich weiß nur, in den Ghettoschulen machte man hiervon keinen Gebrauch. Dort gab es nur ein einziges Lesebuch: die Bibel, Zu jener Zeit also, von der hier die Rede ist, da lasen im Ghetto die Knaben die Bibel und die Erwachsenen Ju'es Verne. Es Ist nicht viel, was damris von Jules Vernes Uterarischen Erzeugnissen ins Hebräische übersetzt wurde, aber doch das schönste und bekannteste. Zunächst sein berühm es Werk ״Eine Reise um die Welt in 83 Tagen“, dann 23״ÜÖO Meilen unter dem Meer“ und der naturwlaset» •cheft'ieh« Roman ״Reise nach dem Mittelpunkt der Erde“. Die beiden letzten Werke, von Israel Wolf Sperling übersetzt» sind in Warehau 1878 erschienen» Interessant ist, daß die ״Reie nach dem Mittelpunkt der Erde“ Im Hebräischen einen Titel führt, der «her an Zola als an Jules Verne erinnert; dssWerk heißt hebräisch: Babeten ha-adamth ״Im Bauche der Erde“. Es ist indes nicht nur der Titel, sondern das ganze Werk so frei übersetzt, daß man eher von einer Bearbeitung als von einer Uebersetzung sprechen kann. Erwähnt *ei ferner, daß diesen Uebereetiungto nicht das französische Original, sondern wiederum nur «ine Uebersetzung, n Äm'teh eine deutsche, zu ׳*runde lag. Die hebräischen Schriftsteller übersetzten mit Vor'iebe aus der deutschen Sprache, einerlei, ob es sich um ein Originalwerk oder um eine Uebersetzung handelte. Erst in unserer Zeit wurden auch andere Hauptwerke Jules Vernes ins Hebräische übertragen. ״Fünf Wochen im Luftbailon“ übersetzte (aus dem Französischen) Jakob ben Zadok Oorodn (Warschau 1891), die ״Rehe nach dam Mond“ David Zemach (Warschau 1934), ״Eine verkehrte Welt“ Jehuda Ortsowski (das, 1943), -Zwischen den nördlichen Eisfeldern“ J. Kastan (das, 1934); ferner liegt In hebräischer Uebertragung vor; ״Die Kinder des Kapitäns Grant“, übersetzt von Akte*