Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 45-46 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 332 jaemscHE runoschäu Nr. 45/46 Bethaus in Rom war fast 300 Jahre älter als Her S. Peter oder der Lateran, und schon die heidnischen Römer zur Zeit des Horaz und seines Freundes Fuscus Aristius oder des Juvenal hatten als neugierige Gäste denselben Mysterien des Moses zugesehen, denen noch heute Römer heim Passahfest mit verächtlichem Lächeln beiwohnen. Sicher war das alte Judenhaus in Trastevere prächtiger, als es die heutige Synagoge im früheren Ghetto ist, ein auf Säulen ruhender Tempel und innen mit köstlichen Teppichen und goldenem Bildwerk von Granaten und Blumen ausgeziert Aber mehrmals hatte das römische Volk die Synagoge verwüstet, zuletzt noch unter Theodosius ver* brarmt, und Goten und Vandalen hatten sie wohl allen Schmuckes beraubt. Unter der milden Regierung Theodorichs erholten sich die Hebräer wieder, bis sie im Jahre 521 durch den von Zeit zu Zeit ausbrechenden Fanatismus der Christen aufs neue mißhandelt wurden. Eines Tages verbrannte das Volk die Synagoge. Aus der Klage der Juden bei Aligern, dem Sendboten Theoderichs in Rom, scheint hervorzugehen, daß Christen im Dienste reicher Juden ihre Herren erschlagen hatten, und daß infolge der Bestrafung der Täter das Volk sich an der Synagoge rächte. Auf diesen Tumult richtete der König ein Reskript an den Senat, worin er ihm auftrug, den Frevel mit äußerster Strenge zu bestrafen. Mlllon ha-laschon ha-ibrft von Ben Jehnda Vor wenigen Wochen ist von der Berliner Verlagsbuchhandlung Langenscheid t in der gleich guten und geschmachvollen Druckausstattung wie die ersten Bände der 7. Band des Millort ha-laschon ha-ibrit von Ben Jehuda herausgebracht worden. Ebenso wie der vorige ist auch der vorliegende Band nach dem Tode des Verfassers von seiner Frau und Mitarbeiterin für den Druck vorbereitet worden. Damit ist die erste Hälfte dieses groß angelegten Thesaurus totius hebraitatis überschritten, das Werk bis Seite 3692 und der Wortschatz bis zum Stichwort נסך gefördert. Der neue Band 7 zeigt dieselbe Fülle des Materials und die gleiche Uebersichtlichkeit, die schon oft genug bei den früheren Bänden hervorgehoben worden ist. Der gesamte Wortschätz der Bibel, des talmudischen und misrachischen Schrifttums sowie der gesamten späteren poetischen und Wissenschaftliehen Literatur des Mittelalters bis zur Neuzeit ist verarbeitet und wird in geschickter Auswahl als Beleg unter den einzelnen Stichwörtern angeführt. Auf diese Weise gestaltet sich so mancher Abschnitt, der ein Wort behandelt, das im Laufe der Zeit seine Bedeutung gewandelt hat, zu einer terminologischen und geistesgeschichtlichen Abhandlung. Da Ben Jehudas Thesaurus nicht nur (den Philologen, sondern vor allem dem Leben dienen und eine Grundlage schaffen will, um das alte Sprachgut der Gegenwart nutzbar zu machen, sind natürlich auch viele Neubildungen in ihm aufgenommen. Es ist gut, daß diese als solche durch besondere Zeichen kenntlich gemacht sind, und es ist vor allem zu begrüßen, daß Ben Jehuda bei der Aufnahme von Neuschöpfungen recht vorsichtig gewesen ist und nur diejenigen aufgenommen hat, die sich durchgesetzt haben und in Rede und Schrift allgemein gebraucht werden. Gerade ihm ist diese Vorsicht und Objektivität um so höher anzurechnen, als er, wie man weiß, ein großer Stürmer bei der Erweiterung des hebräischen Sprach- Schatzes gewesen ist und so manche Neubildung in Vorschlag gebracht hat, die oft eine Fülle von Gegnern auf den Plan rief. Man denke z. B. nur an das als Aequivalent von ״neutral“ von ihm gebildete ל׳ןלן, eine Abbreviatur der Worte לא עם לא ״) ן$דweder für noch gegen“). Von derartigen wilden und phantastischen Neuschöpfungen schweigt Ben Jehuda in weiser Selkstbescheidung in seinem großen Thesaurus. Bleibt doch npeh genug von solchen Bildungen übrig, die längst aller Mund und Feder geläufig geworden sind una bei denen kaum noch jemand ahnt, daß auch sie ursprünglich von ihm als gewagte Neuschöpfungen zuerst gebildet und gebraucht worden sind. Aus dem vorliegenden Band seien als Beispiele die folgenden genannt: *מק1ךן Bureau, משקפון Teleskop, משטךה Polizei, מךע1ן Parlament und מק|ליןן Grammophon. Weiterer Empfehlungen bedarf es im übrigen bei einem Standardwerk wie dem Thesaurus von Ben Jehuda nicht. Seine Bedeutung zeigt sich hei der Benutzung immer wieder aufs neue. G 011 h o 1 d Weil. Hebräische Kinderbücher Ein großes Verdienst erwirbt sich der Verlag Dwir (Tel-Awiw) durch die Herausgabe von hebräischen Kinderbüchern, die nicht nur für Palästina selbst, sondem auch für hebräischen Kindergarten und Schule im Galutli brauchbar und nützlich sind. Von neuen Büchern dieser Art, die uns vorliegen, seien genannt: ״Das erste Bilderbuch“, auf Karton, einfache Bilder von Gegenständen, Pflanzen, Blumen mit der hebräischen Bezeichnung, also besonders im Galuth nicht nur für Kinder; ״Ale f-Be th“, eine Fibel von P. Schargorodska, schon in vierter Auflage, ein vorzügliches Lehrbuch, die Bilder sind freilich etwas ungleich, aber vorwiegend gut, ein« gute Idee auch die in den Texten eingestreute Bilderschrift zum Ergänzen; auch künstlerisch befriedigend ist das ״Gemalte Alef-Beth“ von Nerman, mit reizenden Gedichten von M. Mohr; und schließlich ״Der W u n d e r vo g e 1“, ein Scherzgedicht von M. Mohr, mit sehr hübschen Bildern und sehr guter Ausstattung. Außerdem gibt der Verlag eine Serie von kleinen Erzähjungen heraus, für etwas größere Kinder als die vorerwähnten Bände bestimmt. Die Serie führt den Namen ״Of er“ (,,Hirschkalb“) und umfaßt zwanzig Hefte von Lewin-Kipnis und dann noch weitere 40 Hefte verschiedener Autoren, darunter auch viele Uebersetzungen, z. B. von Grimms Märchen, übersetzt von Dawid Frischmann, Geschichten von Jehuda Sternberg, Rawnizki, Agnon, Ben-Zion u. a., also lauter Schriftsteller, deren sorgfältiger Sprachbehandlung man vertrauen kann. Ke Hefte sind sehr gut gedruckt (punktiert) und durch ihren billigen Preis (durchschnittlich 1 Piaster, d. s. 20 Pfennig) empfehlen sie sich außerordentlich zu weitester Verbreitung, auch in Deutschland für jugendliche Lernende, Kurse usw. Moderne Psychologie Als Einführung in die Psychoanalyse in ihren An- Wendungen als Seelenkunde, Hygiene, Krankheitskunde, Kulturkünde ist kürzlich ,,Das psychoanalytische Volksbuch“ erschienen. Unter Mitarbeit von 15 Aerzten und Pädagogen herausgegeben von Dr. Paul Federn- Wien und Dr. Heinrich Men g-Stuttgart. 550 S., 11 Bilder. In Leinen 0,50 M. (Hippokrates-Verlag, Stuttgart.) Es gibt einen populären Ueberblick über die Resultate dieser Wissenschaft. Der Führer der individualpsychologischen Schule, Alfred Adler, veröffentlicht im Verlag S. Hirzel-Lcipzig ein Buch ״Menschenkenntnis“ (235 S8 ״ M.), worin in Form populärer Vorträge die wichtigsten Lehren und praktischen Er- Ziehungsmaximen seines Systems zusaramengefaßt sind. Eltern und Erzieher, ja auch Politiker, sollten sich diese Erkenntnisse, die für die Entwicklung des Menschen und seine Steilung in der Gesellschaft geradezu entscheidende seelische Tatsachen enthüllen, za eigen machen. BQcherschaa Die Religion ln Geschichte und Gegenwart. HapdwSrteribaeli für Theologie und Religionswissenschafts zwecke, Völlig neu bearbeitete Auflage. In Verbindung mit Alfr. Bertholet, Hermann Faber und Horst Stephan, herausgegeben von Hermann Gunkel und Leopold Zscharnack. Band 1, Lieferung 3—9. Preis pro Lieferung Mk. 1.80.— Verlag von J. G, B. Mohr, Tübingen 1027. In den letzten Monaten sind eine Reihe weiterer Lieferungen des großangelegten Werkes, über dessen Neuauflage und erste Lieferungen wir bereits berichtet haben, erschienen. Auch sie (bis Spalte 832, ״Bayern“) enthalten eine große Zahl von Stichwörtern, die über das allgemeine religionshistorisdie oder homiletische Interesse hinaus uns als Juden an gehen. Die jüdisehe Apokalvptik und die jüdischen Apokryphen werden behandelt, wir finden Artikel über Aristobul, Avccebron, Aristeasbrief, über Arabien, Aramäer, Aramäisches in der Bibel usw. Bei dem Artikel ״Apologetik“ fehlt seltsamerweise die jüdische A., ebenso fällt auf, daß bei ״Auswanderer“ und ״Auswandererfürsorge“ nichts über die jüdische Wanderung zu finden ist, die doch vielleicht das bedeutendste Phänomen religiös wo• tivierter Auswanderung darstellt und auch in neuerer Zeit eine sehr ausgebildete Fürsorge hat. Ueber ״Askese Im heutigen Judentum“ schreibt Baeck, ebenso über jüd. ״Armenpflege“. (Hierzu noch ״A. in Israel“ von Gunkel). Die ״Auferstehung im Alten Testament und im Judentum“ wird von Procksch behandelt, ״Ausgrabungen in Palästina“' beschreibt Prof. Sellin, der bekanntlich selbst führend dabei tätig war. Den Artikel ״Antisemitismus“ verfaßte Prof. Frick mit bemerkenswerter Objektivität, aber doch nicht mit letzter Erfassung aller Zusammenhänge. Er sieht in der Emanzipation die prinzipielle Lösung der ganzen Judenfrage und kommt sogar zu dein, aus assimilatorisch-jüdischen Gedankengängen herstammenden Satz: ״Dafür scheint der Zionismus, sofern er die moderne Nationalidee auf das Judentum anwendet, der! Vertretern des Aptisemitismus eine willkommene Bestätigung zu liefern.“ Frick verurteilt den A. als unmenschlich und unchristlich. — Von anderen Beiträgen sei der große aufschlußreiche Artikel über Babylonieii erwähnt, sowie der Sonderartikel über ״Babel und Bibel“ (Baumgartner). Manche Gegenstände scheinen uns etwas zu kurz zu kommen, besonders wenn man bedenkt, daß ein Artikel ״Aufwertung“, der mit Religion in Geschichte und Gegenwart doch nur in einem sehr losen Zusammenhang steht, über eine Spalte hat. Für unsere Leser sei noch auf einen kurzen Artikel über Baalschem hingewiesen, und schließlich wird manchen von uns interessieren, was über Balfour als religiösen Denker gesagt wird. W. Sclma Stern: Der Preußische Staat und die Juden. I. Teil. Die Zeit des Großen Kurfürsten und Friedrichs I. 1. Abt.: Darstellung. 2. Abt.: Akten. — Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. — Berlin 1925. C. A. Schwetschke ßt Sohn. LInterbaut durch ein immenses Aktenmaterial werden hier in straffster Konzentration die Beziehungen des Preußisehen Staates zu den Jaden für die Zeit des Großen Kurfürsten und des ersten Königs dargestellt. Die wirtschaftliche, staatsrechtliche und söziologischc Struktur dieser Beziehungen in all der Mannigfaltigkeit, wie sie dem damals noch in viele Sonderländer zerfallenden Kurfürstentum und jungem Königtum entsprach, fand hier eine mustergültige, auf souveräner Beherrschung des ganzen Quellenmaterials und der gesamten einschlägigen Literatur beruhende Schilderung. Die entscheidende Grundhaltung des Werkes wird gekennzeichnet durch die Schärfe und Klarheit, mit der die innenpolitische und weltpolitische Wurzel der Stellung des Staates (hier noch identisch mit Monarch) zu den Juden gesehen und dargelegt wird. Sehr unsentimental, aber scharf ujjd rieht* wird die freundliche bzw," unfreundliche, öder Sch|IIBIr I# Ü119 *herschwankende Haltung den Juden gegenüber im Zusammenhang mit der Staatspolitik gesehen, und von solcher Perspektive aus als einheitlich aufgezeigt, ln erfrischendem Gegensatz zu der gefühlsbetonten Art, mit der bisher allzuoft insbesondere von jüdischer Seite klagend oder lobend vom humanen oder nicht humanen, günstig oder ungünstig gesonnenen Monarchen, von seiner wechselnden Laune den Juden gegenüber geschrieben wurde, weht hier die kütile, klare Luft echter politischer Geschichtsschreibung, die die Staatsräson, den harten staatlichen Machtwillen in den Mittelpunkt stellt, für den der Jude Objekt und Opfer war, wie jeder andere Stand auch. Es ist bemerkenswert, daß diese staatspolitische Einstellung mit einer so außerordentlich sachkundigen, detaillierten (dabei aber sehr anschaulichen und lebendigen) Behandlung der wirtschaftlichen Verhältnisse und Beziehungen Hand in Hand geht, daß das Buch auch als eine vortreffliche jüdische Wirtschaftsgeschichte für diesen Zeitraum anzusprechen ist. Wenn die Verfasserin darauf hinweist, daß sie in bewußter Selbstbeschränkung auf die Behandlung der kulturellen Beziehungen Verzicht leistet, um zunächst einmal die politische und wirtschaftspolitische Seite herauszuarbeiten, so zeigt ihre knappe Schilderung der geistig kulturellen Struktur des Ghetto, daß sie auch zur Darstellung von geschichtlichen Tatsachen, die geistige Phänomene sind, vollauf legitimiert ist. Das dem Werke zugrunde liegende Aktenmaterial ist in einem umfangreichen zweiten Bande publiziert, und zwar dankenswerterweise in moderner Orthographie, so daß dem historisch interessierten Laien die Lektüre der Quellen erleichtert ist. Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums hat sich mit der Fierausgabe dieses ausgezeichneten Geschichtswerkes, das weiten, geistigen Horizont mit wissenschaftlicher Akribie und größter Gelehrsamkeit vereinigt, und in bildkräftiger Sprache flüssig und lebendig geschrieben ist, ein großes Verdienst erworben. Rosa Dukas. S. Winingcr, Große jüdische Natlonal-Biographie. Ein Nachschlagewerk für das jüdische Volk und seine Freunde. Cernauti (Czernowitz). Zweiter Band, Lieferung 9—11. Mit der 9. Lieferung beginnt der zweite Band des hier bereits angezeigten Werkes; die drei ersten Lieferungen, die uns vorliegen, umfassen die Buchstaben D—F. Die Vorzüge und Mängel sind dieselben wie bei den vorher erwähnten Heften. Mängel etwa: Ungleichmäßigkeit in der Länge der Artikel, Unbeholfenheit der Diktion, kleine Ungenauigkeiten einschließlich der irrtümlichen Aufnahme von Nichtjuden (z. B. Theodor Däubler, H. H. Ewers, Kasimir Edschmid); Vorzüge dagegen: Größe des fleißig und mühevoll zusammengetragenen Materials, Uebersichtlichkeit, wirkliche Pionierarbeit ohne Prätention. Der Autor ist sich der unvermeidliehen Unvollkommenheit dieses ersten Versuches bewußt, er hat auch keine schriftstellerische, sondern nur sammlerische Ambition; er hat den Mut, die Arbeit vorzulegen, auf die Gefahr hin, Fehler stehen zu lassen, damit überhaupt ein Anfang gemacht sei. Und das Buch bringt soviel des Wissenswerten, daß man sich über diesen Mut freut. Die Lieferungen enthalten zahlreiche größere und kleinere Bioraphien jüdischer Dichter, Gelehrter, Künstler, Rabbiner, oütiker; von längeren interessanten Artikeln seien z. B. genannt: Disraeli, Alfred Dreyfus, Dubnow, Ossip Dymow, Paul Ehrlich, Eibenschütz, Einstein, Kurt Eisner, Etnin Pascha, Berthold Feiwel usw. (Beim Dichter Einhorn — Ahron oder Dawid? — gibt es eine kleine Konfusion). Man muß dem Werk einen glücklichem Fortgang wünschen, damit bald eine berichtigte Neuauflage erscheine« kann, -o* Alfred Brust, Dia verlorene Ende. Roman. Hören-Verlag, Berlin 1926. ln dem Zipfel Deutschlands, der in die weite östliche Welt hineinragt, hat sich aus Jahrhunderte alter Berührung von Volksstämmen, aus Mischung von Blut und Schicksal, ein Menschentum gebildet, halb erdverbunden, halb maßlos und schweifend; den dunkeln Mächten der Leidenschaft verfallen und regiert von dämonischen Trieben, Epigonen der Karamasows. Auf dieser pruzzisch-litauischen Erde leben die merkwürdigen Menschen dieses Romans, in einem Grenzgebiet zwischen Wirklichkeit, Traum und Märchen. Und schicksalhaft ist das Judentum als orientalischer Ausläufer in dieses Massiv eingesprengt, ebenso unwirklich wie seine anderen Elemente. Eine Fülle von Geschehnissen wird geschildert, kraß und bewegt, tiefste Seelentiefen werden aufgerührt, tolle Sprünge und Willkür des Blutes. Der Held des Buches, Graf Dagda, hat sich einst in sadistischer Vertiertheit an einem Juden vergangen, aus dieser quälenden Schuld wachsen ihm übermenschliche Kräfte zum Guten, und schließlich flieht er, indem er unter phantastischen Umständen tot geglaubt wird, zur jüdischen Gemeinde in Wilna, deren als Messias ersehnter Führer niemand anderer ist als der einst von Dagda Gepeinigte. Der Graf stirbt als Jude. Die jüdische Welt aber, die Alfred Brust vorführt, hat wenig mit der wahren geistigen Welt des litauischen Judentums zu tun; ebenso wie sein Jiddisch, dessen Notwendigkeit man nicht einsieht, nicht wirkliches jiddisch ist. Aber trotz manchen Einwendungen ist dies ein starkes und packendes Buch, das nicht nur wegen der großen Rolle, die das Judentum darin spielt, unsere Aufmerksamkeit verdient. Mi Wa. Ein Bruder des vor einigen Jahren verstorbenen jiddischen Dichters F r u g teilte dem J. T. A.-Korrespondenten mit, daß das Grab des Dichters noch immer ohne Grabstein sei. Auch das Grab von Mendele Mocher Sforim hätte, wie er mitteilt, noch keinen Grabstein. Zionistischer Grnppenverband Rechtsrhdnland and Westialen Am Sonntag, den 26. Juni, findet in Essen/Ruhr ein Gruppenverbandstag statt, bei welchem Herr Kurt Blumenf e 1 d das Hauptreferat halten wird. Wir bitten schon heute alle Gesinnungsgenossen des Bezirks, sich diesen Termin freizuhalten. Vermischtes HebrSische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Dienstag, den 14. Juni, wird der Unterricht nach den Schawuoth-Ferien in sämtlichen Klassen der Schule wieder aufgenommen. Sprechzeit des Unterzeichneten: Montag 1 ■״׳ 1- 7״S Uhr abends und Donnerstag 6—7 Uhr abends in der Hebräischen Lehranstalt, Gr. Hamburger Str. 27. Telephonischer Anruf: Uhland 8111 (1—2 Uhr), N. Berggrün, Grunewald, Alte Allee 7. Leo Gollanin gibt am Mittwoch, den 15. Juni, abends 8 Uhr, im großen Saal der Loge Kleiststr. 10, einen jüdischeu Volksliederabend. Karten von 1—5 M. bei Wertheim, Buchhandlung Gonzer, Oranienburger Str. 26 und an der Abendkasse. Die Gesellschaft für jüdische Famillenforschung (Berlin W 9, Potsdamer Str. 5) hält ihre Generalversammlung am Mittwoch, den 15. Juni, abends 8 Uhr, im Blauen Saal des Brüdervereinshauses, Kurfürstenstr. 116, ab. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des 1. Schriftführers, Herrn Dipl.-Kfm. Ernst Wolff; 2. Kassenbericht des 1. Kassenwartes, Herrn Reg.- "BalA'üf: A. Sterm;'־'X־HfüWlMfft“ab‘s“V0rstaÄd8S'; '־€.•;&. Arthur Czellitzer: Häufigkeit der Mischehe und Häufigkeit der Scheidung bei Berliner Protestanten, Katholiken und Juden. Gäste herzlich willkommen. Kunstausstellung ״Der Sturm“. Filiale Kurfürstendamm 220. Eingang Meinekestraße 1. Reuß und Pollack. Eröffnung: Freitag, den 10. Juni. Sturm-Gesamtschau: Aquarelle und Zeiehnungen. Einleitende Worte: Herwarth Waiden. י Kompositionsabend Julius Kaufmann. Vor kurzem veranstaltete der Kantor und Lehrer in Nürnberg, lulius Kaufmann, an seinem Wirkungsort ein öffentliches Konzert mit eigenen Kompositionen. Seine Kompositionen stellen ein bisher wenig gepflegtes Gebiet dar: Die Vertonung moderner jüdischer Lyrik in der Form des Kunstliedes. Die Tagespresse brachte verständnisvolle Kritiken und hob besonders sein tiefes Einfühlen in das Wesen altjüdischer Musik hervor., K. J. V. Arzt (evtl. Arzt-Ehepaar) bietet sich bei alleinstehender Dame in einem komfortablen Hause des Kurfürstendamms Gelegenheit zum Wohnen und Ausüben der Praxis. Da bis vor kurzem in demselben wie auch im Nebenhause Aerzte ihre langjährige Praxis ausgeübt haben, wäre diese Niederlassungsmöglichkeit besonders günstig. Es handelt sich um zwei, evtl, drei Zimmer, falls gewünscht mit Küchenbenutztag. — Junger Bundesbruder, Mediziner, sucht Halbtagsbeschäftigung, evtl, als Hauslehrer. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten bittet uns, mitzuteilen, daß die Brauerei Pfefferberg, seitdem sic in andere Hände übergegangen ist, einen absolut antisemitischen Charakter trägt. Es ist daher zu vermeiden, Veranstaltungen in den Sälen der Brauerei Pfefferberg abzuhalten. Briefkasten der Redaktion Dr. M. Spitzer. Sie legen Wert darauf, festzustellen, daß Sie — bei voller Aufrechterhaltung der in Ihrem Aufsatze ״Jiddisch und Hebräisch“ vertretenen grundsätzlichen Autfassung — sich der Verurteilung eines nebraistischen Terrorismus voll und ganz anschließen. Sie schreiben: ״Da cs scheinen könnte, daß zwischen der Stellungnahme meines Aufsatzes und der Ihrer Nachschrift ein Gegensatz besteht, und weil es doch traurig wäre, wenn sich im öffentlichen Bewußtsein die Vorstellung einer notwendigen Verbindung prohebräischer Haltung mit Unvernunft und Unkultur herausbildete, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir Gelegenheit gäben, die Leser meines Aufsatzes über meine Uebereinstitttmung mit Ihrer nicht genug zu unterstreichenden Verurteilung jenes Treibens zu unterrichten. Ich möchte gerne hoffen, daß die Träger der von mir genannten Namen Rabinowitsch, Barasch, Schlonski und Lamdan dem Straßen- und Versammlungschauvinismus, der allem ins Gesichl schlägt, was wir mit dem Begriffe der hebräischen Renaissance verbinden, ferne stehen.“ — Wir glauben nicht, daß jemand einen Gegensatz zwischen Aufsatz und Nachbemerkung finden kann. Beide behandeln verschiedene Seiten einer ״Sache, und es ist erfreulich, daß wir in beiden Punkten übereinstimmen. למלאת שנד. לפטירת הסופר י- נ. שמחוני ז״ל תוקם מצבה על קברו. מוקירי המנוח נועדים ביום א׳״ י״ב מיון(12 ביוד)" בשעה י״א לפני הצהרים בדיוק בבית הקברות שבווייסנזה׳ לפני האהל החדש. בית הועד העברי בברלין. מערבת האנציקלופדיה הישיאלית "אשכויל".