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Jüdische Rundschau · 1926-05-07 · Heft 35 (7.5.1926) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 35 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 268 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 35 Aas der Werkstatt ooserer Gegner 1. Wir hatten die Absicht, heute den kleinlichen Tages kämpf auszuschalten. Der Zufall fügt es, daß gerade in diesen Tagen etwas geschah, worüber wir nicht schweigen können. Das ״Chemnitzer Tageblatt“ veröffentlicht in seiner Ausgabe vom 30. April unter der Ueberschrift: ״Das nichtständige Vaterland“ folgenden Artikel: Aus Krci en der Chemnitzer Ortsgruppe dos Central* Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen ölaubens wird uns geschrieben: ״Die Ausführungen, die Sk in Nr. 110 vom 21. d. M, Ihres geschätzten Blattes unter obiger Ueberschrift bringen, können nicht ganz ohne Widerspruch hingenommen Werden. Soweit Sie sich mit dem Ziemismus und der Stellung der deutschen Juden zu ihm beschäftigen, finden Sk unsere volle Zustimmung, denn auch wir sind der Meinung, daß man nicht Zionist (d. h. also jüdischer Nationalist) und zugleich voll zu bewertender Bürger im deutschen Vaterland sein kann. Auch wir sind der Ansicht, daß der Mensch nur ein Vaterland haben kann und daß für uns dieses Vaterland Deutschland ist, in dem seit Jahrhunderten unsere Vorfahren gelebt haben und in dem sie begrab« liegen. Wir sind Angehörige des deutschen Volkes, an dessen Geschick wir seit siebzig Generationen ln Glück und Unglück, leidend und schallend, teilhaben, und wir lehnen jeden jüdischen Nationalismus ab, wissen nichts von einem jüdischen Volkstum, vom dem die Zionisten schwärmen und gehören ihm nicht an. Aber wir müssen es als unwahr bezeichnen, wenn der Verband national-deutscher Juden, auf dessen Mitteilung*- blatt sich Ihre Ausführungen ja ausdrücklich berufen, die Dinge so darstellt, als sei er allein Vertreter der deutsch empfindenden Juden. Es ist den Führern des Verbandes nationaldeutscher Juden genau bekannt, daß wir als ersten und wichtigsten Punkt in unseren Satzungen die unbeirrte Pflege deutscher Gesinnung von unseren Mitgliedern ver* langen. Diese Satzungen werden jedem neu eintretenden Mitglie_d vorgelegt. Wir haben keine Möglichkeit, jedem unserer annähernd 70 000 Mitglied« Verhaltungsmaßregeln für sein Privatleben zu geben. Soviel aber ist gewiß: Unsere Vereinsleitung und die Politik unseres Vereins richten sich streng nach dessen Satzungen. Deshalb haben wir den jüdischen Nationalismus seit seinem ersten Aufkommen bekämpft, lange bevor die kleine Gruppe der ״nationaldeutschen Juden“ sich von uns abzusplittern für nötig hielt, und wer unsere Centralvereinszeitung liest, weiß, daß wir uns in unserer treuen Liebe und Hingabe zu unserem deutschen Vaterlande von niemandem übertreffen lassen. Jede Seite unserer Zeitschrift und das Leben unserer Besten legen Zeugnis davon ab.“ Diese Kundgebung ist charakteristisch, daß sie unseres Erachtens auch solchen Juden, die bisher den Tiefstand unseres jüdischen Lebens nicht kennen, die Augen öffnen wird. Im Namen eines Vereins, der die Staatsbürgerliehen Rechte der Juden zu schützen hat, werden öffentlieh jüdische Staatsbürger denunziert und als nicht voll zu bewertende Bürger bezeichnet nur weil sie andere Anschauung« über das Wesen des Judentums haben als die von dem Verein abgestempelten. Die Arguinenic, die völkische Antisemiten gegen das Judentum gebrauchen, werden hiervon einem Teil gegen den anderen gebraucht; um selbst im Lichte des vollen Patriotismus zu erstrahlen, wird unbedenk'ich eine jüdische Gruppe dem antisemitischen Pöbel als Opfer hingeworfen. Wir regen uns über diese Handlungsweise, die wir aus der Geschichte des jüdischen Renegatentums zur Genüg« kennen, nicht mehr auf. Wir sind überzeugt daß besser« Elemente der deutschen Oe ff eh t ffcl'Jt e ft die Sache im richtigen Lichte sehen und mit der ihr zukomtuenden Verachtung behandeln werden. Der Anfisemfttemüs jedoch, den diese Herren produzieren, wird an der Schwelle der vom Centralverein als patriotisch geaichten Juden nicht haltmachen. Wenn wir unseren Lesern heute klar machen wollten, wie eine würdige und anständige, selbstbewußte und moralische Judenpolilik nicht ausselieu darf, so hat uns die Zeitgeschichte ein klassisches Beispiel geliefert. Wir alle aber fühlen, daß wir aus der Schmach eines Ghetto-Judentums, das solche Sumpfblüten produziert, uns retten müssen. II. Oie ,Jüdisch- Liberale Zeitung“ brachte in den letzten Wochen Berichte aus Palästina von einem ״in Tel- Awtvv ansässigen Berichterstatter“ namens Joachim Fischer. In diesen Berichten wurde, unter maßloser Uebertreibung aller Schwierigkeiten und Mißerfolge, die gesamte jüdische Arbeit in Palästina mit zynischer Schadenfreude verurteil(. Die Artikel bezeichnet«! die Schilderung unparteiischer Beobachter (wie etwa des Generals Sdiocnaich) als Bluff und warnten die armen Einwanderer vor den zionistischen Verführern. Bereite vor einiger Zeit hat ein gewisser Herr Robert Peiper, diesmal unter der Firma des ״Verbandes nationaldeutscher Juden“, eine ähnliche Tätigkeit in Deutschland entfaltet Dieser Herr, auf dessen Autorität siel! noch beute die Anhänger des Herrn Naumann berufen, wurde bald als Schwindler entlarvt und mußte auch aus dem ״Verband natioostdeutscher Juden“ ausscheiden. Trotz dieses Präzedenzfalles hat die Redaktion der ״Jüdisch-Liberalen Zeitung“ zu dem von ihr engagierten Korre- »pondenten großes Vertrauen gehabt, offenbar weil er es ver- Stand, die Bedürfnisse nach ungünstigen Palästina-Nachrichten mit dem richtigen Instinkt für die Gangbarkeit der Ware zu befriedigen. Nun wird uns über diesen Herrn Fischer, der in Palästina allerdings unter dem Namen C11 a i m Fischer lebt, folgendes mitgeteilt: Herr Fischer stammt aus Bielitz i. Schl., wo er bis zu *einem Bankerott Kaufmann gewesen Ist und das er dann unter merkwürdigen Begleitumständen, unter Zurücklassung von erheblichen Schulden und von Frau und Kind, fluchtartig verlassen hat. In Palästina trieb er sich längere Zeit herum, bis er auf den Gedanken kam, durch journalistische Tätigkeit einen Erwerb zu finden. Er hat sich dem Hauptbüro des Jüdischen Natio 11 alfonds zur Abfassung propagandistischer Artikel empfohlen. Nachdem das Büro sein Anerbieten mehrmals abgelehnt hatte, empfing es von ihm dn Schreib«, datiert vom 11. März 1026, in welchem es wärtlieh heißt: ״Da ich jetzt mehr freie Zeit habe, habe ich beschlossen, mich der Schriftstellerei mehr zu widmen. Ich habe begonnen, im ״Haarez“ und im ״Mischar Wetaasija“ zu schreiben. Bitte teilen Sie mir mit: 1. die Richtlinien Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinckcstr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Posts.hrckkonto Nr. 37S30 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Der Baustein, aus dem das Gebäude der Zionistischen Organisation errichtet ist, ist der Schekelzahler, das ist der einzelne Zionist, der Jude, der sich zum ״Baseler Programm“ bekennt und dieser Tatsache durch die Zahlung des Organisationsbeitrages, des Schekels, Ausdruck gibt. Sonntag, den 9. Mai. Jugendgruppe Süd, Fahrt, verbünd« mit einer Lag b’omer-Feier. Treffpunkt: Potsd. Bhf. (Wannseebhf.), Punkt 8»/j Uhr vorm. Montag, den 10. Mai abends 8V» Uhr Berliner Zionist. Vereinigung u. Misrachl-Ortsgruppe Berlin, Ijar-Kundgebung. Thema: ״Die jüdische Wirklichkeit“. Redner: Oberrabb. Brody, Prag, R.-A. Dr. Apfel, R.-A. Dr. Klee. Jugendgruppe Süd, in den City-Festsälen, Dresdener Straße 52. Herr Astrachan: ״Ist eine Aenderung der zionistisch« Arbeit»- und Erziehungsmethode notwendig.“ Gruppe Ost. Jeden Mittwoch abends 8% Uhr Zusammensein im Wohlfahrtsamt der Jüd. Gemeinde, Meyerbeerstr. 8, pt. Poale Zion, Jeden Sonnabend abends 8 Uhr im Heim, Lim'enstraße 150, III. HapoüI-HazaTr, Jeden Donnerstag abends 8*/a Uhr Zusammensein Versammlungsort wird jeweilig bekanntgegeben. Jeden Sonnabend nachmittags 5>/נ Uhr Zelre Misrachl, im Misraehi-Büro, Monbijouplatz 1. Jüdischer Geschichtskurs. Leiter: stud. phiL Fiescher. über die Art der Artikel, die Sie wünschen, 2. die Mindestzahl der Druckbogen, 3. die Höhe der Bezahlung.“ Sein erster antizionistischer Artikel unter der Ueberschrift: ״Palästina unter der Lupe“ erschien in der ״Jüdisch- Liberalen Zeitung“ am 26. März. Der Artikel war also offenbar bereits geschrieben, als das neue Anerbieten an den Nationalfonds erfolgte. Ob Herr Fischer auch bei der Liberalen Zeitung nach den ״Richtlinien“ für seine Artikel vorher angefragt hat, ist uns leider nicht bekannt Dagegen wissen wir, daß er noch Anfang April der Redaktion des Sammelbuche« ״Maantth“ anläßlich des Schriftstetlertages zugunsten des Keren Kajemeth einen Artikel eingesandt hat, der ihm am 16. April mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückgesandt wurde. Wir beglückwünschen die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“ zu diesem Mitarbeiter, von dem sie, wie sie auf unsere Vorbaitun gen erwidert hat, auch weiterhin Berichte veröffentlichen ^ird, um entgt&en-der emsmtigeB Beleuchtung, der Zionist« ihren Lesern endlich die Wahrheit über Palästina zu enthüllen. Vielleicht wird aber dies« Beispiel die Herren, die mit solcher Selbststeherhdt von dieser Berichterstattung sprachen (der betreffende Artikel der liberalen Zeitung war unterschrieben H. S.), doch veranlassen, sich ihrer Ahnungslosigkeit in diesen Dingen bewußt zu werden und zu begreif«, daß man auch als Gegner an diese große Jüdische Sache, deren Wirklichkeit vor aller Weit offen hegt, nur mit Ehrfurcht und Sachkenntnis herangehen darf. Die Arbeiterbank (Bank Hapoaliml stellt das.Kreditinstitut der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina dar. Sie wurde im fahre 1921 gegründet Ihr Aktienkapital befragt t 60,000. Die Gründerakti« gehören ausschließlich der Exekutive der jüdisch« Arbeiterorganisation in Palästina. Die Vorzugsaktien der Bank sind im Besitz der Zionistisch« Organisation. Zur Förderung des Bauwesens in Palästina wurde im Jahre!922 die Genera! Mortgage Bank of Pa- 1 e s 11 n e (Hypothekenbank) gegründet Ihre Aufgabe ist die Gewährung von durch Pfand gesicherten Darlehen auf bewegliches und unbewegliches Eigentum an Juden in Palästina. Das autorisierte Aktienkapital beträgt £ 200,000. Die Bank gibt 7 ׳,oige Pfandbriefe aus. Eine nene Brasdtäre: Im Kampf am den Zionismus # Nam einem Vorfrage von Karl Blnmenfeld Heraatgegeben von der Zionistischen Vereinigung fttr Deutschlaud Preis« Mk. 0,20 Za beziehen vom Büro Berlin, MeineKesiraftc 10 and von allen Zionloflfdien Ortsgruppen in DeafM&land Die ״Weltbühne“ Nr. 18 enthält einen Aufsatz ״Für den Zionismus“ von Robert Weltsch als Antwort auf L. Goldbergs ״Jüdische Renaissance“. Gruppe Charlottenburg der B. Z. V. Die Mitglieder der Gruppe Charlottettburg werden besonders ״uf die Veranstaltung der B. Z. V. und des Misrachi am Montag, den 10. Mai, abends 8(4 Uhr, Im großen Saal des Brüdervereinshauses, Kurfürstenstraße 115/116, aufmerksam gemacht Es sprechen dort die Herr« Oberrabbiner Brody (Prag), Dr. Apfel und R.-A. Dr, Klee. Thema: ״Die Jüdische Wirklichkeit“. Ueber die weiter« Zusammenkünfte der Gruppe Charlottenburg wird noch näheres bekanntgegeben. Cottbus. Im Rahmen der ijar-Aktion sprach hier am 25. April Herr Dr. Hans Bloch, Berlin, über: ,,Die jüdische Wirklichkeit“. Der Vortrag hinterließ einen sehr guten Eindruck, der sich darin dokumentierte, daß einige ausgesprochene Gegner in ihrer Einstellung erschüttert und somit unserer Sache näher gebracht worden sind. Herrn Dr. Bloch sei an dieser Stelle bestens gedaakt. Das Jüdische Volksheim, Berlin, sucht für sein« Kindei«־ hört (nachmittags) eine Hortnerin. Vorstellung von 9 bis 11 Uhr vormittags bei Frau Dr. Oll«dorf, Friedrichstr. 129, Haus D, II. Aufg. II. Jugendkundgebung in Essen. Die national-jüdischen Jugendorganisationen von Rechtsrheinland und Westfalen veranstalten am Donnerstag (Himmelfahrt), den 13. Mai 1926, in Essen an der Ruhr eine große jüdische Jugendkundgebung. Ort: Aula der Hamboldt-Oberrealschule, Steelerstraße, neben der Synagoge. Beginn: p ü n k 11 i c h 3 Uhr nachmittags. Ende: 7 Uhr abends. Das Thema dieser Kundgebung lautet: ״Deutschlands jüdische Fugend und der Zionismus“. Es wird in zwei Referaten mit anschließender Aussprache behandelt werd«: 1. Jüdische Not, Jugendbewegung und ihre Probleme (Referent: Dr. Siegfried Kanowitz, Berlin); 2. Wir und die jüdische Wirklichkeit Palästinas (Referent: Hermann Grad* nauer, Ajn-Charod (Palästina), Hameln). Zu dieser T^s-ag sind alle Kreise der jüdisch« Jugend eingeladen. Es wircl erwartet, daß kein junger jüdisch-interessierter Mensch es versäumen wird, an dieser, einer gründlich« Information über das angeschnittene Thema dienenden Kundgebung, teilzunehmen. Ganz besonders gilt dies natürlich für junge Menschen, die bereits in einer jüdischen Jugendorganisation zusammengeschlossen sind. Wir hoffen jedoch, daß auch von der jüdischen Jugendbewegung noch nicht erfaßte Kreise an dieser ernsten und sachlich« Aussprache teflnehmen werden. Synagoge ״Der Friedenstempel“, Berlin-Haleusee, Markgraf-AIbrecht-Straße 11/12. Hauptgottesdienst: Freitag: abends 7 Uhr; Sonnabend: vormittags 10 Uhr; Mincha: 8.01 Uhr; Sabbatausgang: 831 Uhr. Wochentagsgottesdienst: täglich morgens 7 Uhr, ab«ds 7(4 Uhr. raiasiina-firundionds (Km Haiessofl) 1 u. Berlin W15,,.Melnekestraße 10. '׳ ‘י< Bankkonto: Dannstädter und Nstionalbankt Depos.-Kasss 59. Kurtürstendaicsa 62. Postscheckkonto: Berlin Nr. 104951. Geschäftliche Mitteilungen Bfk״antmRfbnnK! Do» auBeTgewhhallohe Angebot! im Anzei-onteil (100 Reiehnnark in bar) ist kein Reklameaoherz, sondern durchaus reaht«verbindlich. F. Odorieh, Hamborg 10־. Barr S. Charlir, dar I» Friedrichroda 25 Jahre einen Popsionsbetrieb hatte, hat jetzt im Seebad Beringsdort. dicht am Strande, ein vor• nehme« Haa« mit streng Tit. ers-klasdeer Verpflegung eröffnet, worauf wir unsere Leser auch an dieser Stolle aufmerksam machen. Med. Dr. B. Kapelner ordiniert Winfermonale: Sommermonate: Meran, Hotel Royal Marieilftdd, Hotel Bristol fflVtiSiaMKim '־v4P . •TiE Erika- Schreibmaschinen können auch mit hebräischjiddischer Tastatur geliefert werden Katalog 157 kostenlos fl IBKMRfifl AUSDRUCK des organisierten Volkswillens: H■■ C *PRsfl BftfEB I VA IUI I ■■ M m 31 91 B Ri IR■ ■I Hb ■ük ■1 ■I m

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