Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 19 (9.3.1926)
- Date
- 1926-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 142 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 19 Hermann Strock ftlafzig|8brig Zweifle ja nicht daran, mein lieber Struck, ich könnte dich ausbündig loben. Ich könnte dielt schamrot machen in deinen Bart hinein. Ich brächte es fertig, da du ja fünfzig bist und stillhalten mußt, einen Katalog unserer Freundschaft aufzustellen und mit nngebomer Bosheit dich über den grünen Klee, womit ich nicht unseren ewig jungen Alfred Klee meine, beträchtlich emporzupreisen. Ich könnte sagen: in einer pöbelhaften Zeit seiest du einer der paar gewachsnen, wirklichen Aristokraten. Einer von denen, die reserviert beiseite warten, bis eine Sache sie wirklich braucht, und die dann sich, mit ganzer Figur, in die Bresche stellen — wobei die Bresche auch die böse wimtnelnde Kleinarbeit eines mickrigen Partei-alltags sein kann. Ich könnte sagen, du hättest den Humor, den Instinkt und die feinendigen Nerven eines wirklichen Mannes. Und du weißt bestimmt, daß in dieser Zeit der Großmäuler wirkliche Männer fast nur bei Kipling Vorkommen. Ich könnte sagen, du habest die disziplinierte Verschwenderfähigkeit eines grand-seignetirs. Du verschwendetest das einzige, was Menschen an unübertragbaren, unübersetzbaren Werten haben: Lebens tage. Ich habe dich oft deswegen verwünscht. Denn, zum Teufel, lieber Struck, der Mensch ist einer und unteilbar, und was an Konzentration einer an Zionisten, Misrachim, Agudahleute, Besucher, Raws, Rcbbes und Malkollegen abgibt, das fließt aus seiner Arbeit auf Nimmerwiedersehen hinaus. Und du hast ja wohl nach jenen kleinen Nebenberuf, in dem du so hübsche Fortschritte machst. Ich meine nicht die edle Kunst, ein Ehemann zu sein, sondern die, die Welt abzumalen. Komische und fantastische Einrichtung der Welt — du sitzest vor ihr und porträtierst sie. Soviel Treue, soviel Hingabe, soviel ewige Lernkraft tmd -fremde möchte ich bald mal auf einem anderen menschlichen Gebiete angewendet sehen, wie aus deinen Blättern spricht! Es sind hauchzarte Dinge darunter, Schierke, weißt du, Venedig, vollkommene Niederschriften von allcrzartester Reinheit. Und eine solche Masse Menschen aus dem Osten und von allerwärts . tautende Gesichter, die von dir ihr Recht forderten und bekamen. Unter Deinesgleichen bist du ja schon ein Klassiker. Aber vor dir selbst bist du ein begabter Beginne!״, nicht wahr, H. St? wie jeder wirkliche Kerl. Ein Mann mit einem scharfgeladenen Auge, einer treuen, treuen Hand, tmd einem Geiste der Andacht und Mühe. Und wenn du Siebzig bist, dann sprechen wir uns wieder; hoffentlich gibst du mir keinen Anlaß, eher öffentlich Schande auf dich zu häufen!! Es ist nämlich schrecklich schwer, soviel Privates verschweigen zu müssen! Zum Beispiel, nicht erzählet! zu dürfen, wie du im Jahre 1017 die amerikanischen Hilfsgelder wieder fließen machtest, die das States Departement beschlagnahint hatte, und dazu nach der Schweiz geschickt wurdest mit nichts ausgerüstet als deiner menschlichen Person, ganz allein gegen den alterprobten Kriegswahnsinn Europas tmd den frisch lackierten Irrsinnsausbntch Amerikas stehend, und wie du Erfolg hattest, wo jeder Kenner dir das Scheitern schon vor den Vorzimmern prophezeite, und wie du bescheiden wiederkamst und deine Sache weitermachtest . . . Lieber Hermann Struck, alter MIsrachi-Kapitän: es gibt in jeder Epoche ein paar Leute, die ausdrücklich dazu an- »Hestedt zu sein •scheinen, andern Mensch«!: Mut-» machen. Mut zum Leben und Mut zu ihrem Volke, das in aller Mießigkeit des Alltags nicht aufhört, solche Zivil-Aristokraten gelegentlich heranszustellen. Und wenn du einen solchen und seine Gattin, geboren zu Berlin, in Haifa, Hadar Hakarmcf, triffst, so grüße sie schön von deinem Arnold Zweig. * Hermann Struck wurde am <>. März 50 Jahre alt. Der Meister, der bekanntlich vor einigen Jahren seinen ständigen Wohnsitz in Palästina genommen hat, weift gegenwärtig in Berlin. Struck, der in Berlin geboren ist, bereiste die ganze Welt. Er gehörte der ״Sezession“, dem Kreis um Liebermann und Corinth, an. In den neunziger Jahren malte er in Dänemark und in Holland und porträtierte in Amerika bedeutende Köpfe. Sehr reich ist die Galerie seiner deutschen Bildnisse. Er porträtierte Gcrhart Hauptmann. Richard Dehme!, Lovis Corinth, sowie bedeutende Juden wie Theodor Herzl, Albert Einstein, Lesser Ury und Richard Beer-Hoffmann, Im Kriege war er Offizier der deutschen Armee. Als Frucht seiner Kriegserlebnisse im Osten gab er gemeinsam mit Herbert Eulenberg das Buch ״Bilder aus Litauen und Weißrußland“ und mit Arnold Zweig ״Das ostjüdische Antlitz“ heraus. Die Graphiker von heute, und nicht die schlechtesten unter ihnen, haben ihm viel zu verdanken, theoretisch und praktisch. Sein berühmtes Buch, ״Die Kunst des Radierens“, wies unzähligen Künstlern die Wege, und Struck selbst, der Radierer von Internationalem Rur, ist vielen der erfolgreichste Lehrer gewesen. Struck ist seit Anfang der Bewegung Zionist. Vor mehr als 20 Jahren bereiste er Palästina und ״entdeckte“ kifnstlerisch die palästinensische Landschaft, die ihn seither nicht mehr losließ. Er gab damals zusammen mit Friedemann das erste große Reisewerk über Palästina heraus. Besonders freundschaftliche Beziehungen verbanden ihn mit Herzl und das bekannteste Herzlbild ist Strucks Radierung. Als sich der Misrachi innerhalb des Zionismus organisierte, trat Struck dieser Fraktion bei, der er seitdem angehört. Er hat aut den Kongressen als einer der Führer der Misrachi- Fraktion, die er auch bis zum letzten Kongreß im Aktions- Comite vertrat, eine hervorragende Rolle gespielt. Gegenwärtig gehört er dem Direktorium des Jüdischen Nationalfonds an. Die Jewish Drama League, London, deren Präsident Israel Zangwill ist, hat das Drama ״Die Jagd Gottes“ von Emil Bernhard (Rabbiner Dr. Emil Cohn-Berlin) zur engfischen Uraufführung erworben. Das Stück wird noch in diesem Jahre auf den ersten Londoner Theatern gegeben werden. Ke Berliner Aufführung wird demnächst in den Kamtr.erspiclen erfolgen. fn Jerusalem wurde eine neue Verlagsanstaft unter dem Namen ״Knesseth“ gegründet. Das literarische Komitee besteht aus den Herren Mordechai ben Jecheskiel, A. M. Lif- *chitz, S. Agnoii, Radler-Feldman und Rabbi I. Schapiro. Als erste Veröffentlichungen sollen erscheinen: ״Ozar Haarez“ (Das Ideal des Aufbaus von Erez Israel in den jüdischen Schriften); ״Unsere Wand“ (An der Klagemauer)׳; Geschichte der chassidischcn Bewegung usw. Am 1. April wird in Moskau eine Konferenz der jiddischen Kulturfunktionäre der Sowjetunion stattfinden. Ke Konferenz wird sich mit der Festsetzung des jiddischen Alphabets, Regelung der jiddischen Orthographie und Vorbereitung eines jiddischen akademischen Wörterbuches sowie der Schaffung einer jiddischen Terminologie für administrative, juridische und andere Gebiete befassen. Der jüdisebe Sefm-Klnb io Opposition W a r s c h a u , 4. März. (J. T. A.) Das Präsidium des Oberrats der Zionisten ganz Polens sprach den ostgalizisehen Mitgliedern des Klubs der jüdischen Deputierten und Senatoren eine scharfe Rüge dafür aus, daß sie bei der vorgestrigen Wahl des Klubpräsidiums nicht für Hartglaß als Präsidenten votiert, sondern sich gleich den Agudisten und Misrachisten der Stimme enthalten naben. Das Präsidium des Oberrats beschloß ferner, den Abgeordneten Hartglaß autzufordern, die auf ihn entfallene Wahl als Präsident des jüdischen Klubs im polnischen Sejm und Senat anzunchmen. Gestern spät abends hielt der jüdische Klub wieder eine Plenarsitzung ab. Zu Beginn der Sitzung erklärte Abg. Hartglaß, daß er sich der Partcidiszipiin füge und die ihm vom Klub übergebene Würde eines Präsidenten annehme. Er verlas hierauf eine Erklärung über die Rieht- Iinien der künftigen Politik des ■Klubs, in der es heißt: Der Klub der jüdischen Deputierten und Senatoren ist im Prinzip bereit, sich mit jeder Regierung zu verständigen, die die jüdischen Rechte gemäß der Verfassung und den Minderheitsverträgen anerkennt. Insbesondere spricht sich der Kiub für eine Politik der V c rständigung mit de וזו polnischen Volk und der polnischen Gesellschaft, aber gegen jedes System intcrparteiticher Verträge aus. Ein Zusammenwirken mit den übrigen Gruppen der nationalen Minderheiten in Polen wird nur dann in Betracht gezogen, wenn das Programm und die Forderungen dieser Minderheiten mit den Staatsintercssen Polens in Einklang zu bringen sind. Gegenwärtig aber — so schloß Präsident Hartglaß seine Erklärung — bieibt kein anderer Weg als der der Opposition zur gegenwärtigen Regierung, da sie die strikten Abmachungen mit der jüdischen parlamentarischen Vertretung und die übrigen gerechten jüdischen Postulate unverwirkiieht gelassen hat. Nach Schluß der Erklnrung des Abg. Hartglaß setzte die Diskussion ein. Sowohl die Sprecher der Zionisten, ais auch die der Agudisten, Misrachisten und der Gruppe der Deputierten und Senatoren Ostgafiziens erklärten sich mit Form und Inhalt der Erklärung Hartglaß einverstanden. Durch diese Darlegungen der Vertreter der einzelnen Gruppierungen im jüdischen Klub erscheint die Krisis innerhalb des Klubs, die seit langer Zeit andauert und in den letzten Wochen wieder schärfere Formen angenommen hat, überwunden. Spät nachts ergriff noch der Abgeordnete Reizes das Wort und schlug eitle Resolution vor, wonach in Anbetracht der Fortdauer der Beschränkungen der Aufnahme von Juden bei den Universitäten und Hochschulen der Klub jüdischer Deputierter und Senatoren den Uebergang zur entschiedcnen Opposition gegenüber der Regierung vollzieht. Der Antrag des Abg. Reizes rief eine andauernde, zuin Teil sehr erregt geführte Diskussion hervor. Es kam noch zu keiner Beschlußfassung. Warschau, 5. März. (J. T. A.) Abg. J. Grün bäum hat dem Abg. Hartglaß mitgetcilt, die Präsidentschaft von Hartglaß bürge ihm dafür, daß der entschlossene Kampf für Verwirklichung der jüdischen Forderungen! wieder aufgenommen werden wird; er habe sich deshalb entschlossen, dem Klub wieder beizutreten. Der Klub hat beschlossen, die Abstimmung über den Antrag Reizes, daß der Klub sofort in die Opposition zur Regierung überzugehen hat, für den 16. März zu verschieben, damit zuerst die Meinung der am 14. März zusammentretbndcn ailpolnischen Zionistenkonferenz gehört wird. ׳־"־־—. Kein PsüstiiiMBit iii RjiSliiKl ־ Dem Moskauer JTA-Vertreter wird aus authentischer Quelle mitgeteilt, daß die Statuten der geplanten ״Gesellschaft für Regelung der Auswanderung nach Palästina“, die die Funktion eines Palä stinaa m t es in Rußland ausüben sollte, von den zuständigen Behörden abgelehnt wurden. Auch wurden die Gesuche um Bewilligung zur Eröffnung hebräischer Schulen, zur Herausgabe hebräischer Bücher und Zeitschriften, a b g c w i e s e n. Die Konferenz der jüdischen Religionsgemeinden in ganz Rußland, deren Einberufung für März nach Leningrad geplant war, mußte wegen unvorhergesehener Umstände abges a gt werden. — Wie bekannt, haben im JuU 1925 der bekannte jüdische Kornnonist und Professor am Moskauer Konservatorium Prof. David Schor, der gegenwärtig in Palästina wohnt, und der frühere Präsident des Maccabi-Verbandcs in Moskau, Isaak Lwowitsch- Rabinowitsch, bei dem Sekretär des Zentral-Exekutivkomitees der Sowjetunion, Herrn Smidowitsch, dahin interveniert, daß in Rußland eine Organisation für Regelung der Auswanderung nach Palästina gestaltet werde, da der Zionismus eine nationale Befreiungsbewegung darstellt und keine innerpoiitischen oder innerwirtschaftlichen Ziele verfolgt. Aut Grund dieser Intervention wurden dann die Statuten der geplanten Palästina- Gesellschaft dein Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten unterbreitet. Als Ziele der Gesellschaft wurden angegeben: 1. Aufklärung über Lage von Ackerbau, Handwerk, Handel und Industrie in Palästina; 2. Besorgung von Visen für Aus- Wanderer nach Palästina; 3. Intervention bei den Behörden des In- und Auslandes wegen der Auswandererpässe; 4. Unter- Stützung der Palästinawanderer vor und während ihrer Reise. — Eine Legalisierung des Statuts hätte die Bedeutung, daß die zionistische Arbeit in Rußland genehmigt sei. Eine Zeit lang hatte es den Anschein, als wenn die Stimmung einer Legalisierung günstig sei. Es scheint aber, daß sich in der letzten Zeit Schwierigkeiten ergeben haben. Wenn sich die Nachricht der JTA. bewahrheitet, so liegt hier ein Bruch von Versprechungen vor, die von autoritativer russischer Seite wiederholt gegeben wurden. Eine solche die Sowjetrepublik schädigende Maßnahme ist offenbar wieder von der in dieser Sache befangenen Jewsektia inspiriert. Proteste gegen Itlsehe Pegromiaefarieliteii Moskau, 1. März. (J.T.A.) Vor kurzem tagte in Charkow die erste Konferenz der ukrainischen Abteilung der unparteiischen Gesellschaft für jüdische Kolonisation ״OZET“. Hauptberatungspunkt war das System der jüdischen Landansiedlung in Rußland. Es wurden Berichte über die Arbeit des Zentralverbandes ״OZEP‘ in der Sowjetunion und des Landesverbandes ״OZET“ in der Ukraine erstattet In den Berichten aus den einzelnen Distrikten wurden die S c h w i e - rigkeiten geschildert, die dem neuen Siedlungswerk noch gegenüberstehen. Hauptsächlich macht sich der Mangel an Häusern, an Schulen sowie an medizinischen Hilfsmitteln! fühlbar. Einige Redner sprachen die Entrüstung darüber aus, daß in Amerika Gerüchte über Pogrome in Sowjetrußland verbreitet werden. Dr. Joseph Rosen, der Leiter der Agro-Joint, teilte mit, er habe eine telegraphische Anfrage vom Joint Distribution Committee erhalten, ob cs wahr sei, daß die ukrainischen Bauern gegen das jüdische Kolonisatlonswerk protestierten und mit Pogromen drohen. Er habe sofort nach Amerika telegraphiert, daß an diesen Gerüchten kein wahres Wort sei. Es wurde eine Resolution angenommen, die gegen die Verbreitung falscher Pogromnachnchten protestiert und zur Unterstützung des Kotonisatkaiswerkes auffordert Pressesttmmea Die Regierung hat bekanntlich auf Grund des neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes Einbürgerungsämter eingerichtet, die Anmeldungen zur Einbürgerung entgegennehmen. ״Haarez“ beschäftigt sich in einem Leitartikel mit der Tatsache, daß die jüdischen Einwohner Palästinas bisher Von der Möglichkeit der Erwerbung der Staatsbürgerschaft wenig Gebrauch gemacht haben. Dies werde bereits von den Gegnern ausgenützt, die darauf hinweisen, daß die Juden sich gar nicht im Lande verwurzeln wollen. Das Blatt untersucht die Ursachen dieses bedauerlichen Verhaltens der jüdischen Bevölkerung und bemerkt zunächst, daß die amtliche Bekanntmachung der einzuschlagenden Prozedur äußerst mangelhaft gewesen ist. Außerdem sei es in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage wie die gegenwärtige viel verlangt, daß Menschen, die schon vor drei Jahren anläßlich der provisorischen Einbürgerung alle Formalitäten erfüllt haben, wieder zu den Aemtern laufen, Zeit opfern und obendrein noch Gebühren bezahlen müssen. Es sei aber nicht zu leugnen, daß es auch viele gibt, die durch die jahrelange Hinauszögerung das Vertrauen verloren haben und daher jetzt keine große Begeisterung zeigen. Das Blatt fordert zum Schluß alle nationalen Institutionen, insbesondere den Waad Leumi, auf, in der jüdischen Bevölkerung eine große Aufklärungskampagne zu organisieren, um die eminente nationale Bedeutung der Einbürgerung allen Juden zum Bewußtsein zu bringen. Der bekannte Publizist Mosche S in i I a n s k y nimmt in ״Haare/.“ Stellung zu der Umwandlung der palästincnsisehen Gendarmerie. Er betont, daß die militärische Verteidigung des Landes in den Händen eines neutralen Elementes liegen sollte, also der Engländer, denen durch Stationierung zweier ordentlicher Regimenter in Palästina keine Sonderausgaben erwüchsen. Wird aber ein Grenzvertcidigungskorps gebildet, so sei der Ausschluß der Juden unerträglich. ״Ich wünsche nicht, daß auch mir einer von uns seinen Spaten zum Schwerte tunschmiede. Aber ich kann nicht zugebeu, daß es irgendeinem von uns verboten werde, das Schwert zu tragen, jeder Versuch, im Lande etwas zu schaffen, was die aus dem Oolus bekannte Aufschrift trägt ״Für Juden verboten", ist ein Angriff auf unsere Seele.“ Smilansky führt weiter aus, daß wir Transjordanien als Teil betrachten und man daher nicht sagen dürfe, die judenreine Abteilung sei nur für Transjordanien bestimmt. Das schlimmste aber sei, daß aus dem Zirkular der Regierung der Schluß gezogen werden könne, daß die Regierung an unseren Rechten rüttelt, und ein solcher Glaube würde die Fellachen, die ein sehr friedliches und ruhiges, aber autoritätsgläubiges Element sind, und uns als LandtVeinde nicht lieben, ermutigen, den antijüdischen Agitatoren Glauben zu schenken, da ja auch die Regierung die Juden ausschließt. Heute herrscht völlige Ruhe im Lande. Aber jede Beeinträchtigung des Gleichgewichtes von seiten der Regierung könnte die Ruhe gefährden. Das neueste (März-)Heft der ״Europäischen Revue“ (Der Neue Geist-Verlag, Leipzig) bringt unter anderem reichen Inhalt über europäische Probleme (Erziehung in England, Industrie in Frankreich usw.) einen Aufsatz von Hugo Bergmann ״Religiöser Zionismus“, in dem den religiösen Wurzeln der Zionssehnsucht nachgegangen wird. Erwähnenswert ist die Art und Weise, wie die Redaktion in der Ankündigung des Heftes diesen Beitrag anzeigt. Es heißt dort nach Anführung des ersten Aufsatzes von Peter Wust über die ״Krisis der westeuropäischen Humanitätsidee“: ״Eine interessante Analogie zur Krisenperspektive Wusts gibt Hugo Bergmanns (Jerusalem) ״Religiöser Zionismus“. Auch der Zionismus steht, wie alles in dieser Gegenwart, unter dem Zeichen der Krise. Aber während die arisäte Welt Wegtas dem Chaos entgegenjagt, rbewlhrt ■sich י dle-״alte־'״ Gcieh1ehteertÄo®g" des Mtentums aufs neue: Gerade in schärfsten Krisen Brechen seine stets sich verjüngenden Kräfte am reinstell hervor.“ Der ״Jewish Guardian", das Organ der liberalen Juden England, veröffentlicht in seiner letzten Nummer einen interessanten Bericht von Sir Philip H a r t o g, dem Vizekanzler der Universität Dacca (Indien), der aut seiner Reise nach England sich fünf Tage in Palästina autgchalten und dabei vor allem die Universität und die wissenschaftlichen Institute besichtigt hat. Hartog äußert sich mit großer Anerkennung über die Institute und bezeichnet die allgemeinen Richtlinien der Universität für richtig. Eine Lernuniversität nach dem Muster Westeuropas wäre für die speziellen Bedingungen Jerusalems ungeeignet gewesen. Besonderen Eindruck hat auf den Gast die ausgezeichnete Organisation der Nationalbibliothek gemacht. Hartog betont die Notwendigkeit, gewisse Lücken aer Bibliothek auszufüllen, wozu Geld erforderlich wäre. Auch die landwirtschaftliche Versuchsstation und das Technikum hat er besucht. ln derselben Nummer veröffentlicht das Blatt einen Leitartikel ״Der Aufbau Pa lä s t i nas“, worin es sich schart gegen die englischen Juden wendet, die ihre proportionelle Verpflichtung gegenüber dem Keren Hajessod nicht erfüllt haben. Das Blatt polemisiert aucli gegen eine Bemerkung, die Lord Swaythling in New York gemacht hat, die Balfour• , Deklaration habe den Juden Schaden gebracht, weil sie df! Juden als Nation anerkennt. Demgegenüber betont ״Jewisl ן׳ Guardian“, daß die Balfour-Deklaration keineswegs die Juden als Nation behandle und daß daher der Aufbau Palästinas auch von nicht nationalen Juden unterstützt werden müsse. Das ״Hamburger Fremdenblatt“ vom 5. Febr. 1926 bringt eine ausführliche Besprechung eines Vortrage» von Franz Carl Endres über ״Der neue OricnF'. Endres habe die Zustände in Palästina vielleicht zu optimistisch geschildert. So stände das als blühende Stadt geschilderte Tel- Awiw, nachdem eine unvernünftige Spekulationswut ihre Rück- Schläge auswirkt, nach den neuesten Berichten ״vor dem Ruin“. (Dies das Echo der Berichte des Herrn W e i s 1 im Hamb, Isr. Familienblatt.) Htlstiiafonriitei Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Die Touristensaison hat begonnen. Alltäglich bringen die großen Reisegesellschaften Touristenschiffe nach Haifa, auf denen sich Hunderte von jüdischen Touristen befinden. Die einen fahren nach Nazareth, frühstücken dort und kehren zum Dampfer zurück, um nach Aegypten weiter zu fahren. Die anderen fahren in einem Tage von Haifa nach Jerusalem mit dem Auto, besichtigen die christlichen Stätten und verbringen dann einen Tag in Jerusalem, wo sie von jüdischen Dingen ausschließlich die Klagemauer sehen. Alle kehren in die Heimat zurück mit der festen Ueberzeugung, daß der ganze Zionismus ein großer Schwindel ist, den man als anständiger Mensch bekämpfen muß. Wann wird die zionistische Oeffeutfichkeit begreifen, daß alle Propaganda in den Heimatländern so lange nichts nützt, so lange es nicht gelingt, tausenden Menschen den zionistischen Aufbau zu zeigen, die alljährlich das Land besuchen. Nur eine wirkliche Aufklärungsarbeit wird die großen Reisegesellschaften zwingen, speziell jüdische Programme auszuarbeiten und jüdische Führer zu stellen. Der Hinweis auf die vorhandenen jüdischen Reise• geseilschafterij die diesen Forderungen genügen, ist ein wc• sentUcher Tal dieser Aufklärungsarbeit.