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Jüdische Rundschau · 1924-10-10 · Heft 81 (10.10.1924) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 81 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 584 TU I DI SCHI? RUNDSCHAD Nr 81 Die Freie Jüdische Volücsütodisctale la Berlin Von Dr. Bruno Kirsch 11 er. Wenn cs — neben allen anderen Verfallszeichcn — eines wcilcrcn Symptome« für den Tiefstand des jüdischen Lebens in Berlin bedarf, so genügt ein Hinweis auf tlas Schicksal, daß die Judeuheit unserer Stadt der Freien Jüdischen Volkshocliselnilc bereitet. Als vor fünf Jahren jüdische Orgauisatinucn aller Richtlinie‘״ und Gruppierungen, Konservative und Liberale, Zionisten und Centratvereiii, wissenschaftliche und soziale Verbände, die Gemeindeverwaltung selbst einträchtig miteinander diese Institution gründeten, glaubte man, daB für das geistige Leben der Berliner Juden das Zeitalter eines neuen Aufschwungs begonnen habe; daß — nachdem Kanzel und Unterricht, Bücher und schnell vergessene kurze Vortragsstunden im wesentlichen versagt haben — in dem ernsten, breit ausladenden, bei allem Ansehen der Dozenten doch nicht in Autorität erstarrenden Charakter der Volkshoclischule endlich das Organ gefunden sei, das den forischrdienden Stcrilisierungsprozcß der jüdischen Seele Berlins aufhnlten konnte. Aber nichts von alledem! Nach einem blühenden ersten Semester, das etwa 1500 Hörer erzielte — wie bescheiden ist diese Genugtuung über 1500 Hörer bei schon damals mehr als 50 000 jüdischen Familien in der Stadt! — ging die Teilnelmicr/.ahl fast ständig bergab lind ist in den letzten Semestern bei 300 bis 400 verblieben. Und dies, obwohl die Hörergebühren in Wegfall gekommen sind und also auch die billige Ausrede der 1111erschwinglichen Kosten nichts mehr nützt. Und trotzdem sich in allen verflossenen Jahren der Vorstand lind die übrigen Organe der Freien Jüdischen Volkshochschule in oft wöchentliehen Arbeitssitzungen die erdenklichste Midie gaben, durch Zusammenstellung ansprechender Vorlcsungsprogr.vnme, Heranziehung geeigneter Dozenten, Wald bequemer Lokalitäten und ausgedehnte Propaganda den Boden für ein erfolgreiches Semester vorzubereiten. Mit ruhigem Gewissen kann der Gcschaftsführcnde Ausschuß sämtlicher Semester — im wesentlichen übrigens immer dieselben Personen — behaupten, voi) sich aus mehr als genug getan zu haben. Mit Scham und Erbitterung aber muH er immer wieder feststellcn, wieviel Gleichgültigkeit die zur Dozentur geeigneten Personlichkciten einerseits, die jüdische Jugend, die Frauen und Mädchen, die Studenten, die Lehrer, die Akademiker, die gebildeten Kauflcutc andererseits seinen Bemühungen entgegenbringeu. Und dennoch! Wir geben den Kampf um die Eroberung der Seele der Berliner Juden nicht auf. Ende Oktober wird ein neues Vorlesungstriinester, das fünfzehnte, beginnen. Ein Programm mit 20 Vortragsreihen liegt vor. Wieder weist das Verzeichnis zahlreiche bekannte und beliebte Dozentennamcii, interessante und anregende Themen auf. Religiöse und philosophische Fragen werden in folgenden Zyklen behandelt; Rnbb. Dr. Baeck: Probleme des Bibclglaiihcns; Rabb. Dr. Warschauer: Der Prophet Jesaja; Rabb. Dr. Wiener (Stettin): Der nationale und der Mcnsclihcitsgedankc in der Religion; Dr. Baisohn: Das Problem der Willensfreiheit in Philosophie und Religion; Rabb. Dr. Pick: Jüdische Denker. Von historischen Vorlesungen sind zu nennen:,Rabb. Dr. Jampcl: Biblische Geschichte nach den neuesten arcldioiogischen Forschungen; Robert H i rs eh f cid: Nachbiblische Geschichte der Juden und des Judentums (1. Ted); Rnbb. Dr. Bergmann: Aus der Kulturgeschichte der demsehen Juden; Chefredakteur Georg Bernhard: Die Juden in der deutschen Politik und Wirtschaft; Dr. Joseph Mcisl: Der Chassidismus und seine Geschichte; Dr. Selma Stern: Die Entwicklung des jüdischen Frauentyps seit dem Mittelalter; Dr. Rudolf Kays er: Jüdischer und europäischer Geist, ihre Begegnungen und Beziehungen. Aus dem Gebiete der Sprache und Literatur erwähnen wir: Dr. Torczyncr: Probleme der Bibclwissenscliaft; Prof. J. Friedländer: Di: Psalmen; Rabb. Dr. Goldman״ (Leipzig): Was steht im Talmud?; Rabb. Dr. Blei eh rode: Tahmitlk'klüre; Studienrat Hamincrstcini Hebräischer Untcrrichtskursus; S. Rawidowicz: Neuhebräische Literatur (Seminar). Jüdische Gegenwartsfragen behandelt Dr. Arthur Hantke: Das werdende Palästina, und Prof. Dr. Heinrich Loewc: Jüdisclic Volkskunde (1. Teil). Wie man sieht: Ein Programm, das vieles lind damit sicherlich jedem etwas bringt. Mit Recht dürfen wir wohl erwarten, daß die Berliner Judenheit sich im kommenden Trimester ihrer Verpflichtung gegen unsere Institution wie gegen sich selbst voll bewußt wird. Auch an unsere zionistischcn Freunde, namentlich an unsere Jugend, ergeht diese Mahnung. Mag ihnen auch in eigenen Vereinigungen mancherlei Wissenswertes geboten werden, die Vorlesungen der Volkshochschule werden auch ihnen eine Bereicherung bedeuten. Und mögen sic nicht vergessen, daß sie durch ihre Mitarbeit ein Werk unterstützen, das wie kaum ein anderes berufen sein sollte, den geistigen Aufbau der Berlincr Juden zu fördern! « Hörcrgcbührcii werden nicht erhoben. Eintritt nur gegen Karlen, die gegen Einsendung einer Einschrcibcgcbühr von 50 Pfg. für jeden Vorlesungszyklus beim Sekretariat bei Goldmann, Yorckstt. 88 (Lützow 4721) zu beziehen sind. Neue Schuten in Tcl-Awjtv und Jaffa nötig Die Kchillah von Tel-Awiw und Jaffa hat der Palästinensischen Zionistischen Exekutive eine Denkschrift überreicht, dnß^ im letzten Jahre 1200 schulpflichtige Kinder nach Palastina gekommen sind, von denen die meisten in den genannten •Städten verblieben. Die Kehilla erklärt sich bereit, diese Kinder in Schulen untcrzubriiigcn, wenn die Exekutive einen Teil der Kosten übernimmt. Die jüdischen Eltern in Tel-Awiw und Jaffa zahlen 10000 Pfund Schulgeld im Jahr. Ferner hat die Stadtverwaltung von Tel Awiw 3000 Pfund für das Jahres- Budget des Waad Hachinuch bewilligt. Die Kehilla will nun die Schulräumc bcrcitstelien und schlägt vor, daß der Waad Hachinuch eine Summe für die Errichtung neuer, der Kehilla zu unterstellenden Schulen widme oder daß der Waad die neuen, von der Kehilla zti subventionierenden Schulen eröffne. Falls voin, regulären Erzicltungsbudgct des Keren 1 Injcssod per 6(1 (X)0 Pfund nichts verfügbar wäre, solle man die nötige Summe dem Immigrationsbudget entnehmen. Die Entscheidung ist noch nicht erfolgt. der iefcpertetttsf Zionistischen Ve1־elni0snfl für Ilcilsclilaiid in Frankfurt am lala Volksb'üüunQsbelM am Eschenheimer Tor, vorn 21, bl• 24. November 1924 Die genaue Tagesord puog wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Aus den WatilvorsebrIKcn 1. Sämtliche wahlberechtigten Gruppen müssen ihre Mitgliederlisten mit ׳jenauer Adressenangabe bi» *um 24. Oktober d. J. an das Büro der Z. V. f. D. elnachicken, da diese Listen dem Wahlprüfungs ausschuü vorgelegt werden müssen. 2. Die Gültigkeit der Wahlen hängt davon ab, daß die Gruppen die Landesbeiträge für da» Jahr 1924 vor Vornahme der Wahlen an das Büro (Postscheckkonto Berlin 8091) nbführen. Der Laodesbeitrag beträgt für Ortsgruppenmitglicdcr pro Jahr M. 2.--, für Misrachi- und Hapocl-Haza’i'r-Mitglieder M. 1-—, für Mitglieder der Jugendgruppen M. 1. —. 3. D.to Wnhlresultate müssen dem Büro •p&- tcslcr.s bis zum 14. November gemeldet sein. Noch einmal a’as ״Intern!ilionale llillsltontilß für Emigrant«“ Auf Grund unserer letzten Notiz, in der wir uns mit dem ״Intern,ition.ikn Hilfskomitee für Emigranten und Transemi- Krauten'' beschäftigt haben (״J. R.“ Nr. 77/78), gellt uns ein längeres Schreiben von Herrn Dr. S, picgel zu, in dem Herr Dr. Spiegel für sieh und Herrn Dr. Beilcnsohn die Erklärung . abgibt, <! a ß sie nicht als Vertreter jüdischer Org a n i s a t i o 11 c n in d i c s c in ״Internationalen Hilfskomitee“ tätig sind. Wir 11 c h nt c n von dieser Nachricht Kenntnis und stellen demnach fest, daß jüdische Organisationen im Internationalen Hilfskomitee nicht v c r t r c - teil sin d. Im Interesse der jüdischen Emigranten, deren Zahl sehr groß ist, uhd die ebenfalls hilfsbedürftig sind, wäre cs jedoch interessant, zu wissen, weshalb die Herren, und zwar insbesondere Herr Dr. Spiegel, der in seinem Schreiben an uns selbst miitcilt, daß er früher bei einer jüdischen Organisation beschäftigt war und daß er auch nach seinem Austritt ,,alle seine Kräfte zum Dienste jüdischer Emigranten gestellt habe“, cs unterlassen haben, für eine Beteiligung jüdischer Orgsnisalionen, die sieh mit der Einigrantcnfürsorge bcschäftigen, zu wirken. Bei einer Beantwortung dieser Frage durch das Internationale Hilfskomitee würde cs auch die jüdische Oeffentiiehkeit interessieren, zu wissen, weiche Behörden sich an der Gründung des Hilfskomitees beteiligt haben, bzw. welche Mittel diesem Komitee zur Ausübung seiner Tätigkeit zur Verfiigung stehen. Zcha Jahre sozialer Arbeit Der Verein ״Soziale Hilisgcmeuiscbaft Anitta Müller" , hat einen Ucbcrblick über seine zehnjährige Tätigkeit herausgegeben. Als zu Beginn des Krieges die Flüchtlinge aus Gaiizien und der Bukowina nach Wien kamen, und die Masse der Wiener Juden das Elend der Ziiwandcrndcn nicht bcachtctc oder nicht beachten wollte, begann Anitta Müller zu arbeiten. Man erinnert sich, wie damals in Deutschland überall von ihrem sozialen Hilfswerk und von der Kraft, mit der sic von den Besitzenden Mittel für die Armen forderte, gesprochen wurde, wie sie als Erste große ausländische Subventionen nach Oesterreich brachte, und wie man in anderen Ländern, von ihren Energien ergriffen, mit neuer Intensität zu arbeiten begann, Anitta Müller hat einen Kreis von Mitarbeitern gefunden, ohne den sic nichts hätte schaffen können. Wie führend sie in diesem Kreise büch, beweist die Tatsache, daß man den Verein nach vierjähriger Tätigkeit mit ihrem Namen benannte, der die stärkste propagandistische Kraft hatte und allen Außenstehenden Garantien ot. Die ersten Arbeiten waren Gelegenheitsarbeiten, Eingreifen der Hilfe an den Stellen, wo sic gerade besonders not tat; aus der Ordnung dieser Arbeiten entstand ein System, in ihrem Ablauf trat an die Stelle ungeklärten jüdischen Gefiihls die bewußte Verantwortung für das jüdisclic Volk. Anitta Müller ist heute Zionistin. Der Bericht der Hilfsgcmcinschaft ist gut nbgcfnßt. Einer kurzen Schilderung der besonderen Notlage und der jedem spe* ziehen Arbeitsgebiet zugrunde liegenden Idee folgt ein statistischcr Ucbcrblick. Wer einmal sozial gearbeitet hat und weiß, wie schwer jedes einzelne Hilfswerk nufzubnucn ist, wird durch die Summe dieser Zahlen betroffen. Man hat an vielen Aktionen der Anitta Müller Kritik geübt; es ist sehr wahrscheinlich, daß sie wie alle öffentlich tätigen Mensehen Fehler ״cmacht hat. Diese sind aber nicht groß genug, um das Gesamtbild ihres Hilfsvverks zu trüben. Am bekanntesten unter den Arbeiten der Hilfsgemcinschaft sind die Kiuderfürsorge und die Ferienaktionen für Kinder. Diese Aktionen werden durch die Mütterberatung und Wöchncrinnenfürsorgc ergänzt. Arbeitsschulen und allgemeine Einrichtungen zur Hilfe für die Hungernden, Kranken, Obdachlosen und Ratlosen stehen daneben. Der Grundgedanke bet den Hilfsaktionen ist der, das Elend nicht gelegentlich und in einzelnen Symptomen, sondern in seinem Kern zu bekämpfen. Das Motiv für die Arbeit ist ein doppeltes: die Mitverantwortung für das Oesamtlcbcn des jüdischen Volkes und das Bewußtsein der Schuld der im Glück Lebenden an den Notleidenden. Eine in diesem Sinne geführte Arbeit kamt von einem Gebiet auf das andere gedrängt werden, sic kann aber nicht erschlaffen, solange unser Volk und seine einzelnen Glieder leiden. Der Bericht der Anitta Müller hat seine Bedeutung in ihrem Dank für ihre Mitarbeiter und Helfer, er hat seinen letzten Sinn in der Erweckung neuer Encrcjcn zu neuer Arbeit. M. T. c ר"־" L. J jp. -wi J Eir cflirll zusn erstora t-lalo ejSSslonl j Versäumt stickt, Euch In «IIo Wähler- | liste für den Preußischen Landosverband j tidisclter Gemeinden einzntragenl Vertrcicrvmanimluiv) der Li. t. v. Aus formalen Gründen hat die Vcrtrctcrvcrsaimntung der B Z V die am 8. 9. gefaßte Mausser-Rcsolutiou noch einmal diirc'bbcratcn und mit 17 gegen 1 Stimme nunmehr in folgender Fassung angenommen: 1 Die V. V. stellt sich unbedingt ■auf den Boden des Manss.crnrinz.ips. 2. Alle Mitglieder der B. Z. V. haben ihren Maasicr für das Jahr 1924 bis zum Lude des Kalcmlerjalircs gemäf) der Maasscrordmmg zu regeln. Die der B. Z, V. au. grscltlossrnen Gruppen und Sniidervcrbiimic werden verpflichtet, für die Durchführung dieses Beschlusses im Einklang mit dem Keren Hajessod mit allem Nachdruck zu sorgen. 3. Alle hauptamtlichen und ehrenamtlichen Funktionäre der B Z V. «der ihrer Untergruppen und Sonderverb.irnlc haben der ״Maasserpfiieht gemäß’der Maasscrorilmmg zu genügen, anderenfalls sic ihre Aomicr iiicdcrlcgcn müssen. 4. Die V. V. richtet an die Z. V. f. D. das Ersuchen, für die Durchführung gleicher Beschlüsse in allen Ortsgruppen zu sorgen. Auf die besondere untcrschriftliche Verpflichtung der Funktionäre hat die V. V. verachtet, da einstimmig festgcstellt, und anerkannt wurde, daß alle Mnasscrpflichtigcn einen Maasscrvcrpfliditungssclicin zu unterzeichnen haben. Im übrigen hat die V. V. den Etat der B. Z. V. genehmigt. Es soll versucht werden, das du re 11 Beiträge nicht zu deckende Defizit durch gewisse Wirtschaftsmethoden in Zusammenarbeit mit den» Wirtschaftsamt des Blau-Weiß zu decken. Zur gegebenen Zeit wird über diese Wirtschaftsmethoden ausführlich berichtet werden. Schlesischer Zionisfenfag Am 25. und 26. Oktober findet in Breslau ein schlesischcr Zionistentag statt. Am 25. Oktober, abends, spricht Herr Dr. Nnhum Goldman n über ״Der neue Jude in Palästina“. Am zweiten Tage wird er über die Lage im Zionismus sprechen. (Jewish Agency.) Als zweiter Ifauntpunkt der Besprechung ist die Frage der Preußen• wählen angesetzt. Es wird zahlreicher Besuch erwartet. Die Z. V. f. D. ist in der Lage, eine Anzahl geeigneter hebräischer Lehrer für die Provinz, zu empfehlen. Einer dieser Lehrer ist Absolvent des l icrzliah-Oymnasiums in Tel-Awiw und zwei I.obrer können auch Talmudunterricht erteilen. Detaillierte Wünsche und Anforderungen sind an die Z. V. f. D., Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu richten, Die Ortsgruppen Berlin. (Hapoiil-Hazalr.) Die erste Zusammenkunft im neuen Jahre findet Sonnabend, den 11. Oktober, 8','a Uhr abends, im Zionistischen Heim, Landsberger Str. 89, statt. Chawer Dr. Robert Welt sch wird über die Zionistische Jugendtagung in Danzig referieren, Berlin. Gruppe der Zionisten aus dem Osten. Dienstag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr, spricht in den Musikersälen, Kaiscr-Wilhclm-Straßc Nr. 31, Herr Abraham Goldborg (New׳ York) über ״Das Tempo der Aufbauarbeit“. Gäste willkommen. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 50 Pf. erhoben. Berlin. (Arbeitsbesprechung der Gruppe Nord west der B. Z. V.) Nachdem vor einigen Wochen ein Zirkelabend bei Herrn Dr. Hildesheimer, an dem Herr Arnold Zweig über das Thema: ״jüdischer N'ationalismiis“ referierte, zum ersten Male seit längerer Zeit einen größeren Kreis der Zionisten des Berliner Nordwestens vereinigt hatte, fand am Montag, den 6. Oktober, im engsten Kreise eine Besprechung der Wintcrarbeit der Gruppe Nordwest sta». Für den Beginn des Winters sind eine Reihe von Gruppen- und ZirkclvcranstaUungon in Aussicht genommen. Der erste große Abend der Gruppe wird in der Woche nach Sukkoth stattfinden und das Thema ״Zionismus und jüdische Umwelt“ zum Gegenstand haben. Als Referenten sind Herr Oberregierungsrat Goslar und Herr Prof. Freud-Wien gewonnen. Es wurde beschlossen, der Generalversammlung folgenden Vorstand zu präsentieren: Dr. Hildesheimer, Dr. Postier, Dr. L i p m a n n B a r u c 11: engerer Vorstand und Gruppen- und Zirkelabende, Dr. Moses: Keren Hajessod- Arbeit, Dr. Erhard: Natianalfomls-Arbcit, Frau Lotte Engel: soziale und Frauenarbeit. Berlin. (Generalversammlung der Gruppe West-Charlotten btirg der B.Z.V.) Im Mittelpunkt «er Beratung der Generalversammlung der Gruppe West-Charlottenbitrg, die am 23. September des Jahres stattfand, stand die Maasscr-Fragc. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: ״Die Generalversammlung der Gruppe Wcst-Charlottoriburg der B.Z.V. stellt sieh aut den Boden des Maasscr-Bcschlusses der Vertreter-Versammlung vom 8. September d. Js. Sic spricht die bestimmte Erwartung aus, daß die Vcrtrctcrversaiunihmg ihren Beschluß unter allen Umständen nufrechterhält. Die Generalversammlung erwartet ferner, daß die B.Z.V. keinen Delegierten zum kommenden Dclegiertentag der Zionistischen yercinigting für Deutschland entsendet, der die Maasserpfiieht für sich nicht anerkennt. Die Versammlung fordert alle Mitglieder der Gruppe auf, ihren Maasscr für das Jahr 1921 bis zum Ende des Kalenderjahres gemäß der Maasscrordmmg zu regeln.“ Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt; lediglich bei der Abstimmung über den ersten Satz der Resolution enthielt sich ein MJitgiied der Stimme; eine Stimme war dagegen. Zum Keren-Hajessod-Kommissar wurde Dr. Erich M«scs gewählt. Der Vorstand wurde beauftragt, eine Vertrauensmäiincr-Kommissiou cin/usctzcn, die in ZwcifclsfäHci» über den Umfang der Maasserpfiieht entscheiden soll. Die Keren- Hajessod-Arheit soll in engstem Zusammenhang mit dem Derlincr Büro des Keren l lajessod durchgeführt werden. Die Versammlung machte cs ferner alten Gruppcnmitgliedern zur Pflicht, sich unverzüglich in die Wahlliste für die Wahl zur Preußischen l.andcsvcrs.atnmhing, die am 7. Dezember <1. Js. stattfindet, cintragcn ־zu lassen. Die Beteiligung an dieser Wald wurde sämtlichen Mitgliedern zur Pflicht gemacht. Auf Grund der in den letzten Wochen gesammelten Erfahrungen wurde die Bildung einer Jugend-Ortsg ruppe beseht י׳- sen, deren Leitung Herrn Dr. Kupferberg־ übertragen wurde. In den Vorstand wurden einstimmig gewählt: Dr. Alfred Apfel (1. Vorsitzender), Dr. Fritz Simon Ncumann (stellvertretender Vorsitzender) und Dr. Rudolf Pick. In die Vertrctcrvcrsammliing der B.Z.V. wurden delegiert die 1 lerrcit Preis und Dr. Kupferberg als Hauptvertreter, Bacher und Eugen Mittwoch als Stellvertreter. Berlin. (Gruppe Nord der B.Z.V.) Am 25. September fand die diesjährige Generalversammlung der Gruppe Nord statt. Der Vorsitzende der Gruppe, Herr Grün* bäum, erstattete einen Bericht über die Arbeit des vernangenen Jahres. Es ist gelungen, die Gruppe, die bei Beginn der Arbeit sehr darnicdcrlag, in erfreulichem Umfange wieder zu beleben. Es wurden fast wöchentlich Gruppenabende abgchnltcn, die von HX) bis 150 Gruppen-!״»gliedern besucht waren. Ein Kindergarten wurde ge schaffen, der *ich sehr gut entwickelte. Für die ll.iel» ן scharnhkostcn der Berliner Chalu/gruppe winden monatlich 100 ן M. aufgebracht, ln der Debatte wurden Einzelheiten kritisiert, jedoch wurde die rührige Arbeit des Vorstände»

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