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Jüdische Rundschau · 1924-08-01 · Heft 61 (1.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 61 (1.8.1924)
Date
1924-08-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 438 JUED ISCHE RUNDSCHAU Nr Neue Mas5c:1vc11[־s5;!!r׳jca vcu Zlcnbfcn in Rußland ln einer Reihe von Sn,;dien im Gouvernement Po dollen sind neue Masseuverhnt'iungen vorgekommen. Die Zahl der >111.1־.־... um l)cir.i״i im ganzen etwa 330, Sie werden der Zugehörigkeit zu den ihn leien 1״ litaclidut“ timi ״Htchaluz" bc/icluigt. Aur.u'clsuno I!eI12;1t:ter Zlonislco ans Ri'ßland Riga. (J. T. A.) Die bekannten russischen Zionisten II e 1 k o w s k y und B i e 11 o w s k v , die im vergangenen März ■ verhaftet 1;tul spater freigelasscit worden sind, erhielten dieser! Ta;0 die Aufforderung, binnen zehn Tagen R u ß 1 a n d zu v c r 1.1 s s e 11 ti n d nach Palästina abnireis c n; anderenfalls würden sie nach Sibirien deportiert werden. Die ״Jiitäa“ dar! wieder in PnliisÜna aufflelülirt werden Die palästinensische Regierung hat ihre Einwilligung zur weiteren Atifiührting der llalevvsclien Oper ״Die Jüdin"’ erteilt. Bekanntlich war die Oper Ende Juni infolge des von Kardinal üiorgi im Namen der römisch-katholischen Ge• mcimle erhobenen Einspruchs verholen. Der Einspruch stützte sich darauf, dal! die Rolle des Kardinals in der Oper eine Herabsetzung der katholischen Kirche bedeute. Die Regierung hat die Aufführung unter der Bedingung gestattet, daß der IT c x t d c r Rolle des Kardinals ge ä 11 d c r t werde. Die Verhaftung ln Jerusalem Wahrscheinlich eine irrtümliche ß e schuld i g u 11 g J e r 11 s 111 e m, (J. T. A.) lieber die Verhaftung des , Cliahiz. im Zusammenhang mit dem Mord au Dr. de II 9,111 ist noch zu melden: Der Citaiuz Jacob G u II m a 11 n , tler am 26. Juli verhaftet wurde, ist ein schwächlicher Mensch, der nicht einmal seiner täglichen Beschäftigung I als Milcha ust rii gcr regelmäßig ' nacb/ugehcn imstande I ist. Die Angehörige« GiilSiuamis glauben bestimmt, daß ein I Irrtum v o r 1 i c g t und daß er bald f r c i g e I a s s e 11 j werden wird. 1 4 ן I.ondon. (j.T. A.) Der ,,Daily Expreß“ beriditet, | daß (iiißinaiin auf die A 11 s s a g e e i 11 e 1׳ g e i s t e t k r a 11 k e 11 1 Nachbarin hin, die zudem ihren eigenen Gatten I als Mitschuldigen be/eiclinctc, verhaftet worden ist. | * ן Der Jerusalemer Spe/ialkorrespoiuknt des. ״Daily Expreß" telegraphiert am 28. Juli: Frau P a!1 k o w i t z, welche gegen Jacob G u ß m a n n , den die Polizei unter dem Verdacht verhaftet hat, Dr. de Haan, den Korrespondenten des ״Da i 1 v E x p r e IV‘, ermordet zu haben, ausgesagt haben soll, versuchte Selbstmord zu verüben, indem sie sieh die Kehle durchschnitt. Sie wurde schwer verletzt ins Krankenhaus überführt. Gußmann und sein Bruder wohnten bei Frau Pankowitz. Es heißt, daß die Frau ein sonderbares Wesen seit GulUtiamis Verhaftung an den Tag legte. Gestern soll Frau Pnnkowitz d.11־ Bruder von Gußmauti um Vcrzei 111111g gebeten und gesagt haben, daß sie cingeschüchtert (?) worden sei, falsche Aussagen zu machen. Der Bruder Gußmamis, ein Jerusalemer Student, erklärte, sein Bruder, der an den Folgen eines schweren Malariaanfalls leidet, sei nicht imstande, eine Fliege zu töten. Er sei sicher, daß man ihn bald entlassen werde. 1 Schlußwort Der ״Israelit“ antwortet in seiner Nummer vom 21־. Juli auf unsere Aufforderung, den Beweis für seine Behauptung I.־inzutreten, daß wir ״moralische Mordversuche gegenüber der Agtida und ihren Führer für höchst verdienstlich hielten“. Da wir für ausgedehnte Polemiken weder genügend Raum noch Zeit haben, begnügen wir uns mit folgenden ab schließenden Feststellungen: 1. Unser ״Mordversuch“ liege nach dem ״Israelit“ in dem von uns früher geäußerten, wiederholt von uns zitierten Wunsche, die Führung der Agtida ״im Judentum moralisch zu isolieren“, wenn sie weiter ״politische Kämpfe mit den Mitteln der Verleumdung mul der körperlichen Gewalt führt". Getreu dieser Interpretation könnten wir das Bestreben der Aguda auf Abtrennung vom nichtorthodoxen Teile des Judentums (erst jüngst von einem litauischen Rabbiner als ein ״brandiges Glied“ bezeichnet) mit demselben Recht als täiu'ii ״Muuiversnch“ am Judentum anspredien, 2. Was die Behauptung von dem ״zionistischen Mord“ in J e 11 tl r z e j c w;;ahm::(, so erklärt d׳׳r ״Israelit“, der Beweis (ür die F a 1!, ch h ei s der Bell.:!;;:Steig sei ״bis.- her vor keiner unparteiischen Instanz, geführt worden“. Der ״Israelit“ schenke daher seinen Gesinnungsgenossen in Polen mehr Glauben als den Zionisten. Selbst wenn dem ״Israelit“ das Zeugnis des Orisrabbiners und die vons einer ganzen Reihe von Bewohnern gegebene genaue Darstellung des Sach- Verhalts, der von agud'istisclier Seite nichts als die wiederholte Behauptung, es handle sieh doch um ein Opfer ״zioiiisfiseher Hetze“, entgegengesetzt Wurde, nicht genügt, so sollte er wissen, daß eine öffentlich erhobene Mord- 11 e s c h 111 d i g 11 ״ g ohne Erbringung des vollen W a 11 r 11 e i t s b e w'e i s e s eben V c r I c u m d 11 n ß g c - 11 a 11111 wird. Stellt jemand eine so ungeheuerliche Behaiiptmig auf, dann fällt i h m die Beweislast zu, nicht dem Angegriffenen. Wenn schon ein jüdisches Urteil dein ״Israelit‘׳ nicht maßgebend ist, so sollte das Verhalten ehrenhafter Engländer und die bündige K'euiizciclunuig des S p 1■ e c h c r s lies e 11 g I i s c 11 e 11 Unterhaus es hei dem Versuch, den Mord an de Haan sogleich als politisches Verbrochen zu deinen, doch mich ihm zeigen, wie unstatthaft ohne zwingende Beweisgründe ein solches Verfahren ist. 3. Wir konstatieren ferner, daß auch jetzt noch der ״Imnein" mit keinem Wort auf unsere Feststellung eingeht, nach der er zu l.chzcitcn de 11a,ms sich niemals zu diesem bekannt hat. Wir fragen den ״Israelit" weiter, warum er mul die a״utlislisclien Blader, die de Haan nach seiner Ermoidung als’ Märtyrer des orthodoxen Judentums so überschwänglich verherrlichten, es sieh versag( haben, aus dem vor kurzem erschienene!) G 0 d i C 11 t b a 11 d de Haans ״K xv a t r y 11 e 11“ (Verlag P. N. van Kämpen, Amsterdam 102*1) das Gedicht ״Hoffnungslos" (Seite 125) oder ״Die Posaune“ (Seite 1261 oder ״Alles Gottes Schuld“ (Seite 182) oder ״Wahnsinn" (Seite 18-1) oder ״Gott“ (Seite 186) abzitdrucken. Der Frankfurter agmiistbebe Verlag, der jetzt ein Huch von de Haan in deutscher Uebersetz.iing ankündigt, sollte, vielleicht als Einleitung, diese Gedichte und andere Proben aus dem Buch voransteilen. Die Rücksicht auf unsere strenggläubigen l.cser verbietet uns, sie in wortgetreuer UeBer,sct/tinß in unserem Blatte wiodcrziigobcn. •1, Unsere präzise Frage, ״ob in irgendeinem zionisiisclien Blatt eine solche ausdrückliche Billigung von und ein:' Aufreizung zu _ G c w a lt t a t 0 11 stand“, wie in dem Blatt des Präsidenten* der Aguda, Dr. Pinclms Go 11 11, beantwortet der ״Israelit“ mit nichts anderem als der verlegenen Erklärung, er sei ״keineswegs geneigt, etwa jedes Wort der agudistischcn Presse zu decken; peccalur infra imiros et extra“. Die Behauptung eines ״groß an ge* legten, systematisch betriebenen m o r a I i sc 11c 11 Mordversuchs" trifft nach dem ״isrnelit“ trotzdem nicht auf die Agudisten, sondern auf uns zu. Die TStigkelt des Keren üajessod in RuinSnien Das Zentral-Büro des Keren Hajcssod in Rumänien schrciht 1ms: Die Keren Hajcssod-Aktion in Rumänien fiir das Jahr 568 1, die im November 1623 hegauu und ungefähr 0 Monate undatierte, wurde Mitte Juli beendigt. Die Leitung der K. H.- Aktion hatte in diesem Jahre Herr Dr. Jchuda Wilcnsky imte, die er in energischster Weise und mit beispiellosem Erfolge durchführtc. Der große nationale Aufschwung, den er hei der rumänischen Judenlieit hervorrief, fand nicht nur in den beträchtlichen Summen, die sie zu Gunsten des K. El, enlnchtole, ihren Ausdruck, sondern äußerte sich vornehmlich in der positiven Einstellung dieser Judeusehaft — die bisher recht wenig an'׳der nalioualeir - "Entwicklung Tollnahm — zu Erez lsra< i und insbesondere in dem regen Interesse, die sie «Ion Erscheinungen und Vorgängen in Palästina auf dem Gebiete der kol.misa'orischen und kulturellen Entwicklung ent;:ogenbri.ngt. Im Verein mit einer Gruppe von ITilfsdelegierten, unter denen sich außer heimischen auch einige Palästinenser, und zwar P. G i 11 s b u r g Dr. M i h a s 11 a n , M n!1 c i k -Mar g a I i t h , befanden, war Dr. Wilcnsky in Ml Städten Alt-Rumäniens tätig. Ddrclt seine begeisternden Schilderungen Eie/ Israels und vier Leistungen uuscrci C.haluzitu gelang es Dr. Viicnskv, auch fernstehende l.cute fiir den K. H. zu gewinnen. So hrachtcn kleine Städte Rumäniens trotz der niedrigen Valuta oft größere Summen zu Gunsten dis K. II. aut, als manche große Städte in Ländern mit guter Valuta. Die Gesamtsumme, die im Jahre 5681 für de» K. 11. Ln Rumänien aufgebracht wurde, beträgt über 20 Millionen Lei, d a s sind etwa 22.000 £. In einigen, kleinen Städtchen werden die Gcldsammluugcn _ noch tort- ״esetzt, so daß zur genannten Summe noch einige Betrage hiii/iikommen weiden. Von diesem Betrage winde m ־ י־״״ rcst 5,260.000 Le», m J a sx v 1 .800.1)00, in (1 alat H■]ULTO>, i« l'iatra Ncamta 676000, in Botosam «)20.000, Ploesti 710.(HM) Lei ge• ainmclt. Die sn'ion, Propaganda, Gcldsaiiimluii machen 10 s!• Ul •en, die für Organi- ..״en usvv. verausgabt wurden, der Eingänge aus. Wenn wir tlic oben erwähnten Beträge mit den in den vorigen Jahren angegangenen ver* ״lciclicn, so ergibt sich — da in den 2 Jahren Mtb/—t t 61t ganzen »3.000 C (11 Millionen Lei) angegangen sind - daß »11 dem Jahre 81.)<׳ amlc r tlulbin al so v ic I gesammelt wurde, als im den beiden vorangegaugencti _ Jahren. Wenn _ wir in Betracht ziehen, daß wahrend dieser Zeit die Judenschaft Rumäniens auch betriielitlkhe Summen für den N.-r., für die ״Bank I lapoalim“ für die ״Organisation der judiscM'11 Frauen“ usw. gegeben hat und daß sic obendrein dieses Jahr infolge des Nicderp«״״cs der rumänischen Währung und der schlechten Ende sich in einer ziemlich ungünstigen fmanziehen Lage befind.•t, sind die grollen Opfer, die sic fur den Wiederaufbau ■ l'alä-linn« brachte, besonders hoch einz.nschülzrn. Die Gesamtsumme, die seit dem Beginn der K 11 -Sammlungen (1021) in Rumänien überhaupt angegangen ist, betrug am 30. Juni 102» 27.173.15 •C, die in London abgeliefcrt wurden, wozu noch einige tausend Pfund, als noch nicht abgeliefcrt, h.tuukommen. Wenn die Zeichnung Rumäniens mit der anderer Länder verglichen wird, so ergibt sieb, daß All-Rum,mieii allein mit seinen 300 000 Juden, trotz der obcrwäiintcM materiellen Hindernisse, in bezug auf die Höhe der geleisteten Baräge, an der 8. Stelle unter 50 Ländern steht. Wenn aber die Betrage der mit Rumänien vereinigten Provinzen Befiarabien, Bukowina, Transsylvanien der Summe von Alt-Rumänien hin/ngerechnet werden, so ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die Gesamtsumme der K. H.-Eingänge per 30. Juni 1021 ergibt den Betrag von 13.951.M.— £, und Groß-Rutnänien stellt dann an der 4. Stelle aller Staaten der Welt. Das Zentral-Büro des Keren Hajcssod in Rumänien gibt sich trot/dem mit dem erzielten Resultate nicht zufrieden und trifft alle Vorbereitungen, in dein nächsten Jahre die Propaganda in verstärktem Maße fortzusetzen. Kolonialminister Thomas Mlffjlled der Pro Jerusalem Gesrllscliall Wie der J. T. A. iniigetoilt wird, ist der Staatssekretär für die Kolonien J. H. Thomas der Pro - Jerusalem-Gesellschaft als Mitglied beigetrden. Die Pro - Jerusalem-Gesellschaft wurde iin Jahre 1916 gebildet. Sie läßt Parkanlagen, Gärten und offene Platze in und um Jerusalem entstehen und die alten Anlagen verschönern; sie errichtet Museen, Bibliotheken, Kimslgalericn und sorgt für Konzerthänscr, Theater oder ahnliehe Institutionen, die erzieherisch auf die Bevölkerung wirken. Sic sorgt außerdem mit Unterstützung der Regierung für Instandhaltung von Kiinstgcgcnständcu und sie regt Künstler, Handwerker und Gewerbetreibende zum Schallen an. Herbert Samuel ist Ehrenpräsident der Pro-Jerusaiem-Gescllschaft, ihm zur Seite steht Sir Ronald Storrs, der Gouverneur־ des Jcrusalcm-Jalta-Distrikts als Präsident. Stürmische Erölfnunnssil/.ung der lofaer indischen Gemeinde Adtnlieh wie in Warschau kam cs auch in Lodz bei der Eröffnungssitzung tler neugcwahlten jüdischen Gemeindcvcrtrctimg zu stürmischen Kundgebungen der Gemcindevertreter und des zahlreichen Publikum*, das trotz der von der Regierung aiigcordnclcii. N'ichtüffcntlichkcit der Beratungen in. ihm Sitzungssaal eingcdrungcH war. Der bisherige Prasident der Gemeinde, N e u m a 11 n , croffnctc die' Sitzung ־•au! Geheiß des Wojwodett in polnischer Sprache, was stürmische Proteste der Zionisten, Bundisteii und Folkisteil licrvorrief. Der Zionist Dr. Braude hielt eine hebräische Rede, die von Bumlisten und Folkistcn durch stürmische Zurufe ״jiddisch“ unterbrochen wurde. Vorsitzender Nctimann, der schon vorher durch hcrbcigcrufcnc Polizei das Publikum und die Pressevertreter aus dem Sitzungssaalc vertrieben ii a 11 e, unterbrach während Brandes Rede die Sitzung. In der Pause versuchte er durch Vciliamlhingen mit der Linken der Geineimli'vertrctiing eine Fortsetzung der Sitzung zu ermöglichen. Angesichts der Haltung der Behörden weigerten sich jedoch!!midisten und Folkistcn, eine Wiederaufnahme der Beratungen zu/ul,isscn. Kordechaf ben Hille! liakoltem . (Zu seinem 50jährigen literarischen Jubiläum) Dieser Tage wurden es 50 Jahre, seitdem der bekannte hebräische Schriftsteller und Publizist Mordechai h c 11 EI i II c I Hak ollen seine literarische Tätigkeit begonnen hat. Nur wenige aus der jüngeren Generation werden sich dieses Namens erinnern um! doch war er bis vor Kriegsausbruch in unserer Literatur einer der populärsten Namen sowohl in Rußland wie auch in ganz Osteuropa. In Mohilcw geboren (1856), genoß er die damals bei allen angesehenen jüdischen l amilicn übliche Erziehung. Sein Wissensdrang ließ ihn jedoch nicht ruhen und er begann bald in seinen frühesten Jiigendjahreii sich in Sprachen und verschiedenen Wissenszweigen zu vervollkommnen. Sodann wurde er Kaufmann Iund kam schon in jungen Jahren nach Petersburg (1879), wo er auch publizistisch wirkte. Er wurde Mitarbeiter von Smolenskis ״H,1schach.tr", der damals als Tribüne der beginnenden jüdischen N'ationalbcwegimg und deren Wortführer galt. Hauptsächlich der Einfluß Smolenskis äußerte sich in Ilakohcns Tätigkeit, wenn er auch Beziehungen zu anderen fahrenden hebräischen Schriftstellern der damaligen Zeit unter- , hielt. So veröffentlichte er auch Aufsätze in den damals in Petersburg erscheinenden jüdischen Wochenblättern in russischer Sprache ״Raßwiet“ und ״Ruski jewrej“. Als das erste russisch-jüdische Tagblatt in jüdischer Sprache in Peters• bürg ״Der Frajnd“ (1903) zu erscheinen begann, wurde Hakohcn einer seiner geschätztesten Mitarbeiter. Obwohl er kein Anhänger der jiddischen Sprache war, arbeitete er doch am ״Frajnd“ mit, der nachher die einflußreichste jüdische Zeitung im damaligen Rußland wurde. Seine in humoristischer Form im ״Frajnd“ geschriebenen Feuilletons fanden große Beachtung. iliand in Hand mit seiner literarischen Tätigkeit ging sein Interesse fiir öffentliche Betätigung. Wir finden Hakoltcn in den Anfängen der ״Chibath Zion-Bewegung“, deren prominentester Verfechter er in Wort und Schrift wurde. Im Jahre 1891 ging Häkchen nach Erez-Jisrael, um persönlich die Lage des Landes z.u studieren. Als Resultat dieser Reisen veröffentlichte er eine Reihe von Aufsätzen über seine Eindrücke im ״Hamcliz", in denen er mit Enthusiasmus die Sache der Regeneration des Volkes auf eigener Scholle vertrat. Seit dem Entstehen der modernen zionistischen Bewegung durch das Auftreten Theodor Herzls wurde Hakohcn ein begeisterter Anhänger des politischen Zionismus und nahm am 1. Kongreß in Basel teil. Erst vor kurzem wurde in Palästina zur Wiederkehr des 25. Jahrestages des 1. Kongresses «Ja» ״Scfer Hakongrcß“ herausgegeben, worin Hakohcn nebst amlerott Teilnehmern seine Eindrücke und Erlebnisse vom 1. Kongreß schildert. Die Wärme, die seine Erinnerungen von damals ausstrahlt, geht unwillkürlich auf den Leser über und läßt ermessen, mit welcher Anhänglichkeit Hakohcn der Sache des Zionismus ergeben ist. Er nahm in der Folge .111 allen wichtigen zionistischen Konferenzen und Beratungen teil um! verließ 1907 Rußland, um sich dauernd in Palästina nicder/nlassen. Audi im Lande setzt Hakohcn seine publizistische Tätigkeil fort. Seit Erscheinen des ״I!;ixchiloacli" in Palästina wurde Hakoltcn einer seiner bedeutendsten Mitarbeiter und veröffentlichte in ihm interessante Aufsätze. Bei seiner publi• zistischeu Betätigung widmete er sich dem Memoircngebiet tler hebräischen Literatur. Seine Erinnerungen bieten ein reiches Material für den Geschichtsschreiber, Auch In den letzten Jahren vernachlässigte er dieses Gebiet nicht und veröffentlichte erst ־ vor kurzem im ״l laschiloach" seine Erinnerungen aus Palästina während der englischen Militär• Verwaltung bis zur Einsetzung des iliglt Commissloners, Hakohcn erwies sieh mich ats glänzender Schildcrcr des alten jüdischen Städtchens, der verschiedenen Typen aus alter Zeit, wie er sie selbst gesehen und mitcrlcbt hat. Diese in frischer Sprache geschriebenen und vor kurzem erschienenen Eriiniertingen (Stybel - Verlag, Warschau 1923) sind ein lebendiges Denkmal für das jüdische Städtchen, das all• mählich verschwindet. Im Verein mit den anderen inzwischen nach Palästina ühcrsiedeltcn Schriftstellern, wie Bialik, Ben - Zion usw. erneuerte er in Ercz-Jisraci die Tätigkeit der ersten hebräischen Schriflstcllcrvcrcinigung ״Agudath hasofrim“. Beinahe ein Siebzigjähriger, arbeitet Hakohcn weiter mit fas! jugendlichem Temperament. Möge dieser alt-junge Schriftsteiler noch lange Jahre in unserer Mitte wirken und zur Bereicherung unserer Literatur beitragen! Josef I ialcvi •Lanczcncr. liic chinesischen Juden Es sind jetzt Bestrebungen im Gange, uni die ״Gesellschaft zur Befreiung der chinesischen Juden“, welche 1900 in Schanghai gegründet wurde, wieder aktiv werden zu lassen. Mau hofft, daß die an dem Problem interessierten amerikanischen Juden Kapital beschaffen werden, uni eine Expedition nach der Stadt K a i - f c n gf tl, der alten Hauptstadt der Provinz Houau, entsenden zu können. Diese Expedition hätte die Aufgabe, die Lage der chinesischen Juden in dieser Ortschaft zu studieren und eine dauernde Verbindung mit diesen Juden zu schaffen. *Von Zeit zu Zeit werden schon jetzt Anstrengungen gemacht, um der chinesisch-jüdischen Kolonie in Kai-feng-fu wirtschaftlich zu helfen und diese Juden wieder dem jüdischen Glauben z u z u f ü 11 r c 11. Dr. A. S. Öko, der Bibliothekar des Hcbrcw Union Collcg in Cincinnati, der unlängst in Europa wichtige Manuskripte über die Geschichte der chinesischen Juden erworben hat, hat sich einverstanden erklärt, an der Reise nach Kai-fcng-fn tcilzunebmcn, um an Ort und Stelle die Geschichte dieser jüdischen Kolonie zu studieren. In den Jahren 1852 und 1864 wurden in England und in den Vcreinigten Staaten Versuche gemacht, eine Expedition nach Kai-Icng-Iu zu entsenden. Oie Expeditionen waren aber infolge der zu dieser Zeit in China andauernden Unruhen nicht zum Ziele gelangt. 1010 zählte die jüdische Gemeinde von Kai-fcng-fu noch 14(1 Seelen. Die Ruinen einer vor mehr als 1800 Jahren erbauten Synagoge sind noch zu sehen. Die Juden In Turkcstan und Ruchara Die Juden, die seit undenklichen Zeilen in Turkestan und in Buchara leben, sollen aus Persien eingewandert sein, wohin sic zur Zeit des ersten Exils aus Palästina gekommen sein sollen. Ihre Sprache ist ein persischer Dialekt. Ihre Zahl ist heute 100 003 Seelen. Die größten Gemeinden befinden sich in Samarkand, Taschkent, Buchara. Sie beschäftigen sich meist mit Handwerk und Handel, f rüher war dort der Wohlstand beträchtlich, aber seit der russischen Revolution wurde die Lage der Juden sehr schlecht. Der Handel liegt darnieder, da auswärtige Verbindungen fehlen. Alle Traditionen fallen. Die jüdische I'ratt . kämnft fiir ihr Recht, sich den Mann zu wählen, den sie will. Vor kurzem fand eine Konferenz jüdischer Frauen statt, cs wurden Resolutionen angenommen, die eine Gleich- Stellung der Frau im jüdischen Grnicindclcbcn forderten. Bis 1922 war Hebräisch die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen, zuletzt wurden Persisch und Russisch eingeführt. Es herrscht Mangel an jüdischen Lehrern, ln Samarkand wohnen 12003 jüdische Seelen In einem besonderen Viertel, das ״Mach ne Israel" geuannt wird. Es existiert dort ein Arbeiterklub, ein Theater mit hebräischem Repertoire, eine hebräische Zeitung, eine Bibliothek, ein Museum, 40 Synagogen, sowie 3 Schulen mit 500 Schülern. 1500 Kinder körnten aus Mangel an Schulen keine Erziehung erhalten. In Taschkent wurde unlängst ein jüdisches Lehrerseminar eröffnet, das von 150 Hörern besucht xvird. In der Nähe von Taschkent wurde vor kurzem eine jüdisehcKoIonic gegründet, die den Namen des ersten jüdischen Dichters in Buchara ״J c s c h a" führt. (

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